Welttheater: Zweite Zwischenbilanz (12.-23. Januar 2023)

Die erste Zwischenbilanz  schrieb ich am 12. Januar. Dort findest du auch ein Personenverzeichnis und eine Revue, „wie alles begann“: Die „blinde Poetin“ (Domna) wurde Ende 2022 zur wichtigsten Repräsentantin des Jahres 2023 gewählt. Sie ist also der spiritus rector dieses „Welttheaters“. Dora (Repräsentantin des Vorjahres) darf, unsichtbar, als Assistentin helfen. Mithilfe von Eichendorffs „Wünschelrute“ (Zauberwort) findet Domna das Leitmotiv des Stücks, das aufgeführt wird: „Geben“ oder richtiger „Geben und Nehmen im Ausgleich“. Es ist das große Gesetz der Natur, auf dessen Einhaltung die Göttin Nemesis achtet (https://gerdakazakou.com/2020/03/27/viii-gerechtigkeit-nemesis-und-thetis-legebild-collagen/). Inwieweit es auch zum Gesetz der Menschen werden kann, wird sich wohl erst noch zeigen müssen.

Wir verließen die Gruppe, als Jenny „theKid“ (eine verwahrloste Jugendliche) dem Kind „Clara“ Doras Geschenkebox wegnimmt, um dafür beim „Überlebenskünstler“ Wilhelm Essbares einzutauschen.  Jenny überredet Wilhelm, die ganze Gruppe zum Frühstück in sein „Lager“ einzuladen. Der Weg geht durch eine finstere Schlucht, wo die Fragende „Trud“ sich verliert. Alle außer Clara sind bereit, sie zurückzulassen. Clara opfert ihre magische Geschenkebox, damit Trud sich zurechtfindet. Das macht Jenny wütend, die sich in ihrer Ehre gekränkt fühlt. Wie kann Clara freiwillig für Trud hergeben, was sie zuvor Jenny verweigerte und sie sogar eine Diebin nannte?

Nach der Schlucht kommt der Spinnwebwald. Doch bevor wir ihn betreten, wendet sich das Geschehen der Bucht zu, in der unsere Gesellschaft in den früheren Episoden ihren Erzähltisch aufgeschlagen hatte. Kaum haben sie die Bucht wegen des drohenden Unwetters verlassen, erscheint „Tschinn“ der Macher mit seinem Biest „Kairos“, der günstigen Gelegenheit. Er eignet sich die Bucht an und entwirft drei Investitionspläne zur profitablen Nutzung des Strandes: Hafen, Flüchtlingsheim, Luxushotelanlage. Danais Grundthema „Geben und Nehmen im Ausgleich“ wird dadurch weiter variiert. 

Im Wald nehmen die Personen in unterschiedlicher Weise mit der Natur Kontakt auf: Clara im magischen Spiel mit den Spirits, Domna angesichts einer Blume über die Harmonie der Dinge nachsinnend, Trud im Zweifel über die Tauglichkeit ihrer Sinne sinnlos Spuren lesend. Der Spirit Lu prophezeit Trud ein Verpuppungsstadium: ein Verwandlung Truds scheint möglich.

Jenny, allein geblieben, wird kurz von Angst vor dunklen Gestalten und der Natur heimgesucht, was „Schurigel“, den Angstmacher, auf den Plan ruft. Doch Jenny wehrt Angst und Angstmacher entschlossen ab. Denn die Herrschaft der Angst wäre das Ende ihrer Freiheit.

Endlich betritt die Gesellschaft Wilhelms „Lager“, das einem riesigen unterirdischen Bunker gleicht. Jenny, hungrig,  ist weiterhin nur am Essen interessiert, die anderen fühlen sich durch Wilhelms Überlebenskonzept bedrückt und problematisieren es: Das Kind Clara fühlt die bedrohliche Enge,  Danai wägt ab zwischen dem Verlust von Besitz und dem von geliebten Menschen (sie kennt beides),  Trud bezweifelt Möglichkeit und Sinn des Konservierens von Leben für die Zukunft und Domna spürt der Angst nach, die Menschen dazu bringt, sich so rigoros auf einen möglichen Notfall vorzubereiten. 

Doch man sieht auch den Vorteil von Wilhelms Vorratshaltung, denn man ist hungrig. Danai und Clara gestalten eine Ecke des Raums gemütlicher, Domna rühmt die Gastfreundschaft, man freut sich auf ein gemeinsames Mahl mit guter Unterhaltung (Symposion). 

In diese stille Vorfreude hinein platzt Wilhelm mit einer schlechten Botschaft: im Lager wurde eingebrochen, Nahrungsmittel und Küchengeräte fehlen. Jenny verdächtigt sogleich die „dunklen Gesichter“ im Wald. Was nun? Was tun?

 

 

 

 

 

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Welttheater 3. Akt, 12. Szene: Symposion

Was zuletzt geschah: Die Gesellschaft ist in Wilhelms Lager-Bunker gelandet.  Jenny reagiert als einzige unbefangen. Die anderen fühlen, dass Wilhelms Prepper-Verhalten einer tiefsitzenden Angst geschuldet ist. Er hat kein Vertrauen ins Geben-Nehmen und muss daher sammeln, sich einigeln und ums Überleben kämpfen.

Danai ergreift die Initiative, den Raum gemütlicher zu machen.


Danai (zu Clara)

Komm wir räumen hier mal um

Wirst schon sehen wie warum.

Schau, hier ist ne schöne Ecke

in die legen wir ne Decke

und darauf ein feines Tuch

wie es ziemet bei Besuch.

 

Rundherum ist Platz für Kissen,

macht nichts, wenn sie leicht verschlissen,

wichtig ist, dass sie bequem

und zum Sitzen angenehm.

So sieht es gemütlich aus

fast schon wie bei mir zu Haus.

 

Jenny, Trud und Domna kommen herein

Trud

Darf ich mich hier zu euch setzen

und an einem Mahl ergetzen?

Denn das Fragen macht nicht satt

macht mich müde nur und matt,

macht mir Löcher in den Magen.

Doch ich will mich nicht beklagen.

Domna

 Ihr lieben Frauen setzt euch nieder

und setz auch du dich, liebes Kind.

Wie schön, dass wir auch heute wieder

so friedlich hier zusammen sind.

 

In unsrer Runde sei willkommen

auch Wilhelm, der in seinen Raum

uns einlud, wie es ziemt dem Frommen,

auch wenn den Gast er kennt noch kaum.

 

Die Götter habens so befohlen:

dem Fremdling öffne deine Tür

dass er sich von der Fahrt erholen

und essen kann, er dankt dafür.

 

Es freut der Hausherr sich der Gäste

denn statt zu essen ganz allein

wird ihm das Mahl nunmehr zum Feste

mit Reden und mit gutem Wein.

Jenny:

Schick siehts aus, wie Tischlein-deck-dich

Ach, mein Magen knurrt schon schrecklich.

Zu essen kann ich nichts erblicken

Kann mal wer nach Wilhelm schicken?

Dass er bringt, was er versprochen.

Hab schon Omelett gerochen.

 

Da bist du ja, die Hände leer.

Bringst du denn nichts zu essen her?

Wilhelm (traurig, wütend)

Die Dosen sind weg!

Kein Wurst und kein Speck,

All meine Vorräte

all meine Geräte

gestohlen und geraubt

Wer hat sich das erlaubt?!

(Betretenes Schweigen)

Jenny

Das müssen die Typen gewesen sein

die sich im Walde verstecken

Ich sah sie vorhin, du ließt mich allein,

die Zähne blitzen und blecken.

Schwarz war ihr Gaunergesicht

Angst hatte ich trotzdem nicht.

Komm, wir gehen sie jagen.

damit sies nicht wiederum wagen.

(wird fortgesetzt)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Welttheater, 3. Akt, 12. Szene: Wilhelms Lager

Was zuletzt geschah:  Jenny, allein im Wald, wird von Angst befallen, die ihr Gefahren vorspiegelt und sie für die Freunde blind macht. Schurigel, der Angstmacher, steht sofort bereit, um ihre Angst zu steigern und sie an die Kandarre zu nehmen. Jenny schickt Schurigel weg. Da werden dann auch die Freunde wieder sichtbar.

Wilhelm führt Jenny in sein Lager, die anderen folgen zögernd nach.

Wilhelm (Überlebenskünstler, Prepper):

Ihr seht, ich bin gut vorbereitet

und wenn so mancher auch bestreitet

dass Unheil kommt und Hungersnot

Ich kenne der Vernunft Gebot.

In diesem Lager hab ich alles

was Mensch zum Überleben braucht

so dass im Falle eines Falles

wenn rings die Welt schon brennt und raucht

wenn andere darben und erfrieren

und Strahlung tötet Frau und Mann

 sitz ich gemütlich hier beim Biere

mir auch ein Butterbrötchen schmiere

und mich der Tod nicht holen kann.

Jenny (Jugendliche)

Ah. Butterbrötchen? Wo sind die?

die ess ich für mein Leben gern!

Dazu ein Stück vom Käse Brie,

das Bier das lasse ich dem Herrn.

Ne Limo wäre mir ganz recht.

Ein Omelett wär auch nicht schlecht

Egal, ich esse, was du hast

verhungert bin ich nämlich fast.

Clara (Kind)

Hier drinnen ist es duster

da wohnt ein böser Schuster

der macht den Leut zu kleine Schuh

Und quält sie sehr und lacht dazu.

Danai, ich mag hier drin nicht sein!

Will raus, in Luft und Sonnenschein!

Danai (Flüchtlingin):

Wir armen Leut, wir können oft nicht wählen

wo wir gern sind und was uns gut gefällt

Doch können wir bewahren unsre Seelen

vor den Verhärtungen der Welt.

 

Auch wenn wir flohn und nicht mehr haben

was wir im Leben angeschafft

bleibt die Natur mit ihren Gaben.

Sie gibt uns Glauben, gibt uns Kraft.

 

Was nützt΄s dem Menschen, der zusammenrafft

und lebt im Bunker, lebt vom Licht getrennt!

Und sitzt allein wie in der eignen Haft

wenn rings die Welt im Feuer brennt?

 

Ich ließ zurück, von wo ich kam

mein Heim, den Schrank, den Herd

doch das verursacht keinen Gram

ist von geringem Wert.

 

Dass ich verloren hab mein Kind

und Menschen, ja, das schmerzt

Die Dinge sind, was sie halt sind,

Verschenk sie ganz beherzt

 

und lebe frei und gib und nimm

von Menschen und Natur

Geht es dir wirklich einmal schlimm

hilft Geben-Nehmen nur.

Trud (Fragende)

Ein Bunker hier? mit tausend Sachen?

Was will der Mensch denn damit machen?

Will er das Leben konservieren?

für die Zukunft reservieren?

Das, so scheint mir, ist recht dumm. 

Zukunft ist jetzt, und Jetzt ist um.

 

Domna (blinde Dichterin)

Aus des Waldes Schattenspiel

sind wir nun hier eingekehrt

dumpfe Höhle, ach wieviel

Trübsinn mich hier gleich befiel,

Lust hat sich in Angst verkehrt.

 

Angst hat dies Gehäus durchwoben

hats durchtränkt mit kaltem Schweiß

Welche Hoffnung ist zerstoben?

Welche Furcht wird aufgehoben

und gepflegt mit großem Fleiß?

 

Ists die Angst, dass dieses Leben,

das begrenzt ist von Natur,

uns beraubt und will nicht geben

uns den Wein und auch die Reben,

sondern eins von beidem nur?

 

Du willst diese Erd auspressen

dass sie gibt, was du verlangst

Du willst essen, willst auch fressen

Willst das Geben glatt vergessen

Das Ergebnis ist: die Angst.

 

Angst, dass nichts mehr dich ernähret

wenn du alles aufgebraucht

Wielang denkst du, dass es währet

bis du alles aufgezehret?

Bis dein Leben ausgehaucht?

 

Du bist in den besten Jahren,

lieber Wilhelm, hör mich an!

Denke nicht an die Gefahren!

Dies ist die Zeit des Wunderbaren!

Vertraue, guter Mann!

 

Darf ich einen Rat dir geben?

Lass das Raffen, gib dir Ruh!

Lieb die Deinen, lieb das Leben

Lass dich in das All verweben!

Schaue hin aufs Du.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Hier hab ich alles, was ich für drei Jahre Überleben brauche. Dahinten siehst du den Eingang zu meinem persönlichen Atombunker, der ist voll ausgestattet mit Stromaggregaten, Batterien, Kerzen, Wasserfilteranlagen, die ganze Latte. Ich habe vorgesorgt und kann überleben, wenn alle anderen längst tot sind“

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Mit alten Olivenbäumen reden

In alten Olivenhainen herumzuspazieren kann bedeuten, mit vielen urigen Bäumen ins Gespräch zu kommen. Das tue ich gelegentlich mit großen Vergnügen. Zugegeben: Hauptsächlich rede ich, die Bäume sind zu alt und ehrwürdig, um mit meinem Geschwätz mitzuhalten. Aber manchmal kann ich doch den einen und anderen Spruch auffangen. Diese Alte brummelte heute morgen, als ich vorbeieilte: „Eile mit Weile“.

Nun, jedenfalls dem Sinn nach, denn sie sprach Griechisch: όποιος βιάζεται σκοντάφτει (opios viasete skondafti) – Wer eilt, stolpert.

Da hielt ich inne und bedachte ihre Rede. 

Du hast gut reden, seufzte ich, stehenbleibend. Du hast ein paar hundert Jahre auf dem Buckel und wirst wohl noch ein Weilchen da stehen, wenn ich nicht mehr bin.  Wieviel Zeit wird mir noch beschieden sein?

Wenn du dich beeilst, wird die Zeit nicht mehr, vernahm ich ihre grummelige Antwort. Ich weiß nicht. Ich kann doch, wenn ich mich beeile, viel mehr in eine Stunde stopfen, oder? Und meine Lebenszeit längen? Oder etwa nicht? 

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Welttheater, 3. Akt, 11. Szene: Wald 3 (Jenny und Wilhelm)

Was zuvor geschah: Die Gesellschaft hat sich in Grüppchen aufgelöst. Danai mit Clara und Lu, Domna mit der Blume, Trud mit ihren Fragen und Lu. Wie geht es Jenny und Wilhelm im Spinnwebwald?

Jenny:

Wo ist denn nun dein Lager? Ist es noch weit?

Ich sehe nur Bäume weit und breit.

Mein Magen knurrt, er möchte gern was haben

nen Omelett am liebsten, um sich dran zu laben.

Wilhelm:

Wir sind schon nah.

Gleich sind wir da,

Doch Eier hab ich leider nicht

Ich mach aus Pulver ein Gericht.

Du wirst schon sehn, es wird dir schmecken

du wirst dir alle Finger lecken.

Jenny:

Pulvereier? Ach herrje!

Das soll ich essen? Nee!

Ich mag Eier frisch vom Huhn

Kannst du da nicht etwas tun?

Wilhelm

Moment, ich schau mal, bleib du hier

ob ich ein Hühnchen finde dir.

 

Wilhelm entfernt sich. Jenny bleibt allein zurück.

Jenny:

Wo sind die andern Frauen hin?

Mir scheint, dass ich alleine bin.

Der Wald ist mir gar nicht geheuer

Ich fürcht, das wird ein Abenteuer

der unerfreulichen Natur.

Wo stecken denn die andern nur?

Wer flüstert da? Knackt dort ein Ast?

Der Boden quatscht, ist das Morast?

Im Baum versteckt seh ich Gesichter

von Strolchen, Räubern und Gelichter!

Schurigel der Angstmacher taucht hinter Jenny auf.

Ja fürchte dich, ja, hab nur Angst

spür wie du um dein Leben bangst

dann wirst du dieses Rumttreibleben

von ganz alleine schnell aufgeben.

In dir steckt auch ein guter Keim

Der wird gedeihn in einem Heim

wo man so Kids wie dich betreut

und fromme Sitten dir einbläut. 

 

Manch Mädchen wurde schon gefunden

an einen Baum im Wald gebunden

von üblen Männern schwer geschunden

ganz grässlich übersäht mit Wunden.

 

Du sei gewarnt, du kleines Luder

die einfach mitgeht mit nem Bruder

die sich an Männerhälse schmeißt

ob Wilhelm, ob er Ahmed heißt

ob hiesig oder ein Exot

für eine Suppe, ein Stück Brot.

So manche endete als Leiche

unter einer deutschen Eiche.

Jenny:

Halts Maul, du Blödmann,

halt die Luft mal an!

Ich komm schon klar, schon immer!

So spar dir dein Gewimmer!

Da hinten seh ich schon die andern,

die noch im Spinnwebwalde wandern.

Die ruf ich jetzt! Und du hau ab

und leg dich selber in ein Grab!

Der Wilhelm ist jetzt auch zurück

Mit mir, mein Lieber, hast kein Glück.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Steine betrachten

Paliohora, 22-1-23, gegen Mittag

Ein Spaziergang durch die steinerne Wüste des Strandes ist Hochgenuss. Mein Auge streift über die vielfältigen Formen und Farben, manchmal bleibe ich auch stehen und nehme einen Stein in die Hand, betrachte ihn und lege ihn an seinen Platz zurück. Gern wüsste ich mehr über Mineralien, über die Geschichte dieser Steine, dieser Landschaft.

Die großen Felsen am Strand sind aus dieser Art Geröll zusammengebappt, man sieht darin die kleineren Steine, die durch Pressung oder Schmelze eine Masse wurden. Im ersten Foto der zweiten Reihe sieht man solch ein Stück in klein. Langsam lösen sich die Einzelsteine aus dieser Gesteins-Verbindung, werden zu individuellen Steinen.

Die riesigen Gesteinsbrocken der ins Meer hineingebauten Molen stammen nicht von hier. Sie wurden im Tal des Sandova-Flusses oder auch weiter oben im Gebirge abgebaut. Manche haben Sprenglöcher, mit deren Hilfe man das Gestein zu transportablen Größen auseinandersprengte.  Das Foto gibt kaum ein Gefühl für die gewaltige Größe dieser Felsen.

Vielleicht hilft der Vergleich mit dem kleineren Geröll am Fuße dieses Giganten.

Manche dieser Felsen tragen Tätowierungen von Landschaften auf ihrer rauen Haut – vielleicht sind es die Landschaften, aus deren Kontext sie gerissen und hier ans Meer verfrachtet wurden, um die Küste zu schützen.

Mein heutiger Weg wurde durch die aufgehäuften Felsen der Mole unterbrochen. Kein Durchkommen für mich!

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Welttheater, 3. Akt, 10. Szene: Wald 2 (Trud, Blume, Lu)

Was zuvor geschah: Danai erzählt Clara von den Spirits.  Clara unterhält sich mit dem Luftspirit Lu. Domna findet eine Blume, spricht mit ihr und lässt sie stehen.

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Jetzt erscheint Trud. Auch sie bleibt bei der Blume stehen.

Trud:

Was ist das für ein Wald? Als wie von Spinnen…

Vielleicht bin ich schon alt und schwach von Sinnen?

Im müden Lichte seh ich einen Faden …

Ist er da draußen, ist’s ein Augen-Schaden?

 

Hier dieses Rote, wie heißt dies Gewächs?

Ist das ein Blatt wohl oder nur ein Klecks,

den ein Getier hier hinterlassen hat …

beim Durchmarsch nach dem nassen Bad …

in einer Pfütze mit viel Schlamm …

dann überwand es einen Damm …

und kleckste hier und kleckste da

bei jedem Schritt? Ich denke, ja.

 

Doch kann ich sicher sein?

Ich fürchte wieder, nein.

 

Ich sollte dies Gewächs hier brechen

um es genau zu inspizieren,

doch vielleicht wird es mich dann stechen

und dabei gründlich infizieren?

 

Ach, wie nur, wie soll ich im Leben

Antwort auf all die Fragen geben?!

Lu (von oben links)

Hu, hu!

Trude, du!

Wozu willst du dich denn plagen?

Wozu dienen dir die Fragen?

Nichts ist wahr und alles lügt

Heb den Kopf und sei vergnügt.

Freu dich an dem Schein der Welt

Trug gibt’s umsonst, ganz ohn Entgelt!

Trud:

Wer spricht da oben in der Luft?

Wer ist es, der nach Trude ruft?

Trud wie Trug und höhnisch Lachen

wie’s die bösen Buben machen?

Lu

Sei wie ich, sei Luft und Kuss

sei ein lustger Luftikus.

Trud:

Was bist du für ein töricht Ding?

Hältst du mich für ’nen Schmetterling?

Lu

Das nicht, doch bist vielleicht ein Räupchen

das sich nun langsam schon verpuppt

Wer weiß als was die Trud, mein Täubchen,

sich eines Tages noch entpuppt.

 

(Wird fortgesetzt)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Wein und Zeit

Ist der erste Opernbesuch schuld, dass ich den Wein liebe? Das folgende Liedchen, das noch zwei weitere Strophen enthält, die mir aber entfallen sind, drang vor ca 66 Jahren – ich war 14 Jahre alt – in meine Ohren und mein Gemüt (Der Freischütz. Musik: Carl Maria von Weber, Text: Johann Friedrich Kind):

Hier im ird´schen Jammertal
Wär doch nichts als Plack und Qual
Trüg der Stock nicht Trauben
Darum bis zum letzten Hauch
Setz ich auf Gott Bacchus Bauch
Meinen festen Glauben

Carl Maria von Weber wurde im November 1786 in Eutin geboren, und das war natürlich Grund genug, ihm dankbar ein Festival auszurichten. Wir Schüler wurden per Bus hingeschafft.

Eine treue Adeptin von Gott Bacchus (oder vielleicht doch eher von Gott Dionysos, dem Zweimalgeborenen) blieb ich. Solche frühen Prägungen gehen eben tief. 🙂

Den Wein, von dem ich heute eine Flasche öffnete, gönne ich mir nicht täglich. Er ist zwar köstlich, aber eben auch teuer. Βιβλία Χωρα (gesprochen: vivlia hora) heißt er (unbezahlte Werbung) – und auch damit sind Geschichten verbunden. Meine Schwiegertochter Petra lernte den Wein bei einem Besuch in Nauplion kennen und schwärmte: „aus dem Bücherland„. Biblia bedeutet Bücher, Hora Land. Also kann man den Namen tatsächlich mit Bücherland übersetzen. Petra liebte Bücher über alles, und der Wein mit diesem Etikett avancierte daher promt zu ihrem Lieblingswein.

Ich las dann ein bisschen beim Produzenten nach und erfuhr: Der Name bedeutet „aus dem Land Biblos“, von wo einst die Phönizier die ersten Trauben nach Thessalien brachten und anbauten. Das geschah in vorhistorischer Zeit. Von diesen Trauben stammt bis heute der thessalische Wein …

Wenn ich nun mein Glas mit diesem köstlichen Rotwein hebe, denke ich an den Freischütz und an Petra und an die Phönizier, und daran, dass Zeit ja eigentlich gar nicht existiert.

Auf unser aller Wohlsein! Prosit!

 

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Welttheater, 3. Akt, 9. Szene: Wald 1 (Danai, Clara, Lu, Domna, Blume)

Was zuletzt geschah: Tschinn der Macher hat seine dritte Investitionsidee für die Bucht vorgetragen – eine Hotelanlage, zu der nur Reiche Zugang haben.

Wir verlassen ihn nun und kehren in den Wald zurück. Die Gesellschaft (Danai, Domna, Clara, Jenny, Trud, Wilhelm) hat sich inzwischen in dem verwunschenen Spinnweb-Wald verstreut.

 

Danai (zu Clara):

Siehst du dort die kleinen Geister

Durch die lichten Büsche schweben

Siehst du, wie sie, wahre Meister,

Sonnenfädennetze weben?

Und die Zwerge und die Trolle

Die aus jeder Blütenwolle

Sei sie noch so dünn und zart

Kleider weben feinster Art

Für die Sylphen und die Elfen

Die den Schmetterlingen helfen

Wenn sie sich verwandeln wollen

Aus der Puppenhaut zu rollen.

Jeder ist für jeden da

Das ist des Waldes Omega.

Clara:

Die eine ist bei mir gelandet!

Die ist in eitel Gold gewandet!

(zur Elfe)

Ich bin die Clara, wer bist du?

Lu

Freut mich, Clara! Ich bin Lu!

Lu wie lustig, Luft und Kuss

bin ein lustger Luftikus.

Magst zu mit mir spielen, Kind

Komm, wir tanzen mit dem Wind

Tanzen mit den Blütenflocken

Komm schon, komm, lass dich verlocken!

 

Domna

„Ich ging im Walde so für mich hin,
und nichts zu suchen, das war mein Sinn.

Im Schatten sah ich ein Blümchen steh’n,
wie Sterne leuchtend, wie Äuglein schön.

Ich wollt‘ es brechen, da sagt‘ es fein:
Soll ich zum Welken gebrochen sein?

Ich grub’s mit allen den Würzlein aus,
zum Garten trug ich’s, am hübschen Haus,

Und pflanzt es wieder am stillen Ort;
Nun zweigt es immer und blüht so fort.

(J.W.Goethe, Gedichte. Ausgabe letzter Hand. 1827, Lieder)

Der Dichter grub es aus, nicht wahr?

Für ihn war eben sonnenklar

dass das, was je sein Herz begehrt,

ihm nie und nimmer sei verwehrt.

Ich, Domna, aber hör der Blume

ganz zartes Stimmchen leise flehn:

O lass mich zu des Waldes Ruhme

in seinem Schatten friedlich stehn!

Im Garten mag ich nicht verwurzeln

mein Ort ist hier, in diesem Grund

wo Elfen über Sylphen purzeln

nur hier allein bleib ich gesund.

 

Lass stets die Dinge, wo die große

All-Harmonie sie hingestellt:

die Blume in des Waldes Schoße

die Sterne an dem Himmelszelt.

 

(wird fortgesetzt)

 

 

 

 

 

 

 

 

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Welttheater: 3. Akt, 8. Szene: Tschinn zum Dritten (Hotelanlage)

Was zuletzt geschah: Zwei Investitionsmodelle zur Nutzung des leeren Strandes hat Tschinn in Gedanken durchgespielt: einen Hafen und ein Flüchtlingsheim. Sein Begleiter, das Biest Kairos (gute Gelegenheit), hat beide bemängelt.  Es folgen Überlegungen zu einem dritten Modell:

Tschinn zu Kairos:

Ein Hafen mit Kneipen, das sei zu vulgär,

das Flüchtlingsheim bringe zu wenig Profit –

So sagst du, doch nicht, was das Richtige wär?

Ich denk an Finanzierung fast nur auf Kredit,

den die Bank mir genehmigt, sofern das Projekt

 die Interessen der Schönen und Reichen bedient,

dann ist es in jedem Falle korrekt

und wird nicht von Wichtigtuern gescreent

die Investitionen

grad die die sich lohnen

verfolgen, verfluchen

und zu stoppen versuchen.

 

Und was, Verehrter, wär das Modell?

Ich denke, ich bau hier ein schickes Hotel

mit Appartments und Golf und Wellness-Bereich

da fühlt sich der Gast und Bewohner als Scheich.

Wer Geld hat, kann rein, auch das ist sehr wichtig

Der Pöbel bleibt draußen. Kairos, ist das richtig?

 

Kairos der brummelt, ‚Nur zu, mach dich dran

in Kürze bist du ein reicher Mann.΄

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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