abc-etüde: Ein fein gehäkelter Drachenkampf

Bei meinen vielen Geschichten über Drachen (zB hier und hier und hier und hier und hier) ist mir ein gehäkelter noch nicht untergekommen. Als ich die Wörter sah, fiel mir sofort einen Drachen von sehr edler Gestalt ein, der, wenn man nicht so genau hinschaute, durchaus für gehäkelt durchgehen könnte. Er gehört zu den Figuren, die der große Karagiosis-Künstler Eugenios Spatharis (1924-2009) malte bzw aus Holz herstellte. Ich sah sie zu meiner großen Freude im vergangenen Oktober in einer Ausstellung und fotografierte einige seiner Bilder, darunter eben auch dieses bemerkenswerte Tier.

 

Wie schröcklich sich der Erdwurm  windet

sobald ihn in der Höhle  findet

der tapfere Held.

 

Es ist ein Ritter von edler Gestalt

mit einer Rüstung fein bemalt

die gleich gefällt.

 

Die Strümpfe hat ihm sein Liebchen bestickt

der Arm ist gehäkelt, den hebt er geschickt

mit seinem Speer

 

und schleudert die Waffe, denn er ist nicht faul

sogleich in des feurigen Ungetüms Maul

das atmet schwer

 

Ja edeler Held, du hast es vollbracht

gleich wird um den Drachen es finstere Nacht

und er ist tot.

 

Du aber reitest mit freudiger Brust

dein Lieb zu umarmen in feuriger Lust

im Morgenrot.

Dies ist ein Beitrag zu Christianes abc-etüden.

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: TV Leidenschaften begucken

Ich gucke selten TV,  aber manchmal gib es da Bilder, die ich aus dem Augenwinkel sehe, so dass ich aufstehe und gucke und sogar mein Handy zücke, um ein paar davon einzufangen. Diesmal sind es Portraits mit dramatisch gesteigertem Ausdruck, der durch die mitlaufenden Untertitel noch zusätzlich interpretiert (oder ironisiert?) wird. Ich überlege: Soll ich sie zeichnen? Aber wozu! Sie sind ja so, als Fotos mit ihren Untertiteln, eine grandiose Darstellung der menschlichen Leidenschaften und ihrer …. Lächerlichkeit. Dennoch, vielleicht sollte ich sie zu zeichnen versuchen (ich denke an den Herrn Dilettanten, der eine interessante Serie von Instagram-Selbstdarstellern tuschte). Wieso zeichne ich eigentlich nicht mehr?

 

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Welttheater, Akt 3, Szene 15: Streit und Schlichtung

Was zuletzt geschah: Jenny weigert sich, mit den „Dieben“ an einem Tisch zu sitzen, und hält auch nichts von Heras Lebenskonzept des Säens und Erntens. Sie „kennt die Welt“, die roh ist. Wilhelm pflichtet ihr bei und will die Diebe verprügeln.

Danai:

Was wisst ihr denn von diesen beiden,

dass ihr sie rechnet zu den Heiden?

Haben sie wirklich was verbrochen?

Habt ihr mit ihnen schon gesprochen?

Vielleicht sind sie ganz ohne Schuld?

Fragt sie doch erst und habt Geduld!

Trud

Ist er ein Christ? Was er wohl glaubt?

Clara (zu ihrem Nachbarn):

He du, wie heißt du überhaupt?

Hawi (der jüngere):

Ich bin der Hawi, und der heißt Abud.

Wir kommen von weit, wo alles kaputt.

Abud (der ältere)

Wir hungrig und müde und schlafen im Wald

wir haben kein Decke, und nachts ist es kalt.

Ganz nett diese Dame, die sagt, wir willkommen.

wir auch ein Frühstück von euch hier bekommen.

Wir freuen und kommen und müssen nun hören

die Kleine dort und der Mann sich dran stören.

Sie sagen, wir Diebe, wir rauben und morden

wir sind weil wir schwarz sind ganz übele Horden.

Wir hungrig, jawohl, wir suchen was essen.-

Wir finden Konserven im Gras, wohl vergessen.

Da kommen die beiden und wir laufen weg

und Konserven bei fallen runter in Dreck.

Wilhelm:

Du willst uns erzählen, dass du es nicht warst?

Ich rat dir, dass du dir Ausreden sparst.

Ich kenn euch doch alle, ihr lügt wie gedruckt

das habt von den Schiebern ihr euch abgeguckt.

Jenny

Klar wart ihr hier drin, auch eure Kollegen

Ihr lungert im Wald, in der Schlucht und an Wegen

Ihr wartet, bis jemand sein Lager verlässt

dann pfeift ihr und los! Man kennt ja den Rest.

 

Hawi (weinerlich)

Nicht wahr! Der Hawi tut niemand beklauen

Wer klaut der wird von der Mama verhauen.

Abud

Komm Hawi wir gehn. Hier glaubt uns doch keiner.

Sie sehn uns als Tiere. Nun komm schon, mein Kleiner.

Domna:

Ich hörte sehr vieles,  es macht mich betrübt.

Ich wollte so sehr, dass einander ihr liebt.

Doch es scheint, dass die Liebe noch recht lange Zeit

die Schlacht verliert gegen Misstraun und Neid.

 

Ich bitt euch, ihr beiden, bleibt hier, dass wir lernen

wie ihr dort gelebt in den Ländern, den fernen,

und was euch geschah, warum ihr geflohn

Wer war deine Mama, von wem bist du Sohn?

Ich kann euch nicht sehen, doch fühl ich dein Leid

Bleibt hier und erzählt, wir haben ja Zeit.

 

In unsrer Runde seid willkommen

Hawi, Abud, in diesem Raum.

Du, Jenny, bist noch sehr beklommen

Ihr seid euch fremd, ihr kennt euch kaum.

 

Du, Wilhelm, tu, was Gott befohlen:

dem Fremdling öffne deine Tür

dass er sich von der Fahrt erholen

und essen kann, er dankt dafür.

Hera:

So war es schon immer, so muss es auch sein:

Der Mensch braucht Gesellschaft, wer isst gern allein?

Wenn sich der Hausherr freut der Gäste

Wird auch ein einfach Mahl zum Feste.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
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Welttheater, 3. Akte, 15. Szene: Jennys und Wilhelms Gegenrede

Was zuletzt geschah: Hera brachte einen Korb und zwei Schwarzafrikaner mit – offenbar die Diebe. Sie lobt die Not, die erfinderisch macht und alte Tugenden wieder aufleben lässt. Insbesonder tadelt sie Menschen, die ernten wollen, ohne zu säen. Die Afrikaner ermahnt sie, das Stehlen zu lassen. Alle setzen sich um die Tafel. Alle?

Trud:

Warum sitzen die beiden nicht mit uns im Kreis?

Gibt es einen Grund dafür, den ich nicht weiß?

Alle schauen fragend auf Jenny und Wilhelm

Clara:

Jenny, warum kommst du nicht her?

Bist du denn meine Freundin nicht mehr?

Hera:

Auch du, bester Wilhelm, setz dich in die Runde

Auf dass uns allen das Festessen munde.

Jenny (springt auf)

Ich komm nicht, ich setze mich nicht an den Tisch

mit solchen Typen, die rauben und andre bestehlen

Ehrlich, ich versteh’s nicht und find’s gar nicht komisch

Sind Männer, die andern durchschneiden die Kehlen!

 

Sie bringen dich um aus Spaß und aus Gier.

Die meide ich besser! Ich bin ja kein Held.

Nee, liebe Hera, das sage ich dir:

Du kennst dich nicht aus, wie heut ist die Welt!

 

Ich hass auch die Meinung, ich will da nicht lügen,

dass Not uns erzieht und wir gut daran täten

ganz wie die Alten die Felder zu pflügen

und ernteten nur, was wir selber auch säten.

 

Was ist das für ein blöder Stuss!

Werd ich es tun, wenn ich nicht muss?

 

Das Säen machen heut Maschinen

die kann ein jeder leicht bedienen

Das Ernten ist für solche Leute

die hier im Keller suchten Beute.

 

Wer hat schon Land? wer hat Geräte?

Und wenn ich selbst die Wiese mähte

und täglich macht den Rücken krumm

Ich bliebe arm, ich bliebe dumm.

 

Zu Essen kriegst du, hast du Knete

ansonsten heißt es: bete, bete.

Doch macht ihr nur, wie ihrs versteht.

Es ist nichts, was mich selbst angeht.

Wilhelm:

Ich denke wie Jenny, drum sitze ich hier

und teile das letzte Bierchen mit ihr.

Und esse die Würstchen, die, soll ich nun danken?

zu unserem Glück im Sumpf nicht versanken.

wo diese Bürschchen sie fallen gelassen

bevor sie sie selber konnten verprassen.

 

Ich weiß nicht, findet ihr das fair?

Mir selber sitzt es echt verquer

Ich hätte Lust, sie zu verdreschen.

die schwarzen Halunken da, die feschen!

 

Ich tu’s nicht jetzt, weil ich die Damen

die hierher in mein Lager kamen

nicht schrecken will, ich tu es später.

Statt Opfer bin ich lieber Täter!

– Pause –

In der Pause ist das zweite 3-Groschen-Finale zu hören: „Wovon lebt der Mensch“, Test: Bertold Brecht, Musik: Kurt Weill.

https://youtu.be/0gFyNCyaFNw

Wovon lebt der Mensch (Zweites Dreigroschenfinale)

 
 
Ihr Herrn, die ihr uns lehrt, wie man brav leben
Und Sünd und Missetat vermeiden kann
Zuerst müßt ihr uns was zu fressen geben
Dann könnt ihr reden: damit fängt es an.
 
Ihr, die euren Wanst und unsre Bravheit liebt
Das eine wisset ein für allemal:
Wie ihr es immer dreht und wie ihr’s immer schiebt
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.
 
Erst muß es möglich sein auch armen Leuten
Vom großen Brotlaib sich ihr Teil zu schneiden.
 
(Jenny): Denn wovon lebt der Mensch?
 
(Macheath): Denn wovon lebt der Mensch?
Indem er stündlich Den Menschen peinigt, auszieht, anfällt, abwürgt und frißt.
Nur dadurch lebt der Mensch, daß er so gründlich
Vergessen kann, daß er ein Mensch doch ist.
 
(Choir): Ihr Herren, bildet euch nur da nichts ein:
Der Mensch lebt nur von Missetat allein!
 
(Jenny): Ihr lehrt uns, wann ein Weib die Röcke heben
Und ihre Augen einwärts drehen kann
Zuerst müßt ihr uns was zu fressen geben
Dann könnt ihr reden: damit fängt es an.
 
Ihr, die auf unsrer Scham und eurer Lust besteht
Das eine wisset ein für allemal:
Wie ihr es immer dreht und wie ihr’s immer schiebt
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.
 
Erst muß es möglich sein auch armen Leuten
Vom großen Brotlaib sich ihr Teil zu schneiden.
 
(Macheath): Denn wovon lebt der Mensch?
(Jenny): Denn wovon lebt der Mensch?
Indem er stündlich Den Menschen peinigt, auszieht, anfällt, abwürgt und frißt.
Nur dadurch lebt der Mensch, daß er so gründlich
Vergessen kann, daß er ein Mensch doch ist.
 
(Choir): Ihr Herren, bildet euch nur da nichts ein:
Der Mensch lebt nur von Missetat allein!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Im eigenen Blog lesen (Alpha und Omega)

In einer mail-Unterhaltung mit einem deutschen Freund kam eine Diskussion über das griechische Wort Anthropos (Mensch) auf. Da erinnerte ich mich an mein „Griechisches Alphabet des freien Denkens“ – Gegenstück und Ergänzung zu Ulli Gaus „Alphabet des mutigen Träumens“. Dieses schöne Projekt entwickelte sich von Dezember 2016 bis zum Februar 2017. Was hatte ich damals eigentlich gedacht und geschrieben?

Mit „A wie Άνθρωπος“ (Anthropos, Mensch) begann mein Alphabet, mit Ωπις (Ω wie Opis, eine nicht mehr existente Stadt in Mesopotamien)  endete es. Von Alpha bis Omega.

Alphabet des freien Denkens / A wie Anthropos

Griechisches Alphabet des freien Denkens: Ω wie Ώπης/Opis

Diese beiden Einträge waren wie Anfang und Endpunkte eines Kreises. Neugierig geworden, las ich auch die Kommentare. Und fand das alles durchaus belebend und durchaus nicht abgestanden. Es gab sogar Sätze wie diesen: Auch heute ist es üblich, Feldzüge, die man aus Eigeninteresse unternimmt, „humanistisch“ zu rechtfertigen. Der Krieg, der zur Auflösung Jugoslawiens führte, war angeblich nötig, um ein „neues Auschwitz zu verhindern“ (der damalige grüne Außenminister Fischer), am Hindukusch (Afganistan) verteidigte „der Westen“ die Menschenwürde, im Irak, in Lybien zettelte dieser Westen Umstürze an, auch in Syrien heftete er sich an die Fersen interner Proteste und zerstörte das Land, usw usf. Kein Krieg wird heute geführt, ohne solche „humanistischen“ Begründungen. Und wenn demnächst wieder gegen Russland marschiert wird….  (Kommentarstrang zu Opis)

Das ist natürlich keine Lustbarkeit, sondern ein Alptraum, der anscheinend wieder wahr wird.

 

 

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Welttheater, 3. Akt, 14. Szene: Dea ex machina*

Was zuletzt geschah: Die durch den Einbruch entstandene Situation entspannt sich: Danai und Clara bringen Kräuter und Beeren für einen Salat, Jenny und Wilhelm haben weggeworfene Konserven gefunden, Domna lädt erneut zur Tafel. Da betritt die Göttin Hera die Szene.

(*Im antiken Theater war der „Deus ex machina„ein Gott, der per Maschine  von Oben auf die Bühne herabgesenkt wurde. Ihn brauchte man, wenn die Menschen ihre tragischen Verwicklungen nicht selbst lösen konnten.).

Hera

Ich sehe, ihr Lieben, ihr habt den Satz schon verstanden:

Nur wer sich selber behilft, dem hilft auch der Gott.

Denn wahrlich, so ist es. Fast immer sind Mittel vorhanden,

die sieht kaum ein Mensch, der befangen im täglichen Trott.

 

Erst wenn er geplagt durch unerwünschte Verluste

vertrieben vielleicht vom Haus, dem Hof und dem Feld

und nun nicht mehr brauchen kann das, was er wusste

und ihm auch das Tauschmittel  fehlt, ich meine das Geld:

 

Dann erst wird er findig und denkt und erlernt neue Sachen

dann liest er die Spuren der Tiere, dann schaut er genau,

dann studiert er geduldig die Menschen und auch fremde Sprachen

dann sagt auch die Frau nicht: ‚ich bin ja nur eine Frau…

 

wie soll ich mich denn ohne Mann am Leben erhalten?

Ich brauche den tüchtigen Mann, der sorgt für mich und die Speisen‘.

Die Not, sie ändert die Regeln, die gestern noch galten.

Not macht erfinderisch, sagen die Alten und Weisen.

 

So deckt denn den Tisch geschwind mit dem, was ihr brachtet.

Ich gehe derweil und schaffe herbei auch das Meine.

Das Eure ist wert und in keinem Falle verachtet.

Doch auch ein Gott will geben und spenden das Seine.

 

Hera geht ab. Alle bewegen sich, um einen Beitrag zum Frühstück zu leisten.

Jenny:

Hier ist eine Dose mit Würstchen, sehr lecker

Wilhelm:

und hier eine Dose mit Brot, fast so wie vom Bäcker

Jenny:

Ich hab noch ne Schachtel mit Kuchen gefunden

Wilhelm

Ich fand ein paar Biere, im Wald beim Erkunden.

Danai:

Lieb Clara, zeig her, welche Beeren du hast?

Die schwarzen sind prima, der Salat dazu passt!

Clara (zu Trud)

Ich habe auch gelbe Würzelchen hier

die kannst du haben, die schenke ich dir.

Trud

Wie heißt denn die Wurzel, und ist sie bekömmlich?

Clara:

Ich glaub, die ist gut, wie sie heißt weiß ich nich.

Frag lieber Danai, die kennt alle Sachen

ob sie gut sind oder Bauchschmerzen machen.

Jenny:

Ich fand diesen Käse und  hoffe doch sehr

dass er nicht zu alt ist, sonst schmeckt er nicht mehr!

 

Domna

Soll der Käse etwas taugen,
hab er nicht 10 000 Augen
wie einst Argus. Auch nicht klein,
breit und dick, so soll er sein!
Kein Methusalem an Jahren
werd er durch zu langes Sparen;
nein, der Büßrin reich an Thränen
soll er gleichen, Magdalenen.
Habakuk einst kochte Brei,
breiig nicht der Käse sei!
Was man liest von Lazarus,
gelte auch vom caseus:
Dort hört man’s im Klageton,
hier als Ruhm: »er stinket schon«.*

(*Martin Luther, 1483 – 1546)

Hera erscheint wieder, mit ihr herein kommen zwei Schwarzafrikaner, die einen Korb mit Obst schleppen.

Hera:

Ich könnte euch, als die Gottheit, die ich bin

mit Nektar laben, und herrlichem Gebäck

Doch frag ich euch, wo wäre der Gewinn?

Was hätte solche Wohltat denn als Zweck?

 

Ihr würdet statt zu handeln nur noch beten

und würdet Gott verfluchen, wenn die Speise fehlt.

Ich zeigte euch das Hacken, Säen, Jäten

Damit euch niemals mehr der Hunger quält.

 

Doch ihr vergaßt die alte Kunst und dachtet

dass es viel leichter sei, die Erde zu berauben,

die Menschen auch, die ihr zu Sklaven machtet!

Der Gott, so dachtet ihr, der würd es euch erlauben,

 

wenn ihr nur kräftig für ihn opfern tätet,

von dem, was ihr geraubt, nen Anteil gebt,

von dem Getreide, das ihr selbst nicht sätet

und von dem Gold, für das ihr lebt und strebt.

 

Ich weiß, dass mancher hier im Raume

selbst Opfer ist und an den Rand gespült.

Doch folgt auch er dem wundersamen Traume

wie man als reicher Mensch sich fühlt.

 

Auch er, verhärtet gegen Mensch und Tier,

denkt nur, wie er den eignen Bauch befriedet

wie er bei Pommes, Wurst und Bier

den großen Coup und Pläne schmiedet

 

um dereinst selbst, frei von Moral,

zu prassen als Adept von Baal.

An die beiden Schwarzen gewendet:

O ja, euch mein ich auch, so gut wie alle andern

Ihr risst euch von der Heimaterde los

ihr wart entschlossen, weit zu wandern

ihr setztet euch in Ängsten auf ein Floß…

 

Warum? Weil ihr euch selbst belogen,

dass Reichtum euch und Luxus winkt.

Ihr habt die Lügen aufgesogen,

die mancher Werber euch da singt.

 

Die Mütter ließet ihr zu Haus

sie mögen darben, mögen schrein.

Ihr träumtet süß von Saus und Braus.

Erwacht, seid ihr nun ganz allein

 

im Wald, verängstigt und erbärmlich

verstecktet euch, und raubtet Brot

von Menschen, die doch selber ärmlich

und heimgesucht von eigner Not.

 

So setzt nun meinen Korb hier nieder

und hockt euch zu den andern hin.

und raubt und stehlt mir ja nicht wieder!

Sonst, ja, zerbrech ich euch die Glieder

So wahr ich eine Göttin bin!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Wetter-Kuriosität

Heute kann ich zum klassischen Thema „Wetter“ eine Kuriosität beitragen. Wir saßen bis zum Mittag in einer Regenwolke, aus der es ununterbrochen pladderteund gelegentlich donnerte. Dann begann es aufzuklaren, und jetzt knallt die Sonne vom fast wolkenlosen Himmel. +12 Grad zeigt sagt das Thermometer an.

Beim Gang durch den Garten fällt meinem Mann etwas Weißes auf, er ruft mich hinzu. Zuerst denke ich, es sei Seifenschaum. Doch woher sollte der kommen?

Beim zweiten Blick sehe ich: das Zeug ist härter als Schaum und körnig. Ich würde es „Schnee“ nennen.

Vielleicht auch zu Schnee zusammengeschmolzene Hagelkörner? Sehr merkwürdig, denn hier schneit es …. nie. Ich schaue mich dann noch weiter um, aber es bleibt bei diesem einen kleinen Fleck. So als habe Frau Holle in unserem Garten einen Sack ausgeschüttet, einfach so, um mir das Phänomen „Schnee“ ins Gedächtnis zu rufen.

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Haus und Pinie

Unser Steinhaus wird von einer großen Pinie überragt. Dieses Ensemble – Haus und Pinie – bildet für mich eine herzerfreuende Einheit.

Als das Haus vor zwei Jahrzehnten gebaut wurde, habe ich die Pinie daneben gepflanzt.   Es war ein kleines Bäumchen, und ich pflanzte es, um meinem Mann, der durch seine Kindheitserinnerungen mit einer pinienreichen Gegend verbunden war, seine Verpflanzung in die olivenreiche Mani zu erleichtern.

Was ich nicht bedacht hatte, war das gewaltige Wachstum der Pinie, die offenbar eine Wasserader entdeckte. Wir begannen, uns Sorgen zu machen. Würde sie das Haus aushebeln? Würde sie das Haus in Brand stecken? Würden ihre schweren Äste das Dach eindrücken? Hin und her wälzten wir das Thema, ließen auch einige dicke Äste, die zu nahe am Kamin wuchsen, absägen. Den dicken Stamm aber umarmte ich und versprach: Ich werde dich verteidigen. Du wirst nicht abgehauen, solange ich hier was zu sagen habe. Die Unmengen Nadeln sammle ich in großen Säcken, sie sind gut als Anmachmaterial für den Kamin zu brauchen. Nur tu mir den Gefallen: lass das Haus in Ruh. Wenn es Risse bekommt, kann ich dich nicht retten. Dann ist es um dich geschehen.

Nun sieht es so aus, als würden Haus und Pinie sich geeinigt haben, in friedlicher Umarmung und in gegenseitigem Respekt Seite an Seite zu existieren. Möge es so bleiben!

Haus, Pinie, weißer Rosenbusch. 24.1.2023

 

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Welttheater,, 3. Akt, 14. Szene: Symposion fortgesetzt 2 (Blinde und Sehende)

Was zuletzt geschah:

Wilhelm ging mit Jenny raus, nach Resten der Vorräte und vielleicht auch nach den Dieben zu suchen, Danai ging mit Clara Richtung Wald, um Beeren und Kräuter zu sammeln, Domna beklagt die Zeiten, die nur noch dem Mammon dienen, Trud hinterfragt Domnas Ansicht, dass es früher besser war.


Danai und Clara kehren zurück:

Clara (jubelnd)

Wir haben viel rote Beeren gefunden

die hingen an einem dunklen Strauch

es gibt die schlimmen und die gesunden

die schlimmen machen dich krank im Bauch!

 

Und grüne Kräuter hab ich gepflückt

bei manchen mit Blüten dran

mit Pilzen ist es uns nicht so geglückt

die kommen erst später an.

 

Jetzt machen wir aus dem Ganzen Salat

ich hol schon die Schüssel herbei

frisch müssen wirs essen, was andres wär schad

denn die Kräuter  werden zu Brei.

Domna (lächelnd)

Ihr kommt  zum richtigen Zeitpunkt zurück

wir führten grad trübe Reden

Die Tätigkeit ists, die uns bringet das Glück

beim Sprechen entstehen nur Fehden.

 

Komm her, kleine Clara, und zeige mir Blinden

was ihr gesammelt und mitgebracht habt.

Ich selbst kann ja leider die Kräutlein nicht finden

und auch nicht die Wurzeln, die ihr flink ausgrabt.

 

Ich kann sie nur schmecken und riechen und schaun

mit meinem herzinneren Blick

doch sag mir, dies Blatt, ist es grün oder braun,

sei ehrlich und mach keinen Trick!

 

Zu täuschen die Blinden, das wäre nicht fair

sie können sich ja gar nicht wehren

Ich glaube dir, Clara, vertraue dir sehr

du wirst mich sehend belehren.

Clara:

Ich sage dir, Domna, dies Blättlein ist glatt

und dies hier ist krausig, mit bläulichem Schein

und diese Beere ist dunkelblau matt

und die da ist rötlich so ähnlich wie Wein.

Domna:

Ich dank dir, du Liebe, jetzt kann ich sie sehn.

ich sehe das Krause, und seh auch das glatt.

Wie herrlich es ist, wenn Menschen verstehn

was ein Blinder so braucht und ohn Hilfe nicht hat.

Wilhelm und Jenny kommen herein.

Jenny

Wir haben paar Dosen gefunden

die lagen im Grase herum

Man muss nur die Gegend erkunden

die Diebe sind ehrlich saudumm.

Wilhelm

Im Keller warn auch ein paar Sachen

die hab ich vorhin übersehn

wir können ein Frühstück jetzt machen

danach könnt ihr dann wieder gehn.

Domna

So lassen wir am Tisch uns nieder

und setz auch du dich, liebes Kind.

Wie schön, dass wir in Frieden wieder

auch heute hier zusammen sind.

 

In unsrer Runde sei willkommen

auch Wilhelm, der in seinen Raum

uns einlud, wie es ziemt dem Frommen,

auch wenn den Gast er kennt noch kaum.

 

Die Götter habens so befohlen:

dem Fremdling öffne deine Tür

dass er sich von der Fahrt erholen

und essen kann, er dankt dafür.

 

Es freut der Hausherr sich der Gäste

denn statt zu essen ganz allein

wird ihm das Mahl nunmehr zum Feste

mit Reden und mit gutem Wein.

Als Domna ihre Rede beendet hat (es ist dieselbe, die sie schon zuvor gehalten hatte), betritt Hera den Raum.

(wird fortgesetzt)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Wilhem und Jenny kehren zurück

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Welttheater, 3. Akt, 13. Szene Symposion (fortgesetzt)

Was zuletzt geschah: Wilhelm verkündet, dass seine Vorräte geraubt wurden. Jenny hat sofort einen Verdacht und ruft zur Verfolgung der vermuteten Täter auf:

Das müssen die Typen gewesen sein

die sich im Walde verstecken

Ich sah sie vorhin, du ließt mich allein,

die Zähne blitzen und blecken.

Schwarz war ihr Gaunergesicht

Angst hatte ich trotzdem nicht.

Komm, wir gehen sie jagen.

damit sies nicht wiederum wagen.

————————————————————————————————–

Trud:

Warens diese? oder jene?

Kamen sie spontan?

Hatten sie gar Einbruchspläne?

Hatten Masken an?

Warum wollten sie das Essen?

War es Hunger, der sie zwang?

Ist nun alles aufgegessen

oder gerieten sie in Zank

um die besten Fleischkonserven

um die Flaschen mit dem Bier?

Verloren sie vielleicht die Nerven

und die Konserven liegen hier?

Wilhelm:

Wer weiß, vielleicht hat Trude recht

und manches ist noch aufzufinden…

Am Ende wäre es nicht schlecht

wir schaun, dass nicht auch die verschwinden.

Ich geh ums Haus, wer kann, kommt mit.

Du Jenny, denke ich, bist fit.

(Wilhelm und Jenny gehen ab)

Danai:

Warum sollen wir untätig warten?

Kommt, wir gehen raus in den Garten

oder auch weiter in den Wald

Da gibt es Nahrung in großer Vielfalt

Wir sammeln dort Kräuter und manche Frucht

ich lernte sie kennen seit meiner Flucht.

Ich weiß auch viel über Beeren.

Das will ich sehr gerne euch lehren.

Willst du mir helfen, Clara, mein Kind?

Ich zeige dir auch, wo die süßesten sind.

(Danai und Clara gehen ab)

Domna

Nun blieben nur wir zwei zurück,

die Blinde und die Fragende.

Danai sucht in dem Wald ihr Glück

und Jenny als die Jagende.

 

Ein jeder tut und sucht und jagt

um Nahrung zu erhaschen

dieser ist ängstlich, jener wagt

und füllt sich seine Taschen.

 

Der eine kauft sich, was er will

weil er ein reicher Erbe

der andre schafft und müht sich still,

dass er nicht Hungers sterbe.

 

Der eine hortet der Sorge voll,

dass jemand ihn beraube

der andre räubert, ach wie toll!

denn ihm fehlt jeder Glaube.

 

Ich aber, blinde Dichterin

womit kann ich wohl dienen?

Ich bin ja keine Richterin

auf dass ich sagte ihnen:

 

Wie du es tust, so ist es recht

und jene Handlung, die ist schlecht.

Ich kann ja nur vermelden,

wie es so geht in dieser Welt,

die sich schon lang auf Nichts gestellt,

die blind dem Mammon folgt, dem Geld,

und seinen größten Helden.

 

Ich wollt, ich könnt ein andres Lied

anstimmen, wie die Alten

als man die Unmoral noch mied

und Gott und Recht was galten.

Trud

Ach, liebe Domna, was macht dich so gewiss,

dass frühere Zeiten bessere waren?

Geht nicht durch die Menschheit schon immer ein Riss

Hoch oben die Götter und unten die Scharen

der Armen, gejagt und geplagt und geschunden?

So sehr ich auch frage und suche:

die goldenen Zeiten hab ich nicht gefunden.

Wo stehn sie, in welch altem Buche?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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