Licht-Eier, Sonnen-Taler.

 

 

 

Der Boden ist übersät mit Licht-Eiern. War Sterntaler hier? Hat sie ihr Leinenhemdlein aufgehalten, und die Taler sind herabgeregnet, so viele, dass sie sie nicht alle halten konnte, und so sind sie liegengeblieben für die Nach-Ihr-Kommenden?

„Sonnentaler“ sind es, so erfuhr ich bei Joachim Schlichting, dessen Blog mir eine reich sprudelnde Quelle von Anregungen ist. Man kann, wie ihr dort nachlesen könnt, den Abstand von der Lichtquelle berechnen, wenn man die Größe des Taler-Durchmessers kennt. Doch ich werde das hier nicht durchexerzieren. Mir reicht es, dass ich das lichte Gefunkel auf dem Tavernenboden nun als Sonnentaler wahrnehme, die sich je nach Einfallwinkel und Öffnung im Schilfdach mehr kreis- oder mehr elipsenförmig abbilden. Besonders gefallen mir die farbigen Ränder der Taler und der armselige Zementboden, der eine wundersame Kulisse für das Zauberstückchen bildet

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Chlorophyll auf dem Rückzug

Seit ich bei Joachim Schlichting einen Eintrag über die Fähigkeit der Pflanzen gelesen habe, im Herbst das kostbare Chlorophyll einzubunkern, um es im nächsten Frühjahr zur Verfügung zu haben, schaue ich anders auf die sich verfärbenden Blätter des Herbstes.

Jetzt werden die ersten Herbstes-Zeichen sichtbar. Der Aprikosenbaum und die Granatapfelbäume in meinem Garten sind freilich noch grün, andere wie Zitrone, Orange, Olive sind immergrün. Andere wieder, wie Wein und Feige, lassen ihre Blätter einfach nur verschrumpeln und lieblos fallen, ohne sich um Farbenreichtum zu kümmern.

Aber gestern, beim Spazierengehen, konnte ich einem bescheidenen Bäumchen quasi dabei zusehen, wie es sein Chlorophyll zurücknimmt, um es im nächsten Frühling zur Verfügung zu haben, wenn es gilt, tausende von Blättern neu aufzubauen. Die Zone um die Sprossachse und die Adern ist noch ziemlich grün, doch der Rest hat sich schon gelb verfärbt.

 

 

 

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Nachtgelichter abgelichtet

Wenn ich abends draußen bei der Lampe sitze und zu lesen versuche, umflattern mich Krethi und Plethi – auch Nachtgelichter genannt. Sehr störend, dies Gesindel. Bei genauerem Hinsehen ist das lästige Völkchen aber doch recht ansehnlich. Und vor allem: sehr unterschiedlich gestaltet. Sonst weiß ich nichts über sie zu berichten. Namenlos sind sie für mich. Namenlos und unerwünscht. Aber sie sind da. Ich muss sie dulden, so wie sie mich und meine Lampe erdulden müssen.
Ein paar Exemplare haben sich auf dem Lampenfuß von ihrem lichtsüchtigen Geflatter ausgeruht, so dass ich sie vor rotem Hintergrund ablichten konnte. Der grüne gepanzerte Stinker musste natürlich wieder aus der Rolle fallen: er spazierte auf dem weißen Untergrund meines Brillenetuis herum, bevor er ins leere Weinglas fiel. Da fand ich ihn erst am Morgen, mit noch flatternden Beinchen, der Rücken festgeklebt an dem Restwein. Er tat mir leid, und so wurde er für mich zu einem Mitwesen, das ich zu retten versuchte (kein Foto).

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Krethi und Plethi – Klärung der Wortbedeutung (und ein bisschen Tucholsky)

In Ulli Gaus Blog kam es heute zu einer Diskussion über das Bedürfnis nach Rückzug in die Einsamkeit der Natur einerseits, und die Menschenmassen, die die letzten Refugien zerstören. Dabei fiel auch der Ausdruck „Greti und Pleti“ – Susanne Haun brachte ihn – bezogen auf ihre jüngsten Erfahrungen mit der Bergwelt – im Kommentar, Myriade mockierte sich leicht und räumte eigene Neigung zu Arroganz gegenüber dem „Volk“ ein. Und da dies Thema – gebildete, gutmeinende, naturliebende, politisch aufgeklärte Avantgarde einerseits, ungebildete, rohe, spießige, fremdenfeindliche Massemenschen andererseits – mal wieder virulent zu sein scheint (1), fühlte ich mich bemüßigt, dem Ausdruck Krethi und Plethi ein wenig nachzugehen.

Krethi und Plethi bei der Bergwanderung

Hinz und Kunz kennt jeder. Aber Krethi und Plethi? Wikipedia behauptet, es sei aus dem Hebräischen und bei König David erwähnt als Hilfstruppen, vermutlich „Kreter und Philister“. Doch frage ich mich: wieso das th bei Kreter? und wie kommt man von Plebejer zu Plethi?

Nein, ich lese es anders: Plethi (πλήθη) ist griechisch, es bedeutet „Volks- oder Menschenmassen“. Πληθησμός ist einfach die „Bevölkerung“. Und die Krethi (Kreter) wurden diesem analog mit -th- gebildet. Kreti und Plethi also sind Kreter und andere minderwertige Menschenrassen – Menschenmassen, kurzum, die gewöhnlichen Bewohner des Landes (2).

Die römischen Plebejer – der Plebs – sind nichts anderes. Denn was waren die Plebejer? Das Volk von Rom – mit Ausnahme der Führungseliten. Krethi und Plethi eben. Diesen namenlosen Menschen mit ihren namenlosen Schicksalen – seien es nun Krethi und Plethi oder einfach der „Plebs“ – hat Kurt Tucholsky alias Theobald Tiger ein Gedicht gewidmet, das am 23. September 1918 im Berliner Tageblatt erschien. Es feiert also in wenigen Tagen sein 100jähriges Jubiläum.

Krethi und Plethi

Vater Liebert (3) hat eine Rede vom Stapel gelassen,

in der er sagte, der Reichstag täte ihm nicht mehr passen.

Denn in diesen durchaus traurigen Verein

kämen ja sogar Krethi und Plethi hinein.

Ich weiß nun nicht genau, wer Krethi und Plethi sind;

vielleicht meint er damit meinen Vater oder dein Enkelkind.

Aber das weiß ich: die Schlacht bei Warschau und in den Argonnen,

die haben Deutschlands Krethi und Plethi gewonnen.

Vielleicht hat Vater Liebert in Hannover großen Applaus.

Ihm hängt aber nicht nur der Reichstag zum Halse heraus.

Da hängt auch ein hoher, preußischer, bunter Orden.

Der ist ihm für viel Blut deutscher Krethis und Plethis verliehen worden.

Und der eine Krethi ist Krüppel, und der andere Plethi ist krank.

Tausend blasse Lippen flüstern: »Dank, Herr General! Dank!«

 Theobald Tiger
Berliner Tageblatt, 23.09.1918, Nr. 487, wieder in: Fromme Gesänge.

 

(1) Heute benutzt man den Ausdruck „Philister“ vor allem als Synonym für  Spießer. erstmals gebraucht wurde es im 16. Jahrhundert von Studenten für Bürger, die ihrem Treiben ohne Sympathie gegenüberstanden. Später benutzten es die Romantiker für ihre Gegner im Kulturbetrieb (19. Jahrhundert). Während der 68er Studentenbewegung in Deutschland kam es wieder zu Ehren.

(2) Philister im biblischen Kontext: Die Philister, von den Persern Palastai genannt, bewohnten das heutige Palästina (daher der Name des Landes), bevor sie unter König David zuerst in die Defensive gedrängt wurden und schließlich als historisches Volk verschwanden. Ihr bekanntester Vertreter war Goliath, dessen Rüstung der der griechischen Hopliten entsprach. – Beim Propheten Amos wird auf eine mögliche Identität von Philistern und Kretern hingewiesen. Wiki (Zitat):  „Habe ich nicht Israel aus dem Lande Ägypten heraufgeführt, und die Philister aus Kaphtor?“ Möglicherweise hat der Prophet Amos ein philistäisches Epos gekannt, das die Ankunft der Philister in der neuen Heimat beschrieb. Kaphtor wird gewöhnlich mit dem ägyptischen Keftiu gleichgesetzt und bedeutet Kreta. (Zitat Ende)

(3) „Vater Liebert“ bezieht sich auf einen preußischen General, über den du, wenn du willst, bei Wiki einiges nachlesen kannst. ZB dass er zu Kaisers Zeiten in Deutsch-Ostafrika Gouverneur war, und dass er 1929 Mitglied der NSdAP wurde.

 

 

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Skizzenbuch (7) und Blattspreite des Palmbäumchens (Fotos)

Ein paar neue Einträge gibt es  in meinem Skizzenbuch.

Ich wollte „auf die Schnelle“ auch das palmartige Bäumchen in unserem Garten skizzieren, aber da scheiterte ich kläglich. Erstens wurde ich belehrt, dass es eben doch Gerade in der Natur gibt (hallo, Gerhard!), zweitens war ich angesichts der Eleganz, der raffinierten Wachstumsform und der Hell-Dunkel-Effekte total überfordert.  Unmöglich, ein ordentliches Ergebnis im Stehen und mit dem wackligen Skizzenbuch in der Hand zu produzieren. Also griff ich mal wieder zum iphone und machte stattdessen Fotos. Immerhin half mir mein vergeblicher Versuch, das Blatt zu skizzieren, dabei, einmal wirklich genau hinzuschauen – und das kommt dann ja auch auf den Fotos zugute.

Blattspreite des Palmbäumchens, ganz (oben), zusammengewachsene Blätter (unten)

 

 

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Montag ist Fototermin (3) plastizierte Sesselbezüge

Bequem sind diese Sessel in Babis Taverne nicht, und schön sind sie auch nur, wenn man Gefallen findet an den abenteuerlichen Mustern, die sich zeigen, wenn die Sonne hindurchscheint. Aber die Farbe passt zum Meer – und da nehme ich den Mangel an Bequemlichkeit gern in Kauf.

 

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Montag ist Fototermin (2): Tief ins Glas geschaut

Eine Wasserkaraffe stand auf dem Tisch der Taverne. Wie so oft bewunderte ich die Lichtspiele. Dann schaute ich von oben hinein. Und schaute auch von oben ins Glas. Merkwürdig, was sich da spiegelte! Denn die Bilder kamen von oben und nicht, wie ich zuerst vermutete, vom Untergrund. Ich merkte es an dem Rot: das war meine Bluse.

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Montag ist Fototermin (1) Bananenblätter (leaves of banana)

Faszinierend finde ich immer wieder Strukturen. Heute waren es die Rippen von Bananenblättern, Lichtspiele im Glas, plastizierte Sesselbezüge in der Taverne.

(1) Bananenblätter im Herbst. Die Fotos lassen sich durch Anklicken weiter vergrößern.

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abc-Etüde: Wie herrlich ist das Künstlerleben!

 

Verschwenden Kunst müde sind die drei Wörter, die Christiane uns zur neuen abc-Runde spendiert hat. Hier meine ersten Kata-Strophen dazu. 178 Wörter habe ich gezählt, statt der neuerdings erlaubten 300.

Wie herrlich ist das Künsterleben

Ein Künstler wirst du, Kläuschen, nicht
So sprach Herr Nolte zu dem Sohne
Und eine Geige kriegst du nicht
Solange ich hier wohne.
Wer Kunst treibt, ist ein Taugenichts
Das wissen alle Leute
Der raucht und säuft bis er erbricht’s
Ihn kümmert nur das Heute.
Er will sich ständig Geld nur borgen
um zu verschwenden, auszugeben
Anstatt für morgen still zu sorgen
Dass seine Kinder besser leben.
So wirst du nicht, schreib dirs hinter die Ohren
Ich werd nicht müde es zu wiederholen:
Ich wünsche meine Worte nicht verloren
Sonst werd ich dir den Hintern blau versohlen.

Der Klaus der hört es und verstohlen
Stiehlt er sich in das Zelt der Schauspieltruppe
Den Vater soll der Teufel holen!
Das „morgen“ ist ihm herzlich schnuppe.
Der Jack der zeigt ihm wie die Fiedel geht
Iwanka schminkt ihn hübsch zum Clowne
Die Traudel ihm ein buntes Kostüm näht
Und küsst ihn, ach, die Süße Braune!
O Saus und Braus und Liebeslust
O Tabakqualm und Saft der Reben!
Der Klaus, der singt aus voller Brust:
Wie herrlich ist das Künstlerleben!

„Der fliegende Teppich“, Legebild

 

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Ein Ausflug nach Koroni

Heute war ich unterwegs. In Koroni wurde ein Verein ins Leben gerufen, der den sozialen Zusammenhalt und zwischenmenschlichen Austausch von Menschen, die am Rande stehen, durch viele Aktionen fördern will. Für mich war es ein Anlass, mal wieder eine  engagierte deutsche Freundin zu besuchen. Mit von der Partie eine griechische Freundin.
Zu dritt schwammen, plauschten und schmausten wir mit Blick auf die gegenüberliegende, „meine“ Küste mit dem hohen Gebirge, dem Taygetos, als Kulisse. Es war herrliches Licht, und natürlich fotografierte ich viel zu viel. Die Auswahl ist mal wieder schwierig.

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Sehr schöne Auswahl, oder?  Aber warum nicht lieber diese? Hm. Auch nicht schlecht. Die letzten vier Fotos zeigen Wandbilder des Gymnasiums, dessen Hof in schulfreier Zeit als Parkplatz dient.

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