Welttheater 3. Akt, 3. Szene: Überlebenskunst, erster Teil

Was zuletzt geschah: Im Gebirge vor der Höhle gehen die Personen ihren Interessen nach. Jenny und Clara sind hungrig. Das Kind Clara glaubt an die Magie der Geschenkebox, die hart gesottene Jugendliche Jenny denkt, damit ein gutes Tauschgeschäft zu machen.

Jenny:

Da kommt noch einer, ist ein Mann,

mal sehn was ich ertauschen kann.

Denn eines wisse, ohne Geld

bekommst du nix auf dieser Welt.

Doch der ist ja vielleicht ein Ochs

und gibt uns Essen für die Box.

Jenny schnappt sich die Box und klettert den Berg hoch, um zu Wilhelm, dem Überlebenskünstler zu gelangen. Clara bleibt jammernd zurück, Domna versucht sie zu trösten.

Clara (weinend):

Die Jenny hat mir die Dose geklaut

die ich im Traum hab erhalten

ich habe der Jenny immer vertraut.

Ich wollt doch die Dose behalten.

Domna (tröstend)

Mein liebes Kind, nun wein man nicht

die Jenny ist nicht böse

Sie hat nur eine andere Sicht

auf dieses Weltgetöse.

 

Auch Jenny glaubte, als sie klein

an Güte und Magie

doch schwor sie sich, so ganz  allein:

‚Ich fall nie auf die Knie‘.

 

Sie glaubt, dass sie ein Meister ist

im Überlebenskampf

dass jeder Fisch den andern frisst

und Güte sei nur Krampf.

Clara (bestimmt):

Doch meine Dose will ich zurück!

Sie bringt mir im Leben immer nur Glück!

So sah ichs im Traum, und das ist auch wahr!

Die Jenny denkt anders, das ist mir schon klar. 

Domna (lächelnd)

Schon recht, liebes Kind, ich seh, du bist klug

doch Klugsein ist manchesmal auch nicht genug.

Nun warten wir ab, was die Jenny erreicht

ob sie des Mannes Herze erweicht.

Danai und Trud knien am Boden. Sie untersuchen die Pflanzen, ob sich was Essbares findet. Denn auch sie haben Hunger.

Trud:

Kennst du die Kräuter? Taugt dies was?

Weißt du bestimmt, dass auf jenes Verlass?

Danai

Freilich kenne ich sie, liebe Trud

von manchen kochst du einen Sud,

doch manche kannst du auch roh essen,

bevor die Tiere sie wegfressen.

Bei manchen ist die Wurzel gut,

vor ihrem Blatt sei auf der Hut.

Manche sammelst du am Morgen

eh die Sonne noch erwacht

Andre musst du dir besorgen

unterm Mond um Mitternacht.

Trud

So sag mir, wie heißt dieses Kraut?

Oder ist’s dir nicht vertraut?

Danai

Das ist die Vogelmiere,

kannst essen Blüt und Blatt

Ich ess sie wenn ich friere

Viel Vitamin sie hat.

 

Und dies ist Giersch, doch schaue ganz genau

denn andre Pflanzen ähneln ihm doch sehr

und isst du die, so wirst du, liebe Frau

wahrscheinlich krank, womöglich schwer.

Der Giersch schmeckt fast wie der Honig,

die Blätter ess ich auch

Die schmecken leicht zitronig

sie machen warm im Bauch.

 

Inzwischen ist Jenny den steilen Hang hochgeklettert und nähert sich dem fremden Mann. Doras Geschenkebox hat sie sich unter den Arm geklemmt.

Fortsetzung folgt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Genau, genau! Ich bin gut vorbereitet

und wenn die dumme Menschheit auch bestreitet

dass Unheil kommt und Hungersnot

Ich kenne der Vernunft Gebot.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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5 Antworten zu Welttheater 3. Akt, 3. Szene: Überlebenskunst, erster Teil

  1. Gisela Benseler schreibt:

    Danke, Gerda. Wie spannend und schön gestaltet. Und es bekommt wieder eine Wendung ins Positive. Wie gut kennst Du Dich mit Kräutern aus, Gerda!🌱♥️🍀

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  2. Ach, Gerda, wie schön hast Du fabuliert. Bist ins Märchen gestiegen und hast die Neuzeit mit eingebracht 🙂 Toll!

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, du Liebe. Ja, das ist meine Spezialitätt, das habe ich in meinem „Schwanenroman“ ständig getan. Diese Aufhebung der Zeit, die ich in Griechenland tatsächlich wahrnehmen kann, da man hier auch in modernen lauten Städten in den Fußsohlen die uralten Schwingungsschichten erfühlen kann.

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