Dinge am Rande (Bleistiftzeichnung)

„Dinge am Rande“ (c) gerda kazakou, Bleistift, 2018

Ein bisschen Kunstgeschichte gegen den Strich gebürstet? Als Edgar Degas seine Balettproben malte, standen manche Kritiker Kopf. Wie konnte er nur! Die Mädchen wurden vom Bildrahmen durchgeschnitten, und in der Bild-Mitte gähnte Leere. Die alten Kompositionsprizipien wurden durch den „zufälligen Bildausschnitt“ ersetzt, vergleichbar dem „Schnappschuss“ in der Fotografie. Und es war tatsächlich vor allem die damals sich rapide entwickelnde Fotografie, die hierbei Pate stand.

Die Fotografie führte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch zu einem anderen Ergebnis der Malerei: Wenn es so einfach war, die „Wirklichkeit“ fotografisch wiederzugeben – dann lohnte es sich für die Maler nicht mehr, sich der Mühsal der akribischen Wiedergabe zu unterziehen. Und so entstand die impressionistische Malerei, in der sich die Dinge in Linien und Punkte auflösten.

Und wie wäre es, wenn ich nur den einen der dem Fotografieren entlehnten Impulse, nämlich den „Schnappschuss“ anwende und ansonsten (wie übrigens auch Degas) in „altmeisterlicher Weise“ den Dingen die Ehre erweise? So dachte ich und zeichnete heute eine Komposition mit Sanduhr, Eule, Kerzen, umgekipptem Boot, Milchglasstein, Schlangenhäuten, den unteren Rand vom Gong und noch eine Kerze – die wie die Tänzerinnen von Degas an den Rand drängen und aus dem Bild herausstreben. Nur der Seeigel hat den Zug verpasst und ruht ungerührt von kunstgeschichtlichen Betrachtungen im Zentrum.

„Dinge am Rande“ (c) gerda kazakou, 2018

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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6 Antworten zu Dinge am Rande (Bleistiftzeichnung)

  1. kopfundgestalt schreibt:

    Ich hatte 2003 eine ganz kurze Phase, in der ich von Frauen Portraitaufnahmen machte.
    Auch von Männern, aber die waren zu verklemmt.

    Ich schnitt die Portraits immer an !
    Dreiviertelansicht war das Beste aus meiner Sicht.

    Aber ich versuchte alle Perspektiven.

    In Österreich, während eines Urlaubs, entwickelte ich 127 Ideen für ein Portrait. Meine damalige Freundin lies mich am Abend auf einer Terasse gewähren bei der Entwicklung der Ideen,

    Ich war ein guter Fotograf und habe die Frauen“ veredelt“ und das ohne jede „Ausbildung“.
    Wie so oft: All das ist Geschichte und seit 2003 nicht mehr belebt worden.
    Es waren 5,6 Frauen, die mich gewähren liesen. Gerne würde ich das wieder machen.
    Aber Schnee von gestern! Von Vorgestern.

    Gefällt 2 Personen

  2. kopfundgestalt schreibt:

    Noch etwas:
    Ich bin auch gut im Fotografieren von nicht mehr ganz jungen Frauen.

    Gefällt 3 Personen

  3. kowkla123 schreibt:

    entspanne, genieße, hab Spaß an diesem schönen Sonntag, Klaus

    Gefällt 1 Person

  4. Ulli schreibt:

    In diesem Fall müssen die Augen mehr wandern bis sie zum Ganzen kommen, wenigstens empfinde ich das so. Ich mag wandern 😉
    Schöne Grüße, Ulli

    Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      so ist es wohl. Die Dinge haben sich von einander entfernt, zeigen keine Neigung, eine Verbindung einzugehen. „Jeder für sich und Gott gegen alle“ – du kennst diesen fabelhaften Kaspar Hauser-Film? Der Titel kommt mir immer mal wieder in den Sinn, so auch hier, wenn der Milchstein vor sich hinglänzt, der Seeigel vor sich hinruht, das Segelboot vor sich hintreibt, die Sanduhr vor sich hinrinnt, und die Eule vor sich hinsinnt, was das alles soll und ob es eine gute Lösung gibt. Immerhin hat sie im Rücken eine zusammenhängende Konstellation aus zwei Kerzen und den Schlangenhäuten.
      Und nun mal Gute Nacht! Der Sichelmond ist längst hinunter, und die bunten Wolkenberge, aus denen Blitze schlugen und Regen fiel, sind im rabenschwarzen Nachthimmel versunken.

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