farbige Filzstifte (tägliches Zeichnen)

Im Bemühen, meine Farbangst zu überwinden und wieder zum Malen zu kommen, habe ich gestern mit farbigen Filzstiften gezeichnet. Das ist ein recht kindliches Medium. Farbmischungen sind nicht möglich.  Man kann die farbigen Linien nur addidativ neben- oder übereinander legen. Das Auge muss sie dann selbst mischen.

Im ersten Versuch nahm ich mir einen Landschaftsausschnitt vor. Hier drei Phasen: Blau – plus Braun – alle Farben.

Dann skizzierte ich die Freundin, die ihrerseits zeichnete, drei Mal: mit braunem Stift, mit rotem Stift und noch mal mit braunem Stift. Diese Zeichnung überging ich dann mit den Farben Orange, Rot und Blau.

Schließlich machte ich mich noch einmal an die Landschaft, diesmal mit einem orange-rot blühenden Busch im Vordergrund, und verwendete Hell- und Dunkelblau, Hell- und Dunkelgrün, Rot, Braun und Orange. Es entstand eine schon fast „malerische“ Landschaft.

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Montag ist Fototermin: Farbharmonie

Spannende Farbspiele, manchmal bewusst fotografiert, oft erst entdeckt, wenn man das Foto betrachtet – sicher kennst du das. Da fragt man dann nicht nach den Gegenständen, sondern lässt sich von den Farbharmonien oder Dissonanzen überraschen. In der Natur scheinen sich harmonische Farbkonstellationen nach den Gesetzen der Komplementarität von allein herzustellen. Das weiße Licht „spaltet“ sich auf, verteilt sich rundum und fügt sich im Auge wieder zur Einheit zusammen. Ein Beispiel wäre das vorhin gepostete Foto der Knoblauchblüte: das Violett und das ockige Gelb sind komplementäre Farben, die Nebenfarben vermitteln zwischen den beiden Extremen.

In unserer mit chemischen Farben angereicherten technischen Umwelt sind die Farbgegensätze viel krasser. Aber auch hier sorgt das Licht für Ausgleich.

Wenn alle Stricke reißen, kann man das Bild auch kunstvoll verwackeln, um Harmonie herzustellen. In der Malerei kann man Entsprechendes durch Verwischen erreichen.

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Knoblauch

Was der Zwiebel recht ist, ist dem Knoblauch billig – dachte ich, als ich mich niederbückte, um einmal in Ruhe eine Knoblauchblüte zu betrachten. Sie sieht ja von Weitem der Zwiebelblüte sehr ähnlich: ein runder Doldenkopf auf langem Stiel, nicht weiß, sondern lila. Soviel wusste ich. Von Nahem aber?

Und da sah ich, dass die Knoblauchblüte nicht aus lauter Sternen, sondern aus Glöckchen besteht. Und war bezaubert.

Zum Vergleich noch einmal die Zwiebelblüte.

 

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Dora zum ZweiundzwanzigstenFünften: Prinkipessa

„Prinkipessa will essen“ –  informiert mich Dora. „Ich weiß“, murmele ich und versuche, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren, ohne mich ablenken zu lassen.

„Prinkipessa will essen“, ertönt nun Doras schon vorwurfsvollere Stimme. „Ich weiß“, sage ich, leicht entnervt. „Prinkipessa will immer essen. Morgens, mittags, nachmittags, abends und zwischendurch auch. Sie muss lernen, dass es nicht jederzeit Fressen gibt.“ – „Aber sie will essen!“ sagt Dora nun, und  ihre Stimme lässt keinen Widerspruch gelten. „Sie ist eine Mama und hat Rechte!“.

Ich seufze. Und greife nach der Futtertüte. „Man darf Katzen nicht die ganze Zeit füttern“, sage ich noch. „Einmal am Tag ist genug. Zuviel füttern ist nicht gut für sie.“ – Aber Dora ist anderer Ansicht. Und Prinkipessa auch. „Deine Experten interessieren mich nicht. Prinkipessa ist anders!“ sagt Dora und  lächelt ihrer Freundin aufmunternd zu.

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Globales versus lokales Dorf (Weltpolitik am Sonntag)

„Indes Europas Edelfäule
an Pau, Bayreuth und Epsom sog,
umarmte er zwei Droschkengäule,
bis ihn sein Wirt nach Hause zog.“

So heißt es in Gottfried Benns Gedicht „Turin“. „Er“ ist Nietzsche, das „Weltgenie“.

Nietzsche ist längst tot und begraben, aber seine Übermensch-Laudatio hat überlebt. „Europas Edelfäule“ hat sie für sich entdeckt. Was treibt unsere heutigen Übermenschen? Was zieht sie an? Nicht Pau, Bayreuth und Epsom, sondern die hybriden Welten von Schwab+Gates. Sie schweben durch die Pforten des Glücks und der Weisheit mitten hinein ins “Global Collaboration Village” – einzeln und allein, und nur, wenn sie sich ein entsprechendes „slot“ gesichert haben. Slot, nicht Schloss – einen Spalt, ein Zeitfensterchen müssen sie sich erkaufen, um einige glückliche Minuten ganz und gar dazuzugehören. Wozu? Zur Scheinwelt des Metaversums der Mächtigen dieser Zeit. Zum kollaborierenden globalen Dorf, dessen Hütten sich die Edlen von Politik-Finanzen-Weltumspannenden Konzernen-ShowBizz solidarisch teilen. Mussolini nannte diese Form der Zusammenarbeit „Korporatismus“*.

Für dich ist das Chinesisch? Weißt nicht, was das ist, die “pioneering WEF initiative to strengthen global collaboration using the metaverse’s immersive, interactive technology”? Auf Deutsch: „wegweisende WEF-Initiative zur Stärkung der globalen Zusammenarbeit unter Verwendung der immersiven, interaktiven Technologie des Metaversums” ?

Aufklären, worum es sich tatsächlich handelt, kann ich dich leider nicht. Ich gehöre ja nicht dazu, ich „kollaboriere“ nicht, ganz im Gegenteil: Ich wünsche den Kollaborateuren, dass sie samt ihrem Metaverse-Dorf möglichst bald kollabieren oder meinetwegen auch, dass sie in ihrem Metaversum stecken bleiben und den Rückweg nicht finden.

Ich gehe indessen ins lokale Dorf, trinke Wasser aus einer sehr realen Quelle und lasse die Kirchen dort, wo die Bewohner sie aus gutem Grund hingestellt haben.

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*Korporatismus bedeutet „zu einem Körper gehörend“.  „Der Geist des Korporativismus (…) war im Wesentlichen der einer Arbeitsgemeinschaft und einer schöpferischen Solidarität, deren feste Angelpunkte die Prinzipien der Sachkenntnis, der Qualifikation und der natürlichen Hierarchie waren, wobei sich das Ganze durch aktives Über-der-Person-Stehen, Selbstlosigkeit und Würde auszeichnete.“ (Julius Evola, ein Vordenker des italienischen Faschismus, zitiert nach Wikipedia). Wenn man die Sprache des WEF unter die Lupe nimmt, findet man genau diesen faschistischen Geist, der sich als „schöpferische Solidarität“ tarnt, während er tatsächlich extrem hierarchische Strukturen mit Unter- und mittleren „Führern“, mit „engstem Kreis“ und „Auserkorenen“ und  einem womöglich anonym bleibenden höchsten Führer (Big Brother) zu realisieren gedenkt.

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Erste Zwiebelblüte geöffnet

Ist das eine Meldung wert?

Für mich schon. Denn nichts ist beruhigender für die durch allzu viele üble Nachrichten geplagten Nerven und gesünder für das aufgewühlte Gemüt, als einer Pflanze beim Erblühen zuzusehen. (Ich schwöre, die vielen ü-Laute sind mir unbewusst in den Text geraten. Vielleicht brauchte ich eine Assoziation zu hübsch, süß, glücklich und vergnügt, vielleicht dachte ich an Hülle, Fülle und Erfüllung?)

Warum es grad eine Zwiebel ist? Nun, das hat sich so ergeben, und ich bedaure es nicht. Im Gegenteil, ich gratuliere mir jeden Tag zu dieser Wahl.  Denn womit ist die Zwiebel assoziiert? Mit Tränen. Weg damit! Eine Rehabilitation der Zwiebel ist dringend geboten.

Nun also ist die erste Knospe dieses doldenartigen Blütenstandes aufgegangen und zum sechsstrahligen Stern geworden.

Wie lang und wohlgestaltet die Staubgefäße sind, habe ich erst beim Vergrößern des Fotos bemerkt.

Das kleinere Zwiebelköpfchen hingegen hat noch sein braves Häubchen auf.

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Dora zum EinundzwanzigstenFünften: Schattentheater (und tägliches Zeichnen)

Nach einem weiten Spaziergang – meine Schrittzähler-App zeigte mir stolze 7 km an!  – ließ ich mich in einem Lokal nieder, um mich auszuruhen und vielleicht noch ein wenig zu zeichnen.

Das Lokal liegt schön, terrassenförmig gebaut direkt am Meer, ist aber leider in keinem guten Zustand. Es gab nicht mal den von mir gewünschten frischen Orangensaft. Ich nahm mit einem industriellen Saft vorlieb und genoss die Ruhe und den Ausblick aufs Meer. Außer mir gab es noch ein Paar, offenbar Nordeuropäer, die diesen Ort für den abendlichen Drink samt Sonnenuntergang erkoren hatten. Dora amüsierte sich, während ich das Paar und die Mohle skizzierte, mit akrobatischen Übungen auf den zahlreichen leeren Tischen und Stühlen. Jedenfalls dachte ich das.

Originalfoto

„Guck mal! Sieh doch mal!“ krähte sie und gestikulierte heftig. Jetzt erst …

bearbeitet: die Wand wurde zur Leinwand

bemerkte ich es: die Stützmauer der Terrasse war zur Leinwand geworden, an der sich nicht nur Dora, sondern auch die Tische, Stühle, das Paar als Schattenbühne abbildeten.

Stützmauer mit Paar und Tavernentischen

Um mich und Dora zu sehen, musste ich mich nur ein wenig nach rechts drehen.

Meine Skizzen? Na, meinetwegen auch die.

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Gruß in Blau

Das Blau dieser Glöckchen scheint über dem Grün zu schweben, es leuchtet mir auf staubigen Wegen entgegen, allein oder in großen Kolonien. Am Abend falten sie sich zusammen, zu Mittag öffnen sie sich ganz.

Ihr Anblick stimmt milde. Sie sind wie eine Heilungshauch für die müde Seele.

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Klaus Schwab rief – und alle alle kamen (WEF-Kongress)

Nein, nicht alle werden da sein, wenn heute das World Economic Forum (WEF-22) eröffnet. Beim lezten gemeinsamen Treffen v.C 2019 war Herr Putin Ehrengast. Nun ist er ausgeladen. Er gehört, jedenfalls solange diese – wie heißt sie doch gleich – in der Ukraine läuft, nicht zu den Guten. Auch Herr Orban gehört nicht zu den Guten, versteht sich. Dafür ist nun ein anderer Präsident, nämlich der der Ukraine, geehrter Gast – bis auch er abgemeldet wird. Schon munkelt man, Selenskys Tage seien ausgezählt. Nun, was weiß ich. Vielleicht ist es auch anders und er ist auch im nächsten Jahr dabei. Talent hat er ja. Jedenfalls hat der Herr Schwab (wer, bitte?) sonst so ziemlich jeden mit Amt und Würden, mit Geld und Macht und Glamour ausgestatteten Mitmenschen ins Schweizer Davos eingeladen. Insgesamt werden ca 2500 Gäste erwartet. Hin kann man nur, wenn man eingeladen ist. Und wer eingeladen ist, kommt natürlich – mit Limousine oder Hubschrauber, es wird sich finden. Jedenfalls nicht mit Öffis. Endlich kann man sich mal wieder sehen und herzlich umarmen oder jedenfalls Hände schütteln und Händchen halten. Lange nicht gesehen.

Auch du kannst virtuell dabeisein, wenn du möchtest. Die Damen und Herren machen ja kein Hehl aus ihren Absichten, sie verkünden sie urbi et orbi wie der liebe Papst. Hier das offizielle Programm und die Selbstdarstellung.

Klicke, um auf WEF_AM22_Programme.pdf zuzugreifen

https://www.weforum.org/events/world-economic-forum-annual-meeting-2022

Da gehen mir die Augen über! “O brave new world, that has such people in it!” möchte ich mit Miranda (Shakespeare, Tempest) ausrufen und begeistert in die Hände klatschen!e9af5b88fb89445f2812fae41a8998d7

Wer kommt aus deutschen Landen nach Davos? Kanzler Olaf Scholz, Vizekanzler Robert Habeck und Lars Klingbeil, der Vize-Chef der SPD. Ts ts ts, wo sind die Damen? Aus Österreich reist Sebastian Kurz – nein, pardon, dieser „Young Leader“ ist nun nicht mehr dabei – , stattdessen reisen nun die Herren Nehammer, Schallenberg und Brunner an. Gewichtige Damen kommen aus Brüssel: Ursula von der Leyen  und Christine Lagarde von der EZB. Mit ihnen reisen etliche EU-Kommissare an. Zahlreiche Regierungsmitglieder aus diversen Ländern werden erwartet. Damit sie erfahren, welche Projekte in Zukunft finanziert werden sollten. Zum Beispiel der deutliche Machtzuwachs der WHO, damit man die Menschen bei der nächsten zur Pandemie erklärten Krankheit weltweit einsperren kann.

Noch ein paar Einzelheiten gefällig? Unter den Eingeladenen befindet sich tatsächlich ein einsamer Putin-Versteher, nämlich der serbische Premier Vucic. Die ukrainische Delegation ist gewichtig:  Selenski, der eine seiner beliebten Reden halten wird, wird leider nur per Video zugeschaltet, aber zehn ukrainische Amtsinhaber reisen an, darunter auch der jüngste Minister, zuständig für Digitalisierung und Stellvertreter von Selenski namens Michael Fedorov (Namen bitte merken, denn  auch er ist ein WEF-Kader und hat sicher eine glänzende Zukunft).

Natürlich kommen nicht nur Politiker, sondern auch die Häupter oder Stellvertreter gewichtiger Einrichtungen wie Goldman-Sachs, Allianz, Amazon, BlackRock, Open Society Foundation, Palantir Technologies, Welcome Trust, Ikea, Roche und Citigroup….

Eine schnuckelige Gesellschaft, auch wenn einige bekannte Häupter fehlen. Ja, leider. Der Chinese Xi (er hat schon ein Video besprochen) und der Amerikaner Biden (er wird in den USA gebraucht) werden diesmal nicht dabei sein, der Russe Putin eh nicht.  Dafür aber kommen viele Menschen aus anderen Reichen, zum Beispiel dem indischen. Das sendet gleich eine Hundertschaft an CEOs, las ich.  Natürlich sind alle Anreisenden geimpft, drei mal sogar. Außerdem haben sie aktuelle Tests vorzulegen – man stelle sich vor, wenn all die hochkarätigen Teilnehmer sich gegenseitig anstecken! 2500 Kranke! Nicht auszudenken.

Und was steht auf der Agenda?

„Working Together, Restoring Trust“ – Zusammenarbeit, Vertrauen wieder herstellen. Wie schön! Bravo! Ja, besonders Vertrauen wieder herstellen. Das wär doch mal was.

Die Themen, die abgehandelt werden sollen, sind weniger originell:

  • Pandemic recovery (Erholung nach der Pandemie)
  • Tackling climate change (dem Klimawandel die Stirn bieten)
  • Building a better future for work (der Arbeit eine bessere Zukunft bescheren)
  • Accelerating stakeholder capitalism (den stakeholder Kapitalismus beschleunigen – nein, ich erkäre dir jetzt nicht, was das ist)
  • Harnessing the technologies of the Fourth Industrial Revolution (die Technologien der 4. Revolution nutzbar machen – wofür? Für neue Waffen vielleicht?  Oder doch, damit wir, um Zeit zu gewinnen,  die Waschmaschine vom Auto aus in Gang setzen können?

Danke euch allen, ihr Weitangereisten! Möget ihr gesund bleiben und gute Beschlüsse über uns und die Entwicklung unserer Welt fassen.

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Was ist Wirklichkeit (Zwiebelblüte und ein bisschen Philosophie)

Ich nehme an, du hast bisher nie das Aufblühen einer Küchenzwiebel verfolgt. Ich selbst bin eher durch Nachlässigkeit drauf gestoßen: Eine Freundin, die gelegentlich das Haus putzt, hatte die zwei Blumentöpfe mit Zwiebeln vor die Hauswand gestellt – und ich ließ sie da. So wuchsen sie vor sich hin. Als ich sie näher betrachtete, gefielen sie mir, und ich begann, sie ab und an zu gießen. Dann kam Dora dazu, die die Zwiebelsprosse als Messlatte benutzte. Und nun schaue ich zu, wie sich das Knospenbündel aus der Hülle herausarbeitet, und bestaune die überraschend schöne Zeichnung der Knospen.

Heute weht ein leichter angenehmer Wind und bewegt das Laub des Aprikosenbaums, das in schnellem Wechsel Licht und Schatten über die Zwiebelköpfchen wirft und auch diese selbst hin- und herschwanken lässt. Ich fotografiere aus immer derselben Position die bewegten Bilder – selbst bleibe ich möglichst bewegungslos.

Wirklichkeit – so schrieb ich zuvor auf Myriades Kommentar zur „Relativität“ hin – konstituiere sich erst in der Interaktion. Was ich hiermit demonstrieren möchte: Wind und Windstöße – Sonne – Laub – Gezweig – Schattenwurf – Licht – Stängel – Knospen – ich – meine Position – Handy-Kamera – Luftdruck – Schwerkraft – Bewegungsgesetze – Elastizität – die Zwiebel schwankt, meine Hand ist instabil  — all das  interagiert. In der Interaktion all dieser „Faktoren“ (die nur durch mich und meine Sprache als Faktoren isoliert werden) erschafft sich Wirklichkeit ständig neu und bringt sie zur Erscheinung. Ohne die Interaktion gibt es „nichts“*. Die subtilen Bewegungen und Lebensprozesse wie etwa Wachstum und Absterben und die noch subtileren des Fühlens und Denkens sind da noch gar nicht einbegriffen. Die musst du dir dazudenken.

…………..

*Das Johannes-Evangelium beginnt mit dem Satz: „en archi ein o Logos“ (von Luther als „Am Anfang war das Wort“ übersetzt). Logos  wurde von Herakleitos (Heraklet, 6.-5. Jahrhundert v.Chr.) in die griechische Philosophie eingeführt. Eine Übersetzung, die die gesamte Reichweite des Begriffs impliziert, ist unmöglich. Goethes Faust übersetzt Logos als Tat. Tatsächlich aber bedeutet Logos im Griechischen auch das „Verhältnis“ zweier Größen, ausgedrückt als Bruch, zum Beispiel 3 : 4. Die Harmonie des Kosmos beruht auf solchen „Verhältnissen“ oder Relationen, die auch als „Taten“ oder eben als „Interaktionen“ bezeichnet werden können (Die Rechenarten heißen im Griechischen praxeis, also „Taten“ wie im Deutschen „Praxis“) .  Johannes, der noch viel von der griechischen Philosophie verstand,  sagt also: Am Anfang von all dem, was entstanden ist, war der Logos (die Relation), und der Logos war seinerseits bezogen auf Gott. Alle anderen Relationen (Gesetze der Natur und des Kosmos) entstanden wiederum in dieser Bezogenheit, nichts entstand und entsteht isoliert, ohne diesen ersten Bezug.

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