Kohlezeichnung „Aufbruch“

Ich nenne die Zeichnung, die ich heute machte, „Aufbruch“, weil mir grad so nach Aufbruch war. Etwas bricht auf. Es ist Frühling. Wände stürzen, Boote machen sich fertig, um ins Meer zu stechen – vielleicht. Vielleicht ist es auch ganz anders, vielleicht taufe ich die Zeichnung später um. Jetzt heißt sie jedenfalls „Aufbruch“.

Ich habe die Zeichnung, 50×70 cm groß, Kohle auf weißem Zeichenkarton, über ein gerahmtes Bild geklebt, um sie zu betrachten und zu fotografieren.

Veröffentlicht unter Allgemein, Meine Kunst, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , | 9 Kommentare

Von Freitag zu Freitag: Dialoge erfinden (2)

Der Start in die Dialogerfindung war erfreulich vielversprechend. Ihr erfandet Zweizeiler, längere Szenen und witzige Wortspielereien, machtet euch ernsthafte Gedanken und verfasstet sogar eine richtige dialog-gesättigte Geschichte.

Ergo, und weils Spaß macht, kommt hier meine zweite flüchtige Kohle-Skizze, die zu weiteren Erfindungen anregen möchte. Lass dir lebensvolle Figuren einfallen, gib ihnen Namen, Alter, Charakter und Worte in den Mund, lass sie reden … !

Zu dieser Skizze magst du dir nichts einfallen lassen? Hier ist eine Alternative, da sind sogar drei Personen drauf zu erkennen. Möglich ist natürlich auch, dass du  die beiden Skizzen miteinander verbinden möchtest zu einer Geschichte.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Dichtung, die schöne Welt des Scheins, Leben, Schrift, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , | 7 Kommentare

Ein Wald, ein See, Nietzsches „Geheimnisvoller Nachen“. Kohlezeichnung.

Ich bin seit drei Tagen in Athen, fern von meinem Atelier. Aber ich habe Lust zum großformatigen Zeichnen mit Kohle. Was tun? Ich kaufte mir große Pappen, die eine glatte weiße und eine raue graue Seite haben, und klebte sie an eine Wand, die graue Seite nach vorn. Ideal ist das Festkleben nicht, denn ich drehe und wende die Zeichnungen gern. Dann nahm ich eine dicke Kohle und zeichnete … einen Wald mit See.  Finster stehen Zypressen oder Pappeln ähnelnde Bäume dicht an dicht rund um die ausgesparte helle Fläche des Sees. Durch Verwischen mache ich den Wald noch undurchdringlicher.

    

Zu viel des Guten? Sollte ich die schwarzen Flächen nicht ein wenig aufhellen, den Bäumen ein wenig Licht gönnen? Gedacht, getan. Das weiche Innere vom Weißbrot, das ich aus der Küche hole, ist bestens als Radiergummi geeignet. 

 

 

 

 

 

Und jetzt kann auch ein Kahn ins Bild fahren. Fertig.

Hier siehst du den Kahn in groß.

Auch die anderen Bilder lassen sich durch Anklicken vergrößern. Die Originalgröße der Zeichnung ist 70 x 100 cm.

Während ich zeichnete, stieg in mir eine Erinnerung auf: Der geheimnisvolle Nachen von Friedrich Nietzsche, im Anhang zur Fröhlichen Wissenschaft zu finden.

Gestern Nachts, als alles schlief,
Kaum der Wind mit ungewissen
Seufzern durch die Gassen lief,
Gab mir Ruhe nicht das Kissen,
Noch der Mohn, noch, was sonst tief
Schlafen macht, – ein gut Gewissen.

Endlich schlug ich mir den Schlaf
Aus dem Sinn und lief zum Strande.
Mondhell war’s und mild, – ich traf
Mann und Kahn auf warmem Sande,
Schläfrig beide, Hirt und Schaf: –
Schläfrig stiess der Kahn vom Lande.

Eine Stunde, leicht auch zwei,
Oder war’s ein Jahr? – da sanken
Plötzlich mir Sinn und Gedanken
In ein ew’ges Einerlei,
Und ein Abgrund ohne Schranken
Tat sich auf: – da war’s vorbei!

– Morgen kam: auf schwarzen Tiefen
Steht ein Kahn und ruht und ruht …
Was geschah? so rief’s, so riefen
Hundert bald: was gab es? Blut? – –
Nichts geschah! Wir schliefen, schliefen
Alle – – ach, so gut! so gut!

Und so wollen wir es ebenfalls halten: GUTE NACHT wünsche ich allen, die mir bis hierher gefolgt sind.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Dichtung, Meine Kunst, Methode, Psyche, Träumen, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , , | 32 Kommentare

Legen auf gemaltem Grund: „Weltzustände“

Wie verbinden sich Vorder- und Hintergrund, wenn ich gemalte Schnipsel auf gemaltem Grund platziere?

Hraban57 schrieb mir zum vorigen Beitrag (Futterneid) folgenden Kommentar: Bei der Betrachtung der „farbigen Scherenschnitte“, wie Du sie bezeichnest, assoziiere ich ebenso keine Dreidimensionalität, aber sie erinnern mich sehr an Ergebnisse, wie sie bei der Photographie mit Spiegelreflexkameras erzielt werden. Eine hohe Auflösung, Schärfe im Vordergrund, der Hintergrund taucht eher ab, welches Deiner „Verschränkung von Vorder- und Hintergrund“ entspricht.

Der Vergleich mit dem Fotografieren leuchtet mir ein. Tatsächlich nimmt das Auge die gelegten Teile als „Vordergrund“ wahr, während die gemalte Fläche als Hintergrund fungiert, der nur unscharf wahrgenommen wird – quasi als Milieu für die gelegte Szene. Genau das aber möchte ich überwinden. Ich möchte, dass die beiden Ebenen sich gleichberechtigt miteinander verschränken.

Also mache ich einen neuen Versuch, diesmal mit abstrakterer Gestaltung, um das vorschnelle „Schließen einer Gestalt“ zu vermeiden.

Ich meine, bei diesem Bild wird das Auge in einer Suchbewegung gehalten, wandert unaufhörlich zwischen dem gelegten „Vordergrund“ und dem gemalten „Hintergrund“ hin und her, verwebt sie miteinander, um ein Thema zu erkennen. Denn das Bild ist zwar abstrakt, aber auf Themenfindung mag kein Mensch verzichten. Schau mal auf die „Antennen“ am oberen Rand des Bildes und auf die kreisende Bleistiftbewegung rund um das zerrissene Rot. Füge das Grün hinzu, lass dich auf die dunkle Unordnung in der Mittelzone des Bildes ein und folge dem dicken schwarzen Zeiger nach unten. Von dort her erschließt sich auch ein möglicher Sinn, den ich umschreiben möchte als „Weltzustände“.

Natürlich kannst du das Bild auch ganz anders lesen…

Warum dies Insistieren auf Vorder- und Hintergrund? Weil wir meist nur die Gegenstände  wahrnehmen, die sich unserem Auge aufdrängen, nicht aber die dahinter wirkenden Kräfte, die sie hervorbringen. Genau für diese aber sollten wir unser Bewusstsein schärfen, meine ich. Es wäre gut, wenn wir nicht nur die einzelnen Ereignisse, die uns aus den Medien entgegenschreien, registrieren, sondern einen Zusammenhang herstellen zwischen den Ereignissen und den im Hintergrund wirkenden Kräften.

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Fotografie, Legearbeiten, Malerei, Meine Kunst, Psyche, Umwelt, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 8 Kommentare

„Futterneid“. Legebilder auf gemaltem Grund

Seit zwei Tagen probiere ich eine neue Legetechnik aus. Es fing an mit der Hexe im Wald, der ich lz’s Zettelchen brachte. Ulli meinte dort, dass dies Legen auf gemaltem Grund womöglich dreidimensionale Effekte hervorbringe. Um zu sehen, was damit anzufangen sei, machte ich die „Anzieh-Landschaft“ – Sonnenuntergang. Heute nun lief mir das Wort „Futterneid“ in der Kolumne von Doris Mock-Kamm über den Weg (hier) – und, da sich Untergrund und Schnipsel den Platz steitig machten,  dachte ich: Vielleicht kann ich sie miteinander versöhnen?

Dabei stellte ich fest, dass ich mit relativ unstrukturierten farbigen Bild-Untergründen weit besser klarkam als mit strukturierten schwarz-weißen. Das neue Thema setzte sich im ersten Fall leicht gegenüber dem Grund durch. Ich zeig euch mal zwei solche Gründe und wie sich die futterneidischen Vögel darauf ausnehmen:

   
Der Untergrund „Drunten am Fluss“, darüber gelegt die beiden streitenden Vögel.

 
Der Untergrund „Waldlichtung“, darüber gelegt die beiden streitenden Vögel.

Wenn du die Bilder anklickst, siehst du die gelegten Vögel  besser und kannst verfolgen, wie sich die Linien und Farben der Vögel mit dem Untergrund verbinden.

Ich nahm dann eine mehr strukturierte, schwarz-weiß-gelbliche Arbeit, die ich ganz gerne mag („Hafenbild“), und versuchte auch darauf mein Glück. Aber es wurde nichts.  Vordergrund und Untergrund wollten sich einfach nicht miteinander vertragen

   

Allerdings, so leicht gebe ich nicht auf. Also dachte ich mir eine andere Szene aus, bei der ich nur sehr gelinde mit farbigen Schitzeln interveniere und dem Grund mehr Raum gebe. Vor der modernen Hafen-Kulisse spielt sich ein altertümliches Willkommensritual ab. Vielleicht funktionierte es so besser? Doch ach, auch dieses Bild ist schwer zu „lesen“ und bleibt in sich ziemlich brüchig.

   

Für die Faulen, die nicht gern Bilder anklicken, hier die beiden Futterneid-Bilder noch mal in groß. Gibt es nun eine dreidimensionale Wirkung? Ich weiß es nicht. Aber Spaß macht es.

Veröffentlicht unter Allgemein, Ökonomie, Leben, Legearbeiten, Malerei, Meine Kunst, Psyche | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 12 Kommentare

Nachtrag zum „Anziehbild mit Sonnenuntergang“

Dies ist ein Nachtrag für Babsi und für wen es noch interessiert. Und warum ich hier nicht Schönheit suche. Vergleiche https://gerdakazakou.com/2017/03/14/anzieh-landschaft-mit-sonnenuntergang/.

Die Erde wirkt ohne Menschen harmonischer. Aber was soll man machen? Es gibt sie. Und sie verändern die Erde. Drum hab ich die „nackte“ Landschaft „angezogen“. Versuchsweise, experimentierend. Das Liebespaar – so meine ich – fügt sich recht gut hinein, in gewisser Weise hebt es die Landschaft sogar. Ich dachte an C.D.Friedrich, der in seine wunderbaren leeren Landschaften vom Meer oder Gebirge manchmal sogar recht ungeschickt „Personnage“ einfügte*. So nannte man die Menschen im Vordergrund.
Heute sind die Eingriffe der Menschen in die Natur weit gewalttätiger als zu C.D.Friedrichs Zeiten. Und so habe ich mir gestattet, mein Sonnenuntergangsbild noch ein bisschen mehr zu verschandeln. Aber keine Angst: hier ist nix aufgeklebt. Und es bedarf  keiner Bulldozer, um den alten Zustand wieder herzustellen.

*Bei Wikipedia kann man nachlesen: „Wegen seines geringen Talentes im Figurenzeichnen[43] machen Figurendarstellungen … nur einen geringen Teil des Gesamtwerkes aus. Kolportiert wird, dass Georg Friedrich Kersting in einigen Fällen die Figuren in Friedrichs Gemälden ausführte. Erhalten sind einige durchgepauste Figurenzeichnungen…“

Veröffentlicht unter Allgemein, Legearbeiten, Malerei, Meine Kunst, Natur, Umwelt | Verschlagwortet mit , , , , , , | 10 Kommentare

Anzieh-Landschaft mit Sonnenuntergang

Anzieh-Puppen kennen wir alle. Aber Anzieh-Landschaften? Nun, bis heute gab es sie wohl tatsächlich noch nicht. Aber jetzt sind sie geboren.
Eine Landschaft, dachte ich mir, existiert, bevor ich sie durchwandere, bevor Besucher kommen und sie genießen, bevor die Menschen sie durch ihre Konstruktionen aus Stein und Holz und Zement und Asphalt verändern. Also nahm ich eine kleine Landschaft mit Sonnenuntergang und bevölkerte sie zaghaft mit einem Liebespaar, fügte auch noch dieses und jenes Schnipselchen hinzu, um das gestörte Gleichgewicht wieder herzustellen.

Hier nun zuerst das Landschaftsbild ohne Personnage.

Nun kommt das Liebespaar mit einem Boot angerudert und lässt sich nieder, den Sonnenuntergang zu bewundern. Mir scheint, es sind Japaner.

Der Abend wird glühender und ihre Liebe auch (hab einen Filter eingesetzt. Filtro bedeutet im Griechischen nicht nur Filter, sondern auch Liebes/ und Zaubertrank).

Schließlich erbleicht der Himmel, die Nacht zieht herauf, und mit ihr das weiße Licht des Mondes…..(anderer Filter)

Und hier nun mein zweiter Anlauf, die Landschaft neu einzukleiden – ohne weitere Geschichten und Erklärungen. Die Bilder kannst du durch Anklicken vergrößern.

   

Ich denke, außer den beiden gefundenen Lösungen gibt es viele viele andere. Ich habe Lust, noch welche auszuprobieren.

Veröffentlicht unter Allgemein, die schöne Welt des Scheins, Kunst, Leben, Legearbeiten, Malerei, Meine Kunst, Methode, Natur, Psyche, Träumen | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 11 Kommentare

lz und die abc etüden, neue Kata-Strophen

Ich fand einen windverwehten Zettel* im Wald
Der Zettel war knittrig und wohl schon sehr alt
Drauf standen drei Worte oder waren es sechse?
Sinnierend ging ich zum Haus der uralten Hexe
Ihre Augen warn rot, sie trug einen struppigen Besen.
Ich fragte sie, Beste, würden Sie bitte dies Zettelchen lesen?
Und sie las mir von grünenden Matten und Hängen
Voll trefflicher Früchte, und von lieblichen Meeresgesängen
Ur-alt und älter als sie, sie sprach auch vom Teilen.
Ich hörte gern mehr, doch konnt ich nicht länger verweilen.
Fern hört ich ihr Krächzen, mit Kauz und Katz im Terzett:
Beste Grüße, schrien sie, an den Meister der Zeilen, Ellzett!

Kleine Legearbeit auf bemaltem Pappgrund

Zu danken habe ich wieder für die Schreibeinladung und -anregung bei textstaub:

https://textstaub.wordpress.com/2017/03/12/schreibeinladung-fuer-abc-etueden-fuer-die-textwoche-11-17-worte-by-melanie-coupar/

—–

*Dies ist zugleich eine Antwort auf lzs letzten Beitrag hier

Veröffentlicht unter Allgemein, Dichtung, die schöne Welt des Scheins, Katastrophe, Legearbeiten, Malerei, Märchen, Meine Kunst, Methode, Mythologie, Natur, Psyche, Reisen, Schrift, Tiere | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 18 Kommentare

Vollmondnacht

Der Mond stand voll und rund hinter der riesigen Kiefer, ich sah ihn, als ich gestern ins Atelier hinunterging für einen letzten Besuch. Und zeichnete einen Mond hinter einem Olivenbaum. So richtig gefiel er mir nicht, ich mag diese halbwegs realistischen Bilder nicht mehr. Aber ich fotografierte das Bild, bevor ich es überzeichnete. Und ließ das Foto dann noch durch zwei Filter laufen. Was mich auch nicht wirklich glücklich machte. Aber schau selbst (zum Vergrößern anklicken).

    

Die Zeichnung veränderte sich durch Verwischen, Überzeichnen, Drehen. Weiche Körperformen bildeten sich. Mondlicht-Phantasien.

Aber auch die verwarf ich. Und so entstand schließlich der „Abstieg“, ein Ergebnis, das ich gelten lasse:

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine andere Zeichnung, die ich überarbeitete, um ihr den Vollmond mit Pinsel und Akryllpigment  einzufügen,    gefiel mir auch nicht recht. Also halbierte ich sie, und so blieb am Ende diese „Mondnacht“ im Format 50×35 cm:

Mir scheint, dass es die gesuchten Qualitäten hat, um das stille Weben des Mondlichts zu zeigen. Es gefällt mir.

Veröffentlicht unter Allgemein, Leben, Meine Kunst, Natur, Psyche, Umwelt, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 13 Kommentare

textstaubs abc-etüden, diesmal mit Hängematte, Meeresfrüchte, Urteil

Mein Bett schwankte und schaukelte leicht im Wind, als sei’s eine Hängematte, aufgespannt zwischen Tag und Nacht. In Himmelshöhen schwebten Engelgestalten, dunkle und helle. Unter mir fühlte ich die Erde mit ihrem Getier, und das Meer in leichter dünender Bewegung. Ich dachte lange darüber nach, „wie man zer welte sollte leben: deheinen rat kond ich gegeben…“* Solange ich auch dachte und schaukelte und mich wiegen ließ: zu einem Urteil konnte ich nicht kommen. So sank ich hinab und wurde zu einer Meeresfrucht unter Meeresfrüchten.

zum Vergrößern anklicken.


*Walther von der Vogelweide: „Ich saz uf einem steine…

Die Legebilder habe ich schon früher verwendet: hier und hier.

Mein Dank gilt lz und melanie coupar: https://textstaub.wordpress.com/2017/03/12/schreibeinladung-fuer-abc-etueden-fuer-die-textwoche-11-17-worte-by-melanie-coupar/

Veröffentlicht unter Allgemein, Dichtung, Legearbeiten, Meine Kunst, Natur, Psyche, Tiere, Träumen, Umwelt, Zwischen Himmel und Meer | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar