Welttheater, 3. Akt, 13. Szene Symposion (fortgesetzt)

Was zuletzt geschah: Wilhelm verkündet, dass seine Vorräte geraubt wurden. Jenny hat sofort einen Verdacht und ruft zur Verfolgung der vermuteten Täter auf:

Das müssen die Typen gewesen sein

die sich im Walde verstecken

Ich sah sie vorhin, du ließt mich allein,

die Zähne blitzen und blecken.

Schwarz war ihr Gaunergesicht

Angst hatte ich trotzdem nicht.

Komm, wir gehen sie jagen.

damit sies nicht wiederum wagen.

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Trud:

Warens diese? oder jene?

Kamen sie spontan?

Hatten sie gar Einbruchspläne?

Hatten Masken an?

Warum wollten sie das Essen?

War es Hunger, der sie zwang?

Ist nun alles aufgegessen

oder gerieten sie in Zank

um die besten Fleischkonserven

um die Flaschen mit dem Bier?

Verloren sie vielleicht die Nerven

und die Konserven liegen hier?

Wilhelm:

Wer weiß, vielleicht hat Trude recht

und manches ist noch aufzufinden…

Am Ende wäre es nicht schlecht

wir schaun, dass nicht auch die verschwinden.

Ich geh ums Haus, wer kann, kommt mit.

Du Jenny, denke ich, bist fit.

(Wilhelm und Jenny gehen ab)

Danai:

Warum sollen wir untätig warten?

Kommt, wir gehen raus in den Garten

oder auch weiter in den Wald

Da gibt es Nahrung in großer Vielfalt

Wir sammeln dort Kräuter und manche Frucht

ich lernte sie kennen seit meiner Flucht.

Ich weiß auch viel über Beeren.

Das will ich sehr gerne euch lehren.

Willst du mir helfen, Clara, mein Kind?

Ich zeige dir auch, wo die süßesten sind.

(Danai und Clara gehen ab)

Domna

Nun blieben nur wir zwei zurück,

die Blinde und die Fragende.

Danai sucht in dem Wald ihr Glück

und Jenny als die Jagende.

 

Ein jeder tut und sucht und jagt

um Nahrung zu erhaschen

dieser ist ängstlich, jener wagt

und füllt sich seine Taschen.

 

Der eine kauft sich, was er will

weil er ein reicher Erbe

der andre schafft und müht sich still,

dass er nicht Hungers sterbe.

 

Der eine hortet der Sorge voll,

dass jemand ihn beraube

der andre räubert, ach wie toll!

denn ihm fehlt jeder Glaube.

 

Ich aber, blinde Dichterin

womit kann ich wohl dienen?

Ich bin ja keine Richterin

auf dass ich sagte ihnen:

 

Wie du es tust, so ist es recht

und jene Handlung, die ist schlecht.

Ich kann ja nur vermelden,

wie es so geht in dieser Welt,

die sich schon lang auf Nichts gestellt,

die blind dem Mammon folgt, dem Geld,

und seinen größten Helden.

 

Ich wollt, ich könnt ein andres Lied

anstimmen, wie die Alten

als man die Unmoral noch mied

und Gott und Recht was galten.

Trud

Ach, liebe Domna, was macht dich so gewiss,

dass frühere Zeiten bessere waren?

Geht nicht durch die Menschheit schon immer ein Riss

Hoch oben die Götter und unten die Scharen

der Armen, gejagt und geplagt und geschunden?

So sehr ich auch frage und suche:

die goldenen Zeiten hab ich nicht gefunden.

Wo stehn sie, in welch altem Buche?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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