„Lass uns einen Ausflug machen, Will.ie. M und N wollen zum alten Kloster hoch oberhalb von Kalamata, ich auch. Es lohnt sich. Komm doch mit!“ – „Kloster? Ich hab keine Lust auf Klöster.“ – „Wir müssen ja nicht reingehen. Allerdings gibt es nur einmal im Jahr diese Gelegenheit. Aber meinetwegen bleiben wir draußen. Ich war schon mal drin, also ist es mir nicht so wichtig. Der Blick von da oben ist sehr schön, du wirst sehen.“
Unterwegs erzähle ich Will.ie das wenige, was ich über das Kloster weiß: im 17., einem sehr unruhigen Jahrhundert, wurde es wehrhaft mit dicken Mauern erbaut. Im 19. Jahrhundert wurde die Eiche, von der es seinen Namen hat (Ag. Moni Zoodoxou Pigi Velanidia = Kloster Lebenspendende Quelle Eiche), bei einem schweren Erdbeben entwurzelt. Bei einem anderen verheerenden Erdbeben im September 1986 wurde es erneut beschädigt, inzwischen aber gründlich renoviert und im April 2016 wieder eröffnet. Doch bleibt es weiterhin geschlossen – bis auf Kardienstag – also heute. In ein paar Tagen ist Ostern.
Wir steigen dann oberhalb des Klosters herum, schnuppern am Origano, begrüßen die zahlreichen Schildköten, lassen uns schließlich auf einer Steinmauer nieder, von wo aus ich eine Skizze des Klosters mache.“Bisschen verwackelt“, befindet Will.ie. „Beim nächsten Erdbeben rutscht es vom Hang.“

Am interessantesten findet Will.ie die Dachkonstruktion, die man auf meiner Zeichnung leider kaum erkennen kann, da sich die Dächer, die sich um den Innenhof gruppieren, von meinem Standort aus wie ein einziges Dach ausnehmen. (Eine Luftaufnahme fand ich im internet, leider weiß ich den Urheber nicht).

Inzwischen sind auch die befreundeten Frauen vom Klosterbesuch zurück, es hat sich noch eine dritte dazugesellt, und da stehen wir nun im Kreis und tauschen uns aus, während aus dem grauen Himmel einzelne Tropfen fallen.
„Zeig N doch mal die Fotos mit den Flugzeugen am Himmel“, schlägt M vor. N ist Meteorologin bei der Luftwaffe, arbeitet dort schon seit zwanzig Jahren und kennt sich bestens mit dem Wetter aus. Denn sie beobachtet es, anstatt es nur auf den Karten und am Computer zu studieren. Ich zeige ihr also die Fotos…,

frage, was das sei, vielleicht Chemtrails? Sie lacht: „Nein, nein, die machen Luftkämpfe! Die Spuren sind vom Treibstoff, Kerosin, der in den großen Höhen zu Eiskristallen wird…“ und sie erläutert uns, wie Wolken entstehen und welche Wolken es grad am Himmel gibt: Altostratus, Zirrus, Kumulus, Altokumulus, dort geht ein Regen nieder, dort braut sich etwas zusammen… O, es ist ein fabelhafte Lehrstunde, die sogar Will.ie in den Bann zieht.
Ich ergreife die Gelegenheit, um N auch über ihre Meinung zu Erderwärmung und Klimawandel auszufragen. Und mir leuchtet sehr ein, was sie sagt: dass die Erde ein lebendiger Organismus sei, der immer für Ausgleich sorge. Die Schrägstellung der Erdachse, durch die die verschiedenen Klimazonen sich vermischen, sei dafür verantwortlich. Befragt nach dem Golfstrom: Wenn der weiter nach Norden wandere, werde es zwar im Norden wärmer, es komme zur Abschmelzung von Gletschern und zum Anstieg des Meeresspiegels, aber zugleich wachse das Eis am Südpol. Natürlich nicht sofort, das seien ja langfristigere Prozesse. Dass der Mensch mit seinen Aktivitäten das Großklima beeinflusse, glaube sie nicht. Dafür sei der Mensch viel zu unbedeutend. Die unterschiedlich warmen Erdepochen hingen mit der Sonnenaktivität zusammen. Auch die Sonne selbst verändere sich, sei jetzt ein gelber Zwerg, der zu einem roten Riesen und schließlich zu einem weißen Zwerg werden wird… Was anderes sei es mit dem Mikroklima, da spielten die menschlichen Aktivitäten natürlich eine große Rolle… „Warum wird eigentlich so viel über CO2 und Erderwärmung geredet?“ will Will.ie wissen. „Nun, vielleicht, weil das Öl langsam knapp wird, man will weniger davon verbrauchen“. – „Ja, das ist klar“, so ich, „aber es wird in einen Zusammenhang mit Erderwärmung und Klimawandel gestellt.“ – „Ich glaube, da gibt es keinen Zusammenhang“, meint N. „Klima wandelt sich immer, unsere Epoche ist da nichts Besonderes. Aber das ist nur meine Meinung.“
Wir sprechen dann noch über den Wüstensand (auch den gibt es nicht mehr als früher schon, meint sie) und über die Passatwinde, die den Saharastaub bis ins Amazonasbecken tragen und ihn befruchten. Die Winde bringen Samen, aber auch Schadstoffe, Bakterien, Pilze jeder Art rund um den halben Globus…Und vom Kumulusnimbus erzähle ich, den ich mal beim Überflug über die Alpen sah und in dem die Blitze hin und herrasten – ein Thron für Zeus. Natürlich habe ich nicht mitgeschrieben und die Unterhaltung verkürzt wiedergegeben. Aber verfälscht habe ich sie nicht.
Zu gern möchte ich noch mehr von N erfahren. Sie kennt sich aus und hat einen klaren Verstand. Sie verlässt sich nicht auf computerisierte Datenmengen und Modellrechnungen, sondern schaut täglich in den Himmel. Denn sie ist für das Wohl und Wehe der Kollegen in den Militärflugzeugen verantwortlich und darf sich nicht irren. Ob sich das griechische Wetter in den letzten zwanzig Jahren, seit sie den Beruf ausübt, verändert habe? frage ich zuletzt. „Nein“, sagt sie. Sie habe nichts dergleichen beobachten können.
Dann machen wir uns auf den Rückweg. Die noch jungen Pinien (links im Bild unten), die nach den letzten Großbränden gepflanzt wurden, wirken geschwächt, fast schon abgestorben. Die Pinien-Prozessionsraupen haben sich sehr vermehrt und ihre Nester in den wenigen Bäumen gebaut. Auch dies ist keine Folge des „Klimawandels“, sondern der menschlichen Eingriffe in die Natur: Der Rückgang der Waldbestände führt zur Überlastung der übrig gebliebenen Bäume. Und der Boden, der nicht von Wald bedeckt ist, erodiert, erwärmt sich übermäßig, vertreibt den Regen, der nicht bis zur Erde gelangt….
