Welttheater, 3. Akt, 14. Szene: Dea ex machina*

Was zuletzt geschah: Die durch den Einbruch entstandene Situation entspannt sich: Danai und Clara bringen Kräuter und Beeren für einen Salat, Jenny und Wilhelm haben weggeworfene Konserven gefunden, Domna lädt erneut zur Tafel. Da betritt die Göttin Hera die Szene.

(*Im antiken Theater war der „Deus ex machina„ein Gott, der per Maschine  von Oben auf die Bühne herabgesenkt wurde. Ihn brauchte man, wenn die Menschen ihre tragischen Verwicklungen nicht selbst lösen konnten.).

Hera

Ich sehe, ihr Lieben, ihr habt den Satz schon verstanden:

Nur wer sich selber behilft, dem hilft auch der Gott.

Denn wahrlich, so ist es. Fast immer sind Mittel vorhanden,

die sieht kaum ein Mensch, der befangen im täglichen Trott.

 

Erst wenn er geplagt durch unerwünschte Verluste

vertrieben vielleicht vom Haus, dem Hof und dem Feld

und nun nicht mehr brauchen kann das, was er wusste

und ihm auch das Tauschmittel  fehlt, ich meine das Geld:

 

Dann erst wird er findig und denkt und erlernt neue Sachen

dann liest er die Spuren der Tiere, dann schaut er genau,

dann studiert er geduldig die Menschen und auch fremde Sprachen

dann sagt auch die Frau nicht: ‚ich bin ja nur eine Frau…

 

wie soll ich mich denn ohne Mann am Leben erhalten?

Ich brauche den tüchtigen Mann, der sorgt für mich und die Speisen‘.

Die Not, sie ändert die Regeln, die gestern noch galten.

Not macht erfinderisch, sagen die Alten und Weisen.

 

So deckt denn den Tisch geschwind mit dem, was ihr brachtet.

Ich gehe derweil und schaffe herbei auch das Meine.

Das Eure ist wert und in keinem Falle verachtet.

Doch auch ein Gott will geben und spenden das Seine.

 

Hera geht ab. Alle bewegen sich, um einen Beitrag zum Frühstück zu leisten.

Jenny:

Hier ist eine Dose mit Würstchen, sehr lecker

Wilhelm:

und hier eine Dose mit Brot, fast so wie vom Bäcker

Jenny:

Ich hab noch ne Schachtel mit Kuchen gefunden

Wilhelm

Ich fand ein paar Biere, im Wald beim Erkunden.

Danai:

Lieb Clara, zeig her, welche Beeren du hast?

Die schwarzen sind prima, der Salat dazu passt!

Clara (zu Trud)

Ich habe auch gelbe Würzelchen hier

die kannst du haben, die schenke ich dir.

Trud

Wie heißt denn die Wurzel, und ist sie bekömmlich?

Clara:

Ich glaub, die ist gut, wie sie heißt weiß ich nich.

Frag lieber Danai, die kennt alle Sachen

ob sie gut sind oder Bauchschmerzen machen.

Jenny:

Ich fand diesen Käse und  hoffe doch sehr

dass er nicht zu alt ist, sonst schmeckt er nicht mehr!

 

Domna

Soll der Käse etwas taugen,
hab er nicht 10 000 Augen
wie einst Argus. Auch nicht klein,
breit und dick, so soll er sein!
Kein Methusalem an Jahren
werd er durch zu langes Sparen;
nein, der Büßrin reich an Thränen
soll er gleichen, Magdalenen.
Habakuk einst kochte Brei,
breiig nicht der Käse sei!
Was man liest von Lazarus,
gelte auch vom caseus:
Dort hört man’s im Klageton,
hier als Ruhm: »er stinket schon«.*

(*Martin Luther, 1483 – 1546)

Hera erscheint wieder, mit ihr herein kommen zwei Schwarzafrikaner, die einen Korb mit Obst schleppen.

Hera:

Ich könnte euch, als die Gottheit, die ich bin

mit Nektar laben, und herrlichem Gebäck

Doch frag ich euch, wo wäre der Gewinn?

Was hätte solche Wohltat denn als Zweck?

 

Ihr würdet statt zu handeln nur noch beten

und würdet Gott verfluchen, wenn die Speise fehlt.

Ich zeigte euch das Hacken, Säen, Jäten

Damit euch niemals mehr der Hunger quält.

 

Doch ihr vergaßt die alte Kunst und dachtet

dass es viel leichter sei, die Erde zu berauben,

die Menschen auch, die ihr zu Sklaven machtet!

Der Gott, so dachtet ihr, der würd es euch erlauben,

 

wenn ihr nur kräftig für ihn opfern tätet,

von dem, was ihr geraubt, nen Anteil gebt,

von dem Getreide, das ihr selbst nicht sätet

und von dem Gold, für das ihr lebt und strebt.

 

Ich weiß, dass mancher hier im Raume

selbst Opfer ist und an den Rand gespült.

Doch folgt auch er dem wundersamen Traume

wie man als reicher Mensch sich fühlt.

 

Auch er, verhärtet gegen Mensch und Tier,

denkt nur, wie er den eignen Bauch befriedet

wie er bei Pommes, Wurst und Bier

den großen Coup und Pläne schmiedet

 

um dereinst selbst, frei von Moral,

zu prassen als Adept von Baal.

An die beiden Schwarzen gewendet:

O ja, euch mein ich auch, so gut wie alle andern

Ihr risst euch von der Heimaterde los

ihr wart entschlossen, weit zu wandern

ihr setztet euch in Ängsten auf ein Floß…

 

Warum? Weil ihr euch selbst belogen,

dass Reichtum euch und Luxus winkt.

Ihr habt die Lügen aufgesogen,

die mancher Werber euch da singt.

 

Die Mütter ließet ihr zu Haus

sie mögen darben, mögen schrein.

Ihr träumtet süß von Saus und Braus.

Erwacht, seid ihr nun ganz allein

 

im Wald, verängstigt und erbärmlich

verstecktet euch, und raubtet Brot

von Menschen, die doch selber ärmlich

und heimgesucht von eigner Not.

 

So setzt nun meinen Korb hier nieder

und hockt euch zu den andern hin.

und raubt und stehlt mir ja nicht wieder!

Sonst, ja, zerbrech ich euch die Glieder

So wahr ich eine Göttin bin!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Wetter-Kuriosität

Heute kann ich zum klassischen Thema „Wetter“ eine Kuriosität beitragen. Wir saßen bis zum Mittag in einer Regenwolke, aus der es ununterbrochen pladderteund gelegentlich donnerte. Dann begann es aufzuklaren, und jetzt knallt die Sonne vom fast wolkenlosen Himmel. +12 Grad zeigt sagt das Thermometer an.

Beim Gang durch den Garten fällt meinem Mann etwas Weißes auf, er ruft mich hinzu. Zuerst denke ich, es sei Seifenschaum. Doch woher sollte der kommen?

Beim zweiten Blick sehe ich: das Zeug ist härter als Schaum und körnig. Ich würde es „Schnee“ nennen.

Vielleicht auch zu Schnee zusammengeschmolzene Hagelkörner? Sehr merkwürdig, denn hier schneit es …. nie. Ich schaue mich dann noch weiter um, aber es bleibt bei diesem einen kleinen Fleck. So als habe Frau Holle in unserem Garten einen Sack ausgeschüttet, einfach so, um mir das Phänomen „Schnee“ ins Gedächtnis zu rufen.

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Haus und Pinie

Unser Steinhaus wird von einer großen Pinie überragt. Dieses Ensemble – Haus und Pinie – bildet für mich eine herzerfreuende Einheit.

Als das Haus vor zwei Jahrzehnten gebaut wurde, habe ich die Pinie daneben gepflanzt.   Es war ein kleines Bäumchen, und ich pflanzte es, um meinem Mann, der durch seine Kindheitserinnerungen mit einer pinienreichen Gegend verbunden war, seine Verpflanzung in die olivenreiche Mani zu erleichtern.

Was ich nicht bedacht hatte, war das gewaltige Wachstum der Pinie, die offenbar eine Wasserader entdeckte. Wir begannen, uns Sorgen zu machen. Würde sie das Haus aushebeln? Würde sie das Haus in Brand stecken? Würden ihre schweren Äste das Dach eindrücken? Hin und her wälzten wir das Thema, ließen auch einige dicke Äste, die zu nahe am Kamin wuchsen, absägen. Den dicken Stamm aber umarmte ich und versprach: Ich werde dich verteidigen. Du wirst nicht abgehauen, solange ich hier was zu sagen habe. Die Unmengen Nadeln sammle ich in großen Säcken, sie sind gut als Anmachmaterial für den Kamin zu brauchen. Nur tu mir den Gefallen: lass das Haus in Ruh. Wenn es Risse bekommt, kann ich dich nicht retten. Dann ist es um dich geschehen.

Nun sieht es so aus, als würden Haus und Pinie sich geeinigt haben, in friedlicher Umarmung und in gegenseitigem Respekt Seite an Seite zu existieren. Möge es so bleiben!

Haus, Pinie, weißer Rosenbusch. 24.1.2023

 

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Welttheater,, 3. Akt, 14. Szene: Symposion fortgesetzt 2 (Blinde und Sehende)

Was zuletzt geschah:

Wilhelm ging mit Jenny raus, nach Resten der Vorräte und vielleicht auch nach den Dieben zu suchen, Danai ging mit Clara Richtung Wald, um Beeren und Kräuter zu sammeln, Domna beklagt die Zeiten, die nur noch dem Mammon dienen, Trud hinterfragt Domnas Ansicht, dass es früher besser war.


Danai und Clara kehren zurück:

Clara (jubelnd)

Wir haben viel rote Beeren gefunden

die hingen an einem dunklen Strauch

es gibt die schlimmen und die gesunden

die schlimmen machen dich krank im Bauch!

 

Und grüne Kräuter hab ich gepflückt

bei manchen mit Blüten dran

mit Pilzen ist es uns nicht so geglückt

die kommen erst später an.

 

Jetzt machen wir aus dem Ganzen Salat

ich hol schon die Schüssel herbei

frisch müssen wirs essen, was andres wär schad

denn die Kräuter  werden zu Brei.

Domna (lächelnd)

Ihr kommt  zum richtigen Zeitpunkt zurück

wir führten grad trübe Reden

Die Tätigkeit ists, die uns bringet das Glück

beim Sprechen entstehen nur Fehden.

 

Komm her, kleine Clara, und zeige mir Blinden

was ihr gesammelt und mitgebracht habt.

Ich selbst kann ja leider die Kräutlein nicht finden

und auch nicht die Wurzeln, die ihr flink ausgrabt.

 

Ich kann sie nur schmecken und riechen und schaun

mit meinem herzinneren Blick

doch sag mir, dies Blatt, ist es grün oder braun,

sei ehrlich und mach keinen Trick!

 

Zu täuschen die Blinden, das wäre nicht fair

sie können sich ja gar nicht wehren

Ich glaube dir, Clara, vertraue dir sehr

du wirst mich sehend belehren.

Clara:

Ich sage dir, Domna, dies Blättlein ist glatt

und dies hier ist krausig, mit bläulichem Schein

und diese Beere ist dunkelblau matt

und die da ist rötlich so ähnlich wie Wein.

Domna:

Ich dank dir, du Liebe, jetzt kann ich sie sehn.

ich sehe das Krause, und seh auch das glatt.

Wie herrlich es ist, wenn Menschen verstehn

was ein Blinder so braucht und ohn Hilfe nicht hat.

Wilhelm und Jenny kommen herein.

Jenny

Wir haben paar Dosen gefunden

die lagen im Grase herum

Man muss nur die Gegend erkunden

die Diebe sind ehrlich saudumm.

Wilhelm

Im Keller warn auch ein paar Sachen

die hab ich vorhin übersehn

wir können ein Frühstück jetzt machen

danach könnt ihr dann wieder gehn.

Domna

So lassen wir am Tisch uns nieder

und setz auch du dich, liebes Kind.

Wie schön, dass wir in Frieden wieder

auch heute hier zusammen sind.

 

In unsrer Runde sei willkommen

auch Wilhelm, der in seinen Raum

uns einlud, wie es ziemt dem Frommen,

auch wenn den Gast er kennt noch kaum.

 

Die Götter habens so befohlen:

dem Fremdling öffne deine Tür

dass er sich von der Fahrt erholen

und essen kann, er dankt dafür.

 

Es freut der Hausherr sich der Gäste

denn statt zu essen ganz allein

wird ihm das Mahl nunmehr zum Feste

mit Reden und mit gutem Wein.

Als Domna ihre Rede beendet hat (es ist dieselbe, die sie schon zuvor gehalten hatte), betritt Hera den Raum.

(wird fortgesetzt)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Wilhem und Jenny kehren zurück

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Welttheater, 3. Akt, 13. Szene Symposion (fortgesetzt)

Was zuletzt geschah: Wilhelm verkündet, dass seine Vorräte geraubt wurden. Jenny hat sofort einen Verdacht und ruft zur Verfolgung der vermuteten Täter auf:

Das müssen die Typen gewesen sein

die sich im Walde verstecken

Ich sah sie vorhin, du ließt mich allein,

die Zähne blitzen und blecken.

Schwarz war ihr Gaunergesicht

Angst hatte ich trotzdem nicht.

Komm, wir gehen sie jagen.

damit sies nicht wiederum wagen.

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Trud:

Warens diese? oder jene?

Kamen sie spontan?

Hatten sie gar Einbruchspläne?

Hatten Masken an?

Warum wollten sie das Essen?

War es Hunger, der sie zwang?

Ist nun alles aufgegessen

oder gerieten sie in Zank

um die besten Fleischkonserven

um die Flaschen mit dem Bier?

Verloren sie vielleicht die Nerven

und die Konserven liegen hier?

Wilhelm:

Wer weiß, vielleicht hat Trude recht

und manches ist noch aufzufinden…

Am Ende wäre es nicht schlecht

wir schaun, dass nicht auch die verschwinden.

Ich geh ums Haus, wer kann, kommt mit.

Du Jenny, denke ich, bist fit.

(Wilhelm und Jenny gehen ab)

Danai:

Warum sollen wir untätig warten?

Kommt, wir gehen raus in den Garten

oder auch weiter in den Wald

Da gibt es Nahrung in großer Vielfalt

Wir sammeln dort Kräuter und manche Frucht

ich lernte sie kennen seit meiner Flucht.

Ich weiß auch viel über Beeren.

Das will ich sehr gerne euch lehren.

Willst du mir helfen, Clara, mein Kind?

Ich zeige dir auch, wo die süßesten sind.

(Danai und Clara gehen ab)

Domna

Nun blieben nur wir zwei zurück,

die Blinde und die Fragende.

Danai sucht in dem Wald ihr Glück

und Jenny als die Jagende.

 

Ein jeder tut und sucht und jagt

um Nahrung zu erhaschen

dieser ist ängstlich, jener wagt

und füllt sich seine Taschen.

 

Der eine kauft sich, was er will

weil er ein reicher Erbe

der andre schafft und müht sich still,

dass er nicht Hungers sterbe.

 

Der eine hortet der Sorge voll,

dass jemand ihn beraube

der andre räubert, ach wie toll!

denn ihm fehlt jeder Glaube.

 

Ich aber, blinde Dichterin

womit kann ich wohl dienen?

Ich bin ja keine Richterin

auf dass ich sagte ihnen:

 

Wie du es tust, so ist es recht

und jene Handlung, die ist schlecht.

Ich kann ja nur vermelden,

wie es so geht in dieser Welt,

die sich schon lang auf Nichts gestellt,

die blind dem Mammon folgt, dem Geld,

und seinen größten Helden.

 

Ich wollt, ich könnt ein andres Lied

anstimmen, wie die Alten

als man die Unmoral noch mied

und Gott und Recht was galten.

Trud

Ach, liebe Domna, was macht dich so gewiss,

dass frühere Zeiten bessere waren?

Geht nicht durch die Menschheit schon immer ein Riss

Hoch oben die Götter und unten die Scharen

der Armen, gejagt und geplagt und geschunden?

So sehr ich auch frage und suche:

die goldenen Zeiten hab ich nicht gefunden.

Wo stehn sie, in welch altem Buche?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Welttheater: Zweite Zwischenbilanz (12.-23. Januar 2023)

Die erste Zwischenbilanz  schrieb ich am 12. Januar. Dort findest du auch ein Personenverzeichnis und eine Revue, „wie alles begann“: Die „blinde Poetin“ (Domna) wurde Ende 2022 zur wichtigsten Repräsentantin des Jahres 2023 gewählt. Sie ist also der spiritus rector dieses „Welttheaters“. Dora (Repräsentantin des Vorjahres) darf, unsichtbar, als Assistentin helfen. Mithilfe von Eichendorffs „Wünschelrute“ (Zauberwort) findet Domna das Leitmotiv des Stücks, das aufgeführt wird: „Geben“ oder richtiger „Geben und Nehmen im Ausgleich“. Es ist das große Gesetz der Natur, auf dessen Einhaltung die Göttin Nemesis achtet (https://gerdakazakou.com/2020/03/27/viii-gerechtigkeit-nemesis-und-thetis-legebild-collagen/). Inwieweit es auch zum Gesetz der Menschen werden kann, wird sich wohl erst noch zeigen müssen.

Wir verließen die Gruppe, als Jenny „theKid“ (eine verwahrloste Jugendliche) dem Kind „Clara“ Doras Geschenkebox wegnimmt, um dafür beim „Überlebenskünstler“ Wilhelm Essbares einzutauschen.  Jenny überredet Wilhelm, die ganze Gruppe zum Frühstück in sein „Lager“ einzuladen. Der Weg geht durch eine finstere Schlucht, wo die Fragende „Trud“ sich verliert. Alle außer Clara sind bereit, sie zurückzulassen. Clara opfert ihre magische Geschenkebox, damit Trud sich zurechtfindet. Das macht Jenny wütend, die sich in ihrer Ehre gekränkt fühlt. Wie kann Clara freiwillig für Trud hergeben, was sie zuvor Jenny verweigerte und sie sogar eine Diebin nannte?

Nach der Schlucht kommt der Spinnwebwald. Doch bevor wir ihn betreten, wendet sich das Geschehen der Bucht zu, in der unsere Gesellschaft in den früheren Episoden ihren Erzähltisch aufgeschlagen hatte. Kaum haben sie die Bucht wegen des drohenden Unwetters verlassen, erscheint „Tschinn“ der Macher mit seinem Biest „Kairos“, der günstigen Gelegenheit. Er eignet sich die Bucht an und entwirft drei Investitionspläne zur profitablen Nutzung des Strandes: Hafen, Flüchtlingsheim, Luxushotelanlage. Danais Grundthema „Geben und Nehmen im Ausgleich“ wird dadurch weiter variiert. 

Im Wald nehmen die Personen in unterschiedlicher Weise mit der Natur Kontakt auf: Clara im magischen Spiel mit den Spirits, Domna angesichts einer Blume über die Harmonie der Dinge nachsinnend, Trud im Zweifel über die Tauglichkeit ihrer Sinne sinnlos Spuren lesend. Der Spirit Lu prophezeit Trud ein Verpuppungsstadium: ein Verwandlung Truds scheint möglich.

Jenny, allein geblieben, wird kurz von Angst vor dunklen Gestalten und der Natur heimgesucht, was „Schurigel“, den Angstmacher, auf den Plan ruft. Doch Jenny wehrt Angst und Angstmacher entschlossen ab. Denn die Herrschaft der Angst wäre das Ende ihrer Freiheit.

Endlich betritt die Gesellschaft Wilhelms „Lager“, das einem riesigen unterirdischen Bunker gleicht. Jenny, hungrig,  ist weiterhin nur am Essen interessiert, die anderen fühlen sich durch Wilhelms Überlebenskonzept bedrückt und problematisieren es: Das Kind Clara fühlt die bedrohliche Enge,  Danai wägt ab zwischen dem Verlust von Besitz und dem von geliebten Menschen (sie kennt beides),  Trud bezweifelt Möglichkeit und Sinn des Konservierens von Leben für die Zukunft und Domna spürt der Angst nach, die Menschen dazu bringt, sich so rigoros auf einen möglichen Notfall vorzubereiten. 

Doch man sieht auch den Vorteil von Wilhelms Vorratshaltung, denn man ist hungrig. Danai und Clara gestalten eine Ecke des Raums gemütlicher, Domna rühmt die Gastfreundschaft, man freut sich auf ein gemeinsames Mahl mit guter Unterhaltung (Symposion). 

In diese stille Vorfreude hinein platzt Wilhelm mit einer schlechten Botschaft: im Lager wurde eingebrochen, Nahrungsmittel und Küchengeräte fehlen. Jenny verdächtigt sogleich die „dunklen Gesichter“ im Wald. Was nun? Was tun?

 

 

 

 

 

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Welttheater 3. Akt, 12. Szene: Symposion

Was zuletzt geschah: Die Gesellschaft ist in Wilhelms Lager-Bunker gelandet.  Jenny reagiert als einzige unbefangen. Die anderen fühlen, dass Wilhelms Prepper-Verhalten einer tiefsitzenden Angst geschuldet ist. Er hat kein Vertrauen ins Geben-Nehmen und muss daher sammeln, sich einigeln und ums Überleben kämpfen.

Danai ergreift die Initiative, den Raum gemütlicher zu machen.


Danai (zu Clara)

Komm wir räumen hier mal um

Wirst schon sehen wie warum.

Schau, hier ist ne schöne Ecke

in die legen wir ne Decke

und darauf ein feines Tuch

wie es ziemet bei Besuch.

 

Rundherum ist Platz für Kissen,

macht nichts, wenn sie leicht verschlissen,

wichtig ist, dass sie bequem

und zum Sitzen angenehm.

So sieht es gemütlich aus

fast schon wie bei mir zu Haus.

 

Jenny, Trud und Domna kommen herein

Trud

Darf ich mich hier zu euch setzen

und an einem Mahl ergetzen?

Denn das Fragen macht nicht satt

macht mich müde nur und matt,

macht mir Löcher in den Magen.

Doch ich will mich nicht beklagen.

Domna

 Ihr lieben Frauen setzt euch nieder

und setz auch du dich, liebes Kind.

Wie schön, dass wir auch heute wieder

so friedlich hier zusammen sind.

 

In unsrer Runde sei willkommen

auch Wilhelm, der in seinen Raum

uns einlud, wie es ziemt dem Frommen,

auch wenn den Gast er kennt noch kaum.

 

Die Götter habens so befohlen:

dem Fremdling öffne deine Tür

dass er sich von der Fahrt erholen

und essen kann, er dankt dafür.

 

Es freut der Hausherr sich der Gäste

denn statt zu essen ganz allein

wird ihm das Mahl nunmehr zum Feste

mit Reden und mit gutem Wein.

Jenny:

Schick siehts aus, wie Tischlein-deck-dich

Ach, mein Magen knurrt schon schrecklich.

Zu essen kann ich nichts erblicken

Kann mal wer nach Wilhelm schicken?

Dass er bringt, was er versprochen.

Hab schon Omelett gerochen.

 

Da bist du ja, die Hände leer.

Bringst du denn nichts zu essen her?

Wilhelm (traurig, wütend)

Die Dosen sind weg!

Kein Wurst und kein Speck,

All meine Vorräte

all meine Geräte

gestohlen und geraubt

Wer hat sich das erlaubt?!

(Betretenes Schweigen)

Jenny

Das müssen die Typen gewesen sein

die sich im Walde verstecken

Ich sah sie vorhin, du ließt mich allein,

die Zähne blitzen und blecken.

Schwarz war ihr Gaunergesicht

Angst hatte ich trotzdem nicht.

Komm, wir gehen sie jagen.

damit sies nicht wiederum wagen.

(wird fortgesetzt)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Welttheater, 3. Akt, 12. Szene: Wilhelms Lager

Was zuletzt geschah:  Jenny, allein im Wald, wird von Angst befallen, die ihr Gefahren vorspiegelt und sie für die Freunde blind macht. Schurigel, der Angstmacher, steht sofort bereit, um ihre Angst zu steigern und sie an die Kandarre zu nehmen. Jenny schickt Schurigel weg. Da werden dann auch die Freunde wieder sichtbar.

Wilhelm führt Jenny in sein Lager, die anderen folgen zögernd nach.

Wilhelm (Überlebenskünstler, Prepper):

Ihr seht, ich bin gut vorbereitet

und wenn so mancher auch bestreitet

dass Unheil kommt und Hungersnot

Ich kenne der Vernunft Gebot.

In diesem Lager hab ich alles

was Mensch zum Überleben braucht

so dass im Falle eines Falles

wenn rings die Welt schon brennt und raucht

wenn andere darben und erfrieren

und Strahlung tötet Frau und Mann

 sitz ich gemütlich hier beim Biere

mir auch ein Butterbrötchen schmiere

und mich der Tod nicht holen kann.

Jenny (Jugendliche)

Ah. Butterbrötchen? Wo sind die?

die ess ich für mein Leben gern!

Dazu ein Stück vom Käse Brie,

das Bier das lasse ich dem Herrn.

Ne Limo wäre mir ganz recht.

Ein Omelett wär auch nicht schlecht

Egal, ich esse, was du hast

verhungert bin ich nämlich fast.

Clara (Kind)

Hier drinnen ist es duster

da wohnt ein böser Schuster

der macht den Leut zu kleine Schuh

Und quält sie sehr und lacht dazu.

Danai, ich mag hier drin nicht sein!

Will raus, in Luft und Sonnenschein!

Danai (Flüchtlingin):

Wir armen Leut, wir können oft nicht wählen

wo wir gern sind und was uns gut gefällt

Doch können wir bewahren unsre Seelen

vor den Verhärtungen der Welt.

 

Auch wenn wir flohn und nicht mehr haben

was wir im Leben angeschafft

bleibt die Natur mit ihren Gaben.

Sie gibt uns Glauben, gibt uns Kraft.

 

Was nützt΄s dem Menschen, der zusammenrafft

und lebt im Bunker, lebt vom Licht getrennt!

Und sitzt allein wie in der eignen Haft

wenn rings die Welt im Feuer brennt?

 

Ich ließ zurück, von wo ich kam

mein Heim, den Schrank, den Herd

doch das verursacht keinen Gram

ist von geringem Wert.

 

Dass ich verloren hab mein Kind

und Menschen, ja, das schmerzt

Die Dinge sind, was sie halt sind,

Verschenk sie ganz beherzt

 

und lebe frei und gib und nimm

von Menschen und Natur

Geht es dir wirklich einmal schlimm

hilft Geben-Nehmen nur.

Trud (Fragende)

Ein Bunker hier? mit tausend Sachen?

Was will der Mensch denn damit machen?

Will er das Leben konservieren?

für die Zukunft reservieren?

Das, so scheint mir, ist recht dumm. 

Zukunft ist jetzt, und Jetzt ist um.

 

Domna (blinde Dichterin)

Aus des Waldes Schattenspiel

sind wir nun hier eingekehrt

dumpfe Höhle, ach wieviel

Trübsinn mich hier gleich befiel,

Lust hat sich in Angst verkehrt.

 

Angst hat dies Gehäus durchwoben

hats durchtränkt mit kaltem Schweiß

Welche Hoffnung ist zerstoben?

Welche Furcht wird aufgehoben

und gepflegt mit großem Fleiß?

 

Ists die Angst, dass dieses Leben,

das begrenzt ist von Natur,

uns beraubt und will nicht geben

uns den Wein und auch die Reben,

sondern eins von beidem nur?

 

Du willst diese Erd auspressen

dass sie gibt, was du verlangst

Du willst essen, willst auch fressen

Willst das Geben glatt vergessen

Das Ergebnis ist: die Angst.

 

Angst, dass nichts mehr dich ernähret

wenn du alles aufgebraucht

Wielang denkst du, dass es währet

bis du alles aufgezehret?

Bis dein Leben ausgehaucht?

 

Du bist in den besten Jahren,

lieber Wilhelm, hör mich an!

Denke nicht an die Gefahren!

Dies ist die Zeit des Wunderbaren!

Vertraue, guter Mann!

 

Darf ich einen Rat dir geben?

Lass das Raffen, gib dir Ruh!

Lieb die Deinen, lieb das Leben

Lass dich in das All verweben!

Schaue hin aufs Du.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Hier hab ich alles, was ich für drei Jahre Überleben brauche. Dahinten siehst du den Eingang zu meinem persönlichen Atombunker, der ist voll ausgestattet mit Stromaggregaten, Batterien, Kerzen, Wasserfilteranlagen, die ganze Latte. Ich habe vorgesorgt und kann überleben, wenn alle anderen längst tot sind“

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Mit alten Olivenbäumen reden

In alten Olivenhainen herumzuspazieren kann bedeuten, mit vielen urigen Bäumen ins Gespräch zu kommen. Das tue ich gelegentlich mit großen Vergnügen. Zugegeben: Hauptsächlich rede ich, die Bäume sind zu alt und ehrwürdig, um mit meinem Geschwätz mitzuhalten. Aber manchmal kann ich doch den einen und anderen Spruch auffangen. Diese Alte brummelte heute morgen, als ich vorbeieilte: „Eile mit Weile“.

Nun, jedenfalls dem Sinn nach, denn sie sprach Griechisch: όποιος βιάζεται σκοντάφτει (opios viasete skondafti) – Wer eilt, stolpert.

Da hielt ich inne und bedachte ihre Rede. 

Du hast gut reden, seufzte ich, stehenbleibend. Du hast ein paar hundert Jahre auf dem Buckel und wirst wohl noch ein Weilchen da stehen, wenn ich nicht mehr bin.  Wieviel Zeit wird mir noch beschieden sein?

Wenn du dich beeilst, wird die Zeit nicht mehr, vernahm ich ihre grummelige Antwort. Ich weiß nicht. Ich kann doch, wenn ich mich beeile, viel mehr in eine Stunde stopfen, oder? Und meine Lebenszeit längen? Oder etwa nicht? 

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Welttheater, 3. Akt, 11. Szene: Wald 3 (Jenny und Wilhelm)

Was zuvor geschah: Die Gesellschaft hat sich in Grüppchen aufgelöst. Danai mit Clara und Lu, Domna mit der Blume, Trud mit ihren Fragen und Lu. Wie geht es Jenny und Wilhelm im Spinnwebwald?

Jenny:

Wo ist denn nun dein Lager? Ist es noch weit?

Ich sehe nur Bäume weit und breit.

Mein Magen knurrt, er möchte gern was haben

nen Omelett am liebsten, um sich dran zu laben.

Wilhelm:

Wir sind schon nah.

Gleich sind wir da,

Doch Eier hab ich leider nicht

Ich mach aus Pulver ein Gericht.

Du wirst schon sehn, es wird dir schmecken

du wirst dir alle Finger lecken.

Jenny:

Pulvereier? Ach herrje!

Das soll ich essen? Nee!

Ich mag Eier frisch vom Huhn

Kannst du da nicht etwas tun?

Wilhelm

Moment, ich schau mal, bleib du hier

ob ich ein Hühnchen finde dir.

 

Wilhelm entfernt sich. Jenny bleibt allein zurück.

Jenny:

Wo sind die andern Frauen hin?

Mir scheint, dass ich alleine bin.

Der Wald ist mir gar nicht geheuer

Ich fürcht, das wird ein Abenteuer

der unerfreulichen Natur.

Wo stecken denn die andern nur?

Wer flüstert da? Knackt dort ein Ast?

Der Boden quatscht, ist das Morast?

Im Baum versteckt seh ich Gesichter

von Strolchen, Räubern und Gelichter!

Schurigel der Angstmacher taucht hinter Jenny auf.

Ja fürchte dich, ja, hab nur Angst

spür wie du um dein Leben bangst

dann wirst du dieses Rumttreibleben

von ganz alleine schnell aufgeben.

In dir steckt auch ein guter Keim

Der wird gedeihn in einem Heim

wo man so Kids wie dich betreut

und fromme Sitten dir einbläut. 

 

Manch Mädchen wurde schon gefunden

an einen Baum im Wald gebunden

von üblen Männern schwer geschunden

ganz grässlich übersäht mit Wunden.

 

Du sei gewarnt, du kleines Luder

die einfach mitgeht mit nem Bruder

die sich an Männerhälse schmeißt

ob Wilhelm, ob er Ahmed heißt

ob hiesig oder ein Exot

für eine Suppe, ein Stück Brot.

So manche endete als Leiche

unter einer deutschen Eiche.

Jenny:

Halts Maul, du Blödmann,

halt die Luft mal an!

Ich komm schon klar, schon immer!

So spar dir dein Gewimmer!

Da hinten seh ich schon die andern,

die noch im Spinnwebwalde wandern.

Die ruf ich jetzt! Und du hau ab

und leg dich selber in ein Grab!

Der Wilhelm ist jetzt auch zurück

Mit mir, mein Lieber, hast kein Glück.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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