abc-etüde: Der Deserteur – zweite automatisch erstellte Erzählung

abc.etüden 2023 02+03 | 365tageasatzaday

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Fasziniert und geschockt zugleich, habe ich meinen Sohn gebeten, noch ein bisschen mit dem Bot zu reden, der automatisch Texte erstellt. Es ist ein funkelnagelneues Programm, noch in der Erprobung.

Veronika fragte im Kommentar zur ersten Geschichte: Wird bei einer zweiten Anfrage eine andere Geschichte erzählt? Antwort: Ja.

Bei der zweiten wortwörtlich gleichen Abfrage ging es nicht um ein merkwürdiges Tier, das  den Namen Fluchtsieger trägt, sondern um einen Rennfahrer, der nach eifrigem Training in den Genuss des Sieges kommt. Langweilig. So bat ich um eine dritte Geschichte, diesmal unter einem von mir gewählten Titel: „Der Deserteur“.

Die automatisch generierte Geschichte lautet diesmal:

Es war einmal ein junger Mann namens Alex, der sich als Fluchtsieger aus dem Kriegsdienst gedrückt hatte. Er fühlte sich schuldig und wusste nicht, wie er mit seiner Schande leben sollte. Eines Tages traf er auf eine Gruppe von obdachlosen Veteranen, die ihm halfen, seine Schuldgefühle zu überwinden und ihm zeigten, wie er sich nützlich machen konnte, indem er sie fütterte.

Jeden Tag ging Alex in die Stadt, um Lebensmittel für die Veteranen zu besorgen und sie zu verteilen. Er lernte sie kennen und schätzen und fühlte sich endlich wieder wertvoll. Die Veteranen dankten ihm für seine Hilfe und nannten ihn ihren „Fluchtsieger“, denn er hatte es geschafft, sich selbst zu überwinden und anderen zu helfen.

Alex fühlte sich wunderbar, denn er hatte endlich einen Sinn in seinem Leben gefunden.

Als ich die Geschichte las, dachte ich: Die hat aber eine merkwürdige Moral. Der Deserteuer hat das Problem des schlechten Gewissens, aber sonst geht es ihm ausgezeichnet. Die Veteranen hingegen sind in einem elenden Zustand und brauchen den Deserteur, um sie durch wohltätige Nahrungsmittelgaben am Leben zu erhalten.

Die irre Moral eines Bots (der übrigens amerikanisch ist, aber das Deutsche ausgezeichnet beherrscht), oder doch eine ganz realistische Geschichte?

Ich werde nun selbst eine Geschichte „Der Deserteur“ zu schreiben versuchen.

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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13 Antworten zu abc-etüde: Der Deserteur – zweite automatisch erstellte Erzählung

  1. Christiane schreibt:

    Ich werde diese Geschichte nicht inhaltlich kommentieren, denn ich finde sie immer noch flach und wenig aussagekräftig. Meiner Meinung nach belegt sie, dass der Bot kein Deutsch kann, er hat keine Ahnung von Doppeldeutigkeiten und Hintergründigkeiten der verwendeten Begriffe, die Geschichte ist ungefähr so spannend wie ein Waschlappen und ich glaube, er versteht den Sinn nicht.
    Ich wüsste gerne, ob die Begriffe vielleicht ins Englische übertragen werden, eine englischsprachige Geschichte generiert und dann wieder übersetzt wird 🤔 – denn gute maschinelle Englisch-Deutsch-Übersetzungen gibt es unterdessen. Hm.
    Trotzdem, ein interessantes Experiment.
    Dunkelgrüße 💻🍵🍪👍

    Gefällt 3 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Ja, Christiane, es ist wohl so, wie du sagst. Man kann wohl in so ziemlich jeder Weltsprache mit der Chatbox reden. Flach sind die Geschichten, spannend wie Waschlappen. So sehe ich das auch, und ich bin in gewisser Weise froh über diese Wahrnehmung, denn sie verweist mich auf die Tiefen der Sprache. Dennoch bleibt die Beunruhigung: wird sich diese platte Art des Erzählens, die ja sowieso schon sehr verbreitet ist, auf breiter Front durchsetzen? Newspeech heißt es bei 1984, ein Buch, das grad mal wieder auf dem Tisch liegt. Dort (oder in Huxleys Schöne Neue Welt) gibt es auch eine Maschine, in der aus einer großen Zahl von Versatzstücken Schlagertexte samt Musik produziert werden. Jürgens Kommi (ZDF-Sendung) verweist auf das Ausmaß, in dem wir bereits mit KI verbunden sind (zB Erkennen der Seelenverfassung eines Kunden) . Und wir wissen es nicht.
      Ich denke, dass wir unsere Sensibilität steigern müssen, um in der Flut der flachen Sprache stand zu halten.

      Gefällt 4 Personen

      • Christiane schreibt:

        Jürgens Link ist prima. Bei den generierten Texten fällt mir auf, dass durchweg Sachtexte aufgeführt werden – siehe das Photosynthese-Beispiel. Auch die automatische Erstellung von Nachrichten/Artikeln lasse ich mir noch gefallen – warum nicht? Nicht genannt werden belletristische Texte, möge es noch lange so bleiben.
        Wichtig ist der Hinweis auf die verwendeten Datenbanken, deren Kontrolle und Aktualisierung wird in den nächsten Jahren zu einem Megathema werden, denn wir werden bald nicht mehr wissen, ob die Texte, die wir lesen, von Menschen oder Bots stammen. 🤔

        Gefällt 2 Personen

  2. Werner Kastens schreibt:

    Zu Christianes Kommentar: habe mit ChatGPT3 ein Gedicht in „Auftrag“ gegeben mit dem Hinweis auf die drei vorgegebenen Etüdenwörter und dem „Untertitel“ Regenwald. Das ist das Ergebnis:

    – Ein Gedicht

    Der Regenwald, der ist so wunderbar,
    dort gibt es Fluchtsieger zu füttern.
    Es ist ein Ort, an dem man gerne ist,
    denn aufregend sind die Abenteuer hier.

    So viele Tiere leben hier in wilder Pracht
    von Löwe bis Elefant ist alles dabei.
    Doch den Fluchtsiegern legen sich alle zu Füßen,
    um ihnen beim Überleben zu helfen.

    Sie füttern die Kleinen mit einem Lächeln im Gesicht,
    denn sie wissen, dass jeder hier seinen Platz hat.
    Sie bringen die Fluchtsieger von Tag zu Tag weiter,
    auf dass sie niemals mehr flüchten müssen.
    Und sie betrachten die Welt mit einer neuen Sicht
    und erkennen, wie wunderbar der Regenwald ist.

    Gefällt 1 Person

  3. blaupause7 schreibt:

    deutsch kann so ein bot wahrscheinlich nicht, aber wörter zusammensetzen – ich ärgere mich jedes mal, wenn irgendeine dämliche google-werbung mir ernsthaft verklickern will, dass man mit dem neuen phone fremdsprachen lernen kann.

    von mehrdeutigkeiten, die wörter z.b. im englischen haben, wird der bot genauso wenig ahnung haben wie von anderen feinheiten der betreffenden sprache. mindestens genauso nervig sind für mich von einem bot gesprochene wortbeiträge auf youtube. das ist nicht mehr als ein monotones runtergeleiere, und genau so lesen sich auch diese rechnergenerierten texte.

    bitte verzeih, dass ich in diesem punkt sehr emotional reagiere, da für mich das schreiben so viel mehr ist als nur das spielen mit worten und sätzen.

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    • gkazakou schreibt:

      Ist sehr verständlich, dass du emotional reagierst. Ich habe die Texte ja nicht reingesetzt, weil ich sie mag, sondern um auf ein Thema aufmerksam zu machen. Für andere Zwecke würde ich niemals einen solchen Bot benutzen. Auch Übersetzungen mache ich ohne Übersetzerdienste, außer es handelt sich um amtliche Schreiben, da saind sie manchmal hilfreich. .

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