Heuschreckenplage – Fortsetzung zu „architektonische Konglomerate“

Im Kommentarstrang zu https://gerdakazakou.com/2020/08/03/montag-ist-fototermin-architektonische-konglomerate-kalamata/ entwickelte sich ein Dialog zwischen Ule Rolff und mir.

Ule: „Abweisend wirken die Gebäude auf mich, befestigt und verschlossen.
An das Erdbeben 86 habe ich gar keine Erinnerung…..“

Ich: „Danke, Ule. Das Erdbeben von 1986 hat bleibende Schäden hinterlassen — aber natürlich hat die Welt seither so viele andere Katastrophen erlebt, dass sich nur noch die Hiesigen daran erinnern.-
Den stehen gebliebenen Gemäuern fehlt der Charme der Bewohntheit, dazu die winzigen Armeleute-Anbauten und die überragenden unfertigen Neubauten. Dass manches nicht zuende gebaut wurde, liegt an der Krise, die Mensch und Land seit mehr als 10 Jahren plagt (Finanzkrise in Amerika, IMF, „Hilfspakete“ der EU und Folgen). Und nun ein erneuter Einbruch des BSP von über 10 %, aber das Licht, das Meer und die Art der Menschen lassen es einen leicht vergessen.“

Ule: „Ja, Europa hat Griechenland prima geholfen, das muss man sagen. Deine ruinenhaften Gebäudefotos könnten für die Wirkungen dieser Unterstützung gut als Symbol dienen. Vielleicht könntest du noch ein paar Heuschrecken hineinmontieren?“

Ich: „Eine ausgezeichnete Idee, liebe Ule! Werde ich gleich mal machen…..“

Ule bezieht sich hier auf einen Heuschrecken-Beitrag, den ich 2015 zuerst veröffentlichte und der aktueller denn je ist. Nicht nur Griechenland – auch Deutschland, ja die ganze Welt wird von einer Heuschreckenplage heimgesucht. Die schweren wirtschaftlichen Einbrüche im Gefolge der Shutdowns haben ideale Bedingungen für Hedge-Fonds und Geierfonds („Heuschrecken“*) geschaffen, um all die Unternehmen, die eben noch prächtig gediehen, nun aber mit dem Rücken zur Wand stehen, für lächerliche Beträge aufzukaufen, auszuweiden und weiterzuziehen.  

 

*„Der Begriff Heuschreckendebatte wurde im April und Mai 2005 geprägt. Auslöser war eine Äußerung des damaligen SPD-Vorsitzenden Franz Münterfering. Er verglich das Verhalten mancher anonymer Investoren mit Heuschreckenplagen. Heuschrecken gelten im deutschen politischen Sprachgebrauch seitdem als eine abwertende Tiermetapher für Private-Equity-Gesellschaften und andere Formen der Kapitalbeteiligung mit mutmaßlich zu kurzfristigen oder überzogenen Renditeerwartungen, wie Hedge-Fonds oder sogenannte Geierfonds.“

Wie sagte Münterfering der BILD-Zeitung?

„Manche Finanzinvestoren verschwenden keinen Gedanken an die Menschen, deren Arbeitsplätze sie vernichten – sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter.“

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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6 Antworten zu Heuschreckenplage – Fortsetzung zu „architektonische Konglomerate“

  1. Linsenfutter schreibt:

    Man muß nur mal nach Afrika schauen. Was sich da im Moment abspielt. Die armen Menschen.
    LG Jürgen

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  2. gkazakou schreibt:

    Ja, Jürgen, Das sind die echten, die natürlichen Heuschrecken, die sind grausam genug. Wenn dann auch noch die anderen dazu kommen …

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  3. Ule Rolff schreibt:

    uuh, du hast es wirklich getan, Gerda! Grausliche Heuschrechsen lässt du (dir) einfallen, die sich aus dem unschuldigen Himmelsblau herabstürzen auf uns Arme, auch arme Reiche in Relation.
    Sie sind überall … und keiner haut endlich drauf.

    Gefällt 2 Personen

  4. Gisela Benseler schreibt:

    Ja, schreckliches Verhalten solcher „Geier“ oder Heuschrecken. Aber es gibt ja zum Glück auch noch M e n s c h e n .

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  5. wildgans schreibt:

    Dazu fällt mir eine junge Dozentin ein, die heute im Radio erzählte, dass sie Seminare für Führungskräfte erteilt mit dem Inhalt: Kündigungsgespräche führen!
    Gruß von Sonja

    Gefällt 1 Person

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