Dem Tod ins Auge sehen (tägliche Zeichnung, Kopie vom Tod und vom Ritter)

Wer dem Teufel in die Augen geblickt hat, braucht den Tod nicht zu fürchten, dachte ich, und machte mich daran, ihn abzuzeichnen. Tatsächlich entpuppte er sich als ein ziemlich klägliches hohlwangiges bärtiges Männchen. Auf seinem strähnigen Haar sitzt eine Krone, um die sich Schlangen winden. Schlangen mag ich, da gibt es nichts zu fürchten.

Der Ritter, den ich dann auch noch zeichnete, scheint ähnlich zu empfinden.

Jedenfalls lässt er sich nicht anmerken, ob der Tod ihn beeindruckt. Stur blickt er geradeaus, entschlossen, seine Lanze, sein Schwert, seinen Morgenstern einzusetzen, um möglichst viele andere mit in den Tod zu nehmen, falls es ihn erwischen sollte. Seine Rüstung wurde mit großer Sorgfalt geschmiedet, Blümchen und fein gefalzte Ränder schmücken sie. Faszinierend, aus wie vielen Teilen so eine Rüstung zusammengesetzt ist. Arme, Beine, Hände, Arme, Kinn, Kopf – alles in feinstes Eisen verpackt. Hat dem Ritter am Ende aber auch nichts genützt. Das schäbige Männchen Tod behielt die Oberhand.

Das Original – eines der Meisterstiche Dürers – ist schwarz-weiß wie meine Zeichnung. Doch hatte ich Lust, das Farbenspiel der fotografierten Zeichnung durch Verstärkung hervorzuholen. Da wirkt die Szene recht dramatisch und zugleich sehr sehr weit weg – in einer Epoche, die uns nix mehr angeht. Denn solche Ritter gibt es nur noch in Filmen, und den Tod? Nun, den haben wir auch in seine Schranken verwiesen. ….

Das Original, Dürers „Ritter, Tod und Teufel“, kann man bei Wikipedia anschauen.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, alte Kulturen, Geschichte, Krieg, Kunst, Leben, Meine Kunst, Zeichnung abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

20 Antworten zu Dem Tod ins Auge sehen (tägliche Zeichnung, Kopie vom Tod und vom Ritter)

  1. lyrifant schreibt:

    So wirkt er fast sympathisch, der Tod

    Gefällt 1 Person

  2. mmandarin schreibt:

    Ja, eine Rüstung ist vielleicht eine sinnvolle Angelegenheit……für eine gewisse Zeit…..aber schlussendlich……. nun, wir wissen wie es ausgeht. Liebe Grüße liebe Gerda, du Fleißige. Maria

    Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      Über die RÜstung nachzudenken, hatte ich gestern Zeit, liebe Marie, als ich sie zeichnete. Vielleicht sollten wir unsere jetzige Rüstung auch ein bisschen hübscher, mit Blümchen und Bordüren gestalten….

      Gefällt 2 Personen

  3. Susanne Haun schreibt:

    Ich schätze deine Auseinandersetzung mit Dürer sehr und bin erstaunt, wie ein bißchen Farbe die Bildwirkung verändert, Tod und Teufel scheinen beinahne freundlich im roten und grünen Licht. 🙂
    LG Susanne

    Gefällt 3 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Danke, Susanne. Dürer habe ich noch gar nicht lange für mich entdeckt, und bin fasziniert. Die Farben, ja, die verändern viel. Verbinden sich halt direkt mit Seelenzuständen, je nachdem, anders als das SchwarzWeiß, das den Umweg über das Denken und bildliche Vorstellen nimmt.

      Gefällt 2 Personen

  4. gkazakou schreibt:

    Und wieder!! Was heißt: du KANNST nichts sagen, was heißt, dass sich unterschiedliche Ansichten VERTRAGEN etc. All das sind sinnlose Anspielungen. Du kannst sagen, was du willst, ich bin kein Zensor. Aber solche Sätze wie „sonst erstichst du mich, gut gerüstet und hoch zu Ross“ was soll das? Welche Beziehung stellst du zwischen uns her? „Die Worte sind nun Deine“ – Natürlich sind es meine. Und deine sind deine und nicht die von Dürer, die wir beide nicht kennen.
    Sag also, was du zu sagen hast, und lass mich aus dem Spiel, bitte. Und wer lesen mag, was du zu sagen hast, möge es tun.

    Liken

  5. Ulli schreibt:

    Ich bin mit allem einverstanden, nur verstehe ich nicht, was du damit meinst, wenn du am Ende schreibst, dass wir den Tod in seine Schranken verwiesen hätten. Meiner Meinung nach können wir den Tod nicht beherrschen, er kommt, wenn er kommt. Ob wir uns aber fürchten oder es als gegeben hinnehmen, das ist die Angelegenheit des Bewusstseins einer jeden und eines jeden.
    Ich gehe mit dem Satz: Wo keine Angst ist, ist auch kein Tod.
    Mir gefällt deine farbige Variante sehr, das Leben und der Tod sind eben nicht schwarz-weiß.
    Zu der Rüstung will ich noch kurz anmerken, dass sie damals für die Ritter erfunden wurde, heute tragen die Menschen unsichtbare Rüstungen, viele meinen sich vor dem/der anderen schützen zu müssen, was nur noch mehr zur Vereinzelung und Vereinsamung geführt hat. Da helfen auch keine Blümchen auf den Rüstungen.
    Herzensgrüße an dich,
    Ulli

    Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      Liebe Ulli, der Satz „wir haben den Tod in die Schranken gewiesen“ ist natürlich bitter-ironisch gemeint. Ich wollte damit auf die Hybris des modernen Menschen verweisen, der sich ja einbildet, irgendwann sei es so weit und er könne sich unsterblich machen. Und bei der Rüstung dachte ich an die heute überall kursierenden Gesichtsmasken, die den Tod aussperren sollen. Wie beim Ritter tun sie es ja auch eine Weile, in Kriegszeiten helfen sie. Entscheidend aber ist, ein „lebendiges“ Verhältnis zum „Tod“ zu gewinnen, dann ängstigt er auch nicht mehr. Dann sagt man ruhig: er kommt, wann er kommt. Da sind wir uns ganz einig. Zu erkennen, wann MEINE Zeit gekommen ist, und zwar angstfrei, das nenne ich „dem Tod ins Auge sehen“. Einfach ist das nicht, aber man kann sich darin üben. Liebe Grüße.

      Gefällt 2 Personen

      • Ulli schreibt:

        Ja, liebe Gerda, man kann sich darin üben.
        Diese Gesichtsmasken sind ja meist mehr Show, da die meisten überhaupt nix bringen, dann wären sie, da stimme ich dir nun zu, mit Blümchen und Herzchen besser anzuschauen 😉
        Diese Hybris der Menschheit halte ich für einen Wahn, wer will denn schon wirklich ewig leben, ich nicht! Wir wissen wieviel sich immer und immer wiederholt, will ich mich dem aussetzen, nein danke, einmal reicht. Nun ja, wir werden sehen wohin das alles noch führen wird. Ich kann nur mich selbst in der Zuversicht üben und bei meinen täglichen Meditationen liebende Güte und Mitgefühl in die Welt senden. Wir haben uns jetzt zusammengeschlossen und praktizieren jeden Abend um 20h die selbe Meditation, um ein Feld gegen die Angst und Paranoia in der Welt aufzubauen. Ein gutes Gefühl ist das. Hinzu kommt ein Mantra, das uns unser Lehrer geschickt hat, das vor Krankheit schützt, es hat einen wunderbaren Rhythmus, wenn ich es singe laufe ich Gefahr in Trance zu verfallen 😉
        So kann jede und jeder etwas der Welt geben, gute Gedanken und Freude gegen die Paranoia … und weiter geht’s.

        Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      Danke, Ulli. Ich habs schon gelesen und mich heimlich gefreut, Narr grüßt Närrin!

      Gefällt 1 Person

      • Ulli schreibt:

        Ich habe auch an meine Naerrin gedacht und heute ein bisschen über sie sinniert.
        Von Herz zu Herz, närrische Grüße, Ulli

        Liken

  6. kowkla123 schreibt:

    so ist es, passe auf dich gut auf, Abstand halten ersetzt nun zusammenstehen, Klaus

    Gefällt 1 Person

  7. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Wow, wie gut hast Du Herrn Dürer studiert und seinen Figuren nachgespürt. Du hast Dich nicht vom vordergründigen Eindruck bluffen lassen, sondern hast sie so akribisch genau wiedergegeben, daß es uns leicht gelingt, auch Deine dazugehörigen Worte bestätigen zu können.
    Dein Tod sehen wir jetzt anders als vorher. Er schreckt nicht mehr. Fast habe ich den Eindruck, daß er mit dem Ritter über eher Belangloses spricht, denn der fürchtet ihn wohl nicht, ist eher desinteressiert an ihm. Die beiden sind wie ein Gespann…der eine gehört zum Anderen.
    Der Ritter scheint keine schwere Kampfrüstung zu tragen, sondern die leichtere, die für Turniere angefertigt wurde. Darin ist er beweglicher als in der anderen. Aber das ist nur mein Eindruck, nicht mehr.
    Eine wundervolle Arbeit von Dir, liebe Gerda.

    Gefällt 1 Person

  8. gkazakou schreibt:

    Danke, Bruni. Welche Rüstung der Ritter trägt, weiß ich leider nicht. Zu Dürers Zeiten waren sie nicht mehr üblich, glaube ich, und so hat er sich diese hier vielleicht zusammengereimt. Die Ritter, die in den Kampf zogen, existierten symbolisch weiter, in der Realität wurden sie Landesherren und Geschäftsleute oder, sofern verarmt, Raubritter. .

    Liken

  9. Ule Rolff schreibt:

    Wir dürfen es ja gerade wieder üben, das Ins-Auge-Sehen. Ich staune, wie viele Menschen sich davor so sehr fürchten, dass sie sich durch Verdrängung gerade in Gefahr bringen.
    Traurig, dass es nun doch viele trifft, deren Zeit eben noch nicht gekommen war.
    Dürers Zeitgenossen (+-) waren mit dem Tod wohl viel vertrauter als wir Heutigen.

    Liken

    • gkazakou schreibt:

      Wenngleich „der Tod ein Meister aus Deutschland“ ist, scheinen die Nachkriegsgenerationen tatsächlich kein Verhältnis zum Tod zu haben. Die Kranken sterben in Kliniken, die Leichen werden tiefgekühlt und irgendwann zu anonymer Asche verbrannt, unter Gemeinschaftsrasen gebettet. Die jetzt Sterbenden werden nicht mal begleitet. So wenig Kontakt wie möglich (zum Tod, zu den Sterbenden, den Kranken). So bleiben nur ein Schauder,eine gestaltlose Angst und eine vague Jenseitshoffnung. Dass auch unser Fleischkonsum fern des Schlachtungsvorgangs abläuft, gehört in dieselbe Rubrik.
      Es rächt sich, wenn man nicht hinschaut. Wir verlieren uns selbst.

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.