III Die Herrscherin (Tarot-Legebild-Collage)

Die bisherigen Tarot-Karten in meiner Lesart  siehst du hier noch mal vereint. (Die Unterschrift ist falsch durchnumeriert, richtig ist: I Magier, I Magierin, I Magier, II Hohepriesterin)

Die nun folgende Karte No III ist die „Herrscherin“.  Hier seht ihr sie zusammen mit dem O Narren und den weiblichen Figuren: I Magierin und II Hohepriesterin.

Erklären muss ich vielleicht, warum ich den Tarot-Karten folge: Ich möchte verschiedene Verhaltenstypen gegenüber den gerade ziemlich verzwickten Geschehnissen unserer Tage darstellen. Jede Karte spiegelt einen Archetyp, also einen tief in unserem kollektiven Unterbewusstsein verankerten Komplex von Vorstellungen, Bildern, Erfahrungen. Daher können wir diese Karten „lesen“. Allerdings liest jeder sie ein wenig anders. Zudem sehen sie auch verschieden aus, je nachdem, in welcher Tradition sie stehen. Ich habe zB einen recht ausgefallenen italienischen Karten-Set mit Darstellungen von Hieronymus Bosch. Mit meinen Legebildern begründe ich nun eine eigene Tradition. Also lass die Figuren auf dich wirken, versuche sie zu lesen, frage dich, mit welchen Eigenschaften du dich identifizieren magst.  Und frage dich nicht, ob sie wortwörtlich mit dem übereinstimmen, was du bisher über Tarot wusstest.

Die „Herrscherin“ – was ist das für eine Karte? Sehr weiblich, mütterlich, in sich gefestigt, nach außen offen, von sonnigem Wesen. Sie hat es nicht nötig zu handeln, denn sie wirkt aus sich selbst heraus, durch ihr Sosein, durch ihre volle Präsenz. Damit unterscheidet sie sich deutlich von den vorangehenden Karten: O dem naiv-kindlich inder Welt Umheerstreifenden, I dem cleveren höchst aktiven Trickster-Magier, II der in sich gekehrten den Mondeskräften verbundenen Hohepriesterin.

Hier ein paar Bilder, die die Wirkung der „Herrscherin“ zeigen:

Sie schwingt sich zum Reiter aufs Pferd – da hat der Teufel keine Chance mehr, und auch die Künste des Medizinmann-Magiers wirken ziemlich deplaziert.

Sie steht in ihrem Blumengarten, der sie umgibt, wo immer sie sich befindet, und die Kavalkade mit Ritter, Teufel und Tod zieht vorüber, ohne ihr ein Härchen zu krümmen.

Als strahlende Muttergottheit bietet sie dem unterweltlichen Luftikus Hermes pari.

Sie überstrahlt die anderen, ohne einen Finger zu rühren. Eine Sonne, eine geborene Herrscherin eben.

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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26 Antworten zu III Die Herrscherin (Tarot-Legebild-Collage)

  1. Gisela Benseler schreibt:

    Deine „Herrscherin“, Gerda, ist Dir jawieder prächtig gelungen. Wie unterschiedlich doch diese Archetypen sind in ihrer Ausstrahlung und Wirkung. Wer kann denn der“Herrscherin“ widerstehen? So sicher und fest steht sie im Irdischen, tut wenig, ist aber dennoch präsent und hat eine starke Wirkung. Man gehorcht ihr schon, schließt sich ihr an, und es fällt ihr ganz leicht, Menschengruppe um sich zu versammeln. Man glaubt ihr, wenn sie etwas sagt, ohne es zu prüfen, und so hat sie großen Einfluß auf Erden. Das beeindruckt sie weiter nicht, sie bleibt dabei ganz einfach und natürlich und offen und freundlich nach allen Seiten. Ob Menschen ( Männer, Frauen, Kinder), Tiere aller Art, ob Pflanzen oder Bäume, alle scheinen sich geborgen und wohl bei ihr zu fühlen. Selbst die Magier fühlen sich in ihrer Nähe wohl. Die Gefahren halten sich fern, ziehen vorüber. Nur die „Hohepriesterin“ neben ihr ist die Einzige von allen, die da ein etwas blasses, weltfremde Dasein führt. Obwohl vor ihr auf Erden und eigentlich allen bekannt, wird sie nicht wahrgenommen. Sie hat aber eine „himmlische Botschaft“ zu,überbringen. Doch wen von all den Erden Wesen interessieren schon himmlische Botschaften? Ja, so hat sie einen schweren Stand und weicht doch nicht zurück, weil sie davon überzeugt ist, daß sie im Grunde für alle Menschen Wichtigeres zu sagen hätte als alle anderen zusammen. Ja, und nun ist sie auch noch „hochmütig“, „eigensinnig“ , und noch vieles mehr. Das tut ihr zwar weh, doch es ist eben ihr „Schicksal“, das sie geduldig zu tragen versucht. Die Herrscherin ist ihr nicht unsympathisch, aber wesensfremd. Und all die anderen Wesen ebenfalls. Ja, wer mag so jemanden wie diese „Hohepriesterin“? Aber das spielt jetzt keine Rolle. Die Welt dreht sich anders.Dennoch hat ihre Verbundenheit mit der Lichtwelt Einfluß. Das allein tröstet sie.

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    • gkazakou schreibt:

      Herzlichen Dank, Gisela. Den Charakter der Herrscherin hast du sehr gut erfasst. Es stimmt, dass die Hohepriesterin, die allein doch sehr schön aussah, in ihrer Nähe verblasst. Sie ist wie der Mond, der verblasst, wenn die Sonne aufgeht. Die eine strahlt und lässt erblühen, die andere nimmt das Licht auf, verarbeitet es im Inneren und reflektiert es. Du hast nicht recht zu sagen, dass der Typus der Hohenpriesterin niemandem gefällt. Die Mondin wurde von allen Poeten besungen. Liebe Grüße!

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      • Gisela Benseler schreibt:

        „Die Mondin“ nennst Du sie. Doch diejenige, die von allen Poeten und Malern und gläubigen Menschen verehrt wurde und wird, steht ja auf der Mondsichel, schwebt in himmlischen Höhen inmitten einer strahlenden Chorona🌞

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, sicher, Gisela. Ich habe es weiter unten geschrieben.

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  2. juergenkuester schreibt:

    Liebe Gerda! Ich versuche zu verstehen: Die Herrscherin gleich Mutter Maria?
    Liebe Grüße vom Frühstückstisch,
    Juergen

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    • gkazakou schreibt:

      Die Assoziation scheint mir berechtigt. Maria werden all die Eigenschaften zugeschrieben, die auch der „Herrscherin“ zukommen: Weiblichkeit, Mütterlichkeit, Fülle, Wachstum, Präsenz. Die Karte wird auch Päpstin genannt – und also Vertreterin Gottes auf Erden. Maria wäre die geeignete Besetzung

      ps Hier muss ich mich korrigieren. Die Hohepriesterin (nicht die Herrscherin) wird Päpstin genannt, was auch logisch ist. Denn die Päpstin strahlt nicht selbst das Licht aus, sondern empfängt es wie der Mond von der Sonne. Ich lerne selbst grad die Tarotkarten, da unterlaufen mir Fehleinschätzungen. Maria sitzt auf der Mondsichel, sie ist die Empfangende, nicht die selbst Strahlende. Doch als „Mutter Gottes“ hat sie viele Eigenschaften der alten Muttergottheiten angenommen.

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  3. Ule Rolff schreibt:

    Vom Blumengarten umgeben sein, wo immer der Mensch sich befindet, das ist eine Vorstellung, die mich beglückt.
    Du schilderst die Herrscherin als eine alle anderen Überstrahlende: so wirkt sie in deinen Legebildern wohl – aber tut sie das hier nicht vor allem durch ihre Körperfülle? Sie nimmt fast doppelt so viel Platz ein, wie zum Bespiel die zierliche Hohepriesterin.

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    • gkazakou schreibt:

      Nun, eine Herrscherin, die die Fülle repräsentiert, nimmt eben mehr Platz ein. Sie ist der Sonne, die Hohepriesterin dem Mond verbunden. Beide erscheinen gleich groß, aber der Mond ist manchmal sehr schmal, sein Licht verhalten. Anders die Sonne: sie ist immer rund und voll, von starkem Glanz umgeben, und verblasst nur manchmal, wenn Wolkendunst sie verhüllt, wie gerade jetzt ;).

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  4. Ulli schreibt:

    Die III Im Tarot, die du Herrscherin nennst, ich Kaiserin, ist mir eine der Liebsten, so, wie die Zahl 3 an sich oder deswegen? Nun, egal, du hast sie trefflich beschrieben und dargestellt, manchmal dachte auch ich schon an Maria und an Tara, der tibetischen Entsprechung. Ihre weise Art des Regierens kann nicht schaden in die Welt zu treten!
    Liebe Grüße
    Ulli

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Ulli. Ich merke, dass ich mit dem Tarot nicht auf sehr vertrautem Fuß stehe. Auf meinem viersprachigen Set mit den Bildern von Hieroimus Bosch heißt sie Herrscherin – Imperatrice (also Kaiserin). Ja, ihre Art des Regierens ist vorbildhaft. Regieren kommt wohl von Rex – König. Der ideale König ordnet mit leichter Hand die Berhältnisse, damit sie wachsen und gedeihen können.

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      • Ulli schreibt:

        Wenn ich mich nicht täusche, folgt ja der Kaiser als IV der Kaiserin – ja, ist so, habe mal eben nachgeschaut. Auch interessant, dass erst die Kaiserin erscheint und dann erst der Kaiser, zuerst war das Matriarchat, dann das Patriarchat, nur die Weisheit letzteren ist in Frage zu stellen. Über das Matriarchat weiß ich viel zu wenig. Und das was ich weiß ist so eingefärbt von Interpretationen, dass ich sage, ich weiß eigentlich nix.

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    • gkazakou schreibt:

      Auf jeden Fall ist die Muttergottheit vor dem Vatergott da. Im Christentum spiegelt sich das im Ausdruck „Mutter Gottes“ – Maria. Diese Vorstellungen sind archetypisch. Die Mutter-Gottheit gebärt, da folgt eines aus dem anderen im ewigen Kreislauf, die Mutter ist ewig, ist „Dauer“ – der Vater-Gott erschafft, da gibt es einen Anfang und ein Ende, der Vater ist „Zeit“ (Chronos).
      Wie es historisch war, und was im Einzelnen das Matriarchat beinhaltet, steht, glaube ich, hier nicht zur Debatte. Darüber gibt es auch wirklich zu wenige zuverlässigen Quellen.

      Ich finde auch interessant, dass von den Germanen – anders als von Griechen und Römern – Sonne als feminin und Mond als maskulin empfunden wurde. Die Mutter ist immer da, sie nährt und lässt gedeihen, der Vater kommt und geht, träumt, glänzt durch Abwesenheit.

      Wie ist es wohl in anderen Sprachfamilien? Im Alt-Ägyptischen war Sonne wohl auch männlich. Die Hebräer hatten zuerst eine Mond-Religion. Weißt du, welches „Geschlecht“ Sonne im Sanskrit hat?

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    • gkazakou schreibt:

      Mir geht es wie dir, ich sage meist Mondin, und finde Selene oder Selanna (Sappho) einen viel schöneren Namen für den Mond. Doch sollten wir da vielleicht umdenken? Der Mond ist ja ein reflektierender, abhängiger Himmelskörper, der selbst kein Licht ausstrahlt. Er verführt zu Träumen und Spinnerei, zu Hokuspokus jeder Art (o, auch ich liebe das Mondlicht!!!) Die Abhängigkeit des weiblichen Organismus vom Mondzyklus ist nur die eine Seite, sie betrifft die Erwartung der Befruchtung – die andere, die nährende dem Leben zugewandte Kraft der Mutter ist sonnenhaft. Sie ist da, zuverlässig, praktisch, kräftigend, heilend. (als Ideal)
      Viele Religionen scheinen sowohl weibliche als auch männliche Namen für Mond und Sonne gehabt zu haben. Im klassischen Griechentum waren sie Zwillinge – Artemis und Apoll – wobei Apoll „weibliche“ und Artemis „männliche“ Eigenschaften zugesprochen wurden.

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  5. kowkla123 schreibt:

    wir lassen uns nicht unterkriegen, aber bleiben auch vorsichtig, Klaus

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  6. Wo bleiben die apokaliptischen Reiter?

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  7. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Höchst interessant, nun alle Kommis zu lesen, liebe Gerda.
    Ich sehe mir die Herrscherin an, Deine Legefigur, und bin entzückt. Bis jetzt ist die Schönste von allen, herausragend und durch alle Deine Erklärungen kommt ihre Präsens, ihre Besonderheit, ganz wundervoll zum Ausdruck.
    Nun weiß ich, was Dich geleitet hat. Eine Herrscherin oder auch Kaiserin, die Mutter von allen, eine Überfrau also. Da mußte sie ja außergewöhnlich sein, anders ging es gar nicht.
    Wie sieht denn die Tarotkarte der Herrscherin Deines Tarots aus. Wenn es Hyronimus Bosch Motive sind, dann wäre ich sehr gespannt auf sie.

    Liebe Grüße zur Nacht von Bruni

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Bruni, dankeschön für deine lieben Worte. Die Hieronymos Bosch Karten werde ich irgendwann mal zeigen, hab sie schon mal abfotografiert. Die sind aber ganz anders als meine. Überhaupt keine Ähnlichkeit. Die Karten nehmen Themen von Bosch auf, sind aber nicht von ihm gezeichnet. Gute Nacht!

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  8. PPawlo schreibt:

    Am liebsten mag ich deine Figurreihen auf schwarzem Grund. Deine Herrscherin ist eine wunderbar strahlende Persönlichkeit, souverän, aufrecht und unabhängig!

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    • gkazakou schreibt:

      Danke Petra! Die italienischen Karten nach Bosch, die ich besitze, zeigen eine völlig andere Frau, bescheiden, liebreich und versonnen in braunem Kleid. Meine habe ich intuitiv ausgewählt, und ich freue mich, dass sie so passend ist. Bei Wiki habe ich nämlich gerade nachgelesen, wie die Kurzdefinition der Herrscherin lautet: „Meist sieht man eine üppige Frau in einem Garten. – Die Karte steht für Fruchtbarkeit, Mütterlichkeit, Natur, Schönheit und Üppigkeit…“

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