Abendspaziergang mit einer Freundin im Stadtwald Syngrou. Schön war es.


Lieber Gerhard, das erste Bild – ein Insekt, das sich auf meiner Hose positionierte – poste ich in der Hoffnung, du kannst ihm den ihm zukommenden Namen geben-

Das zweite ist ein Beweisfotos dafür, dass ich keine „Verweigerin“ bin (Bezug:deine Kommentare bei mir, unter „Zeichnen im Cafe neben dem Steueramt“). Den Fisch habe ich inzwischen verspeist. Er war ausgezeichnet zubereitet, wohlschmeckend und nahrhaft. So wünsche ich mir alles, was ich zu mir nehme. Ich verweigere nur, was ich als für mich schädlich erachte. Und ich finde, da sollte mir niemand reinreden. Und schon gar nicht der Staat, der mich überhaupt nicht kennt.

Eben las ich bei Joachim Schlichting den Eintrag über einen Miniaturvulkan im Asphalt.
Das traf sich gut mit meinen eigenen Absichten. Denn auch ich wollte heute zwei Fundsachen vom gestrigen Spaziergang zeigen, die ich Mini-Vulkane getauft hatte.
Den ersten fand ich am Stamm eines Eukalyptusbaums. Daneben hatte sich ein zweiter kleinerer Krater aufgetan.

Einem Exemplar des nächsten Mini-Vulkans ist sicher schon vielen begegnet. Ich jedenfalls sehe diese Art hier sehr oft. Es sind die fleißigen Ameisen, die ihn erschaffen. In den Krater schleppen sie, was ihnen nützlich erscheint.
Ich gebe gern zu, dass meine Mini-Vulkane von ihrer Substanz und Entstehungsgeschichte her Joachims Bitumen-Vulkan nicht nahe kommen, aber es gibt eine Formenähnlichkeit mit den Großvulkanen auch hier. (Für mich gibt es drei Vergleichsobjekte: den Ätna, die Caldera von Santorin und den Berg Vulkano in Messenien, dessen eingesunkener Krater eine eindrucksvolle Gipfellinie bildet)
Und da ich schon mal bei Formenähnlichkeit bin: Hat diese schöne, ebenfalls gestern fotografierte Pflanze womöglich als Vorbild für unsere Techniker gedient, die die Stromleitungen verlegen?
Hier seht ihr einen solchen Techniker am Werk:

In den Stadtpark ging ich heute nicht nur, um Eichenblätter und Schildkröten zu fotografieren, sondern auch um zu zeichnen. Ich suchte einen Platz zum Sitzen, fand ihn in einem Rundplatz, in dessen Mitte drei Pinien stehen, von denen die eine nur noch ein Baumstumpf ist.
Am Rande des Kreises gibt es noch eine Gruupe von drei Pinien. Sie wirken eingebetteter. Die Zypressen im Hintergrund hätte ich gerne isoliert, aber man kann sich den Sitzplatz – in diesem Fall in umgefallener Stamm – nicht aussuchen.
Jedenfalls zeichnete ich diese beiden Motive, und wie immer, wenn ich draußen zeichne, tut mir hinterher der Rücken weh, aber ich bin zufrieden, denn ich habe mich mit einem Stück Natur tiefer verbunden. Ich habe der Bewegung der Stämme und dem Schuppigen der Rinde und dem verstümmelten Stamm nachgespürt, bin den geschwungenen Linien der feinen Zeige, an denen die Nadeln büschelweise sitzen, gefolgt, habe Licht und Schatten wahrgenommen.
Und ein Ergebnis meiner Überblendungsversuche. Mir hat sich die eher gleichgültige Baumgruppe nun, da ich sie gezeichnet habe, tief eingeprägt.
Heute nachmittag war ich in unserem Stadtwald Syngou unterwegs. Nicht nur ich, natürlich. Einen anderen Spaziergänger seht ihr auf dem Foto. Ja, einen, nicht zwei. Du wirst doch den Stein nicht, so wie ich es einen Moment lang tat, für die Gefährtin der Schildkröte gehalten haben? Ts ts ts.
Zweimal Eichenlaub, gegen das Licht fotografiert. Das Chrorophyll zieht sich zurück (dazu die Erläuterungen bei Joachim Schlichting, zB hier )
Kurz vor Sonnenuntergang kam meine Nachbarin, die Malerin Efi, und holte mich zu einem Bummel ab. Wir wollten noch schnell ein wenig zeichnen. Schön wars, der Boden und die Pinien vom rötlichen Abendlicht getränkt.
Das Zeichnen der gewaltigen Bäume ging mir leicht von der Hand.
Eigentlich hätte ich es dabei belassen können, aber ich hatte Lust, erneut das Überblenden auszuprobieren. Doch das gelang mir trotz aller Mühe nicht. Die Ergebnisse befriedigten mich nicht. Da nahm ich die digitale Schere und schnitt meine Zeichnung aus, machte sie kräftiger, klebte sie auf diverse Hintergründe. Mal wurde sie zur winzigen Vignette auf blauem Himmelsgrund…
dann wieder legte ich sie über das Foto eines alten Feigenkaktusblatts …
und schließlich vor die Unwetterwolke, die mich in der vorigen Woche so beeindruckt hatte.
Was mir dabei aufging, war, wie unterschiedlich wir die Größe wahrnehmen, je nachdem, in welchem Kontext ein Gegenstand erscheint.
Ihr kennt das Hundeschild: „Hier müsst ihr leider draußen bleiben“, das nun auch für uns „Ungeimpfte“ vielerorts gilt. Also muss mein „geimpfter“ Ehegatte so manches erledigen. Ich fahre ihn hin und … warte. Ich hasse aber das Warten. Ich möchte meine Zeit selbstbestimmt ausfüllen. Und so habe ich mich heute ins Cafe neben dem Steueramt gesetzt und die dort abhängenden Gestalten konterfeit.
Es handelte sich um Männer, die wohl in Päuschen von der Büroarbeit nebenan machten. Manchmal wechselten sie Worte, dann wieder stellten sie die Beine um, drehten den Kopf zum Lieferwagen, der vorfuhr und nach vollbrachter Anlieferung wieder abfuhr. Einmal stand einer auf, wechselte zum Nachbartisch, widerwillig verschoben die dort Sitzenden ihre Gliedmaßen, um für seinen Stuhl Platz zu machen.
Die erhöhte Platform mit dem Tisch begrenzt ein Staketenzaun, darüber spendet ein riesiger Sonnenschirm Schatten, und dahinter werden Straßenbäume, ein Kiosk, Verkehrsschilder und Autos, eine Bushaltestelle und gelegentlich auch Menschen sichtbar. So ungefähr waren die Herrschaften in diesem Surrounding plaziert.
Ja, sie saßen weit entfernt – zum Glück, denn sonst hätte ich sie kaum unbemerkt zeichnen können. Dennoch ist es für die Bildwirkung natürlich besser, sie ein bisschen größer erscheinen zu lassen.
Das Vorübergehende, Ephemere der menschlichen Erscheinung im fest gefügten Raum kommt hier ganz gut zum Ausdruck, doch ist die Bildwirkung immer noch sehr schwach. Also vertiefe ich die Linien, mache die Zeichnung weniger transparent, schneide aber Teile aus, so dass das Umfeld sichtbarer wird, und setze die Figuren ein wenig um. Durch ein ausgeschnittenes „Fenster“ wird die andere Zeichnung sichtbar.
Am Fuß des Lykabettos spazierten wir heute, viele Stufen gings hinauf. Aber das lässt sich gut aushalten, wenn sich die schönen Ausblicke aneinanderreihen und sich über allem ein blau-weißer Himmel spannt. Recht weit oben machten wir ein Päuschen mit Kaffee und frisch bereitetem Obstsaft. Der Blick nach unten reizte mich, und so machte ich eine schnelle Skizze sowie ein Foto, nur um beide zu Hause zu überblenden. Was erwarte ich mir davon? Das Fotomotiv wird durch die Zeichnung ein wenig der Wirklichkeit entrückt, beginnt zu träumen und ein Eigenleben zu führen in den unbekannten Bereichen, die sich zwischen dem Notwendigen und dem Willkürlichen dehnen. So jedenfalls scheint es mir.
Wenn du genau hinschaust, siehst du, wie das Obergeschoss mit der Terrasse sich vom Gebäude löst und als Ausflugsboot in den blauweißen Himmel treibt.
Die Originale:

Noch einmal: Das neue/alte Projekt ABC
Eben spazierte ich ein wenig in Bloghausen herum und stieß auf Puzzleblumes Beitrag zu Wortmans Projekt ABC: T wie Tische. Sie hängt hinterher, sagt sie – und holt nach. Was liegt da näher, als dass ich mich ihr anschließe und auch nachhole, zumal ich eben von einem köstlichen T wie Tiramisu gegessen habe? Und das kam so:
Nach einem Bummel am Lykabettos gingen Freundin E und ich in die Außengastronomie des Byzantinischen Museums, denn wir lieben beide den schönen Blick, die Ruhe und die leckeren kleinen Speisen. Der Kellner brachte uns zuerst zwei Gläser Weißwein und entleerte das eine – keiner begriff wie es geschah – mit Schwung über die Freundin. Wir lachten und entschuldigten ihn, aßen, sprachen über den Gegensatz von logischen Abläufen und Zufällen und was womöglich alles unbeachtet dazwischen liegt (nun ja, auch darüber sprachen wir), genossen unser Essen und unsere langjährige trotz großer zeitlicher Lücken immer lebendige Freundschaft.
Zum Schluss kamen als Wiedergutmachung für den unbestellten Weinguss zwei große Stücke Nachtisch. Ich bekam ein Tiramisu, grad recht um es hier in Wortmans ABC vorzustellen
Natürlich hätte ich mit demselben, wenn nicht sogar mit größerem Recht das Wort T wie Treppen wählen können, denn jeder, der Athen und den Lykabettos kennt, weiß, dass nicht nur Tiramisu, sondern auch das Treppensteigen zum Athen-Genuss gehört. Meine erfahrungsgestützte Empfehlung ist, beides sinnvoll zu kombinieren.