Dora zum Fünfundzwanzigsten: Fritzi und das Lesen

Ich habe mich bei offener Tür ins kühlere Atelier zurückgezogen, um in der Augustus-Biographie weiterzukommen. Bald schon erscheint Fritzi, die immer häufiger meine Nähe sucht, und inspiziert den ihr noch unbekannten Raum. Als sie damit fertig ist, will sie spielen. Ich reiche ihr zu dem Zweck meine Hand, ohne meine Augen vom Buch zu nehmen.

 

Solche geteilte Aufmerksamkkeit passt Fritzi nicht. Also steigt sie mir auf den Schoß und setzt sich auf das aufgeschlagene Buch.

Dora steht dabei und lacht. „Sieh mal an!“ kräht sie. „Fritzi will das Lesen lernen!“

Ich weiß nicht, Ich habe eher den Eindruck, dass mich Fritzi am Lesen hindern will.

Wie soll ich jetzt erfahren, wie es mit Antonius, Kleopatra und ihren drei geinsamen Kindern zuende ging? Und was wurde aus Kleopatras Erstgeborenem, dem Caesarion, Sohn des großen Cäsar? Wurde er, wie sein Vater, ermordet?

„Geh mal runter, Fritzi“, sage ich und schubse sie ein bisschen. Sie springt leichtfüßig auf den Flokati und kommentiert schnippisch (in Zeichensprache): „Du kannst mich mal“…

Dora gesellt sich zu ihr und erklärt ihr mein seltsames Verhalten. „Die will lesen!“ sagt sie. „Verstaubte Geschichten von längst Verstorbenen zu lesen ist ihr wichtiger, als mit kleinen Katzen zu spielen.“

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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17 Antworten zu Dora zum Fünfundzwanzigsten: Fritzi und das Lesen

  1. derschwarzekater schreibt:

    Oh, dass kenne ich. Katzen haben ein erstaunlich feines Gespür dafür, wo die Aufmerksamkeit ist.

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  2. Myriade schreibt:

    Eine Mieze mit sehr schönen Augen! Ich wusste nicht, dass Caesar und Cleopatra drei Kinder hatten, ich habe nur vom Ältesten gehört, dem Cäsarion …

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    • gkazakou schreibt:

      Kleopatra (mit K in griechischer Schreibweise) hatte vier Kinder, eines mit Cäsar und drei (Zwillinge und ein Knabe) mit Antonius. Die Zwillinge hießen Alexander-Helios und Kleopatra-Selene, der Kleinste Ptolemäus-Philadelphos. Cäsars Sohn wurde auf Befehl des Octavian getötet, die drei Kinder des Antonius im Triumphzug mitgeführt und dann der Witwe des Antonius Octavia (Schwester von Octavius) überantwortet. Das weitere Schicksal der Knaben ist unbekannt, nur weiß man, dass sie früh starben. Die Tochter Kleopatra-Selene überlebte, wurde an den mauretanischen König Juba verheiratet, wo sie die Tradition ihrer Mutter fortzusetzen versuchte (man sprach griechisch, holte Kunstschätze aus Alexandria etc). Ihr Mann war ein Gelehrter. Sie hatten einen Sohn Ptolemäus, der König von Mauretanien und später von Caligula ermordet wurde, und eine Tochter.
      Das Grabmal von Kleopatra-Selene und Juba in Mauretanien existiert anscheinend noch.

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      • Myriade schreibt:

        Danke! Sehr interessant diese Verbindungen der Ptolemäer mit Griechenland, Rom und Nubien. Es verzweigt sich alles …

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      • gkazakou schreibt:

        Mauretanien, liebe Myriade, nicht Nubien (Pardon, ich habs eben bei mir verbessert). Das Mauretanien der römischen Zeit umfasst große Teie des heutigen algerien und Marokkko und hat nichts mit dem heutigen afrikanischen Staat Mauretanien zu tun.
        Die Ptolemäer waren Griechen.Kleopatra war späte Nachfahrin von Ptolemäos I (367-283), Freund und General Alexanders, dem Ägypten nach Alexanders Tod zufiel. Dreihundert Jahre lang herrschte die Dynastie der Ptolemäer von Alexandria aus und konnte die Unabhängigkeit Ägyptens bewahren, bis Augustus das damals reiche Kornland zu einer römischen Provinz herabstufte. – Ich fahre übrigens in wenigen Tagen nach Samothrake im NO Griechenlands, wo die Ptolemäer einen Haufen großartiger Tempel gebaut hatten – zur Erinnerung an Alexander, den hier seine Mutter Olympias während einer Heiligen Hochzeit „von Zeus“ empfing. Philipp II und Olympias lernten sich auf Samothrake kennen….
        Ja, die inneren und auch äußeren Beziehungen waren in der Antike sehr verwoben und viel weitläufiger, als wir Heutigen oft meinen.

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      • Myriade schreibt:

        Aha, ich dachte an die Beziehungen Ägyptens zum Goldland „Nubien“, das heute wahrscheinlich der Sudan ist. Umbenennungen von Ländern verkomplizieren vieles 🙂 🙂

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      • gkazakou schreibt:

        Nubien gehörte zeitweise und teilweise zum Herrschaftsbereich der Ptolemäer dazu. Schau mal hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Griechische_Zeit.png

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      • Myriade schreibt:

        Das war schon wegen des Goldes wichtig, ja

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  3. Ein riesiger Vertrauensbeweis, liebe Gerda. Sie mag Dich, deshalb möchte sie Deine Aufmerksamkeit 🙂

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  4. Gisela Benseler schreibt:

    Ach wie hübsch ist Fritzi, aber auch wie zudringlich. Dora bringt ihr Manieren bei, ist wirklich eine gute Katzenfreundn und -erzieherin.

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  5. lyriost schreibt:

    So sind sie, diese Fritzis …

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  6. Christiane schreibt:

    Ist die niedlich!!! 🧡🧡🧡

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