Heute sind Parlamentswahlen in Griechenland. Wegen eines komplizierten Analog-Wahlrechts, das uns der Syriza („Allianz der radikalen Linken“) eingebrockt hat, werden wir im Juli und womöglich auch im August nochmals wählen müssen, damit eine Regierung zustande kommt.
Ich komme gern meinem Wahlrecht nach, das in Griechenland eigentlich eine Wahlpflicht ist. Doch auch hier hat die Zahl derer, die nicht mehr hingehen, stark zugenommen. Sanktionen für Nichtwählen gibt es schon lange nicht mehr.
Bis vor wenigen Jahren hatte jeder Bürger ein „Wahlbuch“, ein mit Linien bedrucktes und mit einem Photo geschmücktes Heftchen, das man bei sich haben musste, wenn man zur Wahl ging. Nach absolviertem Wahlvorgang bekam man einen Stempfel und eine Unterschrift hinein. Mir gefiel das. Ich war stolz darauf, solch ein Büchlein mein eigen zu nennen. Es war ein wichtiges Dokument, das mir meine Bedeutung für den Fortbestand der Demokratie sinnlich erfahrbar machte.
Heute reicht ein Personalausweis und die physische Anwesenheit des Bürgers im Wahllokal – gemeinhin eine Schule. Briefwahl gibt es nicht.
Hier die Grundschule, in der ich heute wählen ging.
Du suchst das für dich zuständige Klassenzimmer auf einem Aushang, trittst an die aus Bänken zusammengeschobene Barriere, hinter der die Wahlhelfer sitzen, reichst deinen Personalausweis hin, ein Wahlhelfer blättert im großen Buch und findet deinen Namen. Er nimmt ein Lineal, platziert es ordentlich über der Zeile mit deinem Namen und streicht ihn durch. Dann reicht dir ein anderer Wahlhelfer einen leeren abgestempelten Umschlag, du trittst an einen weiteren langen Tisch und lässt dir die Wahlzettel – für jede Partei oder Parteiengruppierung einen – aushändigen. Mit denen schreitest du zur Wahlkabine – ein mit einem Vorhang zu schließendes Kabuff, darin eine Ablage und ein Stift an einer Schnur. Nun suchst du aus dem Stapel der Wahllisten die der Partei, die du unterstützen willst. Diesmal waren es echt viele Wahllisten – wenn ich mich nicht verzählt habe: 33! Ein weißer Zettel für Wahlenthalter war auch dabei. Ich nahm die Listen anschließend mit nach Hause, um ihre Rückseiten wie schon einmal als Zeichenpapier zu verwenden (vergl. hier oder hier).

Die jetzigen Wahlzettel habe ich auf dem häuslichen Teppich zum Kreis geordnet, um mich inspirieren zu lassen.
Ein Zettel fehlt natürlich – die Liste der Partei meiner Wahl. Auf der stand eine Kolonne von Namen, von denen ich bis zu vier ankreuzen durfte. Nach weidlichem Überlegen hatte ich drei Kreuze gesetzt, faltete den Zettel, steckte ihn in den Umschlag, entfernte das Klebeband, um ihn zu schließen, schritt aus der Wahlkabine zur hölzernen Urne. Ein Helfer schob das den Schlitz der Urne bedeckende Dossier beiseite, mein Umschlag glitt hinein ins Dunkel des „Wahlkörpers“ (εκλογικό σώμα), aus dem heute Abend, hoffentlich, das Baby einer neuen Regierung entbunden wird.
Ich nahm meinen Personalausweis und ein paar freundliche Lächler in Empfang, grüßte und schritt hinaus, um vielleicht noch einen Frühlingsspaziergang zu machen…






























in einen Blumentopf versenkte (
Als wir am 20. März erneut in die Mani aufbrachen, vertraute ich das nun schon prächtige Gewächs der Gießanlage an und nahm Abschied (




