Kleines Skizzenbuch 1 (tägliches Zeichnen, mit Fotos): Vase, Fenster, Selbst

Draußen ist es höllisch heiß, da bleibe ich lieber im Haus und zeichne ein bisschen in meinem neuen kleinen Skizzenbuch.

Was gibts denn von meinem faulen Sofaplatz aus zu sehen? Eine runde Vase mit Kunstbume, die sich im Couchtisch spiegelt. Ein Fenster mit Eulengitter und Bücherregal.

Also gut. Versuch macht kluch.

Und wie wäre es mit einem Selbstportrait? Hab gestern ein altes gepostet, lange kein neues mehr gemacht. Finde es schwierig, mein Altersgesicht zu zeichnen: Müde und gerötet die Augen, das eine Lid hängt, die Lippen sind fahl und trocken, Kinn und Wangen hängen faltig durch, eine weiße Haarsträhne hat sich gelöst. Wer mag das schon studieren? Ich nicht. Aber ich erinnere mich an andere Künstler, die sich nicht scheuten. Rembrand zum Beispiel. Der wurde zwar nur 63, aber damals sahen die Menschen in dem Alter schon viel verbrauchter aus als wir heute. Also los, sei nicht eitel! Mach jedenfalls mal eine kleine Skizze im runden Spiegel!

Letztes Jahr im Juli machte ich das „Selbstportrait im runden Spiegel“ zum Element einer größeren Zeichnung. Ich hatte mir damals den Spiegel extra dafür gekauft. Nun steht er herum.

 

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„Reisen“ – Gottfried Benn. Lyrik und Bildcollage (2)

Wozu reisen? tönt es aus deutschen Landen. Eben noch Weltmeister im Reisen*, lese ich dieser Tage, auch bei manchen von euch, dass die Herumreiserei ja eigentlich recht sinnlos sei, ja geradezu eine Plage, da sie die Umwelt belaste und die Sitten verderbe. Man tue besser vdaran, zu Hause zu bleiben und seinen kleinen Kreis zu pflegen.

Natürlich frage ich mich, ob es sich bei diesem plötzlichen Umdenken um eine tiefgreifende Einsicht oder nur um eine oberflächliche Anpassung an Corona-bedingte Misshelligkeiten und Gefahren handelt. Etwa nach dem Motto des Fuchses, der die unerreichbaren Trauben sowieso zu sauer findet.

Jedenfalls erinnert es mich an einen anderen Reisemüden: Gottfried Benn und sein Gedicht „Reisen“. Er veröffentlichte es 1950. Anstatt nun eine Interpretation des Gedichts zu versuchen, habe ich eine Text-Foto-Zeichnungs-Collage gemacht. Wer darüber hinaus eine Einordnung des Gedichts sucht, kann zB diese Interpretation lesen.

„Meinen Sie, aus Habana, weiß und hibiskusrot, bräche ein ewiges Manna für Ihre Wüstennot?“ (G. Benn)

„bleiben und stille bewahren das sich umgrenzende Ich“ (G.Benn)

Das Selbstportrait zeichnete ich vor vielen Jahren, und auch das eingeblendete tanzende Mädchen stammt aus einer früheren Zeit (Kuba, 2006).

 


*Statistika: „Die Deutschen reisen gerne und viel. Mit rund 55 Millionen Personen, die eine Reise von mindestens fünf Tagen unternommen haben, lag die Zahl der Urlaubsreisenden in Deutschland im Jahr 2019 so hoch wie nie zuvor. Dabei kamen sie auf rund 70,1 Millionen Urlaubsreisen. Insgesamt gaben die Deutschen im Jahr 2019 rund 73,1 Milliarden Euro für ihre Urlaubsreisen aus“.

 

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Morgendlicher Rundblick (Fotografie)

Jeden Sommermorgen:

Ich wache auf, blinzele, lese die ungefähre Uhrzeit am Gestänge der provisorischen Abdeckung unseres Schlafplatzes ab (Eisenbetten auf der Turmterrasse), öffne die Augen ganz, öffne auch das Moskitonetz, stehe auf und lasse den Blick von Südost nach Südwest über die Bucht und die Berge schweifen. Ein leichter Wind weht vom Meer herauf. Eventuelle Albträume lösen sich auf im Licht der aufgehenden Sonne. Ich atme durch, strecke die steifen Glieder und finde unsere Erde einen guten Platz, um drauf zu leben.

 

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Montag ist Fototermin: Schicksale erfüllen sich (veganes Rezept)

Nicht nur den Kartoffeln gings gestern an den Kragen, auch das Schicksal anderer Gemüse erfüllte sich. Denn an schönen Sommertagen sind gefüllte Tomaten, Paprika und Zucchini eine leichte angenehme Kost für uns Menschen. Ich beteilige mich zwar kaum am Kochvorgang, doch bin ich bei den einfachen Vorbereitungsarbeiten einsetzbar. Dazu gehört neben dem Schälen der Kartoffeln auch das Aushöhlen der Gemüse sowie das Fotografieren derselben.

Tomaten-Innereien

Paprika-Gekröse und Tomaten-Skalps

Zucchini-Schlachtreste

Die ausgeweidete Zucchini samt Tatwaffe

Die Knobläuche brummeln in ihren Bart, es klingt wie:  „Du wirst unser ehrwürdiges Alter schonen“. Nun ja. Nicht ganz. Ein paar ihrer Zehen werde ich abreißen und enthäuten. Und sie um Verzeihung bitten. Ja, das tue ich immer beim ehrwürdigen Knoblauch, den ich hoch verehre.

Da liegen sie nun, die schönen Tomaten und Paprika. Leer und geduldig träumen sie ihrer Erfüllung entgegen …

Und worin besteht die Füllung? in Reis, der mit Knoblauch und Zwiebeln angedünstet, mit Salz, frischer Minze und Petersilie, Sultaninen, einer Prise Zucker und den zerkleinerten Innereien der Gemüse vermengt wird. Hinzugefügt werden die zerstückelten Kartoffeln und Öl, und ab gehts in den Backofen, erst mit hoher, dann mit milder Temperatur, die mal von oben, mal von unten verstärkt wird. Das aber weiß ich nur vom Hörensagen. 

Gestern verzehrten wir die Hälfte, heute ist die andere Hälfte dran. Sie schmecken wirklich vorzüglich. Und vegan sind sie auch. Danke, ihr Guten, Lieben!

 


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Freiheit oder Tod! (bebildertes Wort zum Sonntag)

„Wacht auf, schon hat man uns geschält! Wie Schafe geschoren! Bald wird man uns zerstückeln und braten, wenn wir uns nicht wehren!“

 

Und siehe! Sie organisierten sich, schlossen sich zusammen, bereit, wie ein Mann zu kämpfen um Leben und Kartoffelwürde. Freiheit oder Tod!

 

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Segelboote gezeichnet, gemalt, gelegt, fotografiert (Rückblick)

Gestern zeigte Babsi Schnabel ein Bild mit dem Titel „Segeltripp“, das mir sehr gefiel. Im Kommentar lobte Babsi auch meine Segelbilder und versicherte: „Man spürt förmlich Deine Sehnsucht und Deine Passion dafür!“

Ja, Babsi hat recht. Segelboote – das ist für mich Heimweh, Sehnsucht, Erinnerung, Aufbruch, Ankommen, Ruhe, Sturm, kurz, jedes Gefühl, jede Leidenschaft drückt sich für mich in den Booten aus, die von Wind und Wellen getrieben oder geschaukelt das Meer bereisen oder segellos im Hafen dümpeln.  Wie oft habe ich meine inneren Segel-Bilder gezeichnet, gemalt, gelegt, manchmal auch fotografiert!

Heute fotografierte ich ein wildes Segel-Bild mit schwarzer Sonne, das ich einst mit Pigmenten und Kleister auf Papier malte und das seither im Flur des Mani-Hauses auf der Kommode steht:

Und dachte:Warum nicht noch mal zurückschauen auch auf andere Segel-Bilder und jedenfalls ein paar davon zeigen? Ich kopierte sie aus dem Archiv. Wie verschieden sie doch sind.

Zwei Zeichnungen:

Fünf Gemälde:

offene See original copy

thalassa kathreptis a

https://gerdakazakou.com/wp-content/uploads/2018/04/am-segelhafen-7.jpg

Wer mehr sehen möchte: https://gerdakazakou.com/2018/04/04/rueckblende-malerei-am-segelhafen-6-vor-sonnenaufgang/

Vier Legebilder

Nachtsegler

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remembering a little harbour

Eine Legebild-Farbzeichnung-Collage

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Zwei Gemälde mit eingeklebten Papieren

 

Zwei Fotografien: Vor Hydra – Kalamata Marina

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Pause am Meer (Fotos, tägliches Zeichnen, Legebilder)

Ich habe dieser Tage sehr viel zu tun. Aber für eine Pause am Meer muss die Zeit immer reichen.

Eine Wasserkaraffe, ein Glas, dahinter das Meer, die weißen Wolkenberge. Ein Ausflugsboot – eben zeichnete ich es noch, jetzt ist es schon weit entfernt, ich zoome es durch die Öffnung zwischen den Ästen des Baumes heran.

Drei Skizzen, daneben jeweils eine leicht bearbeitete Fassung:

Das Ausflugsboot von Nah – die Wasserkaraffe mit Glas – ein Gast mit Hut

Und im Atelier, während ich auf Besucherinnen fürs Aufstellen warte, zwei Legebilder mit Myriades Schnipseln: „Enigma“ und „Halbes Boot“. Der schwarze Boots-Schnipsel stammt von Jürgen Küster, das grüne Meer links ist ein Stück der Postkarte von Myriade, das grüne Meer rechts Seidenpapier von Susanne B und die bläuliche Welle ist von mir.

 

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Heuschreckenplage – Fortsetzung zu „architektonische Konglomerate“

Im Kommentarstrang zu https://gerdakazakou.com/2020/08/03/montag-ist-fototermin-architektonische-konglomerate-kalamata/ entwickelte sich ein Dialog zwischen Ule Rolff und mir.

Ule: „Abweisend wirken die Gebäude auf mich, befestigt und verschlossen.
An das Erdbeben 86 habe ich gar keine Erinnerung…..“

Ich: „Danke, Ule. Das Erdbeben von 1986 hat bleibende Schäden hinterlassen — aber natürlich hat die Welt seither so viele andere Katastrophen erlebt, dass sich nur noch die Hiesigen daran erinnern.-
Den stehen gebliebenen Gemäuern fehlt der Charme der Bewohntheit, dazu die winzigen Armeleute-Anbauten und die überragenden unfertigen Neubauten. Dass manches nicht zuende gebaut wurde, liegt an der Krise, die Mensch und Land seit mehr als 10 Jahren plagt (Finanzkrise in Amerika, IMF, „Hilfspakete“ der EU und Folgen). Und nun ein erneuter Einbruch des BSP von über 10 %, aber das Licht, das Meer und die Art der Menschen lassen es einen leicht vergessen.“

Ule: „Ja, Europa hat Griechenland prima geholfen, das muss man sagen. Deine ruinenhaften Gebäudefotos könnten für die Wirkungen dieser Unterstützung gut als Symbol dienen. Vielleicht könntest du noch ein paar Heuschrecken hineinmontieren?“

Ich: „Eine ausgezeichnete Idee, liebe Ule! Werde ich gleich mal machen…..“

Ule bezieht sich hier auf einen Heuschrecken-Beitrag, den ich 2015 zuerst veröffentlichte und der aktueller denn je ist. Nicht nur Griechenland – auch Deutschland, ja die ganze Welt wird von einer Heuschreckenplage heimgesucht. Die schweren wirtschaftlichen Einbrüche im Gefolge der Shutdowns haben ideale Bedingungen für Hedge-Fonds und Geierfonds („Heuschrecken“*) geschaffen, um all die Unternehmen, die eben noch prächtig gediehen, nun aber mit dem Rücken zur Wand stehen, für lächerliche Beträge aufzukaufen, auszuweiden und weiterzuziehen.  

 

*„Der Begriff Heuschreckendebatte wurde im April und Mai 2005 geprägt. Auslöser war eine Äußerung des damaligen SPD-Vorsitzenden Franz Münterfering. Er verglich das Verhalten mancher anonymer Investoren mit Heuschreckenplagen. Heuschrecken gelten im deutschen politischen Sprachgebrauch seitdem als eine abwertende Tiermetapher für Private-Equity-Gesellschaften und andere Formen der Kapitalbeteiligung mit mutmaßlich zu kurzfristigen oder überzogenen Renditeerwartungen, wie Hedge-Fonds oder sogenannte Geierfonds.“

Wie sagte Münterfering der BILD-Zeitung?

„Manche Finanzinvestoren verschwenden keinen Gedanken an die Menschen, deren Arbeitsplätze sie vernichten – sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter.“

 

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Zwei Gartenstücke (tägliches Zeichnen)

Am späten Nachmittag fand ich etwas Zeit zum Zeichnen. Ich setzte mich auf den Stuhl beim Ölbaum vor dem Atelier und zeichnete erstens einen Blick auf eine entfernter stehende Baumgruppe und zweitens ein paar Pflanzen direkt vor mir, hinter der steinernen Umrandung des Baums. Dabei dachte ich an Dürers „Großes Rasenstück“…

Hier nun meine zwei Skizzen:

Steineinfassung mit Steinen und Pflanzen

 

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Blick zum Fenster (tägliche Zeichnung)

Eine Zeichnung ordnet die Dinge anders als eine Fotografie. Sie ist souveräner. Beim Fotografieren entdecke ich und wähle den Bildausschnitt – beim Zeichnen tue ich das auch – aber ordne die Dinge zugleich neu ein, interpretiere, schaffe eine mir entsprechende Stimmung.

Photo und Zeichnung

Zimmerecke mit Fenster

Durch die digitale Bearbeitung meiner fotografierten Zeichnung kann ich diese weiter interpretieren. Ich kann ihr zB das flirrende Licht eines heißen Nachmittags verleihen. Wie im Original, dringt durch das vergitterte und mit einer Bastmatte verhängte Fenster etwas Licht. Licht des gegenüberliegenden Fensters spiegelt sich in der Fensterscheibe. Doch durch Verdüsterung des Raums, Veränderung der Strichführung und farbliche Einsprengsel ändert sich die Atmosphäre.

 

 

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