„Nun erzähl schon“, ermahnt mich Dora. „Du willst doch dein neues Wissen nicht für dich behalten, oder?“ – „Nein, natürlich nicht, Dora. Aber wo soll ich nur beginnen?“ – „Fang doch einfach am Anfang an“, rät Dora. „Und wo ist der Anfang? Bei der Erschaffung der Erde? Oder am Mittwoch, als Freundin Magda sagte: am Sonntag fahren wir nach Alagonia, da macht Manikis eine Einführung in die Produktion von Samenbällchen. Kommst du mit? Lina, Christina und Angelika kommen auch.“ – „Und Stefanos kam dann auch und machte den Fahrer … Nee, so geht das nicht. Fang doch mit Manikis an. Wer das ist und was der will und so.“
„Ein kluger Rat, danke, Dora. Ich versuchs mal: Panagiotis Manikis hat bei Masanobu Fukuoka in Japan gelernt, dass Gott-Natur-Mensch eine Einheit bilden und ….“

Panagiotis Manikis erklärt die Funkktion eines Pflänzchens, 15.5.2022
„Nein, um Gottes Willen, lass Gott und die Theorie weg! Sonst beginnt bestimmt eine elende Diskutiererei!!“ schreit Dora und hüpfst auf meiner Schulter rum, wo sie steht und mitliest. – „Ja, aber…“ – „Kein aber! Du hast doch so viele Photos gemacht. Zeig erstmal die! Dann können sich deine Leser und deine Leserinnen ganz alleine einen Reim machen, worum es geht.“
Ganz überzeugt bin ich nicht, aber Fotos zeigen ist immerhin einfacher als eine Theorie zu erklären, die man selbst noch nicht verdaut hat. Auch wenn diese Theorie so einfach ist wie die von Fukuoka, braucht es doch Vertiefung, um sie ganz zu verstehen. Die Lösung für unsere größten Weltprobleme scheinen, wenn man Manikis zuhört, so leicht zu machen wie die Bällchen, die wir an langen Tischen aus Tonerde, einem zermahlenem weißen Gestein und Wasser kneteten. Dort hinein kneteten wir viele verschiedene Samen. Denn das ist der Clou: Sammle jede Art von Samen: Gemüse, Fruchtbäume, Kräuter -, umhülle sie mit Erde, damit die Vögel sie nicht gleich fressen – wirf sie in vorbereitete Beete oder auf verarmte Böden, auf verbrannte Berghänge oder in Steppen und Wüsten zu Zeiten, bevor der Regen kommt – du kannst dafür auch Flugzeuge benutzen – und dann überlasse der Natur alles Weitere. Sie weiß nämlich besser als du und ich, was wo gedeihen kann. Grabe nicht um, jäte nicht, beschneide die Bäume nicht, dünge nicht, streue kein Gift gegen Schädlinge….Lass die Natur machen. Das einzige, was du ihr anbietest, sind die Samen und vielleicht auch deine Liebe.
Freilich, damit du gute Ernte hast, musst du schon auch einiges beachten: wie du eben doch hier und da einen Ast kürzt, wie du Fruchtbäume mit Gemüsen am besten kombinierst, wie du dem Boden beim Belüften durch die Aussaat bestimmter Pflanzensamen hilfst… Zwei Stunden erzählte Panagiotis Manikis und beantwortete Fragen.
Dann verließen wir den Garten, in dem er uns all das demonstrierte, und wanderten zu einem anderen Haus und Feld, wo wir nun die Samenbällchen kneten und in der Sonne trocknen lassen würden.
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Einführung …
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Dokumentation …
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unterwegs zum Ort —
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der Produktion….
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von Samenbällchen
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meine Hände
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„Und? Habt ihr etwa nur gelernt und gearbeitet?“ Nein. Ich war auch spazieren und habe sogar ein wenig gezeichnet. Ich habe in der Wiese gelegen und ein Mittagsschläfchen gehalten, und aufwachend habe ich Gras und blaue Glockenblumen vor einem Himmel gesehen, an dem große weiße Wolkentürme standen. Alle zusammen haben wir an den langen, nun abgewaschenen und mit hübschen Stofftüchern bedeckten Tischen gesessen und von Porzellantellern mit echten Bestecken gegessen, was die Teilnehmer – ca 35 jüngere und junge Menschen, Griechen und Fremde – an selbst zubereiteten Köstlichkeiten mitgebracht hatten. Aus gläsernen Bechern tranken wir gekühlten Tee. Als wir fertig gespeist hatten, sammelten wir alles ein und verstauten es. hier die sauberen, dort die benutzten Teller, Gläser und Bestecke, hier die Tischtücher, dort die übrig gebliebenen Speisen, zusammengefaltet wurden die großen Tische und die Stühle gestapelt – und nichts blieb auf der Wiese zurück. All das geschah still wie von Zauberhand, indem jeder ein wenig mithalf. Es gab Null Abfall, keine schwarzen Plastiktüten, kein zerknülltes Papier, und selbstverständlich weder Masken noch Desinfektionsmittel. Nichts als die intakte Natur.
Später – da saßen wir bereits im Dorf-Cafe – meldete sich auch Zeus mit einem kräftigen Donnerschlag und kurzem leichtem Regen, um seine Anwesenheit zu verkünden. Dann überließ er den weiten Himmel wieder Apoll. Und als der Tag ging, stieg Selanna, der Mond, in voller Pracht über die Berge herauf.
Es war ein Fest des Zusammenspiels der Elemente, der Mineralien, Pflanzen, Tiere, Menschen jeden Alters und der Götter – tätig, schaffend, wohlwollend, lachend, speisend, sich austauschend – auf unserer schönen Erde.
Jetzt werde ich mich in die Bücher vertiefen, die ich gestern kaufte: von Panagiotis Manikis ins Griechische übersetzte schön bebilderte Bücher des japanischen Weisen Masanobu Fukuoka. Er macht uns klar, dass es auf alle vom Menschen geschaffenen Probleme einfache Antworten gibt, wenn wir uns zurücknehmen und unseren Platz im Ganzen einnehmen.

Drei willkürlich herausfotografierte Illustrationen des Buches: