Draußen ist es höllisch heiß, da bleibe ich lieber im Haus und zeichne ein bisschen in meinem neuen kleinen Skizzenbuch.
Was gibts denn von meinem faulen Sofaplatz aus zu sehen? Eine runde Vase mit Kunstbume, die sich im Couchtisch spiegelt. Ein Fenster mit Eulengitter und Bücherregal.
Also gut. Versuch macht kluch.
Und wie wäre es mit einem Selbstportrait? Hab gestern ein altes gepostet, lange kein neues mehr gemacht. Finde es schwierig, mein Altersgesicht zu zeichnen: Müde und gerötet die Augen, das eine Lid hängt, die Lippen sind fahl und trocken, Kinn und Wangen hängen faltig durch, eine weiße Haarsträhne hat sich gelöst. Wer mag das schon studieren? Ich nicht. Aber ich erinnere mich an andere Künstler, die sich nicht scheuten. Rembrand zum Beispiel. Der wurde zwar nur 63, aber damals sahen die Menschen in dem Alter schon viel verbrauchter aus als wir heute. Also los, sei nicht eitel! Mach jedenfalls mal eine kleine Skizze im runden Spiegel!
Letztes Jahr im Juli machte ich das „Selbstportrait im runden Spiegel“ zum Element einer größeren Zeichnung. Ich hatte mir damals den Spiegel extra dafür gekauft. Nun steht er herum.


















































Ule: „Abweisend wirken die Gebäude auf mich, befestigt und verschlossen.
An das Erdbeben 86 habe ich gar keine Erinnerung…..“
Ich: „Danke, Ule. Das Erdbeben von 1986 hat bleibende Schäden hinterlassen — aber natürlich hat die Welt seither so viele andere Katastrophen erlebt, dass sich nur noch die Hiesigen daran erinnern.-
Den stehen gebliebenen Gemäuern fehlt der Charme der Bewohntheit, dazu die winzigen Armeleute-Anbauten und die überragenden unfertigen Neubauten. Dass manches nicht zuende gebaut wurde, liegt an der Krise, die Mensch und Land seit mehr als 10 Jahren plagt (Finanzkrise in Amerika, IMF, „Hilfspakete“ der EU und Folgen). Und nun ein erneuter Einbruch des BSP von über 10 %, aber das Licht, das Meer und die Art der Menschen lassen es einen leicht vergessen.“
Ule: „Ja, Europa hat Griechenland prima geholfen, das muss man sagen. Deine ruinenhaften Gebäudefotos könnten für die Wirkungen dieser Unterstützung gut als Symbol dienen. Vielleicht könntest du noch ein paar Heuschrecken hineinmontieren?“
Ich: „Eine ausgezeichnete Idee, liebe Ule! Werde ich gleich mal machen…..“
Ule bezieht sich hier auf einen Heuschrecken-Beitrag, den ich 2015 zuerst veröffentlichte und der aktueller denn je ist. Nicht nur Griechenland – auch Deutschland, ja die ganze Welt wird von einer Heuschreckenplage heimgesucht. Die schweren wirtschaftlichen Einbrüche im Gefolge der Shutdowns haben ideale Bedingungen für Hedge-Fonds und Geierfonds („Heuschrecken“*) geschaffen, um all die Unternehmen, die eben noch prächtig gediehen, nun aber mit dem Rücken zur Wand stehen, für lächerliche Beträge aufzukaufen, auszuweiden und weiterzuziehen.
*„Der Begriff Heuschreckendebatte wurde im April und Mai 2005 geprägt. Auslöser war eine Äußerung des damaligen SPD-Vorsitzenden Franz Münterfering. Er verglich das Verhalten mancher anonymer Investoren mit Heuschreckenplagen. Heuschrecken gelten im deutschen politischen Sprachgebrauch seitdem als eine abwertende Tiermetapher für Private-Equity-Gesellschaften und andere Formen der Kapitalbeteiligung mit mutmaßlich zu kurzfristigen oder überzogenen Renditeerwartungen, wie Hedge-Fonds oder sogenannte Geierfonds.“
Wie sagte Münterfering der BILD-Zeitung?
„Manche Finanzinvestoren verschwenden keinen Gedanken an die Menschen, deren Arbeitsplätze sie vernichten – sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter.“