Dora zum AchtzehntenSiebten: Impulswerkstatt No 3, Der Turm

https://laparoleaetedonneealhomme.wordpress.com/2022/07/02/einladung-zur-impulswerkstatt-juli-august/

Der himmelragende Turm, an dessen Spitze die Initialen des Eigentümers kaum zu lesen sind – o, jeder weiß, um wen und was es sich hier handelt, wozu dick auftragen! – dieser Turm, liebe Myriade, bewegt meine Gedanken, seit ich ihn bei dir erblickte. Der grün-goldene Firlefanz im Vordergrund lässt ihn noch abgehobener erscheinen, als er eh schon ist.

Mein erster Gedanke war: Den Turm umdrehen. Er ist nur eine Spiegelung, eine Optasie (οπτασία, optische Täuschung, Fantasiegebilde).

Mein zweiter Gedanke:  den Himmel verdüstern, das Gebäude grell weiß aufleuchten lassen. Vielleicht sollte ich Arbeiter aufmarschieren lassen – Menschen also, die dieses hochfahrende elegante Gebäude mit ihrem täglichen Schweiß begießen. Zur Fabrik fahren sie mit der Straßen- oder S-Bahn, dicht gedrängt, einen Sitzplatz finden sie nicht leicht, ihre Jacken sind ausgebeult, ihre Augen von zu wenig Schlaf verquollen. Ich hatte da doch so ein Spraybild, das passen könnte…. (zum Größersehen bitte anklicken).

„Wie findest du das?“ frage ich Dora. –  „Ganz gut soweit!“ antwortet Dora nachdenklich.“Ich hätte da vielleicht noch ne Idee. Du versetzt den Turm auf den leeren Platz am Hafen. Dann kommt er nicht mehr so großprotzig daher, und die Hunde haben was zum Dranpinkeln.“

„Hehe, Dora! Nun mach mal halblang!“ Ihre Idee ist mir doch ein wenig zu radikal. „Vielleicht geht es auch weniger radikal?“ schlage ich vor. – „Schon, wenn du meinst… Wie wäre es mit einem Leuchtturm?“ Dora liebt Leuchttürme, da kommt ihre Latüchte eindrucksvoll zum Einsatz.

„Am besten“, kräht Dora nun und steigt vom Turm auf ein Boot um, „finde ich ihn als Poller. Da haben die Boote was zum Festmachen, und ich stell meine Laterne drauf, wenn es dunkel wird.“

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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6 Antworten zu Dora zum AchtzehntenSiebten: Impulswerkstatt No 3, Der Turm

  1. Linsenfutter schreibt:

    Er hat große Ähnlichkeit mit dem Turning Torso in Malmö.
    LG Jürgen

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  2. Gisela Benseler schreibt:

    Tolle Ideen, die letzte die beste!👏

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  3. Gisela Benseler schreibt:

    Allerdings muß ich wohl nachfragen: Welcher Turm?

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  4. Anonymous schreibt:

    Ach, was macht ihr denn da mit einem Lieblingshochhaus ! Man kann moderne Architektur mögen oder auch nicht, aber dieses Hochhaus ist wirklich sehr schön mit seiner Wellenstruktur. Auf den Werberaum am oberen Ende könnte ich allerdings auch verzichten ….
    Sehr, sehr gut gefällt mir der gespiegelte Turm und Doras Begeisterung für Leuchttürme kann ich auch sehr gut verstehen. Danke für die Turmumwandeleien !

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    • gkazakou schreibt:

      Guten Morgen, liebe Myriade (ich vermute, du bist Anonymous). Ich mag moderne Architektur durchaus, und dies Gebäude ist wirklich sehr eindrucksvoll, ich nenne es elegant, himmelragend – allerdings auch hochfahrend, und Dora nennt es großprotzig, was es sicher nicht ist. Eine aufgerichtete Welle gewissermaßen, die über der Menschheit zusammenschlagen kann. Als Firmensitz drückt der Turm für mich Hybris aus, also Unbescheidenheit, Undank, Maßlosigkeit.

      Im Tarot gibt es die Karte des Turms. Der Turm wird von Blitzen getroffen, Menschen stürzen in den Abgrund, Chaos und Gewalt brechen aus. Die Karte wird gedeutet als: abrupte Veränderung, Umbruch, Zusammenbruch gewohnter Lebensstrukturen.

      Doras Reaktion: Hör auf, den Turm anzustaunen und zu fürchten! Mach ihn klein, beherrschbar, nutze ihn für alltägliche Bedürfnisse von Mensch und Tier. Ich finde das einen genialen Schachzug. 😉

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