Gemeinsam zeichnen (1)

Agnes hatte die schöne Idee, zu einer Zeichengruppe in Berlin aufzurufen. Ziel war, sich gegenseitig zu portraitieren. Mir gefiel die Idee, und so fragte ich vorgestern ein paar Frauen aus meiner Bekanntschaft, ob sie Lust hätten.
Magda, die schon früher in Zeichengruppen mitgemacht hat, war gleich Feuer und Flamme, und so begannen wir beiden heute mit dem Experiment. Die Regeln:
Jede sitzt 15 Minuten für die andere. Je zwei Sitzungen, also insgesamt eine Stunde. Damit das Modell sich nicht langweilt, darf es inzwischen andere Motive zeichnen. Ich trug als Modell den Hut, den Magda mir als Geschenk mitbrachte.

Hier seht ihr das Ergebnis unserer ersten Session: Magda zeichnet mich mit dem neuen Hut (Kohle), während ich den Widderkopf zeichne (Bleistift). Ich zeichne Magda (1. Kohle, 2. Bleistift), während sie den Widderkopf zeichnet (Kohle).

Ich bin gespannt, was sich daraus noch entwickelt und welche anderen Frauen hinzukommen. Zwei im Zeichnen ganz Unerfahrene haben Interesse bekundet. Ich werde berichten.

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Nächtlicher Grillen-Besuch im Chobe Nationalpark

 

Ich war grad dabei, Susanne in den Chobe Nationalpark in Botswana zu begleiten, da bekam ich Besuch – von einer Zikade, einer Grille, einem Grashüpfer? Sie (er?) erwanderte zuerst die handgewebte Decke auf meinem Tisch, die langen Fühler suchend hin und herbewegend. Dann erstieg sie (er?) meinen Computer. Besonders schien sie (er) sich für das Kinderbuch „Landtiere“ von Susanne Haun zu interessieren. Wieso? dachte ich. Der Grashüpfer ist doch gar nicht da drin, der wird extra vom Eichhörnchenverlag als Postkarte  verkauft.  Mein Besucher machte einen Bogen um die Elefanten von Botswana und blieb, in diversen Joga-Haltungen verharrend, am oberen Rand der Mattscheibe hocken. Ich bugsierte ihn (sie?) vorsichtig ins Freie und besah mir dann Susannes Beitrag weiter, stutzte: da hat sie doch tatsächlich einen Vetter meines Besuchers gezeichnet! Drum wartete der  Grillhüpfer so geduldig darauf, dass ich weiterlas! Schaut mal selbst nach: „Insekt“ nennt Susanne ihre Zeichnung.

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Auf der Suche nach neuen Impulsen (4)

Gerhard von KopfundGestalt schrieb zu meinen letzten Suchbewegungen im Kommentar: „informel – selten von deiner Hand“. Das fand ich interessant, denn die Begründer der „art informel“,  besonders Wols (1913-1951)  und Jean Fautrier (1898 – 1964), gehörten lange zu meinen Lieblingsmalern. Eine Ähnlichkeit zu meiner No 1  ist durchaus gegeben (https://gerdakazakou.com/wp-content/uploads/2018/06/img_7468.jpg?w=640)  Das war mir gar nicht bewusst, als ich das Bild auswählte. Danke, Gerhard, für deine Aufmerksamkeit.

Nun schaute ich mal in meinem Archiv nach, ob sich nicht noch weitere „informel“ Arbeiten finden würden. Und siehe da! (Ich malte die meisten im Februar 2014, manche sind älter)

Und nun frage ich mich: will ich diesen Impuls aufgreifen oder nicht? Oder ist mir die Lust auf informel Arbeiten vergangen? Das sind so Fragen….

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Auf der Suche nach neuen Impulsen (3) Interieur in Kohle

Wenn ich nicht recht weiter weiß, kaufe ich mir neue Zeichenutensilien. Heute besorgte ich mir in Kalamata einen dicken Block mit dünnen weißen Blättern, die für schnelle Skizzen geeignet sind, und ein paar Kohlestifte. Zu Hause saß ich dann ziemlich abgeschlagen auf dem Sofa und guckte mir an, was sich vor meinen Augen präsentierte: der Couchtisch, darauf eine schwarze Teekanne, meine Brille, ein roter Kaffeebecher, ein Fläschchen mit Maria Trebens Schwedenkräutern, ein geflochtener Henkelkorb, darin allerlei Zeitungen und Hefte, ein Gläschen mit Handcreme, ein Buch,  – dahinter in der Tiefe des Raums das Schutzgitter des Kamins mit Holzklotz, Brennholz in Kisten, hohem Korb,  und rechts davon das andere Sofa mit locker ausgebreiteter gelber Decke vor einem niedrigen Bücherregal.

All das skizzierte ich in Kohle, in dem Bemühen, sowohl präzise als auch einfach zu bleiben. Die Dinge als wiedererkennbare Chiffren.

Na ja, und dann machte ich noch zwei Zeichnungen aus der Erinnerung: die „selbst leuchtenden Beleuchteten“ und Gebirgsausläufer jenseits der Bucht.

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Auf der Suche nach neuen Impulsen (2)

Ich stöbere weiter in meinen Zeichnungen vom Vorjahr. Da habe ich viel mit Kohle experimentiert, teilweise ergänzt durch eingeklebte Elemente.

Wenn ich dieses Bild mit dem gestrigen vergleiche – wohin will ich gehen? Wo führt es mich hin?

Und wie lässt es sich für das Studium der Dingwelt fruchtbar machen, das mich in letzter Zeit beschäftigt ? (Hier ein paar der Bleistiftzeichnungen).

Das sind so Fragen, über die ich nachdenke.

 

 

 

 

 

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Und nun? Suche nach neuen Impulsen (1)

In den letzten Monaten bin ich immer dichter an die Dinge meiner Umwelt herangegangen, habe sie geduldig angeschaut, gezeichnet und dabei vieles für mich gewonnen. Ich will das auch nicht aufgeben. Doch ist es Zeit, neue Impulse aufzunehmen. Manchmal finde ich sie, indem ich in älteren Arbeiten nachschaue und überlege, was sich da vorbereitete, aber nicht weiter entwickelt wurde.

Kohlezeichnung, 2017 (c) gerda kazakou

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Bilderlegen aus Materialien: ein neuer Stein („ma pas trop vite!“)

Wie ich heut vormittag so an meinem Garten-Tischchen sitze und mal wieder in Alain de Bottons „Wie Proust Ihr Leben verändern kann“ lese (Fischer Taschenbuch, 2003),  bleibe ich an einer Stelle hängen:  „N’allez pas trop vite“  („gehen Sie nicht zu schnell“), fordert Proust seinen Gesprächspartner auf (S. 59). Ich lese das und blicke auf. Blicke auf die Stein- und Muschelsammlung auf dem Tischchen, zu der gestern ein neuer Stein gekommen ist: flach und grau ist er, durch eine feine weiße Linie geteilt. „Mach langsam!“ denke ich und lasse zwei Muscheln aufeinander zumarschieren, eine große und eine kleinere, bis sie sich fast küssen.  „Begegnung“, denke ich, denn das Wort beschäftigt mich seit Ullis schön formulierten Gedanken zum „sich dem Fremden öffnen „.  „Ma pas trop vite!“ erklingt darunter der basso continuo.

Der neue Stein will integriert sein, und da er, wie zwei seiner Brüder, eine weiße Linie trägt, ist der erste Impuls: Gleiches zu Gleichem, Kurden zu Kurden, Araber zu Arabern, Deutsche zu Deutschen, etc pp.

Doch jeder sieht ein, dass damit die kreativen Möglichkeiten nicht ausgeschöpft sind. Ein paar Figuren entstehen unter meinen Händen, langsam, mit geringfügigen Veränderungen jedesmal, ohne tiefere Bedeutung, außer vielleicht der einen: „Ma pas trop vite!“

Zum Abschluss sei mir noch ein anderes Proust-Zitat gestattet, das ich bei de Botton fand (S.30). „Die Zahl der menschlichen Typen (ästhetisch betrachtet) ist zu beschänkt, als dass man nicht oft, wo es auch sei, die Freude hätte, bekannte Gesichter zu erblicken.“ Könnte es sein, dass du hier jemanden wiedererkennst?

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Montag ist Fototermin: Licht und Schatten

Gestern Abend setzt sich eine Zikade auf meinen Computer …

auf dessen Mattscheibe sich das Lichtbild der Fenstervergitterung zeigt.

Heute vormittag, beim Frühstückskaffee vor der Tür fällt mein Blick auf den Boden mit seinen Licht- und Schattenmustern.

Auf der Terrasse ergreift meine Schattenhand ein Pflänzchen am Boden, ohne dass ich mich bücken muss. …

und eine Schattenhand berührt sanft eine Girlande des Weins.  Wie klein der Fuß dort unten erscheint!

Beträchtlichen Charme entwickeln unter dem Licht der rostige Riegel und die plundrige Plastikbahn hinter dem Gitter der Abstellkammer, gleich unter der Außentreppe, die nach oben führt.

Nach oben, woher das Licht kommt, das die Schatten auf den Boden wirft und die Dinge für mich sichtbar macht. Mal so, mal anders.

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Fußball-Träumerei

Die Welt ist aus den Fugen – aber wen kümmert es, wenn der Fußball kreist? Ich kreise mit, zurück zu einem Bild und Text vom 1. Juli 2015.

Habt Spaß, auch wenn die Anekdote mal nicht zutrifft, die besagt: „22 Männer rennen hinter einem Ball her – und am Ende siegen die Deutschen“.

Wie ein spielendes Kind …..

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Dinge am Rande (Bleistiftzeichnung)

„Dinge am Rande“ (c) gerda kazakou, Bleistift, 2018

Ein bisschen Kunstgeschichte gegen den Strich gebürstet? Als Edgar Degas seine Balettproben malte, standen manche Kritiker Kopf. Wie konnte er nur! Die Mädchen wurden vom Bildrahmen durchgeschnitten, und in der Bild-Mitte gähnte Leere. Die alten Kompositionsprizipien wurden durch den „zufälligen Bildausschnitt“ ersetzt, vergleichbar dem „Schnappschuss“ in der Fotografie. Und es war tatsächlich vor allem die damals sich rapide entwickelnde Fotografie, die hierbei Pate stand.

Die Fotografie führte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch zu einem anderen Ergebnis der Malerei: Wenn es so einfach war, die „Wirklichkeit“ fotografisch wiederzugeben – dann lohnte es sich für die Maler nicht mehr, sich der Mühsal der akribischen Wiedergabe zu unterziehen. Und so entstand die impressionistische Malerei, in der sich die Dinge in Linien und Punkte auflösten.

Und wie wäre es, wenn ich nur den einen der dem Fotografieren entlehnten Impulse, nämlich den „Schnappschuss“ anwende und ansonsten (wie übrigens auch Degas) in „altmeisterlicher Weise“ den Dingen die Ehre erweise? So dachte ich und zeichnete heute eine Komposition mit Sanduhr, Eule, Kerzen, umgekipptem Boot, Milchglasstein, Schlangenhäuten, den unteren Rand vom Gong und noch eine Kerze – die wie die Tänzerinnen von Degas an den Rand drängen und aus dem Bild herausstreben. Nur der Seeigel hat den Zug verpasst und ruht ungerührt von kunstgeschichtlichen Betrachtungen im Zentrum.

„Dinge am Rande“ (c) gerda kazakou, 2018

 

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