Blind gezeichnet: Katzen in Bewegung

Schon beim Zeichnen das Mannes wurde mir die Beweglichkeit des Objekts zum Problem. Wie viel mehr bei den Katzen! Nun aber entschied ich mich, mich durch die Bewegung selbst leiten zu lassen. Ich ließ einfach den Stift mit dem sich bewegenden Objekt „blind“ (also ohne Kontrolle durch das Auge) auf dem Papier mitlaufen. Suchte eine Katze eine andere Stellung oder bewegte sich über den Raum, folgte ich ihr mit dem Stift, ohne ihn abzusetzen. So entstanden zwei „Katzenbewegungsbilder“.

Im Gegensatz zu den Katzen blieben die Bäume und der Haufen Laub im Vordergrund an ihrem Platz.

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Blind gezeichnet: Mann mit Buch und Hut

Blind zeichnen – das heißt: wohl das Objekt, nicht aber die eigene Hand und die Zeichenfläche anschauen. Der Ausdruck ist natürlich problematisch, denn blind ist man bei solchem Zeichnen wahrlich nicht. Im Gegenteil: das Auge ist sehr aktiv, konzentriert auf das zu zeichnende Objekt. Das Ergebnis aber sieht aus, als hätte ein Blinder gezeichnet. Woran liegt das? Wenn das Auge die Bewegung des Stiftes auf der Zeichenfläche nicht kontrollieren kann, ist die zeichnende Hand … blind. Sie irrt über die Zeichenfläche wie ein Blinder, den der Führer im Stich gelassen hat.

Die vier Zeichnungen zeigen das Objekt in vier verschiedenen Posen, denen ich blind folgte.

Neugierig, wie sich die uspüngliche Figur im Bewegungsablauf abzeichnen würde, überblendete ich die vier Zeichnungen miteinander und überging das Ergebnis zwecks besserer Sichtbarkeit mit zwei Filtern.

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Altersweisheit im Kata-Strophen-Format (abc-etüde)

abc.etüden 2022 46+47 | 365tageasatzadayhttps://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/11/13/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-46-47-22-wortspende-von-blaupause7/

 

Altersweisheit

Wenn halbherzig du nur und wegen der Rolle

Die einmal dir zufiel – den Grund hast längst du vergessen

sie fiel dir halt zu -, und also erfüllst du

was sie von dir so verlangt hat

halbherzig zwar, doch treu und ergeben,

dann war dein Leben zwar fad, doch so ist das Leben

nun mal, man würde dich später belohnen

im Alter, wenn deine Kräfte erlahmten,

dann wärest du sicher vor Unbill.

So hast du gedacht, so lebtest du auch.

Doch bist du nun fröhlich? Was war dein Gewinn?

Weit besser wäre gewesen, du hättest

vollherzig getan, was dir im Leben so zufiel!

Und tatest du’s nicht: tu’s heute! Zu spät ist es nie.

So sprach, eh sie starb, eine Alte.

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Katzengewimmel (tägliches Zeichnen)

Jungkatzen zu zeichnen, ist eine Herausforderung. Gestern saßen zwei so nett auf dem Gehweg,  ich setzte mich auf meinen Stuhl in die Sonne und schaute ihnen zu. Zeichnen? Kaum begann ich, kamen sie an, saßen und lagen mal hier, mal dort,  platzierten sich zuletzt malerisch auf den Stufen des Hauseingangs, wo Feuerholz für den Kamin lag. Der Gelbe lehnte sein Köpfchen genießerisch an einen warmen abgesägten Ast, die andere ließ ihr Pfötchen über einen dünneren Ast hängen und ringelte den Schwanz um einen leeren Joghurtbecher aus Ton, der manchmal als Fressnapf dient.

Zuerst versuchte ich, die beiden Kätzchen auf dem Weg zu zeichnen (erste Zeichnung oben links). Dann nahm ich mir den kleinen Gelben vor, doch die Geschwindigkeit, in der er seinen Kopf verlagerte, sein Ohr drehte, seine Pfötchen streckte überforderte mich. Daher konzentrierte ich mich auf Teile: wie sieht das Ohr aus? (ein behaartes Blatt), wie die Pfote (rosa Fußballen unter fast durchsichtigen Krallen), wie die Augen? Ach, diese Augen! ein kleines seliges Aufblitzen, ein heftiges Starren, ein schläfriges Schließen, nein, die Augen erfassen -keine Chance.

Nach Fotos zeichnen? Ach nee. Die Alten haben es ja auch irgendwie geschafft, Tiere nach der Beobachtung zu zeichnen, oder benutzten sie etwa ausgestopfte Exemplare?

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Noch ein bisschen Schattenspiel (mit Dora)

Als ich gestern von der Turmterrasse hinunterblickte, sah ich den klitzekleinen goldenen Kater seinen großen schweren Schatten mit sich schleppen. Er merkte nichts davon. Und wenn doch, ließ er sich davon nicht irritieren. Was ging ihn sein Schatten an? Da gab es Wichtigeres zu erledigen.

Mich aber erinnerte das Bild an eine frühere Legearbeit (hier). Da ging  ein Fuchs mit seinem Schatten spazieren …

https://gerdakazakou.com/wp-content/uploads/2018/02/img_4329.jpg

oder war es der Schatten, der den Fuchs mit sich führte?

Dies Spielchen schloss sich an eine andere Überlegung an: Wer führt eigentlich beim Menschen die Regie? Er selbst oder sein Schatten?

Wir leben in einer Jahreszeit, in der die Schatten wachsen. Das ist in Ordnung. Es bewuhigt. Auch wissen wir, dass die Schatten wieder kürzer werden.

Doch wie steht es mit dem menschlichen Zusammensein auf dieser schönen Erde? Ist da dieselbe Zuversicht am Platze?

Der „Schatten“ enthält all das, was als negativ erachtet wird und das anzusehen uns schwerfällt, weshalb wir es lieber unter der Schwelle des Bewusstseins halten. Auch die Menschheit als Kollektiv schleppt einen gewaltigen Schatten mit sich herum. Die unendliche Geschichte von Raub, Neid, Mord und Totschlag, von Ausbeutung, Versklavung, Vergewaltigung und Vernichtung ganzer Völker und Erdteile, von Hass und Verachtung, Verleumdung und Lüge….. sie schleppen wir mit uns herum, und nur manchmal treibt ein Stückchen davon an die Oberfläche. Dann schreien wir auf und zeigen mit dem Figer auf den, der uns das Böse zu verköpern scheint. Man nennt das „Projektion“, denn man wirft das, was im Innern rumort, hinaus auf eine dafür geeignet erscheinende Person. 

„Manchmal will mir scheinen, dass der Schatten der Menschheit die Regie über das Weltgeschehen übernommen hat“, schließe ich meine Überllegungen ab.

An dieser Stelle mischt sich Dora ein, die  bisher schweigend zuhörte.  „He!“ schreit sie, „das Katerchen ist klüger als du! Mit all deiner Philosopherei  verdirbst du dir den Tag! Und mir und ihm gleich mit. So ein feiner Tag! Deine Schwarzseherei  ist wahrscheinlich sone Projektion aus deiner schwarzen Seele, oder was? “ 

 

 

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Tägliches Zeichnen, diesmal auf der Turmterrasse

Wenn du heute Vormittag mit mir auf meiner Turmterrasse gesessen hättest – ich glaube, du hättest gar nichts getan, außer vielleicht mal die Augen zuzumachen, um die Sonne zu genießen. Wie die Katzen halt, die, sowie ich meinen Stuhl verlasse, ihn in Besitz nehmen.

Doch was weiß ich schon von deinen Gewohnheiten! Es ist ja gut möglich, dass du ein aktiver Mensch bist, und daher, kaum dass du das verwelkte Blatt des Aprikosenbaums, das der Wind hergeweht hat, erblickst, aufstehst, um es in die Hand zu nehmen. Du wirst die feinen Unregelmäßigkeiten des Verfalls begucken und den Schatten des Baumblattes auf dem Zeichenblatt spielen lassen.  Und wie du dich an diesem sinnlosen Spiel erfreust, den violetten Löchern im Schatten und den Biegungen und  Scharten des goldenen Blatts nachsinnst, könntest du versucht sein, das Ganze auch auf dem Zeichenblock festzuhalten. Zeit hast du ja, und die Sonne wärmt dir die Knochen. Also los, schnapp dir einen Kugelschreiber, von denen du ja einen  Vorrat angelegt hast ähnlich den Eichhörnchen, die Nüsse horten, nimm den mittelgroßen Zeichenblock, der – leider, leider – ein bisschen wellig geworden ist, denn du trugst ihn gestern mitsamt dem nassen Badeanzug im Beutel vom Strand heim, aber nimm ihn ruhig, es macht nichts, die Zeichnung ist ja nicht für die Ewigkeit gedacht, sondern für den schönen Moment. Ja also.

War es das schon? Bisschen leer das Blatt mit dem Blatt, das übrigens auch eine Rückseite hat, die du genausogut noch daneben zeichnen könntest – samt den Schatten, die das Geländer auf die Fliesen wirft.

Eins Skizze der Berg-Oliven-Landschaft, über der sich hohe weiße Wolken türmen, hast du vielleicht auch gemacht, bevor das Aprikosenblatt deine Aufmerksamkeit beanspruchte.

 

 

 

 

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Royusch VIII: Warum liebt man den Herbst (Olivenernte)

„Warum liebt man den Herbst“, fragt Roland im VIII. Kapitel seines Herbst-Photopojekts.

Da dachte ich: Weil nach einem  großen Sommer nun alles wieder zu grünen beginnt. Weil man, ohne zu schwitzen, den Berg hochkommt. Weil sich am Blauhimmel gelegentlich Wolken zeigen. Weil man die Strände und das Meer für sich allein hat.  Weil man abends den Kamin anmachen kann.

All das und noch viel mehr macht den Herbst liebenswert, aber es gilt genauso gut für den Winter und den Frühling. Außerdem ist es vielleicht nur mein privater Blick. „Man“ – das bedeutet aber: so ziemlich jeder. Warum also liebt man hier in der Mani den Herbst? Na, wegen der Olivenernte natürlich! Jetzt gilt es, das köstliche Öl heimzubringen, die Essoliven einzulegen, die Mühe des Jahres in Geld ausgezahlt zu bekommen.

Von November bis Januar steht die Mani im Zeichen der Olivenernte. Hier ein früheres Foto mit unserem goldgrünen duftenden Öl, das gerade  in der Ölmühle gepresst wird. In diesem Jahr sind unsere Erntehelfer noch anderweitig beschäftigt. Wir müssen uns bis Anfang Dezember gedulden.

 

 

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Hand mit Bauer (tägliches Zeichnen)

„Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt….“ (*Kinderlied)

Im Schachspiel gibt es sie noch beide: die Bauern und die Rösslein. Freilich sind es pro Spieler acht Bauern und nur zwei Pferdchen. Und sie ziehen auch nicht zum Pflügen aufs Feld. Die Pferdchen (Springer) sind mächtiger als die Bäuerlein, sind den Offizieren (Läufern) gleichgestellt. Die Bäuerlein gehen zu Fuß in die Schlacht.

IMG_7422aEinen Springer nahm ich kürzlich in die Hand und zeichnete ihn gleich drei Mal (hier). Heute ist das Bäuerlein dran, für das ich viel Sympathie habe – und das nicht nur wegen des runden Kopfes, der es den Fingerkuppen ähnlich macht. Nein, meine Sympathie gilt den Bauern, weil sie voran ins feindliche Feld ziehen und sich dabei gegenseitig schützen müssen, denn keiner der Großen wird sich seinetwegen opfern. Obgleich als Einzelne schwach, können sie im Verein mit anderen und aus günstigen Positionen heraus sehr viel Kraft entwickeln, ja sie können sogar, wenn alles schon verloren scheint, als Königin fröhliche Auferstehung feiern und den Sieg herbeiführen. Solche Verwandlung ist ihnen zwar selten vergönnt, aber sie sind auch die einzigen, die es überhaupt zustandebringen können. Alle anderen Figuren sind zwar großmächtiger, aber sterbend sich in etwas Größeres verwandeln – nein, das können sie nicht. 

Den Bauern will ich feiern – den weißen und den schwarzen. Er sollte, wenn es nach mir ginge, sein Rösslein einspannen, pflügen, säen und ernten, anstatt in den Schlachten der Großen sein Leben aufs Spiel zu setzen.

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*Kinderlied

Im Märzen der BauerDie Rößlein einspannt

Er pflanzt und er schneidetDie Bäume im Land

Er ackert, er eggetEr pflüget und sät

Und regt seine HändeGar früh und noch spät

Den Rechen, den Spaten,Den nimmt er zur Hand

Und ebnet die ÄckerUnd Wiesen im Land

Auch pflegt er die BäumeMit edlerem Reis

Und spart weder ArbeitNoch Mühe noch Fleiß

Und ist dann der FrühlingUnd Sommer vorbei

Dann füllt sich die ScheuneIm Herbst wieder neu

Es füllt sich der Keller,Der Stall und das Haus

Da gibt es, wenn’s kalt wirdGar fröhlichen Schmaus

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Grünblattleuchten (Montags ist Fototermin)

Dieses schöne Wort hat uns heute Finbar geschenkt:  Grünblattleuchten. Ich lasse es mir auf der Zunge zergehen.

Ich liebe deine Wortschöpfungen, Lu, mit denen du deine bezaubernden und mich immer von Neuem überraschenden Natur-Fotografien begleitest. Doch heute hatte ich einen Einwand.  Mir fiel nämlich etwas ein…, eine Brombeerranke. Die trat mir dieser Tage in den Weg und sprach zu mir: „Fotogafiere mich! Ich bin das Grünblattleuchten!“

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Montags ist Fototermin: Gold und Grün (mit Dora)

Hat eine Farbe eigentlich durch seine Schwingung einen emotionalen Wert unabhängig vom Objekt, das diese Farbe trägt? frage ich mich, versonnen den kleinen Kater und das Aprikosenblatt betrachtend. „Beide sind golden. Der eine ist jung und will erst wachsen, das andere hat ausgedient und liegt besiegt am Boden….“

„Fragen stellst du!“ kräht Dora. „Gold ist Gold! Gold ist immer toll, egal wer es trägt. Ich mag Gold!“ – Klar, Dora mag Gold, ihr ganzes Wesen ist irgendwie golden. Trotzdem bin ich nicht überzeugt. Ich denke an Myriades Hündchen (das vergoldete Opfer) und an so manche andere deplatzierte Goldfarbe. Das sage ich dann auch, und füge hinzu: „Vielleicht wäre es passender, der kleine Kater wäre grün, um seine Jugendlichkeit zu zeigen. „

Dora lacht. „Ein grünes Katerchen?“ prustet sie los. „Und der wird dann, wenn er alt ist, golden?“ Sie kringelt sich vor Lachen. „Ja“, antworte ich grinsend, denn Doras Lachen steckt an, „wie die grünen Jungs und Mädchen, wenn sie viel gelernt haben. Grün ist Jugend, Gold ist Reife.“ – „Ich bin also reif?“ kräht Dora und stellt sich in Positur.

Ich weiß nicht. Golden sind sie ja alle drei, aber reif? Reif ist der Kürbis.

Am besten, ich halte es mit Mephisto, der Fausts pedantischen Schüler Wagner folgendermaßen belehrt:

Grau, teurer Freund, ist alle Theorie,
Und grün des Lebens goldner Baum.

 

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