Hundstage & Hundewetter (Glasscherbenspiel)

Der himmlische Große Hund (Canis maior) hat seine Herrschaft abgegeben. Während er seine angestauten Wassermassen auf die trockene Erde niederprasseln lässt und Mensch Schutz unter einem Dach sucht, hebt das irdische Hündchen (Canis minor) fröhlich sein Bein am frisch aufsprießenden Grün.

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3 x Fotografie in der Malerei (Montag ist Fototermin:)

Ich möchte nicht in die Debatte über das Verhältnis von Malerei und Fotografie einsteigen, sondern nur an drei Beispielen, die ich kürzlich im Städel zu Frankfurt sah, zeigen, wie unterschiedlich die Fotografie im bildnerischen Schaffen eingesetzt werden kann.

1. Gerhard Richter (*1932): Unscharfe fotorealistische Malerei.

Unscharf und fotorealistisch – ein Widerspruch? Ja, und ein wenig verstörend. Da sieht man eine Bootsfahrt; das Gemälde hat die Ästhetik eines alten Fotos, das ein bisschen verwackelt ist. Man sucht die Menschen und ihren Ausdruck trotzdem zu fixieren, aber es will nicht recht gelingen. Sie gleiten vorbei, Optasien* in verflüssigtem Raum und nie stilstehender Zeit. Unscharf bzw unklar ist auch, wo das Foto endet und die Malerei beginnt. Richter hat immer wieder an dieser Grenze gespielt, irritierend und zum Denken anregend durch die Ungewissheit, was man vor sich hat.


*οπτασία (Optasia) ist griechisch, bedeutet so etwas wie Erscheinung, Augentäuschung, Vision. Ich finde den Ausdruck hier sehr passend, weil das Auge getäuscht und etwas zur  Erscheinung gebracht wird. das man nicht fassen und fixieren kann.

2. D.O.Paeffgen (1933-2013): Fotoprojektion mit Überrzeichnung

Paeffken: Die Araberin

Ein recht gleichgültiges Foto wird durch eine einfach erscheinende lineare Intervention zum ausdrucksstarken Gemälde. Die Technik ist etwas verwickelter, als es scheint: das Foto wurde auf die Leinwand projiziert und dann bearbeitet, wobei Paeffgen Wert darauf legte, das Ganze wie beiläufig mit dem Filzstift aufs Photo gekritzelte Linien erscheinen zu lassen. Die Wirkung ist verblüffend. Die Frau in der Mitte („Araberin“) hat eine enorme Präsenz, während die mitfotografierten Männer zu bedeutungslosen Randfiguren heruntergestuft werden.

3. Anselm Kiefer (*1945): Foto und Blei

Dieses nach der Schlacht von Kunersdorf* betitelte großformatige Werk (1988) besteht zum größten Teil aus einer Bleiplatte. Im unteren Mittelfeld aber wird eine bleigraue Fotografie sichtbar. Zoomt man heran, erkennt man einen Mann, der in Feldherrenmanier auf einem Hügel steht. Es ist der Künstler selbst, der sich 1969 in einer höchst umstrittenen Aktion („Besetzungen“) an verschiedenen Orten Europas mit dem „deutschen Gruß“ ablichten ließ.

Blei als Werkstoff scheint mir angesichts dieser Thematik angemessen zu sein. Aufgewachsen sind wir – Kinder des Krieges – in einer bleiernen Zeit.

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*Die Schlacht von Kunersdorf fand am 12. August 1759. also vor 243 Jahren statt. Friedrich II („der Große“) erlitt eine furchtbare Niederlage gegen die vereinten Heere von Österreich-Ungarn und Russland. „Die Verluste seiner Armee beliefen sich auf über 19.000 Mann, darunter 6.179 Tote. 28 Fahnen, eine große Anzahl Geschütze und 110 Munitionswagen waren verloren gegangen. Mithin hatte Friedrich über 40 % seiner Soldaten verloren. Die Russen verloren 566 Offiziere und 13.615 Mann, die Österreicher 116 Offiziere und 2.215 Soldaten“ (Wikipedia). Ja, so sprach und spricht man: Friedrich verlor 40% seiner Soldaten, während es doch besser hieße:  Die Mütter, Frauen, Kinder, Geschwister von 22.009 Sodaten verschiedener Nationen verloren ihre Männerr, Väter, Brüder, Söhne.

Fast wäre es damals schon mit Preußens Gloria zu Ende gewesen. Die deutsche und europäische Geschichte hätte einen völlig anderen Verlauf genommen. Doch wie wir wissen: es kam anders. Besser? Schlimmer? Wer kann das wissen?

 

 

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Dora zum ZweiundzwanzigstenAchten: Wasserrutschenbootsfahrt

Noch sind die Strände – hauptsächlich durch Athener und andere Inlandtouristen — stark bevölkert, doch spürt man schon deutlich, dass sich die Saison dem Ende zuneigt.

Heute fuhren wir in die große Sandovabucht.

Kaum sind wir am Strand angekommen, zieht Dora mich zu der neu dort angesiedelten  Bootsvermietung. Klar, die Wasserrutsche hat es ihr angetan. Sie möchte mit dem Rutschenboot ins offene Meer hinaus.

„Liebe Dora, du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich in son Ding steige?“ frage ich sie entsetzt. – „Nee, du nicht, aber ich!“ kräht sie vergnügt.

Wenn Dora will, kann sie super charmant sein und alle Leute bezirzen. Schon hat sie ein Opfer gefunden, das bereit ist, das Boot zu mieten. Schon hat sie die Rutsche erklommen, schon rast sie, die Latüchte in die Höhe gestreckt, juchzend hinunter, schon landet sie im Wasser, während ihre Geschenkbox als Extra-Boje davonschwimmt. …

 

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Dora zum EinundzwanzigstenAchten: Etüdensommerpausenintermezzo

Etüdensommerpausenintermezzo 2022 – 7 aus 12 | 365tageasatzaday

Damit wir nicht ganz aus der Übung kommen, hat Christiane uns für die lange Sommerpause freundlicherweise eine Extra-Schreibübung vorbereitet.

Wie waren doch gleich die Regeln?

LÄNGE: egal. Länger als eine Etüde. Gerne deutlich länger! 😀
ORT UND ZEIT: egal.
ABER: Es gibt zwei Bedingungen.
  1. Ihr sucht euch aus der folgenden Liste (mindestens) 7 aus den 12 großartigen Wörtern aus und baut die in eure Geschichte ein. Ich steh auf so was, wem es noch nicht aufgefallen sein sollte.
  2. Euer Text muss folgenden Satz beinhalten:
Wie wenig wir einander kennen.

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Deutschland funktioniert. Ein Bericht von meinem letzten Tag in Deutschland.

Am Sonntag mache ich mich, den Rucksack geschultert, in K auf die Socken. Immer mich im Schatten von Bäumen haltend, erreiche ich, ohne zu hetzen und zu schwitzen, den Fernbahnhof. Die Regionalbahn fährt pünktlich ein, ist sauber und fast leer, und für 9 E zu reisen ist ja fast geschenkt. Auch das zweimalige Umsteigen klappt vorzüglich, und so komme ich ausgeruht in W an. Nun gilt es noch meine Herberge zu finden, die ich in der Nähe des Flughafens für eine Übernachtung gebucht habe. Ich werde nämlich am nächsten Tag in aller Herrgottsfrühe losrennen müssen, mein Flug geht schon um 6. Um die frühe Zeit gehen die billigen Flüge in die Türkei und zu den griechischen Provinzflughäfen ab. Gewiss wird es viele Reisende geben, die die Sommerpause nutzen, um in ihre Heimat zu fliegen. Also besser mit Schlangen an der Sicherheitskontrolle rechnen.

Ich finde die Adresse auf Anhieb. Man erreicht das Zimmer zwar etwas abenteuerlich über zwei enge Treppen zum Dachgeschoss, doch das macht mir nichts aus. Mir gefällt es mit seinen großen ins Dach eingelassenen Klappfenstern. Es ist sauber und geräumig. Es gibt sogar gekühltes Bier, Gläser und Knabberzeug. Den Couchtisch mit dem hübschen Tischtuch schmückt ein falschsilberner Kerzenständer. Den Fernseher schalte ich nicht an, denn sicher gibt es Nachrichten aus der Ukraine, wonach mir wirklich nicht der Sinn steht.

Leider wird es mit dem Schlaf dann doch nichts. (Hier könnte ich nun die Geschichte kippen lassen: aus dem glatten Verlauf der Reise wird ein Alptraum. Doch nein!)

Da ich nicht schlafen kann, stelle ich mich auf die Zehenspitzen und blicke aus dem Klappfenster hinüber zum roten Blinken des Towers. Ich befinde mich allein im Nirgendwo über einer mir unbekannten Stadt und fühle mich dennoch sicher und geborgen. Ich fühle Verbundenheit mit den Menschen, die ich gerade verließ und mit denen, die ich morgen wieder umarmen werde. Zwischen diesen Pfeilern stehe auf dem Seil und balanziere mich aus.  „Wie wenig wir einander doch kennen“, denke ich, „aber ich habe Vertrauen. Ich bin getragen. Nichts Böses kann mir geschehen.“

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Uff! Sieben Wörter, und der Satz ist auch untergebracht. Stolz lese ich Dora meine Geschichte vor. Die verzieht ihr Gesicht. „Puh! Ist die lame!“ – „Aber so war es doch!“ verteidige ich mich. – „Mag sein, dass es so war!“, gibt sie zur Antwort. „Aber wen interessieren schon Geschichten, in denen nix passiert? Konntest du nicht jedenfalls die Treppe runterfallen, den Flug verpassen, überfallen werden, Alpträume haben, bestohlen werden, knapp einem Feuer entronnen sein? Oder meinetwegen, wenn du Katastrophen nicht magst, hättest du dir ja einen Galan anlachen können, der mit dir ins Zimmer hochsteigt, um mit dir einen Snack zunehmen… War jedenfalls Eis im Kühlschrank?“

Und wie um mich zu veräppeln, macht Dora ihre Latüchte zur Gitarre und singt und tanzt und reimt wie ein  Milonga*-Troubador:

O lala und chachacha

ich bringe Eis, wem es gefällt

der kann es haben ohne Geld!

„Halt ein, Dora!“ protestiere ich. „Du kannst doch nicht irgendwelchen Unsinn zusammenreimen! Du musst die vorgegebenen Wörter benutzen!“ – „Ach was!“, kräht Dora. „Jetzt ist Milonga-Sommerpause! Aber wenn du willst, reime ich dir morgen was mit Kullerauge und Flohzirkus zusammen! Versprochen!“


 

*Wikipedia: Laut José Gobello… handelt es sich bei der Lunfardo-Vokabel milonga um einen Afronegrismus aus der südwestafrikanischen Bantu-Sprache Kimbundu. Es ist der Plural von mulonga, mit der Bedeutung „Wörter“, „Gerede“. Ganz in diesem ursprünglichen Sinne bedeutet milongas (pluralisch gebraucht) im heutigen Umgangsspanisch noch „Lug und Trug“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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Kunst am Sonntag: Jean Dubuffet und Art Brut

Myriade zeigte uns vor drei Tagen eine Ausstellung mit künstlerischen Arbeiten von Menschen, die in Gugging, „eine(r) vollbetreute(n) Wohneinrichtung für Kunstschaffende mit Psychiatriehintergrund oder Behinderung“ leben und arbeiten. Der leitende Psychiater von Gugging, Leo Navratil, habe sich 1947, beeindruckt von der expressiven Kraft der Arbeiten seiner Patienten, an Jean Dubuffet gewandt, der sie als wesensverwandt mit seinem eigenen „art brut“ genannten Kunststil anerkannt habe. (Bildbeispiele und weitere Information findest du bei Myriade.)

Wer aber ist Jean Dubuffet? Und was ist „art brut“?

Als ich kürzlich durch die Sammlung „Zeitgenössische Kunst“ des Städel in Frankfurt wanderte, blieb ich vor einem Portrait stehen. Es vertrat als einziges Werk den  französischen Künstler Jean Dubuffet (1901-1985). Er übt zugleich starke Faszination und Irritation auf mich aus, seit ich erstmals Bilder von ihm sah. Wielange das her ist? Keine Ahnung. Es muss im Pariser Centre Pompidou kurz nach seinem Bau 1977 gewesen sein.

Seither habe ich vor etlichen seiner Werke gestanden und spürte immer wieder diesem merkwürdigen Doppeleffekt von Attraktion und Abstoßung nach, ohne ihn ergründen zu können.

Dubuffets Leben begann, wie bei Wikipedia zu lesen ist, im Jahr nach der vorletzten Jahrhundertwende als Sohn eines wohlhabenden Weinhändlers in Le Havre.  Es trieb ihn 1918, also nach Beendigung der Schlächterei des 1. Weltkriegs, zum Studium „der Künste“ (Literatur, Musik) nach Paris. Dort begann auch „im Umkreis der Surrealisten“ zu malen. Dann aber wandte er sich dem väterlichen Betrieb zu. Ein neuer Krieg begann. Ich weiß nicht, ob der es war, der den Weinhändlersohn in einen aktiven Künstler verwandelte. Jedenfalls machte er nun „primitive Materialbilder“, die er 1944 erstmals ausstellte und einen Skandal erzeugte. Drei Jahre später, 1947, hatte er damit in New York erste Erfolge.

Für seine Kunst benutzte Dubuffet bald den Begriff Art brut, also rohe Kunst, die er mit Rückgriff auf die Ausdrucksformen von Kindern, Naiven, psychisch Erkrankten, geistig Retardierten und gesellschaftlichen Außenseitern als „Kunst im Rohzustand“ ansah, bevor sie durch kulturelle und intellektuelle Überformung zum anerkannten Stil und zur marktfähigen Ware wird. Seinen Kunststil – denn um einen solchen handelt es sich natürlich – machte er in vielen Schriften und Vorträgen sehr erfolgreich zu seinem Markenzeichen.

Und so war sein Ruhm gut begründet in den Tiefen der kreativen Urkräfte, die sich im Malen von Kindern und Narren gelegentlich zeigen. Natürlich war Dubuffet selbst alles andere als naiv. Er war sogar höchst „sophisticated“ („verfeinert, kultiviert, intellektuell, gekünstelt“ übersetzt Langenscheid). Also machte er das, was andere naiv tun – zum Beispiel das Übereinanderlegen von Farbschichten auf Mauern, um ein neues Graffiti darauf anzubringen –  zum bewussten Vorgang. Auf seiner Leinwand trug er Schicht um Schicht auf, ritzte dann „naive“ Zeichnungen hinein und verband dadurch „Trivial- und Hochkunst“.

Nachdem sein Ruf als Maler unerschütterlich geworden war, konnte er sich erfolgreich auch größeren, weniger „rohen“ Werken zuwenden. Ich sah einiges davon anlässlich einer Amerikareise (meine Fotos gingen leider verloren), aber es machte nicht denselben tiefen Eindruck auf mich wie seine „primitiven“ Bilder.

Dubuffets „Art brut“ kam mir beim „gemeinsamen Zeichnen“ mit einer jungen Frau in den Sinn, die „ganz unbeleckt von Zeichenunterricht ist“, wie ich hier schrieb.

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Die Ausdrucksformen von kleinen Kindern begeistern mich auch immer wieder, so wie hier Asterias Kunstwerke .

Für mich bleibt die Frage offen, ob man die Kunst von Kindern mit der von naiven oder seelisch, geistig oder sozial an den Rand gedrängten Menschen (im Amerikanischen „Outsider Art“) in einen Topf werfen darf.  Ich neige dazu zu sagen: Nein! Kinder sind anders!

Das dachte ich auch, als ich heute Morgen Schumanns  ergeifende „Kinderszenen“  in der Interpretation des alten Vladimir Horowitz anhörte

https://youtu.be/yibf6QNjgGU (besonders 6:08!)

Nein, lieber Jean Dubuffet, du wirst sie nie erreichen. Das aber schmälert deine Kunst durchaus nicht. Es gehört eben zum Schwersten, die Malkunst von Kindern zu erreichen – wie der alte Picasso bedauernd feststellte.

 

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Dora zum ZwanzigstenAchten: PeachParty (2)

Dora will endlich wissen, was eine Beach-Party ist. „Lass uns auf eine PeachParty gehen,“ bittet sie.  Doch woher nehmen und nicht stehlen? Da der Abend heiß ist und die Strände voll sind, könnten wir zumindest mal in einer der Strandbars einen Drink nehmen, beschließen wir.

Dort rekeln sich Spätbader und Frühausgeher auf den Liegen oder sitzen, wie wir, brav unter nun nutzlos gewordenen Sonnenschirmpilzen auf Sesselchen. Während wir auf die Bedienung warten, wird die Nacht für kurze Momente durch ein Feuerwerk erhellt. Dora, die dergleichen nie gesehen hat, ist entzückt.

Dass wir wieder gehen, bevor die Peachparty wirklich in Gang kommt, findet sie enttäuschend. „Doralein“, sage ich, „das ist nix für uns. Aber wenn du willst, kannst du ja bleiben“.

Das lässt sie sich nicht zweimal sagen. Schon steht sie auf einem der Sonnenschirmpilze, lässt Funken sprühen und feuert die faule Bande in den Liegestühlen an: Ai ai ai aiii!

„Und? Wie wars?“ frage ich sie am Morgen. – „Gut“ ist ihre mundfaule Antwort. Begeistert wirkt sie nicht gerade – „Bisschen fake, wie?“ lege ich nach.  – „Nö, war schon in Ordnung. Jetzt weiß ich jedenfalls, was ne PeachParty ist.“

Mag sein. Mag auch nicht sein. Was weiß ich schon von PeachPartys?

 

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Füße und Meer (tägliches Zeichnen)

Gestern abend in Akrogiali: Heiß ist es, still liegt das Meer, die Sonne ein glühender Ball, der langsam im Dunst ertrinkt.

Die Köpfe der Menschen sind wie Noten auf den kaum angedeuteten Wellenlinien. Zwischen Schwimmen und Faulenzen zeichne ich ein bisschen.

Die Füße des Mannes neben mir (zweimal der rechte) und meine eigenen Füße ragen in perspektivischer Verzerrung Richtung Meeressaum.

Eine Schöne dreht und wendet sich, bevor sie sich entschließt, ins Meer einzutauchen.

 

 

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Dora zum NeunzehntenAchten: Farbe, bitte! (tägliches Zeichnen)

Das „tägliche Zeichnen“ soll nicht ganz zu kurz kommen. Viel zu bieten habe ich da zwar grad nicht, nur den Kaffeebecher in meiner Hand habe ich heute gezeichnet.  Den wollte ich hier posten…

aber Dora rät mir ab: „Die Zeichnung ist total langweilig. Die bauchst du gar nicht zu zeigen, sie gefällt eh niemandem. Wenn du den Becher jedenfalls anmalen würdest. Er ist doch in Wirklichkeit schön gelb. Warte, ich helfe dir, ihn anzumalen!“ Und schwupps hat sie ihre Latüchte, die sie gelegentlich auch als Spraydose verwendet, auf meine Zeichnung gerichtet.

Hm, gar nicht schlecht, Dora! Nur dumm, dass mein Daumen im Weg war. Wie krieg ich jetzt die Farbe von meinem Nagel ab?

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Dora zum AchtzehntenAchten: Peach-Party (und Bürgeramt)

„Du hast noch gar nicht von der Peachparty in unserer Bucht erzählt!“, erklärt Dora, als ich nach einem Thema für den gestrigen Tag Ausschau halte. Ich lache. „Erstens heißt es Beach-Party, Peach bedeutet Pfirsig, Beach Strand, meine Kleine,“ belehre ich sie. Ich liebe es nämlich, Leute zu belehren. Besserwisserei war schon immer meine Leidenschaft.

Heute zum Beispiel war ich im Büro des Bürgeramtes, um mir bestätigen zu lassen, dass ich noch am Leben bin. Das möchte meine deutsche Rentenkasse alle Jahre wieder wissen. Das Bürgeramt liegt am Rande eines Nachbardorfes, schön bequem für mich zu erreichen. Ich trete also durch die Tür und schreite den leeren Gang entlang, vorbei an offenen leeren Büros bis zum Schalterraum. Hinter dem Schalter sitzt einsam eine junge Beamtin. An Hundstagen wie diesen vermeiden die Bürger, wenn sie können, die Amtsstuben, die wegen des Sommerurlaubs eh unterbesetzt sind. Ich bin die einzige Besucherin, setze mich  bequem vor den Schalter und trage mein Anliegen vor.

Während die Beamtin die nötigen Eintragungen macht, beginne ich zu frieren, denn die Klimaanlage läuft auf Hochtouren. Zum Glück steht das große Panoramafenster weit offen und lässt die heiße Luft von draußen rein, sonst würde ich mir glatt den Tod holen. Nur mit Mühe halte ich den Satz auf meiner Zunge zurück, dass es vielleicht sinnvoll und energiesparender wäre, wenn … Nein, einmal keine Besserwisserin sein! denke ich. Sie ist ja intelligent genug, meinen Antrag auszufüllen, dann wird sie auch in der Lage sein, ihr Raumklima zu regulieren, und hat nicht auf eine besserwisserische Deutsche gewartet, um es ihr unter die Nase zu reiben.

Bei Dora brauche ich solche Rücksichten nicht zu nehmen. „Erstens“, sage ich also, „heißt es Beach-Party, und zweitens war es keine Beach-Party“. Dora rollt mit den Augen. „Immer deine Besserwisserei!“ grollt sie. „Wenn es keine PeachParty war, was war es dann?“ – „Es war ein ruhiges gesittetes Zusammensein von Menschen, die die heiße Nacht am Meer verbringen wollten. Vielleicht wollten sie feiern, weil sie das alte Haus renoviert und nun sogar elektrischen Strom haben.  Die Lampions und dezente Musik sorgten für eine festliche Atmosphäre, aber es wurde nicht getanzt.“ – „Das weiß ich selbst, hab es ja gesehen!“ murrt Dora. „Aber wie nennt man solches gesittetes Zusammensitzen am Strand?“ – „Weiß ich nicht“, räume ich ein. „Darauf kommt es ja auch nicht an, wie es heißt.“ – „Dann kann ich es ja wohl auch PeachParty nennen, oder?“ fragt Dora spitz. – „Schon gut, nenn es, wie du willst!“ beruhige ich sie.

„Und?“ beharrt Dora, „erzählst du nun von dem ‚Nenn-es-wie-du-willst‘? Und dass ich zur Beleuchtung beigetragen habe, so wie du zur Musik, als du beim Schwimmen deine Lieder gesungen hast?“ – „O, konnte man die hören?“ frage ich erschrocken. – „Ich schon, die anderen wahrscheinlich nicht“, sagt Dora spöttisch lächelnd. „Die haben bestimmt gemeint, dass ihre Musikanlage defekt ist oder ein Hund jault.“

 

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Dora zum SiebzehntenAchten: Theo wird gezähmt

Theo, ihr wisst es, ist Doras Liebling. Sie war es, die ihn auf den Namen Theo getauft hat. Theos (Θεός) ist griechisch und heißt bekanntlich Gott (Theologie, Theodizee, Theokratie etc pp). Zusammen mit ihrem eigenen Namen ergibt das, je nachdem, Theodora oder Dorothea oder auch Theodor. Die Bedeutung ist immer dieselbe: Gottesgeschenk.

Das goldene Fell von Theo erinnert mich an Apoll, in dessen Tempel zu Delphi ich eines sehr frühen Mogens trat.  Die Sonne ging gerade auf, und die ersten Strahlen ließen das Fell eines prächtigen Katers, der dort auf dem Marmor ruhte, golden aufleuchten. Einen fotografischen Beweis für diese Behauptung habe ich nicht, Theo aber kann ich euch präsentieren.

Ich zeigte ihn ja schon einmal, vor einem Monat, scheu unter den Fransen des Tischtuchs hervorlugend.

Scheu ist er noch immer, aber nun traut er sich schon mal ohne den Geleitschutz seiner Schwester Fritzi die Treppe zur Turmterrasse hinauf. Auf der letzten Stufe bleibt er meist hocken, um uns von dort aus zu beäugen und sich den Rückweg frei zu halten.

Gestern aber beruhigte ihn Dora:

„Du brauchst wirklich keine Angst zu haben“, versichert sie ihm. „Die Leute sind harmlos. Außerdem bin ich ja da!“ So oder so ähnlich redet sie auf ihn ein.

Ihr Bemühen ist von Erfolg gekrönt: Theo ersteigt auch die letzte Treppenstufe, lässt sich nieder und mitsamt seiner stolzen Dompteuse fotografieren. „Siehste“! kräht diese. „Ich hab dir doch gesagt: Die sind ganz harmlos!“

Falls jemand dem Theo eine neue Heimat anbieten will: ich könnte mit ihm und Dora reden und gegebenenfalls alles Weitere veranlassen. Nur kann ich nicht versprechen, dass er tatsächlich ein Kater ist. Vielleicht ist er ja eine Dorothea. Göttlich ist er auf jeden Fall.

 

 

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