Tagebuch der Lustbarkeiten: Ankommen

Wir sind mal wieder von der Mani nach Athen gefahren. Der Himmel ist schwer, ein wenig düster, die Atmosphäre schwül – doch die Frühlingsfarben der Landschaft sorgen für Aufheiterung. Das Schönste ist der Ginster, dessen gelbe Blüten der auch sonst schönen grünen Welt eine besondere Festlichkeit verleihen.

Das Auto ist nun geparkt, das Gepäck in die Wohnung geschleppt, die uns frisch geputzt empfängt. Wir sind angekommen! Dankbar lege ich meine Füße hoch und sichte die eingelaufene Post….

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Welttheater, 4.Akt, 45. Szene: Jenny erzählt

Was zuletzt geschah: Hawi ist müde, Danai begleitet ihn auf die Wiese zu den Schafen. Domna bringt auch Clara hinaus, damit sie sich zu Hawi legt. Danai singt den Kindern ein Schlaflied…

Danai

Wie war doch das Lied, das die Frauen mir sangen

wenn Heimweh wir hatten und großes Verlangen

nach einem Zuhause und nach einem Bett?

Mir ist so als ob ichs vergessen fast hätt….

Domna deklamiert Goethes „Wanderers Nachtlied“ in zwei Versionen.

Domna kehrt ins Haus zurück, wo sie den Hirten Fotis, Wilhelm, Abud, Jenny und Trud

vorfindet.

Fotis:

Nun bleiben noch Jenny und du,

danach gehn auch wir zur Ruh.

Domna.

Magst du jetzt, Jenny, auch mal was erzählen?

nur wenn du willst, du musst dich nicht rumquälen.

 

Jenny

Na gut, ich muss wohl. Doch wovon soll ich berichten?

Ich wollt ich könnt ne schöne Geschichte erdichten.

Wollt ihr denn wirklich wissen, wer die Jenny ist?

Wenn ichs erzähl, dann findet ihr es sicher Mist.

Fotis

Nur zu, erzähl, so schlimm wirds schon nicht sein.

Und wenn, mit schlimmen Sachen bist du nicht allein.

Jenny

Na gut, ich sag’s

wer will, der mag’s.

Geboren hat mich meine Mutter im Bordell

war keine große Sache und ging ziemlich schnell

doch was soll eine tun mit so nem Gör?

Find sie bei ihrem Macker denn Gehör?

 

Wohl kaum, drum hat sie es auch weggegeben

und so begann, wie man so sagt, mein Leben.

Erst wars ne Anstalt, später warens Leute

die sich erboten, was man dann bereute.

 

Bis ich dann selbst genug von allem hatte

und frei sein wollte, drum macht ich die Platte.

Doch dann hat man mich eingelocht. vonwegen

ich etwas mopsen wollt, wie wir zu sagen pflegen

 

Der mich verpfiffen hat, der blöde Hund

tat so als täts ihm leid, und der war auch der Grund

dass ich am Strich gelandet, freilich nicht für lang,

Ich tat’s ja nur, weil er mich dazu zwang.

 

Ich konnt die Kerle einfach nicht ertragen

die΄s mit mir machen wollten, ohne mich zu fragen

obs mir gefällt, ne danke, nicht für mich.

und so verließ ich ziemlich bald den Strich.

 

Seither treib ich mich rum, bis ich euch fand.

Mir ist schon fast, als wären wir verwandt.

 Jetzt bin ich beinah jedem Abend satt.

Das ist ein Glücksfall, den nicht jede hat.

Domna

Und Clara, wie kam sie zu dir?

Sie ist dein Kind – so scheint es mir?

Jenny

Die fand ich mal, sie zieht so mit mir rum

Sie sollt ins Heim, war ohne Eltern, drum.

Abud

Ich glaub, du schmierst uns an und machst dich wichtig.

Jenny

Was ich erzählt hab, war so ziemlich richtig.

Abud

So ziemlich, ha, das dachte ich mir gleich.

Am Ende war dein Vater wohl ein Scheich

Jenny

Na klar, und ich Prinzessin, tugendhaft und reich

die durch viel Unglück ging, doch ganz am Ende

 kam unerwartet dann die große Wende

Da kam ein Prinz, der hat mich abgeküsst.

Es wär schon cool, wenn ich sein’n Namen wüsst.

Wilhelm

Nen Vater hattest du wohl keinen?

Der hat dir wohl gefehlt, so will mir scheinen?

Jenny

Kommt ganz drauf an, ein Vater wär schon dufte

doch wenn der dann auch nur rumsuffte

und wollte, dass ich für ihn schuffte.

und wenn ich stur bin, mich noch knuffte

 

nee, danke schön, da bleib ich lieber ohne

für so nen Vater gäb ich nicht die Bohne.

Dein Vater war dir, sagst du, auch nicht recht.

Fotis

Ich finds nicht gut, wie ihr vom Vater sprecht.

Mein Vater hat mich auch oft schikaniert

und Kloppe gab es auch, ist schon passiert,

doch hat er mir auch vieles beigebracht.

wie man die eine und die andre Sache macht.

 

So ohne Vater leben finde ich nicht gut.

Wie war es denn bei dir, Abud?

wird fortgesetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: sich einem blühenden Baum annähern

Was für ein Baum es ist, weiß ich leider nicht. Ich hielt ihn immer für eine Akazie, aber das stimmt wohl nicht. Seine Blüten ähneln dem Flieder und duften wunderbar stark und süß. Mein Versuch, die Pflanzenbestimmungs-App runterzuladen, misslang, also frage ich mal in die Runde: wie heißt der Baum, dem ich mich hier annähere? Ich komme vom Schwimmen (eine andere heutige Lustbarkeit!) und gehe den Weg von der Bucht hoch zur Straße. Da steht er, ein gewaltiger Baum in voller Blüte.

Nun sind die Blüten schon zu erkennen, deren Duft mich von weitem begrüßte.

Noch näher trete ich, im meine Nase reinzustecken.

 

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Nachtrag zu: Roter Hibiskus (kleine Beobachtungen)

In der Nacht von gestern auf heute schaute ich mir die Hibiskus-Blüten im Garten an, um festzustellen, ob sie sich nachts schließen und morgens wieder öffnen. Ich sah drei geöffnete und zwei geschlossene Blüten (hier). Heute Vormittag wollte ich wissen, ob sich etwas verändert hat. Nein. Die nachts geschlossenen blieben geschlossen, die nachts geöffneten waren immer noch offen. Eben (22.15 Uhr) sah ich nochmal nach: Alle Blüten sind jetzt geschlossen. Sie haben wohl ausgeblüht. Oder wird sich doch die eine und andere Blüte nochmal öffnen?

Geschlossene Blüte gestern Nacht um 1.13, heute vormittag um 9.54 und heute nacht um 22.15 Uhr.

 

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Roter Hibiskus (kleine Beobachtungen)

Es ist halb zwei Uhr in der Nacht. Eben las ich bei Joachim Schlichting (Gelber Hibiskus): „Erstaunlich ist auch sein Verhalten, seine Blüten nachts zu schließen und tagsüber wieder zu öffnen. Damit kommt er dem menschlichen Verhalten ziemlich nahe…“ Das wunderte mich, denn ich war der Ansicht, dass die Hibiskusblüte sich abends zusammenfaltet und dann abfällt.  Von Wiedereröffnung hatte ich keine Ahnung.

Nun bin ich in den Garten gegangen, um zu schauen, was mein roter Hibiskus nachts so treibt. Und vermelde; drei Blüten sind ganz offen genauso wie meine Augen, sie schlafen nicht. Zwei Blüten sind zusammengefaltet – ich werde morgen nachschauen, ob sie sich wieder öffnen. Und dann gibt es noch eine Knospe.

Die Fotos habe ich mit dem iphone ohne Blitzlicht gemacht.

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Schlänglein (neu und aus dem Archiv)

Winzigkleine erstarrte Schlänglein fand ich heute im Atelier. Ich weiß nicht, woran sie gestorben sind. Wassermangel vielleicht? Schön sind sie in ihrer matt glänzenden starren Form. Geheime Schriftzeichen.

Die verschlungene Form hat Ähnlichkeiten mit dem Ouroboros als Ewigkeitssymbol.

Schon früher habe ich eine erstarrte Schlange gefunden, zeigte sie  unter dem Titel „Rehabilisierung der Schlange“ (Oktober 2015)

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Dieses Foto bearbeitete ich digital

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In einem anderen Beitrag verwandelte ich einen Baum in eine sich aufrichtende Schlange. Hier zur Erinnerung eine der vielen Zwischenformen (Oktober 2020)

Mehrfach gezeichnet habe ich „Schlangenhölzer“, hier eine aus der „Schlangenbändigung“ vom Mai 2018.

Auch malerisch hat mich die Schlange gelegentlich beschäftigt, wie hier im Bild „Der Weg der weißen Schlange“

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Das Auto zur Werkstatt bringen

Wenn auf dem Display des Wagens hartnäckig ein Warnhinweis ! aufleuchtet, schaue auch ich mal ins Handbuch, um den Grund zu erfahren, und wenn ich als angegebenen Grund „niedriger Stand der Bremsflüssigkeit“ lese, bitte ich bei nächster Gelegenheit den Tankstellenwart nachzuschauen – was er auch tut. Er findet den Stand tatsächlich niedrig, füllt etwas Flüssigkeit nach und rät, eine Werkstatt aufzusuchen, falls die Anzeige nicht erlischt.

Sie erlischt nicht. Also rufe ich heute in der Früh bei der Werkstatt an, die mir sogleich einen Termin auch für den längst fälligen Service gibt. Hurra! Denn am Montag brauche ich ein fahrtüchtiges Auto, um nach Athen zu fahren.

Ist die Wahrnehmung eines solchen Termins nun aber eine Lustbarkeit?  Es kommt drauf an. Erstens, ob man ihn allein erledigen muss oder ob man einen liebenswerten Begleiter hat (habe ich), zweitens, wie lange das Warten dauert (4 Stunden, da noch jemand vorher dran kommt) und was man in der Wartezeit tun kann (einen langen Spaziergang zum Meer und entlang der Küste machen, in einem Cafe mit Blick auf den Segelhafen gemütlich frühstücken, nach einem weiteren Bummel in einem anderen Cafe mit Blick auf den fast leeren Handels- und Fischereihafen noch einen Orangensaft trinken, sich die ganze Zeit interessant unterhalten, sofern man nicht die Füße ins Meer steckt oder an der Flussmündung dem Froschgesang zuhört … und schließlich mit dem Taxi zurück zur Werkstatt fahren).  Wenn dann die nötigen Wartearbeiten erledigt, der Schaden gering, die ausgetauschten Teile besichtigt und die Rechnung bezahlt ist und man im Gefühl der erneuerten Sicherheit ins Auto steigen kann …. dann ist das Ganze sehr wohl als Lustbarkeit zu bezeichnen, finde ich.

Hier ein paar der Stationen unseres langen Spaziergangs:

Mündung des Nedonas, mit Froschgesang. Leider führt der Fluss sehr kaum Wasser:

Blick vom Cafe auf den Yachthafen:

Aufgebocktes Boot …

und noch welche, weil ich sie so gern mag.

Blick vom  Cafe auf den Fischereihafen

 

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Legebild des Tages (aus dem Archiv): Fremdes und Eigenes

Als ich vor nunmehr sieben Jahren mit dem Bloggen anfing, widmete ich eines der ersten Legebilder dem Thema Flüchtlinge – und wie sie von denen, an deren Küsten sie landen, empfangen werden.

„Moderne Argonauten“ nannte ich das Bild, auf dem ein zürnender Engel über einem mit Flüchtlingen vollgepackten Schiff schwebt, das auf eine feindliche Küste zusteuert.

Refugees

Damals (Mai 2015) war das Thema aktuell – heute ist es aktueller denn je. Mit gemischten Gefühlen heißen die Menschen an den sicheren Küsten die Neuankömmlinge willkommen. Wieviele werden es sein? Werden sie sich der Hilfe würdig erweisen? Werden sie unser gewohntes Leben womöglich von Grund auf verändern? Bange Fragen.

———————————————————————————————————-In einem Eintrag wenig später, mit dem Titel „Sie sonnen sich“, beschreibe ich die Situation der Ankömmlinge, die sich durch die damals gewählte linke Regierung oberflächlich änderte:

Die Ankömmlinge sind Flüchtlinge, die aus der Abschiebehaft befreit wurden. Ihre mageren Gestalten, den Plastikkoffer in der einen Hand, den blauen Umschlag mit der 6-monatigen vorübergehenden Aufenthaltsgenehmigung in der anderen, entquollen den Bussen, die sie zum zentralen Platz Athens brachten. Der Platz heißt Omonoia, das bedeutet „Eintracht“. – Langsam verliefen sie sich, versickerten in den verwahrlosten Straßen des Zentrums, fanden bei Helfern und Landsleuten vorübergehend Unterschlupf. Seither kamen viele neue an, hunderte, tausende, wer will sie zählen. Jeder Ankömmling hat sein eigenes Schicksal, auch wenn sie sich oberflächlich gesehen ähneln. Sie ähneln sich, weil sie Flüchtlinge sind. Weil sie ihre Heimat verloren haben. … Sie kommen, um bei erster Gelegenheit weiterzuziehen, nach Norden, in die besser entwickelten Ökonomien Europas, wo sie vielleicht eine Zukunft haben….

Die linke Innenministerin kommentierte die Bilder über innerstädtische Parkanlagen, die von den Neuankömmlingen zu Schlafquartieren umfunktioniert wurden, mit dem Wort „Sie sonnen sich“.

enjoying the sunshine

Ich selbst kommentierte damals:

Die Menschen kommen aus Kriegsgebieten Asiens und Afrikas. Wie neueste Forschungen zeigen, sind es genau die Gebiete, aus denen die Vorfahren der Griechen vor abertausenden von Jahren herüberkamen. Und mit ihnen die Kulturformen, aus denen sich unsere abendländische Welt entwickelte. (In Herodots „Historien“, vor 2500 Jahren geschrieben, wird dies sehr schön veranschaulicht).

Ich zitierte auch Julia Kristeva („Fremde sind wir uns selbst“, Frankfurt am Main 1995) mit den Worten:´„Sich ängstigen oder lächeln, das ist die Wahl, vor der wir stehen, wenn uns das Fremde überfällt; wofür wir uns entscheiden, hängt davon ab, wie vertraut wir mit unseren eigenen Phantomen sind.“

———————————————————————————————————-Im Dezember 2015 ging die Flüchtlingsthematik sogar in mein Kinderbuch von Tui-Tiu ein: „Besuch aus der Fremde“ hieß es:

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Was war passiert?

In die Familienidylle ist eine Fremde eingebrochen. Eine fremde Vogelmama mit gleich vier Sprösslingen auf dem Rücken. Eine Ausländerin! Was will die denn hier? Man wird ja noch mal fragen dürfen! Und wie sie schnattert und quakt, diese Fremde! Wer soll das verstehen?

„Ich bin Kua-Ack von der Kuelle, schnattert die Fremde aufgeregt. Diese hier, Madame! meine Kinder A-Kuack, E-Kueck, O-Kuock und hier, die klitzekleine I-Kuick. Kuecksilber, reines Kuecksilber!  Hör auf zu kuengeln, O-Kuock!

Wir weg von schöne Kuelle, kreuz und kueer, kuer-feldein, kuer-beet, immer immer. Meer durch-kuert mit arme Waisenkinder. Hör auf zu kuäken, I-Kuick! Ihr habt gut. Blätter, Gras auf Boden, aber dort – kuitte-gelber Kualm, wir kuer-durch, mein armer Kui-Ick ganz zerr-kuetzt, ach, meine arme Waisenkinder! Kuäl mich nicht, I-Kuick! Lass das Kuieken, O-Kuock! Was muss die Dame von uns denken, A-Kuack!“

„Nun, nun“, beruhigt Mama Tiu die aufgeregte Kua-Ack von der Kuelle. „Nun machen Sie es sich doch erst mal bekuem. Keiner muss sich kuetschen. Platz ist für alle“.

Ziuzui bewundert ihre Mama Tiu, die sich durch das Kuassel-Kuintett nicht aus der Ruhe bringen lässt. Aber ihr ist auch ein bisschen mulmig. Vier Neue Fremde? Und dazu das Neue Kleine der Mama? Ob da noch genug für sie übrigbleibt?

Damals konnte Tui-Tiu ja nicht ahnen, dass einer dieser unerwünschten Neuankömmlinge ihre erste Liebe sein wird, um dessen Gunst sie, die füllige Einheimische, vergebens wirbt.

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Dann kam der Januar 2016. Ich postete den Beitrag „Märchenstunde“, legte das Bild Ors Traum und schrieb:  Es ist der Traum von einer Welt, in der man frei herumziehen kann, mit wenigem auskommt und überall willkommen ist. Ich selbst hatte diesen Traum, aber damals traute ich mich nicht, ihn zu unterschreiben. „Willkommen“ – das schien eine zu realitätsferne Utopie. In meinem diesjährigen „Welttheater“ lebt dieser Traum wieder auf.

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Viele von uns suchen das Fremde – drum reisen wir. Im August 2015 – auf dem Höhepunkt der ersten „Flüchtlingskrise“ – warb das griechische Touristik-Ministerium mit dem Slogan Lebe deinen Mythos. Dazu schrieb ich:

Es ist heiß, von Ferne glänzt das Meer. Nimm deine Träume, nimm dein Segelboot, brich auf! Grenzenlos ist das Meer, grenzenlos der Sommer. – „Lebe deinen Mythos“ … Endlich bist du frei!

Zwei junge Männer folgen dieser Aufforderung.

Doch wie es so ist mit den Mythen und Märchen: sie gelten nicht für jedermann.

IMG_2684 Was schreit der Uniformierte?

Hast du Papiere? schreit er. Hast du Geld? Hast du die richtige Hautfarbe? Nein? Dann hau ab, zurück marsch marsch, zurück, dahin, woher du gekommen bist. Und zwar schleunigst! Hier ist Europa, hier herrscht Ordnung!

IMG_2683Du verstehst die Sprache nicht? Na, dann komm mal mit, wir werden sie dich schon lehren. Ein Richter, ein Auffanglager für die Sonne, für den Traum von Freiheit.

Grenzenlosigkeit? Das ich nicht lache. Ein Übersetzungsfehler.

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Das Thema ist bis heute akut, und ich, weit davon entfernt, eine Lösung zu wissen, möchte jedenfalls mein eigenes Herz frei halten von Verfinsterung. Immer wird mir der Fremde willkommen sein – bin ich doch selbst eine Fremde, immer schon. Doch verstehe ich sehr wohl die Menschen, die fürchten, dass ihnen ihre eigene Heimat schließlich entfremdet und entrissen wird.

Und so sage ich heute: Vorsicht! Es gibt Punkte, an denen Quantität in Qualität umschlägt. Wenige werden freundlich aufgenommen …es werden mehr …. und irgendwann sind es zu viele. Da schlägt dann die Willkommens-Kultur in eine Unkultur des Grolls um. Das gilt für die Zuwanderung ebenso wie für den Tourismus.  Im Grund gilt es überall, wo das rechte Maß verloren geht. Παν μετρον αριστον – so sprach schon im 6. vorchristlichen Jahrhundert Kleoboulos von Lindos, was etwa bedeutet: „Alles mit Maß“. Seither wurde der Spruch unzählige Male wiederholt – praktisch umgesetzt aber wurde er bis heute noch nicht.

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Bewässerungsanlage installieren

Nun habe ich den dritten Schritt meines Gemüsegarten-Projekts bewältigt: eine Bewässerungsanlage zu installieren, damit die Pflänzlinge nicht gleich wieder eingehen, wenn ich mich nach Athen begebe. Dort sind demnächst Parlamentswahlen. Und es gibt eine Wahlpflicht. Früher wurde strikt darauf geachtet, dass alle Bürger, die keine akzeptierte Entschuldigung haben, in personam an den Urnen erscheinen (es gibt keine Briefwahl), heute nimmt man es nicht mehr so genau, und die Zahl der Nichtwähler hat auch hier stark zugenommen.

Wir aber gehen natürlich hin, auch wenn schon abzusehen ist, dass der erste Wahlgang keine Entscheidung bringt – also ein zweiter und dritter Wahlgang wahrscheinlich ist. Entsprechend oft werden wir zwischen der Mani und Athen hin- und herpendeln. Und dann auch ein bisschen in Athen bleiben. Schlecht für das Gemüsebeet!

Also war ich heute mit Sotiris, einem mit Christina befreundeten Handwerker für Grünanlagen, unterwegs. Er beurteilte unsere Pflanzung (er fand, wir hätten die Erde mit einer Fräse lockern und vor der Bepflanzung die Bewässerungsanlage in der Erde verlegen sollen), er vermaß sie, hackte einige Löcher nach, belehrte mich über den richtigen Gebrauch von Asche, Kupfer und Schwefel, kannte den besten Anbieter für natürliche Düngemittel, suchte im Spezialgeschäft für „Wasserlösungen“ die Schläuche und Verbindungsstücke zusammen und montierte sie. Ich war Lehrling und Chaufeur, denn ein Auto hat er nicht, er erledigt alles per Fahrrad.

Am Ende waren die Schläuche angeschlossen, einige weitere Pflänzlinge hatten ihren Platz gefunden und eine hübsche Erdbeerpflanze aus seinem Garten kriegte ich auch noch zum Geschenk.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Gemüsegarten anlegen

Ich habe ja vor einiger Zeit ein für mich ganz neues Projekt in Angriff genommen: eigenes Gemüse anzubauen. Den Anfang machten Christinas Samen, die wir in kleine Plastikbecher füllten, in der Hoffnung, dass sie sich zu Pflänzchen weiterentwickeln würden. Das war am 29. März, und ich berichtete hier.

Heute nun wurden sie ausgepflanzt. Damit das geschehen konnte, musste zunächst einmal ein Stück Land vorbereitet werden: das hohe Unkraut abmähen, Steine und Wurzeln raushacken, Pflanzlöcher graben, Schilfrohr vom Strand besorgen, Pflänzlein einsetzen, Wasser heranschaffen, Pflänzlein begießen, abgemähtes Gras drumrumlegen, Schilfrohr reinstecken. Ohne Christina hätte ich es natürlich geschafft. Sie machte die meiste Arbeit. Auch so tun mir die Knochen verdammt weh, aber ich bin glücklich. Das Glück, einen Gemüsegarten angelegt zu haben, wo vorher nur Wildnis war, ist schon erhebend. Prinzip Hoffnung in Aktion.

 

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