Tagebuch der Lustbarkeiten: Steine betrachten

Paliohora, 22-1-23, gegen Mittag

Ein Spaziergang durch die steinerne Wüste des Strandes ist Hochgenuss. Mein Auge streift über die vielfältigen Formen und Farben, manchmal bleibe ich auch stehen und nehme einen Stein in die Hand, betrachte ihn und lege ihn an seinen Platz zurück. Gern wüsste ich mehr über Mineralien, über die Geschichte dieser Steine, dieser Landschaft.

Die großen Felsen am Strand sind aus dieser Art Geröll zusammengebappt, man sieht darin die kleineren Steine, die durch Pressung oder Schmelze eine Masse wurden. Im ersten Foto der zweiten Reihe sieht man solch ein Stück in klein. Langsam lösen sich die Einzelsteine aus dieser Gesteins-Verbindung, werden zu individuellen Steinen.

Die riesigen Gesteinsbrocken der ins Meer hineingebauten Molen stammen nicht von hier. Sie wurden im Tal des Sandova-Flusses oder auch weiter oben im Gebirge abgebaut. Manche haben Sprenglöcher, mit deren Hilfe man das Gestein zu transportablen Größen auseinandersprengte.  Das Foto gibt kaum ein Gefühl für die gewaltige Größe dieser Felsen.

Vielleicht hilft der Vergleich mit dem kleineren Geröll am Fuße dieses Giganten.

Manche dieser Felsen tragen Tätowierungen von Landschaften auf ihrer rauen Haut – vielleicht sind es die Landschaften, aus deren Kontext sie gerissen und hier ans Meer verfrachtet wurden, um die Küste zu schützen.

Mein heutiger Weg wurde durch die aufgehäuften Felsen der Mole unterbrochen. Kein Durchkommen für mich!

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Welttheater, 3. Akt, 10. Szene: Wald 2 (Trud, Blume, Lu)

Was zuvor geschah: Danai erzählt Clara von den Spirits.  Clara unterhält sich mit dem Luftspirit Lu. Domna findet eine Blume, spricht mit ihr und lässt sie stehen.

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Jetzt erscheint Trud. Auch sie bleibt bei der Blume stehen.

Trud:

Was ist das für ein Wald? Als wie von Spinnen…

Vielleicht bin ich schon alt und schwach von Sinnen?

Im müden Lichte seh ich einen Faden …

Ist er da draußen, ist’s ein Augen-Schaden?

 

Hier dieses Rote, wie heißt dies Gewächs?

Ist das ein Blatt wohl oder nur ein Klecks,

den ein Getier hier hinterlassen hat …

beim Durchmarsch nach dem nassen Bad …

in einer Pfütze mit viel Schlamm …

dann überwand es einen Damm …

und kleckste hier und kleckste da

bei jedem Schritt? Ich denke, ja.

 

Doch kann ich sicher sein?

Ich fürchte wieder, nein.

 

Ich sollte dies Gewächs hier brechen

um es genau zu inspizieren,

doch vielleicht wird es mich dann stechen

und dabei gründlich infizieren?

 

Ach, wie nur, wie soll ich im Leben

Antwort auf all die Fragen geben?!

Lu (von oben links)

Hu, hu!

Trude, du!

Wozu willst du dich denn plagen?

Wozu dienen dir die Fragen?

Nichts ist wahr und alles lügt

Heb den Kopf und sei vergnügt.

Freu dich an dem Schein der Welt

Trug gibt’s umsonst, ganz ohn Entgelt!

Trud:

Wer spricht da oben in der Luft?

Wer ist es, der nach Trude ruft?

Trud wie Trug und höhnisch Lachen

wie’s die bösen Buben machen?

Lu

Sei wie ich, sei Luft und Kuss

sei ein lustger Luftikus.

Trud:

Was bist du für ein töricht Ding?

Hältst du mich für ’nen Schmetterling?

Lu

Das nicht, doch bist vielleicht ein Räupchen

das sich nun langsam schon verpuppt

Wer weiß als was die Trud, mein Täubchen,

sich eines Tages noch entpuppt.

 

(Wird fortgesetzt)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Wein und Zeit

Ist der erste Opernbesuch schuld, dass ich den Wein liebe? Das folgende Liedchen, das noch zwei weitere Strophen enthält, die mir aber entfallen sind, drang vor ca 66 Jahren – ich war 14 Jahre alt – in meine Ohren und mein Gemüt (Der Freischütz. Musik: Carl Maria von Weber, Text: Johann Friedrich Kind):

Hier im ird´schen Jammertal
Wär doch nichts als Plack und Qual
Trüg der Stock nicht Trauben
Darum bis zum letzten Hauch
Setz ich auf Gott Bacchus Bauch
Meinen festen Glauben

Carl Maria von Weber wurde im November 1786 in Eutin geboren, und das war natürlich Grund genug, ihm dankbar ein Festival auszurichten. Wir Schüler wurden per Bus hingeschafft.

Eine treue Adeptin von Gott Bacchus (oder vielleicht doch eher von Gott Dionysos, dem Zweimalgeborenen) blieb ich. Solche frühen Prägungen gehen eben tief. 🙂

Den Wein, von dem ich heute eine Flasche öffnete, gönne ich mir nicht täglich. Er ist zwar köstlich, aber eben auch teuer. Βιβλία Χωρα (gesprochen: vivlia hora) heißt er (unbezahlte Werbung) – und auch damit sind Geschichten verbunden. Meine Schwiegertochter Petra lernte den Wein bei einem Besuch in Nauplion kennen und schwärmte: „aus dem Bücherland„. Biblia bedeutet Bücher, Hora Land. Also kann man den Namen tatsächlich mit Bücherland übersetzen. Petra liebte Bücher über alles, und der Wein mit diesem Etikett avancierte daher promt zu ihrem Lieblingswein.

Ich las dann ein bisschen beim Produzenten nach und erfuhr: Der Name bedeutet „aus dem Land Biblos“, von wo einst die Phönizier die ersten Trauben nach Thessalien brachten und anbauten. Das geschah in vorhistorischer Zeit. Von diesen Trauben stammt bis heute der thessalische Wein …

Wenn ich nun mein Glas mit diesem köstlichen Rotwein hebe, denke ich an den Freischütz und an Petra und an die Phönizier, und daran, dass Zeit ja eigentlich gar nicht existiert.

Auf unser aller Wohlsein! Prosit!

 

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Welttheater, 3. Akt, 9. Szene: Wald 1 (Danai, Clara, Lu, Domna, Blume)

Was zuletzt geschah: Tschinn der Macher hat seine dritte Investitionsidee für die Bucht vorgetragen – eine Hotelanlage, zu der nur Reiche Zugang haben.

Wir verlassen ihn nun und kehren in den Wald zurück. Die Gesellschaft (Danai, Domna, Clara, Jenny, Trud, Wilhelm) hat sich inzwischen in dem verwunschenen Spinnweb-Wald verstreut.

 

Danai (zu Clara):

Siehst du dort die kleinen Geister

Durch die lichten Büsche schweben

Siehst du, wie sie, wahre Meister,

Sonnenfädennetze weben?

Und die Zwerge und die Trolle

Die aus jeder Blütenwolle

Sei sie noch so dünn und zart

Kleider weben feinster Art

Für die Sylphen und die Elfen

Die den Schmetterlingen helfen

Wenn sie sich verwandeln wollen

Aus der Puppenhaut zu rollen.

Jeder ist für jeden da

Das ist des Waldes Omega.

Clara:

Die eine ist bei mir gelandet!

Die ist in eitel Gold gewandet!

(zur Elfe)

Ich bin die Clara, wer bist du?

Lu

Freut mich, Clara! Ich bin Lu!

Lu wie lustig, Luft und Kuss

bin ein lustger Luftikus.

Magst zu mit mir spielen, Kind

Komm, wir tanzen mit dem Wind

Tanzen mit den Blütenflocken

Komm schon, komm, lass dich verlocken!

 

Domna

„Ich ging im Walde so für mich hin,
und nichts zu suchen, das war mein Sinn.

Im Schatten sah ich ein Blümchen steh’n,
wie Sterne leuchtend, wie Äuglein schön.

Ich wollt‘ es brechen, da sagt‘ es fein:
Soll ich zum Welken gebrochen sein?

Ich grub’s mit allen den Würzlein aus,
zum Garten trug ich’s, am hübschen Haus,

Und pflanzt es wieder am stillen Ort;
Nun zweigt es immer und blüht so fort.

(J.W.Goethe, Gedichte. Ausgabe letzter Hand. 1827, Lieder)

Der Dichter grub es aus, nicht wahr?

Für ihn war eben sonnenklar

dass das, was je sein Herz begehrt,

ihm nie und nimmer sei verwehrt.

Ich, Domna, aber hör der Blume

ganz zartes Stimmchen leise flehn:

O lass mich zu des Waldes Ruhme

in seinem Schatten friedlich stehn!

Im Garten mag ich nicht verwurzeln

mein Ort ist hier, in diesem Grund

wo Elfen über Sylphen purzeln

nur hier allein bleib ich gesund.

 

Lass stets die Dinge, wo die große

All-Harmonie sie hingestellt:

die Blume in des Waldes Schoße

die Sterne an dem Himmelszelt.

 

(wird fortgesetzt)

 

 

 

 

 

 

 

 

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Welttheater: 3. Akt, 8. Szene: Tschinn zum Dritten (Hotelanlage)

Was zuletzt geschah: Zwei Investitionsmodelle zur Nutzung des leeren Strandes hat Tschinn in Gedanken durchgespielt: einen Hafen und ein Flüchtlingsheim. Sein Begleiter, das Biest Kairos (gute Gelegenheit), hat beide bemängelt.  Es folgen Überlegungen zu einem dritten Modell:

Tschinn zu Kairos:

Ein Hafen mit Kneipen, das sei zu vulgär,

das Flüchtlingsheim bringe zu wenig Profit –

So sagst du, doch nicht, was das Richtige wär?

Ich denk an Finanzierung fast nur auf Kredit,

den die Bank mir genehmigt, sofern das Projekt

 die Interessen der Schönen und Reichen bedient,

dann ist es in jedem Falle korrekt

und wird nicht von Wichtigtuern gescreent

die Investitionen

grad die die sich lohnen

verfolgen, verfluchen

und zu stoppen versuchen.

 

Und was, Verehrter, wär das Modell?

Ich denke, ich bau hier ein schickes Hotel

mit Appartments und Golf und Wellness-Bereich

da fühlt sich der Gast und Bewohner als Scheich.

Wer Geld hat, kann rein, auch das ist sehr wichtig

Der Pöbel bleibt draußen. Kairos, ist das richtig?

 

Kairos der brummelt, ‚Nur zu, mach dich dran

in Kürze bist du ein reicher Mann.΄

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Wolken beobachten

Wer liebte es nicht, den beweglichen Wolkenbildern am Himmel zuzuschauen? Meine gegenwärtige Wohnsituation bietet mir dafür ausgezeichnete Voraussetzungen, denn von der Turmterrasse aus habe ich einen freien Blick in alle Richtungen.

Gerade jetzt ist mein Sohn auf dem Weg nach Athen – und so betrachte ich den Himmel in Richtung der Berge. Schönes weißes Gewölk zieht drüber hin und wirft seine Schatten auf die Bergflanken. Ein Anblick, den ich besonders liebe. Irgendwo da jenseits ist er jetzt unterwegs. In Arkadien wird er rauem Wetter begegnen, und in Athen wird es regnen.

Gute Fahrt!

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abc-etüde: Der Deserteur – zweite automatisch erstellte Erzählung

abc.etüden 2023 02+03 | 365tageasatzaday

abc-etüde

Fasziniert und geschockt zugleich, habe ich meinen Sohn gebeten, noch ein bisschen mit dem Bot zu reden, der automatisch Texte erstellt. Es ist ein funkelnagelneues Programm, noch in der Erprobung.

Veronika fragte im Kommentar zur ersten Geschichte: Wird bei einer zweiten Anfrage eine andere Geschichte erzählt? Antwort: Ja.

Bei der zweiten wortwörtlich gleichen Abfrage ging es nicht um ein merkwürdiges Tier, das  den Namen Fluchtsieger trägt, sondern um einen Rennfahrer, der nach eifrigem Training in den Genuss des Sieges kommt. Langweilig. So bat ich um eine dritte Geschichte, diesmal unter einem von mir gewählten Titel: „Der Deserteur“.

Die automatisch generierte Geschichte lautet diesmal:

Es war einmal ein junger Mann namens Alex, der sich als Fluchtsieger aus dem Kriegsdienst gedrückt hatte. Er fühlte sich schuldig und wusste nicht, wie er mit seiner Schande leben sollte. Eines Tages traf er auf eine Gruppe von obdachlosen Veteranen, die ihm halfen, seine Schuldgefühle zu überwinden und ihm zeigten, wie er sich nützlich machen konnte, indem er sie fütterte.

Jeden Tag ging Alex in die Stadt, um Lebensmittel für die Veteranen zu besorgen und sie zu verteilen. Er lernte sie kennen und schätzen und fühlte sich endlich wieder wertvoll. Die Veteranen dankten ihm für seine Hilfe und nannten ihn ihren „Fluchtsieger“, denn er hatte es geschafft, sich selbst zu überwinden und anderen zu helfen.

Alex fühlte sich wunderbar, denn er hatte endlich einen Sinn in seinem Leben gefunden.

Als ich die Geschichte las, dachte ich: Die hat aber eine merkwürdige Moral. Der Deserteuer hat das Problem des schlechten Gewissens, aber sonst geht es ihm ausgezeichnet. Die Veteranen hingegen sind in einem elenden Zustand und brauchen den Deserteur, um sie durch wohltätige Nahrungsmittelgaben am Leben zu erhalten.

Die irre Moral eines Bots (der übrigens amerikanisch ist, aber das Deutsche ausgezeichnet beherrscht), oder doch eine ganz realistische Geschichte?

Ich werde nun selbst eine Geschichte „Der Deserteur“ zu schreiben versuchen.

 

 

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abc-etüde. Der Fluchtsieger – ein automatisch erstelltes Märchen

Mein Informatiker-Sohn Wassilios, für ein paar Tage zu Besuch, ist interessiert an den utopisch-distopischen Möglichkeiten, die der Künstlichen Intelligenz (KI) innewohnen. Heute fütterte er ein Programm zur automatischen Herstellung von Texten jeder Art mit den drei Etüden-Wörtern und sonstigen Anweisungen (300 Wörter etc) und fragte den BOT, ob er daraus bitte eine Kurzgeschichte schreiben  könne. Hier die Antwort des BOTs:

Gerne, hier ist eine Kurzgeschichte von etwa 300 Wörtern, die die Wörter „Fluchtsieger“, „wunderbar“ und „füttern“ enthält:

Fluchtsieger war ein seltsames Wesen, das in den Wäldern lebte. Niemand wusste genau, woher es kam oder was es war, aber jeder, der es sah, beschrieb es als etwas Wunderbares. Es hatte einen langen, geschmeidigen Körper und einen Schwanz, der so lang war, dass er den Boden berührte. Sein Fell war so weich wie Samt und seine Augen glänzten wie Sterne.

Eines Tages beschloss ein kleiner Junge, das Wesen zu füttern. Er sammelte Beeren und Früchte aus dem Wald und legte sie vor Fluchtsieger hin. Das Wesen sah ihn an und nickte dankbar, bevor es begann, die Früchte zu essen. Der Junge sah zu, wie Fluchtsieger aß, und er war glücklich, dass er dazu beigetragen hatte, dass es satt wurde.

Von diesem Tag an besuchte der Junge Fluchtsieger jeden Tag, um ihm Essen zu bringen. Er erzählte seinen Freunden von dem Wesen und sie kamen alle, um es zu sehen und zu füttern. Fluchtsieger wurde zu einem Teil ihres Lebens und sie schätzten es sehr.

Eines Tages jedoch, als der Junge zu Fluchtsieger ging, um ihm Essen zu bringen, war es nicht da. Er suchte den Wald ab, aber es war nirgends zu finden. Der Junge war traurig, aber er wusste, dass Fluchtsieger irgendwo anders hin musste, um zu überleben. Er dankte dem Wesen in Gedanken für die wunderbare Zeit, die sie miteinander verbracht hatten und hoffte, dass es irgendwann wiederkehren würde.

Gruselig? Flach? Ausbaufähig? Konkurrenzlos? Lohnt es sich da noch, selbst zu schreiben? Werden die Schüler der Zukunft keine Aufsätze mehr selbst schreiben müssen? Und die Lehrer? Wer schreibt noch, wer liest noch, wenn alles automatisch geht? Was sind die Folgen? Werden ganze Berufsgruppen obsolet? Wird auch das Dichten und Denken obsolet? Oder handelt es sich nur um ein witziges Spiel? Das sind so Fragen…..

Eure Gedanken dazu würden mich interessieren.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Bilder betrachten

Mein Atelier träumt vor sich hin, kaum benutzt in der letzten Zeit. Doch fast täglich steige in hinab, um ein bisschen mitzuträumen. An den Wänden hängen ein paar Bilder, andere sind gegen die Wände gestapelt oder lagern in Abseiten. Viele Bilder.

Mein Auge fällt auf ein kleines gerahmtes Bild an der gegenüberliegenden Wand. „Wunde“ heißt es.

Ich stehe auf und betrachte es. Die rote Linie entlang der Abbruchkante wirkt auf dem Foto verblasst, im Original ist sie unverändert. Ölkreide ist lichtbeständig.

Auf der Staffelei steht ein großes Bild, das ich kürzlich aus einem Stapel zog. Jede Woche ist es ein anderes. Ich ziehe es blind hervor, betrachte es, Und stelle es zurück.

Dieses hier habe ich mit Ölkreide auf eine mit Pigmenten und Kleister bemalte Fläche gezeichnet. Einige Felder und auch die Pupille des großen Auges sind mit Japanpapier beklebt und ebenfalls mit Ölkreide bezeichnet. Die mürbe Beschaffenheit dieses Papiers mag ich besonders.

Nachher gehe ich und tausche die Leinwand gegen eine andere aus.

Eine ungetrübte Lustbarkeit ist dies nicht, denn einerseits freue ich mich an den Bildern, andererseits weiß ich nicht, was aus ihnen werden soll, und ich quäle mich mit dem Gedanken, hier demnächst klar Schiff machen zu müssen. Drittens fällt mir aufs Gemüt, dass ich nicht mehr male. Aber das Wohlgefühl überwiegt, wenn mir gefällt, was ich sehe. 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Federvieh

War gestern wieder in einer Taverne am Segelhafen von Kalamata. Man sitzt dort geschützt und hat zugleich einen Blick auf Masten und Getakel, auf Palmen und Platanen…

Der Oleander steht stuppig gegen das magere Licht. Du lauschst dem Klirren der Wanten, wenn der Wind durchgeht, versuchst auch zu verstehen, was deine Tischgenossen sprechen, und träumst vor dich hin.

Da geht ein anderer Laut in dein waches Ohr: friedliches Entengeplapper. Quack und quack, gu gu gu. Zwei schneeweiße Enten marschieren auf.

Enten? Wieso Enten? Das letzte Mal waren es doch Gänse, oder? Richtig. Doch die sind grad unterwegs, auf der anderen Straßenseite. Später erscheinen sie an unserem Tisch, und während ich mich noch bemühe, das Brot schnell zu zerbrechen, um sie zu füttern, nehmen sie sich meine Jacke vor. Hej, meine Jacke, ihr Lieben, das geht zu weit! Machen wir einen Kompromiss! Ihr nehmt das ganze Brot, und ich behalte meine Jacke. Alles klar?

 

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