Tagebuch der Lustbarkeiten: Himmelsauge und eine Rose

Zwei Impressionen dieses ereignisreichen Tages, der zwischen Trauer und Lebensfreude pendelte. Am Ende überwog dann doch die letztere.

Himmelsauge – und eine Rose.

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Gästezimmer putzen

Putzen gehört eigentlich nicht zu meinen bevorzugten Tätigkeiten. In diesem Fall aber – in Erwartung eines lieben Besuchs – ist es fast schon Spaß. Fünf Monate lang war der Gastraum im „Turm“ geschlossen, nun atmet er wieder frei durch seine drei Fenster und die Tür, die auf die Terrasse hinausführt. Die Einrichtung ist ziemlich spartanisch, außer den Betten, die zugleich Kästen sind, den Nachttischchen, dem ausklappbaren Tisch und provisorischen Sitzmöbeln sowie zwei Bildern gibt es dort einen doppeltürigen Kleiderschrank, den meine Eltern 1938 in Berlin gekauft haben und der es nach verschiedenen Zwischenstationen bis in dieses Zimmer schaffte. Es gibt auch einen Schreibtisch mit Glasplatte auf grünem Filz für den Computer und ein zierliches Glasschränkchen für Gläser und fürs Radio, die stammen ursprünglich vom Schwiegervater und sind noch ein wenig älter; sie wanderten ebenfalls durch diverse Räume, private und öffentliche, bis sie hier landeten. Ein großes eigenes Bad gibts auch.

Das Beste ist natürlich der Blick von hier oben, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit, egal in welcher Jahreszeit. Bei gutem Wetter wandern Tisch und Stühle hinaus, und schon lädt die schönste Taverne zum Essen mit Weitblick ein. Sie ist immer offen – im Juni wie hier…

oder auch im November (Auberginen mit Petersilie und roter Soße, Pommes, Salat).

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Abendspaziergang und Heimkommen

Der Abendspaziergang „den Berg hinauf“ gehört zu unseren Routinen. Wenn wir etwas atemlos an unserem gewöhnlichen Umkehrpunkt ankommen und uns umdrehen, liegt das Meer, nun kaum von Olivenbäumen verdeckt, vor uns. Der Blick wandert in die Weite über die Schlucht hinüber zu den Bergen und über das Olivenland hinunter zum Dorf, zum Meer und zum gegenüberliegenden „Finger“ der Peloponnes. Er wandert hinauf zum Himmel, prüft die Wolken. Das Ohr fängt den Abendgesang der Vögel auf, die Nase den Duft von Salbei und Gräsern, der nach dem Regen intensiv ist. Natürlich werden auch die Blüten und Insekten begrüßt, die sich unterwegs dem Auge zeigen.

Noch gehts die Straße hinauf (gestern um 8 Uhr)

Die Sonne geht hinter Oliven unter

Der Himmel ist sehr farbig. In der Nacht wird es wohl wieder regnen, denke ich.

In der Nacht steht der Vollmond frei am Himmel und bescheint das Land mit sehr hellem weißem Licht. Heute ein strahlender Morgen, ein eintrübender Mittag mit leichtem Regen, und abends wieder der Spaziergang „den Berg hinauf“. Foto um 8.20 Uhr.

Heimkommend gehts durch das Gartentor und über den Weg zwischen den Rosen und Geranien zur Haustür (gestern 8.19 Uhr).

Wenn wir uns dem Gartentor nähern, kommen die Katzen, die sich irgendwo herumgetrieben haben, über die Mauer oder durch das Loch im Garagentor angeflitzt und versammeln sich vor der Haustür in der Hoffnung auf eine weitere Mahlzeit. Dies ist übrigens Griselle, nicht zu verwechseln mit Fritzis noch namenloser weißen Kleinen.

Hier übt sie den Gleichschritt mit Mama Theo.

Es scheint Theos einziges Kind zu sein. Sie hat ihm als Wohnung den Katzentransporter angewiesen, der vor der Haustür steht und der auch von Fritzi und Jungstar Beatrix gelegentlich benutzt wird. Ich habe ihn dort deponiert in der Hoffnung, dass ich sie damit eines nahen Tages zum Tierarzt schaffen kann….

 

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Welttheater, 4. Akt, 44. Szene: Fürsorge für Kinder und Nachtlieder

Was zuletzt geschah: Hawi hat das Märchen vom Zauberkrug, der alle Wünsche erfüllt, erzählt und seine eigene Geschichte hineingemischt. Am Ende ist er erschöpft und möchte schlafen – am liebsten wieder „bei den Schafen“. Der Hirt Fotis versteht diesen Wunsch und fügt einen Fluch für die Männer hinzu, die Hawis Zuhause zerstört und wohl auch die Mutter umgebracht haben.

Hawi

Jetzt bin ich müde, möchte sehr gern schlafen.

Darf ich mich wieder legen zu den Schafen?

Fotis

Du heißt Hawi? Ja, gern, mein Kind, geh schlafen

die Götter mögen jene Männer strafen!

Fotis

Komm, Hawi, mit mir raus und zu den Schafen

da kannst du sicher wunderbar gleich schlafen

Danai

Ich komm mit dir, dann bist du nicht allein

viel besser schläft es sich ja doch zu zwein.

Fotis (zum schwarzen Hund):

Komm, Philo, kannst dich nützlich machen

und heute Schaf und Schlaf bewachen.

Sie gehen hinaus, die Kulisse ändert sich: Ein Olivenhain mit friedlich grasenden Schafen erscheint

Hawi:

Hier ist es schön, hier mag ich gerne sein,

es macht auch nichts, wenn ihr mich lasst allein.

Danai:

Ich hoff, Hawi, du willst mich nicht vertreiben?

Ich möchte nämlich gern hier draußen bleiben.

Ich hörte viel und möcht es nun verdauen

und ganz entspannt mal in den Abend schauen.

 

Komm, hier sind Tücher, da kannst du drauf liegen

und deinen Kopf kann ich in meinem Schoße wiegen.

So ruhn wir aus von allen den Geschichten

damit die Seelenkräfte sich erneut aufrichten.

Domna und Clara kommen dazu

Domna:

Während der Abend leise verdämmernd verklingt

und die Amsel im Baume ein Abendliedchen uns singt,

wollen wir Ruhe nun finden und träumen ganz sacht

schon steigt aus den Tiefen der süße Atem der Nacht. 

 

Komm Clara, du Liebe, und leg dich dazu

in Hawis Umarmung findest du Ruh.

Clara

Kann ich mich einfach da zu ihm hinlegen?

Du meinst, der Hawi hat gar nichts dagegen?

Domna

Bestimmt nicht, geh nur, er wird sich recht freuen.

du wirst ihm den letzten Kummer zerstreuen.

 

Clara legt sich zu Hawi. Es wird langsam dunkler.

Danai

Wie war doch das Lied, das die Frauen mir sangen

wenn Heimweh wir hatten und großes Verlangen

nach einem Zuhause und nach einem Bett?

Mir ist so als ob ichs vergessen fast hätt….


Nani nani nani nani
ruhig schläft mein Baby
Es schläft bis zum Morgen
Es wacht auf und wächst heran
Wie ein Schäfchen solls schlafen
wie eine Lerche erwachen
tretet leise auf, macht keinen Lärm

mein Kindchen schläft.*

Domna

Der du vom Himmel bist,
Alles Leid und Schmerzen stillest,
Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit Erquickung füllest,
Ach, ich bin des Treibens müde,
Was soll all der Schmerz und Lust?
Süßer Friede,
Komm, ach komm in meine Brust.**

Über allen Gipfeln ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch***

 

————————————————————————————–

*griechisches Einschlafliedchen, von mir frei ins Deutsche übertragen. Das Original:

Νάνι νάνι, νάνι νάνι
ύπνον ήσυχο να κάνει.
Να κοιμάται να μερώνει,
να ξυπνά να μεγαλώνει·
να κοιμάται σαν τ‘ αρνάκι,
να ξυπνά σαν τ‘ αηδονάκι.
Μην πατάτε, μη βροντάτε·
το παιδάκι μου κοιμάται…

** Johann Wolfgang von Goethe: Wanderers Nachtlied, 1776

*** Johann Wolfgang von Goethe: Wanderers Nachtlied, 1780

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Katzen, Katzen, Kätzchen

Theodor Storm hatte mich ja gewarnt, und auch ihr, meine lieben Leser, habt mit so manchem Zaunpfeiler gewinkt. Aber sie sind eben sooo süß! Und scheu sowieso.
Wenn ich jetzt aus der Vordertür schaue, sehe ich Frieda mit einem wunderschönen Neuling. Sie hatte ihre Jungen im Loch einer Olivenwurzel auf einem Nachbargrundstück untergebracht und scheint nur dies eine behalten zu haben. Das brachte sie heute an.

Sehe ich aus der Hintertür, erblicke ich zwei allerliebste Goldkätzchen. Sie scheinen zu Prinkipessas Wurf zu gehören und sind am weitesten in der Entwicklung. Aufgewachsen sind sie im Heizungskeller. Nun hat die Mama sie wohl zur Weinrebe geführt, die sie als Klettergerüst benutzen. Zwischendurch schauen sie immer wieder wie auf Kommando nach rechts, ob die Mama sich sehen lässt (durchs Fenster fotografiert).

Heute Vormittag stolzierte Fritzi mit ihren drei heran – inzwischen sind sie wieder verschwunden. Sie scheinen es alle zu schaffen, obgleich Fritzi keine besonders liebevolle Mama ist. Sie ist ja auch noch sehr jung. Ab und zu nimmt sich auch eine der Schwestern (hier: Theo) des Nachwuchses an und leckt sie ein bisschen.

Wie viele es nun insgesamt sind – darüber bin ich mir nicht schlüssig.  Was ich aber sicher weiß, ist, dass ich nun zur Tat schreiten muss. Ich habe vorhin an den Tierschutzverein wegen Sterilisierungshilfe geschrieben, warte auf Antwort. Sofort wird es nicht gehen, die Katzenkinder sind ja noch sehr klein, aber vielleicht in einer Woche? Zum Glück haben sich meine nicht im selben Tempo vermehrt wie die von Theodor Storm. Eine Köchin als drohende Katzenvernichterin habe ich auch nicht. Ich muss schon allein sehen, wie ich meine Menschlichkeit bewahre und dennoch der Katzenvermehrung eine vernünftige Grenze setze. Schwierig! (Seufz)

 

 

Von Katzen

Vergangnen Maitag brachte meine Katze
Zur Welt sechs allerliebste kleine Kätzchen,
Maikätzchen,alle weiß mit schwarzen Schwänzchen.
Fürwahr, es war ein zierlich Wochenbettchen!
Die Köchin aber, Köchinnen sind grausam,
Und Menschlichkeit wächst nicht in einer Küche –
Die wollte von den sechsen fünf ertränken,
Fünf weiße, schwarzgeschwänzte Maienkätzchen
Ermorden wollte dies verruchte Weib.
Ich half ihr heim! – Der Himmel segne
Mir meine Menschlichkeit! Die lieben Kätzchen,
Sie wuchsen auf und schritten binnen kurzem
Erhobnen Schwanzes über Hof und Herd;
Ja, wie die Köchin auch ingrimmig drein sah,
Sie wuchsen auf, und nachts vor ihrem Fenster
Probierten sie die allerliebsten Stimmchen.
Ich aber, wie ich sie so wachsen sahe,
ich preis mich selbst und meine Menschlichkeit. –
Ein Jahr ist um, und Katzen sind die Kätzchen,
Und Maitag ist’s! – Wie soll ich es beschreiben,
Das Schauspiel, das sich jetzt vor mir entfaltet!
Mein ganzes Haus, vom Keller bis zum Giebel,
Ein jeder Winkel ist ein Wochenbettchen!
Hier liegt das eine, dort das andre Kätzchen,
In Schränken, Körben, unter Tisch und Treppen,
Die Alte gar – nein, es ist unaussprechlich,
Liegt in der Köchin jungfräulichem Bette!
Und jede, von den sieben Katzen
Hat sieben, denkt euch! sieben junge Kätzchen,
Maikätzchen, alle weiß mit schwarzem Schwänzchen!
Die Köchin rast, ich kann der blinden Wut
Nicht Schranken setzen dieses Frauenzimmers;
Ersäufen will sie alle neunundvierzig!
Mir selber, ach, mir läuft der Kopf davon –
O Menschlichkeit, wie soll ich dich bewahren!
Was fang ich an mit sechsundfünfzig Katzen! –
                                                                          Theodor Storm
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Tagebuch der Lustbarkeiten: Rot-Mutation? (kleine Beobachtungen)

Überall am Wegrand blühen diese gelben Lippenblütler. Sie sind so gewöhnlich, dass ich sie selten beachte. Bis jetzt. Denn nun sah ich eine rötliche Variante. Es gab unter all den gelben nur diese eine rötlich blühende Pflanze. Ist es eine Mutation? Die Laubblätter scheinen sich nicht von denen der gelb Blühenden zu unterscheiden, aber die Blüte ist doch wohl ein wenig anders. Ist es eine andere Art? Vielleicht gibt es unter euch jemanden, der/die sich auskennt? Eine reizende Erscheinung ist sie allemal.

 

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Welttheater, 4. Akt, Szene 43 d: Hawis Märchen vom Zauberkrug.

Was zuletzt geschah: Abud erzählt die Geschichte des „reichsten Mannes, der je gelebt hat“, Herrscher des Malireiches im 14. Jahrhundert. So erfahren wir auch, dass Abud aus Mali stammt. Auf kritische Nachfragen von Fotis und Jenny, ob es sich nicht um Seemannsgarn handelt, antworten Wilhelm und Hawi. Abud beschuldigt die Weißen, deren Gier den Niedergang des großen Reiches herbeigeführt habe, Danai macht auf das Selbstverschulden aufmerksam (Zwietracht). Domna greift das Thema Krieg und Frieden auf (Hölderlin, Der Frieden):

Zu lang, zu lang schon treten die Sterblichen
Sich gern aufs Haupt, und zanken um Herrschaft sich,
Den Nachbar fürchtend, und es hat auf
Eigenem Boden der Mann nicht Segen.

Fotis (an Hawi gerichtet)

Du bist wohl auch aus diesem Land

wo Mansa Mussa war bekannt?

Hawi:

Nicht ganz, ich komm woanders her

mein Land liegt nah an einem Meer.

Fotis:

Willst du uns auch noch was erzählen?

Nur wenn du willst, will dich nicht quälen.

Hawi:

Die Mama sagt mir immer Märchen in der Nacht.

Fotis

Das hat dir sicher sehr viel Spaß gemacht?

Hawi

Ja, schon, das stimmt, doch will ich euch nicht stören.

Fotis

Ach was, erzähl! würd gern ein Märchen hören!

Hawi:

Das Märchen ist von Hawi, das bin ich, und einem Krug.

Für ihn und seine Mama gabs zu essen nie genug.

Sie lebten an dem Fluss Erer, der war ein großer Segen

wenn er viel Wasser hat nach einem starken Regen.

 

Doch gab es Jahre, da wollt es nicht regnen

soviel sie baten, nein, der Himmel wollt nicht segnen.

Da war dann großer Hunger und viel Not

Der Hawi möchte essen, doch Mama hat kein Brot.

 

Der Vater gab dem Hawi  eine Flöte zum Geschenke

Damit führt er die Schaf und Ziegen zu der Tränke.

Und spielt die Flöte auch an Papas Grabe

damit der auch noch etwas Freude habe.

 

Einmal ging er zum Grabe in der dunklen Nacht

und hat dem Papa dort ein Ständchen dargebracht.

Da kam ein Geist, der hatte weiße Kleider

die waren sicher von dem besten Schneider.

 

Dem Geist gefiel das Lied gar sehr und schwenkte

mit einem Krug, den er dem Hawi schenkte.

Das war ein Zauberkrug, wenn du den fragst

gibt er dir alles das, was du ihm sagst.

 

Und darum hatten Wasser sie und Brot

und litten niemals mehr so schlimme Not.

Doch eines Tags sind Männer dann gekommen

und haben alles einfach mitgenommen.

 

Die Mama schrie, zerbrecht den Krug mir nicht.

doch diese Männer lachten ihr nur ins Gesicht.

Da schrie die Mama: du musst schnell wegrennen!

und Hawi lief und sah sein Haus noch brennen.

 

Jetzt bin ich müde, möchte sehr gern schlafen.

Darf ich mich wieder legen zu den Schafen?

Fotis

Du heißt Hawi? Ja, gern, mein Kind, geh schlafen

die Götter mögen jene Männer strafen!

wird fortgesetzt

 

 

 

 

 

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Von drinnen nach draußen schauen (tägliches Zeichnen)

Im Grund schauen wir immer von innen nach außen: durch das Loch der Pupille. Im Griechischen heißt die Pupille οπή (opi), Loch/Öffnung und das Gesicht heißt πρόσωπο (prosopo, das vor dem Loch), und das, was man dann noch vor das Gesicht setzen kann, ist dann die Maske, προσωπείo (prosopio). Drinnen, dahinter aber wohnt der Mensch…

Über dieses Thema habe ich mich schon früher ausgelassen, zB hier, im griechischen Alphabet des freien Denkens.

Dort schrieb ich:

Von opi gesprochen habe ich euch bereits unter dem Buchstaben o = omikron, als ich meine Gedanken zu Orama /Vision (hier) und Organe (hier) vorbrachte. Op – wie in Optik – hat im weitesten Sinne mit Sehen zu tun. Das Auge des Op-Art-Künstlers Vasarelli vasarely erschien daher bereits … bei A wie Ανθρωπος / Mensch. „Wieso“, fragte ich dort, „kann der Mensch sehen? Weil er im Auge eine Οπή (Opi) hat, eine enge Öffnung, ein rundes Loch: die Pupille. …“

Durch diese winzig kleine Öffnung tritt die Welt in den Menschen hinein und durch sie schaut er hinaus in die Welt. (Mehr dazu hier).

Heute aber geht es um ein anderes Hinausschauen. Ich habe mich ins Dunkel des Ateliers zurückgezogen und schaue hinaus in den leuchtenden Garten. Das Atelier ist wie mein erweiterter Körper, die geöffnete Tür ist die „Pupille“ des Raums, durch die die Draußenwelt hereinscheint und durch die ich hinausblicke. Außerdem gibt es noch die zwei Öffnungen der Fenster, das linke durch die Staffelei halb zugestellt. Mir fällt das tiefsinnige Grimmsche Märchen Einäuglein, Zweiäuglein, Dreiäuglein ein.

Ich möchte zeichnen, was ich vor mir sehe. Mein Auge wandert über die vielen Gegenstände – Utensilien fürs Malen, Besen, Behälter und Kartons, die sich im Dunkeln des Raums angesammelt haben. „Wie in meinem Inneren“, denke ich. Unaufgeräumt und  vieles inzwischen unbrauchbar geworden, das meiste lange nicht mehr benutzt. Warum werfe ich das Nutzlose nicht weg?

Gleichzeitig zeichne ich all dies nutzlose Zeug, widme mich mit Sorgfalt den Teppichen und habe keinen Platz für den hohen Türbogen. Ein bisschen klaustrophobisch kommt mir die Zeichnung vor, die mir in ihrer Verschachtelung und dem Ineinandergreifen von Innen und Außen aber doch gefällt.

Ich lege dann die Zeichnung über das Foto, mit 50% Transparenz. Voila!

Nun aber wird es Zeit, nicht nur zeichnerisch aufzuräumen, sondern tatsächlich. Schließlich ist Frühling, da sollte längst Platz für Neues geschaffen sein.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Schwarzmalereien (kleine Beobachtungen)

Starkes klares Licht herrschte heute mittag.  Es fiel auf einen weiß angestrichenen Gartenstuhl, der daraufhin sein schwarzes Gegenbild auf die Steinfliesen warf.

Derlei Schwarzmalereien hören nicht auf, mich zu faszinieren, und so folgte ich dem weiß-schwarzen Linienspiel noch ein bisschen. Man beachte das feine schwarz-weiße Lochmuster auf der weißen runden Eisenstange (2. Bild)

Wie schwer der Schatten bei solchem Licht ist, wird noch deutlicher, wenn der Schattenwerfer nicht aus Eisen, sondern ein zartes Blümelein ist.

 

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Welttheater, 4. Akt, Szene 43 c: Abud erzählt von Mansa Musa

Was zuletzt geschah: Domna hat Wilhelms Erzählung aufgegriffen und mit ihrer eigenen verknüpft. Fotis geht gemütlich darüber hinweg, er mag wohl keine Tragik und kann mit tiefsinnigen Gesprächen wenig anfangen.

So willst du gehn? Ach bleib doch noch zur Nacht!

Was willst du draußen jetzt in der Natur?

Weißt du nichts Spaßiges? Ich hätte gern gelacht.

Wie spät ist’s wohl? Ich habe keine Uhr.

 

Er fordert Abud auf, nun zu erzählen.

Wie ists mit dir, du schwarzer Mann

Ich finde, jetzt bist du mal dran,

Ganz sicher kommst du von weit her.

und weißt Geschichten, bitte sehr!

Abud:

 Geschichten kenn ich viel, doch weiß ich nicht

was euch gefällt und was ihr hören wollt

Fotis

Fang einfach an, dies ist ja kein Gericht

wo gleich, wenns nicht gefällt, ein Kopf schon rollt.

Abud

Dann sag ich euch, was wir, in unserm Land

von Mund zu Mund uns immer weitersagten,

Wenn wir in Armut und ganz abgebrannt

an keine Zukunft mehr zu glauben wagten.

 

Mein Land war einst sehr groß und auch sehr reich.

Viel Gold und Elfenbein und köstliche Essenzen

die trugen Karawanen hin und her, und auch zugleich

die Kunst, den Ruhm, das Wissen über alle Grenzen.

 

Der größte Herrscher war ein Mann, der Mansa Musa hieß

ihm glich an Reichtum niemand bis auf heute.

Er zeigte es der ganzen Welt, als er sein Land verließ

und mit ihm seine Frau und viele tausend Leute

 

Mit Gold beladen waren die Kamele

und mit Brokat die Dienerschaft bekleidet

Damit es auch an Essen niemals fehle

auch tausend Rinder, unterwegs geweidet.

 

So zogen sie von Mali zu dem Nil

durch Steppen, Berge, Wüsten hin.

Sein Gold verschenkt er, wie es ihm gefiel,

denn Großmut war sein Wesen und sein Sinn.

 

Er zog nach Mekka, um den Hadsch zu machen

zu Allahs Ruhm, und kam auch richtig an.

Doch als zur Rückkehr endlich sie aufbrachen

da war er beinah schon ein armer Mann.

 

Er musste sich nun selber Gold ausleihen

in Kairo von den Händlern, die er einst beschenkt,

mit Zinsen jetzt, doch tat er es verzeihen

und war kein bisschen in dem Stolz gekränkt.

 

Tat heimwärts ziehn mit dem, was ihm verblieben

und neues Land dem Reiche einverleiben.

So ist sein Ruhm bis heute eingeschrieben

ins große Buch, das die Gelehrten schreiben.

Fotis

Ich hörte gerne die Geschichte

vom reichen Mann, den es nach Mekka zog.

Ich gebs gern zu, ich liebe so Berichte

und hoffe nur, dass er uns nicht belog.

 

Ich hab bisher noch nie von ihm gehört

wann war denn das und wo, in welchem Land?

Ich hoff, dass es die anderen nicht stört

wenn dumm ich frag, ist er euch denn bekannt?

Jenny

Ja frag nur, denn ich glaub, der Abud spinnt

und lügt uns grade frech was ins Gesicht.

Hawi:

Er lügt nicht, nein, den kennt doch jedes Kind!

den Mansa Musa, was, den kennst du nicht?

der war so reich, wie keiner je zuvor

 

Jenny

Nun redet schon ihr zwei im Chor!

doch überzeugt michs nicht, denn das ist klar

in Afrika ist ziemlich trüb das Leben

Wilhelm

Und doch, was Abud sagt, das ist schon wahr.

es hat den Mansa Musa wirklich mal gegeben.

 

Er war der Herrscher übers Malireich

das ging vom Ozean bis weit hinein

ins Zentrum Afrikas, und war ein Scheich

mit einem Haufen Gold und Edelstein.

Abud

Ein Scheich war er zwar nicht, denn er war noch nicht alt

doch sonst ist richtig, was der Wilhelm sagt.

Er war ein Mann von prächtiger Gestalt

und hat zum Hadsch nach Mekka sich gewagt.

Clara

War das denn weit? Ist er zu Fuß gelaufen?

und wenn er Hunger hat, kann er sich dann was kaufen?

Abud

Weit war es schon, er ist zu Pferd geritten

und brauchte dennoch viele Jahre.

Die Sklaven und die Tiere sind geschritten

Die Frauen aber trug man auf ner Bahre.

Jenny

Und wenn er so berühmt war, warum reden

die Menschen nicht von ihm, als nur ihr zwei?

Er müsste doch bekannt sein einem jeden

so ähnlich wie Karate Kid und der Karl May.

Abud

Bei uns kennt jeder ihn, und nicht nur grad wir beiden

er lebte wirklich so vor siebenhundert Jahren.

Das Malireich war groß und niemand musste leiden

in jener Zeit, es ging ihnen sehr gut, den Vorfahren.

 

Doch grad ihr Gold war schließlich ihr Verhängnis

denn auch die Weißen hörten es und wurden gierig

sie brachten unsre Leuten in Bedrängnis

seither war unser Leben nur noch schwierig.

Danai

Da hast du recht, Abud, in eurem Malireiche

lebt‘ es sich gut, auch konnt‘ man schon studieren.

Im Abendland war es noch nicht das Gleiche,

die Menschen waren arm und mussten frieren.

 

Dann drehte sich das Los, und dort wo eben

noch Wohlstand war, ertönte Kriegsgeschrei.

So geht es leider oft in diesem Leben.

Was wir gesammelt haben, schwindet eins zwei drei.

 

Nun seid ihr es, die übers Meer gekommen

weil ihr zu Hause nichts zu essen habt.

Nicht nur die Weißen habens euch genommen.

Ihr selber wart es, die den Anlass gabt.

 

Wie denn? fragst du. Nun, weil ihr keinen Frieden

im eignen Land zu halten wart bereit.

Wenn ihr die Streitsucht hättet streng vermieden

wärt ihr vor jedem Unglück wohl gefeit.

 

Nun seid ihr arm, und schlagt euch auf die Köpfe

doch davon werden auch nicht voll die Töpfe.

Domna (für sich)

Sonst ungestört die alten Eroberer.
Und schonst du auch des müßigen Hirten nicht,
Und haben endlich wohl genug den
Üppigen Schlummer gebüßt die Völker?

Wer hub es an? wer brachte den Fluch? von heut
Ists nicht und nicht von gestern, und die zuerst
Das Maß verloren, unsre Väter
Wußten es nicht, und es trieb ihr Geist sie.

Zu lang, zu lang schon treten die Sterblichen
Sich gern aufs Haupt, und zanken um Herrschaft sich,
Den Nachbar fürchtend, und es hat auf
Eigenem Boden der Mann nicht Segen.

Und unstät wehn und irren, dem Chaos gleich,
Dem gärenden Geschlechte die Wünsche noch
Umher und wild ist und verzagt und kalt von
Sorgen das Leben der Armen immer.

(Friedrich Hölderlin: Der Frieden, Strophen 6-9)

 

Der Herrscher Mansa Musa von Mali (Katalanischer Weltatlas, 1375)

 

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