Tagebuch der Lustbarkeiten: Mittagstisch

Ich denke, ich muss nicht viel dazu schreiben. Das Foto machte ich mittags, als wir auf unserer Turmterrasse zu Mittag speisten (es gab Spagetti mit Brokkoli und Pinienkernen). So ist es fast täglich: klares sonniges Wetter. Blau.

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Welttheater 3. Akt, 5. Szene: Irritationen

Was zuletzt geschah: Clara hat Angst vor Schlucht und Wald, denn sie kennt zu viele Märchen mit Kinderfressern. Domna setzt die freundliche Natur- und Geisterwelt dagegen. Alle stehen abmarschbereit vor dem dunklen Spalt im Gebirge, als der Vorhang fällt.

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Als der Vorhang wieder aufgeht, haben unsere Freunde den dunklen Durchgang schon hinter sich. 

Jenny:

Ganz schön finster, meine Leut!

fast hätte ich den Plan bereut.

Du, Clara, hast es fein gemacht

dein Dosenlicht hat es gebracht.

Clara:

Die Domna sagte mir Verse auf

Zusammen gings den Weg hinauf.

Nun ist es hell, ich seh den Wald

Wann machen wir denn endlich Halt?

Wilhelm

Bist du sehr müde, musst du’s sagen

Ich kann dich auf dem Rücken tragen.

Doch glaube mir, der Wald ist schön,

da wirst du lieber selber gehn.

Danai

Wo ist die Trud, sagt mir, ihr Lieben:

Ist sie vielleicht zurückgeblieben?

 

Alle schauen sich suchend um. Jenny entdeckt sie als Erste.

 

Jenny.

Die Trud sitzt dahinten, am Anfang vom Pfad

Sie hat da wohl wieder Fragen

über den Weg, ob er krumm oder grad.

Ihr kennt ja der Trud ihre Plagen.

Ich denke, wir lassen sie hocken.

Der Boden ist dort warm und trocken.

Wilhelm:

Ich denke grad wie du

wir lassen sie in Ruh

Domna

Wer immer nur fragt, der findet

sein Ziel nicht, und er erblindet.

Ich habe es selber erfahren

als ich noch jung war an Jahren.

Nun frag ich nicht mehr viel.

und finde stets mein Ziel.

 

Das Ziel das ruht im Herzen

Es ruht dort immer schon

In Freude und in Schmerzen

In Freiheit und in Fron:

Du kannst es nicht ausmerzen.

Es ist dein Seelenton.

 

Die Trud wird es begreifen

wenn sie zu End gedacht

Die Wahrheit wird sie streifen

bevor es wieder Nacht.

 

So lasst uns gehn, sie folgt uns nach

sobald sie sich besonnen,

dann ist sie auch dem Ungemach

der Fragerei entronnen.

 

Alle wollen gehen, aber Clara zögert.

Clara:

Ich glaub, ich brauch die Dose nicht mehr.

ich stell sie hier hin,

und wenn die Trud kommt hinterher

dann weiß sie, wo ich bin.

 

Und wo ich bin, da seid ihr auch

dann freut sie sich

Sonst sucht sie hinter jedem Strauch

und find uns nich.

Jenny (empört, zornig)

Sag mal, du spinnst wohl, Kleine?

Erst schimpfst und heulst und jammerst du 

bis du erweichst die Steine

und gibst nicht einen Moment Ruh

und nennst mich Diebin, nennst mich schlecht

weil ich das Dingsda tauschen wollte!

Das find ich wirklich ungerecht!

Sei froh, wenn ich nicht länger grollte.

 

Jetzt lässt du es hier einfach stehn

Wo jeder, der des Weges zieht

und um sich blickt und ist nicht blind

es aus dem Augenwinkel sieht

und nimmt. Du bist verrückt, mein Kind!

 

Claras generöse Handlung und Jennys Zornesausbruch machen die Frauen ratlos.

Jennys Geschrei ist auch zu Trud durchgedrungen. Sie steht auf und wandert langsam, tief über den Pfad gebeugt, auf die Gruppe zu.

 

Wo bin ich? Wo die anderen?

Muss ich alleine wanderen?

 Braucht niemand die Trud und ihre Fragen?

Können sie mich nicht mehr ertragen?

Sind die Antworten alle gefunden?

Wielange hockt ich dort, wieviele Stunden?

Wie dunkel es ist! Aber da vorn, ist das Licht?

Das Licht von Kind Clara? ich täusche mich nicht?

 

Ohne Claras Licht wär ich verloren?

Bin ich denn selber ohne Licht geboren?

Wer bin ich, Trud? Wer hat mich so gemacht?

Wer hat mich so auf diese Welt gebracht?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Friedens-Gedicht von Karl Stamm

Auf der Suche nach Gedichten, die ich der blinden Poetin Domna in den Mund legen möchte, stieß ich auf einen mir unbekannten Schweizer Dichter. Er heißt Karl Stamm, lebte von 1890-1919, wurde nur 29 Jahre alt. Seine Lyrik ist leider wieder sehr aktuell, denn wie damals sind dem Namen nach christliche und der Kultur nach brüderliche Nationen dabei, sich in einem fürchterlichen Krieg gegenseitig zu zerfleischen. Und die Christenheit steht, wie damals in Parteien geteilt, am Rand der Arena, feuert die Gladiatoren an, johlt und stöhnt, je nachdem, wessen Söhne zerfleischt und in Fetzen gerissen werden: die der eigenen Partei oder die des Gegners. Wer in dieser Arena zu rufen wagt: Hört auf! Ihr seid doch Brüder! dem gebietet man wütend Schweigen. Denn weiter soll das Morden gehen, weiter und weiter, bis die „eigene“ Seite, die nichts anderes ist als das aufgeblähte eigene ICH, gesiegt hat.

 

Sieh auf uns, die wir deine Kinder sind

Sieh auf uns, die wir deine Kinder sind!
Du streutest milde Worte über Land,
dir neigten sich die Lilien, Frauen, Ähren –
uns drückten sie die Waffen in die Hand.

Und sind doch Kinder, zucken manchmal irr –
Was soll in meinen Händen das Gewehr?
Des Menschen Mutter, dem die Kugel gilt,
verhält die bittre Tränenflut nicht mehr.

Und über mir der harte, dumpfe Zwang. …
Bin ich nur Tier, gespannt in hartes Joch?
Zerstampfe auf Befehl? O Herz, erwach!
Wir taumeln, zögern – und marschieren doch.

Des Menschen Mutter, dem die Kugel gilt,
O nimm zurück den hingegebnen Sohn!
Erspare mir die Schuld und dir die Qual!
Du kannst nur weinen? Weinen lacht mir Hohn.

O Feind, mein Feind! Ich fleh aus tiefster Not:
Geliebter Feind, daß ich nicht schuldig sei
ermorde mich! Erlöse mein Gewissen!
So nimmst du von mir meiner Seele Schrei.

Du zauderst, senkst den schon erhobnen Arm?
Entflieht aus deinem Leib des Kämpfers Kraft?
Ist’s Furcht vor eigner, drohend naher Schuld?
Ruft dich die Seele auf zur Bruderschaft?

Entwaffnet steh ich vor dir, blicke weit
und bin verkämpft in Sinn und Widersinn:
Es glaubt das Herz nicht, was das Auge schaut,
weil ich noch nicht zum Kind geworden bin.

O brich aus mir, ersehntes Bruder-Ich!
Erschwing, ersinge dich und werde Ton.
Es steigt das Kreuz unendlich auf ins Licht.
Durch seine Himmel schwebt der Menschensohn.

Karl Stamm

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Welttheater, 3. Akt, 4. Szene: Ankündigung der Wanderung durch die waldige Schlucht

Was zuletzt geschah: Jenny und der Überlebenskünstler Wilhelm steigen zu den „Damen“ hinunter, um sie einzuladen, gemeinsam zu Wilhelms Lager zu gehen.

Jenny (zu Clara):

Hier hast du die Superschachtel zurück

sie brachte mir ganz wirklich Glück

Clara:

O gut, ich hatte schon gemeint

dass du mir die Dose geklaut hast

und habe deshalb auch ziemlich geweint

Jetzt fällt sie herunter vom Herzen, die Last.

Doch hungrig bin ich immer noch

In meinem Bauche ist ein Loch.

Hast du nicht was zum Essen?

Du hattest es versprochen doch

Hast du das ganz vergessen?

Jenny:

Du bist ja gut! die Dose willst du

und essen willst du Omelett!

Mich, Jenny, eine Diebin schiltst du,

Versprechen brech ich, o wie nett!

Nein, Clara, was ich mal versprech

das tu ich auch, red keinen Mist!

Vielleicht bin ich ja manchmal frech.

doch klau ich nur, wenns nötig ist.

 

Nun komm schon, dieser Mann ist nett

wir gehn mit ihm gleich in den Wald

Da hat er Essen, richtig fett,

gesättigt sind wir alle bald!

Jenny (laut rufend):

Kommt alle her und folget mir

und diesem Mann, der lebt allein

an einem Ort, nicht weit von hier!

Er lädt uns alle zu sich ein.

Wilhelm (an die Damen gerichtet)

Gern möcht ich mein Lager euch zeigen

das ich mit eigenen Händen erbaut

aus Stein und Lehm, aus Planen und Zweigen.

All meine Habe hab ich dort verstaut.

Wir müssen nur die Schlucht durchqueren

der Weg ist angenehm

Dort wachsen süße Walderdbeeren

Ihr sammelt sie bequem.

Auch Erdbeerbäume gibt es dort

Wacholder, Feigen, Ginster

Es ist ein sehr verwunschner Ort

und nur am Anfang finster.

Clara klammert sich ängstlich an Domna

 

Im Wald da lebt die Hexe Vlad

die gibt den Kindern Essen

und wenn sie richtig rund und satt,

dann werden sie gefressen!

Domna

Hab keine Angst, wir sind bei dir

die Angst kann niemand nützen.

Und Wilhelm, dieser Starke hier

der wird dich schon beschützen.  

Clara

Die Schlucht, sie ist ein dunkler Schlund

der mich verschlingen will

Siehst du denn nicht, es ist ein Mund

steht keinen Moment still.

Domna

Ich bin zwar blind, doch hör ich gut.

Der Wilhelm ist ein Mann mit Mut.

So lass uns gehn und schauen

und unsern Geist erbauen

an Schlucht und Wald und Dämmerschein

wo Gnome sich und weise Frauen

  geben ein Stelldichein

Wo Sylphen, Elfen und Najaden

in verborgnen Teichen baden

und die Spinnen ihren Faden

ohn zu krackseln, ohn zu krickeln

um die Erdbeerbäume wickeln.

 

Alle gehen ab. Der Vorhang schließt sich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

die mich im Krieg am Leben halten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Quellwasser

Schon wieder Wasser? Erst „Segnung der Gewässer“, dann „Regen“ und jetzt „Quellwasser“ als Thema der Lustbarkeiten? Jawohl. Ich lebe in Griechenland, da ist Wasser  ein Thema, von dem man nicht genug bekommen kann. Orte werden danach unterschieden, ob sie „gutes“ oder „schlechtes“ Wasser haben, Sonntagsausflügler fahren oder wandern zu Quellen und Brunnen, um mitgebrachte Flaschen zu füllen mit Wasser, dessen Heilkraft seit Jahrhunderten bekannt ist. Kirchen tragen den Namen „Ζωοδόχος Πηγή“ (Lebenspendende Quelle) – seit die Theotokou („die den Gott gebar“, dh Maria) dem späteren Oströmischen Kaiser Leon I (457-474) eine „heilige Quelle“ bei Konstantinopel zeigte, wo dieser dann eine Kirche hinbaute. So geschah es an vielen Orten. Der neue christliche Glauben stellte sich da in die Tradition der Alten, die jede Quelle mit einer Quell-Nymphe verbunden sahen.  Welche beherrschende Rolle dem Wasser zukommt, zeigt sich auch darin, dass die orthodoxen Kirchen die „Lebenspendende Quelle“ an einem der höchsten Feiertage, dem Karfreitag, feiern.

Upps! Ich wollte doch eigentlich nur erzählen, wie froh es mich macht, dass in Tavernen und Cafes als erstes immer ein Wasserglas und eine Flasche oder Karaffe frischen Wassers auf dem Tisch erscheint. Das gehört einfach zum Service. So wie gestern diese Flasche in unserer Stammtaverne.

Es handelt sich um eine Flasche mit dem 60 mal preisgekrönten Quellwasser ΘΕΟΝΗ, das in 1100 m Höhe im Gebirgsmassiv von Agrafa von der Quelle ΓΚΟΥΡΑ gewonnen wird (unbezahlte Reklame).

Warum dieses Gebirge „Agrafa“ – die Nicht-Registrierten – heißt,  lies bei Interesse unter dem Link nach.

Ich weiß natürlich, dass viele jetzt automatisch an den entsetzlichen Plastikmüll denken werden, der mit dieser Trinkgewohnheit verbunden ist. Auch ich denke daran, und ich wünschte mir, dass dieses köstliche Wasser in recycelbaren Glasflaschen erhältlich wäre. Tatsächlich gibt es ein paar Firmen, die auch Glasflaschen anbieten, doch das schiere Gewicht von Glas – abgesehen von den Produktionskosten – macht die Umstellung kompliziert.

Du sagst vielleicht: Warum trinkst du nicht das Wasser aus dem Hahn? Wenn es nicht gut ist, kannst du es ja filtern. Das stimmt natürlich, meistens tue ich es ja auch. Aber Wasser ist eben durchaus nicht einfach nur Wasser, genauso wenig wie Wein einfach nur Wein ist. Man schaut auf Inhaltsstoffe und Geschmack, man träumt sich an den Ort, an dem es dem Boden entquillt, geheimnisvoll, unerschöpflich.

Unerschöpflich? Wirklich? Mögen die Najaden, Dryaden, Danaiden oder meinetwegen auch die Jungfrau Maria stets über den Quellen wachen, auf dass sie trotz aller menschlichen Untugenden weiter sprudeln, uns zum Segen.

Nun aber genehmige ich mir noch ein Glas von diesem köstlichen Getränk.

„Lebenspendende Quelle“ – Kirchlein im Taygetosgebirge

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abc etüde: Kleiner Prosa-Dialog mit Personen des Welttheaters

Die ersten etüden-Wörter des Jahres sind schon fast zwei Wochen im Angebot. Vollbeschäftigt durch das „Welttheater“, bin ich bisher nicht dazu gekommen, eine abc-etüde zu erdichten. Doch da mir die Wörter Fluchtsieger, füttern, wunderbar gefallen, die von Etüdenerfinder Ludwig Zeidler stammen,  möchte ich nun doch den Dialog teilen, der sich zwischen zwei Darstellern des Welttheaters entspann.

 

Clara: Hattest du da, wo du herkommst, auch Katzen, Danai?

Danai: Ja, einen ganzen Haufen.

Clara: Wunderbar, ich mag Katzen. Und wer füttert sie jetzt, wo du weg bist?

Danai: Katzen werden dort selten gefüttert. die Leute haben ja selbst nicht genug zu essen. Höchstens wenn mal was verdorben ist, kriegen es die Hunde und Katzen.

Clara: Aber was essen sie denn? Sind sie nicht hungrig?

Danai: Die traurige Wahrheit ist:  ja, sie sind hungrig. Aber kein Mensch macht sich wegen hungriger Katzen Sorgen, solange er nicht genug hat, um sein Kind satt zu bekommen.

Clara: Das versteh ich. Ich geb den Katzen auch nur von meinem Essen ab, wenn ich genug habe. Aber hier fütterst du die Katzen, oder?

Danai: Ja, Clara. Hier ist es besser. Ich habe immer etwas zum Essen. Für mich selbst brauche ich nicht viel, da kann ich den Katzen was abgeben.

Clara: Dann sind die Katzen Fluchtsieger, Danai? Weil du jetzt hier bist und sie fütterst?

Danai (lächelnd): Ja, und ich selbst ja irgendwie auch. Katzen sind gut für die Seele.

Danai und Clara sind Figuren aus dem Welttheater. Aus rechtlichen Gründen zeige ich sie ohne Kopf bzw von hinten. Die Jungkatze heißt Witch.

 

 

 

 

 

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Welttheater, 3. Akt, 3. Szene: Überlebenskunst (2)

Was zuletzt geschah: Jenny hat sich Claras Geschenkebox unter den Arm geklemmt und ist den steilen Abhang zu Wilhelm, dem Überlebenskünstler, hochgeklettert.  Sie beginnt eine Unterhaltung, um ihn einzuwickeln und so ein Frühstück zu ergattern, ohne die Geschenkbox einzutauschen.

Jenny

Guten Morgen, lieber Mann

schaust du dir auch die Gegend an?

Wilhelm

Ganz recht, meine Kleine.

Und du? Ganz alleine?

Jenny

Nein, da unten sind noch andere

doch ich alleine wandere.

Die andern sitzen gerne im Kreis

begucken Pflanzen, Stein und Gneis

Erzählen Geschichten als alter Zeit

die wissen sehr viel, sind furchtbar gescheit.

Sind sehr edle Damen

die aus der Großstadt kamen

und sich in dieser Bergnatur

erholen wolln, Gesundheit pur.

Und du, was treibst du selbst allhier?

Wilhelm

Sehr gern erzähle ich es dir:

Ich bin der Wilhelm, hab den Willen

dass – wenn sich alle Menschen killen

und alles wird vergiftet sein –

ich überlebe ganz allein.

In diesen Bergen ist mein Lager

das ich gesichert gegen Nager

und jede andre Unbill habe

Ich bin geschickt, von Haus aus Schwabe.

Jenny:

Ach ja? Wie nett, das kenn ich auch!

Die Schwaben haben diesen Brauch.

Wilhelm

Im Lager ist das, was ich brauchen werde

wenn alles leer und tot ist auf der Erde

Konserven mit Butter und Schinken und Speck

Und Werkzeug für jeden erdenklichen Zweck

Auch Filter für Wasser und viel Vitamine

Natürlich gibts auch ne Kaffeemaschine….

Soll ich dir mal mein Lager zeigen?

wir brauchen nur hinab zu steigen

und durch die Schlucht am Ende links

Ich hab da Essen und auch Drinks.

Hab lange keinen Gast gesehn

Na komm, so lass uns gleich hingehen.

Jenny

Sehr gern, doch denk ich, auch die Frauen

 wolln gerne hören und beschauen

was du so sammelst und warum

in deinem Refigurium

Wilhelm (lachend)

Du bist gescheit und gar nicht dumm.

Korrekt heißt es Refugium,

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Kaminfeuer und Bergtee (Steinegartens Fotoprojekt)

Es ist mal wieder an der Zeit, einen Beitrag zu Steinegartens schönem Fotoprojekt zu liefern: „Was ist Winter für mich?“

Nun, eine der schönsten Eigenschaften des Winters ist es, dass man seine Abende am flackernden Kaminfeuer verbringen kann. Dazu eine Tasse heißen Bergtee trinken, am besten mit Honig vonder befreundeten Imkerin.  Oliven-Schnittholz gibt es genug, und der duftende durch seine therapeutischen Eigenschaften berühmte Bergtee (eine Art Salbei) wächst massenhaft in unserem Garten. Ich brauche nur ein paar der eingetrockneten Blütenstände und Blätter aus dem Pflanzenbündel zu brechen.

Und was soll ich nun zeigen? Das herrlich wärmende dramatische Kaminfeuer oder den stillen Bergtee? Erstes hat hier im Blog schon öfter Aufmerksamkeit gefunden, also nehme ich etwas Bergtee in die Hand, dazu stelle ich einen halb gefüllten Becher mit dem fertigen Getränk und mache ein Foto,

 

Den grauen Becher mit aufgedruckten Katzen-Pfötchen-Spuren habe ich übrigens am Weihnachtsstand des Tierschutzvereins von Kalamata erstanden. Irgendwann werde ich ihn wohl auch zeichen….

 

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Welttheater: Wie es begann und erste Zwischenbilanz

Sicher gibt es etliche unter euch, liebe Leserinnen und Leser, die ab und zu ein Stückchen des Welttheaters überfliegen und vielleicht sogar lesen. Aber wer das Geschehen auf der Bühne nicht kontinuierlich verfolgt, verliert leicht den Faden. Daher werde ich ab und an eine Zwischenbilanz einschalten, in der ich den Faden rot einfärbe.

Wie das Welttheater begann

Im Dezember 2022 begann ich mit dem „Welttheater“. Doch zunächst ahnte ich gar nicht, DASS ich es begann. Denn mir ging es zunächst nur darum, Dora durch einen Repräsentanten des Jahres 2023 zuersetzen. Zu diesem Zweck eröffnete ich eine Agentur für Kandidaten, bei der sich 17 Interessenten meldeten. Ihr, meine Leserinnen und Leser, stimmtet dann ab, wer den Job haben sollte. Die „Blinde Poetin“, noch namenlos, gewann den Preis des Publikums (hier die Auswertung). Dora, die ich, um sie nicht zu kränken, erst spät benachrichtigte, bemängelte freilich das Verfahren:  eine schriftliche Bewerbung reiche keineswegs aus, um eine Kandidatur zu beurteilen. Sie bot sich an, die Bewerber zu interviewen, was sie dann mit großer Hingabe vom 2. bis 17. Dezember 2022 auch tat. Ihre Berichte machten mir die Figuren immer lebendiger. Was aber sollte ich mit dem Ergebnis anfangen?

Der Dezember war fast schon vorbei, da lachte mich Myriades „Vorhang“ (Impulswerkstatt) an: Eine Bühne! Sogleich erschien zwischen den zaghaft sich öffnenden Vorhängen die „blinde Dichterin“, die nun auch einen Namen trug: Domna (benannt nach einer blinden russischen Dichterin des 19. Jahrhundert). Und da sie eine Dichterin ist, bediente sie sich einer berühmten Dichtung  als Rhythmusgeber für ihren ersten Auftritt.

Goethes „Zueignung“ (Beginn Faust I), auf die sie sich dabei bezieht, kennt ihr natürlich alle.

Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten,

Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.
Versuch ich wohl, euch diesmal festzuhalten?
Fühl ich mein Herz noch jenem Wahn geneigt?
Ihr drängt euch zu! nun gut, so mögt ihr walten,
Wie ihr aus Dunst und Nebel um mich steigt;
Mein Busen fühlt sich jugendlich erschüttert

Vom Zauberhauch, der euren Zug umwittert.

Durch diesen Auftritt gab Domna nicht nur die gereimte Form vor, sondern drückte auch einen gewaltigen Anspruch aus: Sie wollte in einem dem „Faust“ vergleichbaren „Welttheater“ auftreten. Da saß ich nun in einer Falle.

Das Neue Jahr würde beginnen, und ich ängstigte mich: Unmöglich, dem Anspruch gerecht zu werden. In der Silvesternacht aber erschien, mich zu trösten, Dora. Sie dürfe, teilte sie mir mit, unsichtbar als meine Regieassistentin wirken. Chronos (Zeitgott) persönlich habe es ihr gestattet.

Am 2. Januar beginnen dann die Figuren, nach und nach auf der Bühne aufzumarschieren und sich, immer in gereimter Form, vorzustellen. Die ersten sieben sind:

Domna, die blinde Poetin

Trud, die Fragende (sie hieß zuerst Ungur)

Tschinn, der Macher

Yin und Yang, das Paar

Isolde, die Hedonie

Jerma, die Sowiedu

Hera, die Göttin

Am 3. Januar bekommen dann auch die übrigen zehn Figuren die Gelegenheit, sich vorzustellen. Um das Verfahren abzukürzen und mehr zu dramatisieren, geschieht dies in Form von , die sich ineinander verschränken.

Diaphania, die Transparenz. Sie beäugt und kritisiert

Schurigel, den Angstmacher, der alles andere als transparent ist.

Wilhelm, der Überlebenskünstler stellt sich als Schüler Schurigels vor

Danai, die Flüchtlingin, erbittet Hilfe von Wilhelm

Eine spaziergehende Familie mit Hund marschiert an Danai vorbei. Es sind Statisten,die unterstriechen, wie wenig die Normalbürger das Drama der am Rande Lebenden bemerken.

Clara, der Spielende Kind, versucht vergebens, mit dem Kind der spazierenden Familie Kontakt aufzunehmen

Jenny TheKid taucht auf. Clara spendiert ihr die Hälfte ihrer Banane.

Während die beiden essen und spielen, haben einen Kurzauftritt:

Jonas, der Weltraumforscher,

die Spirits Ma, Lu, Ro, Ho und Wa,

der neue Mensch Humunkulus 

Hera, die Große Göttin des Matriarchats

Luise, das Traumwesen, erscheint als Letzte. Dann fällt der Vorhang.

Damit endet der erste Akt, der eigentlich kein Akt, sondern ein Einführung der Personen ist. Überhaupt ist die Einteilung in Akte und Szenen überholungsbedürftig. Ich kann nicht alles sorgfältig durchplanen, denn die Figuren haben mich überrumpelt. Sie drängen nach Leben, sie wollen auftreten! Am nächsten Tag ist  es dann auch schon so weit.

Szenen 4.-11. Januar

Am 4. Januar beginnt dann das eigentliche Drama. Den Startimpuls liefert mir Christiane mit ihren Montagsgedichten, konkret Eichendorffs Wünschelrute.

Klar, eine Wünschelrute brauche ich, damit ich, die Ahnungslose, mich in den Strömungen der Zeit zurechtfinde. Die Leitfigur des Jahres, Domna, nimmt dieses Instrument in ihre Hände und wird fündig: „geben, gib“ sei das Zauberwort. Sie findet es, als sie in einem verwahrlosten städtischen Randbezirk ihre Runden dreht und auf  Trud,  Danai und schließlich auf die obdachlose Jugendliche Jenny trifft, die schon seit Tagen niemanden mehr gesehen hat und hungrig ist. Gebt mir ein bissel,  es sei was es sei, sagt sie. Und als sich die vier schließlich rund um Truds X-Scherben setzen, der zum Erzähltisch wird, bereit zu teilen, was sie haben, verschwindet die traurige Vorstadtkulisse, und an ihre Stelle tritt ein sonniger Meeresstrand. Die „Bereitschaft zu teilen, was sie haben“ drücken sie in einem Wechselgesang aus. Die zuvor vereinzelten, vereinsamten undgegeneinander gleichgültigen Menschen sind zu einer Gemeinschaft geworden, die sich austauscht:

Ich erzähl euch eine Geschichte                                Und ich stelle Fragen  

Ich rezitier euch Gedichte                                          Ich weiß alte Sagen

Ich weiß was von Witzen                                           Und ich, ich kann lachen

Komm her, bei uns sitzen                                          Bring mit deine Sachen

Komm her, dich zu wärmen                                     Bring mit deinen Kummer

Wer wird sich denn härmen?                                   Ich sing dich in Schlummer.

 

Am 5. Januar erzählt Danai die Geschichte ihrer Ahnen, der Danaiden.

Am 6. Januar tauschen sich die vier über diesen alten Mythos aus

Am 6. Januar, im östlichen Christentum als „Epiphanie“ und „Segnung der Gewässer“  gefeiert, hat Hera ihren Auftritt, um die Interpretation des Danaiden-Mythos zurechtzurücken: Die Danaiden seien Mondpriesterinnen, zuständig für die Bewässerung der Erde. Anstatt sie zu verleumden und zu verfluchen, sollte man sie segnen.

Am 7. Januar schließt sich eine Erörterung von Heras Ansichten an. Die Frauen haben höchst unterschiedliche Meinungen zum Thema „Frau“ und „dienen“.

Am 8. Januar kommen sich Domna und Danai näher. Danai ist keine hilflose Bittstellerin mehr, sondern den anderen gleichwertig.

In der nächsten Szene (immer noch 8. Januar) kommt erneut Hera dazu, in Begleitung der Spirits. Die unterschiedliche Haltung der Frauen zu spirituellen Fragen wird deutlich: Für Danai ist das Göttliche in allen seinen Erscheinungen etwas ganz Selbstverständliches, für Jenny existiert es nicht. Die Härten des Lebens haben sie gelehrt, sich an die „Tatsachen“ zu halten. Ihr „inneres Kind“ ist stumm geworden. Danai erinnert sich an ihr totes Kind, das nun als Clara, das „spielende Kind“  auf der Bühne erscheint.

Am 9. Januar greift Schurigel, der Angstmacher, ein. Jennys  erklärter Unglauben an alles Göttliche ist für ihn das Eingangstor. Nun versucht er, auch Clara entsprechend zu erziehen. Es geht darum, dem kleinen Kind seinen Glaube an „gute Geister“ auszutreiben , um an seine Stelle sogleich den Glauben an „böse Geisterr“ zu setzen. Gottvertrauen gibt dem Kind Kraft, Angst macht es gefügig. 

Am 10. Januar folgt wieder eine Erörterung: Clara behauptet, sich vor Monstern nicht zu fürchten. Jenny schickt den Angstmacher zum Teufel, an den sie anscheinend doch irgendwie glaubt. Schurigel zieht beleidigt ab,  eine etwas verdüsterte Kulisse hinterlassend.

In der nächsten Szene (imm noch 10.1.) gibt das aufziehende Gewitter Gelegenheit, der Frage der Angst vor Naturgewalten nachzugehen. Danai lädt die Versammelten in ihre „Höhle“ ein. (Danai ist zwar ein Flüchtling, aber sie ist zugleich eine Nachfahrin der Danaiden, die in eben dieser Gegend wirkten. Sie kennt  die Gegend daher besser als alle anderen).

Am 11. Januar – nun in der Höhle – betten die Frauen das müde Kind, und Luise, das Traumwesen, erscheint über ihr. Clara träumt vom Blauen Wal (Luftschiff), in dem der Weltraumforscher Jonas und Dora sitzen. Dora lässt ihre Geschenkbox zu Clara herabfallen, mit den besten Wünschen für eine glückliche Zukunft. 

Der Morgen im Gebirge (noch 11. Januar) zeigt die Frauen in ihren unterschiedlichen Einstellungen zum Leben. Für Jenny ist die Beschaffung eines Frühstücks vordringlich

In der Folge (immer noch 11. Januar) konkretisieren sich diese Einstellungen weiter: wie reagieren die Individuen auf die Tatsache, dass sie sich ohne Nahrung im Gebirge befinden?

Clara glaubt an die Magie der Dinge. Die werden ihr schon das Gewünschte verschaffen.

Jennys Überlebensstrategie ist ausgefuchster: Beschwätzen, Sachen „besorgen“, Warentausch sollen sie in den Besitz des Gewünschten bringen.

Danai kennt sich in der Natur aus, sie kann sich von Pflanzen ernähren, und teilt ihr Wissen gern.

Trud hat leider keine Ahnung,´. Die wer, wie, was, wo und warum – Fragen, die sie ständig im Munde führt, hindert sie,  Antworten zu befreifen und zu akzeptieren, denn sie muss auch diese hinterfragen.

Domna lebt im Reich der Poesie. Sie ist blind für die sogenannten „harten Realitäten“, aber versteht sehr wohl den Kummer des Kindes, das sie zu trösten sucht.


So, da sind wir in der Gegenwart angekommen. Wilhelm, Überlebenskünstler oder neudeutsch auch Prepper, erscheint am Berghang. Jenny schnappt sich Claras Dora-Geschenkbox und steigt zu ihm hoch, um mit ihm ein Geschäft zu besprechen, an dessen Ende hoffentlich ein reichhaltiges Frühstück steht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Welttheater 3. Akt, 3. Szene: Überlebenskunst, erster Teil

Was zuletzt geschah: Im Gebirge vor der Höhle gehen die Personen ihren Interessen nach. Jenny und Clara sind hungrig. Das Kind Clara glaubt an die Magie der Geschenkebox, die hart gesottene Jugendliche Jenny denkt, damit ein gutes Tauschgeschäft zu machen.

Jenny:

Da kommt noch einer, ist ein Mann,

mal sehn was ich ertauschen kann.

Denn eines wisse, ohne Geld

bekommst du nix auf dieser Welt.

Doch der ist ja vielleicht ein Ochs

und gibt uns Essen für die Box.

Jenny schnappt sich die Box und klettert den Berg hoch, um zu Wilhelm, dem Überlebenskünstler zu gelangen. Clara bleibt jammernd zurück, Domna versucht sie zu trösten.

Clara (weinend):

Die Jenny hat mir die Dose geklaut

die ich im Traum hab erhalten

ich habe der Jenny immer vertraut.

Ich wollt doch die Dose behalten.

Domna (tröstend)

Mein liebes Kind, nun wein man nicht

die Jenny ist nicht böse

Sie hat nur eine andere Sicht

auf dieses Weltgetöse.

 

Auch Jenny glaubte, als sie klein

an Güte und Magie

doch schwor sie sich, so ganz  allein:

‚Ich fall nie auf die Knie‘.

 

Sie glaubt, dass sie ein Meister ist

im Überlebenskampf

dass jeder Fisch den andern frisst

und Güte sei nur Krampf.

Clara (bestimmt):

Doch meine Dose will ich zurück!

Sie bringt mir im Leben immer nur Glück!

So sah ichs im Traum, und das ist auch wahr!

Die Jenny denkt anders, das ist mir schon klar. 

Domna (lächelnd)

Schon recht, liebes Kind, ich seh, du bist klug

doch Klugsein ist manchesmal auch nicht genug.

Nun warten wir ab, was die Jenny erreicht

ob sie des Mannes Herze erweicht.

Danai und Trud knien am Boden. Sie untersuchen die Pflanzen, ob sich was Essbares findet. Denn auch sie haben Hunger.

Trud:

Kennst du die Kräuter? Taugt dies was?

Weißt du bestimmt, dass auf jenes Verlass?

Danai

Freilich kenne ich sie, liebe Trud

von manchen kochst du einen Sud,

doch manche kannst du auch roh essen,

bevor die Tiere sie wegfressen.

Bei manchen ist die Wurzel gut,

vor ihrem Blatt sei auf der Hut.

Manche sammelst du am Morgen

eh die Sonne noch erwacht

Andre musst du dir besorgen

unterm Mond um Mitternacht.

Trud

So sag mir, wie heißt dieses Kraut?

Oder ist’s dir nicht vertraut?

Danai

Das ist die Vogelmiere,

kannst essen Blüt und Blatt

Ich ess sie wenn ich friere

Viel Vitamin sie hat.

 

Und dies ist Giersch, doch schaue ganz genau

denn andre Pflanzen ähneln ihm doch sehr

und isst du die, so wirst du, liebe Frau

wahrscheinlich krank, womöglich schwer.

Der Giersch schmeckt fast wie der Honig,

die Blätter ess ich auch

Die schmecken leicht zitronig

sie machen warm im Bauch.

 

Inzwischen ist Jenny den steilen Hang hochgeklettert und nähert sich dem fremden Mann. Doras Geschenkebox hat sie sich unter den Arm geklemmt.

Fortsetzung folgt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Genau, genau! Ich bin gut vorbereitet

und wenn die dumme Menschheit auch bestreitet

dass Unheil kommt und Hungersnot

Ich kenne der Vernunft Gebot.

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