Welttheater: Zweite Zwischenbilanz (12.-23. Januar 2023)

Die erste Zwischenbilanz  schrieb ich am 12. Januar. Dort findest du auch ein Personenverzeichnis und eine Revue, „wie alles begann“: Die „blinde Poetin“ (Domna) wurde Ende 2022 zur wichtigsten Repräsentantin des Jahres 2023 gewählt. Sie ist also der spiritus rector dieses „Welttheaters“. Dora (Repräsentantin des Vorjahres) darf, unsichtbar, als Assistentin helfen. Mithilfe von Eichendorffs „Wünschelrute“ (Zauberwort) findet Domna das Leitmotiv des Stücks, das aufgeführt wird: „Geben“ oder richtiger „Geben und Nehmen im Ausgleich“. Es ist das große Gesetz der Natur, auf dessen Einhaltung die Göttin Nemesis achtet (https://gerdakazakou.com/2020/03/27/viii-gerechtigkeit-nemesis-und-thetis-legebild-collagen/). Inwieweit es auch zum Gesetz der Menschen werden kann, wird sich wohl erst noch zeigen müssen.

Wir verließen die Gruppe, als Jenny „theKid“ (eine verwahrloste Jugendliche) dem Kind „Clara“ Doras Geschenkebox wegnimmt, um dafür beim „Überlebenskünstler“ Wilhelm Essbares einzutauschen.  Jenny überredet Wilhelm, die ganze Gruppe zum Frühstück in sein „Lager“ einzuladen. Der Weg geht durch eine finstere Schlucht, wo die Fragende „Trud“ sich verliert. Alle außer Clara sind bereit, sie zurückzulassen. Clara opfert ihre magische Geschenkebox, damit Trud sich zurechtfindet. Das macht Jenny wütend, die sich in ihrer Ehre gekränkt fühlt. Wie kann Clara freiwillig für Trud hergeben, was sie zuvor Jenny verweigerte und sie sogar eine Diebin nannte?

Nach der Schlucht kommt der Spinnwebwald. Doch bevor wir ihn betreten, wendet sich das Geschehen der Bucht zu, in der unsere Gesellschaft in den früheren Episoden ihren Erzähltisch aufgeschlagen hatte. Kaum haben sie die Bucht wegen des drohenden Unwetters verlassen, erscheint „Tschinn“ der Macher mit seinem Biest „Kairos“, der günstigen Gelegenheit. Er eignet sich die Bucht an und entwirft drei Investitionspläne zur profitablen Nutzung des Strandes: Hafen, Flüchtlingsheim, Luxushotelanlage. Danais Grundthema „Geben und Nehmen im Ausgleich“ wird dadurch weiter variiert. 

Im Wald nehmen die Personen in unterschiedlicher Weise mit der Natur Kontakt auf: Clara im magischen Spiel mit den Spirits, Domna angesichts einer Blume über die Harmonie der Dinge nachsinnend, Trud im Zweifel über die Tauglichkeit ihrer Sinne sinnlos Spuren lesend. Der Spirit Lu prophezeit Trud ein Verpuppungsstadium: ein Verwandlung Truds scheint möglich.

Jenny, allein geblieben, wird kurz von Angst vor dunklen Gestalten und der Natur heimgesucht, was „Schurigel“, den Angstmacher, auf den Plan ruft. Doch Jenny wehrt Angst und Angstmacher entschlossen ab. Denn die Herrschaft der Angst wäre das Ende ihrer Freiheit.

Endlich betritt die Gesellschaft Wilhelms „Lager“, das einem riesigen unterirdischen Bunker gleicht. Jenny, hungrig,  ist weiterhin nur am Essen interessiert, die anderen fühlen sich durch Wilhelms Überlebenskonzept bedrückt und problematisieren es: Das Kind Clara fühlt die bedrohliche Enge,  Danai wägt ab zwischen dem Verlust von Besitz und dem von geliebten Menschen (sie kennt beides),  Trud bezweifelt Möglichkeit und Sinn des Konservierens von Leben für die Zukunft und Domna spürt der Angst nach, die Menschen dazu bringt, sich so rigoros auf einen möglichen Notfall vorzubereiten. 

Doch man sieht auch den Vorteil von Wilhelms Vorratshaltung, denn man ist hungrig. Danai und Clara gestalten eine Ecke des Raums gemütlicher, Domna rühmt die Gastfreundschaft, man freut sich auf ein gemeinsames Mahl mit guter Unterhaltung (Symposion). 

In diese stille Vorfreude hinein platzt Wilhelm mit einer schlechten Botschaft: im Lager wurde eingebrochen, Nahrungsmittel und Küchengeräte fehlen. Jenny verdächtigt sogleich die „dunklen Gesichter“ im Wald. Was nun? Was tun?

 

 

 

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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4 Antworten zu Welttheater: Zweite Zwischenbilanz (12.-23. Januar 2023)

  1. Mitzi Irsaj schreibt:

    Danke Gerada – es ist einfach wunderherrlich was du hier teilst 🙂 P.S. Wunderherrlich war das Lieblingswort meines Neffen als er noch klein war und beschreibt etwas ganz besonderes. Hier scheint es mir zu passen.

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