Dora zum EinunddreißigstenFünften: Granatapfelblüten

„Heute ist der letzte Tag des Mai“, sage ich zu Dora und seufze. „Nun bist du schon fünf Monate alt,  und dein Frühling ist verblüht. Was wohl kommen wird?“ – „Der Sommer!“ schreit Dora. „Er ist ja schon da!“

Unrecht hat Dora nicht. Ich schwitze,  sehe Feuer, wo nur Rauch ist, gehe schwimmen in einem Meer, das zwar noch kühl, aber keineswegs kalt ist…. Ich schneide die vertrockneten Blüten des Rosenstrauchs, der in diesem Mai so überreich blühte, ab, schneide auch die Stiele der verblühten Iris ab, rupfe und zupfe die trockenen Stengel der Geranien, die trockenen Gräser: … , eben alles Vertrocknete ab und heraus, um nur das noch Blühende zu erhalten. Es ist ein NOCH, das nun immer fühlbarer wird. Wieder seufze ich.

„Sieh mal den Granatapfelbaum, der ist über und über voller Blüten“, schreit Dora und hüpft auf meiner Schulter rum. – „Ja“, sage ich, „schön sind sie, …

aber mehr Fruchtstände, als am Baum Blüten sitzen, liegen bereits am Boden. Nicht mal Früchte können draus werden“. –

„Du bist eine alte Miesepeterin“, kommentiert Dora. „Wieviele Früchte willst du denn ernten? So wie ich dich kenne, lässt du die meisten sowieso am Baum verfaulen, damit die Vögel, Ratten und Ameisen sie fressen.“ Ich schlucke. Auch da hat Dora nicht Unrecht. Es stimmt: ich bin eine alte Miesepeterin, und die meisten Granatäpfel lasse ich sowieso am Baum verfaulen. Ungern gebe ich es zu. Lieber tue ich so, als hätte ich nichts gehört, und wechsle das Thema. „Willst du einen Hut?“

Sie will! Und schon schlittert sie, ihre Latüchte zum Staubsauger umfunktioniert, über die Fliesen und reinigt sie von den abgefallenen Blütenblättern der wilden Möhre.

 

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Dora zum DreißigstenFünften: arbeitsfrei

Gestern war Montagstreffen – diesmal bei Freundin … nennen wir sie Christina.

Als wir ihr Wohnzimmer betreten, hüpft Dora vor Vergnügen, und ihre Augen funkeln. „Super!“ schreit sie, und „Genau!“ oder auch „Cool“!, während sie das goße Zimmer gründlich  inspiziert. Ich verstehe ihre Begeisterung. Denn dies ist ein Raum, in dem sich die großzügige schenkfreudige heilmittelkundige samenliebende Seele seiner Bewohnerin in jeden Winkel ausgebreitet hat und in Form von Grünpflanzen auch auf den Balkon überschwappt, so dass man das banale Wohnumfeld fast vergisst. Samen, Wurzeln, Bücher, Döschen, Puppen, Säfte, Gebäcke, Tees, Tücher, Kissen, Sessel… alles wohlgeordnet, farbenfroh, einladend.

„Hier ist gut sein, hier lass uns bleiben!“ kräht Dora und lässt sich auf einen breiten Sessel plumpsen, auf dem schon eine Puppe Platz genommen hat. Latüchte und Geschenkeschachtel platziert sie dekorativ und seufzt erleichtert: „Endlich mal nicht arbeiten! Hier sorgen andere fürs Schenken!“

Womit sie recht hat. Und um die Schenkerinnen zu ehren, leiht sie ihnen sogar ihr eigenes Gesicht.

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Extra-etüde – extra kurz

eine extra-kurze Extra-Etüde

Extraetüden 22.22 | 365tageasatzaday

Ach, schlaflos wanderst du durch die Nacht und suchst das irisierende Licht des vollen Mondes in deinen weit geöffneten Augen einzufangen, um es der Welt als heilsames Giraffenlicht zurückzustrahlen. Hast du den Wetterbericht nicht ordentlich gelesen? Kein Mond wird scheinen.

Wie du, liebenswertes langhalsiges Geschöpf, sind wir Menschen von altersher: stets mondsüchtig suchen wir Erleuchtung zu finden, während sich um uns die Artefakte unserer Unermüdlichkeit zu immer höheren Mauern aufhäufen.

kykladische Figur – Bleistiftzeichnung, digital bearbeitet


Dies ist ein Beitrag zu Christianes abc-Etüden

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Aufgehende Kapernknospen (Montags ist Fototermin)

Die Kapernknospen gehen auf. Was nicht geerntet wurde, um als würzige Zutat zu Salaten und Soßen in menschlichen Mägen zu verschwinden, darf jetzt blühen.

Wie Kapern aussehen, wenn sie sich zur vollen Blüte geöffnet haben, habe ich bereits gezeigt. https://gerdakazakou.com/2021/06/15/kapernbluete/

Jetzt aber ist die Zeit der aufgehenden Kapernknospen. Was bietet sich da fotografisch an? Mir scheint, der altrosa Kelch, aus dem in irisierendem Weiß die Blütenhülle hervorschäumt, ist durchaus einen zweiten Blicks wert.

Die Staubgefäße,  die sich in der voll erblüten Kaper so prächtig entfalten, sind hier noch zusammengestaucht und verpackt,  aber man spürt doch schon einen mächtigen Bewegungsdrang.

Eine aufgehende mit einigen noch geschlossenen Knospen, inmitten der saftigen runden Blätter:

Wenn sie es dann geschafft haben, die Hülle zu verlassen, sehen sie zunächst aus wie neugeborene Küken oder Fohlen, und es ist gar nicht leicht, sich die Pracht der geöffneten Blüten vorzustellen – sie ähneln „hässlichen jungen Entchen“.

Dann aber…

 

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Drahtiges

Nicht nur Papierfetzen und Scherben, auch Drähte sind bildungsfähig. Sie sind freilich etwas eigenwillig, haben ihre eigenen Ansichten darüber, was mit ihnen geschehen kann. Sie haben eben, trotz ihrer Biegsamkeit, auch ein wenig Rückgrat.

Drähte haben es schon gelegentlich auf meine Seite gebracht, so etwa hier : ein Gezeichneter zusammen mit seinem Schatten.

oder auch hier als fotografische Draht-Schatten-Spielerei  (zwei Beispiele)

 

Die Vielseitigkeit eines einfachen Drahtes kann man durch digitale Bearbeitung noch mal vervielfachen, wie hier beispielhaft gezeigt.

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Ein Draht ist ja eigentlich nichts anderes als eine ins 3-Dimensionale übersetzte Linie. Oder auch umgekehrt: die Linie ist ein ins 2-Dimensionale übersetzter Draht.

Ein Stück feiner Doppedraht liegt auf unsrer Turmterrasse – Überbleibsel der Befestigung des Rohrgeflechts, das uns als Schattendach dient.  Er muss es sich gefallen lassen, dass ich ihn verbiege (manche nennen es bilden oder auch erziehen). Wie? Ich wickele ihn um die Zinken der Gabel, mit der ich soeben mein Mittagsmahl beendet habe.

Und schon ist eine Menschengruppe entstanden, die, ich weiß nicht was, im Schilde führt.

Du magst es farbig? Eins zwei drei – fertig.

Was der Gabel recht ist, ist der Hand billig. Auch sie kann man als Menschenformer nutzen.

Abziehen und – da ist sie schon: eine lockere Bande!

In Farbe vielleicht so?

Ja ja, wie ein Prometheus kann man sich fühlen,  wenn man wie er einst seine kleinen Menschlein formt.

Hier sitz ich, forme Menschen

Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht das mir gleich sei,
Zu leiden, zu weinen,

Zu genießen und zu freuen sich …

(J.W. Goethe, Prometheus)

Ähäm. Ja. Nicht nur Prometheus und ich träumen solche Träume. Da gibt es auch andere, zum Beispiel solche, die sich in Davos versammeln und sich darüber unterrichten lassen, wie man Menschlein handlich formen und über die Gabel balbieren kann.

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Dora zum NeunundzwanzigstenFünften: Katzenflüsterei

Niemand soll sagen, dass Dora ihre Rolle als Katzenfütterin nicht ernst nähme. Selbst wenn ich den Napf bereits gefüllt habe, ist sie zur Stelle, um ihre Lieblinge noch einmal zu versorgen. „Du knauserst“, sagt sie. „Katzen brauchen immer ein bisschen mehr im Angebot, als sie fressen können. Sie lieben den Überfluss und mögen es nicht, wenn man ihnen nur das Nötigste reicht.“

Sie lässt schon auch mal ihre Geschenklatüchte stehen, damit Theo sich nach Belieben bedienen kann. Theo der Goldene, den ich prosaisch den Gelben nenne,  ist ihr Liebling. Ihm flüstert sie allerlei Dummheiten ins Ohr, wie eine in ihr Kind verliebte Mama. „Komm schon, friss, mein Engel, mein Hübscher“ und dergleichen. Theo ist das freilich egal. Er hat wenig Sinn für Romantik.

Dora ist, das muss ich anerkennen, trotz ihrer Affenliebe zu Theo, nicht voreingenommen. Sie füllt auch den zweiten Napf, falls Ferdinand der Graue wieder auftauchen sollte. Ach ja, der kleine Zausel ist verschwunden. Schade.

Dass die Kleinen nun schon bald groß sind und für sich selbst sorgen sollen, scheint Dora nicht zu beeindrucken. „Sie sind noch klein“, behauptet sie. Prinkipessa ist da wohl anderer Ansicht. Jedenfalls turtelt sie schon sehr mit dem hübschen Nabucco, und ein noch ungetaufter gelber Kater, offenbar der Papa von Theo, singt im Garten Liebeslieder. Wenn das man gut geht!

Hier sieht man Nabucco mit Prinkipessa. Mehr sage ich nicht

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Impulswerkstatt: Pilze und Flechten

Dies ist ein Beitrag zu Myriades Impulswerkstatt, 4. Foto.  https://laparoleaetedonneealhomme.wordpress.com/2022/05/03/einladung-zur-impulswerkstatt-mai-juni/

———————————————————————————————————-Zu gerne möchte ich mich durch dieses Bild impulsieren lassen, liebe Myriade, denn ich mag solche farbigen Wucherungen in der Natur durchaus. Jedenfalls solange sie im pflanzlichen und mineralischen Bereich bleiben.

Meine Sympathie hört auf, wenn sich solche Wucherungen an bzw in tierischen und menschlichen Organismen bilden. Also von denen will ich nicht reden, wenngleich gerade solche Assoziationen mich anspringen, wenn ich dein Foto sehe. Weg damit!

Und damit du siehst, dass ich es mit dem „Weg damit!“ ernst meine, habe ich ein Foto herausgesucht, das freundliche Assoziationen zulässt und deinem ähnelt: Flechten. Auch da gibt es freilich die Möglichkeit, in üble Assoziationen abzugleiten, etwa zur Grindflechte, igitt. „Grindig“ nannte oder nennt man Menschen, die bzw deren Gesicht, Kopfhaut, Arme, Beine oder auch Innenohr  Nasenschleimhaut von dieser Flechte befallen wurden – die dazu auch noch hoch ansteckend ist. Nein, ich werde mich hüten, nun auch noch andere die menschlichen Organe befallende Wucherungen anzuschauen. Weg damit! 

Bleiben wir strikt im pflanzlichen Bereich, wo Flechten, genauso wie Pilze, gerne vorkommen dürfen. Nichts dagegen! Ich habe eine besonders hübsche Flechte herausgesucht, um keine weiteren üblen Assoziationen aufkommen zu lassen. Ich hoffe, sie gefällt dir.

Die Moral von der Geschicht:

Was gut dem Stein tut, tut es nicht dem Gesicht.

 

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Wolkensaat (kleine Beobachtungen)

Heute vormittag durchlebe ich ein paar Schreckminuten: Am gegenüberliegenden Berghang steigt eine Rauchwolke auf, die sich schnell vergrößert.  In kürzester Zeit entstehen westlich davon kleine Ableger und entwickeln sich rasend schnell, und schon entdecke ich neue Brandherde….  Feuer! Ich rufe meinen Mann, er meint angesichts der vielen Brandherde in einer Reihe: „Brandstiftung“. Aber wie soll das möglich sein? Der Hang ist dort sehr steil, Straßen gibt es nicht. Ich starre und schließlich, leider etwas spät, fotografiere ich auch, um den Ausbruch des Brandes zu dokumentieren, dessen Zeugnis – die Rauchwolken – sich rasend schnell aufbreitet.

Aber es gibt keine Flammen. Soviel ich auch angstvoll starre – Flammen gibt es nicht. Und so beruhige ich mich allmählich. Fasziniert sehe ich einem Phänomen zu, das ich noch nie beobachtet habe: der Aussaat von Wolken. (Merke: Nicht immer ist Feuer, wo Rauch ist)

Während sich das Wolkenband innerhalb von 10 Minuten über den ganzen Berghang ausbreitet, bleibt der übrige Himmel wolkenfrei. Dann aber erscheinen auch „Brandherde“ oberhalb der Bergkante, und erste Wolkenkeime werden über dem Meer sichtbar. Schnell breitet sich das Phänomen über den ganzen Himmel aus, der sich rasch von Blau ins flockige Trübweiße wandelt.

Der Himmel verschließt sich. Kurz entlässt er einen leichten Regen, nicht genug, um das Blätterdach des Aprikosenbaums zu durchdringen. Auch jetzt, wo ich dies 5 Stunden danach schreibe, nieselt es sehr leicht. Das Licht ist weg. Das Gewölk ist locker-flockig, dazwischen Blauhimmel.

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Dora zum AchtundzwanzigstenFünften: Geburtstag

Weder ich noch Dora haben heute Geburtstag. Aber wir waren bei Rhea!!!

eingeladen. Sie wurde elf und feierte mit ihren Freunden samt Müttern und ein paar Vätern in einem schönen Anwesen über dem Meer. Aber was soll ich erzählen? Jeder weiß, wie Kindergeburtstage sind, nehme ich mal an.

„Schade, dass ich keine Fotos zeigen kann“, sage ich zu Dora. „Warum denn nicht? Du hast doch dauernd fotografiert!“ wundert sich Dora. „Es ist nicht in Ordnung, wenn man Fotos von Leuten hier im internet zeigt, ohne sie zuvor zu fragen. Ich müsste ihre Gesichter unkenntlich machen.“ – Dora runzelt die Stirn, was sie immer macht, wenn sie intensiv nachdenkt.  „Und wenn du mein Gesicht nimmst? Mich darfst du zeigen!“

Schön wars, freilich auch sehr warm, und im Himmel trieb Sand. Was mich ziemlich fertig machte. Die Sonne aber trug einen besonders eindrucksvollen Strahlenkranz.

 

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Glasscherbenspiel: Fischerei

Eine Besucherin im Atelier sieht die Scherben und beginnt versonnen, ein Bildchen zu legen. „Abstrakt“ sei es, sagt sie.

Mir aber will scheinen, dass sich eine Dame mit hochgereckten Armen aus dem Scherbensalat herausarbeitet. Sie kommt auf einem Felsen zu stehen. Zu ihren Füßen schwimmt ein großer Fisch vorbei. Und noch etwas platscht gegen den Felsen. Die Tasche vielleicht, in der sie ihre sämtlichen Ersparnisse untergebracht hat? O weh!

Sie neigt sich gefährlich nach rechts, um die Tasche herauszufischen.

Ha! Die Fischerei ist erfolgreich! In einer Hand die Tasche (mit sämtlichen Ersparnissen, womöglich!), in der anderen die Schwanzflosse des Fisches, als Gegengewicht.

Der Fisch, nun schwanzlos, macht sich aus dem Staube. Ähäm.

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