Griechische Kunst am Sonntag (Nikos Moschos bei Zoumboulaki, Athen)

Diese Rubrik habe ich lange nicht mehr bedient. Es wird Zeit für einen neuen Eintrag. Aber mit dem, was ich letztens in den Galerien Athens an neuer Kunst sah, bin ich nicht so recht glücklich geworden. Die Ausstellung „adaptation conditions“ von Nikos Moschos, die ich in der zentralen Galerie Zoumboulaki sah, will ich aber doch vorstellen.

Titel und Katalog versprechen eine interessante Seherfahrung: es gehe um den Prozess der Anpassung des Menschen an neue Bedingungen. Das Thema werde entwickelt um Anliegen, die seit Jahrhunderten Künstler umtreiben: Tod, Liebe, Autorität etc. – Nun aber seien die Entwicklungen so rapide, und der Begriff des Fortschritts sei inzwischen so durch und durch kommerzialisiert, dass es immer schwieriger werde, angemessen zu reagieren und abzuklären, was wirklich bedeutungsvoll sei. Technologie sei kein Hilfsmittel der Menschen mehr, sondern ersetze ihn mehr und mehr, und Wissen diene nicht mehr der Selbst-Erkenntnis, sondern dazu, Autorität zu oktroyieren.

Bei diesem Ansatz ist es dann nicht erstaunlich, dass der Maler Fortschritt nur in seinem dystopischen Aspekt wahrnimmt. Mit geradezu altmeisterlichem Können entwirft Moschos Bildwelten, die würgen, ekeln, „ankotzen“. Mich interessierte wegen eigener aktueller Versuche (Raum-Zeit-Collagen), wie er seine Bildwelten aufbaut. Ich fand allerdings außer dem Malstil (fast altmeisterlich mit modernen Effekten) keine zeitliche Dimension, sondern nur eine zerstückte Jetzt-Welt mit deformierten Menschen. „Trittst du hier ein, lass alle Hoffnung fahren“ – dachte ich, Dante zitierend.

Die Bilder sind sehr groß. Das erste heißt: „Lets get married“. Beim zweiten ist ein kleineres „Heile-Welt-Bild“ans Hauptwerk  angeklebt. Diese beiden sind mit Akryll auf Leinwand gemalt. Das dritte „FTW 2018“ betitelt, ist eine Zeichnung (Bleistift, Filzstift, Pastell) mit Collagen auf Papier. Ich zeige dann noch drei Bildausschnitte, die den Malstil verdeutlichen-

Nikos Moschos, Jahrgang 1979, studierte an der Kunsthochschule Athen und hat außer in Athen, Brüssel und Barcelona mit Einzelausstellungen auch an zahlreichen Gruppenausstellungen und Kunstmessen im In- und Ausland (2015 in Berlin) teilgenommen.

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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12 Antworten zu Griechische Kunst am Sonntag (Nikos Moschos bei Zoumboulaki, Athen)

  1. Gisela Benseler schreibt:

    Daß Du damit nicht glücklich bist, kann ich verstehen, Gerda. Darum setze ich auch kein Sternchen. Da hast Du ja mächtig viel zu verkraften, umzuwandeln, aufzuarbeiten.

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    • gkazakou schreibt:

      Nun, das sind wieder so deine Übertreibungen, Gisela. Ich nehme mir so was nicht zu Herzen, brauche es also auch nicht zu verkraften und gar umzuwandeln. Ich schaue es an und lasse mich anregen – oder auch nicht-
      Wenn ich etwas verkraften muss, dass ist es die Wirklichkeit. Was sich grad auf unseren Inseln abspielt. Und am Grenzfluss Evros. Wie man Mensch bleibt in solchen Konflikten.

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, Gisela. Und unmenschlicher noch ist die Hypokrisie.

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    • gkazakou schreibt:

      bedeutet ungefähr „Heuchelei, Scheinheiligkeit“. Betrifft aktuell zB diejenigen, die über die unmenschlichen Bedingungen an der griechisch-türkischen Grenze zetern und klagen (zu recht, denn sie SIND unmenschlich), aber keineswegs wollen, dass die Flüchtenden zu ihnen kommen, und in ihrem Innersten eigentlich froh sind über jeden Flüchtling, der es NICHT schafft.

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      • Gisela Benseler schreibt:

        Danke für Deine klare Antwort, Gerda. Wir stehen alle vor unlösbaren Problemen, und keiner sollte den anderen die Schuld zuschieben. Teilnahmslos bleiben dürfen wir aber auf keinen Fall!

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  2. Mitzi Irsaj schreibt:

    Interessant anzusehen. Nicht ganz meines, aber weil es so gar nicht meines ist, eben doch interessant.

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  3. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Diese Werke machen mich nicht ratlos, aber sie entsprechen meinem Geschmack ganz und gar nicht, liebe Gerda. Er ist ein Könner, fraglos, aber vor dem, was er da kunstvoll geschaffen hat, möchte ich mich abwenden und mir die frischaufgeblühten Blüten in den Wiesen betrachten.

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