I Der Magier: Kandidatenkür (Collagen)

Nach dem Narren folgt im Tarot der Magier mit der Nummer 01. Der Gott Hermes ist ihr Ahnherr: ein undurchsichtiger Geselle, im Himmel ebenso zu Hause wie in der Unterwelt, Vermittler, Spieler, Trickster. Oben und Unten ein und dasselbe. Unmöglich, ihn einzugrenzen, einzuordnen. Hermeneutik – die Kunst der Interpretation – ist sein Revier.

Wie ihn darstellen? Muss es überhaupt ein „ER“ sein? Schließlich gibt es außer dem Narren auch die Närrin, zB bei Ulli Gau, bei Camba Skade auch. Eine Magierin? Ich durchforstete mein Archiv. Hermes war auch Götterbote, ein Amt, das vor ihm Iris, die Morgenröte, ausübte. Sie könnte vielleicht die Rolle ausfüllen:

Hm. Besser, ich probiere noch weitere Kandidaten aus. Auf meiner Liste stehen die medizinischen Magier ganz oben. Das sind allerdings wieder Männer. Ich habe sie im November 2016 gelegt (hier), aus Schnipseln, die ich einer medizinischen Zeitschrift entnahm. Diese Magier zaubern mit Bakterien, Viren, DNA, Röntgenstrahlen, stellen Humunculi her und sind überhaupt sehr zeitgemäße Herren.

Hier üben die Kandidaten ihre Rolle am Mani-Strand ein:

Doch ihre Brauchbarkeit wird sich erst in der Konfrontation mit Ritter-Tod-Teufel erweisen.

Welcher der vier Magier – eine Dame, drei Herren – wird den Umständen am besten gerecht? Wer gewinnt die Rolle?

Zusatz für Ule:IMG_2529 web ax

 

 

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Dem Tod ins Auge sehen (tägliche Zeichnung, Kopie vom Tod und vom Ritter)

Wer dem Teufel in die Augen geblickt hat, braucht den Tod nicht zu fürchten, dachte ich, und machte mich daran, ihn abzuzeichnen. Tatsächlich entpuppte er sich als ein ziemlich klägliches hohlwangiges bärtiges Männchen. Auf seinem strähnigen Haar sitzt eine Krone, um die sich Schlangen winden. Schlangen mag ich, da gibt es nichts zu fürchten.

Der Ritter, den ich dann auch noch zeichnete, scheint ähnlich zu empfinden.

Jedenfalls lässt er sich nicht anmerken, ob der Tod ihn beeindruckt. Stur blickt er geradeaus, entschlossen, seine Lanze, sein Schwert, seinen Morgenstern einzusetzen, um möglichst viele andere mit in den Tod zu nehmen, falls es ihn erwischen sollte. Seine Rüstung wurde mit großer Sorgfalt geschmiedet, Blümchen und fein gefalzte Ränder schmücken sie. Faszinierend, aus wie vielen Teilen so eine Rüstung zusammengesetzt ist. Arme, Beine, Hände, Arme, Kinn, Kopf – alles in feinstes Eisen verpackt. Hat dem Ritter am Ende aber auch nichts genützt. Das schäbige Männchen Tod behielt die Oberhand.

Das Original – eines der Meisterstiche Dürers – ist schwarz-weiß wie meine Zeichnung. Doch hatte ich Lust, das Farbenspiel der fotografierten Zeichnung durch Verstärkung hervorzuholen. Da wirkt die Szene recht dramatisch und zugleich sehr sehr weit weg – in einer Epoche, die uns nix mehr angeht. Denn solche Ritter gibt es nur noch in Filmen, und den Tod? Nun, den haben wir auch in seine Schranken verwiesen. ….

Das Original, Dürers „Ritter, Tod und Teufel“, kann man bei Wikipedia anschauen.

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Dem Teufel ins Auge sehen (tägliche Zeichnung, Kopie)

Warum wegschauen? Wenn einen etwas ängstigt, ist es doch besser genauer hinzuschauen und zu prüfen, was an der Sache dran ist. Also schaute ich mit heute Dürers Teufel an, der mit dem Ritter und dem Tod dahergeritten kommt. So ein witziger Kerl! Ein herziger Teufel, fürwahr! Ich hab mich drangemacht, ihn zu kopieren, und gewann ihn mitsamt seinen Kugelaugen, Lefzen, Hörnern und Schweineschnauze richtig lieb.

Möchtest du ihn vielleicht farbig (farbverstärkt), um dich zu gruseln? Aber nein, er bleibt harmlos.

Den Original-Teufel siehst du in den Collagen, die ich mit dem Blumennarr gemacht habe.

 

 

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Montags ist Fototermin: Wetterbericht und Traum vom Meer (Fotos, Fotocollage)

Vor drei Tagen noch war es herrlich sonnig und warm, ja sogar etwas zu heiß. Am Samstag saßen wir zum Mittagessen auf dem Balkon, kurzärmlig, um Vitamin D zu speichern. Plötzlich machte mich mein Mann (der wirklich gar nichts von Spray-Theorien hält) erstaunt auf ein Himmelsphänomen aufmerksam, das ich von meinem Platz aus nicht sehen konnte. Ich stand auf und sah extrem kräftige breite Kondensstreifen.

In kurzer Zeit verschleierte sich der Himmel und es wurde kalt. In der Nacht, die eisig war, sah ich, dass der ganze Himmel mit Streifen bedeckt war, die sich von einem Zentrum im Zenith zum Horizont ausfächerten. Fotografieren konnte ich es nicht.

Am nächsten Tag fragte eine Freundin an, wie wir mit dem „Saharasand“ klarkämen. Aha, dachte ich, das war der Grund. Aber war er es wirklich? Denn seither bläst ein eiskalter Wind, manchmal als Sturm. Es ist bitterkalt wie im ganzen Winter nicht, richtig eklig, durchdringend bis auf die Knochen. Der Wind aus Afrika ist warm und feucht. Vielleicht gibt es unter euch meteorologische Experten?

Wir sitzen noch in Maroussi fest, und ich träume mich ans Meer, da Athen sowieso zu ist. Alles geschlossen, die Galerien und Museen, die Theater, Kinos, Cafes, Konzerthallen.. zu, und nur ein paar verängstigte Menschen treiben wie Strandgut durch die fast leeren Straßen. Was soll ich da? Melancholie. Also träume ich mich ans Meer.

 

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Ein Tag der Frau: Griechenlands Staatspräsidentin Katerina Sakellaropoulou wurde gewählt

Ich weiß, heute wird der Tag der Frau nicht gefeiert. Heute spricht man über einen Vir-us (lat. Mann). Aber verzeiht mir: ich muss es doch laut verkünden:

Griechenlands oberste Funktion, der Präsident der Republik, wird erstmals in der langen Geschichte des Landes von einer Frau bekleidet. Wie finde ich das? O, es freut mich, freut mich sehr, zumal diese Frau parteiübergreifend mit 261 Stimmen des 300-köpfigen Parlaments gewählt wurde. Vorgeschlagen hatte sie der liberal-konservative MP Kyriakos Mitsotakis, mit dem Eingeständnis, dass „JA, leider, machen wir uns nichts vor“, die Frauen noch weit von voller Gleichberechtigung entfernt seien. Der linke Syriza, der eigentlich den vorigen Präsidenten erneut durchsetzen wollte, konnte nicht anders als mitzuziehen, zumal er selbst Frau Sakellaropoulou im letzten Jahr als (ebenfalls ersten weiblichen) Präsidenten des Verfassungsgerichts vorgeschlagen hatte.

Was entnehme ich den Presseberichten – außer den Fotos, die ich hier einfüge? Geboren wurde Frau Sakellaropoulou am 30. Mai 1956 in Thessaloniki, sie ist geschieden, lebt in einer Beziehung und hat eine Tochter. Sie stammt aus einer bekannten Juristenfamilie.

Kleine Frau zwischen gewichtigen Männern: bei der Vereidigung der neuen Staatspräsidentin am 14.3.2020

Sie gehört keiner Partei an und hat ein progressives Image. Positiv aufgefallen ist sie durch einige Entscheidungen und Publikationen, davon viele, aber nicht alle, im Bereich Umwelt, auf den sie sich spezialisiert hat.  So hat sie gegen die „Umkehrung“ des Flusses Acheloos gestimmt, die halb Thessalien verwüstet, hat sich für die Erhaltung der Wälder und gegen deren illegale Zersiedlung stark gemacht,  hat sich für die Erhaltung von Athener historischer Bausubstanz eingesetzt, hat die schulische Integration von Flüchtlingskindern als Verfassungsgebot ausgelegt, hat gegen die Eintragung von religiöser Zugehörigkeit im Personalausweis votiert…

Sie selbst sieht sich nicht als Feigenblatt im patriarchalischen System, sondern hebt auf die Qualifikation ab, auf die es ankäme, egal ob Mann oder Frau. Da kann ich ihr nur zustimmen. Dennoch ist ihre Wahl eben auch ein symbolischer Durchbruch in der Gleichberechtigungsdebatte. Und dürfte so manche Frau ermutigen.  Auch dass diese engagierte und nun so hoch geehrte Frau ihren Schwerpunkt bei der Umwelt hat, kann sich positiv auswirken. Und mir gefällt, dass in diesem höchsten Amt nun eine  kompetente und vergleichsweise junge Frau und kein abgehalfteter alter Politiker sitzt. Ich denke, es war eine gute Wahl. Dass die Vereidigung unter restriktiven Bedingungen und in einem halbleeren Saal stattfand, wird da zu einer umständebedingten Nebensache.

(Alle Fotos habe ich der digitalen Zeitung iefimerida entnommen).

 

 

 

 

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Anpassen, ignorieren oder fliehen? Der Narr inmitten von Bedrohungen (Collagen)

Die Begegnung des Narren mit Dürers Dreigespann Ritter-Tod-Teufel – wie geht sie aus? Wird seine Naivität ihn in eine üble Lage bringen? Sollte er vielleicht schnellstens die Flucht ergreifen?
Oder verflüchtigt sich der Schrecken, wenn unser kleiner Freund sich einfach nicht drum kümmert?

Ich habe jetzt mal diese zweite Möglichkeit ausgelotet. Meine erste Frage: Hat er bessere Karten, wenn er groß erscheint, oder bleibt er besser klein? Was meinst du?

 

Vieleicht ist es klug, er setzt sich einfach zum Ritter aufs Pferd und tut so, als sei er mit von der Partie? Seine Haltung ist ja sehr ähnlich, und seine Papierblumen können es durchaus mit dem Spieß des Ritters aufnehmen.

Doch eigentlich ist mir so viel Anpasserei suspekt. Also entschied ich mich dafür, den Alptraum einfach in Stücke zu hauen. Möge er sich auflösen und zerfallen, wie er entstanden ist.

Den Bildausschnitt von Dürers Kupferstich habe ich einer Abbildung bei Wikipedia entnommen.  Der Kupferstich gehört zusammen mit der Melancolia und dem Hieronymus zu den sogenannten „großen drei“. Er ist so kunstvoll, dass ich mich nicht ans Kopieren rantraute, sondern die Figuren mit den Pferden digital ausgeschnitten habe.

 

 

 

 

 

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Wo die Angst herrscht. Dürers Ritter-Tod-und-Teufel begegnen dem Blumennarr (Collage)

Ihr habt vielleicht schon gemerkt, dass ich mich gern von den Kommentare inspirieren lasse. Gestern entspann sich folgender Dialog zwischen Gerhard (KopfundGestalt) und mir:

Gerhard: Superfein, Gerda! Schick ihn rum auf die ganze Welt!! — Gerda. Ob er sich schicken lässt? Mir scheint, er ist auf eigenen Wegen. Aber pass auf, vielleicht kommt er ja mal bei dir um die Ecke! — Gerhard: Kann sein, aber es braucht ihn an bestimmten Stellen, da wo Leute viel Angst haben…—  Gerda: Da kann ich leider nicht weiterhelfen. Zumindest fällt mir momentan nicht ein, wie. Vielleicht mal überschlafen.

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O Der Blumennarr im Stadtwald (Foto-Legebild-Collagen)

Als ich heute mit Hund Tito im Stadtwald spazieren ging, lief mir der Narr über den Weg. Er war kleiner, als ich ihn in Erinnerung hatte, und trug immer noch seine beiden Papierblumen mit sich herum. Sein dunkles Gesicht hob sich kaum gegen den Schatten der Bäume ab, aber seine grüne Narrenkappe verriet ihn mir.  Er hatte übrigens ein Tuch vor seinen Mund geknüpft, keine Ahnung warum.

Jedenfalls war meine Neugierde geweckt. Ich würde ihn im Auge behalten, dachte ich. Was mir aber nicht gelang, denn mein Hund zog mich fort.

Als ich ihn dann später wieder sichtete,  hatten sich vor ihm Blumen aufgereiht, fast wie bei der Eurovision, schien mir. „Willst du mich?“ , „Wieviele Punkte gibst du mir, Kleiner?“, „Ich bin die Schönste“ – so hörte ich sie lispeln.  Aber er hatte seine Wahl wohl schon getroffen. Eine leuchtend rote Anemone und eine kleinere hübsche Violette prangten an seinem Gebinde.

Wie er so stand und schaute, war mir, als sprießte unter seinem Blick eine ganze Blumenwiese aus dem Waldboden hervor.

Ich weiß nicht: Hab ich das geträumt, oder gibt es ihn wirklich, den Blumennarr?

 

 

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Geschichte mit närrischem Ende (Hand-Collage)

In mir arbeiten die Bilder und Gedanken weiter. Ich möchte es nicht bei der letzten Bildform belassen, in der die Menschen wie aufgescheuchte Hühner in einem geschlossenen Geschichtsraum herumirren. Wenngleich ich damit ein vorherrschendes Lebensgefühl recht genau beschrieben habe, wie Ule in ihrem Kommentar sagt:

Der angedeutete Kreislauf, der durch „Ullis“ roten Faden hier eintritt, schließt für mein Gefühl diesen Raum nun sehr stark ab. Zusammen mit den Händen, die die Situation einklammern … und der Richtungsänderung der Menschengruppe entsteht in mir das Bild einer ausweglosen Situation.
Wenn ich über die ganze Serie schaue, betont gerade dieser Richtungswechsel für mich den Eindruck von Menschen, die hin und her pendeln auf der Suche nach einem Ausweg, der bisher in allen Varianten in einer Richtung vorhanden schien. Jetzt hast du den Laden dicht gemacht.

Ja, so ist es.  Ja, ich bemerke oft dieses ausweglose Rennen: zurück ins Mittelalter, in die Antike und bis zu den Höhlenmenschen rennen die Menschen, ob es da nicht etwas gäbe, was uns weiterhelfen könnte! Manche rennen auch angstvoll vorwärts in eine unbeschriebene Zukunft. Und so wirkt unsere Zeit richtungslos, wie hin- und hergeworfen, nostalgisch und dystopisch zugleich ….und ohne Erlösungsglauben – weder im Diesseitigen (wie es die Kommunisten taten) noch im Jenseitigen (wie die monotheistischen Religionen). Und uns gehen die Kräfte aus. Denn was immer die Menschheit so eifrig ersonnen hat, ist fadenscheinig geworden: Religion, Aufklärung, technischer Fortschritt, Kunst. Alles zerrinnt uns zwischen den Fingern.

Ich will es aber nicht dabei belassen. Und suche nach passenden Ausdrucksformen. Heute machte ich eine weitere Galerie: In den schon bekannten Rahmen setzte ich Hände ein. Hände sind ein Symbol des Dinge herstellenden Menschen (homo faber), aber darüber weit hinaus haben wir zeigende, deutende, schreibende, zärtliche, helfende, schöpferische Hände.

Diese Bilder habe ich in eine Galerie gehängt und davor allerlei Besucher aufmarschieren lassen: Diesmal beginne ich mit der ägyptischen Göttin Isis (Foto vom Isis-Heiligtum in Nea Makri, Griechenland, aus römischer Zeit), es folgen Hunde, Artefakte und Menschen.  Voll und voller wurde es, o ja, die Geschichte hat viel Personage!

Rechts ergötzen sich die Drachenflieger, und ganz rechts wandert aus dem Bild hinaus: ein fröhlicher Narr mit seinem Hund, denn immer beginnt alles von vorn.

Du kannst ihn auch ohne all den historischen Ballast wandern sehen: vorwärts, unbeschwert, vertrauensselig. Was immer die Zukunft bringt: er wird ihr Schönheit abgewinnen.

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Anfang und vorläufiges Ende der Kunst: Von der Höhlenmalerei zum elektronisch erzeugten Bild (Collage)

„…die Höhlenmalereien als Anfangspunkte … vielleicht magst du ja damit auch noch ein Bild gestalten?“ Ulli (von ihr ist das Zitat) und Myriade schlugen unabhängig voneinander vor, den „Anfang“ in der Höhlenmalerei zu suchen. Ich füge hinzu: „den Anfang der Kunst“. Nach allem, was wir wissen, ist es der älteste Kunstausdruck. Aber auch: der älteste Kunstdruck! An vielen Orten der Welt wurden künstlerische Abdrucke von Händen gefunden: von Afrika bis Indonesien, von Argentinien bis Europa finden sie sich.

„Anfang und vorläufiges Ende der Kunst“ 2020-03-11

Wenn du die ganze Geschichte dazu lesen möchtest, geh in den link, dort gibt es sehr schöne Abbildungen, darunter auch das Original, aus dem ich eine Hand für obige Collage ausgeschnitten habe.

Meine Lösung wurde durch einen Dialog mit Teggytiggs angeregt: Sie schrieb im Kommentarstrang: „…und ich komme von dem Gedanken nicht los, dass die linke Gruppe vor dem jeweiligen Anfang zurückschreckt, während die rechte Reißaus nimmt…wie auch immer, die Stellung des Menschen dazu scheint wenig positiv zu sein oder irre ich mich da?“

Darauf antwortete ich: Jetzt, wo du es sagst….Ist ja möglich, dass wir vor unseren Anfängen weglaufen, Augen zu und marsch in die Zukunft! Unser Glaube an den Fortschritt ungebrochen. Oder? Ist uns der jetzt auch abhanden gekommen und wir schrecken jetzt auch vor der Zukunft zurück und denken, damals in der Höhle war es eigentlich auch ganz gemütlich?

Darauf Teggytiggs: …grins, da scheint mir was dran zu sein, es heißt aber Fort-schritt! …also wovor laufen wir das fort? …vor dem Ur-sprung oder vor der Zukunft?
…nur warum?
…vielleicht gleichen sich Ur-sprung und Zukunft auf eine unheimliche Weise?
…vor lauter Fragen, auf die ich keine Antwort weiß, schwirrt mir der Kopf…

„Anfang und vorläufiges Ende der Kunst“, 2020-03-11

BITTE ANKLICKEN, DANN SIEHST DU ES GRÖSSER

Dieser Gedanke – dass sich Ursprung und Zukunft auf eine unheimliche Weise gleichen –  ist mir schon oft gekommen. ZB wenn ich die ersten und die heutigen Trinkgefäße vergleiche: damals die Handschale, heute der ex-und-hopp-Plastikbecher, der eine „Fast-Hand“ ist, verglichen mit all den stolzen Trinkgefäße, die dazwischen liegen. Ebenso Finger und Plastikgabel, Handabdruck in einer Höhle vor 40 000 Jahren – Sprayhand an einer Großstadtmauer jetzt etc pp.

Also antwortete ich auf teggytiggs:

Doppelschatten meiner Hand

Handabdruck in einer Höhle Indonesiens, 50 000 Jahre alt

Ich habe vorhin eine doppelte Schattenhand im Rückspiegel des Autos gepostet und dachte dabei an die Handabdrücke in den Höhlen. Mir schien, als ob sich da ein Kreis schlösse – aber eben nicht am Ausgangspunkt, wo der Mensch noch voll in die Naturvorgänge eingebettet war, sondern auf einer viel abstrakteren Ebene, in der er nur noch seinen Schatten auf eine weiße Fläche wirft….

weiße Projektionsfläche

Ja, und dann dachte ich noch an Ullis Rote-Faden-Geschichten und an all die anderen Bemerkungen über lineare und zyklische Zeitvorstellungen. Und so entstand also das Bild, das ich „Anfang und vorläufiges Ende der Kunst“ nennen möchte. Die linke Hand stammt aus Indonesien und ist die älteste bekannte, man gibt ihr 40 000 Jahre (link). Der Doppelschatten der rechten Hand stammt von mir, ich habe ihn 2016 aufgenommen.

Hier nun die ganze Reihe (BITTE ANKLICKEN):

Hand (Höhlenmalerei und elektronisches Heute) – afrikanische Hifsgeister (Holzskulptur) – griechische Klassik (Marmorskulptur) – Christliches Mittelalter (bemalte Holzskulptur)  – Entwicklung der Arten (Chinesische Pinselkunst).

Ps. Nun hat Ulli eine schöne befreiende Variante mit dieser Galerie veröffentlicht. danke, Ulli, ich freu mich sehr! https://cafeweltenall.wordpress.com/2020/03/12/fuer-gerda-oder-ueber-die-anfaenge-der-kunst/

 

 

 

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