Eine neue Kategorie möchte ich hiermit einführen: „Kleine Beobachtungen“ vornehmlich über Natur im menschlichen Umfeld. Also in meinem Umfeld.
Diese Ziegenglocke, deren Schatten du links siehst, hängte ich vor Jahren an einen Olivenbaum. Sie rostete dort still vor sich hin. Manchmal ließ ich im Vorbeigehen ihren Klöppel schwingen.

Eines Tages bemerkte ich, dass der Klöppel unbeweglich war, und schaute nach. Gestern fotografierte ich, was ich dabei entdeckte:
Die Erbauer und Bewohner dieses vielräumigen Hauses waren längst ausgezogen. Wie sie es überhaupt in diesem im Sommer sehr heißen Eisengehäuse aushielten, ist mir ein Rätsel.
Und zur Abrundung das kleine Goethe-Gedicht des Titels:
Die wandelnde Glocke
Es war ein Kind, das wollte nie
Zur Kirche sich bequemen,
Und sonntags fand es stets ein Wie,
Den Weg ins Feld zu nehmen.
Die Mutter sprach: »Die Glocke tönt,
Und so ist dir’s befohlen,
Und hast du dich nicht hingewöhnt,
Sie kommt und wird dich holen.«
Das Kind, es denkt: Die Glocke hängt
Da droben auf dem Stuhle.
Schon hat’s den Weg ins Feld gelenkt,
Als lief‘ es aus der Schule.
Die Mutter hat gefackelt.
Doch welch ein Schrecken hinterher!
Die Glocke kommt gewackelt.
Sie wackelt schnell, man glaubt es kaum;
Das arme Kind im Schrecken,
Es lauft, es kommt als wie im Traum:
Die Glocke wird es decken.
Doch nimmt es richtig seinen Husch,
Und mit gewandter Schnelle
Eilt es durch Anger, Feld und Busch
Zur Kirche, zur Kapelle.
Und jeden Sonn- und Feiertag
Gedenkt es an den Schaden,
Läßt durch den ersten Glockenschlag,
Nicht in Person sich laden.