Schilfwurzel (tägliches Zeichnen, Fotografie)

Wenn man in einem depressiven Loch zu versinken droht, tut man gut daran, sich eine Schilfwurzel vorzuknöpfen und sich an ihr herauszuziehen. Das habe ich auch früher schon getan, zB hier, denn die urigen Formen dieser Wurzeln sind ausgezeichnete Anreger für Fantasie und Humor.  Diese große Wurzel, die ich gestern vom Strand mitbrachte, zeichnete ich heute vormittag in einem großen Block:

Ein bisschen mühsam war es schon, die schwere Wurzel ruhig zu halten und gleichzeitig mit der anderen Hand zu zeichnen.

Auf dem Wäscheständer trafen sich dann beide – Original und Zeichnung – zu einer Fotosession.

auf

 

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Dora zum Zehnten: danser encore (ein Beitrag zu Petras „Zündstoff Hoffnung“)

Heute freute ich mich sehr, einen neuen Betrag von Petra zum „Zündstoff Hoffung“ zu sehen: Tanzen! Dora saß mir wie gewohnt auf der Schulter.

Sind die Bilder nicht großartig? frage ich sie. Ich möchte am liebsten gleich lostanzen. – „Und warum tust du es nicht?“ – Ach, vielleicht, irgendwann.  „Was heißt hier irgendwann? Tu es jetzt!“ fordert mich Dora auf.  „Tanzen ist Befreiung. Tanzen ist Sein.“

Seufzend mache ich mich auf die Suche nach einer passenden Musik. Danser encore, denke ich. Das habe ich doch schon mal veröffentlicht. A ja, hier:

Danser encore! Flashmob und Denkstoff

Aber was ist mit dem „Denkstoff“ passiert? Das Video ist nicht mehr verfügbar. So so. Schluss mit Denkstoff. Hier wird nicht mehr gedacht.

Aber getanzt wird ja wohl noch! Was ist eigentlich aus  „Danser encore“ geworden? Ich finde im Netz nur Aufnahmen vom vergangenen Frühling und frühen Sommer. Danach nichts mehr. Das macht mich traurig.

„Sei nicht traurig!“ sagt Dora. „Ich mache dir ein Geschenk, schau mal in deine Post, da findest du was!“ Und tatsächlich: Als ich die heutigen Mails durchlese, finde ich im Blog von Vera Lengsfeld einen Gastartikel von Michael Mross:

Danser Encore – Spontane Aktion in Berlin 

Dora ist eine Zauberin! So eine schöne Synchronisation. Die zweite heute schon. Dann wollen wir mal tanzen!

Doch während ich den tapferen Musikern im kalten Berlin zuhöre und den paar von etlichen Polizisten dezent bewachten maskierten TänzerInnen zuschaue, kann ich den Rhythmus  nicht finden. Mein Herz verkrampft sich und ich weine.

Nein, nein, wir werden uns nicht unterkriegen lassen. Wir werden tanzen! Immer und immer wieder tanzen!

Tanzen ist Leben, Tanzen ist Befreiung. Tanzen ist Sein.

 

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Das Zittern des Schattens (Tanizaki und kleine Beobachtungen)

„Das Lob des Schattens“ (gr) heißt ein Büchlein von Junichiro Tanizaki, das auf meinem Nachttisch drauf wartet, gelesen zu werden. Mein Neffe Vassilis Botoulas hat es mir, begeistert, ausgeliehen. Und so freute ich mich, heute  bei Joachim Schlichting ein bezauberndes Foto und dazu einen bemerkenswerten Satz aus eben diesem Buch zu finden.

Mit Schattenfotos, die ich gestern abend am Kamin machte, möchte ich dieser schönen σύυμπτωση (symptosi=Zusammenfall, oder nach C G Jung Synchronizität) zuprosten!

Meine Hand zittert leicht – und mit ihr das Glas. Oder? Ist es die fotografierende und nicht die das Glas haltende Hand, die zittert und das Bild verwackelt? Woher soll ich das wissen? Wie soll ich die beiden subjektbedingten Effekte – ich halte das Glas und ich fotografiere mit der anderen die haltende Hand – auseinanderklamüstern?

Die leichte Verdoppelung der Eulenschattenwurfes scheint anzuzeigen, dass auch die fotografierende Hand zittert.  Oder? Ist der verdoppelte Schattenrand womöglich Wirkung einer doppelten Lichtquelle? Sind es also nicht zwei subjektbedingte, sondern zwei objektiv bedingte Effekte – zwei Lichtquellen -, die hier mit einem subjektiv bedingten Effekt – der zitternden Haltehand – zusammenspielen?

So sieht es aus. Denn die Holzeule im rechten Vordergrund ist klar gezeichnet und keineswegs verwackelt. Jedenfalls nicht auf diesem Foto.

Das flackernde Feuer des Kamins mag das Seine zum Flacker-Zittereffekt auf dem Glas beigetragen haben.

Subjektives und Objektives sind im realen Leben unauflöslich verwoben, und das ist gut so. Doch möchte ich gern wahrnehmen, was ICH dem als Wirklichkeit Erkannten hinzugefügt habe.  Was ist außer mir und was ist mit mir und durch mich? Dort, wo sich das objektive So-Sein mit der Handlung des Subjekts berührt, entsteht Wirklichkeit und mit ihr die Chance auf  Veränderung.

Na denn Prost! und „Viele Jahre“!

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Dora zum Neunten: Schenken lernen (Kritzelei auf Weißblech)

Vorhin habe ich eine Kritzelei in eins von Myriades Fotos (Impulswerkstatt) eingebaut. Das Original ist eine großformatige Kohlezeichnung auf Papier von der Rolle. Von der Zeichnung gibt es zwei Versionen. Die habe ich dann mit diversen Filtern bearbeitet, um den Eindruck zu erwecken, dass es sich um einen metallischen, angerosteten Untergrund handelt, in den jemand eine Szene geritzt hat.

„Das sieht ganz echt aus!“ befindet  Dora, als ich es ihr zeige und erkläre. „Willst du das nicht deinen Lesern schenken?“ – Schenken?  Wer will denn so was!  Sicher ist niemand interessiert. –  „Das macht nichts“, versichert mir Dora. „Das ist das Risiko beim Schenken. Wenn du das Schenken lernen willst, musst du da durch.“

Ja, ich will das Schenken lernen. Das Risiko, dass niemand an meinem Geschenk interessiert ist, nehme ich auf mich. Da muss ich durch. 😉

Schließlich blühen Blumen ja auch einfach so – werden sie beachtet, ist es gut für beide Seiten. Werden sie nicht beachtet – hören sie dann etwa auf zu blühen?

Wer möchte, darf sich also eine Metallritzzeichnung rauspflücken. Im Bedarfsfall kann ich auch eine Datei in höherer Auflösung per Mail schicken. Die kann man dann auch ausdrucken.

„Und ich unterzeichne höchstpersönlich!“ ruft mir Dora zu. Sie ist zufrieden mit mir.

 

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Impulswerkstatt: Vereisung

Auch das zweite Foto deiner liebenswerten Einladung zur Impulswerkstatt möchte ich nicht unbeachtet vorbeigehen lassen, liebe Myriade. Mit natürlichem Eis kann ich freilich nicht aufwarten, weder mit vereisten Pfützen noch gar mit Eiszapfen. Also musste ich mir etwas anderes einfallen lassen.

Ich saß also grübelnd vor deinem Foto … und siehe da! Plötzlich entdeckte ich in der leicht gewölbten metallenen Oberfläche deines Fotomotivs feine Einritzungen. Ich schaute genauer hin, zog das Blech auch ein wenig auseinander – und da sah ich es deutlich: Vereisungen in den menschlichen Beziehungen. Alle Personen hinter Gesichtsmasken! Nur das kleine gelockte Kind kommt mir lachend entgegengerannt. Möge es uns den Frühling bringen!

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Dora zum Achten: Auch im Kleinen liegt Größe!

Beim heutigen Spaziergang lasse ich meinen Blick sehnsuchtsvoll in die Ferne schweifen. Dichte Wolkenbänke lagern um das Gebirge, und über dem Meer schwebt ein lichter Nebel. Fernweh packt mich. Reisen. Jedenfalls einen größeren Ausflug machen! „Da drüben auf dem gegenüberliegenden Finger der Peloponnes“, denke ich, „wohnen doch auch Menschen, sogar befreundete! Warum nicht das Auto nehmen und eine Spritztour machen, anstatt brav die immer gleichen Wege zu gehen? Schön ist es auch anderswo, und hier bin ich sowieso*.“

„Wenn du schon beim Sprüchekloppen bist“, vernehme ich Doras leicht singende Stimme, „dann wüsste ich auch einen: Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen. Denn das Glück ist immer da.** Man muss natürlich auch hingucken, sonst sieht man es nicht.“ Und schwupps hüpft sie mir von der Schulter hinunter ins nasse Gras am Wegrand.

Ich bücke mich, um nach ihr zu haschen, und blicke ins Auge eines weißen Blümeleins. Beim Näherhinsehen bemerke ich auch winzige Knospen, die in klitzekleinen Becherchen ruhen, fünfstrahlige Stempel, Früchtchen…., das Ganze kaum größer als mein Daumennagel. „Siehst du?“ ruft Dora triumphierend! „Auch im Kleinen liegt Größe!“

 

Und schwupps ist sie schon zur nächsten Blüte gesprungen. Und zur nächsten und zur nächsten und zum regennassen Halm und zum Rosmarin, wo sie „Halt, warte mal“ ruft, denn sie will unbedingt der Biene etwas Pollen schenken.


*Wilhelm Busch, Plisch und Plum

**Johann Wolfgang von Goethe, Erinnerung

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Verblühende Rose (kleine Beobachtungen)

alternder Rosenmund: redend – schweigend.

Die zweite Rose am Stock ist nun auch dabei zu verblühen. Ihr Verblühen ist anders als bei der vorangegangenen, deren Biografie ich hier nachzeichnete. Ob es anderes Wetter war? Der andere Mondstand? Die Individualität der Blüte? Ich weiß es nicht.

Die beiden Blüten im Vergleich:

Ertaunlich ist auch die farbliche Veränderung. Dieselbe Blüte im voll erblühten Zustand:

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Schiffchen ahoi! bewimpelte Kata-Strophen (abc-etüde)

abc.etüden 2022 01+02 | 365tageasatzadayEin neues Reimgedicht mit Ludwig Zeidlers Wörtern zu Christianes abc-etüden.

 

Schiffchen ahoi!  

           

Ich nähte einen Wimpel

Für unsren alten Kahn

Das Muster ist ganz simpel:

Ein blaues Feld mit Schwan

 

Nun komm schon aus dem Zimmer

Du Stubenhocker-Mann

Es leuchten Hoffnungsschimmer

Dem Lebenskahn voran!

 

Ganz unverzeihlich wäre

Wenn du die Flagge streichst

Und fern vom wilden Meere

Dem Lebenssturm ausweichst.

 

Der Kahn der liebt die Wellen

Und ich, ich liebe dich

Mag auch das Boot zerschellen

Komm her und liebe mich.

 

Und ist der Kahn zerbrochen

Geht über uns die See

Verblichen sind die Knochen

Und uns tut nichts mehr weh.

 

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Dora zum Siebten: Wunscherfüllung

Ein Spaziergang im milden Januarlicht. Unter den Oliven sprießt das Grün, dazwischen gelber Klee  ein paar weiße Margariten. Schön ist das. Aber es ist halt immer dasselbe. „Immer nur gelber Klee und ein paar weiße Margeriten“, nörgele ich. „Auch das Beste wird bei Wiederholung langweilig. Kannst du mir nicht mal eine Frühlingsblumenwiese schenken, Dora?“

Dora, die mir auf der Schulter hockt, hüstelt neben meinem Ohr. „Ahäm“, höre ich, „immer dies ABER. Ihr Menschen seid wirklich schwer zufriedenzustellen. Die Sonne wärmt, die schönsten Wolken treiben über den Himmel, die gelben Kleeglöckchen fangen das Sonnenlicht ein, die kleinen Margeriten haben ihren weißen Strahlenkranz umgelegt…“ – „Ja, ich weiß, liebe Dora. Du hast ja recht. Aber mein Herz sehnt sich nun mal nach Frühlingsblumen. Nicht nur gelb und weiß. Ein bisschen Rot wäre fein.“ Dora seufzt leise. „Na gut, mal sehen, was ich für dich tun kann, du Raupe Nimmersatt“, und sie hüpft mir von der Schulter.

Vor der Haustür nimmt sie mich triumphierend mit einem Blumenstrauß in Empfang. Wo hat sie nur die rote Anemone hergenommen? Jetzt, mitten im Winter….

 

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Haus, Baum: Alltägliches Zeichnen mit Foto-Überblendung

Sitzend unter dem Vordach eines alten Kirchleins schaute ich ins Land. Der Stamm eines Olivenbaums verschmolz fast mit dem hölzernen Pfosten des Vordachs.  Zur anderen Seite hin verstellte mir ein alleinstehendes Wohnhaus die Sicht.  Keine besonderen Motive, doch genug für drei Skizzen im winzigen Reporterblock; Baumstamm – Haus – Astgabel. Dann fotografierte ich die Motive. Zu Hause würde ich Foto und Skizze miteinander überblenden und vielleicht ein wenig bearbeiten.

 

Fotos

Überblendung Foto-Skizze mit digitaler Bearbeitung: Haus

Olivenbaumstamm:

 

Astgabel

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