#allesdichtmachen (Vorsicht, Satire!)

Neugierig geworden durch einen Hinweis im Tagesspiegel, schaute ich mir eine Produktion von über fünfzig deutschen Schauspielern an, und musste erkennen: Endlich sind sie zur Vernnft gekommen. Endlich sehen sie ein, dass Theater Superspreader sind und daher für immer geschlossen bleiben müssen. Und da sie zur Vernunft gekommen sind, unterstützen sie ohne Wenn und Aber jedwede Maßnahme, die sich die Regierenden noch ausdenken könnten. Es ist zu unser aller Wohl.

Eigentlich bräuchte ich diesen Link hier gar nicht zu setzen, denn ihr seid ja sicher alle ihrer Meinung: Alles dichtmachen ist die Lösung! Aber vielleicht ist der eine oder die andere noch zögerlich? Vielleicht brauchst du noch eine Stärkung deiner Moral? Dann schau mal hinein!

Hinweise zur Verlinkung gibt es auch in der ZEIT, also bin ich heute in guter Gesellschaft.

Zitat ZEIT: Künstlerinnen und Künstler wie Ulrich Tukur, Volker Bruch, Meret Becker, Ulrike Folkerts, Richy Müller, Heike Makatsch, Jan Josef Liefers und viele weitere verbreiteten am Donnerstag auf Instagram und YouTube gleichzeitig ironisch-satirische Clips mit persönlichen Statements zur Corona-Politik der Bundesregierung….

Nur zu! Keine Angst! Schau hinein! Freilich, so entnehme ich den Leserzuschriften der ZEIT, wirkt auch diese Arznei wiederum spaltend. Da wird auf der einen Seite unerwünschtes Lob über die Schauspieler ausgeschüttet, auf der anderen Seite geht das Bashing los, dass es einem den Kopf fast abreißt. Chef-Satiriker Böhmermann, sonst ja kein Sensibelchen, macht vor, wie man alles wieder ins Lot bringt: man möge sich „die ARD-Doku aus der Berliner Charité mit den Titel Station 43 – Sterben“ ansehen. Das ist natürlich ein schlagendes Argument: besser nicht ins Theater gehen, sondern lieber die ARD-Doku ansehen. Damit auch diese schäbigen Schauspieler wissen, wie Sterben geht.

Wie Leben geht, lernt man so freilich nicht, Herr Böhmermann.

YouTube

 

 

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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34 Antworten zu #allesdichtmachen (Vorsicht, Satire!)

  1. nandalya schreibt:

    Ich halte mich an Ulrike Folkerts: „Gebt mir mehr.“ Mehr führt nämlich zum überlaufen. Ja. Vielleicht ist das der Trick.

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  2. Lopadistory schreibt:

    Böhmermann ist für mich (OK, ich sag’s lieber nicht) … Liefers rudert auf Insta bereits zurück. Die rechte Keule mit der man diese Aktion zu erschlagen versucht, zeigt Wirkung.

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  3. romanfidel schreibt:

    Sich von artiger Satire zu distanzieren ist ja nur das i-Tüpfelchen heutiger dummer Meinungen. Durch diese Dummheiten blicke ich nicht mehr durch 😉

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  4. romanfidel schreibt:

    Wegen mir könnte dieses dumme Spiel mit Deinen „Vorhängen“ ja ewig weitergehen, aber ich mache langsam schlapp 😉

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  5. Herrlicher Beitrag! Lieben Dank, ich werde ihn teilen, ich hoffe das ist ok. Die Aktion #wirmachendicht finde ich super. So wie generell das meiste was ENDLICH mal den Mund auf macht und sich rührt. (Ums Sterben muss Heer Böhmermann sich nicht sorgen, der deutsche Michel scheint schon mehr als Scheintod ob seiner Obrigkeitshörigkeit. Herr Böhmermann – auch einer der die Moralkeule dieser Zeit sehr weit schwingt … ja ja. Nur zu. Alles was hin-schwingt schwingt auch zurück. Schöne Grüße und ein schönes Wochenende 🌸

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  6. Pingback: #allesdichtmachen (Vorsicht, Satire!) – EinzigHEARTig unARTig

  7. Ingrid Spieker schreibt:

    „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.“ Joachim Ringelnatz
    Ich brauche die Satire * den Humor zum Atmen und bedanke mich bei den besonderen Schauspielerinnen und Schauspielern *
    Ingrid

    Gefällt 2 Personen

  8. Johanna schreibt:

    Ich habe davon gehört, aber fast noch nichts davon gesehen. Ja der Humor oder die Satire ist in solchen Zeiten die letzte Form Wahrheit zu sagen…. und auch eventuell den Zauber (die Verzauberung) zu brechen (break the spell). Bei denen, wo noch ein Türchen offen ist, kommt es an und kann wirken. Wo die Türe zu ist, kommt nur Todschlag. Aber diese Reaktion als solche zeigt ja schon, dass sich hier Wahrheit zeigt…….!

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Johanna. Finde ich interessant, was du zum „Türchen“ sagst. Immer versuche ich, einen Fuß in der Tür zu meinem Mitmenschen zu halten, auch wenn jener sie zuschlagen will. Die Reaktionen waren sehr gemischt, das ist schon mal gut. Laschet, neu gekürter CDU-Kanzlerkandidat, fand es unglaublich, dass manche forderten, den Künstlern zu kündigen. Ihre Aktion sei voll durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Auch sagte er, dass nicht nur die gesundheitlich Betroffenen, sondern auch andere, die schwer unter den Beschränkungen leiden, Gehör finden müssen. (Las ich in der WELT)

      Gefällt 3 Personen

      • rotewelt schreibt:

        Ja, das war mal Neues aus dieser Richtung, ich war ganz überrascht. Zwar hat er sich von der Aktion distanziert, aber immerhin… Und die Schauspielergewerkschaft fällt den Künstlern in den Rücken, aber das erstaunt mich nicht, weil alle Gewerkschaften in Deutschland fertig haben, niemand vertritt mehr seine Klientel.

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      • Johanna schreibt:

        Danke Gerda, ja da folgst Du der deutschen Politik noch intensiver als ich.. ja es gibt zwischendrin solche ’normalen‘ Ansichten, die mal normal waren… auch hier in der UK bin ich froh, dass man noch immer nicht gegen Maskenlose (hier kann man sich selber einen Attest austellen), gegen Ungeimpfte und solche, die das App nicht benutzen wollen, diskriminieren darf. Ich hoffe, das bleibt auch so 🙏

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      • Johanna schreibt:

        Ooops mein Kommentar ist verrutscht….

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  9. elsbeth weymann schreibt:

    Die Satire „allesdichtmachen“ habe ich angeschaut. Gut, treffend. Ich kann die Künstler verstehen. ABSOLUT. Wir brauchen Humor. Er rückt die Dinge in andere Perspektive.
    Aber es folgte eben auch–wie leider zu erwarten: Der Große Applaus von AfD und anderen Rechtssaußen.
    Nicht zu vergessen !— die andere Seite — sieht man hier. Die konkrete Situation in der/ den Klinik(en).( Es reichen auch persönliche Gespräche mit Intensivmedizinern,-Medizinerinnen Pfleger*innen, Betroffenen.)
    Das alles zu verharmlosen ist genau so blöde wie die Satire mit Shitstorm zu überziehen. BEIDES hat seine Berechtigung, gehört, wahrgenommen zu werden. Mit Schwarz/Weiß kommen wir keinen Schritt weiter…
    https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL3JiYi1vbmxpbmUuZGUvY2hhcml0ZS1pbnRlbnNpdi8yMDIxLTA0LTE0VDIxOjAwOjAwXzc1YTZhYTgwLThlZjYtNDE3Yy05ZjRhLTI1YjZhZDNkMDRiMC9jaGFyaXRlLWludGVuc2l2LXN0YXRpb24tNDMtZm9sZ2UtMS1zdGVyYmVu/

    Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      Liebe Elsbeth, die eine Seite gegen die andere auszuspielen – das ist wirklich nicht meine Absicht, und sicher auch nicht die der Künstler. Aber ist es wirklich so, dass die Schließung der Theater, Museen, Konzertsäle oder der Schulen, Kita, Kindergärten; Spielplätze, Sportanlagen…. die Situation und Zahl der Erkrankten dramatisch verbessert hat? Und ihre Öffnung daher unverantwortlich wäre?
      Wäre es nicht wirkungsvoller, das öffentliche Gesundheitswesen so auszustatten, dass es nicht ständig am Rand des Zusammenbruchs laborieren würde? Schau dir die Letalitäts-Unterschiede nach Ländern an: Nicht zuletzt wegen der besseren Behandlungsstandards liegt die Lethalität zB in Israel bei 0.7, in Deutschland bei ungefähr 3%. In Lesotho ist sie weltweit am höchsten….
      Vieles ließe sich noch anführen, aber sobald man es anführt, kommt jemand mit Schreckensbildern und nennt dich gefühllos und potentielle Mörderin, weil du ein Wort für die einlegst, die völlig unbeachtet und am Ende ihrer Kräfte sind. Und das sind wahrhaftig nicht nur die Kulturschaffenden.

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  10. elsbeth weymann schreibt:

    Nein, Gerda, dann habe ich mich schwach ausgedrückt ! Ich bin ganz deiner Ansicht, dass die vielen Schließungen, Dauer-Lockdowns, diese immer wieder neuen, z.T blödsinnigen Hauch-Ruck- „Regelungen“, Ausgangssperren, Notbremsen oder…oder nun etwa DIE Lösungen wären. Das meine ich nicht. Ich sehe nur immer wieder, dass die krasse, akute Echt-Situation von Corona oft heruntergespielt wird (..“ne Grippe halt…alles Angstmacherei…“dahinter“ stehen….u.u.) Und DAS ist etwas, was mir gerade nach solchen aktuellen Gesprächen mit Betroffenen doch gewaltig in die Knochen geht. Ich, für mich hasse Mundschutz(Maulkorb), fühle mich in meinen Grundrechten eingeschränkt, gegängelt, unmündig gemacht, fahre zum Unterricht nach Hamburg mit „Passierschein“ für die Bahn u.u.u…all das verletzt und NERVT. Aber das ist nur mein kleiner Teil .Ich kann damit umgehen. Gleichzeitig erlebe ich die völlig verzweifelte Situation der anderen STARK Betroffenen, die Arbeit, ihre Existenz verlieren. Meine Tochter ist Sozialarbeiterin und kann so einiges erzählen…, zwei Freundinnen Schauspielerinnen, eine Dirigentin, ein Freund Opernsänger “ mit seit einem Jahr Mund zu“ …wie er zynisch anmerkt… meine Nachbarin, Mutter von 3 kleinen Söhnen, Lehrerin mit Homeoffice und gleichzeitig Homeschooling. Und das Heer derjenigen, die völlig unverschuldet , alles verloren haben u.u.u…… Die Situation IST ernst, für ALLE. Sehr sogar. Nur das meinte ich.

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Elsbeth, danke für diese Klarstellung. Ich dachte es mir. Aber es war halt nicht so klar ausgedrückt, was du meintest. Denselben Film hatte auch Böhmermann empfohlen. Ich habe ihn mir inzwischen angeschaut.
      Du hast nicht unrecht, wenn du vermutest, dass ich die Covid-Erkrankung für nicht viel schlimmer als die der Grippe einschätze, die Maßnahmen aber für mörderisch für die freie Entfaltung der Menschen, die demokratische Grundordnung und das Wirtschaftsleben. Insofern trifft mich dein Tadel zu recht.
      Ich meine tatsächlich: Nicht Covid legt die Gesellschaft lahm, sondern die Maßnahmen und deren seelische und ökonomischen Folgen tun es. Man kann jetzt darüber streiten, ob Covid die Gesellschaft lahmlegen WÜRDE oder lahmgelegt HÄTTE, wenn es die Maßnahmen nicht GÄBE. Bisher sieht es freilich nicht so aus. Ein paar Einschränkungen wie in Schweden, ein besseres Gesundheitswesen, eine großzügige Hilfe für Alten- und Pflegeheime, dazu der gesunde Menschenverstand hätten wohl in etwa dasselbe Ergebnis hervorgebracht. Das Geld, das man in die Verbesserung des Gesundheitswesens hätte stecken können, wurde vom Rückgang des BSP und der Entwicklung von Impfstoffen aufgefressen.
      Von Anfang an sagte ich: Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben, und dürfen nicht versuchen, ihn durch Abwürgen des Lebens loszuwerden. Davon bin ich immer noch überzeugt.
      Nun beginnt hier die Karwoche. Die Kirchen werden geöffnet sein, obgleich die Infektionszahlen, auch die schweren Krankheitsverläufe hoch sind. Ich begrüße diese Öffnung von Herzen. 5 Monate Shutdown haben nichts am Krankheitsverlauf geändert.. Ab 3. Mai werden auch die Gaststätten und Cafes wieder offen sein. Man wird wieder im Land herumreisen dürfen. Man wird sich treffen, wird miteinander reden. Ich sah mit Vergnügen, wie die Eigentümer ihre Gaststätten vorbereiten, putzen, streichen. Wie ein frischer Wind geht es durch eine erstarrte Gesellschaft.

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