Welttheater, 2. Akt, 10. Szene:

Was zuletzt geschah: Der Angstmacher lobt Jennys „Realismus“ und tadelt Claras Glauben an Naturgeister, empfiehlt stattdessen die Lektüre von Gruselmärchen mit Orks und Zombies, damit das Kind lernt, sich zu fürchten.

Clara, Domna, Danai und Hera intonieren einen Wechselgesang, dem sich auch Jenny anschließt. Sie möchten den Angstmacher höflich vertreiben.

Clara: Die wilden Biester fürcht ich nicht

Domna: Den wilden Laistrygonen wirst du nicht begegnen

Danai: Fürs Böse gibts ein göttliches Gericht

Hera: Den Tapferen die Götter segnen!

 

Clara: Die Geister tanzen immerfort!

Domna: Möge dein Herz von Liebe befeuert sein!

Danai: Die Freiheit ist kein leeres Wort.

Hera: Möge das Leben täglich erneuert sein!

 

Jenny TheKid:

An Götter glaub ich nicht, auch nicht an gute Geister

Schon gar nicht aber glaub ich diesem Schurken

der mich mit Ängsten füttert wie mit sauren Gurken

Schurigeln lass ich mich von keinem, darin bin ich Meister.

 

Hau ab, Schurigel, mach, dass du verschwindest

und lass die Clara endlich mal in Ruh

Sie ist ein Kind noch, und kein Mann wie du

Macht΄s Spaß, wie du ihr Kinderherzchen schindest?

 

Alle zusammen:

Angst macht unfrei, Angst macht dumm

Geh schon weg und nimms nicht krumm!

Wir sind so frei, uns nicht zu sorgen

Was morgen kommt, das sehn wir morgen.

 

Schurigel

Schön dumm seid ihr, ihr werdet es bereuen

Dass ihr nicht auf den guten Rat gehört

Denn schwarze Wolken schon am Himmel dräuen

Euch hat die Glaubensseligkeit betört.

 

Wenns an der Zeit ist, sprechen wie uns wieder

dann kommt ihr heulend angerannt

dann fallt ihr bettelnd auf die Knie nieder

dann ist die Suppe leider angebrannt.

 

Noch keiner konnt die große Angst besiegen

die uns im Leben klug und tüchtig macht

so dass wir nicht auf Brechen und auf Biegen

den Bogen überspannen bis es kracht.

 

 

 

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Malerei, Psyche, Scherenschnitt, Collage, Welttheater abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

13 Antworten zu Welttheater, 2. Akt, 10. Szene:

  1. Verwandlerin schreibt:

    Oja, den Bogen überspannen – darin ist der Mensch ganz groß… Im Großen wie im Kleinen.

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  2. Gisela Benseler schreibt:

    Ein großes Welttheater!

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  3. Gisela Benseler schreibt:

    Als hättest Du das vorher schon gewußt, als Du die Schnipsel zusammensetztest, welche Rolle die Figuren spielen würden.

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  4. Gisela Benseler schreibt:

    *“Wenn’s an der Zeit ist, sprechen wir( nicht:wie ) wieder.“ Ein kleiner Tippfehler.

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  5. Wie toll wäre es, Deine Worte zu Bühnenbildern (aus Deiner Werkstatt) aufgeführt zu wissen. Du machst das so wunderschön, Gerda!

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