Tagebuch der Lustbarkeiten: Fritzi und die Kater

Fritzi ist rollig. Sie rollt wollüstig auf dem Rücken herum, zeigt ihr hübsches Bäuchlein, putzt sich inständig… Und schon stehen die Kater bereit. Bisher hatte ich immer zwei gezählt, die versuchten, den Katzen das Futter wegzufressen. Nun stelle ich fest. es sind drei: zwei sind golden-weiß, der eine deutlich jünger als der andere. Der dritte ist ein schwerer grauweißer Kerl.

Theo (eine junge Dame) und Witch (eine Jungkatze) spielen ihr eigenes Spiel: sie wandeln kokett mit verschränkten Schwänzen zwischen dem liebessüchtigen Goldenen und der rolligen Schwester umher, setzen sich auch gelegentlich dazwischen, als wollten sie das Unvermeidliche hinauszögern.

 

Die Kater trauen sich nicht, näher zu kommen, solange ich Wache halte. Dann aber… Der anscheinend noch unerfahrene kleine Goldweiße springt herzu, bemüht sich auch redlich, doch unter dem wachsamen Blick des stärkeren Konkurrenten lässt er kurz seine Beute fahren, die ihrerseits davonstiebt. Der Kleine rast hinterher …. seither wurden sie nicht mehr gesehen. Ach, diese Katzen!

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Unbekannten Blüten begegnen

An einem Hang begegneten mir gleich zwei Exemplare einer mir unbekannten Pflanze. Ich nehme an, es handelt sich um eine fleischfressende Art. Weiß jemand den Namen?

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Impulswerkstatt: Bild 4. Mit autobiografischem Touch.

Dies ist ein Beitrag zu Myriades Impulswerkstatt.

Als ich das Bild sah, liebe Myriade, dachte ich: so etwa saß auch meine Mutter da, mich in ihrem Bauch, zwei andere Kleinkinder an ihrem Rockzipfel, aus den Resten alter Kleider neue schneidernd, die Fenster abgedunkelt, während draußen der Krieg wütete. Aber es gab da einen Unterschied: diese Frau ist schwarz und die Szene spielt in Afrika.

Ich bin nie in Afrika gewesen,  doch ich bin in meinen Gedanken viel mit diesem Kontinent beschäftigt (zB hier und hier). Es stellte sich sogar einmal die Frage, ob wir, anstatt nach Griechenland nach Sambia auswanderten, wo meinem Mann eine gute Position angeboten worden war. Ich wandte mich damals heftig gegen diese Perspektive: Reichte es nicht, mit dem deutschen Erbe zu leben? Musste ich mich auch noch mit dem Kolonialerbe des Weißen Mannes befassen? Wie würde ich mich als Weiße in einem Kontinent fühlen, der von Weißen verwüstet und versklavt worden ist? Nein danke! sagte ich. Und so zog ich nach Griechenland, wo mich die Verbrechen der deutschen Wehrmacht und SS schon genug maltraitierten.

Ist es möglich, aus dem Gefängnis der Identifikation mit Volk, Nation, Rasse auszubrechen? Ich habe es als Jugendliche versucht, gab mich abwechselnd als Holländerin, Dänin oder Polin aus. Aber ich konnte nicht entkommen. Das wurde mir klargemacht, als ich mit 16 das erste Mal über die deutsche Grenze ins Ausland fuhr: „Das habt ihr getan“, sagte der Mann, der mich in seinem Auto mitgenommen hatte, und wies mit großer Gebärde über einen Friedhof, der mir bis an den Horizont zu reichen schien. Es war ein Franzose. Später waren es Holländer, Dänen, Belgier, Norweger, Griechen, Serben… Wohin ich kam: man zeigte mir die Verbrechen, die im „Namen des Volkes“, dem ich angehörte,  an Angehörigen anderer Völker begangen worden waren. Ich musste mich damit abfinden, Deutsche zu sein.

Als ich erwachsen wurde, fand ich mich ab, und nun sage ich: Ja, ich bin weiblich, ich bin Deutsche, ich bin christlich getauft und ich bin weiß. Das ist gut, das ist schlimm, das ist wunderbar, das ist fürchterlich. Das sind meine Ausgangsbedingungen, das ist mein Erbe.

Wie aber ergeht es den jungen Männern, die aus dem „schwarzen Kontinent“ ins weiße Europa kommen? Können sie der Zuschreibung entkommen, Kinder und Enkel von Unterworfenen, Beraubten, Versklavten zu sein? Wohl kaum. Haben sie eine große Kultur, auf die sie sich berufen können, die sie tröstet? Nein, ihre alte Kultur wurde ausradiert. Schlimmer: Ihnen hallt (als Projektion) entgegen, was die Weißen an ihnen verbrochen haben: ihr seid Räuber und Vergewaltiger, ihr habt das Tierstadium noch kaum hinter euch gelassen, seid nicht richtig zum Menschen geworden, ihr vermehrt euch zu schnell, euch kann man getrost totschlagen. 

Du hast solche Vorurteile nicht? Sehr schön, ich auch nicht. Aber du weißt wie ich: sie sind da, sie können jederzeit geweckt und auf die Gesamtheit der Menschen ausgedehnt werden, die der „falschen“ Rasse und Religion, dem falschen Geschlecht und der falschen Altersgruppe angehören. Und das stimmt sogar in beide Richtungen.

Meine letzte „Welttheater“-Szene leite ich damit ein, dass das Kind Clara die beiden jungen Afrikaner nach ihren Namen fragt. Nach dem Namen und dem persönlichen Werdegang zu fragen, ist der erste Schritt, um sie und uns aus dem Gefängnis der Stereotype zu befreien. Jeder ist zwar eingebettet und durchdrungen vom Schicksal seines Volkes, seiner Rasse, seines Kontinents ……, aber er ist dadurch nicht vollkommen determiniert.  Jeder ist ein Individuum, ein Ich, das antwortet auf das, was es vorfindet. Es greift als Selbstbewusstsein und Selbstbestimmung ins Räderwerk der Zuschreibungen ein.

Und so möchte ich diese Frau, die, ermattet und ein werdendes Leben im Bauch, in ihrem mit Brettern vernagelten Zimmerchen sitzt, fragen: Wie heißt du? Was denkst du? Was hoffst du? Was brauchst du? Wer bist du? Du, diese einmalige Person im fernen Afrika.

Mama Africa

Mama Afrika

 

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Welttheater. 4. Akt,1. Szene: Wilhelms Traum

Was zuletzt geschah: Die Schwarzafrikaner – von Jenny und Wilhelm als Diebe bezeichnet -, treten aus der Anonymität der „Illegalen“ heraus.  Sie haben jetzt dank der Nachfragen von Clara, Danai und Trud Namen: Hawi (der Kleine) und Abud (der Ältere), man fragt nach ihrer Geschichte, ihrem Charakter – sie werden zu individuellen Menschen.

Wie das Symposion verläuft, erfahren wir nur indirekt. Denn als der Vorhang wieder aufgeht, sehen wir Wilhelm allein in seinem Lager.

Wilhelm:

Nun sind sie fort und ich bin wieder allein

ein wenig benommen vom Reden und auch von dem Wein

den schließlich die, die Göttin sich nennt, noch brachte

so dass ein jeder schwätzte und sang und laut lachte.

Mein Schädel der brummt mir, und traurig scheint mir der Ort

den ich mir mit Mühe geschaffen, der zuvor war mein Hort.

Soll ich erneut die Uhren kontrollieren,

die zeigen, wann das Ende droht?

Soll ich die Restbestände archivieren

wenn alle Zeiger zeigen schon auf Rot?

Was nützt das Sammeln, wozu soll ich horten

wenn eh demnächst das Ende ist erreicht?

Trifft mich das Unheil nicht an allen Orten?

Kann ich allein ihm trotzen, wenn vielleicht

es mir gelingt, die Türen zu verrammeln

und einzuschließen mich in diesem Raum?

Die Nahrungsmittel werden doch vergammeln

und Überlebenschancen gibt es kaum.

Was soll ich tun? O weh, mein Kopf! Ich glaube

dass ich mir jetzt ein Stündchen Schlaf erlaube!

Luise, das Traumwesen, schwebt heran:

Luise

So komm, du armer Mann, der sich den Kopf zerbricht

es hilft ja nicht!

Komm, überlass dich freudig meiner Sicht

díe Lust verspricht.

Im Dunkeln harre nicht, komm mit ins Licht

Schluss mit Verzicht!

 

Ich führe dich in zauberhafte Auen

von Duft umfächelt

Dort wartet dein die Schönste aller Frauen

die dir zulächelt.

Komm mit, du Lieber, fass zu mir Vertrauen!

Nur nicht geschwächelt!

 

Das Lager verschwindet. Die uns wohlbekannte Bucht erscheint.

Luise

Komm her, du müder Mann, schau wer da ruht!

in Rosenrot und in Erwartungsglut!

Isolde ist’s, und Tristan, der bist du!

So ruf sie an, bei dir ist sie im Nu!

Schau nur, sie will sich schon erheben

siehst du denn nicht den weichen Leib erbeben?

Sie eilt dir zu, sie stürzt in deinen Arm!

und in dem kalten Herzen wird dirs warm!

 

So halt sie fest, drück sie an deine Brust!

Du glaubst mir nicht? du glaubst nicht an die Lust?

O Wilhelm! Armer Mann, sogar in Träumen

wirst du die holde Lust versäumen

ohn die das Leben eine Last

ein Ungetüm und Scheusal fast.

 

O Graus! Am Horizont erscheint

– hör doch, wie die Isolde weint! –

ein Schiff, mit wilden Männern voll,

 die Frauen rauben, liebestoll!

An ihren Bug sie heften deine Braut

ihr Liebesleib geschändet, dass mir graut!

und immer harren muss sie dort

du selbst bist es, du treibst sie fort.

Warum hast du sie nicht gehalten?

Du ließest sie den Wildgestalten

statt sie zu lieben und zu kosen

inmitten Sonnenschein und Rosen.

Die Liebeslust wurde gemein

Zurück bleibt trostlos Herzenspein.

Wilhelm erwacht, reibt sich die Augen, steht auf. 

Wilhelm

Bin ich allein? Was war das eben?

Ein Traum wars, kein Realerleben.

Der Wein tobt noch in meinem Kopf

er fühlt sich an wie’n leerer Topf.

 

Doch lieblich wars, mein Herz ist voller Bangen

Isolde hieß sie, kann ich sie erlangen?

Kann ich mit frischen Lebenskräften

mich an die Spur der Räuber heften?

 

Und sie gewinnen, meine Braut?

Sie hat so lieblich ausgeschaut.

Ach was, es war ein Traum

und Traum ist Schaum.

 

Ich mach mich besser jetzt ans Werk

Geh fort zum Jagen auf den Berg.

Wildgänse sind grade auf der Reise

dafür krieg ich jetzt gute Preise.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Anna Eulenschwinges Fotoprojekt: „steigen“

Ein interessantes Fotoprojekt wurde von Anna Eulenschwinge initiiert. Schon die Art, wie sie das Thema des Monats ermittelt, ist inspirierend. Im laufenden Monat bis Mitte Februar ist es das Wort „steigen“.

„Aufwärts und abwärts – derselbe Weg“ ist ein berühmter Satz des Philosophen Heraklit, der zwischen 520-460 v.u.Z. im kleinasiatischen Ephesos lebte. Ich kann keine Treppe, keinen Berg ersteigen, ohne an ihn zu denken. Auch im Lebensweg ist diese Struktur vorhanden. Ich habe dem Thema auch schon einen Eintrag gewidmet (hier), aus dem ich zitiere:

„Aufwärts und abwärts – derselbe Weg“

so sprach der Weise Heraklit. Und natürlich hat er recht.

Und doch: wie plagen sich die Menschen, weil sie nach oben wollen, obgleich ihr Abstieg ja schon vorgezeichnet ist. Beschwerlich ist der Aufstieg, Stufe um Stufe muss man erklimmen, der Hindernisse gibt es viele, das Atmen wird eng, wer weiß, ob mans schafft. Und wenn man dann oben ist: wie lässt sich der Abstieg ertragen? Er scheint so leicht, er geht sich fast von selbst. Und doch: wie trostlos das Gefühl.

Unsere Wendeltreppe wirft ihren Schatten aufs Pflaster. Hinaufsteigen – hinabsteigen –  derselbe Weg.

 

 

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abc-etüde: Ein fein gehäkelter Drachenkampf

Bei meinen vielen Geschichten über Drachen (zB hier und hier und hier und hier und hier) ist mir ein gehäkelter noch nicht untergekommen. Als ich die Wörter sah, fiel mir sofort einen Drachen von sehr edler Gestalt ein, der, wenn man nicht so genau hinschaute, durchaus für gehäkelt durchgehen könnte. Er gehört zu den Figuren, die der große Karagiosis-Künstler Eugenios Spatharis (1924-2009) malte bzw aus Holz herstellte. Ich sah sie zu meiner großen Freude im vergangenen Oktober in einer Ausstellung und fotografierte einige seiner Bilder, darunter eben auch dieses bemerkenswerte Tier.

 

Wie schröcklich sich der Erdwurm  windet

sobald ihn in der Höhle  findet

der tapfere Held.

 

Es ist ein Ritter von edler Gestalt

mit einer Rüstung fein bemalt

die gleich gefällt.

 

Die Strümpfe hat ihm sein Liebchen bestickt

der Arm ist gehäkelt, den hebt er geschickt

mit seinem Speer

 

und schleudert die Waffe, denn er ist nicht faul

sogleich in des feurigen Ungetüms Maul

das atmet schwer

 

Ja edeler Held, du hast es vollbracht

gleich wird um den Drachen es finstere Nacht

und er ist tot.

 

Du aber reitest mit freudiger Brust

dein Lieb zu umarmen in feuriger Lust

im Morgenrot.

Dies ist ein Beitrag zu Christianes abc-etüden.

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: TV Leidenschaften begucken

Ich gucke selten TV,  aber manchmal gib es da Bilder, die ich aus dem Augenwinkel sehe, so dass ich aufstehe und gucke und sogar mein Handy zücke, um ein paar davon einzufangen. Diesmal sind es Portraits mit dramatisch gesteigertem Ausdruck, der durch die mitlaufenden Untertitel noch zusätzlich interpretiert (oder ironisiert?) wird. Ich überlege: Soll ich sie zeichnen? Aber wozu! Sie sind ja so, als Fotos mit ihren Untertiteln, eine grandiose Darstellung der menschlichen Leidenschaften und ihrer …. Lächerlichkeit. Dennoch, vielleicht sollte ich sie zu zeichnen versuchen (ich denke an den Herrn Dilettanten, der eine interessante Serie von Instagram-Selbstdarstellern tuschte). Wieso zeichne ich eigentlich nicht mehr?

 

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Welttheater, Akt 3, Szene 15: Streit und Schlichtung

Was zuletzt geschah: Jenny weigert sich, mit den „Dieben“ an einem Tisch zu sitzen, und hält auch nichts von Heras Lebenskonzept des Säens und Erntens. Sie „kennt die Welt“, die roh ist. Wilhelm pflichtet ihr bei und will die Diebe verprügeln.

Danai:

Was wisst ihr denn von diesen beiden,

dass ihr sie rechnet zu den Heiden?

Haben sie wirklich was verbrochen?

Habt ihr mit ihnen schon gesprochen?

Vielleicht sind sie ganz ohne Schuld?

Fragt sie doch erst und habt Geduld!

Trud

Ist er ein Christ? Was er wohl glaubt?

Clara (zu ihrem Nachbarn):

He du, wie heißt du überhaupt?

Hawi (der jüngere):

Ich bin der Hawi, und der heißt Abud.

Wir kommen von weit, wo alles kaputt.

Abud (der ältere)

Wir hungrig und müde und schlafen im Wald

wir haben kein Decke, und nachts ist es kalt.

Ganz nett diese Dame, die sagt, wir willkommen.

wir auch ein Frühstück von euch hier bekommen.

Wir freuen und kommen und müssen nun hören

die Kleine dort und der Mann sich dran stören.

Sie sagen, wir Diebe, wir rauben und morden

wir sind weil wir schwarz sind ganz übele Horden.

Wir hungrig, jawohl, wir suchen was essen.-

Wir finden Konserven im Gras, wohl vergessen.

Da kommen die beiden und wir laufen weg

und Konserven bei fallen runter in Dreck.

Wilhelm:

Du willst uns erzählen, dass du es nicht warst?

Ich rat dir, dass du dir Ausreden sparst.

Ich kenn euch doch alle, ihr lügt wie gedruckt

das habt von den Schiebern ihr euch abgeguckt.

Jenny

Klar wart ihr hier drin, auch eure Kollegen

Ihr lungert im Wald, in der Schlucht und an Wegen

Ihr wartet, bis jemand sein Lager verlässt

dann pfeift ihr und los! Man kennt ja den Rest.

 

Hawi (weinerlich)

Nicht wahr! Der Hawi tut niemand beklauen

Wer klaut der wird von der Mama verhauen.

Abud

Komm Hawi wir gehn. Hier glaubt uns doch keiner.

Sie sehn uns als Tiere. Nun komm schon, mein Kleiner.

Domna:

Ich hörte sehr vieles,  es macht mich betrübt.

Ich wollte so sehr, dass einander ihr liebt.

Doch es scheint, dass die Liebe noch recht lange Zeit

die Schlacht verliert gegen Misstraun und Neid.

 

Ich bitt euch, ihr beiden, bleibt hier, dass wir lernen

wie ihr dort gelebt in den Ländern, den fernen,

und was euch geschah, warum ihr geflohn

Wer war deine Mama, von wem bist du Sohn?

Ich kann euch nicht sehen, doch fühl ich dein Leid

Bleibt hier und erzählt, wir haben ja Zeit.

 

In unsrer Runde seid willkommen

Hawi, Abud, in diesem Raum.

Du, Jenny, bist noch sehr beklommen

Ihr seid euch fremd, ihr kennt euch kaum.

 

Du, Wilhelm, tu, was Gott befohlen:

dem Fremdling öffne deine Tür

dass er sich von der Fahrt erholen

und essen kann, er dankt dafür.

Hera:

So war es schon immer, so muss es auch sein:

Der Mensch braucht Gesellschaft, wer isst gern allein?

Wenn sich der Hausherr freut der Gäste

Wird auch ein einfach Mahl zum Feste.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
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Welttheater, 3. Akte, 15. Szene: Jennys und Wilhelms Gegenrede

Was zuletzt geschah: Hera brachte einen Korb und zwei Schwarzafrikaner mit – offenbar die Diebe. Sie lobt die Not, die erfinderisch macht und alte Tugenden wieder aufleben lässt. Insbesonder tadelt sie Menschen, die ernten wollen, ohne zu säen. Die Afrikaner ermahnt sie, das Stehlen zu lassen. Alle setzen sich um die Tafel. Alle?

Trud:

Warum sitzen die beiden nicht mit uns im Kreis?

Gibt es einen Grund dafür, den ich nicht weiß?

Alle schauen fragend auf Jenny und Wilhelm

Clara:

Jenny, warum kommst du nicht her?

Bist du denn meine Freundin nicht mehr?

Hera:

Auch du, bester Wilhelm, setz dich in die Runde

Auf dass uns allen das Festessen munde.

Jenny (springt auf)

Ich komm nicht, ich setze mich nicht an den Tisch

mit solchen Typen, die rauben und andre bestehlen

Ehrlich, ich versteh’s nicht und find’s gar nicht komisch

Sind Männer, die andern durchschneiden die Kehlen!

 

Sie bringen dich um aus Spaß und aus Gier.

Die meide ich besser! Ich bin ja kein Held.

Nee, liebe Hera, das sage ich dir:

Du kennst dich nicht aus, wie heut ist die Welt!

 

Ich hass auch die Meinung, ich will da nicht lügen,

dass Not uns erzieht und wir gut daran täten

ganz wie die Alten die Felder zu pflügen

und ernteten nur, was wir selber auch säten.

 

Was ist das für ein blöder Stuss!

Werd ich es tun, wenn ich nicht muss?

 

Das Säen machen heut Maschinen

die kann ein jeder leicht bedienen

Das Ernten ist für solche Leute

die hier im Keller suchten Beute.

 

Wer hat schon Land? wer hat Geräte?

Und wenn ich selbst die Wiese mähte

und täglich macht den Rücken krumm

Ich bliebe arm, ich bliebe dumm.

 

Zu Essen kriegst du, hast du Knete

ansonsten heißt es: bete, bete.

Doch macht ihr nur, wie ihrs versteht.

Es ist nichts, was mich selbst angeht.

Wilhelm:

Ich denke wie Jenny, drum sitze ich hier

und teile das letzte Bierchen mit ihr.

Und esse die Würstchen, die, soll ich nun danken?

zu unserem Glück im Sumpf nicht versanken.

wo diese Bürschchen sie fallen gelassen

bevor sie sie selber konnten verprassen.

 

Ich weiß nicht, findet ihr das fair?

Mir selber sitzt es echt verquer

Ich hätte Lust, sie zu verdreschen.

die schwarzen Halunken da, die feschen!

 

Ich tu’s nicht jetzt, weil ich die Damen

die hierher in mein Lager kamen

nicht schrecken will, ich tu es später.

Statt Opfer bin ich lieber Täter!

– Pause –

In der Pause ist das zweite 3-Groschen-Finale zu hören: „Wovon lebt der Mensch“, Test: Bertold Brecht, Musik: Kurt Weill.

https://youtu.be/0gFyNCyaFNw

Wovon lebt der Mensch (Zweites Dreigroschenfinale)

 
 
Ihr Herrn, die ihr uns lehrt, wie man brav leben
Und Sünd und Missetat vermeiden kann
Zuerst müßt ihr uns was zu fressen geben
Dann könnt ihr reden: damit fängt es an.
 
Ihr, die euren Wanst und unsre Bravheit liebt
Das eine wisset ein für allemal:
Wie ihr es immer dreht und wie ihr’s immer schiebt
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.
 
Erst muß es möglich sein auch armen Leuten
Vom großen Brotlaib sich ihr Teil zu schneiden.
 
(Jenny): Denn wovon lebt der Mensch?
 
(Macheath): Denn wovon lebt der Mensch?
Indem er stündlich Den Menschen peinigt, auszieht, anfällt, abwürgt und frißt.
Nur dadurch lebt der Mensch, daß er so gründlich
Vergessen kann, daß er ein Mensch doch ist.
 
(Choir): Ihr Herren, bildet euch nur da nichts ein:
Der Mensch lebt nur von Missetat allein!
 
(Jenny): Ihr lehrt uns, wann ein Weib die Röcke heben
Und ihre Augen einwärts drehen kann
Zuerst müßt ihr uns was zu fressen geben
Dann könnt ihr reden: damit fängt es an.
 
Ihr, die auf unsrer Scham und eurer Lust besteht
Das eine wisset ein für allemal:
Wie ihr es immer dreht und wie ihr’s immer schiebt
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.
 
Erst muß es möglich sein auch armen Leuten
Vom großen Brotlaib sich ihr Teil zu schneiden.
 
(Macheath): Denn wovon lebt der Mensch?
(Jenny): Denn wovon lebt der Mensch?
Indem er stündlich Den Menschen peinigt, auszieht, anfällt, abwürgt und frißt.
Nur dadurch lebt der Mensch, daß er so gründlich
Vergessen kann, daß er ein Mensch doch ist.
 
(Choir): Ihr Herren, bildet euch nur da nichts ein:
Der Mensch lebt nur von Missetat allein!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Im eigenen Blog lesen (Alpha und Omega)

In einer mail-Unterhaltung mit einem deutschen Freund kam eine Diskussion über das griechische Wort Anthropos (Mensch) auf. Da erinnerte ich mich an mein „Griechisches Alphabet des freien Denkens“ – Gegenstück und Ergänzung zu Ulli Gaus „Alphabet des mutigen Träumens“. Dieses schöne Projekt entwickelte sich von Dezember 2016 bis zum Februar 2017. Was hatte ich damals eigentlich gedacht und geschrieben?

Mit „A wie Άνθρωπος“ (Anthropos, Mensch) begann mein Alphabet, mit Ωπις (Ω wie Opis, eine nicht mehr existente Stadt in Mesopotamien)  endete es. Von Alpha bis Omega.

Alphabet des freien Denkens / A wie Anthropos

Griechisches Alphabet des freien Denkens: Ω wie Ώπης/Opis

Diese beiden Einträge waren wie Anfang und Endpunkte eines Kreises. Neugierig geworden, las ich auch die Kommentare. Und fand das alles durchaus belebend und durchaus nicht abgestanden. Es gab sogar Sätze wie diesen: Auch heute ist es üblich, Feldzüge, die man aus Eigeninteresse unternimmt, „humanistisch“ zu rechtfertigen. Der Krieg, der zur Auflösung Jugoslawiens führte, war angeblich nötig, um ein „neues Auschwitz zu verhindern“ (der damalige grüne Außenminister Fischer), am Hindukusch (Afganistan) verteidigte „der Westen“ die Menschenwürde, im Irak, in Lybien zettelte dieser Westen Umstürze an, auch in Syrien heftete er sich an die Fersen interner Proteste und zerstörte das Land, usw usf. Kein Krieg wird heute geführt, ohne solche „humanistischen“ Begründungen. Und wenn demnächst wieder gegen Russland marschiert wird….  (Kommentarstrang zu Opis)

Das ist natürlich keine Lustbarkeit, sondern ein Alptraum, der anscheinend wieder wahr wird.

 

 

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