Welttheater, 2. Akt, 7. Szene: Poetin und Flüchtlingin

Was zuletzt geschah: Trud, die Fragende, stellt ihrer Art gemäß Fragen um des Fragens willen. Hera reagiert unwillig: Das Offensichtliche zu hinterfragen, sei wenig hilfreich. Hera und Trud verlassen die Szene, Jenny theKid verharrt unschlüssig. Domna wendet sich Danai zu. Sie rezitiert mit inniger Stimme ein Gedicht*.

Domna

„Bräunliche Haide im Sonnenduft,
Wandervögel in blauer Luft,
Und eine Welle, die weit vom Fluß
Sich in das träumende Land verirrt
Und nun im Sande verrinnen muß. –
Während der Zug vorüber schwirrt,
Prägt sich das seltsame Bildchen mir ein,
Um mich dann später heimlich zu fragen:
„Was bist du Andres, als solch eine Welle,
Die von des Ufers sicherer Schwelle
Ruhlose Sehnsucht ins Weite getragen?“*

 

Gleichst du nicht auch einer Welle

die das Schicksal fortriss von der Quelle

liebe Danai?

Es trug dich fort von deinem Land

und spülte dich an diesen Strand

ganz nahebei

Ein Strand, ein Volk, im irgendwo

du kennst es nicht, es scheint dir roh.

Es ruft: sei frei

Doch Freiheit ist ein leeres Wort

wenn feindlich dir der fremde Ort

wo es auch sei.

Danai:

Ich höre dich, Domna, Liebe,

doch glaub mir, wenn ich bliebe

in meiner Heimstatt, mit den Kindern

mit Schaf und Hund und bunten Rindern

ich wäre tot jetzt samt den andern

die es nicht schafften fortzuwandern.

In meinem Land gibt es nur Krieg und Hass

Nicht morgen, Morden, darauf ist Verlass.

Wir Frauen solln den Männern dienen

wie Sklaven gehorchen und nur ihnen.

Und wer sich wehrt, der wird gezwungen.

Schon meine Ahnin hat gesungen:

‚Die Freiheit ist kein leeres Wort

nicht hier, nicht dort, an keinem Ort‘.

Domna (nachdenklich)

Ich hör dir zu, denn wenig kenne ich die Welt

Ich weiß nicht recht, wie es um sie bestellt.

In dieser Ecke geht es friedlich zu

Zur Ruhe komme hier auch du.

Danei (froh und aufgeregt):

Schau Domna, auch die Göttin ist zurück

mir scheint, zum Guten neigt sich mein Geschick.

Sie rief herbei die klugen Geister der Natur

sehr mächtig, wenn auch winzig von Statur.

 

 

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Christiane hat mir erlaubt, in ihrer reichen Gedichtssammlung zu stöbern und mich zu bedienen. Es ist eine wunderbare Quelle der Inspiration.  Danke, Christiane!

(Anna Ritter, Verirrte Welle, aus: Befreiung, 1900, Online-Quelle)

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Welttheater 2. Akt, 6. Szene: Hinterfragen

Was zuletzt geschah: Hera hat ihren Monolog über die wahre Version der Danaidengeschichte beendet.  Jenny protestiert heftig und verkündet ihre Lebensdevise: sie will nicht für „weibliche“ Arbeiten eingespannt werden, sondern frei sein.

.

Moment mal, Hera,

willst du uns etwa erzählen

wie gut das Dienen sei?

Solln wir uns weiter quälen?

Ich selbst bin lieber frei!

Trud, die Fragende, hat ihrerseits etliche Grundsatz- und Detailfragen. Hören wir sie selbst:

Trud:

Bist du sicher, hohe Göttin, dass die Frauen besser sind

als die Männer, nur weil sie im Bauch ein Kind

tragen können, Männer nicht?

Führen nicht auch Frauen Kriege?

Neigen Fraun nicht auch zur Lüge

Führen andre hinters Licht?

 

Bist du sicher, dass die Zahl

der Frauen wirklich fünfzig war?

Vielleicht warns zehn, die diese Qual

erdulden mussten Jahr um Jahr?

 

Wo stehts geschrieben, gibts Beweise

dass die Männer sie entehrt?

Oder machten sie die Reise

Weil die Heimat nichts mehr wert?

 

Viele Fragen bleiben offen

viel Geschwätz und wenig Sinn

Weils so ist, bleibt nur zu hoffen

dass ich selbst im Irrtum bin.

Hera zieht sich langsam zurück, Trud rutscht auf den Knien hinter ihr her, immer weiter ihre Fragen murmelnd.

Trud

Stets muss man die Quellen kennen

Wer was sagte und warum

Muss auch stets die Namen nennen

Und vom Ereignis das Datum.

Hera

Das ist das Schlimme dieser Zeit

Dass niemand glaubt, was er vor Augen

Und selbst wenn laut die Wahrheit schreit

Fragt ihr, was die Beweise taugen.

 

Und so geschieht, was offenbar

Schon längst den Menschen, die gescheit.

Die andern spalten Haar um Haar,

Zum Handeln sind sie nicht bereit.

Hera und Trud gehen ab.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Welttheater, Zweiter Akt, Fünfte Szene: Theophanie* der Hera

Zum besseren Verständnis des folgenden Textes:

a) Wikipedia zu Danaiden

„…töteten alle bis auf eine in der Brautnacht ihre jungen Ehemänner…Zur Strafe muss jede von ihnen im Tartaros Wasser in ein durchlöchertes Fass schöpfen, weshalb heute eine qualvolle, sinnlose Mühe eine Danaidenarbeit genannt wird….“

„Mondpriesterinnen traten in der Regel in einer Gemeinschaft von fünfzig Jungfrauen auf – was auch immer geschah, daran änderte sich nichts. Sie hatten die Pflicht, durch ihre Rituale dem Land Regen zu bringen und – konkreter – Brunnen und Quellen zu erhalten. Mit Sieben oder durchlöcherten Töpfen wurden die Kulturen mit Wasser besprüht.“

b) Theophanie bedeutet „Erscheinung der Gottheit“, so dass sie für die menschlichen Sinne wahrnehmbar wird.  Griechische Gottheiten erscheinen sehr häufig in menschlicher Gestalt. Aber auch im Alten Testament gibt es Beispiele:  Gott erscheint im „Brennenden Dornbusch“, aus dem er zu Moses spricht. Im Neuen Testament geschieht Ähnliches bei der Taufe Jesu (die heute als Epiphaniasfest gefeiert wird): Der Heilige Geist erscheint in Gestalt einer Taube und eine Stimme (Gott) spricht: „Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden“.

Ende der Erläuterungen.

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Wir verließen die vier (Domna, Danai, Jenny und Trud), als Danai ihre Version der Sage von den Danaiden beendet hat und die Göttin Hera auftritt. Hera verlangt entschieden das Wort:

Halt ein, Danai! Jetzt rede ich!

Denn so, wie deine Ahnen dirs gesagt, so war es nicht!

Lügengespinste breiten

sich über jene Zeiten

auf tausenden von Seiten

schreiben männliche Gelehrte

was uns Frauen tief entehrte.

 

Wir hätten, wie sie sagen

wehrlose Männer erschlagen

uns dann aber glücklich vermählt

mit einem, den wir uns erwählt

 

Doch all das ist erlogen

und später zurechtgebogen

Der Mord ist nicht, was Frauen wollen

die stets dem Leben Tribut zollen

Denn Leben ist’s, was wir bereiten

Wer wagt es, dieses zu bestreiten?

 

Die Frauen, die hier Zuflucht suchten

weil sie geflohen vor verruchten

gewaltbereiten Männerhorden

die sie verfolgten, um zu morden

die Danaiden

waren hinieden

Priesterinnen von meiner Huld

mir dienten sie ohn jede Schuld

Als ich die Große Göttin genannt

Bei euch nur noch als „Mond“ bekannt.

 

Fünfzig Danaiden, Mondpriesterinnen, landen an Argos Küste.

 

Ich war der Segen, ich war das Boot

ich trieb durch die Himmelsfluten

ich stand als Sichel im Abendrot

und verlosch in den Sonnengluten.

 

Im Osten stieg ich als Spiegel empor

wenn im Westen die Sonne versank

wenn der Glutball seine Herrschaft verlor,

und in Meerestiefen ertrank.

 

In meinem Namen sprangen die Quellen

aus berstenden Steinen hervor

Ich selbst war΄s, die für Meereswellen

und Flüsse die Hüter erkor.

 

In diesem Land,

an diesem Strand

war nichts als Dürre und Stein

Wer brachte die Quellen

wer netzte den Stein?

wer tanzte im hellen

im Mondesschein?

 

Das waren die Meinen, Danaiden genannt

 geflohn warn sie aus Ägyptens Land!

Und immer noch füllen sie Krüge

auf dass das Leben auch heute gedeih

Doch Männer verbreiten die Lüge

dass ihr Dienst eine Strafe fürs Morden sei.

 

Jenny TheKid unterbricht Heras Monolog:

Moment mal, Hera,

willst du uns etwa erzählen

wie gut das Dienen sei?

Solln wir uns weiter quälen?

Ich selbst bin lieber frei!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Segnung der Gewässer

Alle Jahre wieder – am 6. Januar – findet mein Lieblingsfest statt: die Segnung des Wassers. Epiphanias-Taufe-Hl 3 Könige-Weihnachten der Ostkirche: das Erscheinen Gottes auf Erden ist ein gewaltiger Festtag. Ich feiere ihn hier meistens am Wasser, allein, mit Willi oder Dora, oder auch als Zuschauer beim Tauchen nach dem Kreuz, das ein Priester ins Meer geworfen hat, so dass eine Schar tapferer Jugendlicher hinterherspringt, um es herauszufischen.

Da ich dieses Fest liebe, habe ich bereits mehrfach drüber berichtet, so unter den folgenden drei links. 

Epiphanias. Dora zum Sechsten

6.1.2021. Epiphanias mit Will.i am Meer

6. Januar: Weihnachten, Theophanie und Segnung der Gewässer

Heute aber begebe ich mich nicht ans Wasser, sondern in die Berge, zum „Kleinen Kloster“, von dem ich auch immer mal wieder erzähle. Aus der schön gestalteten Kirche, die erst in den letzten Jahren entstanden ist …

wird das gesegnete Wasser nach der Liturgie herausgetragen, und jedem, der möchte, wird das mitgebrachte Gefäß gefüllt.

Danach versammeln sich die Menschen zum gemeinsamen Anhören erbauender Texte, dazu wird griechischer Kaffee, Wasser, Gebäck und Treberschnaps gereicht. Ein Höhepunkt: zwei Mönche singen „Kalanda“ (traditionelle Lieder, die die Kinder, von Haus zu Haus gehend, singen, um Geld und Geschenke einzusammeln), der dritte bläst die Flöte. Zwischen ihnen sitzt im Rollstuhl der Älteste, der wegen einer zunehmenden Lähmung nicht mehr sprechen kann.

Ein inniges fast familiäres Fest.

Draußen herrscht Zauberlicht, denn nicht nur ist der Tag hell und trocken, sondern es ist auch Vollmond. Sicher, den Mond werde ich erst am Abend aufgehen sehen, aber sein Licht verwebt sich bereits am Tage zärtlich mit dem der Sonne.

Wohin das Auge schweift: nichts als Schönheit und Harmonie. Ob der Blick hinübergeht zum Hochgebirge, den kleinen Dörfern, Kirchlein, Zypressenwäldchen und allgegenwärtigen Ölbäumen….

oder hinunter zum Nachbardorf vor dem großen Meeresblau …

oder in das Gärtchen mit ersten Frühlingsblühern und mit Früchten, die ich nicht kenne …

alles atmet Heiterkeit an diesem Tag, an dem das Wasser gesegnet wird. Mögen seine Quellen für uns und die ganze Natur immer rein und reichlich sprudeln!

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Welttheater, zweiter Akt, 4. Szene: Schuld und Strafe der Danaiden

Wir verließen die vier, nachem Danai mit der Erzählung ihres traurigen Schicksals als Flüchtling endete.

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Trud, die Fragende

Liebe Danai, darf ich dich fragen:

 Was hat sich nachher zugetragen?

Was ist aus diesen Frauen dann geworden?

Ist es wohl rechtens, die Männer zu morden?

Jenny theKid:

Was fragst du, Trud, klar durften sie,

sie mussten sie erstechen

sie mussten eher gleich als nie

die üblen Regeln brechen!

Ich find es cool, wenn sich die Fraun

die frei wie Männer sind

den Aufstand gegen sie zutraun!

Das sieht doch jedes Kind.

Trud:

Gemach, halt ein, du schnelle Zunge,

Und schone deine junge Lunge!

Ich fragte, was danach geschieht

und nicht, was man gern wollte

Ich wüsste gern, was sich vollzieht,

wohin die Kugel rollte.

Danai

Du fragst zu Recht, und Antwort fällt mir schwer,

denn nichts ist sicher, alles steht im Raum

Der eine Wahrheit nennt’s, der andre nennt es Mär

Der einer sah’s, dem andern ist es Traum.

So hör, was ich vernahm als kleines Kind,

was ich von meiner Ahnin hab erfahrn.

Danai erzählt die Geschichte der Danaiden, die im Orkus mit bodenlosen Krügen ewig Wasser schöpfen müssen, weil sie die ihnen angetrauten Männer erschlugen.

 

Die Frauen wurden Mütter vieler Kinder

und lebten wohl, solang ihr Leben währte

Das Land war reich und voll der schönsten Rinder,

das Frau und Mann und Kinder wohl ernährte.

 

Doch als ihr Tag vorbei und sich der Tod sie nahm

da mussten sie wohl vor den Totenrichter treten

der sprach zu ihnen: ‚Saht ihr nicht den Gram

der Mütter, die für ihre jung gefallnen Söhne beten?

 

Ihr habt viel Blut vergossen dort, in jener Nacht

als ihr den Mann erschlugt, den man euch gab,

Dafür wird  heute euch mein Spruch gebracht,

drum brech ich über jeder meinen Stab.

 

Für ewig müsst ihr nun mit Krügen,

die keinen Boden haben, Wasser schöpfen.

Denn wenn die Frauen alle Männer schlügen

und mordeten, das Haupt auch wohl abköpfen

dann gäb es keine Kinder, keine Erben

dann wären auch die Frauen ohne Glück.

Dann ging die ganze Welt in Scherben

und nichts brächt uns den Wohlstand je zurück.

 

Die Männer sind, wie sie halt sind geschaffen

sie träumen wild, sie handeln kaum aus Liebe

das ist das Erbe, das kommt von den Affen,

sie folgen ohne Denken ihrem Triebe.

 

Ihr Frauen aber müsst trotz alledem

das Leben fort und fort gebähren

und wenn ihr Kinder habt, fragt nicht mit wem,

so müsst ihr diese Kinder auch ernähren.‘

 

So sprach der Totenrichter zu den Frauen

und so vernahm ich es als kleines Kind

Wir müssen nicht nach Recht und Unrecht schauen

wir müssen Kinder tragen, weil wir sind.

 

Hera tritt auf

Halt ein, Danai! Jetzt rede ich!

Denn so, wie deine Ahnen dirs gesagt, so war es nicht!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Schneiden der Vasilopita im Freundeskreis

Die Vasilopita (Kuchen des Vasilios) ist vom Jahresbeginn nicht wegzudenken. Ich habe inzwischen drei Mal am „Schneiden der Vasilopita“ teilgenommen und unzählige Stücke dieses köstlichen Kuchens vertilgt. Fortsetzung folgt, denn bis zum Ende des Monats wird man durchaus noch dazu eingeladen.

Allein sollte man diese Pita, die nach dem Ag. Vasilios (der griechischen Variante des Hl Nikolaus) benannt ist (er verteilt nicht am 6.12., sondern am 1. Januar seine Geschenke), nicht schneiden. Unbedingt gehört eine gute Gesellschaft dazu.

Die Vasilopita gibt es in verschiedenen Ausführungen und Größen. Immer ist sie liebevoll dekoriert. Hier seht ihr zwei Exemplare, an deren Vertilgung ich in diesem Jahr beteiligt war, vor dem feierlichen Moment des Anschneidens.

Das Anschneiden geht so: Die Hausherrin oder der Hausherr deutet als erstes einen Kreuzschnitt an. Dann werden Stücke markiert und für jeden Anwesenden, aber auch für geliebte Abwesende je ein Stück bestimmt. Auch Größere werden bedacht: das Haus, die Familie, die Freundesgruppe, der Frieden, der liebe Gott. Dann wird geschnitten und verteilt.

Im Kuchenboden ist eine Münze versteckt. Wem diese zufällt, der wird im kommenden Jahr besonders vom Glück begünstigt. Bei unserer Freundesgruppe („Tree of Life“, von einer Teilnehmenden gebacken und schön dekoriert) fiel die Münze genau in die Mitte. Niemand ist ausgeschlossen, niemand besonders begünstigt. Alle zusammen werden wir vom Glück gesegnet sein.

Dieser Tulpenbaum blühte mir entgegen, als ich nach dem Treffen unserer Gruppe vor die Tür trat.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Essen im „Versailles“

Das Versailles, betrieben von einem befreundeten Ehepaar, ist eine Garküche der gehobenen Art. Das Besondere an solchen leider rar werdenden traditionellen „Majiria“ ist: Die Speisen werden nicht von der Karte, sondern nach Besichtigung des Tagesangebots, das in großen Warmhalteschalen appetitlich präsentiert wird, bestellt. Man kann draußen oder in einem durch Glas oder Plastikbahnen geschützten Raum sitzen, wird auch bestens bedient … also alles, wie in anderen Tavernen auch. Ein großer Teil des Umsatzes wird durch Hauslieferungen gesichert, so dass im Sitzbereich eigentlich immer reichlich Platz ist.

Heute morgen schien warm die Sonne, aber Mittags trübte es sich ein und wurde kühl. Und so war der altertümliche Gusseisenherd genau das Richtige, um den Essraum angenehm zu temperieren.

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Neue Blog-Gliederung: „Welttheater“ und „Tagebuch der Lustbarkeiten“

Das Neue Jahr verlangt eine neue Gliederung dieses Blogs. Allzusehr hat sich das Programm verzweigt. So habe ich mich entschlossen, nur noch zwei große Rubriken zu bedienen:
a) Das große Welttheater, das sich über das Jahr hin entfalten wird
b) Mein Tagebuch der Lustbarkeiten

Die erste Rubrik versteht sich von selbst. Aber die zweite? Beschert das Leben denn nur Annehmlichkeiten? Nein, fürwahr nicht. Aber die beschert es eben auch. Und ich möchte nicht, dass sie in der Düsternis untergehen, sondern das Bild beherrschen. Also werde ich nur mir Angenehmes in meine Tagebuchtexte aufnehmen. In Kommentaren und Postskripten kann ich dann immer noch Luft ablassen. Diese Idee ist ein Geschenk von Dora, die mir zuflüsterte: „Denk immer auch an das, was dir und anderen Freude macht!“


Das also werden die beiden großen Kategorien sein:

Großes Welttheater (Beispiel)                          Tagebuch (Beispiel)

 

Zum „Tagebuch“ gehört alles, was NICHT zum Welttheater gehört. Untergliederungen wird es geben können, je nach Bedarf. So beteilige ich mich weiterhin an den abc-etüden, der Impulswerkstatt, gelegentlich an Foto-Projekten, ich werde auch meine täglichen Zeichnugen und andere außerhalb des Welttheaters anfallende Produktionen zeigen, und was sonst noch so anfällt.

Wer an dem „Welttheater“ nicht interessiert ist, weil es als zusammenhängender, recht umfangreicher Text mehr Zeit braucht, als die meisten aufbringen möchten oder können, kann immerhin noch einiges Vergnügliche im „Tagebuch“ finden.

Alsdann!

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Welttheater, 3. Szene, zweiter Akt: Danais Geschichte.

Wir verließen unsere vier Akteure – Poetin Domna, Hilfesuchende Danai, Fragende Trud und Jenny theKid – am friedlichen Meeresstrand, rund um die Erzähltafel sitzend. Das Zauberwort war gefallen (geben, gib!).

Die Szene endete mit dem Wechselgesang:

Ich erzähl euch eine Geschichte                                Und ich stelle Fragen  

Ich rezitier euch Gedichte                                          Ich weiß alte Sagen

Ich weiß was von Witzen                                           Und ich, ich kann lachen

Komm her, bei uns sitzen                                          Bring mit deine Sachen

Komm her, dich zu wärmen                                     Bring mit deinen Kummer

Wer wird sich denn härmen?                                   Ich sing dich in Schlummer.

Ich gebe, so gib schon,  er gibt und sie gibt           Ich lebe, ich liebe, du liebst und sie liebt.

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2. Akt

Trud, dieFragende:

Danai, darf ich dich was fragen?

Du kennst wohl viele Sagen?

Danai, die Hilfesuchende:

O ja, und an diesem Strande,

in dem mir noch fremden Lande

begann meine eigne Geschichte

von der ich euch gerne berichte.

Vor Meer und Strand schiebt sich als Kulisse eine uralte Burgmauer. In der Ferne taucht ein Ruderboot auf. Wenig später betreten 50 Frauen den Strand.

Danai beginnt, mit singender Stimme zu erzählen:

Weine, o Herz, denn die Taten der Menschen sind schrecklich

schrecklich auch ist, was als Strafen den Taten stets folgte.

Einst, vor viel tausenden Jahren an eben demselben Strande

landeten Frauen, die zuvor am großen Strome wohl lebten

Fünfzig sind es gewesen, so erzählen die alten Geschichten.

Hier am argischen Strand, Schutz vor Verfolgung erflehend.

Dort, woher sie gekommen, sollten sie, ohne die Männer zu lieben

diesen gewaltsam gegeben und untertänig gemacht, sie bedienen.

Grausam das Schicksal, sie flohen und fanden auch endlich hier Zuflucht.

Denn die Götter geboten den Menschen, Asyl zu geben den Armen.

Wenig Zeit nur verstrich, da kamen die verfolgenden Männer

Drohten den Argos-Bewohnern und klirrten mit bronzenen Waffen:

Gebt uns die Frauen heraus, sie sind und bleiben die unsern!

Angst befiel die Bewohner, die Tore öffneten sie, und die Männer

Griffen sich welche der Frauen sie wollten und machten sie hörig.

Doch in der Nacht, noch ehe über dem Meere die Sonne

ihren Rundgang begann, erschlugen die Frauen die Männer.

Eine nur hatte den Mann, der sie nahm, mit Liebe umgeben

Einer wars nur, der dem nächtlichen Schlachten entkommen.

Von diesen beiden entstammen nun all unsere spätern Geschlechter

Danaiden genannt, und die Männer Danaer, Ägypter und Griechen.

Jenny, the Kid

Und du, Danai, wo bist denn du hergekommen?

Und sag, wie ist dir die Reise gelungen?

Danai

Ich habe mit anderen ein marodes Schifflein erklommen

mit den hohen Wellen hat es tapfer gerungen

Es kam auch hier an, dann zerbrach unser Boot

und niemand war da, zu lindern die Not.

Mein Kindlein blieb dort, in der bitteren See

und niemals wird heilen mein bitteres Weh.

Sage mir, | Muse, die | Taten des | viel ge | wander ten | Mannes
Welcher so | weit ge irrt | nach der | heili gen | Troja Zer | störung
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Welttheater, 3. Szene. Das Zauberwort.

Auftritt Domna, die blinde Poetin:

„Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.“

 

O wenn ichs wüsste, dieses Wort,

dass hier an diesem trüben Ort

die Welt erneut in Frohgesang

in Flötenton und Geigenklang

erklänge wie in Kindertagen

noch unbewusst der Altersplagen

und nichts wär als ein Lobgesang ….

Wie ist das Herze mir so bang….

 

Auftritt Trud, die Fragende

Was jammerst du, Alte, dem Singen der Dinge nach?

Es wird dir nichts bringen

das Gerümpel hier, der vertrocknete Bach

sie werden nicht singen.

Ich befrage die Dinge, solange ich lebe

ich drehe sie um, ich beiße hinein

doch was ich auch tu und wieviel ich drum gäbe

das erlösende Wort, das fand ich wohl? Nein!

 

Hinter einer zerbrochenen Mauer scheint der Kopf von Danai, der Hilfesuchenden

Vernahm ich menschliche Stimmen? Oder war’s nur der Wind?

Ich meinte, ich hörte ein Jammern fast wie von einem Kind.

Mein Kindlein, das weint nicht, das ist schön geborgen

im Schoße der Engel, da bläst ihm kein Wind

Ich wollt ich wär bei ihm, bei ihm, meinem Kind.

 

Danai taucht ab. Jenny TheKid tritt auf.

Hallo, liebe Leute,

was hat euch denn heute

an diesen Ort verschlagen?

Ich bin schon seit Tagen

keinem Menschen mehr begegnet

hat ja auch verdammt geregnet.

Nur sone Frau, von woandersher

lebt hier herum, ich sah sie nicht mehr.

Wo ihr schon bei mir gelandet seid

und nicht nur eine, sogar zu zweit,

habt ihr sicher ein Picknick dabei?

gebt mir ein bissel,  es sei was es sei.

 

Domna,  ekstatisch:

Das Wort, das Wort, ich habs gefunden! 

es ist das Geben, geben, gib!

Wer gibt, tut wohl, wer gibt, gibt Leben

und alles, was dem Leben lieb.

Komm her, du Frau von anderswo,

komm her, du Kind mit leerem Magen

Wir setzen uns im Kreise, so,

Ich habe Brot, die Trud hat Fragen.

Und was hast du? Und was gibst du?

Jenny, Trud, Domna und Danai im Wechselgesang

Ich erzähl euch eine Geschichte                                Und ich stelle Fragen  

Ich rezitier euch Gedichte                                          Ich weiß alte Sagen

Ich weiß was von Witzen                                           Und ich, ich kann lachen

Komm her, bei uns sitzen                                          Bring mit deine Sachen

Komm her, dich zu wärmen                                     Bring mit deinen Kummer

Wer wird sich denn härmen?                                   Ich sing dich in Schlummer.

 

Ich gebe, so gib schon,  er gibt und sie gibt           Ich lebe, ich liebe, du liebst und sie liebt.

Als sich die vier freundschaftlich um die Platte gruppieren, die zum Tisch wurde, verändert sich die Kulisse. Ein heller Strand mit schattenden Bäumen und einem blauen Meer werden sichtbar, sanft beleuchtet. Man hört Möwen kreischen und das leise Plätschern der Wellen.

Aus dem Off höre ich Doras Krähstimmchen: „Na also, geht doch!“

Wünschelrute

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.

Gestern mal wieder gelesen bei Christiane, die natürlich auch eingeladen ist, mit den anderen am Strand zu träumen. 

 

 

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