Sonntag mit Ausflug und täglichem Zeichnen

Rechtschaffen müde bin ich nach einem sehr erfüllten Tag. Er begann mit einer Fruchtschalen-Zeichung…

und endete – wie auch anders – mit einem brillianten Sonnenuntergang.

Dazwischen geschah vieles, durchweg Angenehmes, denn ich war bei zwei befreudeten Frauen im schön renovierten uralten Steinhaus hoch über der Bucht eingeladen und wurde dort nach Strich und Faden verwöhnt und therapiert.

Auf einem weiten Spaziergang treppauf treppab durchs Dorf, das sich vom Meer bis hoch in die Berge erstreckt, begleitete mich der Hund des Hauses, die weiße weise Boubou. Am Ende waren wir beide groggy, aber hoch zufrieden.

Nun bin ich wieder daheim und wende ich mich erneut der Fruchtschale zu – ein Motiv, das ich früher oft zeichnete, zum Beispiel so, als tanzende Früchte in Kohle…

oder auch als sorgfältige Bleistiftzeichnung in einem an Cezanne orientierten Arrangement.

 

 

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Will.ie und die Dachdeckerei (abc-etüde)

Ziegelstapel im verlassenen Bergdorf Altomira

„Sach mal“, sagt Will.ie. „Wat sin denn eigentlich Hohlpfannen?“ Überrascht blicke ich von meiner Zeichnung auf – überrascht sowohl durch die Frage als auch durch Will.ies plötzlich norddeutsche Aussprache.  – „Wozu willst du das wissen?“ frage ich zurück. Rückfragen sind immer gut, wenn man die Antwort nicht weiß. „Ich les hier was über Dachdeckerei.  Ich brauch einen Beruf, und da dachte ich…“ – „Du willst doch nicht im Ernst…“

Doch, Will.ie will im Ernst die Dachdeckerei erlernen. Schon früher hat sie Interesse an den Dächern gezeigt, die ich mehr oder weniger korrekt in meinem Block festhielt. Oder richtiger, Will.i war es, der dies Interesse zeigte.  Ihm gefiel es, mich zu kritisieren, weil ich nicht genau zeichnete, während er nachzählte, wieviele Ziegeln auf dem Dach waren, und mir dann glücklich Mitteilung machte, es seien 103.  Will.i, der Zählmeister. Nur drei Monate trennen  uns von damals – doch für Will.ie ist es Jahre und etliche Verwandlungen her.

„Hier steht“,  so nun Will.ie: Im gesamten norddeutschen Raum dominiert die Hohlpfanne. Entstanden ist sie aus antiken Vorbildern, als man nach Alternativen zu den Halbschalen im Mörtelbett suchte.“

„Aha“, sage ich, „wo liest du das denn?“ und denke: Dann war wohl das norddeutsche Walmdach, unter dem ich aufwuchs, mit Hohlpfannen gedeckt. Das antike Vorbild – sind das etwa die Stapel von Dachziegeln, die man schön aufgeschichtet in jedem griechischen Ausgrabungsgelände findet?

„Ich sehe, du weißt auch nicht Bescheid“, unterbricht Will.ie meine Gedanken. „Zeichnest Ziegeldächer noch und nöcher ….

… aber ob es Hohlpfannen, Nonnen oder Mönche sind, das weißt du nicht.“ „Nonnen oder Mönche?“ frage ich verwirrt. „Ja“, trumpft Will.ie auf. „So steht es hier: Mönch und Nonne sind die klassischen mediterranen Dachziegel und werden beinahe ausschließlich in allen Gegenden rund ums Mittelmeer verwendet.  Du hast mithin gute Chancen, dass die Ziegel, die du grad zeichnest, Mönche und Nonnen sind.“

Ziegelstapel von Altomira, digital bearbeitet

 

Dies war nun meine zweite Pfannen-Etüde, 300 Wörter lang, angefertigt mithilfe der drei Wörter, die DORO-ART für die von Christiane betreuten Etüden spendete. Danke euch beiden!

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Olivenblüten, wilder Spargel und Knoblauch und mehr

Die Oliven blühen jetzt. Sehr unscheinbar sind die Blüten dieses Baumes, kaum jemand beachtet sie. Aber aus ihnen werden sich die Oliven entwickeln.

Die Befruchtung findet durch den Wind statt – ein Glück, denn bestäubende Bienen sind nicht grad häufig anzutreffen, und sie werden für andere Fruchtbäume gebraucht.

Bei meinem heutigen Spaziergang betrachtete ich auch einige andere unscheinbare Blüten von nah. Zum Beispiel den wilden Knoblauch, in verschiedenen Entwicklungsstadien der Blüte. Sie sieht ganz anders aus als die wohl eher bekannte zahme Knoblauchblüte.

Oder die Sprossen des wilden Spargel, die an langen Stielen aus dem stacheligen Gewächs emporsteigen und dann, wenn sie nicht von Ziege oder Mensch abgefressen wurden, sich verdicken und zusammenkrümmen.

Etliche andere Kleinstgewächse betrachtete ich genauer, aber Namen wusste ich ihnen nicht zu geben. Die Formenvielfalt ist beeindruckend.

 

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Auf der Mauer, auf der Lauer….

Auf der Mauer, auf der Lauer sitzt ne kleine Katze

Seht doch nur die Katze an, wie die Katze tatzen kann…

Auf der Mauer, auf der Lauer sitzt ne kleine Katze.

Gut gespeist (Fisch) hat sie und putzt sich nun ausgiebig. Die Kleinen spielen eine Etage tiefer, versteckt im Efeu. Ja, ja, das Gelbliche, was du da hinter dem Zapfen siehst, das sind sie!

Sie lässt es zu, sie durch die Glasscheibe heranzuzoomen und zu knipsen. Sowie ich die Glastür aufmache, hört sie auf, sich zu putzen, und starrt mich an.

Schon gut, schon gut! Und ich schließe die Tür vorsichtig. Nicht, dass sie die Kleinen noch woanders hinträgt! Zu wissen, dass sie da sind und ab und an ein gelbes Aufblitzen zwischen dem Efeu wahrzunehmen, ist ja Freude genug.

Auf der Mauer, auf der Lauer sitzt ne kleine Kat

Seht doch nur die Kat an, wie die Kat tat kann…

Auf der Mauer, auf der Lauer sitzt ne kleine Kat.

Und als Musik?

 

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#allesdichtmachen (Vorsicht, Satire!)

Neugierig geworden durch einen Hinweis im Tagesspiegel, schaute ich mir eine Produktion von über fünfzig deutschen Schauspielern an, und musste erkennen: Endlich sind sie zur Vernnft gekommen. Endlich sehen sie ein, dass Theater Superspreader sind und daher für immer geschlossen bleiben müssen. Und da sie zur Vernunft gekommen sind, unterstützen sie ohne Wenn und Aber jedwede Maßnahme, die sich die Regierenden noch ausdenken könnten. Es ist zu unser aller Wohl.

Eigentlich bräuchte ich diesen Link hier gar nicht zu setzen, denn ihr seid ja sicher alle ihrer Meinung: Alles dichtmachen ist die Lösung! Aber vielleicht ist der eine oder die andere noch zögerlich? Vielleicht brauchst du noch eine Stärkung deiner Moral? Dann schau mal hinein!

Hinweise zur Verlinkung gibt es auch in der ZEIT, also bin ich heute in guter Gesellschaft.

Zitat ZEIT: Künstlerinnen und Künstler wie Ulrich Tukur, Volker Bruch, Meret Becker, Ulrike Folkerts, Richy Müller, Heike Makatsch, Jan Josef Liefers und viele weitere verbreiteten am Donnerstag auf Instagram und YouTube gleichzeitig ironisch-satirische Clips mit persönlichen Statements zur Corona-Politik der Bundesregierung….

Nur zu! Keine Angst! Schau hinein! Freilich, so entnehme ich den Leserzuschriften der ZEIT, wirkt auch diese Arznei wiederum spaltend. Da wird auf der einen Seite unerwünschtes Lob über die Schauspieler ausgeschüttet, auf der anderen Seite geht das Bashing los, dass es einem den Kopf fast abreißt. Chef-Satiriker Böhmermann, sonst ja kein Sensibelchen, macht vor, wie man alles wieder ins Lot bringt: man möge sich „die ARD-Doku aus der Berliner Charité mit den Titel Station 43 – Sterben“ ansehen. Das ist natürlich ein schlagendes Argument: besser nicht ins Theater gehen, sondern lieber die ARD-Doku ansehen. Damit auch diese schäbigen Schauspieler wissen, wie Sterben geht.

Wie Leben geht, lernt man so freilich nicht, Herr Böhmermann.

YouTube

 

 

 

 

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Leerstehendes Fabrikgebäude am Hafen (tägliches Zeichnen)

Wieder ging ich in  einer Pause zum fast leeren Hafen von Kalamata, um eine Skizze zu machen.  Ich zeichnete das riesige seit langem leerstehende Klinkergebäude mit dunkel klaffenden Fensterhöhlen, dessen frühere Funktion ich nicht kenne. Rechts daneben ein würfelförmiges Kaufhaus, das  Massen preiswerter Haushaltsgeräte und Kinderspielkram anbietet. Und davor ein Boot der Hafenbehörde.

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Projekt ABC bei Wortman: H wie Hüte

https://wortman.wordpress.com/2021/04/18/projekt-abc-h-wie-hilferuf/

In Kalamata verschworen sich am 25. April 1821, also vor 200 Jahren, die wichtigsten Köpfe des damaligen Widerstands gegen die Osmanische Herrschaft, den Kampf nicht aufzugeben, bis Griechenland seine Freiheit errungen hätte. Hier seht ihr diese Köpfe, behütet und frisch gesprayt von Skitsofrenis (zB hier oder hier oder hier), aus Anlass der 200-Jahresfeier. Die  Hüte davor warten noch auf ihre Träger*innen.

Auf Ostern, das demnext gefeiert wird (unser Ostersonntag ist am 2. Mai), warten nicht nur die Hutverkäufer. Auch die Kaffeehausbesitzer putzen fleißig für die Wiedereröffnung am 3. Mai – nach 5 Monaten Shutdown.

Seid behütet!

Wie dichtete ich doch kürzlich anlässlich der abc-etüden über den Sonnenhut?

Haltlose Hüte

(…)

Der Hut macht erst den Kopf komplett

Und auch dem Hut

dem tut es gut

hat er nen Kopf.

Als wie der Topf den Deckel

(…)

so soll dein Haupt dem Hute dienen

barhäuptig niemals sein.“

 

Bitte nicht misszuverstehen! Dies ist keine Werbung für Hüte oder gar für Freiheitskämpfe! Es ist nichts als eine historische Reminiszenz….

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Erinnerungs-Hopping (Foto-Legebild-Collagen)

Schuld an dieser Bildreihe ist Will.ie. „Erzähl das dem Froschkönig!“ sagte sie abwehrend, als ich ihr von Kuba, Sizilien, Mexiko und den USA  erzählen wollte, die ich einst angesteuert hatte.

Also erzählte ich es Froggy, der bereitwillig hier- und dahin hüpfte, um sich das anzusehen, was sich in mir als Erinnerung angesammelt hat. Das Länder-Hopping machte uns beiden Spaß.

Recht nah war es nach Agrigent im Süden Siziliens, denn es liegt auf demselben, dem 37. Breitengrad wie Kalamata, wir mussten einfach nur ein Stück nach Westen rutschen. Dasselbe machten wohl einige Auswanderer aus Rhodos, die die Gegend im Jahr 582 v. Chr. angenehm für eine Stadtgründung fanden.  Ich selbst erlebte dort eine Sternstunde mit den Skulpturen von Igor Maturaj. Froggy konnte freilich wenig damit anfangen.

Also hüpfte er weiter zu den ausgedehnten Gartenanlagen und betrachtete sich hocherfreut in der spiegelnden Fläche eines Wasserbeckens.

Es gelang mir, ihn von dort loszueisen und ins Gebirge nach Erice  zu locken. Einsam und nebelverhangen war es dort, nicht ganz nach seinem Geschmack, umso mehr nach meinem.

Sizilien, Erice, 2011

Weit lustiger fand er es, seine Geburtstagstorte bunten Bauersleuten und einer nackten Quellnympfe anzubieten.

Ach, Sizilien! Wann sehe ich dich wieder! So nah und doch so fern bist du dieser Tage! Und die andere schöne Insel, die ich nur einmal besuchte, und die mir fabelhafte Erinnerungen bescherte? Nein, Kuba liegt zu weit entfernt, das wird in diesem Leben nichts mehr. Adieu, Kuba, ich streiche dich mit Wehmut aus meinen Reisezielen! Was aus der süßen Schaustellerin wohl inzwischen geworden ist?

Kuba, Havanna, 2006

Noch einen Hopps nach Mexico City, in Helens Garten, bitte schön! bat ich Froggy. Er tat mir den Gefallen. Helen Escobedo, die Freundin und großartige Künstlerin, lebt nicht mehr, aber in mir lebt die Erinnerung an sie und ihre Gastfreundschaft.

Helen Escobedo, Gartenskulpturen, Mexico City

Im Doppelhäuschen von Diego Rivera und Frieda Kahlo gefiel es ihm, zwischen den riesigen Puppen herumzuhüpfen, die Diego mit Begeisterung sammelte – so erzählte uns Helen, die hier ganz zu Hause war.

Nun aber genug! Werfen wir noch einen Blick auf die damals herrlich friedliche Wiese vor dem Weißen Haus in Washington – lang lang ist’s her! und kehren zurück in unseren beschränkten Alltag.

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Projekt ABC bei Wortman: H wie Hundeblick

Projekt ABC: H wie Hilferuf

 

Hundeblick

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Post! Will.ie und die Bechamelsoße (abc-etüde)

Post! mit Schnipseln von Hannah, https://wordpress.com/read/feeds/25062285

Will.ie ist grad dabei, das Eigelb vom Eiweiß zu trennen, es ist ihr auch glücklich gelungen, und sie will das Eigelb zur Bechamelsoße in die Pfanne geben – da piept das Telefon und eine neue message mit dem Hinweis „dringend“ erscheint auf ihrem Handy. Sie vergisst die Anweisung, niemals und unter keinen Umständen die Bechamelsoße in der Pfanne allein zu lassen, stürzt zum Hörer etc pp. Hin sind Soße und Pfanne!

Früher war es der Postbote, der sich mit einem lauten: „Post!“ an der Tür bemerkbar machte. Man ließ ihn nicht warten. Warum sollte er zweimal klingeln? (*Anmerkung)

Lass dich nicht ins Boxhorn jagen, liebe Will.ie. Nichts ist eilig, wenn du am Herd stehst und das Eigelb vom Eiweiß trennst. Nichts. Möge die Welt auch untergehen. Für das Ei gibt es keine zweite Chance, für die Beantwortung des Anrufs aber schon. Jedenfalls meistens.

abc.etüden 2021 16+17 | 365tageasatzaday

Schreibeinladung für die Textwochen 16.17.21 | Wortspende von DORO|ART

Zutaten Bechamelsoße herzhaft (1 Person)

Butter 100 Gramm
Mehl 4 EL
Milch 1 Liter
Salz etwas
Pfeffer etwas
Muskatnuss etwas
Parmesan etwas
Eigelb 1

*Der Titel des Buches von James M. Cain und des gleichnamigen Films hat mit einer im Englischen gebräuchlichen Redewendung zu tun: The Postman Always Rings Twice bedeutet nicht nur „Der Postbote klingelt immer zweimal“, sondern auch „Es gibt immer eine zweite Chance“.

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