Mein Lebensgefühl (1)  Mitternacht 27-28. März 2020

Legearbeit, digital bearbeitet

 

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VIII Gerechtigkeit: Nemesis und Thetis (Legebild-Collagen)

Die Tarot-Karte VIII Gerechtigkeit (Justitia) ziert gewöhnlich eine strenge fürstlich gekleidete Dame, deren Attribute die Waage und das Schwert sind. Sie wägt ab, kommt zu einem Urteil und setzt es mit der Schärfe des Schwerts durch. Sie hat obrigkeitlichen Charakter.

Ich lasse mich bei der Bildfindung von den beiden griechischen Göttinnen der Gerechtigkeit leiten, die in Ramnous verehrt wurden: Nemesis ist die Göttin des Naturrechts. Sie greift ein, wenn die ehernen Gesetze des Ausgleichs zwischen Nehmen und Geben, auf denen das Wechselspiel der Natur beruht, durch den Übermut der Menschen gestört werden. Ihre Schwester Thetis (von θέτω theto=setzen, daher „Gesetz“)  ist zuständig für die Menschen-Gesetze und achtet darauf, dass sie dem göttlichen Ideal der Gerechtigkeit entsprechen.

Die beiden sind Schwestern, wohlgemerkt. Beide verkörpern das hohe Ideal der Gerechtigkeit. Was wir heute erleben, lenkt meine Aufmerksamkeit aber stärker auf den Herrschaftsbereich der Nemesis.

Nemesis hat mit der gesamtmenschlichen Karma-Bilanz und nicht mit dem Einzelmenschen zu tun.  Da geht es nicht darum, ob ich ein Gesetz übertreten habe, sondern ob das Gleichgewicht von Geben und Nehmen durch das Kollektiv der Menschen  gestört wurde. Ist das der Fall, tritt  Nemesis auf den Plan, um das Gleichgewicht wieder herzustellen.

VIII. Gerechtigkeit. Nemesis

Auf meinem Bild hält Nemesis, gekleidet in Blattgrün, eine Waage, auf deren einer Seite der „Ring der Herrschaft“ der Menschen liegt. Die Flamme im Zentrum zeigt die Senkrechte an, an der sich die Abweichung der einen oder anderen Seite ermisst.

Die Göttin wägt auch diese Szene ab: Rüstung, Waffen, Häuser gegen das Recht der Pferde, das Stück blauen Himmels und das Gras am Boden. Dazwischen ein kampfbereiter Mensch. Man sieht, der „Ring der Herrschaft“ ist schwerer, also wird sie korrigierend eingreifen.

Am Beispiel Wuhan etc kann man ihr Wirken grob illustrieren:

Ausbeutung der Bodenschätze/Extreme Luft- und Bodenverschmutzung/Missachtung der Tierrechte  ——   Atemwegerkrankungen durch Virus, der von einem Tiermarkt auf den Menschen kommt ——- Tod vieler Menschen/ Zwang zu Produktionsbeschränkung – Reine Luft/Wiedererstarken der Natur.

Hier sieht man sie mit ihrer Schwester Thetis, die Flügel trägt, um an die göttliche Herkunft des Gerechtigkeitssinns zu erinnern. Auch sie hält Messwerkzeug in der Hand, mit dem sie die Abweichung des menschlichen Handelns von der gerechten Norm ausmisst. Ihre Stimmung ist düster, da die Menschen hartnäckig gegen die Gebote der Gerechtigkeit verstoßen. Im Hintergrund sieht man eine Stadt, die unter Mißachtung der Natur errichtet wurde, und als wäre das nicht genug, anschließend  durch Krieg zerstört wurde. Sowohl der Bau als auch die Zerstörung der Stadt sind Akte der menschlichen Anmaßung. Die Menschen haben das Maß verloren.

Als Einzelkarte steht die VIII Gerechtigkeit für Abwägen, Fairness, Ausgleich. Im sehr verbreiteten Rider-Waite Tarot hat diese Karte ihre Stellung mit „XI Kraft“ getauscht. Ich halte mich an die traditionelle Reihenfolge.

 

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VII Der Wagen (Legebild-Collagen)

Eine zwiespältige Tarot-Karte ist dieser „Wagen“, scheint mir: Alles deutet hin auf Aufbruch und neue Ufer, der Wagen steht bereit – aber er ist den an ihn gestellten Ansprüchen nicht gewachsen. Keine Pferde, sondern steinerne Sphinxen oder winzige Dackel ziehen ihn, er hat keine Räder, er ist aus Stein. So wird er gewöhnlich dargestellt. Und der kräftige aufbruchsfreudige Jüngling, der die Zügel hält, wird wohl einige Enttäuschungen erleben.



Die Zeiten ändern sich, Sphinxen wurden selten, und ein anderer Wagen trat an die Stelle des alten Kampfgefährts. Auch er hat seine Macken und Tücken und einen stolzen Wagenlenker. Hier seht ihr  ihn mit Sonnenbrille, Mundschutz und rotem Helm, wie er an den Strand rollt, wo der Narr wandert und die liebenden Kinder ihren Baum ins Meer gepflanzt haben, fern jeder Störung.

Zusammen mit Hermes, dem Medizinmann-Magier, tuckert er  in Richtung  Zukunft. Lass  die graue Kavalkade vorbeiziehen! Was kümmert sie uns? Wir repräsentieren den Fortschritt und die Neue Zeit!

Mit uns zieht die neue Zeit“ ist die Leerformel (BBrecht), die von der der SPD-Arbeiterjugend zu Beginn des ersten Weltkriegs über BDM und  Hitler-Jugend, die FDJ des SED-Staates his zu heutigen Jugendbewegten und Gutmeinenden wie hier die SPD-Minister mit Inbrunst gesungen und geschmettert wird. Ja, sie zieht, die Jugend – Seit an Seit ziehen wir …. in die Zukunft. Zwangsläufig. Doch in welche? Und wer ist es, der die Marschroute vorgibt? Das sind so Fragen, die sich bei der „Wagen“-Karte des Tarot stellen. Drum die weiße und schwarze Sphynx auf den traditionellen Karten. Stattdessen hier im Hintergrund immer noch die anonyme Wand-Inschrift „Βασανίζομαι“ –  ich werde gefoltert, gequält.

Mit den „Liebenden“ habe ich eine neue Übersichtsreihe begonnen, damit die Bilder nicht zu klein werden.

 

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Laokoon in Corona-Zeiten (tägliche Zeichnung)

Beim Kunststöbern im Netz stieß ich heute auf ein 3D-Abbildung der Laokoon-Guppe. Du kennst sie sicher: 1506 fand man sie in der Nähe des ehemaligen Sitzes von … Kaiser Nero. Wann sie entstand? Die Marmorgruppe, die seither im Vatikan-Museum steht, wurde wohl im 1. vor- oder 1. nachchristlichen Jahrhundert geschaffen, Plinius d.Ä. erwähnte sie. Seither war sie verschollen. Vermutlich ist sie eine römische Nachbildung einer griechischen Bronze aus Pergamon (Kleinasien), die nicht mehr existiert. Bronze brauchte man, um Waffen zu fertigen, also gibt es nur noch die Skulpturen, die bei Schiffsunglücken versanken.

Das 3-D-Foto einer bronzenen Nachbildung der Gruppe konnte ich nach gusto drehen.  Ich setzte sie in eine perspektivisch recht verzerrte Zeichnung um, weil ich fand, dass sie ganz gut das gegenwärtige Lebensgefühl abbildet: ein langsames Ersticken durch „Schlangen“, deren Herkunft ungeklärt ist.

Laokoon, Tintenstift-Zeichnung nach 3D Fotografie, 2020-03-25

Erstmals erwähnt wurde Laokoon als Apollon-Priester im 8. vorchristlichen Jahrhundert. Auch Homer erwähnt ihn. Ein dünner Faden führt dann zu Virgil und seiner Änäis, geschrieben im 1. Jahrhundert v. Chr. Dann wieder lange nichts… bis die Gruppe in Rom gefunden wurde und sich die Künstler und Gelehrten der Zeit an ihr abarbeiteten. Michelangelos Sklaven sind dem Laokoon nachempfunden. Im 17. Jahrhundert malte Theotokopoulos, genannt El Greco, eine neue Interpretation, die sich jetzt in Washington befindet.

Aber wer war Laokoon, und warum ereilte ihn und seine Söhne das schreckliche Schicksal, von Schlangen erwürgt und aufgefressen zu werden? Merkwürdigerweise ist das eine Rätselfrage geblieben. Und daher interessiert sie mich. Es gibt nämlich zwei Hauptvarianten der Erzählung:

Die eine Version besagt, dass er sich gegen einen Befehl eines Gottes (Apoll, Poseidon), dem er diente, verging. Er heiratete eine Frau, zeugte Kinder mit ihr, anstatt keusch zu bleiben. Die Version gefällt mir nicht besonders, sie ist einfallslos.

Die zweite Version besagt, dass sich Laokoon überhaupt nichts zuschulden kommen ließ. Aber der göttliche Weltenplan sah die Vernichtung Trojas vor. Als die Griechen scheinbar abfuhren und das hölzerne Pferd als „Geschenk an Athene“ zurückließen, beschloss die Mehrheit der Trojaner,  es in die Stadt zu bringen. Laokoon aber hielt das Ganze für eine abgeschmackte Sache,  schlug heftig mit seinem Schwert gegen das Pferd und wollte es spalten. Da schickten die Götter (Apoll? Athene?) zwei Schlangen, die machten Laokoon den Garaus. Denn er gefährdete, ohne dass er es wusste, ihre Pläne. Die Trojaner hielten seinen Tod für eine göttliche Strafe: wie konnte er es wagen, sein Schwert gegen ein der Athene geweihtes Pferd zu erheben? Also rissen sie ihre Stadtmauer ein und bugsierten das Pferd in die Stadt. Den Rest kennt ihr: Troja ging unter. Sie hatten die Zeichen falsch gedeutet.

Und so geschah, was die Götter zuvor beschlossen hatten.

Laokoon, Zeichnung, farbverstärkt, leicht bearbeitet. 2020-03-25

So gehts uns allen grad: wir versuchen, die Zeichen zu deuten, und fürchten, das wir, wenn wir sie falsch deuten, am Ende sind. Was hat es mit diesem Virus und seiner Abwehr auf sich? Ist der Virus gefährlich? Oder sind es die Maßnahmen? Ist der Virus ein Trojanisches Pferd? Oder sind nur die Maßnahmen dagegen gefährlich? Ist die Menschheit selbst schuld, dass sie heimgesucht wird, oder ist es göttlicher Ratschluss, dass wir dezimiert werden? oder zur Besinnung gebracht werden? Oder ganz zugrunde gehen, damit sich Neues bilden kann? Sind es Götter, ist es Gott oder ist es der Antichrist, der hier grad am Werk ist? Ist es die Natur, die sich wehrt? Oder ist es eine Machenschaft von Amerikanern, die finden, dass China zu stark wird, und man es schwächen muss? Oder eine Machenschaft von China, das Amerika die Vorherrschaft streitig macht? Oder nichts von alledem, sondern ein Unfall? Ein Zufall? Ein Ergebnis der Globalisierung, die nun zurückgedreht wird? …..

Wer jetzt heftig gegen dieses Pferd schlägt, dem kann es passieren, dass er wie Laokoon endet. Und wer dem Mainstream folgt wie die Trojaner? Ist der auf der sicheren Seite? Oder beschließt er dadurch seine eigene Vernichtung? 

Genug, genug! da dreht sich einem ja der Kopf! 

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Unabhängigkeitstag 25. März (mit Legebild-Collage „die Liebenden“)

Schauerliches Wetter, traurige Stimmung an diesem 25. März. Keine marschierenden Schulklassen in Blau und Weiß, keine fähnchenwinkenden Menschenmassen, keine Familienausflüge mit Kleinkindern in der Tsoldias-Tracht (weißer Plisserock, bestickte Weste, weite weiße Hemdsärmel, rote Mützchen), keine Militärparade. Am Grenzübergang zur Türkei am Evros-Fluss hisst eine kleine militärische Abordnung die blau-weiße Fahne, und der Pilot eines Kampfflugzeugs grüßt seine Landsleute: Seit 198 Jahren hat unser Land vieles erduldet, aber immer hat es sich durchgekämpft. Und so auch heute. Viele Jahre noch (χρόνια πολλά!)! (Übertragung vom staatlichen TV). Man kann das lächerlich finden, ich tue es nicht. Denn hier ist kein übertriebener Nationalismus, kein Militarismus, kein Fremdenhass im Spiel, sondern das stolze Selbstbewusstsein: „Griechenland wird nie sterben“ (Ελλάδα ποτέ δεν πεθαίνει). Das ist ein Militärmarsch, hier gesungen von dem Kinderchor einer Volksschulklasse in Maroussi, wo ich wohne.

Beim Hunderspaziergang treffe ich nur ein paar Hundeausführer. Sie treiben stumm durch die leeren windigen Straßen. Ich gehöre zu den Privilegierten, fühle mich geschützt, also bin ich trotz allem guter Dinge.

Heute erscheint auch die neue Mondsichel wieder. Vielleicht kann ich sie sehen. Sie macht mich immer so froh.

„Die Liebenden mit weißem Pferd, Segelboot und Vollmond“ – Collage aus Kohlezeichnung, Kugelschreiberzeichnung und Legebild 2020-03-25

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VI Die Liebenden (Legebild-Collagen)

Die 6. Karte des Tarot heißt „Die Liebenden“. Da ist nun nicht eine Einzelperson, sondern eine Beziehung gefragt. Traditionellerweise wird diese Karte mit einer Adam-Eva-ähnlichen Szene illustriert: zwei Nackte, ein männliches, ein weibliches Wesen – stehen oder sitzen in einer idyllischen Natur. Andere Liebesbeziehungen sind nicht vorgesehen.

Zunächst konzentrierte ich meine Suche auf eine abstrakte Darstellung von „Beziehungen“, wie diese digital bearbeitete Mischung aus Zeichnung und Legebild. Sonne, Meer, Strand: Liebe liegt in der Luft.

Aber das Bild passt nicht zu den anderen. Es mussten Figuren her. Ich schwankte zwischen zwei Paaren.

Liebende (1)

Das erste Bild zeigt ein Paar in einer Gondel. Ihre Liebesbeziehung schafft einen besonderen Raum, der sich nach außen abschließt. Sie nennt ihn „mein König“, er nennt sie „meine Königin“. Nichts soll ihre glückliche  Zweisamkeit stören. Ein blaues Teufelchen reist außen mit — nennen wir es Eifersucht.

Das königliche Paar schwebt heran.

Begegnung mit der Kavalkade aus Ritter, Tod und Teufel. Der Himmel wird ihnen zum Meer, auf dem sie glücklich schiffern.

Aller Schrecken der Welt löst sich auf, wenn zwischen zwei Menschen Eros herrscht. Der Magier öffnet mit seinem Zauber den Weg. Der Narr, Verwandter der Liebenden, wandert ihnen voran. Hölle, wo ist dein Sieg?

Zum Schluss landen sie heiter auf einer blühenden Wiese.  Mögen sie glücklich sein!

Liebende (2)

Das zweite Bild zeigt Kinder – ein hellhäutiges Mädchen, einen dunkelhäutigen Knaben – auf einem Baum. Sie lieben sich über alle von den Erwachsenen gesetzten Grenzen hinweg.  Auch sie sind ganz aufeinander bezogen und schweben quasi in der Luft.

Die beiden Kinder mochte ich der Kavalkade nicht aussetzen. Was sollen sie damit? Das Leben liegt noch vor ihnen. Mögen sie sich lieben und vor allen Gefahren geschützt sein! Das weiße Pferd gab ich ihnen zur Seite.

In meinem Olivenhain dürfen sie sein und spielen, solange sie wollen. Leider kann ich  selbst grad nicht hin. Aber sie werden schon auf sich aufpassen.

 

 

 

 

 

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V Der Hierophant (Legebild-Collagen)

Was ist denn eigentlich ein Hierophant? Ursprünglich gab es nur einen: den Oberpriester im Heiligtum von Eleusis. Diese Stellung war erblich, ging vom Stifter der Mysterien über an den Sohn, den Enkel… Von ca 1500 vor Chr. bis 392 n. Chr., als der christliche Kaiser Theodosius I die alten Kulte verbot und die heiligen Stätten durch die anstürmenden Goten (Alarich) zertrümmert wurden. Nur vage Erinnerungen und das Wort Hierophant überlebten die Zeiten.

Wörtlich heißt Hierophant „der das Heilige offenbart“, denn er unterwies die in die Mysterien Eingeweihten. Im Tarot wurde er zum Papa, Papst. Ich zog Wiki zu Rate, um eine neutrale Definition zu finden:  „Der Hierophant repräsentiert den Willen Gottes und dessen Auslegung auf der Erde. Im Tarot steht der Hierophant für Fragen nach dem Sinn und die Wahrheitssuche….Im Extrem können die Eigenschaften des Hierophanten bis hin zur Intoleranz oder gar Anmaßung reichen.“

Und so entschied ich mich für diese Figur, die behauptet, die ewigen Sinnfragen (?) durch göttliche Eingebung beantworten zu können, und sie nun mit Autorität und erhobenem Zeigefinger (!) der Menschheit verkündet.

Wie energisch – und ganz anders als die in sich versunkene Hohepriesterin – begegnet er der heranreitenden Kavalkade!!

Der Hierophant ist freilich auch eine Herausforderung für Magier und Medizinmänner, denn er stellt ihnen die strenge Frage: Was taugt dein angebliches Wissen? Dient es der Menschheit? Wem dient es sonst? Gib Acht, dass dich die Strafe Gottes nicht trifft!

O ja, er ist auch eine innere Instanz, die wir alle kennen und die uns oft genug quält: dass wir gut daran tun, all unser Tun und Trachten ins Licht des Ewigen zu rücken, in dem es sich bewähren muss, auch wenn wir selbst sterblich sind.

Hier sind die 6 ersten Spielkarten noch einmal im Zusammenhang zu sehen.

 

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IV Der Herrscher (Legebild-Collagen)

Die bisherigen Tarot-Karten in meiner sehr persönlichen Lesart siehst du hier noch mal vereint:

(Falsch durchnumeriert: O Narr -I Magier, Magierin – II Hohepriesterin – III Herrscherin

Nun also IV „Der Herrscher“. Was ist ein guter Herrscher? fragte ich meinen Mann am Mittagstisch. Und so redeten wir hin und her, kamen auch auf die riesigen Wandgemälde von Lorenzetti in Siena: „buon governo“ – gute Herrschaft ist, wo alles blüht, die Menschen in Frieden ihren Berufen und Belustigungen nachgehen, Recht gesprochen wird, der Warenaustausch durch keinen Krieg gehemmt wird…. 

Und woran erkennt man einen guten Herrscher? Nun, an den Ergebnissen. 

Ein Herrscher regiert mithilfe von Gesetzen,  Verordnungen, Institutionen.  Er ist ein Funktionsträger. Seine persönlichen Eigenschaften sind unerheblich. Ob weiß oder schwarz, Mann oder Frau, es ist gleich. Er ist austauschbar. Und er wird in einem demokratischen Gemeinwesen ausgetauscht, wenn die Ergebnisse nicht stimmen.

Da sitzt er nun, der Herrscher. Ein Gesicht braucht er nicht. Ob Mann oder Frau – egal. Die Kleidung – unerheblich. Wichtig ist seine Position, also der Stuhl, auf dem er sitzt. In der Hand hält er ein Gesetzbuch, die Verfassung, Verordnungen…. Der gute Herrscher sieht darauf, dass Gesetze – ohne Ansehen der Person – eingehalten werden. Das Ergebnis seiner Anordnungen rechtfertigt diese oder rechtfertigt sie nicht. Bleiben die guten Ergebnisse aus, muss er gehen.

Manchmal, wenn der Herrscher, wie gerade jetzt, einen Tiger reiten muss, bekommt er fast menschliche Züge.

Ich gebe zu, angesichts der strahlenden Herrscherin wirkt der Herrscher ein wenig blässlich. Dieser Gegensatz ist gewollt: „Herrscherin“ ist, wer im vollen Einklang mit der Natur und mit sich selbst lebt, Herrscher, wer die Funktionen der Staatsführung ausübt.

Als Mensch sollte der Herrscher ein Beherrschter sein: jemand, der seine Triebe, Instinkte, Gefühle, Impulse, Leidenschaften beherrscht. In dieser Beherrschtheit besteht seine Tugend, seine Weisheit. Er opfert, was ihn persönlich ausmacht, zugunsten eines Handelns nach vorgegebenen überprüfbaren Prinzipien und Normen. Wie gesagt: am Ergebnis und nicht an seinem Charme und seiner persönlichen Ausstrahlung entscheidet sich, ob jemand ein guter oder schlechter Herrscher ist. Leider sehen viele das anders und meinen, der Herrscher sei nach seinen persönlichen Tugenden oder seiner Attraktivität zu beurteilen. Und weinen Herrschern nach, die nur Mist gebaut und Verderben über die Leute gebracht haben…..

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III Die Herrscherin (Tarot-Legebild-Collage)

Die bisherigen Tarot-Karten in meiner Lesart  siehst du hier noch mal vereint. (Die Unterschrift ist falsch durchnumeriert, richtig ist: I Magier, I Magierin, I Magier, II Hohepriesterin)

Die nun folgende Karte No III ist die „Herrscherin“.  Hier seht ihr sie zusammen mit dem O Narren und den weiblichen Figuren: I Magierin und II Hohepriesterin.

Erklären muss ich vielleicht, warum ich den Tarot-Karten folge: Ich möchte verschiedene Verhaltenstypen gegenüber den gerade ziemlich verzwickten Geschehnissen unserer Tage darstellen. Jede Karte spiegelt einen Archetyp, also einen tief in unserem kollektiven Unterbewusstsein verankerten Komplex von Vorstellungen, Bildern, Erfahrungen. Daher können wir diese Karten „lesen“. Allerdings liest jeder sie ein wenig anders. Zudem sehen sie auch verschieden aus, je nachdem, in welcher Tradition sie stehen. Ich habe zB einen recht ausgefallenen italienischen Karten-Set mit Darstellungen von Hieronymus Bosch. Mit meinen Legebildern begründe ich nun eine eigene Tradition. Also lass die Figuren auf dich wirken, versuche sie zu lesen, frage dich, mit welchen Eigenschaften du dich identifizieren magst.  Und frage dich nicht, ob sie wortwörtlich mit dem übereinstimmen, was du bisher über Tarot wusstest.

Die „Herrscherin“ – was ist das für eine Karte? Sehr weiblich, mütterlich, in sich gefestigt, nach außen offen, von sonnigem Wesen. Sie hat es nicht nötig zu handeln, denn sie wirkt aus sich selbst heraus, durch ihr Sosein, durch ihre volle Präsenz. Damit unterscheidet sie sich deutlich von den vorangehenden Karten: O dem naiv-kindlich inder Welt Umheerstreifenden, I dem cleveren höchst aktiven Trickster-Magier, II der in sich gekehrten den Mondeskräften verbundenen Hohepriesterin.

Hier ein paar Bilder, die die Wirkung der „Herrscherin“ zeigen:

Sie schwingt sich zum Reiter aufs Pferd – da hat der Teufel keine Chance mehr, und auch die Künste des Medizinmann-Magiers wirken ziemlich deplaziert.

Sie steht in ihrem Blumengarten, der sie umgibt, wo immer sie sich befindet, und die Kavalkade mit Ritter, Teufel und Tod zieht vorüber, ohne ihr ein Härchen zu krümmen.

Als strahlende Muttergottheit bietet sie dem unterweltlichen Luftikus Hermes pari.

Sie überstrahlt die anderen, ohne einen Finger zu rühren. Eine Sonne, eine geborene Herrscherin eben.

 

 

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II Die Hohepriesterin (Legebild-Collage)

Einer heranreitenden Gefahr kann der Mensch auf sehr verschiedene Weise begegnen. In dieser Serie teste ich aus, wie sich archetypische Haltungen, die im Tarot ihren Ausdruck gefunden haben, in der heutigen Situation ausmachen.

Wie fühlt es sich an, als Narr in der Welt herumzuspazieren? Die Tarot-Karte Null präsentiert das, was C.G.Jung den Archetyp des „puer eternis“, des „Ewigen Knaben“ nennt.  Naiv und voll Vertrauen wandert er in die Welt hinein – Stock und Hut stehn ihm gut, er ist wohlgemut.  Und die Welt kommt ihm freundlich entgegen. Eigentlich lernt er nicht dazu, egal was ihm über den Weg läuft. Solange, bis es eben doch schiefgeht.

Die nächste Entwicklungsstufe des Mannes ist im Tarot die No. 1, der Magier, dem bei C.G.Jung der Trickster entspricht. Er gilt als uralter Archetyp, spielt in allen Gesellschaften als Schelm, Gauner, zwielichtige Figur eine Rolle. Sein Gott ist Hermes, bzw Merkur. Der Trickster probiert sich aus, übt sich ein, ist durch und durch amoralisch, schwer zu fassen. Ich habe ihm vier Gesichter gegeben.

Heute möcht ich euch die No 2 im Tarot, die Hohepriesterin, vorstellen. Sie ist in sich gekehrt, dem Mond, dem Traum und der Intuition verbunden, passiv gegenüber dem äußeren Geschehen, das ihr nicht real erscheint, da sie es nur als Schemen und Schatten wahrnimmt. Die wirkliche Welt liegt in ihrem Inneren, es ist ein Reich der Fantasie.

Hier erscheint sie am Strand zusammen mit dem Narren und der Magierin – drei Ausdrucksformen des Menschen (Silhouette). Such dir eine aus.

Wie wird sie sich dem anstürmenden Unheil gegenüber verhalten? Sie beachtet es nicht, weicht nicht aus, denn für sie ist es nur eine Imagination.

Es lebt nur in ihr. Und wenn sie die Augen aufmachen wird, ist es verschwunden.

 

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