Impulswerkstatt Turm 2 (Assoziationen)

Einladung zur Impulswerkstatt Juli-August

Dieser Turm hat mich gestern zu einem Eintrag impulsiert. Anonymous (ich vermute, das bist durch einen Schaltungsfehler du, liebe Myriade) protestiert im Kommentar: „Ach, was macht ihr denn da mit meinem Lieblingshochhaus ! … dieses Hochhaus ist wirklich sehr schön mit seiner Wellenstruktur.“

Ich gebe dir gern recht: Der Turm ist ein sehr elegantes Beispiel moderner Architektur, und gekonnt fotografiert ist er auch. Aber er beunruhigt mich.

Ich antwortete daher: Dies Gebäude ist wirklich sehr eindrucksvoll, ich nenne es elegant, himmelragend – allerdings auch hochfahrend, und Dora nennt es großprotzig, was es sicher nicht ist. Eine aufgerichtete Welle gewissermaßen, die über der Menschheit zusammenschlagen kann. Als Firmensitz drückt der Turm für mich Hybris aus, also Unbescheidenheit, Undank, Maßlosigkeit.

Und ich erinnerte mich an meine Legebildserie mit den Tarot-Karten, darunter auch  „Der Turm“. Der Turm wird von Blitzen getroffen, Menschen stürzen in den Abgrund, Chaos und Gewalt brechen aus. Die Karte wird gedeutet als abrupte Veränderung, Umbruch, Zusammenbruch gewohnter Lebensstrukturen.

Als ich die Turm-Karte gestaltete, lief bei uns der zweite Lock-down auf vollen Touren. Das erinnerte mich wiederum an 11-9-2001, als die Zerstörung des World-Trade-Center in NY  (siehe hier) eine neue Phase einläutete : Damals zerbarst unsere friedliche Nachkriegs-Welt. Der „Terror“ und der „Krieg gegen den Terror“ begannen ihr Wechselspiel. Nicht bei uns, nein, bei anderen Menschen gingen die Bomben nieder und zerstörten ihre Häuser.

„Jetzt scheint auch unsere Burg einzustürzen“,schrieb ich vor zwei Jahren. „Wesen – nicht imstande, sich selbst zu erhalten, Schmarotzer, die einen Wirt suchen, um ihn zu bewohnen – fallen über uns her, zerstören unser gesellschaftliches Gefüge….“  (Wer die Schmarotzer sind?)

 

 

Knapp zwei Jahre sind seither vergangen, und immer deutlicher wird, wie morsch das Gefüge unserer Welt ist. Der Krieg hat Europa erreicht, Finsternis, Armut und Hunger bedrohen nicht nur die Peripherie, sondern auch das „Herz des Imperiums“. Der Turmbau wankt in seinen Grundfesten.

Angesichts dessen rütteln einige Mächtige an den morschen Fundamenten, als wollten sie den ganzen Bau möglichst schnell zum Einsturz bringen, mit dem Versprechen, ihn größer, schöner, gerechter wieder aufzubauen. Sie rufen zum „großen Reset“. Der neue Bauplan wird langsam sichtbar. Und mir wird kalt ums Herz bei seinem Anblick.

landepisten-ganzZusammengestürzte Türme mit Landebahnen, Vision in der Nacht vor dem 11/9. Dazu hier.

 

 

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Kaktusblüte und Spross (kleine Beobachtungen)

Sie sind mächtig herangewachsen und blühen wieder – die riesenhaften Kakteen in weißen Töpfen vor einer Hauswand direkt am Strand (frühere Fotos hier, hier und hier). Da ich zu diesem Platz erst zur Mittagsstunde kam, traf ich die Blüten zwar noch schön, doch leider schon etwas zusammengefallen an. Sehr viele Knospen warten auf ihren Tag.

Die sternförmige Spitze eines Sprosses konnte von oben fotografieren. Ist er nicht reizend?

Das Wachstumszentrum in Detailvergrößerung

und die witzigen weißen Gesichter, die es lächelnd umgeben.

 

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Dora zum AchtzehntenSiebten: Impulswerkstatt No 3, Der Turm

Einladung zur Impulswerkstatt Juli-August

Der himmelragende Turm, an dessen Spitze die Initialen des Eigentümers kaum zu lesen sind – o, jeder weiß, um wen und was es sich hier handelt, wozu dick auftragen! – dieser Turm, liebe Myriade, bewegt meine Gedanken, seit ich ihn bei dir erblickte. Der grün-goldene Firlefanz im Vordergrund lässt ihn noch abgehobener erscheinen, als er eh schon ist.

Mein erster Gedanke war: Den Turm umdrehen. Er ist nur eine Spiegelung, eine Optasie (οπτασία, optische Täuschung, Fantasiegebilde).

Mein zweiter Gedanke:  den Himmel verdüstern, das Gebäude grell weiß aufleuchten lassen. Vielleicht sollte ich Arbeiter aufmarschieren lassen – Menschen also, die dieses hochfahrende elegante Gebäude mit ihrem täglichen Schweiß begießen. Zur Fabrik fahren sie mit der Straßen- oder S-Bahn, dicht gedrängt, einen Sitzplatz finden sie nicht leicht, ihre Jacken sind ausgebeult, ihre Augen von zu wenig Schlaf verquollen. Ich hatte da doch so ein Spraybild, das passen könnte…. (zum Größersehen bitte anklicken).

„Wie findest du das?“ frage ich Dora. –  „Ganz gut soweit!“ antwortet Dora nachdenklich.“Ich hätte da vielleicht noch ne Idee. Du versetzt den Turm auf den leeren Platz am Hafen. Dann kommt er nicht mehr so großprotzig daher, und die Hunde haben was zum Dranpinkeln.“

„Hehe, Dora! Nun mach mal halblang!“ Ihre Idee ist mir doch ein wenig zu radikal. „Vielleicht geht es auch weniger radikal?“ schlage ich vor. – „Schon, wenn du meinst… Wie wäre es mit einem Leuchtturm?“ Dora liebt Leuchttürme, da kommt ihre Latüchte eindrucksvoll zum Einsatz.

„Am besten“, kräht Dora nun und steigt vom Turm auf ein Boot um, „finde ich ihn als Poller. Da haben die Boote was zum Festmachen, und ich stell meine Laterne drauf, wenn es dunkel wird.“

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Fritzi

Zeit für ein Katzenfoto.

Fritzi ist eines der drei Katzenkinder, die Mama Prinkipessa uns anvertraut hat. Sie kommt neuerdings ins Haus, schaut mich an, bleibt aber scheu wie ihre Geschwister – der gelbe Theo und Frieda, von der sie sich äußerlich vor allem durch ihr Pullover-bewehrtes Bein unterscheidet.

Mutter und Kinder haben kaum noch Kontakt zueinander, denn Mama Prinkipessa ist wieder schwanger. Nur selten lässt sie sich blicken, um zu fressen. Sie sieht ziemlich gestresst aus. Die Kinder leben auf den geschützten Plätzen unter dem Rosmarin und der Agave. Jedenfalls meistens, glaube ich, denn von dort treten sie in Erscheinung, wenn ich zur Fütterung rufe. Ansonsten bleibt mir ihr Leben ein Geheimnis.

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Dora zum SiebzehntenSiebten: Tanztheater

„Na, war das was?“ fragt mich Dora und strahlt über beide Backen. „Ja, das war was!“ sage ich, verhalten zurückstrahlend.

Das, was wir gerade gesehen und gehört haben, war grandios. Eine unglaubliche tänzerische Leistung, eine fantastische Inszenierung. Aber – ja, immer dies Aber! Es war sehr, sagen wir es mal mit dem Modewort: dystopisch. Oder, etwas altmodischer: Lasciate ogne speranza, voi ch’intrate  („Gebt alle Hoffnung auf, die ihr hier eintretet“) aus Dantes Inferno.

In Kalamata findet gerade das 28. Tanz-Festival statt,  das ein Ereignis von internationaler Bedeutung ist. Hier die offizielle Website mit Trailer

Was wir sahen, war ein Tryptychon, gemeinsam inszeniert von Gabriela Carizo und Frank Chartier. Für Kenner der Tanzszene:

Fotografieren war natürlich verboten, daher kann ich nur mit ein paar hilflosen Skizzen von Randereignissen beim Szenenumbau dienen, die nichts von der Dramatik wiedergeben. Wenn alles Körper und Bewegung ist – was vermag da der Stift? Ein Großgemälde täte es vielleicht….

„Nun zeig schon deine Skizzen“, kräht Dora. „Deine Vorreden machen sie auch nicht besser!“ –  „Sooo schlecht finde ich sie nicht, Dora, wenn du die Umstände berücksichtigst“, verteidige ich mich. –  „Wen interessieren die Umstände!“ beharrt Dora. „Das Ergebnis zählt.“ Ich seufze. Seit wann ist Dora so streng?

Ich gebe Dora diesmal nicht Recht. Und sage es ihr auch: „Ergebnisse hängen ab von den Möglichkeiten und Fähigkeiten ihrer Hervorbringer, liebe Dora,“ belehre ich sie in etwas beleidigtem Ton. „Die Umstände muss man auch berücksichtigen, um das Ergebnis richtig einschätzen zu können. Denk mal an die Kinderbilder, die wir danach noch im Foyer sahen! Wären es Erwachsene gewesen….“ – „Kinder sind was anderes!“ unterbricht mich Dora. „Kinder sind Klasse, und ihre Bilder auch. Mit denen brauchst du dich gar nicht zu vergleichen. Am besten waren die Fische und Eulen!“

(Die Gemälde der Kinder entstanden bei einer Malaktion in Zusammenarbeit mit dem Museum für kykadische Kunst in Athen. Sie werden übergroß auf Screens gezeigt. Es sind sehr viele. Ich fotogafierte die, die gerade durchliefen. Ein Teil der Installation mit Tieren befindet sich im Zentrum des Foyers. Am Montag gibt es eine neue Malaktion für Kinder. Ich werde veruchen, mit Dora hinzugehen.)

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Dora zum SechzehntenSiebten: Wie geht es weiter.

„Du sitzt nur rum!“, beklagt sich Dora „Tu mal was!“ – „Es ist Sommer“, gebe ich zurück, als wäre das eine Erklärung für alles. – „Sommer ist noch eine ganze Weile!“ mault Dora.  „Soll das jetzt immer so weitergehen?“ – „N-nein“, sage ich.

Dora schaut mich an, in Erwartung einer Fortsetzung. Wie wird es weitergehen? Ehrlich, wie soll ich das wissen! Sicher, ich mache Pläne, habe sogar einen ganz konkreten Plan, nämlich den, noch in diesem Monat nach Deutschland zu fliegen. Ich habe sogar schon gebucht.

Aber bis zu meiner Reise ist es noch acht Tage hin. „Viel kann passieren in der Mitte des Nirgendwo“ (Brüder Coen, „Fargo“) und  „Ja mach nur eine Plan, sei nur ein großes Licht….“ (Bertold Brecht, 3-Groschen-Oper). Nein, ich mache keine Reklame für Reiseversicherungen. Es ist nur …

Es ist nur: Richtig vorhanden ist ja eigentlich nur das Hier und Jetzt. Für Dora gilt das mit Sicherheit, ohne Wenn-und-Aber. Vielleicht, weil ihre Tage gezählt sind. Weil ihr Ende schon feststeht. Unwiderruflich feststeht. Am 31.12. hört sie auf zu sein, Punkt. Auch wenn die Welt untergeht, Dora wird es trotzdem geben, Tag für Tag, Woche für Woche, bis zum Ende ihrer Tage. Und danach eben nicht mehr. Die Grundtatsachen, die uns so sehr beunruhigen: für sie sind sie geklärt. Da ist es leicht, im Hier und Jetzt zu leben.

Doch uns ist gegeben,
      Auf keiner Stätte zu ruhn,
            Es schwinden, es fallen
                  Die leidenden Menschen
                        Blindlings von einer
                              Stunde zur andern,
                                    Wie Wasser von Klippe
                                           Zu Klippe geworfen,
                                                    Jahr lang ins Ungewisse hinab.

                                                   (Friedrich Hölderlin, Hyperions Schicksalslied)

„Was ist jetzt!“ höre ich Doras Stimmchen in meine Grübeleien hinein. „Wirst du die Sardellen, die du gekauft hast, jetzt braten? Oder ist das zu viel Aktivität? Meinetwegen kann ich sie auch an die Katzen verfüttern!“

Ich schaue auf die Uhr. Schon halb zwei. Na dann!

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Dora zum FünfzehntenSiebten: Impulswerkstatt Bild 2 (Mann am Strand)

Einladung zur Impulswerkstatt Juli-August

„Was macht der da?“ will Dora wissen. – „Woher soll ich das wissen, Dora? Es ist ein Foto, das Myiade aufgenommen hat.“ – „Dann frag sie doch!“ -„Sie wird es auch nicht wissen. Halt irgendein Büromensch, der sich an den Strand verirrt hat.“ – „Wieso Büromensch?“ –  Ich seufze. Gut, dass sie mich nicht fragt, wieso Strand. Das sieht doch jeder, dass das ein  Büromensch ist. Tragen Arbeiter oder Bauern etwa solche Schuhe und Hemden mit locker aufgekrämpelten Ärmeln? Haben sie solch eine legere Haltung und sind sie so unbekümmert um die Folgen, die das Sitzen im Sand für die Hosen haben könnte?

„Na, vielleicht ist es ja auch ein Student,“ räume ich ein, „der erst ein Büromensch werden will. Vielleicht einer von den dualen.“ – „Duale?“ – „So was wie früher Werkstudent. Also Studenten, die gleichzeitig zum Studium irgendwo arbeiten oder ein Praktikum machen. Kam mir kürzlich über, das Wort, als ich einen Termin bei meiner Bank wollte. Da meldete sich eine duale Studentin.“

„Und das ist also ein dualer Student?“ fragt Dora, um sich zu vergewissern. „Vielleicht“, sage ich seufzend. „Er trägt ja kein Schild an seinem Hemd. Aber sag mal, warum willst du das wissen?“

„Er gefällt mir. Ich könnte ihn hier an unseren Strand einladen und ein bisschen mit ihm quatschen“, flötet Dora. „Mit dir ist ja nichts anzufangen. Immer gehst du an die ödesten Strände, wo außer Steinen nix und niemand ist.“

heute am Morgen, gegen 9 Uhr, Strand von Akrogiali

 

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Dora zum DreizehntenSiebten: Zickezackezunge (Glasscherbenspiel)

„Und was war am Dreizehnten?“ fragt mich Dora. „War am Dreizehnten nichts?“ Dora hat mich ertappt: ich habe am Dreizzehnten nichts über sie geschrieben. Das geht natürlich gar nicht. Ausgerechnet am Dreizehnten! Wo das doch ihre Lieblingszahl ist (Matriarchats-Verfechterinnen wissen schon, warum).

Welches Geschenk erhielt ich denn am Dreizehnten? Wie immer waren es viele Geschenke, aber das Beste war doch das Gewitter. Ein feines Gewitter, mit allem Drum und Dran: Getöse, Geblitze, Sturm, Stromausfall und segensreichen Wasserfluten. Danke, Zeus!

„Und es hat nicht bei dir eingeschlagen“, sagt Dora und lächelt, als wäre sie die Hüterin unseres Hauses gewesen. „Die Kiefer hat es auch nicht erwischt.“

Ich sage es ja: viele Geschenke.

Als das Licht wiederkommt, lege ich schnell ein Glasscherbenbild.

„Was is’n das?“ fragt Dora nach einem abschätzigen Blick auf mein Bild. „Ein Büffel?“ – „Eine Gedichts-Illustration“, entgegne ich und verziehe mein Gesicht. „Ich illustriere ein Gedicht, das ein Dichter namens Christian Morgenstern gedichtet hat. Es trägt den Titel „Schicksal“ und geht, wenn ich mich recht erinnere, folgendermaßen:

Schicksal

Die Wolke Zickezackezunge spricht:

Ich bringe dir, mein Hammel, Licht!

Der Hammel, der im Stalle stand,

Ward links und hinten schwarz gebrannt.

Sein Leben grübelt er seitdem,

Warum ihm das geschah, von wem.

„Hihi!“ lacht Dora schadenfroh. „Ich weiß schon, vom wem deinem dummen Hammel das geschah! Es war mein Geschenk für ihn, zum Dreizehnten! Nun kann er meinetwegen bis zum nächsten Dreizehnten weitergrübeln.“

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Lust zum Malen

Heute bekam ich abendlichen Besuch von zwei befreundeten Frauen. Die eine ist in mittleren Jahren, die andere eine junge Studentin. Sie brachten eine junge lebhafte Hündin und Lust zum Malen mit.

Ich habe schon lange nicht mehr gemalt, aber allerlei Farben gibt es noch: Aquarell-, Tempera-, Gouche-, Akryll-, Ölfarben, Pigmente zum Selbstanrühren, Ölkreiden, Buntstifte. Geeignete Blöcke fanden sich auch. Und so setzten wir uns bei schon sinkender Sonne in den Garten, jede nahm sich einen Block und einen Satz Farben und suchte sich ein Motiv.

Um es gleich vorweg zu sagen: Viel wurde nicht aus dem Malen. Die Hündin wollte Bewegung, die Farben waren teils eingetrocknet, das Licht wurde kärglich. Dennoch war es schön und ein kleiner Neubeginn.

Ich nahm den Aquarellkasten, entschlossen, ohne jeden Ehrgeiz einfach vor mich hin zu malen. In den ersten Jahren malte ich oft mit Aquarellfarben, brachte es auch zu recht netten Ergebnissen. Vor ein paar Tagen fiel mir ein altes Blatt in die Hände: eine von einem Brand verheerte Landschaft auf der Insel Chios. Es gefiel mir, und so fotografierte ich es, um es hier bei Gelegenheit zu zeigen – zum Glück, denn bei einer Gruppensitzung anderer Art wurde es versehentlich zerschnitten.

Nun, das war einmal. Heute nahm ich einen dicken Pinsel und meinen mit nur noch wenigen Farbresten bestückten Aquarellkasten und schaute in die Gegend. Da gab es einen Olivenbaum in einer runden steinernen Einfassung, ein paar schwächliche Bäume und Büsche, eine Aloe, ein von letzten Sonnenstrahlen beleuchtetes ockergelbes Feld und in der Ferne zwei Dächer, das Meer und die Landzunge gegenüber.

Meiner Gewohnheit gemäß fotografierte ich mehrere Stadien. Zunächst bemühte ich mich, flüssig und unkontuiert zu malen…

Aber schon bald setzte sich meine Neigung zum Verfestigen, Verdichten, Beschreiben durch. Ich nahm einen dicken blauen Stift und zeichnete in das Flüssige hinein, um Felder einzugrenzen, zu „definieren“.

Auch wenn ich dann noch einmal den dicken Pinsel und viel Wasser nahm: das Weich-Flüssige des Beginns stellte sich nicht mehr ein.

Nun, wie auch immer. Dies Malen tat mir gut, egal was dabei herauskam. Und so nahm ich gleich noch ein Blatt, zeichnete zuerst und überging die Zeichnung mit flüssiger Aquarellfarbe. Himmel und Meer hatten sich inzwischen abendrötlich verfärbt.

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Dora zum VierzehntenSiebten: in der Bucht.

Heute zog ich schon recht früh in meine Bucht am Meer – neugierig, was ich dort vorfinden würde. Gestern am späten nachmittag hat uns nämlich ein heftiges Gewitter mit mächtigem Sturm heimgesucht, es regnete stark, und wenn ich auch selig darüber war, so würde es der Küste wohl doch zugesetzt haben. Also ging ich über den vom Regen weichen laubbedeckten Boden des benachbarten Olivenhains hinunter zur Hauptstraße, zog  die würzige Luft tief ein, begrüßte die noch feuchten Blüten der Wegwarte, und stieg die Treppen zur Bucht hinunter. Niemand war dort.

Ich mag es ja, wenn sonst niemand in der Bucht ist. Dann kann ich beim Schwimmen aus vollem Herzen singen. Sonst traue ich mich nicht, denn ich krächze, dazu auch noch falsch. Dora kennt das schon von mir und erträgt es mit Fassung. Aber so richtig fröhlich wird sie erst, wenn andere Strandbesucher kommen.

Heute sind die ersten Besucher eine Gruppe von Erwachsenen mit drei kleinen Kindern. „Süß!“ findet Dora die Kleinen, und ich stimme ihr gern zu. Munter und selbstständig. Zu gerne hätte ich sie fotografiert. Ich traue mich aber nur, einmal heimlich zu knipsen.

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