Skizzenblock Samothrake 1984

IMG_7659 Ich sitze in meinem Atelier und blättere in einem alten Skizzenblock. Und erinnere mich: Auch damals war August. Ach ja, das war unser erstes Quartier auf Samothrake! Ein illegal gebautes Haus mit Lokal unterhalb der Ausgrabungsstätten. Die Asphaltstraße führte damals nur bis hier, danach begann die Staubstraße. Uns war das egal, denn wir hatten kein Auto, nicht mal einen Führerschein. Und ich hatte keinen Fotoapparat, sondern einen Zeichenblock und einige Bleistifte für meine noch recht frische Leidenschaft: das Zeichnen.

IMG_7650 Riesenhaft waren die Platanen, darunter gab es eine gezimmerte Bank und ein Tischchen, sogar mit Tischtuch, bitte sehr! und darauf ein Tässchen mit süßem griechischem Kaffee. Den trank, ja, wer wohl?

IMG_7653 Nachts versammelte sich die Familie, die das Lokal führte, gern im Licht der einzigen Lampe. Oder gab es doch noch eine zweite Lampe? Ich weiß es nicht mehr. Ein paar Schritte weiter unten rollte das Meer an den nächtlichen Strand.

IMG_7651 Ganz in der Nähe war das archäologische Gelände. Hier standen einst großartige Tempel, die die Ptolemäer gebaut hatten, zu Ehren der „Großen Götter Samothrakes“.  Arsinoi I – Schwester und Gattin des Ptolemäos II von Ägypten – tat sich besonders hervor: sie baute hier den ersten großen Rundtempel, der in gewisser Weise Vorbild für die Kirchen und Moscheen späterer Zeiten wurde. Und warum waren die ägyptischen Herrscher des 3. Jahrhunderts so vernarrt in diese weltabgelegene Insel? Nun, hier lernten sich Olympias, Prinzessin von Epiros, und Philipp II, König von Makedonien,  im Rahmen eines großen mystischen Festes kennen, und Olympias wurde schwanger mit Alexander, dem später „groß“ genannten. Ptolemäos I war Alexanders Feldherr, der nach dessen frühem Tod die Herrschaft in Ägypten übernahm, zusammen mit ….der Tochter/Schwester/Gemahlin Arsinoe.

(Wikipedia) Ägyptische Königinnen und Regentinnen aus der Dynastie der Ptolemäer:

  • Arsinoë I., erste Ehefrau Ptolemaios II. (∞ um 285 v. Chr.)
  • Arsinoë II. (316 v. Chr. − 270 v. Chr.), Tochter Ptolemaios’ I. und zweite Ehefrau ihres Bruders Ptolemaios II.
  • Arsinoë III. (246/5 v. Chr. − 204 v. Chr.), Tochter Ptolemaios’ III. und Ehefrau ihres Bruders Ptolemaios IV.
  • Arsinoë IV. (zwischen 68 und 63 v. Chr. – 41 v. Chr.), Tochter Ptolemaios‘ XII. und Schwester Kleopatras VII.

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Die Insel hat, hoch in den Bergen, einen Hauptort, Chora. Hierher führt die Asphaltstraße vom Hafenort.

IMG_7649Das Dorf wird gekrönt von einer zerfallenen Burg, die, wie alle Befestigungsanlagen der Insel, die Genueser hochziehen ließen. (Manche behaupten, der Genueser Kolumbus sei eigentlich Grieche gewesen, geboren auf einer der genuesischen Besitzungen in der Ägäis – warum nicht auf Samothrake?🙂 ).

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Wir steuerten Chora meist auf dem Fußweg an. Da kam man an einer ungeheuer großen Eiche vorbei. Man sagt, Apostel Paulus habe schon unter ihr gepredigt, als er Samothrake besuchte (seine Briefe zeugen von seinem Besuch. Paulus war tatsächlich hier).

IMG_7646aRund um den Baum wachsen seine Kinder, und direkt unter ihm hat man einen weiß gekalkten „Backofen“ gebaut. Wozu der gebraucht wurde – ich weiß es nicht. Mensch und „Backofen“ kann man unten rechts im Bild erkennen. Wie groß der Baum und wie klein der Mensch: hier seht ihr es.

Der Skizzenblock hat noch mehr Blätter, aber die sind von anderen Menschen und Orten. Wenn ihr mögt, zeige ich sie ein andermal.

Bei „Samothrake mon amour“ findet ihr mehr Bilder der Insel. https://gerdakazakou.wordpress.com/wp-admin/post.php?post=12603&action=edit

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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19 Antworten zu Skizzenblock Samothrake 1984

  1. karfunkelfee schreibt:

    Wieder wunderbar, dieser informative und bildende Artikel, bebildert mit diesen Zeichnungen, aus denen Griechenland zu atmen scheint.
    Chora, so hieß auch die Klosterstadt auf Patmos, der Insel des Johannes, auf der er die Offenbarung schrieb. Danke für den feinen Beitrag und liebe Grüße von der Fee mit den vielen Namen✨

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  2. gkazakou schreibt:

    danke dir, Stefanie – Stainfee. Chora heißen so ziemlich alle Hauptdörfer der Inseln. Übersetzt „Land“, aber in der Bedeutung Dorf – namenlos.

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  3. Myriade schreibt:

    Das waren wohl romantische Zeiten … Es wundert mich immer wieder, dass bei dem massiven Inzest in den ägyptischen Dynastien überhaupt noch körperlich und geistig gesunde Kinder geboren wurden.

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  4. kunstschaffende schreibt:

    Wunderschöne Zeichnungen liebe Gerda und es ist wohl kein Zufall, dass Du/Ihr genau dort gestrandet seid. Und ja, unbedingt möchte ich noch mehr davon sehen! Du vielseitige, hochbegabte und geniale Gerda! Du beeindruckst mich ständig aufs Neue! Das ist ein großes Geschenk, so mit Kreativität gesegnet zu sein!

    ❤ Grüße Babsi

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    • gkazakou schreibt:

      Ich erröte ob deines Lobes, Babsi, danke dir aber doch dafür. „Gestrandet“ – das Wort gefällt mir. Einen Strand gab es auf dieser Seite der schroffen Insel eigentlichen nicht, sondern grobes Geröll, und sehr viel Sturm. Bei späteren Aufenthalten zogen wir auf die Südseite, die lieblicher ist. Zwanzig Jahre trieb es uns jeden Sommer hierher. Nun leben wir am entgegengesetzten Ende Griechenlands, denn Samothrake liegt im äußersten Nordosten, und die Mani im äußersten Südwesten

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  5. mmandarin schreibt:

    Danke Gerda, ….und wieder kommt Sehnsucht auf nach Griechenland…. Im nächsten Jahr …ganz bestimmt. Hab einen schönen Tag, Marie

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  6. afrikafrau schreibt:

    die wunderschönen Zeichnungen, mit Liebe aufs Papier gebracht, das ist eben doch mehr als nur
    eine photographische Abbildung……

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  7. putetet schreibt:

    Einfach wundervoll. Im Laufe des Lebens verändert man sich, was sich auch in den künstlerischen Arbeiten bemerkbar macht. Du hast heute einen völlig anderen Stil. Ich stehe mit Sicherheit nicht alleine da, wenn ich mich auf weitere Werke von dir freue und vielleicht auch in dem alten Stil, der mir besonders gut gefällt🙂
    LG Alexander

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  8. Maren Wulf schreibt:

    Ach, schön, deine Skizzen rufen mir lang vergangene eigene Griechenland-Erlebnisse in Erinnerung. Ein schlammiger Kaffee im Schatten, das Licht aus der Taverne an langen warmen Abenden, Blicke von den Felsen hinab und hinaus aufs Meer… Nicht Samothrake, da war ich nie, aber es könnte Samothrake gewesen sein.

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  9. Madame Filigran schreibt:

    Bist du gut! Mir fehlen die Worte. Ich sitze hier und staune.

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  10. Ulli schreibt:

    Dieser Artikel ist ja völlig an mir vorbeigegangen- ich sags ja: praktisch dieses WP😉
    ich bin auch wieder einmal ganz von deinen zeichnerischen Fähigkeiten begeistert, die Bilder leben alle- für mich ist, wie du weisst, Greichenland kein Erinnerungsland, wie ich mich freue es bald, wenigstens ein kleines Stückchen, kennenlernen zu dürfen.

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