Abschied vom November

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Blick auf zu den Sternen (mit Dora, Sappho und anderen)

Der herbstliche Regen hat die Atmosphäre geklärt. Mondlos und sternklar ist die Nacht. Lange wirds nicht so bleiben, denn schon sind neue Unwetter angesagt, auch Massen von Saharastaub ziehen in höheren Lagen zu uns herüber. Sei es! Dem Boden tut es gut.

Ich bin froh, dass unsere Oliven vom Baum sind. Gestern kurz vor Mitternacht kam der Laster, um die Säcke abzuholen und in die Ölmühle zu fahren. Eine Rekordernte wurde es. Das Öl wird heute gepresst, vielleicht auch erst morgen, denn es gibt viel Arbeit und wenige Hände. Da muss ich dann hinauf ins Bergdorf und die Kanister abholen.

Nachthimmel 29-11-22

Als ich, in Erwartung des Lasters, nach dem Orion schaue, ist mir, als beginne der Nachthimmel sacht zu glühen. Feine Gestalten treten aus dem Dunkel hervor. Auch meine ich eine singende Stimme zu vernehmen. Von weit und nah kommt sie, inwendig und auswendig ist sie.

 

 

Δέδυκε μεν α σελάννα και
Πληιάδες· μέσαι δε
νύκτες, παρά δ‘ έρχετ‘ ώρα,
εγώ δε μόνα κατεύδω.

Ach wüsste ich nur, was es bedeutet!*

 

Da höre ich Dora von oben krähen: „Du willst wissen, was es bedeutet? Frag doch die blinde Dichterin, die wird es dir schon verklickern!“ – „Dora! Ach wie schön, Dora, ich hab dich vermisst!“ rufe ich hinauf in der Hoffnung, dass sie mich hört (ich bin letztens ziemlich heiser).

„Ich hab auch einen neuen Kumpel!“ schreit sie jetzt. „Den hab ich unterwegs aufgegabelt, hat sich bei den Plejaden rumgetrieben! Das sind sieben Schwestern, die ….“  Und tatsächlich, rechts von ihr erkenne ich jetzt, leicht vernebelt, einen blauen Flugfisch und darinnen einen lustigen roten Kerl. „Aber er kommt nicht sogleich, bleibt noch ein bisschen hier oben.“ – „Ach, bring ihn doch schon mit!“ krächze ich hinauf. Ein Freund für Dora, das wäre super!

„Da links von mir fliegt noch einer“, vernehme ich nun wieder Doras Stimme. „Der ist grad aus den Windeln gestiegen, aber schon ziemlich clever. Er will oben bleiben, hat die Nase voll von der Erde, sagt er. Ein Jahr hat er dort gelebt und fand es ziemlich höllisch. Er sagt, du kennst ihn. Stimmt das?“

Und ob ich den kenne! Es ist der Willi, wie er leibt und lebt. Oder doch eher, wie er leibte und lebte? Ich bin verwirrt. War? Ist? Wird?

Die Zeit ist oben anders als hier unten bei euch! höre ich jetzt sehr klar die Dora. Kein Wunder, denn sie sitzt nun auf meiner Schulter direkt neben meinem Ohr  So mag ich sie am liebsten. Kleine Dora, bleib doch noch ein bisschen länger bei mir, hier unten, murmele ich. Natürlich weiß ich, dass das nicht geht. Die Zeit läuft hier unten wie am Schnürchen immer geradeaus. Da oben hingegen…..

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*Falls du erfahren möchtest, was es bedeutet, schau mal hier nach.

Griechische Dichtung am Sonntag: Sappho

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Kandidatenkür 2023 / Auswertung

Eine vorläufige Auswertung eurer Präferenzen gefällig?

13 Leserinnen und 7 Leser haben ihre Stimmen abgegeben und ihre Wahl kommentiert! Danke, danke, danke!

(Bitte überprüft, ob ich jemanden übersehen und alles richtig eingetragen habe! Fehler sollen ja vorkommen, beabsichtigt sind sie nicht.)

 

14 Blinde Dichterin       103

( 20 Johanna 20 Random 18 Gerhard 20 Werner 15 Lyrifant  10 Elsbeth)

Die „Blinde Dichterin“, spät am Start, hat es auf den ersten Platz geschafft! Obgleich sie äußerlich keine Schönheit ist, haben ihre inneren Qualitäten je drei Teilnehmer und drei Teilnehmerinnen überzeugt. Ihre Selbstdarstellung hatte es ja auch in sich:

„Leichten Schrittes und poetisch beflügelt durchlebe ich unsere schwere Zeit. Himmel bin ich und Acker, Sonnenaufgang und Nebelschwaden. Die Toten grüße ich und lausche dem Nachtwind. Alles fließt durch mich hindurch. Manches verwundet, manches erfreut, manches glüht nach – dann bleiben Spuren zurück. Mein Haupt, eine lichte Kugel, ein stets leeres Gefäß, schwebt über allem, Meine Augen sind blind. Was brauche ich Augen, wenn alles, was draußen ist, auch in mir ist? Blind sind die großen Poeten. Mach es wie ich: Fühle! Dichte! Sei!“

 

1 Hera (Frauenrechte)  100 Punkte

20 Myriade 15 Alexander 15 Lyrifant 10 Andrea 10 Babsi 10 Elsbeth 10 Ulli 5 Beate  5 Bruni

Direkt auf dem Fuße folgt der Dichterin die Kämpferin: Hera. Sie führte die Kandidatenliste an. 9 Teilnehmende (8 Frauen, ein Mann) haben für sie gestimmt. Das von Hera vertretene Thema ist so uralt wie die Göttermutter selbst, die immer wieder den Aufstand gegen die neue patriarchale Ordnung versuchte. Zum Schluss ging sie als Karikatur ihrer selbst, als eifersüchtige zeternde Ehefrau in die Geschichte ein. Ihr Thema ist ja in unseren Breiten nicht mehr so aktuell, doch durch die Kämpfe der iranischen Frauen tritt ein weiteres Mal ins Bewusstsein, wie schwierig das Schicksal der Frauen in anderen Ländern ist. Hera hat aber auch noch eine andere Front im Auge. Wen oder was meint sie wohl damit?

„Nicht nur werden Frauen nach altbekannter patriarchaler Manier als Eigentum der Männer gehandelt, sondern sie werden nun auch von anderen neu erfundenen Geschlechtern in Frage gestellt. Wenn das so weiter geht, gibt es bald keine Frauen mehr.“

 

  7 Spielendes Kind  95 Punkte

20 Gisela 20 Sabine 15 Random  10 Alexander 10 Johanna 10 Elsbeth 5 Beate 5 Bruni

Gleich dahinter und an der dritten Stelle spielt das Kind. 8 Teilnehmer – 6 Frauen, 2 Männer – geben ihm eine Stimme. Das wird uns alle froh machen, denke ich, denn wo kämen wir hin, wenn neben Poesie und Kämpfergeist nicht auch das kreative Spiel geehrt würde?

„Das Leben ist ein Kinderspiel, wenn du es wie ein Kind spielst. Du nimmst eine Hand voll Erde, formst daraus einen Ball, und schon hast du die ganze Erde zu unendlichem Vergnügen zu deiner Verfügung. Reicht dir das nicht, nimmst du eine Flamme für die Kerze, Blätter vom Herbstbaum, das Licht der Sonne. Du brauchst sonst nichts, brauchst auch niemanden sonst, du bist dir selbst genug.“.

Nach diesem Triumfeminat (Pardon, frauenrechtende Männer, Dichter und spielende Knaben sind natürlich mitgemeint!) kommt eine andere kompakte Dreiergruppe gleichzeitig durchs Ziel: Transparenz, Hedonie (Lebens- und Liebeslust) und Hilfesuchende. Sehr schön finde ich, dass Lebenslust und Hilfsbereitschaft sich ausbalancieren. Zwei Beine hat der Mensch, das eine zum Tanzen, das andere, um herbeizuspringen, wenn jemand in Not ist. Und dass weniger Verlogenheit und mehr Offenlegung von Motiven und Tatbeständen angestrebt werden – wer würde das nicht begrüßen?

 2 Transparenz  90 Punkte                                                                                                                    

20 Ulli 20 Werner 15 Gerhard 10 Babsi 10 Elsbeth 5 Beate 5 Bruni  5 Joachim

Drei Männer, fünf Frauen wünschen mehr Transparenz. Wie heißt es in ihrem Bewerbungsschreiben?

„Was fehlt, ist Transparenz! Sie fehlt in allem: In der Politik, der Wissenschaft, den Medien, der Geldwirtschaft, sie fehlt auch in den Motiven der Menschen, die Besserung versprechen.“ Scheinheiligkeit-Verlogenheit- Täuschung sei das größte Gegenwartsproblem. Was also am meisten vonnöten sei, sei Transparenz in allen Angelegenheiten, damit die Menschen wissen, woran sie sind.

6 Hedonie 90  Punkte                                                                                                                   

20 Andrea 20 Maren 20 Myriade 10 Joachim 10 Jürgen 5 Beate 5 Bruni

„Lieben und Lust, Lebenslust! Das ist meine Devise!“

 

4 Hilfesuchende  90 Punkte

20 Bruni 20 Gisela 15 Lyrifant 15 Mitzi 10 Johanna 5 Beate 5 Joachim

„Ich fürchte, unsereins wird im kommenden Jahr nicht sehr beachtet werden. Doch werden wir immer mehr. Wo sollen wir hin? Wo finden wir eine sichere Bleibe? Während ihr euch über Geschlechter, Transparenz und die Temperatur der Erde zankt, haben wir kein Plätzchen, um unser Haupt hinzulegen. Ich bitte euch, uns nicht zu vergessen. Wenn ihr mich wählt, werde ich euch täglich zuschauen bei eurem Tun und sehen, ob ich ein bisschen Hoffnung daraus schöpfen kann.“

Eine Mittelposition haben der Fragende, das Paar, der Weltraumbegeisterte und die Spirits eingenommen. Es sind wichtige, aber offenbar nicht als dringlich empfundene Themen, die durch sie angesprochen werden. Immerhin 5 Teilnehmende finden, dass richtiges Fragen Voraussetzung für richtiges Antworten ist. Der Doppelweltsicht des Paares, der Weltensehnsucht des Erdflüchtlings und den inspirierenden Geisterchen möchten je drei Teilnehmende eine Stimme geben.

9 Der/die Fragende  55                                                                                                                                 20 Jürgen 15 Mitzi 10 Johanna 5 Beate 5 Bruni

„Das kommende Jahr möge ein Jahr der Fragen und des Hinterfragens sein. Zu viele behaupten, Antworten zu haben auf Fragen, die sie niemals stellten. Und sie verordnen und befehlen mit einer Sicherheit, die nur in die Irre führen kann. Lernt, die richtigen Fragen zu stellen! Werdet selbst zum Fragezeichen! Auch Delphi gäbe euch niemals richtigen Bescheid, hättet ihr nicht zuvor die richtige Frage gestellt.“

11 Das Paar 45

20 Andrea 20 Friedrich 5 Beate

 „Wir sind ein Wir. Uns ist bewusst, dass unsere Lebensform manchem veraltet erscheint. Wir aber bleiben überzeugt: ein Paar. Was den einen betrifft, ist auch für den anderen wichtig. Als Paar erleben wir die Welt. Als Paar lernen wir, die Welt aus der Perspektive eines Du zu erleben. Das ist manchmal schwierig, auch schmerzhaft, aber es ist das, was uns vor allem anderen interessiert.“

3 Weltraumforscher   40 Punkte

20 Sabine 15 Alexander 5 Myriade

„Die Erde ist ein unsicherer Ort geworden. Es wird Zeit, sich nach anderen Orten umzusehen. Der Himmel ist voller Sterne, Planeten sind auch in Fülle vorhanden, von Monden ganz zu schweigen. Ich verspreche euch, wenn ihr mich wählt, euch bei eurer Erd-Flucht zur Seite zu stehen“.

16 Spirits 35 Punkte

15 Random 10 Babsi 10 Alexander

„Du kennst uns nicht? Und doch! Ohne uns geschieht nichts, ohne uns bist du ein Holzkopf, ohne uns fällt dir nichts ein. Wir zeigen uns freilich nicht gern im Tageslicht des rationalistischen Zeitalters. …Heute gehen wir als Naturgeister durch, was nur teilweise stimmt. Man nennt uns auch abfällig Einbildungen und Hirngespinste und bestreitet unser Sein. Wie auch immer: wenn du uns wählst, werden wir uns herablassen und dann und wann materialisieren, damit du unser Wirken besser verstehst.“

Der Macher hat nur zwei Teilnehmende überzeugt. Vielleicht hat seine allzu robuste Art sensible Seelen abgeschreckt. Macher sind Täter. „Schmutzige Hände“ (Sartre) macht man sich da leicht.

5 Macher  31 Punkte

16 Gerhard 15 Beate

„Den Stier bei den Hörnern und die Gelegenheit am Schwanz packe ich. Manchmal geht es auch darum, Drachen zu töten und Ungeheuern den Garaus zu machen. Die Welt ändert sich nicht, wenn du träumst. Ich will dich gern im kommenden Jahr lehren, nicht nur zu schwätzen, sondern zur Tat zu schreiten. Auf gehts!“

The Kid – meine heimliche Liebe – hat zwei Liebhaber gefunden.  The Kid ist hartgesottener als das spielende Kind. Kein Wunder, es steht schutzlos, aber dennoch selbstbewusst in der Welt, ohne große Leitideen und Lebensziele, aber solidarisch, wenns drauf ankommt, es segelt hart am Wind oder lässt sich treiben. Oder, wie es selbst sagt:

12 The Kid   25 Punkte

20 Ulli 5 Myriade

Hallo, ihr Lieben! Einmal leben wir, machen wir was draus! Ist mir doch wurscht, was grad angesagt ist, oder? Ich jedenfalls hab mein eigenes Programm. Heute so, morgen anders. Es kommt wie es kommt. Mal regnet es, mal scheint die Sonne. Mal hab ich wen, mal bin ich alleen. Mal muss ich, mal will ich. Unterkriegen werden sie mich nicht. Mich nicht!! Ein Weg wird sich schon finden. Hab keine Angst. Wenn du für mich stimmst, machen wirs zusammen, das Jahr. Versprochen! Ich lass dich nicht im Stich, nur weil es bei dir mal nicht so läuft. Alles klar? Na also.

 

Drei Teilnehmende möchten das Traumwesen nicht vermissen, das völlige Freiheit verspricht. Eine Freiheit, die sich seelisch auslebt und gar nicht an der Wirklichkeit messen will, da die Wirklichkeit sowieso nur frustriert. Darin vor allem unterscheidet es sich von der Hedonie.

10 Traumwesen 25 Punkte

10 Babsi 10 Friedrich 5 Bruni

„In meinem Reich bist du frei. Willst du Engel sein oder Fisch in den Ozeanen? Sei es! Möchtest du wie ein Weib fühlen, auch wenn dein Körper männlich ist? Es sei! Was hindert dich! Schwebe, lebe, webe, hebe dich über die Niederungen der Welt. Die Not dessen, was sie Realität nennen, sei für andere. Wenn dich eine Fessel schmerzt, sprenge sie, wirf sie ab. Für uns sei, was wir wollen, was wir wünschen, was uns gut tut. Komm, teile mit mir den freien Genuss, ohne Grenzen und Verdruss!“

Nur ein Teilnehmender fühlt sich durch die Versprechungen des „neuen Menschen“ angesprochen.  Und was verspricht er? Dass durch Fortschreiten von Wissenschaft und Technik Realität werde, was das Traumwesen nur erträumt. Insofern sind die beiden Gegenpol und Ergänzung. In der Mitte aber steht der wirkliche, der liebende und kämpfende, der spielende, dichtende und denkende Mensch aus Fleisch und Blut.

8 Neuer Mensch 20 Punkte

20 Friedrich

„Der alte Mensch ist unvollkommen. Neue Wege weist uns die Wissenschaft! Wir schreiten voran, lassen alte Vorurteile hinter uns. Der Mensch aus der Retorte – perfekt, störungsfrei, voller Kraft undf Schönheit – entspringt der Retorte mit dem Samen und der Eizelle deiner Wahl. Sein Denken wird nicht mehr in die Irre gehen, sondern wundervoll zentriert um die gesetzten Ziele kreisen. Das Schönste aber: seine Gefühle sind vollkommen transparent. Schluss mit all dem Düsteren, mit den Schatten der Vergangenheit. Klar und heiter ist seine Seele. Komm, sei einer der Pioniere, die dieses herrliche Menschenziel realisieren! Auf in die Zukunft einer glücklichen Menschheit!“

So-wie-du sein, also nichts Besonderes, nichts Außergewöhnliches darstellen wollen – nur zwei Teilnehmende haben diesem bescheidenen Durchschnitts-Wesen mit „festen Überzeugungen“ eine Stimme geben wollen.

17 So-wie-du 20 Punkte

10 Gisela 10 Werner

„…Ich bin unauffällig und treu. Die Blicke der Welt ziehe ich nicht gern auf mich, ich melde mich selten zu Wort und mag nicht in Konflikt geraten. Gern stimme ich der Mehrheit zu. Im Inneren habe auch ich meine festen Ansichten, natürlich. Nicht alles finde ich gut – du etwa? Manche Farben mag ich mehr als andere – du sicher auch. Und auch die Menschen, klar, da gibt es angenehme und weniger angenehme Zeitgenossen. Da gibt es die, die immer meinen, ihre Ansichten seien die richtigen und wichtigen. Puh! Und die anderen, die unbedingt halb nackt herumlaufen müssen, um irgendwem zu imponieren oder zu provozieren. Das finde ich nicht so gut. Aber natürlich, wenn er oder sie meint…. Also bitte, hör mir mal zu. Lass dich auf mich ein. Denn es gibt mich ja, ich bin so wie die meisten. Jedenfalls wie die meisten anständigen Menschen. So-wie-du eben. Wie werde ich das nächste Jahr überstehen?“

Traritrara! In die Tür von Position 18, von mir offengelassen, hat Dora ihr Füßchen gestellt. Zwei Teilnehmende wollen sie einfach nicht gehenlassen. Ich weiß natürlich, dass es noch einige mehr gibt, die Dora ins Herz geschlossen haben. Ich zum Beispiel. Aber in die Abstimmung eingeflossen ist das nur durch zwei Teilnehmerinnen.

18 Dora  15 Punkte

10 Elsbeth 5 Lyrifant

 

 

Wer bereitet sich schon gern auf Gefahren vor, die in weiter Ferne zu sein scheinen? Der Überlebenskünstler erhielt nur Punkte von einer Teilnehmerin. Anscheinend fühlen die meisten noch nicht die Notwendigkeit, ans Überleben in Notzeiten zu denken – nach der Devise: Wird schon alles gut gehen. Das hoffe ich auch. Aber es beruhigt mich doch, dass es einige gibt, die die schwarzen Wolken am Horizont ernst nehmen.

13 Überlebenskünstler 10 Punkte

10 Babsi

„Auch unter extremen Bedingungen weiß ich zu überleben.  In der Stadt, im Wald, im Krieg oder auf dem Mond – es gibt kein „unmöglich“ für mich. Ich bin gewappnet, und du tätest gut daran, dir auch schon mal ein paar skills anzueignen. Weißt du denn, obs im nächsten Jahr nicht hart hergehen wird? Und was machst du dann, du Weichei? Pardon, ich möchte dir nicht zu nahe treten, nur warnen möchte ich dich: Bereite dich aufs Schlimmste vor – immer!

 

Vollkommen leer ging nur einer aus: der Angstmacher. Dabei beherrscht er unsere Medien in nie dagewesener Intensität. Wir seien von Gefahren umzingelt, und wenn wir überhaupt noch am Leben sind, so sei das unseren vorsorgenden Politikern und Wissenschaftlern zu verdanken. Was droht nicht alles, uns zu verschlingen! Epidemien, Kriege, Blackouts, Inflation, Überfremdung, Verbrechen, Zusammenbruch der Finanzmärkte, Erfrieren, Heimatverlust – hab ich was vergessen? Ach ja, die endgültige Zerstörung der Erde durch klimatische Veränderungenund/oder Atombomben und den Weltuntergang.  Solche angstmachenden Themen wollen wir im nächsten Jahr ausklammern – so beschließt ihr, meine lieben Leserinnen und Leser. Wir werden uns dran halten, nicht wahr, Dora? Wir werden einfach keine Zeitung und kein TV anschauen, und wenn doch: der Blog hier bleibt frei davon.

15 Angstmacher   Null Punkte

Fürchte dich, Menschlein! Sieh dich vor! Der Tod lauert überall, er steckt schon in dir! Täusche dich ja nicht! Sei dir gewiss: Hier tobt schon ein Krieg, dort nehmen die Verbrechen zu, es wüten die Epidemien, wenn nicht jetzt, so doch morgen. Es kommt zu Umstürzen, Gewalt und üblen Exzessen! Die Meere verschlingen die Küsten, die Wüsten wachsen, Stürme decken dein Haus ab. Fürchte dich! Die Furcht wird dich schützen! Täglich werde ich dich füttern mit den schlimmen Nachrichten des Tages, denn leicht könntest du vergessen, wie schrecklich die Welt ist.

———————————————————————————————————-Ist damit die Wahl der nächsten Leitfigur abgeschlossen? Wird es eine Leitfigur sein, oder ein Team aus drei oder sieben oder zwölf? Oder eine andere?

Morgen ist der 1. Dezember. Da habe ich noch einen Monat Zeit, dies Ei auszubrüten. Wer mag, hilft mir beim Brüten. Dora muss auch noch gefragt werden. Und ich selbst darf auch ein Wörtchen mitreden, finde ich.

Danke euch allen, die ihr mir bei der Kandidatenauswahl zur Seite standet, von ganzem Herzen! Danke!

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Royusch Fotoprojekt: Herbst X (Natur macht glücklich)

Dies ist leider schon die letzte Etappe.  Schön wars, danke, Roland!. Und schön ist es noch immer. „Genieße den Herbst, denn Natur macht glücklich“, das stimmt. Und es stimmt auch, dass es glücklich macht, nach einem Spaziergang oder einer Wanderung in ein hübsches Cafe einzutreten, eine heiße Schokolade zu bestellen und die Natur aus dem Fenster heraus zu betrachten.

Ich weiß wirklich nicht, wo es schöner ist: am Meer oder in den Bergen? Da es nur ein Foto sein soll, nehme ich das Gebirge, da es stärkere jahreszeitliche Unterschiede zeigt. Dies ist ein Ort im Taygetos-Gebirge, Altomira heißt er. Erstmals erwähnt wurde das Dorf im Jahr 1618. Es hat sehr schöne alte steinerne Häuser und eine bedeutende Kirche, doch leben dort keine Menschen mehr. Nur im Sommer gibt es ein paar Bewohner. Ein himmlischer Ort.

 

 

 

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Agentur für Kandidaten 2023 (Nachzügler 13-17)

Hier nun noch 5 Bewerbungen, die zuletzt eingegangen sind.

No. 13 Der Überlebenskünstler

„Auch unter extremen Bedingungen weiß ich zu überleben.  In der Stadt, im Wald, im Krieg oder auf dem Mond – es gibt kein „unmöglich“ für mich. Ich bin gewappnet, und du tätest gut daran, dir auch schon mal ein paar skills anzueignen. Weißt du denn, obs im nächsten Jahr nicht hart hergehen wird? Und was machst du dann, du Weichei? Pardon, ich möchte dir nicht zu nahe treten, nur warnen möchte ich dich: Bereite dich aufs Schlimmste vor – immer!“

So schreibt dieser Bewerber, den ich euch nicht vorenthalten möchte. Du kannst ihm bis zu 20 Punkte geben.

 

 

 

No 14 Die blinde Dichterin

„Leichten Schrittes und poetisch beflügelt durchlebe ich unsere schwere Zeit. Himmel bin ich und Acker, Sonnenaufgang und Nebelschwaden. Die Toten grüße ich und lausche dem Nachtwind. Alles fließt durch mich hindurch. Manches verwundet, manches erfreut, manches glüht nach – dann bleiben Spuren zurück. Mein Haupt, eine lichte Kugel, ein stets leeres Gefäß, schwebt über allem, Meine Augen sind blind. Was brauche ich Augen, wenn alles, was draußen ist, auch in mir ist? Blind sind die großen Poeten. Mach es wie ich: Fühle! Dichte!  Sei!“

Auch dieser Bewerberin kannst du bis zu 20 Punkte geben.

 

 

No. 15: Der Angstmacher

„Fürchte dich, Menschlein! Sieh dich vor! Der Tod lauert überall, er steckt schon in dir! Täusche dich ja nicht! Sei dir gewiss: Hier tobt schon ein Krieg, dort nehmen die Verbrechen zu, es wüten die Epidemien, wenn nicht jetzt, so doch morgen. Es kommt zu Umstürzen, Gewalt und üblen Exzessen! Die Meere verschlingen die Küsten, die Wüsten wachsen, Stürme decken dein Haus ab. Fürchte dich! Die Furcht wird dich schützen! Täglich werde ich dich füttern mit den schlimmen Nachrichten des Tages, denn leicht könntest du vergessen, wie schrecklich die Welt ist.“

Auch diesem Bewerber kannst du bis zu 20 Punkte geben.

 

No 16 : Spirits, Genien, Geisterlein

„Du kennst uns nicht? Und doch! Ohne uns geschieht nichts, ohne uns bist du ein Holzkopf, ohne uns fällt dir nichts ein. Wir zeigen uns freilich nicht gern im Tageslicht des rationalistischen Zeitalters. Myriaden sind wir, niemand hat uns jemals gezählt. Die Kirchenmänner nennen uns Gespenster, Engel und Teufel, die Alten Daimonen oder Genien. Heute gehen wir als Naturgeister durch, was nur teilweise stimmt. Man nennt uns auch abfällig Einbildungen und Hirngespinste und bestreitet unser Sein. Wie auch immer: wenn du uns wählst, werden wir uns herablassen und dann und wann materialisieren, damit du unser Wirken besser verstehst.“

No 17 So-wie-du

„Ich bin die bescheidene So-wie-du. Nichts Besonderes zeichnet mich aus. Ich bin unauffällig und treu. Die Blicke der Welt ziehe ich nicht gern auf mich, ich melde mich selten zu Wort und mag nicht in Konflikt geraten. Gern stimme ich der Mehrheit zu. Im Inneren habe auch ich meine festen Ansichten, natürlich. Nicht alles finde ich gut – du etwa? Manche Farben mag ich mehr als andere – du sicher auch. Und auch die Menschen, klar, da gibt es angenehme und weniger angenehme Zeitgenossen. Da gibt es die, die immer meinen, ihre Ansichten seien die richtigen und wichtigen. Puh! Und die anderen, die unbedingt halb nackt herumlaufen müssen, um irgendwem zu imponieren oder zu provozieren. Das finde ich nicht so gut. Aber natürlich, wenn er oder sie meint…. Also bitte, hör mir mal zu. Lass dich auf mich ein. Denn es gibt mich ja, ich bin so wie die meisten. Jedenfalls wie die meisten anständigen Menschen. So-wie-du eben. Wie werde ich das nächste Jahr überstehen?“

Wiederum kannst du bis zu 20 Punkten vergeben.

Damit schließe ich die Kandidatenvorstellung.

Um dir die Abstimmung zu erleichtern (50 Punkte insgesamt, pro Bewerbung jeweils höchstens 20) habe ich eine Übersicht über die 17 Kandidaten und Kandidatinnen gebastelt, die sich als Repräsentanten fürs Jahr 2023 bewerben. No 18 ist noch nicht besetzt. Hast du einen Vorschlag? Nur zu! Du kannst auch, wie Linienspiel vorschlägt, Teams mit deinen Favoriten bilden.

No 1 (Frauenrechte) –  No 2 (Transparenz) – No 3 (Weltraum)

No 4 (Hilfesuchende) – No 5 (Macher) – No 6 (Hedonie)

No 7   (Spielendes Kind) – No 8 (neuer Mensch) – No 9 (der Fragende)

No 10 (Traumwesen) – No 11 (das Paar) – No 12 (the Kid)

No 13 (Überleben) – No 14 (blinder Poet) – No 15  (Angstmacher)

 

No 16 (Spirits) – No 17  (So-wie-du)   No 18? ………………………………………

 

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Agentur für Kandidaten 2023 (7-12)

Bevor ich die weiteren Bewerbungen für das Jahr 2023 vorstelle, möchte ich von Herzen der Jury danken. Natürlich sind weitere Meldungen aus dem Publikum sehr erwünscht. Auch soll diese Übersicht bitte nicht die weiteren Präferenzen beeinflussen. Bisher also haben wir folgendes Bild:

No 1 (Frauenrechte) 30Punkte

No 2 (Transparenz) 30 Punkte

No 3 (Weltraumeroberung)  20 Punkte

No 4 (Hilfesuchende) 20 Punkte

No 5 (Macher) O Punkte

No 6 (Hedonie oder Lebenslust) 40 Punkte

Bevor es weitergeht, werde ich das Punktsystem ein bisschen korrigieren müssen. Ich schlage vor: Jeder/jede hat insgesamt 50 Punkte, die er/sie verteilen kann. Ihr könnt also, wenn sich alle Kandidaten vorgestellt haben, noch einmal abstimmen, dann aber mit insgesamt 50 Punkten, die ihr nach Belieben verteilen könnt. Danke für eure Mitarbeit. Übrigens: Dora weiß noch gar nichts von diesem Spiel. Ich werde sie später nach ihrer Meinung fragen.

No. 7: Das spielende Kind

„Das Leben ist ein Kinderspiel, wenn du es wie ein Kind spielst“, schreibt mir die Kandidatin mit der No 7. „Du nimmst eine Hand voll Erde, formst daraus einen Ball, und schon hast du die ganze Erde zu unendlichem Vergnügen zu deiner Verfügung. Reicht dir das nicht, nimmst du eine Flamme für die Kerze, Blätter vom Herbstbaum, das Licht der Sonne. Du brauchst sonst nichts, brauchst auch niemanden sonst, du bist dir selbst genug. Das ist mein Angebot fürs Jahr 2023“.

Bis zu 20 Punkten kannst du der No. 7 geben.

 

 

No. 8: Der neue Mensch

„Der alte Mensch ist unvollkommen. Neue Wege weist uns die Wissenschaft!“, so heißt es im Bewerbungsschreiben von No 8. „Wir schreiten voran, lassen alte Vorurteile hinter uns. Der Mensch aus der Retorte – perfekt, störungsfrei, voller Kraft undf Schönheit – entspringt der Retorte mit dem Samen und der Eizelle deiner Wahl. Sein Denken wird nicht mehr in die Irre gehen, sondern wundervoll zentriert um die gesetzten Ziele kreisen. Das Schönste aber: seine Gefühle sind vollkommen transparent. Schluss mit all dem Düsteren, mit den Schatten der Vergangenheit. Klar und heiter ist seine Seele. Komm, sei einer der Pioniere, die dieses herrliche Menschenziel realisieren! Auf in die Zukunft einer glücklichen Menschheit! „

Bis zu 20 Punkte kannst du No. 8 geben.

 

 

No. 9: Der/die Fragende

„Das kommende Jahr möge ein Jahr der Fragen und des Hinterfragens sein“, schreibt No. 9. „Zu viele behaupten, Antworten zu haben auf Fragen, die sie niemals stellten. Und sie verordnen und befehlen mit einer Sicherheit, die nur in die Irre führen kann. Lernt, die richtigen Fragen zu stellen! Werdet selbst zum Fragezeichen! Auch Delphi gäbe euch niemals richtigen Bescheid, hättet ihr nicht zuvor die richtige Frage gestellt.“

So meint No 9. Du kannst ihr bis zu 20 Punkten geben.

 

No 10: Traumwesen

„In meinem Reich bist du frei. Willst du Engel sein oder Fisch in den Ozeanen? Sei es! Möchtest du wie ein Weib fühlen, auch wenn dein Körper männlich ist?  Es sei! Was hindert dich!  Schwebe, lebe, webe, hebe dich über die Niederungen der Welt. Die Not dessen, was sie Realität nennen, sei für andere. Wenn dich eine Fessel schmerzt, sprenge sie, wirf sie ab. Für uns sei, was wir wollen, was wir wünschen, was uns gut tut. Komm, teile mit mir den freien Genuss, ohne Grenzen und Verdruss! „

Diese Bewerbung schrieb mir No 10. Du kannst ihr bis zu 20 Punkten geben.

 

 

No 11 Das Paar

„Wir sind ein Wir. Uns ist bewusst, dass unsere Lebensform manchem veraltet erscheint. Wir aber bleiben überzeugt: ein Paar. Was den einen betrifft, ist auch für den anderen wichtig. Als Paar erleben wir die Welt. Als Paar lernen wir, die Welt aus der Perspektive eines Du zu erleben. Das ist manchmal schwierig, auch schmerzhaft, aber es ist das, was uns vor allem anderen interessiert. Wenn du erfahren möchtest, wie die Welt sich aus der Perspektive eines Paares ausnimmt, dann wähle uns.“

Wieder kannst du bis zu 20 Punkten vergeben.

 

No. 12 The Kid

„Hallo, ihr Lieben! Einmal leben wir, machen wir was draus! Ist mir doch wurscht, was grad angesagt ist, oder? Ich jedenfalls hab mein eigenes Programm. Heute so, morgen anders. Es kommt wie es kommt. Mal regnet es, mal scheint die Sonne. Mal hab ich wen, mal bin ich alleen. Mal muss ich, mal will ich. Unterkriegen werden sie mich nicht. Mich nicht!! Ein Weg wird sich schon finden. Hab keine Angst. Wenn du für mich stimmst, machen wirs zusammen, das Jahr. Versprochen! Ich lass dich nicht im Stich, nur weil es bei dir mal nicht so läuft. Alles klar? Na also.“

Diese etwas ungewöhnliche Bewerbung schickte mir No. 12. Wieder kannst du bis zu 20 Punkten vergeben.

Damit ist auch diese Vorstellungsrunde abgeschlossen. Es stecken noch ein paar Bewerbungen im Rohr, vielleicht kommen ja auch noch ein paar Nachzügler, man wird sehen.

 

 

Die neue Regel:  Du kannst insgesamt 50 Punkte vergeben. Die kannst du auf verschiedene Kandidaten verteilen; maximal 20 Punkte für einen Kandidaten. Es gibt mittlerweile 12 Kandidaten.

 

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Agentur für Kandidaten 2023 (1-6)

Es lässt sich nicht mehr verheimlichen: dieses Jahr neigt sich dem Ende zu. Schon fragt der eine und die andere: μετά Meta – danach? Dora ist grad bei den Olivenerntern im Garten, da möchte ich die Gelegenheit ergreifen, schon einmal vorzutasten: Wer soll das Jahr 2023 repräsentieren?

2021 war es der Willi, der im Laufe des Jahres Farbe, Rasse und Geschlecht wechselte, der an den problematischen Weltgeschehnissen teilnahm und meinte: wo ein Willi, ist auch ein Weg.

2022 war und ist Dora die Schenkerin dran. Sie ist immer dasselbe Kind, voller Spaß und kleiner Weisheiten, eine Schenkerin froher Momente.

Und 2023?

Ich habe eine Agentur gegründet, bei der sich Kandidaten melden können. Tatsächlich sind schon ein paar Bewerbungen eingetroffen. Bei der Bewertung und schließlichen Kür rechne auf eure Mithilfe. Denn die Welt ist rund und bunt, und ich allein kann nicht wissen, was kommt, was droht, und nicht mal, was wichtig und wünschenswert ist.

No.1 Frauenrechte

Die Göttermutter macht für sich geltend, dass sie das Frauenrecht verteidigt. Auf der Erde sei die Mehrzahl der Frauen weiterhin Opfer von Misshandlung, Gewalt, Unterdrückung. Man müsse den Frauen endlich zu ihrem Recht verhelfen, damit sie eigenem Gusto und Geschmack leben können. „Nicht nur“, behauptet sie in ihrem Bewerbungsschreiben, „werden Frauen nach altbekannter patriarchaler Manier als Eigentum der Männer gehandelt, sondern sie werden nun auch von anderen neu erfundenen Geschlechtern in Frage gestellt. Wenn das so weiter geht, gibt es bald keine Frauen mehr.“

Hera ist die erste Bewerbung, die hier eintrudelte. Du kannst maximal 20 Punkte vergeben.

No 2. Transparenz bitte!

„Was fehlt, ist Transparenz!“, schreibt die Bewerberin No.2. „Sie fehlt in allem: In der Politik, der Wissenschaft, den Medien, der Geldwirtschaft, sie fehlt auch in den Motiven der Menschen, die Besserung versprechen.“ Scheinheiligkeit-Verlogenheit- Täuschung sei das größte Gegenwartsproblem. Was also am meisten vonnöten sei, sei Transparenz in allen Angelegenheiten, damit die Menschen wissen, woran sie sind.

Du kannst bis zu 20 Punkten vergeben.

No. 3 Eroberung des Weltraums

„Die Erde ist ein unsicherer Ort geworden“, behauptet Bewerber No.3. „Es wird Zeit, sich nach anderen Orten umzusehen. Der Himmel ist voller Sterne, Planeten sind auch in Fülle vorhanden, von Monden ganz zu schweigen. Ich verspreche euch, wenn ihr mich wählt, euch bei eurer Erd-Flucht zur Seite zu stehen“. – Du kannst bis zu 20 Punkten vergeben.

No. 4: Die Hilfesuchende

„Ich fürchte, unsereins wird im kommenden Jahr nicht sehr beachtet werden. Doch werden wir immer mehr.“ So schreibt die Bewerberin No. 4. „Wo sollen wir hin? Wo finden wir eine sichere Bleibe? Während ihr euch über Geschlechter, Transparenz und die Temperatur der Erde zankt, haben wir kein Plätzchen, um unser Haupt hinzulegen. Ich bitte euch, uns nicht zu vergessen. Wenn ihr mich wählt, werde ich euch täglich zuschauen bei eurem Tun und sehen, ob ich ein bisschen Hoffnung daraus schöpfen kann.“

Wiederum kannst du bis zu 20 Punkten vergeben.

 

No 5: Der Macher

„Den Stier bei den Hörnern und die Gelegenheit am Schwanz packe ich. Manchmal geht es auch darum, Drachen zu töten und Ungeheuern den Garaus zu machen. Die Welt ändert sich nicht, wenn du träumst. Ich will dich gern im kommenden Jahr lehren, nicht nur zu schwätzen, sondern zur Tat zu schreiten. Auf gehts!“ So bewirbt sich No. 5. Du aber kannst 1-20 Punkte vergeben.

 

No 6 Hedonie

„Lieben und Lust, Lebenslust! Das ist meine Devise!“ So das kurze Bewerbungsschreiben von No. 6. Es gibt da noch ein ps: „Wer Lust hat, wählt mich. Wer nicht, lässt es bleiben!!“

Auch hier sind wieder bis zu 20 Punkten zu vergeben. Der Schatten hinter der Lebenslustigen wird nicht extra bewertet.

 

 

 

 

 

 

 

Inzwischen warten weitere Bewerbungen im Rohr. Die stelle ich bei nächster Gelegenheit vor. Es wäre schön, wenn du die Bewerbungen bewertest. Du kannst jeweils 1-20 Punkte vergeben. Eine Begründung für die Punktvergabe ist nicht nötig, aber wäre hilfreich. Danke!

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Dora zum SechsundzwanzigstenElften: Interaktiv und Danach

Dora hat eine neue Aufgabe für sich entdeckt: Kunstunterricht geben! Die ersten Schüler haben sich eingefunden. Du wirst sie schon kennen: es sind der dicke Zwerg und die beiden Mäusegesichter.

Stolz zeigt Dora mir den Plan für den Unterrichtsraum, den die Kleinen unter ihrer Anleitung gezeichnet haben. „Es ist nämlich wichtig“, erklärt sie mir wichtigtuerisch, „dass die Schüler von Anfang an beteiligt sind.“   Ich beschaue mir den Plan, lasse mir auch das eine und andere erklären („Wozu soll das Boot gut sein?“, „Was hat es mit den Balken auf sich?“), bin aber nicht sehr überzeugt. „Na ja“, sage ich, „alles Gute dann. Wird schon klappen.“

„Du verstehst einfach nichts!“ nörgelt Dora, die sich über meine mangelnde Begeisterung ärgert. „So geht moderne Kunstpädagogik.“ – „Und wie geht die?“ frage ich kühl. „Meta-interaktiv!“  kommt die prompte Antwort. –  „Wie bitte?“ – „Ich sag ja, du hast keine Ahnung. Also erstens geht sie interaktiv. Künstler und Kunstwerk treten miteinander in einen Austausch. Nichts ist fertig, alles im Werden. Zweitens Meta. …“

„Moment mal,“ unterbreche ich ihren Redeschwall. „Ich bin heute anscheinend begriffsstutzig. Könntest du mir bitte ein Beispiel geben, damit ich es verstehe?“

Dora pfeift, und sofort setzen sich ihre drei Schüler*innen brav auf ihre Plätze. „So, meine lieben Hinz und Kunz und du, Wichtel Miesgram“, wendet sich Dora an die Kleinen, „die Alte hier will wissen, was interaktive Kunst ist. Zeigt es ihr, bitte.“

Wie auf Knopfdruck beginnt sich das Bild zu verändern. (Haben die Kleinen womöglich tatsächlich auf einen Knopf gedrückt?)

„Hm“, sage ich und „nun ja. Ich verstehe. Du machst eine kleine Zeichnung, die gibst du in einen Computer ein, und der Zuschauer kann nun mithilfe von Knöpfen allerlei verändern. Macht was her. Und was ist nun Meta?“ –

„Meta ist, wenn du selbst im Bild drin bist. Du läufst drin rum, machst dies und das, frierst oder kriegst einen Schlag, je nachdem, wie du das Bild, das eigentlich eine Maschine ist, einstellst. Also,“ wendet sie sich an ihre Schüler, „Hinz und Kunz und du, Wichtel Miesgram, zeigt der Alten bitte, was Meta ist. Aber Vorsicht, die Maschine könnte euch am Ende verschlingen!“

Das Bild beginnt zu zittern und zu rattern ….

und … was danach* kommt, erzähle ich vielleicht ein anderes Mal. Jetzt muss ich mich erst mal von meinem Schreck erholen.

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*“Meta“ ist bekanntlich der neue Name von FB. Das Wort μετά ist griechisch, ihr kennt es von Metaphysik – was nichts anderes als „Nach der Physik“ bedeutet. Wikipedia schreibt dazu: „Die Bezeichnung selbst stammt nicht von Aristoteles, sondern geht wahrscheinlich auf Andronikos von Rhodos zurück, der im 1. Jahrhundert v. Chr. die Werke des Aristoteles in einem Keller von Strabon fand, wo sie etwa 200 Jahre lang gelagert hatten, und sich um eine Ordnung der Schriften bemühte; es entstand eine Kompilation, die im Grunde genommen eine Art Verlegenheitslösung für eine Gruppe von Abhandlungen ist, die bei der Neuordnung der Schriften übrig blieben und sich schlecht einordnen ließen; Andronikos fügte sie hinter denen über die Physik ein, so dass der Name zunächst eine räumliche, bibliothekarische Bedeutung hatte.“

 

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Schnee auf dem Taygetos

Seit gestern zeichnet sich der höchste Berg des Taygetos, den der Volksmund Pyramide nennt, als weißes Dreieck gegen den weiß-blauen Himmel ab.

Du siehst nichts? Dann wollen wir den Gipfel mal, so weit das iphone es zulässt, heranzoomen. Die Pyramide ist das Dreieck rechts vom übrigen näher gelegenenen Bergmassiv, das auch ein wenig Schnee abbekommen hat.

Das Meer weiß nichts von Schnee, aber es glänzt genauso weiß wie der Gipfel.

 

 

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Deutsche und griechische Insektenkünstler im Vergleich (mit Dora)

Bei Joachim Schlichting ist ja immer wieder Schönes, Erstaunliches und Wissenswertes zu erfahren. So auch sein letzter Eintrag: Pingelige Insekten. Auch der anschließende Dialog zwischen Gerhard und Joachim fand mein Interesse.

Gerhard: Ich unterstelle dem Tierchen ästhetische Ambitionen! Was denn sonst? 😉
Vorbei die Zeit, in der man Insekten Primitivität unterstellt hat.
Sie werden uns demnächst auch Botschaften hinterlassen. Einfach, indem Sie z.b. über Wörter von Buchseiten wandern.

Joachim: Ja, so sollte man es vielleicht sehen. Durch die Wanderungen könnten sie uns etwas vorlesen. Aber Geduld muss man dann schon mitbringen.

In meinem Garten gibt es vergleichbare Kunstwerke, von griechischen Insekten in die Blätter eines Judasbaumes gefressen. Der Vergleich mit den deutschen Pingelfritzen ist geeignet, sämtliche gängigen Klischees zu bestätigen: Die griechischen Insekten sind großzügig, voller Einfallsreichtum und Sprachwitz. Und sie lassen Gerechtigkeit walten: alle Blätter werden angefressen, aber keins völlig ruiniert. Dagegen die deutschen! Was für Perfektionisten! Was für Systematiker! Was sie sich vornehmen, beenden sie, egal was es kostet. Dieses eine Blatt gilt es zu säubern – also säubern wir es (und wenn wir „säubern“ sagen, dann meinen wir es auch), auch wenn daneben ebenso leckere Blätter in Massen herumhängen.

Übrigens war es Dora, die mich auf die Löcher in den Blättern aufmerksam machte. Ihr kennt sie: Kaum entdeckte sie die Löcher (sämtliche Blätter des Judasbaums waren zu filigranen Kunstwerken umgestaltet worden),  fing sie an, in ihnen auf und abzutauchen, als wären sie extra für sie hineingestanzt worden.

Sie behauptet, das sei die beste Methode, um den Sinn der Insekten-Botschaften zu entschlüsseln.

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