„Was machst du denn so lange am Computer?“ fragt mich Dora. „Seit Stunden sitzt du dran und siehst schon fix und foxy aus.“ – Ich schaue Dora aus leicht verquollenen Augen an. „Fertig. Ich hab ne Reise gebucht. Flüge und Hotels.“ – „Und das dauert so lange?“ – „Ja, Dora. Ich fliege nicht allein, also muss man koordinieren, wer will was, wer kann wann, was gibt es überhaupt für Angebote, wie geht das mit der Bezahlung und dem Stornieren…“ – „Stornieren?“ – „Stornieren“, erkläre ich, „bedeutet, dass man, wenn man schließlich doch nicht reist, alles oder ein Teil des Geldes zurückbekommt.“ – „Aber wozu denn stornieren, wo du doch reisen willst?“ – „Klar will ich, aber wer weiß, was bis Mitte Juni, wenn die Reise losgehen soll, noch alles passiert.“
„Ach komm, alte Schwarzseherin!“ schreit Dora. „Nix wird mit Stornieren! Ich sorge schon dafür, dass alles flutscht! Wohin willst du denn eigentlich reisen?“ – „Nach Rom.“ – Dora macht große Augen. „Da, wo der Papst wohnt?“ – „Ja“, sage ich, „der wohnt auch dort. (woher weiß sie eigentlich was vom Papst?) Aber nicht nur er. Außer ihm gibt es noch ein paar Millionen andere, die da wohnen.“ – „Und was willst du in Rom?“ – „Och, mal sehen. Am Tiber spazieren gehen…“ – „Tiber?“ – „Ja, das ist ein Fluss, der durch die Stadt fließt. Den mag ich sehr.“ –
„Und wegen dem willst du nach Rom?“ – „Ja, deshalb. Und auch weil ich die Ewige Stadt mag und lange nicht da war.“ – „Wieso ewig?“ – Na ja, das sind so Übertreibungen. Athen ist älter. Rom wurde nach Athen groß und mächtig und glaubt, dass es ewig stehen bleiben wird. Man kann aber dran zweifeln, so wie die Welt sich grad entwickelt.“ – „Wie entwickelt sich die Welt denn grad?“ – „Ach lass man, Dora, das ist ein weites Feld. Ich hoffe sehr, dass bis zu deinem Ende jedenfalls nichts Schlimmes passiert.“ – „Mein Ende? Bin ich nicht ewig?“ – Ich seufze. „Nein, meine kleine Dora. Du nicht, ich nicht, und Rom vermutlich auch nicht.“- „Und wer bringt die Geschenke, wenn es mich nicht mehr gibt?“
Dora wird still. Sie scheint nachzudenken….

Endlich wieder reisen! Allein dieser Gedanke macht etwas mit mir. Ich beginne zu träumen. Das Strömen des Flusses regt sich in mir und will mich mit sich fort tragen. Auf nach Rom!
Doch bis es so weit ist, heißt es: Geduld haben und hoffen. In Gedanken aber wandere ich bereits mit Dora auf der Via Appia…wie vor nunmehr sechs Jahren zuletzt.
und schaue dem Tiber beim Fließen zu, früh morgens, beim ersten Licht. „Ich freu mich“, sage ich noch zu Dora, bevor ich endlich schlafen gehe. „Gute Nacht“.
