Von Herzen (mit täglichem Zeichnen)

Von Herzen!

Viele Segenswünsche habe ich heute!

Dir, liebes Geburtstagskind, alles Liebe und Gute für das kommende Jahr! Dir, du frisch Operierte, schnelle Rekonvaleszenz! Dir, die heute bangend die Untersuchungsergebnisse erfährt, Mut und Zuversicht! Dir, dem weit Reisenden, gutes Ankommen! Dir, Menschenfreundin, gutes Gelingen deines schönen Vorhabens! Dir in deinem künstlerischen Schaffen Zuspruch und Erfolg!

Auf der Zeichnung halte ich das Büchlein mit Leseband in der Hand, das mir eine, die heute ihren Geburtstag feiert, geschenkt hat.

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Montag ist Fototermin: Sichtblende

Ich schaue vom Platz, wo ich sitze, durchs Eulengitter hinaus aus dem Fenster, erblicke das Gemäuer der Umfriedung und darüber das Immergrün der Olivenbäume. Ein feines Netz rastert das Bild. Das ist die Jalousie aus dünnem Rohr, die vor dem Fenster hängt, um vor der starken Sonneneinstrahlung zu schützen.  Mein Blick wird durch dieses Raster kaum behindert: ich sehe in dreidimensionaler Raumtiefe das Spiel von Licht und Schatten auf den Bäumen und der Mauer.

Auf dem Foto ist die Dreidimensionalität, die mein Gehirn durch meine Augen wahrnimmt, fast aufgehoben, und statt Licht und Schatten erscheint ein zweidimensionales „Gemälde“ von lichtschwachen Grau- und Grüntönen. Immerhin sind die dicken Feldsteine der Mauer noch gut zu erkennen. Muss ich vielleicht näher herantreten, um ein schärferes Foto zu erhalten?

Ich stehe also auf, trete näher ans Fenster heran und fotografiere nur den unteren Teil mit der Mauer. Aha, ja, die ist nun deutlicher zu erkennen.

Und wenn ich noch näher herantrete – wird  sie dann noch deutlicher? Schritt für Schritt nähere ich mich. Überrascht stelle ich fest, dass zwar die Jalousie immer deutlicher, die dahinter liegende Mauer aber immer unschärfer wird, bis sie zu einem Hell-Dunkel-Muster verschwimmt

Mein Auge – auch das probiere ich aus – hat beim Nähertreten kein Problem damit, die Jalousie zu ignorieren und die Mauer, die Bäume, den Himmel in allen Einzelheiten wahrzunehmen. Nicht so die Kamera meines Handys, die an der nebensächlichen, aber direkt „vor Augen liegenden“ Sichtblende scheitert.

Ich fürchte, wie die Kamera funktioniert oft auch unser menschliches Hirn, wenn es darum geht, das größere Bid zu erkennen und das auszublenden, was uns wie eine Sichtblende „vor Augen gerückt“ wird.

Was das Hirn im natürlichen Raum gelernt hat – nämlich Unwichtiges selbst dann zu ignorieren, wenn es den Vordergrund beherrscht –  kapiert es nicht unbedingt auch bei der Bewertung von Tagesnachrichten. Und so bleiben wir oft an „vor Augen liegenden“ Details hängen (zB Strompreis) und übersehen, was sich im Hintergrund abspielt. Das größere Bild verschwimmt uns in einem diffusen Nebel.

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Der Rosen Du

 

Gottfried Benn – Astern

Astern – schwälende Tage,
alte Beschwörung, Bann,
die Götter halten die Waage
eine zögernde Stunde an.

Noch einmal die goldenen Herden,
der Himmel, das Licht, der Flor,
was brütet das alte Werden
unter den sterbenden Flügeln vor?

Noch einmal das Ersehnte,
den Rausch, der Rosen Du –
der Sommer stand und lehnte
und sah den Schwalben zu,

Noch einmal ein Vermuten,
wo längst Gewissheit wacht:
Die Schwalben streifen die Fluten
und trinken Fahrt und Nacht.

 

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Gute Reise, Nebukadnezar! (abc-etüde)

Eine abc-etüde für Fellträger-Freunde

Schreibeinladung für die Textwochen 36.37.22 | Wortspende von Ludwig Zeidler

Geduldig buchstabiere ich seinen Namen zum dritten Mal:

En wie Nordpol, E wie Elefant, Be wie Babylon, U wie Ukraine,  K wie Kamel, A wie Alexander, De wie Dortmund, En wie Neapel, E wie Esel, Zett wie Zeppelin, A wie Alarm, Er wie Reisen.  Ne-bu-kad-ne-zar. Wie der babylonische König. Du weißt schon, der den Turm zu Babel bauen ließ. Danach gings los mit den vielen Sprachen und der Buchstabiererei. Wenn dir sein Name zu schwierig ist, nenn ihn einfach Nebu. Nabucco geht auch. Und nimm den Käfig mit rein, bitte. Nebukadnezar ist sehr freundlich und anschmiegsam, aber Schiffsreisen kennt er nicht, da kann ich für nichts garantieren. Mag sein, dass er schläft, kann aber auch sein, dass ihm die Aufregung der Reise und die Wellenbewegung auf den Magen schlagen. Wenn du merkst, dass er einen Brechreiz kriegt, lass ihn an diesem Fläschchen hier schnuppern, da ist ein Beruhigungsmittel drin, extra für Katzen auf Seereisen entwickelt…. Ah, sie fordern uns Besucher auf, von Bord zu gehen! Tschüß! Und vergiss nicht: Ich lasse Nabucco ungern ziehen, er ist wirklich ein Prachtkerl, also pass gut auf ihn auf und hab ihn lieb, ja? Tschüß, und gute Reise euch beiden!

 

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Dora zum SiebzehntenNeunten: Ecken und Runden (für Bruni)

Dora schleppt Sachen herum, lacht und singt

Es lebte einst vor vielen Jahren
der kleine König Kugelrund

Sein Schloss war rund und ohne Ecken
drum konnte er sich nie verstecken

….

Kugelrund war aus dem Häuschen
Er weinte laut, weil er sich freute
und spielt vergnügt bis heute

Verstecken mit den geschenkten Ecken

Seit sie das Gedicht von Bruni gehört hat, deklamiert sie es unaufhörlich. „Ich spiele mit!“ kräht sie nun. „Allein Versteckenspielen macht niemandem Spaß! Der Teetisch ist ein perfektes Spielfeld mit einem Haufen Ecken. Mal sehen, wer von den Damen und Herren Untertanen mitspielt!“

Aha, Frau Kugeluhr-unter-der-Haube ist mit Tick und Tack als Erste zur Stelle ! Schon kommen auch Frau Plasteflasche und Madame Keksdose angewackelt  Die Zwillige Knopf und Deckel möchten keinesfalls fehlen. Familie Kerze nimmt gleich auf drei Feldern Platz, Herr Stein rollt und kugelt sich zurecht, bis er eine gute Position im Kreis gefunden hat. Herr Zapfen verzichtet auf den Streich, um dabei zu sein. In der Mitte aber positioniert sich selbstbewusst eine gelb gekleidete Dame – oder ist es vielleicht ein Herr? „Herr Becher! Frau Tasse! Schön, dass Sie auch vorbeikommen“, freut sich Dora.

„Meine Damen, meine Herren Untertanen!“ begrüßt Dora sie. „Nehmen Sie bitte Platz. Es gilt, König Kugelrund ausfindig zu machen. Wo ist König Kugelrund? Wo haben Sie sich versteckt, Majestät?“

Drauf ertönt ein vielstimmiges Lied, das ungefähr so geht.

 

Eene mene Mecke,

wir kommen um die Ecke

gerollt, gepurzelt und gekreist

sind extra für Sie angereist!

*

Die Ecken schrecken uns nicht sehr

Doch Kreiseln liegt uns eher mehr

Drum König sei Herr Kugelrund

Wir tun’s dem runden Weltall kund.

*

Die Majestät versteckt sich gut

Wir haben dennoch guten Mut

Wir finden Sie! — Wo steckt sie bloß?

Wie sieht er aus, klein oder groß?

*

Rund ist er-sie, das ist bekannt

Im eckig runden Heimatland

Doch ist sie rot, grün, gelblich, blau?

Ist er ein Dummkopf  oder schlau?

*

Trinkt sie gern Wasser od Kaffee?

Liebt er den Wald? Fährt sie zur See?

Taucht er in Seelentiefen ein

Schwimmt sie gern oben und allein?

*

Eene mene Mecke,

wir kommen um die Ecke

gerollt, gepurzelt und gekreist

sind extra für Sie angereist!

 

 

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Dora zum SechzehntenNeunten: Was tun mit Fritzi?

„Fritzi geht es nicht gut“, verkündet Dora. – „Ja, leider“, murmele ich. – Es stimmt, Fritzi, die Besondere, die als Einzige unser Menschenleben gründlich erforscht und Vertrauen zu uns gefasst hat, sieht recht kläglich aus. Sobald ich mich vor die Tür setze, kommt sie an, umstreicht wie immer meine Beine und entschließt ich nun erstmals, auf meinem Schoß Zuflucht und Schutz zu suchen

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Ich halte ganz still. Es macht mir Eindruck, dass sie ausgerechnet jetzt, wo sie offenbar verletzt oder krank ist, so viel Vertrauen zu mir zeigt. Vorsichtig balanciert sie sich auf meinen Knien aus, sucht die bequemste und sicherste Stellung. Ich unterstütze sie sacht dabei.

Nun ist es geschafft. Sie schaut mich fast beschwörend an. „Was soll ich nur tun?“, frage ich Dora. „Was möchte sie, das ich tue? Soll ich sie zum Arzt bringen? Oder sie lieber in Ruhe lassen?“

Dora legt ihr Köpfchen schief und denkt nach. „Lass sie in Ruhe und gib ihr ein bisschen Extra-Futter. Und ich gebe ihr ein paar Bestrahlungen für ihr blutiges Näschen “

„Hm“, sage ich. „Meinst du, das reicht?“ – „Du kannst ja vorsichtshalber die Katzenkundigen unter deinen Lesern und Leserinnen fragen. Die wissen vielleicht, was mit Fritzi los ist und geben uns einen Rat.“

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Tägliches Zeichnen: Wilde Möhre und Meer

Auch hier sehe ich nun überall die „Vogelnester“ der wilden Möhre,  die Almuth so wundervoll im Abendlicht fotografierte. Ein wenig anders sieht sie hier aus, aber ich denke doch, dass es sich um dieselbe Pflanze handelt. Wenn nicht, möge man mich belehren.

  Ein Nest brach ich ab und trug es nach Hause, um es zu zeichnen.

Auch das Meer, wie es von Felsen, Geröllstrand, entfernter Landzunge und weißen Wolkenbänken gerahmt wird, skizzierte ich. Einer der Schatten ist mein eigener Schattenkopf, der sich auf dem nassen Sand abzeichnet.

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Hand mit Kolibristein (tägliches Zeichnen)

Viel habe ich seit meiner Rückkehr aus Samothrake nicht gezeichnet, aber dies und das ist doch entstanden, so diese Skizze von meiner Hand mit dem Kolibristein, den Karen mir schenkte. Dabei habe ich keinen Versuch gemacht, ihr kleines Kunstwerk getreu nachzuzeichnen, wollte es nur in der Hand zu halten, es hin und her wenden und mich am Spiel seiner Farben und Formen erfreuen.

Dora ist sehr dafür, Geschenke (δώρα, dora) zu ehren. Interessiert schaut sie mir auf die Finger, als ich versuche, die kleine Zeichnung digital umzugestalten. „Was hast du vor?“ will sie wissen. – „Ich möchte eine Devotionalie machen“, gebe ich zur Antwort. – „Eine was?“ – „Eine Devotionalie, das sind kleine, oft aus Blech getriebene kleine Gegenstände, die man auf Kirchenbasaren zu Hauf findet. Sie stellen die Madonna oder den Gekreuzigten oder auch Beine, Arme, ein Kind, einen Hund dar, und die Leute kaufen sie, hängen sie in die Kirche, zünden wohl auch eine Kerze an und bitten, dass ihre Gesundheit wiederhergestellt, ein Kind geboren, ein Hund gefunden wird, oder sie danken dafür, dass das Gewünschte eingetroffen ist.“ –

Dora nickt nachdenklich. „Ja, du musst mich bitten, dann wird dir auch gegeben. Wie sonst soll ich wissen, was du grad haben willst? Und wenn ich dir was geschenkt habe, darfst du dich gern dafür bedanken. Aber was willst du mit deinem Devo-Dingsbums erreichen?“

Soso, denke ich lächelnd, Dora hält sich tatsächlich für die Geberin aller Gaben. Eine Pandora wie ihre antike Namensschwester…. Laut sage ich: „Ich will die Devotionalie der großen Göttin Rhea (Fluss, das Fließende) widmen, damit sie die Kolibris schützt.“ – „Gute Idee!“ kräht Dora. „Ich häng das Devo-Ding dann mal in den Katzenbach auf Samothrake, da findet die Rhea sie bestimmt!“ – „Katsabas, nicht Katzenbach“, korrigiere ich. Aber Dora ist schon unterwegs und hört mich nicht mehr.

Auf der Suche nach einem passenden Gedicht fand ich dies von Silvio Rodríguez, das im kubanischen Spanisch sehr hübsch klingt.

Hoy me propongo fundar un partido de sueños

(heute will ich eine Partei der Träume gründen)

und das endet mit den Reimen:

Ala de colibrí,
liviana y pura.
Ala de colibrí
para la cura.

 

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Dora zum VierzehntenNeunten: Menschen von überall her (Samothrake-Bericht 11)

„Nun hast du einen Haufen Sachen über Samothrake erzählt, aber das Wichtigste hast du vergessen“, tönt Dora. – „Und das wäre?“ frage ich ein bisschen begriffsstutzig zurück. – „Die Menschen!!“ – He? Hab ich die wirklich vergessen? „Aber ich hab doch von Karen erzählt und auch von den Leuten, bei denen ich mich einquartiert habe“, verteidige ich mich. – „Schon. Und all die anderen? Sind die etwa weniger bedeutsam als deine Steine und Platanen und Ziegen?“ – „Nein, natürlich nicht, Dora, ganz im Gegenteil! Menschenbegegnungen sind für mich immer das allerwichtigste, wenn ich auf Reisen gehe.“  – „Na also!“ trumpft Dora auf. „Dann erzähl mal von Sonja und von Maria und von Ana und von Renzo und von Kritou und von der anderen Maria und von Irene und … !“

„Nun mal langsam, Dora! Unmöglich kann ich von allen Leuten erzählen, die ich in der Woche auf Samothrake getroffen habe. Lass mich mal überlegen …

A. Also gut Sonja, die Armenierin, die mit ihrem griechischen Mann im Bergdorf Profitis Elias eine Taverne betreibt und die tollsten Tierskulpturen aus Zement herstellt!“ – „Genau!“ kräht Dora. „Die Frau hat Mumm!“ Ich lächle. Den Ausdruck habe ich lange nicht gehört, er gefällt mir, und er passt so gut auf Sonja, die mir auf Befragen gern erzählt, dass sie aus Erivan stammt und ihr Vater ein handwerklicher Alleskönner war. Was immer er in die Hand nahm, wurde perfekt. In Erivan lebt nun ihre Tochter, studiert dort. Ihr Heimweh wird gemildert dadurch, dass es hier „genauso“ sei, dieselben Berge – und sie macht eine weite Bewegung hinauf zum Gipfel des Gebirges. ….Auf den Winter freut sie sich. Weniger Arbeit in der Taverne, mehr Zeit für ihre Kunst.

„Komm, lass uns spielen!“ kräht Dora vergnügt. „Du sagst ein Tier, das dir am besten gefallen hat, dann sage ich dir meins, und dann sagst du wieder deins, und dann ich…“

„Der Pfau!“ rufe ich – „Die sexy Fröschin“ echot Dora. – „Das Zebra“ ich – „Die andere Fröschin!“  – „Die sehnsuchtsvolle Giraffe“ ich – „Der Specht, der dem Baum die Zähne putzt!“ Dora — – „Der Truthahn“ ich – „Die drei Muskeltiere“ Dora….

Meine Reihe                                                               Doras Reihe

„Alles zusammen!“ ich –

„Alles zusammen!“ Dora.

Wir sind uns einig. Sonjas Kunst ist cool!

 

B. Maria ist im Gegensatz zu Sonja eine „Einheimische“ im strengsten Wortsinn, lebte aber lange bei Offenbach, war mit einem Deutschen verheiratet und wohnt die meiste Zeit des Jahres in Athen. Bei einem abendlichen Spaziergang im Zentraldorf Chora lerne ich sie kennen, als ich vor einem Häuschen stehenbleibe, das ein privates Volkskundemuseum zu sein scheint. Die Dame des Hauses spricht mich auf Deutsch an, wir kommen schnell ins Gespräch. Denn über dieses Haus und diese Insel zu berichten, ist ihre Leidenschaft. In einem winzigen Zimmer – sie zeigt es mir – wurde sie geboren. Ihr Vater hat das Haus, das der Großvater baute – oder war es der Urgroßvater, der von Beruf Notar war – ihr Vater also vergrößerte es, stattete es mit dem Nötigsten aus. Maria ist mein Jahrgang. Sehr früh schon begann sie zu zeichnen, zu ordnen und bewahren, was es an Sitten, Gebräuchen, Gerätschaften, Trachten, Liedern, Tänzen … gab. Sie arbeitete mit der großen Choreographin Dora Stratou zusammen, der die Erhaltung der griechischen Volkstänze zu verdanken ist. Im Laufe der Jahre entstanden außer dem kleinen Heimatmuseum Broschüren, Bücher, CDs, Videos, Gemälde. Maria wurde bekannt, geehrt (u.a. vom deutschen Botschafter) und nicht müde zu erzählen und zu zeigen, wie diese ihre Welt einmal war.

„Und?“ frage ich Dora, als wir in den dunkelnden Abend hinaustreten. „War das was?“ – „Nicht schlecht!“ kräht Dora. „Nette Frau!“. Heimatkundliches ist Dora ziemlich egal, stelle ich betrübt fest, aber Maria als Briefmarke hat ihr doch Eindruck gemacht.

C, D, E…

Ana aus Valencia, unterrichtet Philosophie an der gymnasialen Oberstufe, ist ich weiß nicht wie lange schon mit einem alten Kleinbus allein unterwegs, hat in der Heimat ein Stück Land gekauft, das sie bestellen will, und interessiert sich daher für Masanobu Fukuoka. Ich freue mich, ihr von Panagiotis Manikis, Schüler Fukuokas, erzählen zu können, der dessen Methoden der natürlichen Landwirtschaft seit vielen Jahren  in Griechenland verbreitet, und ihr Kontakte vermitteln zu können. (Ich  berichtete im Mai davon).

Karen hat uns miteinander bekannt gemacht.

Maria, die Inhaberin-Kellnerin meines Lieblingscafes in Kamariotissa, wo ich zum Frühstück gern Joghurt mit Honig aß und, wenn sie Zeit hatte, ein bisschen schwätzte …

Renzo aus Rom. den ich auf der Hinreise auf der Fähre kennenlernte und auf der Rückreise wieder traf. Mit einem Freund trampte er durch Griechenland, war auch in der Mani (!) und nun, nach einer Woche Samothrake, auf dem Weg nach Istanbul. Der Freund war ständig am Tagebuch schreiben und aquarellieren, Renzo liebte es, sich in der Zwischenzeit mit mir zu unterhalten. Und so erfuhr ich, wie es heutzutage mit dem Trampen geht, und konnte es vergleichen mit meinen eigenen Erfahrungen als junger reiselustiger Mensch.

Bleiben all die anderen, deren Wege sich mit meinemWeg kreuzten, an deren Namen und Persönlichkeiten ich mich zwar erinnere, von denen ich aber keine Fotos habe: der Ingenieur, der unser Grundstück vermaß, die Notarin, die den Schenkungsvertrag vorbereitete, der Busfahrer, den ich nach 23 Jahren wiedererkannte, die Taxifahrerin, die mich auf einer heißen Landstraße aufsammelte und mir für alle Fälle ihre Visitenkarte gab, der Wächter des Heiligtums, der schon seit 30 Jahren dieser Arbeit nachgeht, die Athenerin, die nun als Heilkräuterfrau auf der Insel lebt und ein Stück weit neben mir auf der Landstraße wanderte  ….

„Du hast Recht“, stimme ich Dora zu. „Die Menschen sind am Ende doch das Wichtigste. Was wäre mir die Natur, was die Geschichte, gäbe es nicht die Menschen. Manchmal bin ich sehr gern allein, manchmal gehen die Menschen mir auf die Nerven, manchmal machen sie mir Angst – aber ohne sie wäre das Leben ganz schön öde. “

 

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Am Morgen in meiner Bucht (kleine Beobachtungen)

Am Morgen gehe ich zum Schwimmen in meine Bucht.

Das Meer ist nach Tagen, in denen es unruhig und aufgewühlt war, fast zur Ruhe gekommen.

Von heftigen Bewegungen des Wassers zeugen nur noch die Wellenlinien im sandigen Untergrund.

Nach dem Schwimmen steige ich nochmal ins Wasser, um mir die sandigen und sonnigen Wellenlinien genauer zu beschauen. Dabei entdecke ich auch die gold-blau-farbigen Brechungen der Lichtwellen …

und was es sonst noch so an einem sonnigen Morgen an Wellenspielen zu entdecken gibt.

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