Fünf Weisen, eine Geburtstagstorte zu überreichen (Hannahs Schnipsel, 3)

„Welches ist die beste Art, eine Geburtstagstorte zu überbringen?  Was meinst du?“ frage ich Will.ie. Ich stehe über der schwarzen Pappe mit den Schnipseln und probiere dies und jenes aus. „Die N hat übermorgen Geburtstag, ich will ihr eine Karte in die Torte stecken.“

Will.ie guckt mir über die Schulter, nimmt das Stück mit der Geburtstagstorte zur Hand. „Bisschen klein, macht nicht viel her, deine Torte“, meint sie gelangweilt. Sie hat sich immer noch nicht ganz von ihrer Reise erholt, ist mürrisch und schwer zu haben. – „Komm, hilf mir! Wir legen abwechselnd!“ fordere ich sie auf. „Mal sehen, was dabei herauskommt.“

Und das kam dabei heraus:

Nicht schlecht, dieser Balanceakt eines überforderten Kellners, befinden wir beide. Doch ist es richtig, nur eine winzige Geburtstagstorte zu überbringen? Wären weitere Geschenke nicht angebracht? Also machen wir einen zweiten Versuch.

So kommen wir langsam in Fahrt, und Will.ies Gesicht wird endlich wieder heiter. 🙂

Die Hand vom Froschkönig und das rote Herz sind aus Brunis Wundertüte. Alles andere stammt aus Hannahs Spende. Sehr viele Stücke sind es ja nicht – du wirst die meisten in allen Bildern wieder entdecken. Unbenutzt bleiben nur die Portraitfotos und die Buntstift-Bildchen.

Das letzte Bild müssen wir zweimal legen, denn als wir es zu Fotografieren hinaustragen, kommt ein Wind auf und zerstreut die Stücke. Wir rennen hinterher, um sie einzusammeln.

Und welche Karte soll ich nun für N’s Geburtstagstorte nehmen?

 

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Tägliches Zeichnen: Olivenbaum und Feld-Kapelle.

Im Garten sah ich einen Olivenbaum, dessen rechte Stammseite von der Sonne getroffen wurde, während der Rest sich mit dem Schatten der Mauer verband. Ich versuchte, das in meinen winzigen Reporterblock zu zeichnen – erst mit blauem, dann mit schwarzem Kugelschreiber.

Beim Abendspaziergang machte ich Halt bei einer kleinen Kapelle, die hoch über der Küste liegt. Diese Kirchlein sind nicht viel mehr als schlichte Häuser mit Vordach. Dieses zeichnete ich stehend von hinten, halb verdeckt von Olivenbäumen.

Dann setzte ich mich unter das Vordach und zeichnete dieses mitsamt dem Eingang – eine etwas verrückte Perspektive. Sonnenlicht fiel als scharfes helles Dreieck auf die Vorderfront des Kirchleins und reflektierte an den Glasfenstern der Eingangstür.

 

 

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Montag ist Fototermin (2) Wolkenlandschaften

Nach dem erstickenden Saharastaub gab es heute dramatische Himmel. Wie es gegen Mittag aussah, zeigte ich ja schon:

Gegen Abend machte ich einen weiteren Spaziergang den Berg hinauf.  Leider verdeckte immer irgendetwas den weißen und schwarzen Wolkenberg, die sich knapp über dem Horizont begegneten.

Über dem Meer und auf dem gegenüberliegenden „Finger“ ging wenig später Regen nieder.

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Wenn du dir ein Bild von der Zukunft machen willst … (Kleine Beobachtungen)

Ist die Zukunft schon da?

„Wenn du dir ein Bild von der Zukunft machen willst, stell dir einen Stiefel vor, der in ein menschliches Gesicht tritt – für immer“. George Orwell, 1984

If you want a picture of the future, imagine a boot stamping on a human face—for ever. George Orwell, 1984

„Kleine Beobachtung“ auf einem deutschen Marktplatz in NRW.

 

 

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Montag ist Fototermin: Frische Luft, Kleinstblüten, Erinnerung an Tito.

Die Elemente Erde und Luft haben sich wieder getrennt, ich atme auf, und mit mir die Natur. Die Schwere, die die letzten Tage auf den Lungen lastete, ist verschwunden, die Atmosphäre glänzt und strahlt, das Meer hat seine Farbe zurück. Am westlichen Horizont, über dem Gebirgsausläufer, ballt sich dickes Gewölk, auch das ist schön….

…so schön, dass ich die Szene gleich noch mal heranzoome.

Die farbenprächtigen Frühlingswiesen sind nun schon Vergangenheit, auch die Obstblüte hat ihren Höhepunkt überschritten, dafür aber kommen nun die frischen Blätter des Feigenbaums, des Weins und des Granatapfelbaums zum Vorschein. Einige größere pollenreiche Blüten finden sich noch, insbesondere die Zistrose zieht die Bienen an.

In meinem Garten gibt es dies und das: weiße Rosen, buntfarbige Blumen, eine erste Hibiskusblüte. Im allgemeinen aber übernehmen nun die Kleinstblüten die Herrschaft auf meiner Gartenwiese.

Ich habe übrigens die Prinkipissa mit den Jungen gefunden, indem ich sie nach dem Füttern nicht aus den Augen ließ: sie hat die Kleinen hinter der Efeuwand untergebracht. Eine perfekte Tarnung.

Hinter diese Efeuwand verkroch sich auch Tito, als es ans Sterben ging. Heute Nacht träumte ich erstmals von ihm: er war sehr lebendig und lustig, wollte mit zwei großen Hunden spielen, und ich war besorgt wie immer. Aber ich ließ ihn spielen, und alles ging gut.

 

 

 

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Hannahs Schnipsel (2): Verpuppungen und Modeschau

Natürlich musste ich noch etwas weiterspielen, diesmal auf schwarzem Grund. Habt Spaß!

Verpuppung

Mode für Verliebte

und noch mal von näher:

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Kunst am Sonntag – mit Hannahs Schnipseln.

Eine neue Schnipselspende ist bei mir angekommen: Die Dichterin Hannah Buchholz hat sie mir geschickt. (https://hannahbuchholz.wpcomstaging.com/).

Voller Vorfreude zog ich sie heraus und  breitete sie aus.

Der erste Kontakt mit fremden Schnipseln ist immer ziemlich aufregend. Da liegen ja Seelenschnipsel vor mir, die ich lesen muss. Erst langsam mache ich sie mir zu eigen und schaffe dann später das Meine daraus.

Diese Spende fühlt sich wieder ganz anders an als alle vorangegangenen. Am meisten ähnelt sie noch der zweiten von Ulli Gau, da sie eigenständige Zeichnungen enthält, und Brunis Wundertüte mit den Herzen und Poesiealben-Oblaten. Doch es gibt auch bunten Fotodruck und einfache Musterstücke wie bei Susanne B, gedruckte Sätze wie bei Lyrifant, dazu auch Fotos von Gesichtern, handschriftliche Fetzen und anderes mehr. Hier die Übersicht über alle Schnipselspenden bei der ersten Besichtigung. Ich hoffe, ich habe niemanden vergessen?

Die neuen Schnipsel sind für mich recht schwierig zu handhaben, da sie sehr viele Eigenmotive und unterschiedlichste Farben und Formen haben. Als erste Annäherung legte ich heute dies:

und dann jenes:

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Zwei Hafenskizzen (tägliches Zeichnen)

Nichts Besonderes, nur zwei Hafenskizzen,  die ich gestern in einer Einkaufspause auf der Rückseite einer geviertelten Quittung machte.  Eigentlich wollte ich die beiden einsamen Segelboote, die am Kai schwappten, zeichnen, aber auf den Stufen daneben saß eine Anglerin. Ich fragte höflich an, ob ich mich in 2 m Entfernung hinsetzen dürfe, aber sie war ungehalten. Nur mit Maske, meinte sie. Ich: aber wir sitzen doch im Freien, der Abstand ist größer als 1.5 m. Es half nichts, und so verzog ich mich, hockte mich auf einen Rangierwagen und skizzierte das fast leere Hafenbecken, das durch das langgestreckte niedrige Zollgebäude abgeschlossen wird.  Darüber sind etliche Etagen von Hochhäusern zu sehen.  Das Gebirge dahinter war in dichten Saharastaub gehüllt.

Ich zog dann etwas weiter, fand ein lohnendes Motiv: zwei dicke, einst sicher sehr ansehnliche Motoryachten lagen da wie gestrandete Wale und faulten vor sich hin. Dahinter ein ausrangierter Bus. Ich skizzierte die eine Yacht und nahm mir vor, dies Motiv noch öfter aufzugreifen. Hat irgendwie Symbolwert, wie das Kino und der klapprige Bus in Ransmayrs Ovid-Roman „Die letzte Welt“.

 

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Will.ie (Originalton): Als Katzenpflegerin hat man es auch nicht leicht.

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„Ja, Will.ie. Auch der Katzenpflegerberuf hat seine Höhen und Tiefen, seine Freuden und Tücken. Eben noch jubelt man über die schöne Mutter und die lieblichen Kleinen – dann sind sie weg, und man weiß nicht wohin. Mama hat sie weggetragen.

Nun geh schon, geh, Will,ie, und schau dich um. Vielleicht findest du sie. Oder du lockst sie her, indem du ihr Bett bequemer machst und den Schutz verbesserst. Vielleicht störte es sie, dass in der Stube lange Licht brannte, also bau einen Sichtschutz oder besorg einen Katzenkorb.

Was sie braucht, ist nicht nur gutes Futter, sondern auch Ruhe und das Gefühl der Sicherheit. Dann kann sie manchmal ihre Augen ein wenig schließen und sich entspannen.“

Hoffentlich bringt sie die Kleinen zurück. Will,ie braucht das gerade sehr.

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Haltose Hüte (kata-strophale abc-etüde)

Schreibeinladung für die Textwochen 14.15.21 | Wortspende von Ludwig Zeidler und Irgendwas ist immer

abc.etüden 2021 14+15 | 365tageasatzaday

Haltlose Hüte sind ein Graus,

sie fliegen mit dem Winde fort

Für jeden Menschen brauchts ein Haus

Für jeden Hut nen festen Ort

Der Hut ist für den Menschenkopf

und mag nicht ohne sein

Wie Deckel für den Henkeltopf

Die sind gar nichts allein.“

So sprach der große Denker Pierre

Massierte sich das Kinn

Er dachte bei sich hin und her

Und dachte her und hin.

Die Lösung kam dann über Nacht

Als er sich ausgeruht

Und  gar nicht mehr daran gedacht:

Er sah nen Sonnenhut.

Der lag allein am Boden rum

Und wusste nicht wohin

Er fühlte sich ganz schrecklich dumm

Und traurig ward sein Sinn.

Der Pierre sprang auf, nahm Buntpapier

Und baute Menschenköpfe

(Am Ende zeigte er sie mir)

Betrachtet die Geschöpfe.

„Sie sind ja eigentlich ganz nett

Doch brauchen sie nen Hut!

Der Hut macht erst den Kopf komplett

Und auch dem Hut

dem tut es gut

hat er nen Kopf.

Als wie der Topf dem Deckel

ein Bett ist in der Nacht

und wie das Geld das Säckel

erfüllt und glücklich macht,

so soll dein Haupt dem Hute dienen

barhäuptig niemals sein.“

Das ist dem Pierre im Traum erschienen.

Mir leuchtet’s ein.

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