Dora zum SiebtenFünften: Vergleichen

Als ich von der Rosmarin-Besichtigung zurückkomme, bemerke ich Dora, die im Licht-Schatten des reichen Laubs, das der große Aprikosenbaum inzwischen hervorgetrieben hat, fast unsichtbar ist.

Folge den Schatten: dort wo sie am Fuß der Hauswand zusammenlaufen, steht Dora, die mal wieder damit beschäftigt ist, sich auszumessen.

„Ich bin schon wieder geschrumpft“, höre ich sie jammern.

Warum sie als Messlatte ausgerechnet den schnell wachsenden Trieb einer Zwiebel benutzt, verstehe ich nicht. Seit der letzten Messung am Dienstag ist er von 65 auf 87 cm angewachsen – und natürlich kann Dora da nicht mithalten. Meine Erkärungsversuche (hier), dass nicht sie schrumpft, sondern der Trieb wächst, haben nichts gefruchtet.

„Ist das denn so schwer zu begreifen?“ frage ich sie.

Im Geheimen aber denke ich: Im Kopf kann man es schon akzeptieren. Aber wie war das doch gleich, als mir das Kind, das mal in meinem Bauch Platz hatte, über den Kopf wuchs und wuchs und wuchs – so dass auch mich das Gefühl beschlich, auf Zwergengröße geschrumpft zu sein? Dabei bin ich mit 1.71 m ja nicht wirklich klein.

So geht es wohl mit vielem: Man glaubt, eigentlich ein ganz ordentliches Format erreicht zu haben, aber wenn man sich mit Giganten vergleicht, schrumpft man zur Bedeutungslosigkeit. „Ein Leonardo bist du nicht“, sagt mein Mann gern, um mich zu ärgern. Ach ja. Nein. Ich weiß. Wirklich nicht.

„Wozu sich vergleichen?“ sage ich weise. „Vergleichen ist Gift.“

Dora hat sich derweil hinauf zur Zwiebelknospe begeben, die sie mit dem Licht ihrer Latüchte zum Blühen bringen will. Wenn sie auch kleiner als der Zwiebelspross ist, so ist sie doch oho!

Mich beschäftigt indes die Frage, was die Zwiebel antreibt, so in die Höhe zu wachsen. Welchen Stern hat sie angepeilt? Und bis zu welcher Höhe bleibt das hohle Rohr ihres Stängels wohl stabil? 87 cm misst er bereits! Bisher wuchs er fast senkrecht, doch hat er sich schon einen Tick Richtung Sonnenuntergang geneigt.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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16 Antworten zu Dora zum SiebtenFünften: Vergleichen

  1. Anonymous schreibt:

    Zauberhaft, diese kleine Dora! Und Finger weg von diesem unerspriesslichen Vergleichen– sind wir
    nicht jeder/ jede unvergleichbar, so wie eben auch die zauberhafte Dora…!

    Gefällt 2 Personen

  2. Die Tagträumerin schreibt:

    Mit herzlicher Sympathie für Dora!

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  3. Dora ist eben sehr ehrgeizig! Ehrgeizig ist gut, aber geizig wieder nicht! Aber wir sind doch alle einzigartig, da kann man garnichts vergleichen.
    Füttern Sie doch mit Spinat, Du weißt schon, wie einst der kleine Popeye!😁😉

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  4. Gisela Benseler schreibt:

    Danke, Gerda, wie immer erquicklich und ersprießlich, ähnlich dem Zwiebeltrieb mit Blütenknospe! Ja, wer kann mit solch schnellem Wachstum schon mithalten?!
    Da wird uns klar, daß Körpergröße nichts mit innerer Größe zu tun haben muß. Dora ist ja zum Glück trotz ihrer Kleinheit ziemlich selbstbewußt gewesen und weiß sich schon zu helfen , um nicht darunter zu leiden. „Klein, aber oho!“😊👍
    Und ich glaube, sie zeigt uns ja auch eine Seite von Dir, und Du schaffst es ja auch – mit Doras Hilfe – immer wieder, wie jetzt nach Deinem Sturz. Darüber bist Du längst innerlich wieder hinausgewachsen.
    Bleib so und wachse noch mehr im kommenden Jahr und Jahrzehnt! Das darf ich doch schon einmal am Abend zuvor sagen.💐

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  5. derdilettant schreibt:

    „Vergleichen ist Gift“ – wie wahr!

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  6. wenn man sich mit Giganten vergleicht, schrumpft man zur Bedeutungslosigkeit.

    Was für ein guter Satz, liebe Gerda!

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