abc-etüde. Der Fluchtsieger – ein automatisch erstelltes Märchen

Mein Informatiker-Sohn Wassilios, für ein paar Tage zu Besuch, ist interessiert an den utopisch-distopischen Möglichkeiten, die der Künstlichen Intelligenz (KI) innewohnen. Heute fütterte er ein Programm zur automatischen Herstellung von Texten jeder Art mit den drei Etüden-Wörtern und sonstigen Anweisungen (300 Wörter etc) und fragte den BOT, ob er daraus bitte eine Kurzgeschichte schreiben  könne. Hier die Antwort des BOTs:

Gerne, hier ist eine Kurzgeschichte von etwa 300 Wörtern, die die Wörter „Fluchtsieger“, „wunderbar“ und „füttern“ enthält:

Fluchtsieger war ein seltsames Wesen, das in den Wäldern lebte. Niemand wusste genau, woher es kam oder was es war, aber jeder, der es sah, beschrieb es als etwas Wunderbares. Es hatte einen langen, geschmeidigen Körper und einen Schwanz, der so lang war, dass er den Boden berührte. Sein Fell war so weich wie Samt und seine Augen glänzten wie Sterne.

Eines Tages beschloss ein kleiner Junge, das Wesen zu füttern. Er sammelte Beeren und Früchte aus dem Wald und legte sie vor Fluchtsieger hin. Das Wesen sah ihn an und nickte dankbar, bevor es begann, die Früchte zu essen. Der Junge sah zu, wie Fluchtsieger aß, und er war glücklich, dass er dazu beigetragen hatte, dass es satt wurde.

Von diesem Tag an besuchte der Junge Fluchtsieger jeden Tag, um ihm Essen zu bringen. Er erzählte seinen Freunden von dem Wesen und sie kamen alle, um es zu sehen und zu füttern. Fluchtsieger wurde zu einem Teil ihres Lebens und sie schätzten es sehr.

Eines Tages jedoch, als der Junge zu Fluchtsieger ging, um ihm Essen zu bringen, war es nicht da. Er suchte den Wald ab, aber es war nirgends zu finden. Der Junge war traurig, aber er wusste, dass Fluchtsieger irgendwo anders hin musste, um zu überleben. Er dankte dem Wesen in Gedanken für die wunderbare Zeit, die sie miteinander verbracht hatten und hoffte, dass es irgendwann wiederkehren würde.

Gruselig? Flach? Ausbaufähig? Konkurrenzlos? Lohnt es sich da noch, selbst zu schreiben? Werden die Schüler der Zukunft keine Aufsätze mehr selbst schreiben müssen? Und die Lehrer? Wer schreibt noch, wer liest noch, wenn alles automatisch geht? Was sind die Folgen? Werden ganze Berufsgruppen obsolet? Wird auch das Dichten und Denken obsolet? Oder handelt es sich nur um ein witziges Spiel? Das sind so Fragen…..

Eure Gedanken dazu würden mich interessieren.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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42 Antworten zu abc-etüde. Der Fluchtsieger – ein automatisch erstelltes Märchen

  1. vro jongliert schreibt:

    Mein erster Gedanke: Der BOT darf auch schreiben. Ebenso wie unsereins.
    Mein zweiter Gedanke: Wenn man die Wörter noch einmal eingibt, wird der BOT die gleiche Geschichte dazu ausspucken oder eine neue?

    Deine Geschichte wirkt so friedlich und ruhig, aber das eigenartige Wesen hätte auch zum Monster werden können, wenn es Beeren frisst. Der Junge hätte in Gefahr sein können. Oder das Wesen ein Opfer der Wissenschaft und Forschung, wenn es von anderen gefunden wird. Es hätte die Welt verändern können oder auch nicht.

    Zu deinen Fragen: Gruselig – nicht unmittelbar. Zu flach? Ausbaufähig? Auf jeden Fall. Ein BOT kann nur verwenden, was irgendwann einmal in das System eingespeist wurde.
    Doch dann jetzt ein plötzlicher Gedanke. Was, wenn der BOT hier mit meinem Namen einen Kommentar schreibt? Oder wenn ich auf die Geschichte eines BOTs antworte, der vorgibt, eine Geschichte von einem BOT erstellt haben zu lassen? Oder unterhalten sich hier zwei BOTs miteinander. Hm? Vielleicht doch gruselig.

    Einmal abgesehen davon, nein, ich denke nicht, dass in Zukunft keine Aufsätze mehr geschrieben werden. Es bleibt ja noch der ganz eigene Reiz, der mich neue Geschichten denken lässt: Was wäre, wenn …

    Falls ich nicht doch ein BOT bin.

    Liebe Gerda, meine Synapsen sind knapp am Durchschmoren. Ich füttere mein System jetzt erst einmal mit Mittagessen. Danke für deine Geschichte und die Denk-Impulse.
    LG, Veronika

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Veronika, danke für die vielen anregenden Gedanken in deinem brain storming. Die eine Frage konnte ich schon beantworten: die gleiche Textanfrage generiert verschiedene Texte. Man kann auch mit dem Bot reden, ihn in eine Richtung lenken. Also wenn du auf Grusel ausbist, gibst du ihm ein paar Hints in die Richtung, und er bedient dich entsprechend.

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      • vro jongliert schreibt:

        Also ist der Bot flexibel …
        Trotzdem denke ich nicht, dass wir zum Geschichten schreiben aufhören werden. Vielleicht wird das Erzählen von Angesicht zu Angesicht wichtiger, wie sonst kann man sicher sein, dass im Internet konsumierte Texte nicht künstlich generiert sind?

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      • gkazakou schreibt:

        Wenn das Erzählen vis-a-vis wieder zunähme, wär ja schön. Doch habe ich da nicht viel Hoffnung. Es ist ähnlich wie mit dem Briefeschreiben: man fände es gut, aber am Ende ist mailen doch bequemer….

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  2. Gisela Benseler schreibt:

    Mir gruselt’s ein bißchen bei dem Gedanken, daß Maschinen uns das eigene Schreiben abnehmen. Lebendiges gegen Totes eintauschen? Nein, nicht mit mir!

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  3. Christiane schreibt:

    Das ist schon der zweite als von einem Bot geschrieben gekennzeichnete Text, den ich heute lese, liebe Gerda, und ich finde ihn flach und seelenlos und ziemlich vorhersehbar. Technisch gesehen ist er gut, daher vermute ich, dass die Anzahl an Bot-Texten bei Schulaufsätzen stark zunehmen wird. Ich denke, bis KIs ernsthaft erzählende Literatur „können“, wird es noch bisschen dauern, aber in Sicherheit wiegen sollte man sich da nicht. Lernkurven bei Computern sind steil, und wenn erst mal Algorithmen für „individuell“ entwickelt wurden, wird es eng.
    Ich habe trotzdem ein ungutes Gefühl dabei. Danke dir für das Experiment.
    Mittagskaffeegrüße ☁️💻☕🍪

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  4. Arno von Rosen schreibt:

    Es wäre nichts was ich lesen oder gar selbst zum Schreiben verwenden würde …

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    • gkazakou schreibt:

      Ich natürlich auch nicht, lieber Arno. Ich benutze vieles nicht, was jedoch bei sehr vielen Menschen sehr verbreitet ist. Und das am Ende den Hauptstrom der Kultur bildet: FB, Instagram, Netflix, Metaverse etc pp
      ps Ich freu mich, dich derzeit wieder in Bloghausen wahrzunehmen….

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  5. Mrs Postman schreibt:

    Ich hab ein bisschen Gänsehaut. Diese Geschichte gefällt mir zwar nicht so gut, denn sie ist, wie Christiane schreibt, ziemlich seelenlos. Nicht inhaltlich, da finde ich sie sogar spannend. Allerdings käme ich andererseits auch nicht auf die Idee, dass kein menschliches Gehirn die Geschichte erdacht hat.

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  6. Werner Kastens schreibt:

    Danke für diesen Versuch, liebe Gerda!

    Der Text an sich ist ja eigentlich nicht schlecht geschrieben. Ich glaube, dass wir ihn nur als platt empfinden, weil wir eine Verbindung zu den Märchen herstellen und innerlich denken: nicht schon wieder bzw. kennen wir ja schon, und jetzt auch noch von einem BOT!

    Für mich stellt sich die Frage, ob wir nicht schon lange von BOTs umzingelt sind.

    Wir sind begeistert über unnachahmliche Eindrücke bei einem Konzert mit Jimmy Hendrix und hören ihn immer und immer wieder, vergessen aber, dass es nicht „seine“ Musik ist sondern er bei seinen besten Stücken bis über die Halskrause mit Drogen vollgeknallt war. Authentisch?

    Und nehmen wir die Ghostwriter, die schon damals in der Antike mit Lysias den Anfang machten, Texte für andere zu schreiben. Ist das nicht auch eine Art BOT? Weiss ich denn, wer mein Lieblingsbuch wirklich geschrieben hat?

    Von Eltern, Schule, Land und Leuten werden wir „geprägt“, oder wie man modern ausdrücken würde: (vor)programmiert; werden mit Nachrichten berieselt, wovon wir nicht wissen, ob sie wahr oder nur lanciert sind. Wir sind schon von vielen BOTs umzingelt.

    Und worum geht es bei Texten, die ich lese? Um den Inhalt? Um das Gefühl: das hat DER aber schön geschrieben; um das angeblich Authentische?
    Ich habe knapp über 200 follower, von denen ich keinen einen bisher persönlich kennen gelernt habe. Von einigen habe ich Beweise, dass sie wirklich existieren, weil ich schon neben dem Blog per E-Mal mit ihnen kommuniziert habe und das bis jetzt noch eindeutig erscheint. (Wer weiss, wie lange noch).

    Und sind wir wirklich der Meinung, dass es keine höhere Intelligenz gibt als die des Menschen? Warum machen wir dann noch Kriege, warum schauen wir noch herab auf Bedürftige, Behinderte, Andersfarbige?

    Und warum soll BOT X3BBN-AC95 nicht mein Freund sein und ich ihn in seiner Meinung nicht akzeptieren, wo er doch sicherlich MEHR Erfahrung und Wissen gespeichert hat als ich und sicherlich gezielter und effektiver nachhaltige Lösungen anbieten könnte?

    Gefällt 2 Personen

  7. evaannacarola schreibt:

    Versucht doch mal dan Deep Dream Generator. Der macht ein Bild aus den drei Wörtern. z.B. dieses:https://deepdreamgenerator.com/ddream/eef2bia5s8s

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  8. wildgans schreibt:

    Unglaublich!
    Dazu will ich mir Gedanken machen, da so etwas, einmal losgelassen, ausgebaut werden wird! Vielschichtig…

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  9. Random Randomsen schreibt:

    Wenn ich einen Text sehe, bei dem die Interpunktion nicht bloß eine Art „orthographische Streudeko“ ist, bin ich fast schon so etwas wie begeistert. 😀 In dieser Hinsicht punktet der Bot. Überhaupt ist der Text ansprechend geschrieben. Und mir gefällt auch der „zivilisierte Geist,“ der uns inhaltlich entgegenweht. Dennoch finde ich, dass der Text eher die Geschmacksnerven angenehm kitzelt, als dass er einen echten Nährwert böte.
    Eine wesentliche Frage ist hier, wie so oft: was lässt sich Sinnvolles damit anstellen? Ich könnte mir so einen Text beispielsweise im Unterricht vorstellen. Oder auch ganz allgemein als Herausforderung für Schreibende. Sozusagen nach dem Motto „den Bot ausbooten.“ D.h. was man im Bot-Text als Schwachstellen wahrnimmt, würde man durch Umarbeiten und Erweitern ausgleichen. Auf der anderen Seite könnte man aber gewiss auch von seinen Stärken lernen. Und die Auseinandersetzung mit „boterarischen“ Werken kann ja durchaus auch den Blick für die eigenen Automatismen beim Schreiben schärfen…
    Mit einem herzlichen Abendgruß 🐻

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  10. Myriade schreibt:

    Bei diesem Text sehe ich eine kichernde KI, die sich über uns Menschen lustig macht. Was gefällt euch? ah ja, Tiere und Kinder und wo soll das ganze spielen, im Wald. Und dann ein bissl ET eingestreut und schon haben wir einen Text, der von sämtlichen Klischees nur so strotzt, aber immerhin ist er sprachlich korrekt. Diesen Text finde ich schlecht, aber ja, die KIs lernen schnell und weil ein Text schlecht ist, muss er ja nicht von einer KI sein.
    Die Idee eine ABC-Etüde von einer KI schreiben zu lassen und sie dann zu verändern, finde ich wirklich herausfordernd. Was mich ganz besonders interessieren würde, wäre ein KI-Gedicht. Soviel ich weiß, wurde diese KI, die man gratis nutzen kann, auch umfassend mit Literatur gefüttert.
    Die ultimative Frage, nachdem man sich informiert und über vieles nachgedacht hat, ist dann wohl, was denn in letzter Konsequenz einen Menschen von einer KI unterscheidet. Noch ist das recht viel, aber es wird ja heftig daran gearbeitet, die KIs so menschenähnlich wie möglich zu machen…

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  11. Myriade schreibt:

    Ah und vielen Dank an Hrn Kazakos junior !

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  12. Liebe Gerda, ein gutes Thema! Ich finde es wirft die Frage vom Menschsein an sich auf.. wie unterscheide ich mich als Mensch von einem Textgenerator? Welchen Sinn hat der Kunstprozess für den einzelnen, wie läuft er überhaupt ab? Was wird dabei getätigt, was die Maschine nicht leisten kann? Wieviel automation ist eigentlich in meinem tun und wann ist sie nicht?
    Wenn man das genau beleuchtet, schwindet das gruseln nach und nach.
    Da ich seit zwei Jahren ein Stück schreibe, das Mensch und Maschine thematisiert und entwirrt, bin ich bei Recherchen auf Ai-Da Robot gestoßen. Anfangs habe ich mich sehr gegruselt….😂
    Aber diese Fragen muss man sich stellen und gut beobachten, denke ich.
    Liebe Grüße!

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, ich finde es auch ein großes und wichtiges Thema und freue mich, dass du darüber ein Stück schreibst. Ich wünsche dir, dass du damit beizeiten fertig wirst, bevor dich und uns alle die Entwicklungen überrollen.

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  13. Nett war die Geschichte, die die KI mit den drei vorgegebenen Worten schrieb.
    Nicht mehr und nicht weniger. Allem in allem ein bisschen uninteressant. Also flach.

    Ich hoffe sehr, daß die KI in den Kinderschuhen stecken bleibt. Wir Menschen haben Gehirne, die etwas tun wollen, wozu sollten sie denn die KI bemühen?
    Sie könnte eine Hilfe sein, aber bitte nur Hilfe, sonst nichts.

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  14. Was diese „Fähigkeit“ der künstlichen Intelligenz betrifft, so bin ich weniger beunruhigt. Es erinnert mich an „Eliza“, das erste Programm (ein riesiger Karton mit Lochkarten), das von Joseph Weizenbaum geschrieben wurde, von dem bald auch nicht mehr gesprochen wurde. Es gibt schlimmere Bedrohungen durch die KI.

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