Holzschlänglein auf verschlissenem Tuch (Fotos, Zeichnung)

Heute brachte ich von meinem Morgenspaziergang am Meer ein Schlänglein aus Holz und einen Tuchfetzen mit, den ich abriss von abenteuerlich gefetzten Stoffbahnen. Die schützen im Sommer die Gäste der Strandbar Bobo vor der Sonne, wenn sie ihren Apperitiv schlürfen.

Ich habe diese „Installation“ auch im Vorjahr fotografiert und damals auch dort gezeichnet. Diesmal war es mir bequemer, ein Stück Stoff abzureißen und einzustecken. Dann fand ich auch noch das Schlänglein. Zuhause legte ich daraus ein Bild a la Arte povre, bereichert um hölzerne „Runen“ und goldenes Granatapfellaub (s.o.).

Dann zeichnete ich sie. Meine alltägliche Zeichnung eben.

Zweimal fotografierte ich die Zeichnung: einmal drinnen unter der Lampe, dann draußen im diffusen Tageslicht. Als ich die Farbe verstärkte, sahen die Bilder so aus:

Die Farben der ersten Variante umgedreht und leicht bearbeitet:

IMG_1371b

Veröffentlicht unter Allgemein, Leben, Legearbeiten, Meine Kunst, Zeichnung, Zwischen Himmel und Meer | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | 13 Kommentare

Im Bergdorf Stavropygio (Fotos, Zeichnung, Bearbeitungen)

Heute sind wir zur Ölmühle in Stavropigio gefahren, um unsere Oliven pressen zu lassen. Wenn du sehen willst, wie es in einer solchen Ölmühle zugeht, schau mal hier und hier.

Während das Öl gepresst und abgefüllt wurde, spazierten wir durchs Dorf Stavropygio mit Blick auf die Kirche des Nachbardorfs Malta und hinauf zum Kastro Zarnatas, einem der drei großen Burgen der Mani, mit Blick auf das Zentral-Dorf Kampos.

Gezeichnet habe ich erst zu Hause, nach einem Foto, das ich heute machte. Die Steinhäuser des armen und nur noch wenig bewohnten Dorfes sind teilweise renoviert (man sieht neue Dächer), die Straße halbseitig neu asphaltiert. Stromleitungen durchschneiden den Himmel, der sich verdüsterte. Später regnete es.

Spaziergang in Stavropygio, 2019-12-27. Kugelschreiberzeichnung nach eigenem Foto.

Bei den Bearbeitungen habe ich die dramatisch-düstere Stimmung gesteigert.

Veröffentlicht unter Allgemein, alte Kulturen, Architektur, elektronische Spielereien, events, Fotografie, Leben, Meine Kunst, Natur, Umwelt, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 22 Kommentare

Trankopfer a la 2019 (tägliche Zeichung mit Variationen)

Als ich mir die heutigen Fotos durchsah, blieb mein Auge an dem „Trankopfer“ hängen. Es ist natürlich eigentlich ein Zuprosten, aber andererseits hat es viele Eigenschaften, die direkt in uralte Zeiten zurückweisen. „Trankopfer bestanden aus Wein, der auf die Tieropfer auf dem Altar ausgegossen wurde. Für gewöhnlich wurden sie mit einem Speisopfer begleitet.“
Und hier: in der Plastikflasche und im Trinkbecher der neue Wein, in der Aluminiumschale auf der Tischplatte das Speiseopfer – Fleisch und Beigaben -, der Arm mit dem Becher gegen den Himmel gehoben, als ob dort noch ein Gott wohnte.

Von Trapezi – dem griechischen Wort für Tisch – ist die geometrische Form „Trapez“ abgeleitet. Die auffällige Geometrie der Szene – wobei der Arm mit dem Becher die wichtigste Achse ist – gefiel mir. Ich nahm das Foto und zeichnete es ab, zog in einem zweiten Schritt die Hauptlinien, die den geometrischen Aufbau betonen, rot nach, und überging in einem dritten Schritt die Zeichnung mit dickem blauem Filzstift, um, so gut das eben möglich war, den Eindruck der Kontinuität mit antiken Trankopfern zu verstärken. Drum deutete ich auf der dritten Zeichnung Tempelsäulen an und veränderte die Form von Weinbehälter, Fleischschale und Trinkgefäß auf dem Tisch.

Die Bearbeitungen kann man zum Vergrößern anklicken:

Veröffentlicht unter Allgemein, alte Kulturen, elektronische Spielereien, Feiern, Fotografie, Leben, Meine Kunst, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 18 Kommentare

Trapezi machen und Ölernte (Fotografien)

Heute lud Magda Verwandte und Freunde zum Essen und gemeinsamen Feiern auf dem Vorplatz ihres Appartements ein. „kano trapäsi“ – ich mache Tisch – meinte sie gestern, ob wir auch vorbeikommen möchten. Ihre Wohnung liegt in einem Vorort hoch über Kalamata, rundum Felder und ein weiter Blick hinab auf die Stadt und aufs Meer. Also machten wir uns auf, wenn auch mit begrenztem Zeitrahmen, denn die Erntearbeiter würden um drei kommen. Leider entging uns dadurch die Musik (einer der Verwandten ist ein begnadeter Bouzouki-Spieler). Doch das Essen und vor allem die bunt gemischte heitere Gesellschaft, die sich da an einem langen provisorisch zusammengebastelten Tisch unter dem durchwindeten blauen Himmel zusammenfand, lohnten die Anfahrt. (Der Wein ist natürlich aus eigener Produktion eines Vetters, das noch grüne frisch geernte Öl  aus der Produktion eines anderen Vetters. Freundin Nena, rechtes Bild Mitte, brachte  ihre neue Produktreihe selbstgemachter köstlicher Chutneys mit, für die sie grad eine Vertriebsfirma gegründet hat. Hier lässt sie Apfelchutney ohne Zucker probieren, mjam).

Auch Tito kam auf seine Kosten: Leckerhappen vom Besten und dann eine volta (Spaziergang) in den Feldern. Die hübsche braune Henne, die vor uns herrannte (nicht auf dem Bild) musste ich ihm leider verwehren. Am Weg ein mächtiger gespaltener Johannisbrotbaum, dessen Früchte nicht nur als Viehfutter, sondern neuerdings auch wieder als Mehl für Bio- Zwieback Verwendung finden.

 

Und während ich hier erzähle, haben die Erntearbeiter unsere Oliven eingesackt. 30 Säcke sind es geworden – einer Rekordernte. Später wird der Wagen kommen, der sie in die Ölmühle bringt. Dann werde auch ich fahren, um die Pressung zu überwachen und das Öl mit heimzunehmen.

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Ökonomie, events, Feiern, Fotografie, Leben, Natur, Umwelt | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 15 Kommentare

Weihnachtstag = Erntetag (Fotografien)

Heute, am Weihnachtstag, kamen unsere Erntehelfer. Sie arbeiteten von früh bis spät, aber fertig wurden sie nicht. Morgen geht es weiter.
Ich arbeitete nicht mit, sondern drehte mit Tito meine Runden, fotografierte auch ein wenig. Außerdem kamen Besucher vorbei, wollten klönen, und am Abend gab es eine sehr schöne Verfilmung von Anatefka im Fernsehen, die ich mir anschaute. Anschließend wie immer der Nachtspaziergang unter dem Sternenhimmel. Für die alltägliche Zeichnung fehlte leider die Zeit.

Die Erntearbeit geht gut voran. Die Säcke füllen sich.

Auf einem Nachbargrundstück wurde bereits geerntet, die Bäume sind beschnitten.  Ein kalter Wind geht und rückt die Berge näher, färbt das Meer dunkelblau.

 

In einem anderen Nachbargrundstück hat die Ernte noch nicht begonnen. Stille und ein kleiner Feigenbaum im Herbstlaub, der Boden von frischem feuchtem Klee bedeckt.

Auch im Gartenstück vor meinem Atelier herrscht noch Frieden, keine Säge stört ihn. Neben dem Olivenbaum ein Granatapfelbaum im goldenen Laub und in der Ferne die tiefblaue See. Weihnachten.

Veröffentlicht unter Allgemein, events, Feiern, Fotografie, Leben, Natur, Umwelt, Zwischen Himmel und Meer | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 31 Kommentare

Weihnachtsdekoration: Schiff, Rose, Eule, Schildkröte – und eine kleine Zeichnung

Unsere Weihnachts-Dekoration ist bescheiden: zwei weiße Rosen aus dem Garten („es ist ein Ros entsprungen…“), dazu auch ein Schiff („Es kommt ein Schiff geladen…“) und natürlich eine Eule mit Teelichtchen (Symbol für erleuchtete Weisheit) … Auch eine Schildkröte wandert ihres Wegs, dort auf dem Kaminsims – Symbol für Glück und langes Leben.

Viel Zeit zum Zeichnen blieb nicht, aber eine kleine Skizze musste sein. Immer noch im Bann der geometrischen Form, fand ich die Vase und das Boot geeignete Motive: Kugel und Dreieck. Sie werfen verzerrte Schatten auf das schwarze Gartentischchen vorm Kamin. Gleich werde ich alles abräumen, denn die Weihnachts-Suppe wartet.

Frohe Weihnacht allseits.

 

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Feiern, Fotografie, Leben, Meine Kunst, Tiere, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , , | 38 Kommentare

Frohe Weihnachten mit griechischen Κάλαντα (Kalada)

Viele meinen, in Griechenland würde Weihnachten erst am 6. Januar gefeiert. Das ist aber ein Irrtum: Das hiesige Weihnachtsfest wurde schon lange an den westkirchlichen Termin angepasst, findet also ebenfalls morgen statt. Anders ist es in Russland, in Armenien, Syrien und bei anderen Orthodoxen, die am alten Kalender auch für Weihnachten festgehalten haben und daher am 6. Januar feiern. Bisschen kompliziert, ich weiß.

Angeregt durch Random, der uns heute einen wahren Ohrenschmaus mit spanischen und argentinischen Villancicos bereitete, habe ich im Internet nach authentischen griechischen Kalada gesucht. Es gibt die zu Weihnachten und die zu Neujahr. Kinder ziehen von Haus zu Haus und singen sie – früher war es eine wichtige „Einkommensquelle“ für die Ärmsten, heute machen sich auch gut situierte Kinder auf, klingeln frühmorgens an deiner Tür und wollen keine Nüsse und Mandelkern, sondern Bares sehen. Gespielt werden die Lieder auch instrumental, ihr Rhythmus verleitet zum Tanz.

In jeder Ecke Griechenlands gibt es andere Traditionen. Ein Beispiel von Peloponnes:

Kunstvoller sind die Kalada der Pontus-Griechen, also der ursprünglich am Schwarzen Meer siedelnden und von dort vertriebenen Griechen, deren historischer Bezugspunkt das Kloster von Sourmela ist.

Wie vielgestaltig diese Lieder sind, zeigen auch die byzantinischen Kalada, in denen die Heilsgeschichte sehr ausführlich erzählt wird.

Und um diese Kostprobe traditioneller griechischer Musik nicht allzu eintönig-weihnachtlich zu machen, hier noch ein Nachtisch mit der großartigen Katina Farasopoulou-Koniali, Griechin aus Kappadozien (Türkei), die auf Griechisch und Türkisch singt.

 

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, alte Kulturen, events, Feiern, Leben, Musik | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 17 Kommentare

Eine Art Rückbesinnung

Der 23. Dezember ist für mich immer ein Tag, da ich in Gedanken nach Stalingrad wandere. 1942 und ich bin ein halbes Jahr auf der Erde. Mein Vater ist einer von denen, die an diesem Tag dort verbluten und der daher nicht mein Vater werden kann. So wachse ich auf in dem, was Mitscherlich später die „Vaterlose Gesellschaft“ nennen wird (Alexander Mitscherlich, „Der Weg zur vaterlosen Gesellschaft“, 1963).

Alexander und Margarete Mitscherlich waren es dann auch, die 1967 die für mich wichtige Schrift  Die Unfähigkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens verfassten. Diese „Unfähigkeit“, sich mit dem so vielen Mitmenschen zugefügten Leid zu konfrontieren und es erneut oder überhaupt zum ersten Mal zu durchleiden, erzeugte die für die deutsche Nachkriegsgesellschaft so charakteristische Dumpfheit und Umtriebigkeit, die schließlich in dem selbstbestätigenden Satz gipfelte: „Wir sind wieder wer“. Und sich heute gern aufbläht zu dem älteren „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“.

Heute Nacht las ich dazu Nachdenkenswertes in einem Essay von W.G. Sebald („Konstruktionen der Trauer. 1. Die Unfähigkeit zu trauern. Defizite in der Nachkriegsliteratur“1961,  in ders., Campo Santo, Fischer Taschenbuch, 2. Aufl. 2013, S.101 ff) und mir schien, dass mein Zerwürfnis mit meiner Heimat damit zusammenhängt. Denn ich trauerte und hörte nie auf zu trauern um all die, die hingemordet wurden. Unter jedem Stein, den ich umdrehte, lagen sie, und ich meinte, mich um sie kümmern zu müssen, da die, die dazu eigentlich berufen waren, es nicht taten. Denn leider war es so: Die deutsche Gesellschaft kümmerte sich nicht um diejenigen, die in ihrem Namen ermordet wurden. Vielmehr duldete sie die Mörder weiterhin unter sich.

(Dazu wiederum Mitscherlich: 1949 erschien sein Buch Wissenschaft ohne Menschlichkeit: Medizinische und Eugenische Irrwege unter Diktatur, Bürokratie und Krieg über die NS-Ärzteprozesse in einer Auflage von 10.000 Exemplaren. „1960 erinnert sich Mitscherlich: ‚[…] Nahezu nirgends wurde das Buch bekannt, […] Es war und blieb ein Rätsel – als ob das Buch nie erschienen wäre.‘ Über das Schicksal des Buches herrscht bis heute Unklarheit. Mitscherlich vermutete, es sei von den Ärztekammern […] ‚in toto aufgekauft‘, denn alle Exemplare seien ‚kurz nach dem Erscheinen aus den Buchläden‘ verschwunden“.[4] „Alexander Mitscherlich war seitdem aus den medizinischen Fakultäten Deutschlands ausgegrenzt; […] er [wurde] nie an eine medizinische Fakultät berufen. (zitiert nach Wikipedia))

Kalamata, 2019. Trauerfeier für 513 am 8. Februar 1944 von deutschen Besatzern und griechischen Collaborateuren ermordete und bei den Schlachthöfen am Westufer verscharrte Mitbürger. Foto: Tageszeitung „Eleftheria“.

Seit ich in Griechenland  lebe, sind mir unzählige von Deutschen ermordete Griechen begegnet. Gestern wurde ein Mahnmal für die 513 Ermordeten von Kalamata feierlich eingeweiht. Sollte man sie nicht endlich vergessen? Nein, sagen die Überlebenden und die Nachgeborenen. Nicht Hass und Rachegefühle wolle man nähren, wohl aber die Erinnerung an die Barbarei von Krieg und Faschismus wach halten. Leider scheint dieses Erinnern mehr ein Anliegen der Opfer als der Täter zu sein.

Lebhafte Erinnerungen rief auch ein Podcast wach, das heute zum 40. Jahrestag von Rudi Dutschkes Tod bei Ken.FM eingestellt wurde. (Rudi Dutschke, Jg 1940, wurde 1968, damals 28 Jahre alt, von einem Attentäter in den Kopf geschossen und starb zehn Jahre später, am 24. Dezember 1979, im dänischen Exil).  Erinnerungen, denn ich fühlte mich als Teil der damaligen Bewegung, die die Verkrustungen und Verdrängungen der Nachkriegsjahre nicht mehr ertrug und neues größeres Unheil heraufziehen sah. Ich lebte in Berlin-West, war 1966-67 Mitglied der Studentenvertretung der Freien Universität, demonstrierte gegen neokolonialistische Morde (Lumumba im Kongo) und Kriege (Vietnam), gegen die „technokratische Hochschulreform“ und verteidigte das „Humboldtsche Ideal“ eines allseits gebildeten Menschen.  Verzweifelt auf der Suche nach einem Ausweg aus dem „alternativlosen“ Kalte-Krieg-Motto: „entweder du funktionierst so wie wir es wollen“ oder „geh rüber, wenn es dir hier nicht passt“ – war Rudi Dutschke fast so etwas wie eine Offenbarung: denn er wies über das bürokratische DDR-Modell hinaus (das ich grässlich fand) und träumte und kämpfte für eine menschliche Verfassung, in der der „Ewige Frieden“ nicht eschatologisch herbeigesehnt, sondern von mündigen Bürgern selbst geschaffen würde.

Wie weit wir heute davon entfernt sind, brauche ich nicht zu betonen. Und dennoch sehe ich auch heute keinen anderen Weg als den: dass sich die Zahl derer vermehrt, die nicht mehr bereit sind zu glauben, dass „wir ja doch nichts tun können“, sondern die begreifen, dass das, was uns als Menschheit geschieht, in unserer eigenen Menschheits-Hand liegt.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Katastrophe, Krieg, Leben, Legearbeiten, Meine Kunst, Politik, Psyche, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , | 58 Kommentare

Dreieckswelt der Segelboote (tägliche Zeichnung)

Dreieckswelt der Segelboote, Kugelschreiber, 2019-12-22

Gezeichnet habe ich nach einem kürzlich aufgenommenen Foto von aufgebockten Segelbooten, fotografiert unter der Schreibtischlampe.

Bearbeitungen vielfältiger Art bieten sich an. Hier ein paar Beispiele. Bitte Anklicken.

 

 

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, elektronische Spielereien, Kunst zum Sonntag, Leben, Meine Kunst, Technik, Zeichnung, Zwischen Himmel und Meer | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 10 Kommentare

Der Garten – immer der gleiche und stets im Wandel (22.12.2019)

This gallery contains 6 photos.

More Galleries | 19 Kommentare