Noch bin ich nicht recht angekommen in Athen. Die Seele ist bekanntlich langsamer als der Körper. Bilder von vorher hängen nach und schieben sich über das Jetzt.
Auch hier in Athen regnet es. Aber es ist ein anderer Regen. Ein mittelgrauer Himmel, in dem dunklere Wolkenfetzen schwimmen, wird durch das Fenster sichtbar. Der Donner rollt über Attika.
Ich denke an die Sonnentaler auf dem Tavernenboden, wo wir zuletzt fast allein waren. Nun sind auch wir abgereist. Die Sonne aber streut, wenn sie scheint, weiterhin ihre Sonnentaler durch das löchrige Schilfdach.
Ich nehme das Foto einer beliebigen Athener Straße, lösche die Farben fast ganz aus und projiziere den Sonnentaler-Tavernenboden hinein.
Oder nehme ich doch lieber die Zeichnung vom klassischen Athen und pflanze den Tavernenboden dort ein? Vielleicht aber ist die Verfremdung zu gering. Pflaster ist Pflaster, kaum jemand wird die Fälschung bemerken, wenn man ihn nicht mit der Nase drauf stößt. Also nehme ich diesmal die Sonnentaler auf der hölzernen Tavernentischplatte und schmücke damit den Platz vor den neoklassischen Gebäuden der Akademie und Universität Athens. Bald wird ihn das rot und weiß karierte Tischtuch bedecken, und Salzstreuer, Wasserkrug, Ölfläschchen und Brotkorb werden herangebracht. Lasst uns speisen! Was gibt die Küche heute her?
Doch wer weiß. Vielleicht wird nicht die Wirtsfrau kommen, sondern das Meer mit seinem Geröll und seinem bitteren Nass und wird all das schön Gebaute zurückholen in seinen unruhigen Schoß? Wer weiß.


























