Nachtrag Wüstensand: Himmel in Scheiben

Vor fast genau 5 Jahren, am 25.3.2013, habe ich ähnliche Sahara-Sand-Fotos aufgenommen wie heute. Eben fand ich den Dossier. Damals habe ich auch die Bearbeitungen gemacht, die mein Gefühl gut wiedergeben: kompakter Himmel, in Scheiben geschnitten.

Die Fotos von vor 5 Jahren, von denen die obigen Bearbeitungen stammen. Die erste Zeile zeigt die Orginale, die zweite die mit Fotoshop durch „auto tone“ verstärkten.

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Die Luft war einst dem Sterben nah…

Seit gestern nachmittag bin ich wieder in der Mani – und die ist heute morgen stiller als still. Gestern hörte ich noch die Vögel singen, aber auch die halten heute lieber den Mund. Zu dick die Luft. Nur ein sehr leichter Wind rührt darin herum. Das bringt es nicht. Da müssen schon mehr Dezibel her!

Christian Morgenstern

Die Luft war einst dem Sterben nah.

„Hilf mir, mein himmlischer Papa“,
so rief sie mit sehr trübem Blick,
„ich werde dumm, ich werde dick;
du weißt ja sonst für alles Rat –
schick mich auf Reisen, in ein Bad,
auch saure Milch wird gern empfohlen;
wenn nicht – laß ich den Teufel holen!“

Der Herr, sich scheuend vor Blamage,
erfand für sie die – Tonmassage.

Es gibt seitdem die Welt, die – schreit.
Wobei die Luft famos gedeiht.

 

Unbearbeitete Fotos von heute, 10.30 Uhr. Der Sahara-Staub hat sich verdichtet und verhüllt Meer und Berg. Was man von der Terrasse meines Hauses aus an normalen Tagen erblickt, hat Ulli grad kürzlich gezeigt: https://cafeweltenall.wordpress.com/2018/03/19/griechenlandfotos-07/ (nach unten scrollen!). Der Berg hat, wie ich gestern beim ankommen sah, auch jetzt noch Schnee.

Übrigens: keine Angst! Der Wüstensand ist zwar unangenehm für Augen und Lungen, und er setzt auch die Lebensgeister schachmatt, aber er ist nützlich für den Boden. Wir haben hier seit vielen Jahrhunderten eine Oliven-Monokultur, und die Böden sind extrem ausgelaugt. Da tut ihnen eine Fuhre phosphorreichen Wüstenstaubs durchaus gut. Jetzt bräuchten wir freilich Regen, um das Zeug aus der Luft in den Boden runterzuwaschen. Also haltet mir die Daumen, dass bald Regen kommt und dem Spuk und meinem Husten ein Ende setzt!

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Saharasand in der Atmosphäre

Die Atmosphäre über Südgriechenland ist dieser Tage Saharasand-gesättigt. Manchmal so schwer, dass sich Wolken bilden und der Sand abregnet. (Im Norden des Landes ist wunderbares Schneewetter, die Skifahrer sind glücklich).

Solche Tage haben wir in den letzten Jahren immer häufiger. Afrika rückt näher.  Die Blüten verlieren ihren Glanz. Die roten Anemonen, nun überall erblüht, schließen vorzeitig ihre Kelche, als sei es schon Nacht. Die Luft ist schwer und kühl, die Sonnenstrahlen dringen nicht durch. Am liebsten möchte man den Himmel mit dem Messer in Streifen schneiden..
Die normalen Fotos bringen die Wirkung nicht richtig rüber. Ich habe versucht, die Verfärbung des Himmels dadurch zu verdeutlichen, dass ich Himmelsausschnitte mit der automatischen Verarbeitung („auto tone“) von fotoshop übergangen bin.

Originalfoto Mani, 16.30 Uhr

Hier habe ich den Himmel per fotoshop hervorgehoben

Originalfoto und Ausschnitte vom Himmel, mit Fotoshop „auto tone“

Von der Terrasse: Originalfoto und „auto tone“

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Lehrers Klage: gereimte Frühlings-Kata-Strophen (abc-etüde)

Gefragt ist, ein Kleinst-Oeuvre aus höchstens zehn Sätzen zu fabrizieren mit den Wörtern schnurren, ekstatisch und Frühjahrsmüdigkeit, die vrojongliert  diesmal gespendet hat. Die Einladung gestaltete wie immer lz. Danke, Christiane, für die liebevolle Betreuung dieser unserer literarischen Bemühungen.

 

 

Lehrers Klage

Sie sind wie die Hummeln

Die in Blüten sich tummeln

die summen und brummen

die  schnurren und purren

und wäre ich taub,

den Blütenstaub

auf den schmucken Samtjäckchen,

den blumigen Röckchen,

den rosigen Bäckchen,

unter goldenen Löckchen,

die sähe ich doch.

Und was säh ich noch?

Die Füße die hüpfen ekstatisch im Tanz

Egal ob mit Liesl, mit Fritz oder Franz

Das geht so die Nacht durch, und wenn in der Früh

Die Mutter sie weckt,  oh weh,  besser nie!!

Dann geht rein gar nichts, die Äuglein verquollen

Die Lust am Lernen gründlich verschollen

Nur Gähnen und elende Dusseligkeit.

Das ist die sogenannte,

die allseits bekannte

die Frühjahrsmüdigkeit.

Ach wär ich, so sprach er, noch einmal so jung,

ich brächte die Kleinen schon wieder in Schwung.

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Rückblende Malerei (7) Am Segelhafen (2008)

Zum Frühlingsbeginn auch von mir ein fröhliches helles Bild, gemalt mit Akryllpigmenten und Kleister auf Leinwand, 80 x 100 cm.

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Ein Schwan aus Filz (Bleistiftzeichnung)

Pablo Neruda, Der große Gesang (Canto general)

Mit einmal bin ich es müde, ein Mensch zu sein.
Mit einmal trete ich ein in Schneidereien und Kinos,
undurchdringlich und welk wie ein Schwan aus Filz,
treibe ich hin auf einem Wasser von Ursprung und Asche.

(zitiert nach http://www.planetlyrik.de/pablo-neruda-der-grosse-gesang/2012/09/)

Ein Schwan aus Filz – und zwei schwarzafrikanische Jugendliche, die, so scheint mir, sehnsüchtig ein Boot betrachten. Dazu eine mexikanische Katze, eine Schiffsglocke aus Messing und ein winziges hölzernes Segelboot.

Der Schwan aus Filz (c) gerda kazakou, 2018

Und wie die beiden Knaben so stehen und von der großen Fahrt träumen, werden die Konturen erst schärfer, trüben sich dann ein und beginnen geheimnisvoll zu leuchten in der schnell sinkenden Nacht. (Nachfolgend vier elektronische Bearbeitungen, kann man anklicken)

Mir ist heute nicht weltschmerzig zumute wie Neruda, aber sein Schwan aus Filz kam mir gerade recht. Denn ihn hatte ich als nächsten Protagonisten für eine Zeichnung ins Auge gefasst. Dieser hier ist ein Geschenk meiner Nichte, die ihn selbst gefilzt hat. Die beiden afrikanischen Knaben – schlanke Holzskulpturen – stammen von einer Afrikareise meines Mannes.  Das große Boot habe ich von einem ehemaligen Werftarbeiter erstanden, der nach der Schließung der Werft ein dürftiges Brot mit der Anfertigung solcher Segelboote verdient.

Der Schwan aus Filz (c) gerda kazakou, 2018

 

 

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Rückblende Malerei (6) „Sie weben Gewänder aus Licht“

Dieses Bild malte ich 2013, unter dem  Eindruck des Canto General von Pablo Neruda.

Dann stellte ich es auf den Kopf, übermalte es, ertränkte es in Blut. Die Conquistadoren waren erschienen.

Dann rief ich Invasoren und Besiegte noch einmal gemeinsam auf die Bühne.

Der Mops, der die Sonne verschluckte, und andere Details:

 

 

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„Kleine graue Mutter“ – Kunst- und Naturgegenstände (7) (Bleistiftzeichnung)

Eine kleine graue Skulptur steht im Zentrum des Stilllebens, das ich in der vergangenen Nacht zeichnete. Sie ist mit großer Sorgfalt aus einem weichen Stein – vermutlich Speckstein – geschnitzt und zeigt eine verhärmte afrikanische Mutter mit dem Säugling auf dem Rücken und dem Stößel in der Hand, mit dem sie das Getreide für die nächste Mahlzeit zerkleinert. Ihr Kleid ist schön verziert, ihre Füße sind nackt. Mein Mann brachte sie von einer Afrikareise mit.
Zu der kleinen grauen Frau legte ich die nun schon bekannten Pflanzen: den Zweig mit leeren schwärzlichen Samenkapseln, das Wurzelholz (vorher Krokodilgeist) nun umgedreht, so dass sein schwarzes Ende nach oben ragt, die weiße Kunstorchidee und der runde Holzteller mit der Eule im Zentrum. Der stammt ursprünglich aus Ravenna, ist eine kunstvolle Nachbildung eines im 17. Jahrhundert populären Brettspiels. Mir dient er hier als Weltall.

Die Materialien mit der fertigen Zeichnung:

Die Bleistiftzeichnung:

Kleine graue Mutter (c) gerda kazakou, 2018

 

 

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Entwicklung der Schifffahrt aus ihren Anfängen

„An die Boote!“ erschallt der Ruf. Eigentlich war das Papier zu klein für zwei Boote – meine puristischen bzw dem Minimalismus zuneigenden geneigten LeserInnen mögen mir verzeihen, dass ich nicht widerstehen konnte. Dabei war mir schon angesichts der Aufbaus klar: das wird voll.

Die merkwürdige Lampe, zusammengeschweißt aus alten Metallteilen (ich habe sie mal im „Cabaret Voltaire“ erstanden) musste denn auch das Feld räumen. Aber das Wikingerschiff (Mitbringsel aus Norwegen), das Fischerboot, das eine alte Dame aus Schwemmholz angefertigt und schön bemalt hat (ich fand es in einem Kellerlädchen in Kolonaki, Athen) und die runde Holzscheibe, dessen vielfältige Tierwelt von einer Eule im Zentrum überwacht wird, durften bleiben.

Ich habe die enge Zeichenfläche wohl tatsächlich ein wenig überfordert. Zwei Bearbeitungen mit Fotoshop-Filtern mögen verdeutlichen, in welche Richtung meine Vorstellung beim Zeichnen ging. Habt Spaß!

Ps. „Entwicklung der Schifffahrt aus ihren Anfängen“ – das war es, was mir vorschwebte. Das Rad der Entwicklung dreht sich – und so manches Mal sind die Anfänge kunstvoller als das, was später kommt. Das stimmt für alles – auch für die individuelle Entwicklung im Zeichnen.

 

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Rückblende Malerei (5): Uhrzeit – Lebenszeit, 2008-2015

Uhrzeit-Lebenszeit (c) gerda kazakou (2008-2015)

„Uhrzeit – Lebenszeit“, 2015. Akryllpigmente, Wellpappe, Kleister auf Leinwand, 50x 70 cm. Das ursprüngliche Bild (s.u.) malte ich 2008 im Hochformat („Die Uhr zertickt die Zeit“). Ich habe es 2015 gedreht und vollständig überarbeitet. Dabei habe ich auch eine zweite, rückwärtslaufende Uhr eingefügt. Beim ersten Bild war ich 66, beim zweiten 73 Jahre alt.

„Die Uhr zertickt die Zeit“,2008 (c) Gerda Kazakou

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