Noch ein Etüdchen zu Alices Wörtern fiel mir ein. Es ist harmlos für alle außer eventuell für diejenigen, die grad an einem Roman sitzen und nicht wissen, wie sie das Ding abschließen sollen. Ich weiß, wie sich das anfühlt, aus eigener bitterer Erfahrung. Also Achtung, liebe RomanschreiberInnen!
Das Leben ist ein Roman und der Roman ein Leben
Es war einmal ein alter Roman,
sehr dick, der handelte vom Schwan
und fürchtete keine tragische Wende
doch was er fürchtete, war das Ende.
„Wenn die Autorin nicht weiter weiß
so sprach er, weil sie leergeschrieben,
dann wisch ich ab ihr ihren Schweiß
und raune ihr von frischen Trieben,
die Lust verheißen oder tiefen Schmerz,
von Mordlust triefen oder auch von Lieben,
und was noch sonst umtreibt das Menschenherz.
Ich rate ihr: Sei du nur recht variabel
Und knausre nie mit neuen Wortgebilden
Sprich jede Sprache, die erklang in Babel
und auch seither in allen Weltgefilden.
Wenn du das mir zum späten Ruhme tust,
dann will ich gerne deine Hand dir fassen
und sie dir führn auch wenn du ruhst.
Wenn nicht, so bist du heute noch entlassen.“
Da rief sie : „Weh, ach weh, ich will nicht ruhn,
Ich will dir gern zu Diensten sein,
Ich will mein Bestes für dich tun,
Nur lass mich die Autorin sein!
Lass sie mich sein, bis einst wir beiden
Von Alter müd und lebenssatt
Gemeinsam friedlich dann verscheiden
Und seis auch ohne Abschlussblatt.“
So ist es dann wohl auch geschehen
Denn der Roman blieb unvollendet
Ein Ende würdet ihr nicht sehen
Wenn ihr ihn irgendwann mal fändet.
Das Leben schreibt sich fort und fort
Ob nun in Wahrheit oder in Romanen
Stets tut sich was in Süd und Nord
ein Ende ist nur zu erahnen.

Protagonisten eines unvollendeten Romans. Foto-Collage aus Gemälden der 90er Jahre.
(zum Vergößern bitte anklicken)