Tagebuch der Lustbarkeiten: Wolken beobachten

Wer liebte es nicht, den beweglichen Wolkenbildern am Himmel zuzuschauen? Meine gegenwärtige Wohnsituation bietet mir dafür ausgezeichnete Voraussetzungen, denn von der Turmterrasse aus habe ich einen freien Blick in alle Richtungen.

Gerade jetzt ist mein Sohn auf dem Weg nach Athen – und so betrachte ich den Himmel in Richtung der Berge. Schönes weißes Gewölk zieht drüber hin und wirft seine Schatten auf die Bergflanken. Ein Anblick, den ich besonders liebe. Irgendwo da jenseits ist er jetzt unterwegs. In Arkadien wird er rauem Wetter begegnen, und in Athen wird es regnen.

Gute Fahrt!

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abc-etüde: Der Deserteur – zweite automatisch erstellte Erzählung

abc.etüden 2023 02+03 | 365tageasatzaday

abc-etüde

Fasziniert und geschockt zugleich, habe ich meinen Sohn gebeten, noch ein bisschen mit dem Bot zu reden, der automatisch Texte erstellt. Es ist ein funkelnagelneues Programm, noch in der Erprobung.

Veronika fragte im Kommentar zur ersten Geschichte: Wird bei einer zweiten Anfrage eine andere Geschichte erzählt? Antwort: Ja.

Bei der zweiten wortwörtlich gleichen Abfrage ging es nicht um ein merkwürdiges Tier, das  den Namen Fluchtsieger trägt, sondern um einen Rennfahrer, der nach eifrigem Training in den Genuss des Sieges kommt. Langweilig. So bat ich um eine dritte Geschichte, diesmal unter einem von mir gewählten Titel: „Der Deserteur“.

Die automatisch generierte Geschichte lautet diesmal:

Es war einmal ein junger Mann namens Alex, der sich als Fluchtsieger aus dem Kriegsdienst gedrückt hatte. Er fühlte sich schuldig und wusste nicht, wie er mit seiner Schande leben sollte. Eines Tages traf er auf eine Gruppe von obdachlosen Veteranen, die ihm halfen, seine Schuldgefühle zu überwinden und ihm zeigten, wie er sich nützlich machen konnte, indem er sie fütterte.

Jeden Tag ging Alex in die Stadt, um Lebensmittel für die Veteranen zu besorgen und sie zu verteilen. Er lernte sie kennen und schätzen und fühlte sich endlich wieder wertvoll. Die Veteranen dankten ihm für seine Hilfe und nannten ihn ihren „Fluchtsieger“, denn er hatte es geschafft, sich selbst zu überwinden und anderen zu helfen.

Alex fühlte sich wunderbar, denn er hatte endlich einen Sinn in seinem Leben gefunden.

Als ich die Geschichte las, dachte ich: Die hat aber eine merkwürdige Moral. Der Deserteuer hat das Problem des schlechten Gewissens, aber sonst geht es ihm ausgezeichnet. Die Veteranen hingegen sind in einem elenden Zustand und brauchen den Deserteur, um sie durch wohltätige Nahrungsmittelgaben am Leben zu erhalten.

Die irre Moral eines Bots (der übrigens amerikanisch ist, aber das Deutsche ausgezeichnet beherrscht), oder doch eine ganz realistische Geschichte?

Ich werde nun selbst eine Geschichte „Der Deserteur“ zu schreiben versuchen.

 

 

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abc-etüde. Der Fluchtsieger – ein automatisch erstelltes Märchen

Mein Informatiker-Sohn Wassilios, für ein paar Tage zu Besuch, ist interessiert an den utopisch-distopischen Möglichkeiten, die der Künstlichen Intelligenz (KI) innewohnen. Heute fütterte er ein Programm zur automatischen Herstellung von Texten jeder Art mit den drei Etüden-Wörtern und sonstigen Anweisungen (300 Wörter etc) und fragte den BOT, ob er daraus bitte eine Kurzgeschichte schreiben  könne. Hier die Antwort des BOTs:

Gerne, hier ist eine Kurzgeschichte von etwa 300 Wörtern, die die Wörter „Fluchtsieger“, „wunderbar“ und „füttern“ enthält:

Fluchtsieger war ein seltsames Wesen, das in den Wäldern lebte. Niemand wusste genau, woher es kam oder was es war, aber jeder, der es sah, beschrieb es als etwas Wunderbares. Es hatte einen langen, geschmeidigen Körper und einen Schwanz, der so lang war, dass er den Boden berührte. Sein Fell war so weich wie Samt und seine Augen glänzten wie Sterne.

Eines Tages beschloss ein kleiner Junge, das Wesen zu füttern. Er sammelte Beeren und Früchte aus dem Wald und legte sie vor Fluchtsieger hin. Das Wesen sah ihn an und nickte dankbar, bevor es begann, die Früchte zu essen. Der Junge sah zu, wie Fluchtsieger aß, und er war glücklich, dass er dazu beigetragen hatte, dass es satt wurde.

Von diesem Tag an besuchte der Junge Fluchtsieger jeden Tag, um ihm Essen zu bringen. Er erzählte seinen Freunden von dem Wesen und sie kamen alle, um es zu sehen und zu füttern. Fluchtsieger wurde zu einem Teil ihres Lebens und sie schätzten es sehr.

Eines Tages jedoch, als der Junge zu Fluchtsieger ging, um ihm Essen zu bringen, war es nicht da. Er suchte den Wald ab, aber es war nirgends zu finden. Der Junge war traurig, aber er wusste, dass Fluchtsieger irgendwo anders hin musste, um zu überleben. Er dankte dem Wesen in Gedanken für die wunderbare Zeit, die sie miteinander verbracht hatten und hoffte, dass es irgendwann wiederkehren würde.

Gruselig? Flach? Ausbaufähig? Konkurrenzlos? Lohnt es sich da noch, selbst zu schreiben? Werden die Schüler der Zukunft keine Aufsätze mehr selbst schreiben müssen? Und die Lehrer? Wer schreibt noch, wer liest noch, wenn alles automatisch geht? Was sind die Folgen? Werden ganze Berufsgruppen obsolet? Wird auch das Dichten und Denken obsolet? Oder handelt es sich nur um ein witziges Spiel? Das sind so Fragen…..

Eure Gedanken dazu würden mich interessieren.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Bilder betrachten

Mein Atelier träumt vor sich hin, kaum benutzt in der letzten Zeit. Doch fast täglich steige in hinab, um ein bisschen mitzuträumen. An den Wänden hängen ein paar Bilder, andere sind gegen die Wände gestapelt oder lagern in Abseiten. Viele Bilder.

Mein Auge fällt auf ein kleines gerahmtes Bild an der gegenüberliegenden Wand. „Wunde“ heißt es.

Ich stehe auf und betrachte es. Die rote Linie entlang der Abbruchkante wirkt auf dem Foto verblasst, im Original ist sie unverändert. Ölkreide ist lichtbeständig.

Auf der Staffelei steht ein großes Bild, das ich kürzlich aus einem Stapel zog. Jede Woche ist es ein anderes. Ich ziehe es blind hervor, betrachte es, Und stelle es zurück.

Dieses hier habe ich mit Ölkreide auf eine mit Pigmenten und Kleister bemalte Fläche gezeichnet. Einige Felder und auch die Pupille des großen Auges sind mit Japanpapier beklebt und ebenfalls mit Ölkreide bezeichnet. Die mürbe Beschaffenheit dieses Papiers mag ich besonders.

Nachher gehe ich und tausche die Leinwand gegen eine andere aus.

Eine ungetrübte Lustbarkeit ist dies nicht, denn einerseits freue ich mich an den Bildern, andererseits weiß ich nicht, was aus ihnen werden soll, und ich quäle mich mit dem Gedanken, hier demnächst klar Schiff machen zu müssen. Drittens fällt mir aufs Gemüt, dass ich nicht mehr male. Aber das Wohlgefühl überwiegt, wenn mir gefällt, was ich sehe. 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Federvieh

War gestern wieder in einer Taverne am Segelhafen von Kalamata. Man sitzt dort geschützt und hat zugleich einen Blick auf Masten und Getakel, auf Palmen und Platanen…

Der Oleander steht stuppig gegen das magere Licht. Du lauschst dem Klirren der Wanten, wenn der Wind durchgeht, versuchst auch zu verstehen, was deine Tischgenossen sprechen, und träumst vor dich hin.

Da geht ein anderer Laut in dein waches Ohr: friedliches Entengeplapper. Quack und quack, gu gu gu. Zwei schneeweiße Enten marschieren auf.

Enten? Wieso Enten? Das letzte Mal waren es doch Gänse, oder? Richtig. Doch die sind grad unterwegs, auf der anderen Straßenseite. Später erscheinen sie an unserem Tisch, und während ich mich noch bemühe, das Brot schnell zu zerbrechen, um sie zu füttern, nehmen sie sich meine Jacke vor. Hej, meine Jacke, ihr Lieben, das geht zu weit! Machen wir einen Kompromiss! Ihr nehmt das ganze Brot, und ich behalte meine Jacke. Alles klar?

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Meerspaziergang

Bei weichem Wind bin ich heute am Wasser entlang spaziert. Die Wellenberge sind dunkelgrau von mitgeführtem Unrat, der nun in der großen Meeres-Waschmaschine gereinigt wird. Das hilft, auch eigenen Gedankenmüll auszusondern.

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Welttheater 3. Akt, 7, Szene: Tschinns Auftritt (fortgesetzt)

Was zuletzt geschah: Wir kehrten zurück zur stillen Bucht. Dort fand sich Tschinn mit seinem Biest Kairos ein. Er überlegt, wie er die Bucht wirtschaftlich nutzen kann. Seinen ersten Einfall – ein Hafen mit Spelunken- verwirft Kairos als nicht mehr zeitgemäß.

zwei

Was sagt Kairos? Er brummelt: ‚Ηeute

ist das die falsche Strategie.

Man soll verpacken seine Beute

Als Wohltat sollen sehn die Leute

was du geklaut. Das ist Genie!‘

Tschinn:

Dann machen wir, ja, warte mal,

da gab ers doch die Flüchtlingsfrage?

So Leut, leicht blöd und asozial

für jeden Nachbarn eine Plage,

 

die ohne Obdach unter Brücken

in Höhlen, Wäldern, Gruben hausen

wo sie zerfressen von den Mücken

sich wie die Affen selber lausen?

 

Die könnte man hier einquartieren.

Der Staat macht dafür Gelder locker.

Den Strand, den werd ich betonnieren

weil sie da sonst nur urinieren.

Und wer da sagt, ich sei’n Abzocker,

Dem zeige ich die Ehrurkunde

die mir die Stadt hat ausgestellt:

weil ich geheilt von einer Wunde

die ordentliche Menschenwelt.

 

Die Armen werdens auch bezeugen

was für ein guter Mensch ich bin.

Sie werden sich vor mir verbeugen

weil ich Gemeines hab im Sinn*.

 

Kairos das Biest, es denkt und spricht:

so ganz gefällt dein Plan mir nicht.

Du kriegst zwar Geld, doch nur einmal.

Dann ist es weg, das wär fatal.

———–

* Gemeinsinn

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: TÜV

Eigentlich sind solche Termine wie der TÜV nicht gerade lustvoll. Doch wenn man, wie ich heute, einen Termin auf den letzten Drücker bekommt, der Service stimmt, ich selbst nichts zu tun brauche als zu bezahlen (40E) und der Check-Up keinen Schaden zu Tage fördert – dann ist die damit einhergehende Erleichterung eben doch eine Lustbarkeit.

mein Auto (Fiat Tipo, in der Türkei zusammengeschraubt) auf der Prüfstraße

Mein FIAT TIPO (in der Türkei zusammengeschraubt) in der Prüfung: tipptopp!

Am Eingang von Kalamata gibt es gleich drei I-KTEOs – private staatlich zugelassene Unternehmen zur technischen Überwachung der Autos. Blitzblank sind sie, mit freundlicher Sekretärin und sauber kostümierten Mechanikern, die dir den Autoschlüssel, sobald du dein Begehr geäußert hast,  abnehmen, um ihn dir, sobald sie die Kontrolle beendet haben, wieder auszuhändigen. 20 Minuten alles in allem. Luxus pur. Nun muss ich erst wieder in einem Jahr zur Abgaskontrolle und in zwei Jahren erneut zum TÜV.

Wie anders sind diese privaten Unternehmen doch als die staatlichen, zB wenn man, wie ich, wegen meines Alters alle zwei Jahre einen neuen Führerschein beantragen muss, mit neuen Passfotos, kräftigen Gebühren, 4 Arztbesuchen  und pipapo! Kosten ca 280 E. Um dann zu hoffen, nach drei Monaten auch in den Besitz dieses neuen Dokuments zu kommen, während du dich in der Zwischenzeit mit einem Zettel behelfen musst.

Da fällt mir ein: ich sollte mal nachfragen, ob meiner da ist, denn den Antrag habe ich nicht vor drei, sondern vor sieben Monaten gestellt 😉 .

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Welttheater: 3. Akt, 6. Szene. Rückblick zur Bucht und Tschinns Auftritt

Wir verließen die Gesellschaft (die blinde Poetin Domna, das spielende Kind Clara, Jenny theKid, Flüchtlingin Danai, die Fragende Trud), als sie den zauberischen Wald betritt, begrüßt von Hera.

Wir lassen ihnen ein wenig Zeit, sich umzusehen und wenden uns der Bucht zu, die sie am Vortag wegen eines aufkommenden Gewitters verlassen hatten. Du erinnerst dich?

Vor dem Unwetter hatten sie in Danais Höhle Zuflucht gesucht….

Am Morgen hatten sie dann den Berg erkundet, waren hungrig geworden, hatten den Überlebenskünstler getroffen….und eine finstere Schlucht durchquert…

Nun also sind sie im Wald, wo wir sie nun ihren diversen Beschäftigungen überlassen (später werden wir zu ihnen zurückkehren, versprochen!), und wenden uns der Bucht zu. Denn solche Orte haben ja ihre eigene Geschichte.


Still liegt die Bucht im hellen Mittagslicht.

Still und leer. Träumend. Empfänglich.

Das spürt das Biest Kairos (günstigen Gelegenheit) und führt seinen Meister Tschinn, den Macher zur Bucht.

Tschinn

Als Tschinn-der-Macher bin ich bekannt

mich kennt ein jedes Kind im Land.

Kairos so heißt mein Lieblingstier

das immer rückwärts schaut zu mir.

Mit seiner langen Nase, dem Vermiligua* gleich

riecht er die fette Beute und macht dich reich.

 

Jetzt führt er mich an diese Bucht.

fast so, als hätt ich sie gesucht.

Sie ist fantastisch gut geeignet

(und wird mithin gleich angeeignet)

für ne Bebauung jeder Art

Auf gehts, eins zwei und drei zum Start!

 

Eins

Soll ich hier nen Hafen bauen

mit Yachten und mit Handelsschiffen,

Matrosen kommen, die nach Frauen

begierig sind und auch nach kiffen …

 

Dann kommt ein schicks Bordell dazu

das wird mir reichlich Kohle bringen,

das bringt auch den Matrosen Ruh

die elend auf dem Deck rumhingen.

 

Wo’s Mädchen und Matrosen gibt

da ziehts dann auch den Rubel hin

denn immer da, wo man sich liebt

und wo es Whisky gibt und Gin

 

da tauchen auf die reichen Gönner

mit dicken Autos und Tamtam

Darunter ist so mancher Könner

der weiß zu händeln die Madame.

zwei

Was sagt Kairos? Er brummelt: ‚Ηeute

ist das die falsche Strategie.

Man soll verpacken seine Beute

Als Wohltat sollen sehn die Leute

was du geklaut. Das ist Genie!‘

(wird fortgesetzt)

*Vermiligua = Ameisenbär.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Welttheater, 3. Akt, 6. Szene: Im Wald

Was zuletzt geschah: Trud, die sich fast ganz im Fragen verloren hatte, findet den Anschluss an die Gruppe. Es kann weitergehen.

Wilhelm:

Hier entlang meine Damen. Und verliert euch nicht wieder!

Der Wald ist verwunschen, das sage ich euch

So mancher sieht Zwerge, ein andrer hört Lieder

von Sylphen und Elfen, und denkt, im Gesträuch

da glänzen Najaden

und lassen Kaskaden

von Lichtern uns sehn

Ja, ich muss gestehn

dass ich schon sehr oft in den einsamen Nächten

mir wünschte, dass sie mir, dem Einsamen, brächten

die Liebe, den Frohsinn, das Spiel und den Tanz

die ich, so allein, schon vergessen fast ganz.

Spinnwebwald

Jenny (zu Wilhelm):

Ein komischer Wald, so einen sah ich noch nicht.

Sind Bäume und Büsche, und was ist dazwischen?

ein wenig wie Spinnweb, ein wenig wie Licht,

in das sich die Zweige der Bäume einmischen.

Was du da erzähltst von den Elfen und so

das ist wohl eher dein Pipapo?

 

Domna: 

„Du wacher Wald, inmitten wehen Wintern
hast du ein Frühlingsfühlen dir erkühnt,
und leise lässest du dein Silber sintern,
damit ich seh, wie deine Sehnsucht grünt.

Und wie mich weiter deine Wege führen,
erkenn ich kein Wohin und kein Woher
und weiß: vor deinen Tiefen waren Türen-
und sind nicht mehr.“*

Clara:

Domna, sag, von welchen Tieren

hast du eben grad gesprochen?

Ich möchte es so gern kapieren!

Sind Tiere da herumgekrochen?

Domna (lächelnd)

Nicht von Tieren liebes Kind

spricht der Dichter, den ich gern zitiere dann und wann.

von Türen spricht er, die oft sind

geschlossen, so dass mancher meint, dass er nicht weiter kann.

Doch selbst wenn dir die Wege sind verworren

und du nicht weißt woher wohin

soll niemals dir die Hoffnung ganz verdorren.

Es reicht, du weißt: ich bin.

Der Wald ist auch, er steht in Finsternis und Nächten

er steht in Kälte da, in Schnee und Eis

Er weiß von Göttern und von dunklen Mächten

und rührt, wenn Wind durchgeht, sein grünes Reis.

 

Wahrscheinlich gibts in diesem Wald auch Tiere.

jedweder Art, sehr große, mittlere und kleine

mit Flügeln, Beinen, manchmal sind es viere

dann wieder sechs und manchmal sinds gar keine.

Clara:

Gar keine Beine? Wie soll das wohl gehn?

Domna:

Die Schlänglein kriechen auf dem Bauch, hast du das nie gesehn?

Trud:

Ich hör euch fragen, also seid auch ihr

des Fragens noch nicht müd geworden?

Dann schaut mal her, was wimmelt hier?

Sind das Taranteln, die Insekten morden?

Wilhelm (hinzutretend):

Taranteln sind es nicht, sind kleine Spinnen

die in den Wäldern gern die Netze spannen.

Versuche, ihre Freundschaft zu gewinnen.

denn ganz kannst du sie leider nicht verbannen.

Danai:

Die Gottheit naht! und mit ihr Segen!

Wie freundlich alles glänzt und lacht!

Wie hell das Licht nun auf den Wegen

das ist der hohen Gottheit Macht.

Das Licht hat sich verändert. Hera die Göttin tritt zwischen den Bäumen hervor.

Verklärter Wald**

Hera

Ich grüß das Kind und euch, ihr lieben Frauen,

Und auch den Mann, der euch hierhergebracht.

Es möge Segen mit euch sein!  und wenn die lauen

Die Frühlingswinde durch die Wälder singen

Und wenn die Vögel ihre Nester bauen

Wenn Amselsang durch Aberndwolken klingen

Und wenn der Kuckuck ruft und lacht –

Dann seid gewiss: ich bin euch nah

Dann pflückt ein Kraut und zündet es euch an

Dass Rauch empor zum Himmel steigen kann

Wie es in alten Tagen noch geschah.

 

Doch jetzt setzt eure Wandrung fort

Schon bald seid ihr an Wilhelms Ort

———————————————————————————————————-*Rainer Maria Rilke „Du wacher Wald“
Aus der Sammlung Mir zur Feier

**Die Foto-Legebild-Collage (oben) habe ich hier mit einem weiteren Foto überblendet. Es ist ein  Ausschnitt eines Fotos, das ich heute bei Hannah sah und hier verwendete in der Erwartung, dass du, Hannah, es mir erlaubst. Wenn nicht, entferne ich es wieder.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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