Abkühlung (zu Steinegartens Fotoprojekt „Winter“)

Der Impuls, den „Steinegarten“ mit ihrem Winter-Projekt setzt, ist persönlicher Art. „Was ist Winter für mich?“ In der Weltecke, in der ich lebe, ist „Winter“ ein vollkommen anderes Erleben als das, das ich als Kind in Norddeutschland kannte. Es gibt hier in Meeresnähe keinen Schnee, frisches Grün sprießt aus der im Sommer trockenen Erde, die Orangenbäume tragen im tiefgrünen Laub goldene, die Zitronenbäume leuchtend gelbe Früchte, die Mandelbäume blühen, die Wiesen sind übersät mit Margariten, die Vögel singen im Gebüsch…. Kurzum, es ist eine Zeit, in dem alles sich öffnet, aufatmet nach langen Monaten der Hitze und Dürre.

Doch ab und an wird auch diese leuchtende Winterwelt von Kälte überzogen. So wie dieser Tage, als es in weiten Teilen Griechenlands zu schweren Schneefällen kam. Hier, im Südpeloponnes – am südlichsten Punkt von Festland-Europa – wurde diese Kältewelle als Abkühlung wahrnehmbar.

 

 

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Welttheater, 4. Akt, 6. Szene. Was geschieht in der Bucht?

Was zuletzt geschah: Unsere Truppe (Domna, Jenny, Trud, Clara) wacht zwischen Schafen auf. Jenny will weiter, bevor der Bauer sie erwischt. Domna rät ihr, nicht allein zu gehen, sondern in der Gemeinschaft zu bleiben, auch wenn sie dadurch langsamer vorankommt. Unter Jennys Führung geht es zurück zur Bucht.

Wenn ihr zum Aufbruch seid bereit:

Von hier ist es zur Bucht nicht weit

Am Strand ist Tschinn mit Kairos dabei, einen Bau hochzuziehen.

Trud:

Was ist denn dies? Was ist geschehn?

Wer kann die Barbarei verstehn?

War hier nicht noch vor wenig Tagen

ein heller Strand? so möcht ich fragen.

Domna

So sag doch, Trud, was ist geschehn?

Du weißt, dass meine Aug nicht sehn.

Was siehst du hier, das dich erschreckt?

Du hast mich doch nicht nur geneckt?

Trud

Wie soll ich nur die rechten Worte finden?

Wie dies beschreiben einer Blinden?

 

Riechst du den Meereswind mit Algenduft, dem Süßen?

Fühlst du den weichen Sand wohl unter deinen Füßen?

Hörst du den Möwenschrei durch Lüfte gellen?

Vernimmst das Meer auch, das mit seinen Wellen

den Strand bespült und kleckert klickert leise

auf seine unnachahmlich wunderbare Weise?

Schmeckst du wohl auch den salzig-bittren Wind

und fühlst die Böen, wenn sie stärker sind?

 

Warum sind Augen da, um dies zu sehen?

Solln wir nicht lieber wieder gehen?

Domna

Du sprichst in Rätseln, liebe Trud.

Ich seh den Strand, das Meer, die Möwen gut

und dank dir für die Bilder, die du schenkst.

Was siehst du noch, dass du an Umkehr denkst?

Clara:

Da ist ein Mann mit einem Tier

die Nase ist ganz schrecklich lang

Was machen diese beiden hier?

mir ist vor diesen beiden bang.

Domna:

Auch du, mein Kind, klingst sehr beklommen.

Hol mal die Jenny, sie soll kommen.

Doch sag zuerst, was dieser Mann dort macht?

Ich höre einen Lärm, es quietscht und kracht.

Clara:

Er geht da rum und baut ein Haus

das Haus das sieht ganz grauslich aus.

Die Jenny ist bei diesem Mann

ich glaub, sie legt sich mit ihm an.

Das Biest guckt bös und öffnet seinen Rachen.

Was soll ich, liebe Domna, machen?

Danai

Führ mich zu ihm, ich möchte gern erfahren

was dort geschieht des Unheil-Sonderbaren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Wandern

Darf man sieben Kilometer bergauf-bergab-Gehen schon als Wandern bezeichnen? Nun, wie auch immer: Ich war heute mal wieder unterwegs, die Straße zum Nachbardorf hoch, dieses umrundend, und über Feldwege zurück. Das Schneegebirge lockte. Denn auch über Griechenland ist eine Kältewelle hingezogen und hat, welch Glück! unser Taygetos-Gebirge mit Neuschnee bedeckt.

Bis ins Gebirge hätte ich nicht wandern können, aber zum Glück hat das Handy ja eine Zoom-Einstellung, die das räumlich Ferne optisch naherückt.

Viele Lustbarkeiten sind mit solcher Sonntagswanderung im kalten Februarlicht verbunden. Zum Beispiel der Anblick von Blüten am verwilderten Mandelbaum, dessen vorjährige Früchte nicht geerntet wurden.

Oder die mit kleinen weißen Margariten überblühte Wiese zwischen alten Olivenbäumen, dahinter ein wildes Zypressenwäldchen …. 

und immer wieder, immer erfreulich, der weite Blick über Land und Meer.

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Was sehe ich, wenn ich aus der Haustür trete? Aprikosenbaum Februar 2023 (Fotoprojekt Royusch)

Heute ist ein kalter glänzender Tag. Ich öffne die Haustür und sehe natürlich als erstes …. die Katzen, die gefüttert werden wollen. Dann erinnere ich mich: ich wollte doch an jedem ersten Sonntag des Monats ein Foto vom Aprikosenbaum machen, der mich beim Hinaustreten als erstes begrüßt. Das Gezweig, sonnenüberglänzt, ist jetzt ganz kahl, allein ein vertrocknetes Blättchen hockt wie ein frierendes Winter-Vögelchen auf einem der Äste. Der weiße Rosenbusch trägt immer noch – immer wieder – Blüten, daneben ein paar rote Blüten am Hibiskusstrauch (Fotoprojekt Royusch).

Hier ist es (5.2.2023, 11.30 Uhr)

Sinnvoll wird so ein Foto natürlich erst innerhalb einer Galerie. Bisher sind es zwei Fotos, vom 10.1. und das heutige.

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Welttheater, 4. Akt, 6. Szene: Erwachen, Aufbruch

Was zuletzt geschah: Die kleine Gesellschaft (Jenny, Clara, Domna, Trud) findet wie durch ein Wunder Unterschlupf bei einer Schafherde. Da hatte wohl Dora ihr Händchen im Spiel. Clara ist jedenfalls davon überzeugt.

Alle haben selig geschlafen. Nun ist die Nacht vorbei, und sie erwachen allmählich.

 

Domna (sich dehnend)

der wind, den ich spürte, leimte die linien der frau
in die landschaft, daß, wo sie stand, kein platz blieb;
für magere hunde

(Marion Poschmann, milde kleine diagnosesplitter* )

 

Clara (verträumt):

Ich hab im Schlaf ein Lied gesungen

das hat ein ein bisschen so geklungen:

(singt)


\language "deutsch"
\relative c'' { \autoBeamOff \key f \major \time 2/4 \tempo 4 = 80
                a4 g8 g8 | f4 r8 f16[ a16]
                c8 c8 b8 b8 | a4 r8 a8 | b8 b8 g8 g8|
                c8 c8 a8 a8 | b8 b8 g8 g8 |
                c8 c8 a4 | b4 g8 g8 | f4 r \bar"|."
}
\addlyrics {
Schlaf’, Kind -- lein, schlaf’! Der
Va -- ter hüt’t die Schaf’, die Mut -- ter schüt -- telt’s
Bäu -- me -- lein, da fällt her -- ab ein
Träu -- me -- lein. Schlaf’, Kind -- lein, schlaf’!
}

Clara

Danach kam noch ein Verslein dran

mal sehn ob ich es singen kann:

(singt)

Schlaf, Kindlein, schlaf,
So schenk ich dir ein Schaaf,
Mit einer goldnen Schelle fein,
Das soll dein Spielgeselle seyn,
Schlaf, Kindlein, schlaf!

(1. und 4. Strophe, Des Knaben Wunderhorn)

Ich mache mäh und es macht muh

Ich rufe „bäh“ dem Schafe zu …

So spielt ich schön mit meim Gesellen

Da hör von fern ich Hunde bellen

(singt)

Schlaf, Kindlein, schlaf,
Und blöck nicht wie ein Schaaf,
Sonst kömmt des Schäfers Hündelein,
Und beißt mein böses Kindelein,
Schlaf, Kindlein, schlaf.

(5. Strophe)



Da musst ich weinen, denn ich machte

doch gar nichts Böses, wenn ich dachte

dass ich mit meinem Schafgesellen

ein Spielchen spiele bei den Ställen.

 

Nun sollte ich, weiß nicht warum

die Schafe hüten, o wie dumm!

und neben mir ein Hund der beißt.

weiß nicht mal, wie das Hündchen heißt.

 

Drum bin ich lieber aufgewacht

und hab die Augen aufgemacht.

Da standen Schafe um mich rum

die sagten nichts, sie waren stumm.

Trud

Wie bin ich geraten zwischen das Weiche der Schafe

und die Härte der Stadt mit den Steinen und Straßen?

Bin ich nun aufgewacht oder doch noch im Schlafe?

Mich träumte, dass Menschen die Schafe schlachteten und aßen

Und hier die ‚Linien zwischen Gras und grasbedecktem Stein’**

verlaufen wie? verzweigen sich? Versinkt hier das Sein

in Schatten, im Traum, in der Nacht?

und hier das Licht? Bin ich erwacht?

Jenny

Das war mal ein bequemes Schlafen

im dicken Pelz von Mutterschafen

Doch jetzt wirds Zeit, dass wir verschwinden

der Bauer sollte uns nicht finden

sonst holt er noch sein Schießgewehr

und jagt uns Hunde hinterher.

 

Mir scheint, ich sollt ich die Gegend kennen…

Gab hier nen Hahn und drei vier Hennen

Ich fand ein Ei, das trank ich gleich

und fühlt mich wie im Himmelreich.

Jedoch der Bauer

war stinksauer

Ich bin dem Hunde nur entkommen

indem ich einen Baum erklommen.

Da musst ich eine Stunde kleben

Das möcht ich nicht noch mal erleben.

 

Wenn ihr wollt, bleibt ihr halt hocken.

Ich aber mach mich auf die Socken.

Domna

Geh nicht allein, lass uns zusammen bleiben

Kein Windstoß soll uns auseinander treiben

Der Mensch ist nicht gemacht fürs Einsamsein

Hast du gehört, dass nur ein Fuß allein,

ein Kopf, ein Knie, ein Mund allein spaziert?

Mir scheint, dass es stets im Verbund passiert

dass Kopf und Fuß und Mund und auch die Hand

verbinden soll ein unverbrüchlich Band.

 

Wenn du allein gehst, kommst du schnell voran

das weiß ich wohl, doch denk einmal daran

wie es am Abend ist, wenn Dunkel dich hüllt ein

und du nicht einen hast, der sagt: Nun schlaf mal fein.

Wenn du nicht weißt wohin, und niemand kannst du fragen,

der dir was rät und hilft an solchen schweren Tagen.

Ich bin ja blind, und dir zu wenig nütze

doch sei gewiss, dass ich dich doch beschütze

 

durch Worte, die der Seele Nahrung geben

das ist so wichtig wie das Brot zum Leben.

Jenny

Schon gut! Ich warte ja, nur mach geschwind

und sammel ein auch das verträumte Kind

Und Trud, die niemals weiß, wolang es geht

und wo und wie und wann, die nichts versteht.

Ich fühl mich schon fast wie ein armer Hirt

der mit ner blinden Herde durch die Gegend irrt.

 

Wenn ihr zum Aufbruch seid bereit:

Von hier ist es zur Bucht nicht weit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich glaub, die Gegend ich mir bekannt

es sei denn, dass ich täusche mich

So ist es gar nicht mal sehr weit

bis hin zur Bucht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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*Das Bruchstück von Marion Poschmanns Gedicht milde kleine diagnosesplitter fand ich in einem Text bei Planet Lyrik,  zwei Texte zu Poschmanns Gedicht „Grund zu schafen“, zuerst veröffentlicht in die horen, Heft 246, Wallstein Verlag, 2. Quartal 2012

**Bezug zu Ilse Aichingers Gedicht Beyond, das Domna am Abend zitierte.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Schwemmholz sammeln

Ja, ich liebe das Schwemmholz. Letztes Jahr war ich mit Dora unterwegs am Strand (hier), aber selbstverständlich tat ich dasselbe auch in anderen Jahren, zum Beispiel 2017 (hier). Warum ich es liebe? Es gibt drei Gründe dafür.

Der erste Grund ist sentimental: Ich erinnere mich beim Sammeln an meine früheste Kindheit, wo ein gutes Stück Schwemmholz zu finden fast so erhebend  war wie ein Nugget für die Goldsucher. Denn bei uns gab es keinen Wald, kein Holz, und außer dem Torf nichts, um den Ofen anzuheizen. Nichts außer dem Schwemmholz.

Der zweite Grund ist trivial: Schwemmholz ist gut für den Kamin. Wir haben zwar viel Oliven-Schnittholz, aber das sind große Stücke. Ich sammele kleinere Stücke am Strand, die fürs Anheizen besser geeignet sind.

Der dritte Grund … nun, ich nehme diese Stücke gern in die Hand, um sie zu betrachten, manchmal auch zu zeichnen

Heute hatten die Wellen viel Holz herangetrieben, und so konnte ich mühelos zwei Taschen füllen. Am liebsten mag ich die „Knochen“ – nicht sehr große Stücke, die durch viele Verarbeitungsstufen gegangen sind – Feuer, Wellen, Sand – , so dass vom ursprünglichen Baum nicht mehr viel übrig geblieben ist – außer eben seinen Knochen.

 

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Welttheater 4. Akt, 5. Szene: Gelungener Abstieg

Was zuletzt geschah: Jenny, Trud, Clara und Domna haben Wilhelms Lager verlassen und steigen auf der kahlen Rückseite des Berges hinunter ins Tal.

Nun haben sie die Ebene erreicht.

Domna

Bewahren,
wie die Linien
zwischen Gras
und grasbedecktem Stein
verlaufen,
den Astsprüngen
und den Sprüngen der Verzweigung,
Licht- und Schattenlauten.
Den Trauer- und Freudefesten
auf der Spur bleiben,
den Firsten
und den Rauchzeichen darüber,
solange, bis sie,
eins geworden,
sich im Flug entdecken,
kein Untergang.

(Ilse Aichinger: BEYOND
für Clemens Podewils. Poesiealbum 365)

 

Jenny

Uff, ächz, da wären wir, nun ist es Nacht

Dass es so schwer wär, hätt ich nicht gedacht.

Bin heilfroh, dass wir unten sind.

Sind alle da? Wo ist das Kind?

Clara:

Hier oben bin ich, siehst du mich?

Hab keine Angst, ich sehe dich!

Hab ja das Dora-Licht dabei

da hüpf ich sicher eins-zwei-drei

und falle nicht, geh nicht entzwei.

Jenny

Nun komm schon, denn wir müssen weiter,

dahinten wird der Weg schon breiter

Und Häuser gibt es, Höfe, Gärten,

da können wir paar Äpfel ernten.

 

und finden auch ein Unterschlupf

so komm schon, mach noch einen Hupf

dann bist auch du in Sicherheit

Ich fang dich auf, ich steh bereit.

Trud

Was ist das hier? ist dies Asphalt?

Machen wir hier jetzt endlich Halt?

Was gibt es hier denn nun zu tun?

Wo solln die alten Knochen ruhn?

Jenny:

Ich weiß nicht wo wir schlafen werden

Schön wär es ja bei den Schafherden

da ist es warm, auch wenn es stinkt.

Mal sehn was uns das Glück noch bringt.

(Eine Szene mit Schafen wird auf die Bühne projiziert)

Da sieh mal an, ich glaub ich spinne

es täuschen mich vielleicht die Sinne,

doch was ich sehe, das sind Schafe

grad wie bestellt für uns zum Schlafe

 

 

Clara:

Ich weiß, wer die uns hergebracht

damit wir schlafen diese Nacht!

Die Dora hat sie uns geschenkt

Die hat uns auch hierher gelenkt!

Du glaubst ja nicht,

dass dieses Licht

das ich im Traum geschenkt bekam

mehr ist als nur ein Trödelkram.

(Die müden Wanderer lassen sich zwischen den Schafen nieder und schlafen schnell ein.)

Domna

Verflossen ist das Gold der Tage,
Des Abends braun und blaue Farben:
Des Hirten sanfte Flöten starben
Des Abends blau und braune Farben
Verflossen ist das Gold der Tage.

(Georg Trakl, Rondel)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Durch Fenster schauen

Drinnen im Warmen und Trockenen sitzen und durch die Fenster hinausschauen – ja, das ist eine Lustbarkeit. Unser Wohnraum hat 7 Fenster und eine Fenstertür, alle mit schmiedeeisernen „Eulen“ vergittert. Durch die schaue ich besonders gerne hinaus.

Heute gegen Mittag braute sich draußen ein Unwetter zusammen, ferner Donner und sehr heftige Böen, die das auf der Terrasse vergessene Gestühl durch die Gegend schleuderten, machten die Musik dazu. Wie gewöhnlich, haute es uns den Strom raus. Ich schaute aus allen Fenstern hinaus, was sich sonst noch so tat.  Das war kurz vor 1 Uhr.

Wie meistens hier, verzog sich der Spuk so schnell, wie er gekommen war. Wenig später stahlte die Sonne vom Himmel, aber da kein Strom da war, gingen wir in „unserer“ Taverne essen. Dann machte ich noch einen Strandspaziergang, sammelte Schwemmholz für den Kamin, fuhr ins Gebirgsdorf hinauf, um einen Blick auf den frisch verschneiten Taygetos zu werfen (lauter Lustbarkeiten, über die ich bei Gelegenheit gesondert berichten werde) und kehrte am späten Nachmittag heim.

Als ich nun, etwa Viertel vor sechs, durch die Eulenfenster blickte, hatte sich ringsum goldenes Licht auf Berge und Garten gelegt. Im vierten Fenster erschien auch die strahlend weiße Gebirgskette (auf dem Foto kaum zu erahnen).

Und jetzt? Schwarze Nacht vor den Fenstern. Es ist Viertel vor 7.

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Welttheater: 4. Akt, 4. Szene: Abstieg auf der Rückseite des Berges

Was zuletzt geschah: Die „Hilfesuchenden“ bzw Flüchtlinge – Danai, Abud und Hawi –  übernehmen tatkräftig und kenntnisreich die Pflege des abgestürzten „Überlebenskünstlers“ Wilhelm.  Der Kontrollfreak ist nun hilflos, die Schutzsuchenden sind Helfer. 

Die anderen brechen unter Jenny theKids Führung auf, um hinunter ins „Tal“ zu steigen.

Jenny:

Solln wir dieselben Wege wandern,

auf denen wir gekommen sind?

Ich schlage vor, wir gehn auf andern.

Ich denk, dass ich was Kürzres find.

Sonst müssen wir erneut den Wald

und auch die dunkle Schlucht durchqueren.

Die Sonn steht tief, die Nacht kommt bald

wir schaffens nicht zurückzukehren

bevor das Dunkel uns erreicht.

 

Clara:

Im Walde lebt ein böser Troll

der durch die finstern Büsche schleicht….

 

Jenny:

und die Gespenster treibens toll!

Ganz recht, die Schlucht ist auch nicht ohne.

Drum denk ich, gehn wir um den Berg

und steigen an der Rückseit runter.

Da gibts kein Troll und auch kein Zwerg.

Wir gehn gleich los, solang wir munter.

Die Gruppe macht sich auf den Weg, die Kulisse ändert sich:

Trud:

Hier bricht man sich wohl leicht ein Bein?

Wächst hier denn nichts? Und dies Gestein,

was mag denn wohl sein Ursprung sein?

Clara (zu Domna)

Hier gehts steil ab, ich führe dich

Ich mache einen Schritt

und du machst einen Tritt

Komm langsam mit mir mit

so schaffen wir es sicherlich.

Domna (für sich)

„Denn was täte ich,
wenn die Jäger nicht wären, meine Träume,
die am Morgen
auf der Rückseite der Gebirge
niedersteigen, im Schatten.“*

(*Ilse Aichinger, Gebirgsrand, 1978)

Clara (zu Domna)

Doch sollst du jetzt nicht träumen.

Der Weg ist steil

das sag ich weil

du sonst nicht heil

ins Tal kommst mit den Bäumen.

Domna

Wenn du mich führst, mein liebes Kind

dann seh ich deutlich, hell und klar

denn deine Augen sehen wahr

Sie helfen mir ganz wunderbar

und ich bin nicht mehr blind.

Clara

Ich trage auch das Wunderlicht

das Dora mir im Traume schenkte,

das immer unsre Schritte lenkte

drum stürzen wir auch nicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Zyklische Ökonomie

 

Vor Jahr und Tag haben wir in Kalamata eine Selbsthilfegruppe gebildet, die sich als Zeichen die „Blume des Lebens“ gewählt hat. Ineinander greifende Kreise von Menschen, die für sich und für einander sorgen,  die ihr Wissen und Können teilen, die Gemeinsames zum Blühen bringen, bilden ein lebendiges Netzwerk, ohne Statuten und Hierarchie. Verbindlichkeit gibt es nicht, jeder ist frei zu kommen und zu gehen, oft oder manchmal teilzunehmen. Einmal in der Woche treffen wir uns nun, um verschiedene Ansätze zu Therapien und Lebenskonzepten und -techniken auszutauschen. Die Idee dahinter ist: Wir alle sind Experten in irgendetwas. Wenn wir unser Wissen, unsere Erfahrungen in verständlicher Form einbringen und zuhören, was andere uns lehren können, haben wir alle Expertise, die wir auch in schwierigen Zeiten brauchen, um angenehm zu leben.

Gestern ist Christina, Expertin für alte Samen und natürliche Landwirtschaft,  unsere Gastgeberin. Das Thema ist „zyklische Ökonomie“. Nach einer theoretischen Einführung (nichts wird weggeworfen, alles kehrt in den Lebensprozess zurück) zeigt sie uns praktisch, wie wir Salben aus Bienenwachs und diversen Ölen herstellen können, durch die Wunden schneller heilen. 20 Salbengläschen füllen sich und gehen als Gastgeschenk an die Besucher.

Christinas Wohnraum in einem hässlichen Wohnhaus ist so anders als alles ringsum: warm, lebendig. Fast wirkt er wie ein Museum mit den alten Werkzeugen, Puppen, Stapeln alter Bücher, Kräuterbündeln, keimenden Pflänzchen in Reagenzgläsern …, doch hat er nichts Museales und Verstaubtes, alles ist belebt, wird benutzt und umgewandelt, etwa zu Schmuck aus recycelten CDs, Schals aus alten T-Shirts, Gewebe, gefertigt auf einem einfachen Rahmen, Essenzen, Ölen, Salben, Tees, Setzlingen… Jedesmal, wenn ich dort bin, gehe ich herum wie in einer Wunderwelt, staune, frage.

Warm und lebendig ist auch die Gesellschaft, die sich gegen Abend einfindet, sich austauscht, Anteil nimmt. Die meisten sind Frauen, ein paar Männer sind auch gekommen und zeigen Interesse. Man kennt sich oder lernt sich kennen. Ich halte mich am Rande, denn meine Schwerhörigkeit ist in von vielen Stimmen belebten Räumen ein Problem. Ich lasse mein Auge über das Naheliegende schweifen, nehme das eine und andere in die Hand,  fotografiere es. Die Hände am Ende der Fotogalerie sind die, die all dies und vieles vieles mehr hervorgebracht haben und unermüdlich weiter hervorbringen. 

 

 

 

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