Heiligabend in der Mani

Noch war früher Nachmittag, als wir die Sandova-Bucht entlang spazierten. Unser Hund hatte Spaß, denn eine feine Hündin, Zufallsbekanntschaft aus der Bretagne, hatte Lust, mit ihm zu spielen.
Inzwischen ist Nacht, ein Sichelmond steht am klaren Himmel, und der Kamin brennt. Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern eine schöne Heilige Nacht und schließe den Computer.

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Heilige sind wir nicht

Heilige sind wir nicht. Aber wenn Heimatlose anklopfen, können wir ihnen vielleicht doch die Tür, das Herz oder jedenfalls das Portemonnaie öffnen, auch wenn sie stören.

Das Legebild gehört zu der Geschichte von Tiu-Ti und ist, ich staune, bereits zwei Jahre alt. Damals, im Dezember 2015, wimmelte es von Artikeln über die „Flüchtlingswelle“, die über das still versonnene Deutschland hereinschwappte. In diesem Jahr ist das Thema ziemlich abhanden gekommen, denn nun bemerkt man, dank zahlreicher Dämme und Schleusen, keine Welle mehr, sondern nur noch ein Rumoren an Europas Gestaden. Was aber nichts ändert am Elend der Heimatlosen, Ausgebombten und Hilfesuchenden, die es weiterhin gibt und geben wird, solange die Kriege nicht aufhören. In diesem Sinne:

Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.

Und hier mein Lieblings-Adventchoral dieses Jahres – nein, diesmal ist es nicht „Es kommt ein Schiff geladen“ (hier und hier), sondern „O Heiland reiß die Himmel auf“. Mit ihm wachte ich heute morgen nach einer schwierigen Nacht auf, und so teile ich ihn mit euch in einer Bearbeitung von Johannes Brahms, am 22.2.2012 von cantseetheforest für youtube eingerichtet. Der Text stammt von dem Barock-Dichter (17. Jh) Friedrich Spee. Als Ausführende wird die National German Radio Symphony genannt.

Ich wünsche allen einen friedlichen 4. Advent, der übergehen möge in eine stille, heilige Nacht.

 

 

 

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Weiße Weihnachten?

Wäre ich jetzt in Athen … bin ich aber nicht.
Attika versank heute im Schnee. Chaos auf den Straßen. Ich befinde mich aber weiter südlich, in der Mani, und so muss ich mich mit dem Anblick der fernen weißen Gipfel des Taygetos-Gebirges begnügen, während die Straßen vom Starkregen überschwemmt werden. Schön ist es auch so.

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Das Abaton von Skitsofrenis

Ihr kennt ihn, habe ihn schon verschiedentlich vorgestellt, den Wandmaler Skitsofrenis. Heute sah ich ein paar seiner Bilder – oder besser seiner gemalten Wandzeitung  –  gegenüber einer gemütlichen Taverne mit dem Namen Therapeutirion (Heilanstalt). Die Bilder seien schon da gewesen, als das Lokal aufmachte, sagte mir der Wirt. Überschrieben sind sie mit dem Wort „Abaton“ – das Unbetretbare.

„Abaton“ – das „Nicht-Betretbare“ – hieß der Raum im Asklepion von Epidaurus, in dem Heilung Suchende in tiefen Schlaf versetzt wurden.

Nach intensiver, reinigender Vorbereitung, zu der außer Fasten, Gymnastik und heilenden Kräutern auch spezielle Musik gehörte, wurde der Kranke in einen Raum in der Erde geführt, der war eng wie die Gebärmutter. Dort versenkte ihn der Priester  in tiefen Schlaf (Hypnose bedeutet in Schlaf versetzen). Wenn der Kranke Glück hatte, würde ihm der Gott (Asklepios) im Traum erscheinen, das erkrankte Organ berühren und die geeignete Therapie nennen. Am folgende Tag würden dann die Ärzte entsprechend den Anweisungen des Traums tätig werden.

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Ich betrachtete die Traumbilder des Skitsofrenis durch die Fenster des Therapeutirio und fragte mich, welche Therapie das Land wohl von der „ethnischen Schizophrenie“ heilen könnte, die im Text an der Wand behauptet wird.

 

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Der Frosch am Meeresstrand

Einsam und verlassen, pitschnass und schwer, das eine Auge recht trübe – was tut der Frosch im Dezember am Meeresstrand? Ich betrachtete ihn von links, ich betrachtete ihn von rechts, ich befragte ihn auch, aber er blieb stumm.

Das war vorgestern. Heute ging ich wieder vorbei, diesmal in Begleitung einer lieben Freundin. Da lächelte er tapfer.

Doch richtig froh wurde er erst, als sie mit ihm um die Wette lächelte.

Ich sags ja immer: Besser lächelt es sich zu zweit. Am besten, du suchst dir jetzt gleich jemanden, mit dem du synchron lächeln kannst. Dann siehst du, ich hab recht. 🙂 🙂

Wünsche einen frohen Abend!

 

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Liebesdrama in drei Bildern oder „Wie es euch gefällt“.

Ich habe noch einmal dieselben Teile genommen, die ihr von den letzten Arbeiten her bereits kennt, und sie neu arrangiert. Und wieder sind drei Bilder entstanden. Wenn dir etwas dazu einfällt – es würde mich freuen.

Zum Vergrößern musst du auf ein Bild klicken.

Die Reihenfolge der Bilder ist nicht zwingend.

Warum nicht diese Reihenfolge?

Oder gar diese?

Und wenn du Scherenschnitte magst, warum nicht so?

Wie es euch gefällt!

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Weihnachts-Kata-Strophen – kondensierte abc-etüde

Wörter über Wörter stehen für Christianes Adventsetüden zur Auswahl! Ich fühle mich fast wie in den von Waren überquellenden Kaufhäusern, wo alle schreien:

„Ich! Nimm mich! Lass mich nicht im Stich!“

Da ich,  besonders in dieser vorweihnachtlichen Zeit, ein gutherziger Mensch bin, habe ich all die Schreihälse genommen und so weit kondensiert und zusammengeschnürt, dass sie in die erlaubten zehn Säcke passen. Ich hab sogar die drei Säcke eingespart, die ich voriges Mal zu viel verbraucht hatte.

Kondensierte Adventstimmung

Hoffnungglühweineinsamkeit

drauf freut sich jetzt die Christenheit.

Zauberzimtsternlichterketten

mögen uns vorm Trübsinn retten.

Finsternisblueskaterstress

lass sie los, trink und vergess.

Zuckerorgiebackblechschnee

machen satt und tun nicht weh.

Kuschelsockengeschenklotterie

heut gewinnst du oder nie!

Spendenaufrufkerzenschein

sag mal Ja, vergiss dein Nein.

Angstchriststollendominosteine

Küss mich, iss und trink vom Weine,

denn ohne dich bin ich alleine.

Da capo.

Das Bild habe ich in ver Vorweihnachtszeit 2015 auf weißer Pappe 70 x 50 cm aus einem zerschnittenen Aquarell gelegt, dann geschüttelt und erneut fotografiert. Es verführte mich dazu, diese fast zufällig gefundene Methode weiter zu entwickeln – bis heute.

Zum Vergrößern bitte anklicken.

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Märchenhaftes fortgesetzt

Drei Bilder habe ich gestern gelegt. Drei Leserinnen gaben mir ihre Interpretation. Einmal war von einem Fels die Rede, den man gelegentlich über seinem Kopfe fühle. Ein Damoklesschwert, eine erdrückende Schwere. Und ich fragte mich: was könnte das für eine Last sein? Woher rührt sie? Und wie kommt es, dass sie sich manchmal dann doch auflöst?
Gleichzeitig Beklemmung und Schutz vermittle das erste Bild, heißt es in einem anderen Kommentar. Und ich fragte mich: wer ist denn wohl die Figur, die da beklemmend und zugleich schützend vor dem offenen Raum steht? Und da dasselbe Stück Pappe einmal diese Person, das andere Mal aber den Fels darstellt, schien mir: es ist dieselbe Kraft.

Beim zweiten Bild wurde Befreiung  erlebt, aber auch Trennungsschmerz, Angst vorm Loslassen. Das Schützend-Erdrückende ist nun nicht mehr im Blickfeld, stattdessen fliegt dort ein Vogel. Er ist aus demselben Material wie zuvor das senkrecht im Boden steckende rote Schwert. Was schützend-bedrückendes Dach war, ist nun Baumstamm zum Anlehnen, und die graue Figur wurde zur Baumkrone, wenn sie nicht eigentlich ein“Fels“ ist.

Heute probierte ich mögliche Fortsetzungen mit dem Material des dritten Bildes aus. Ich bin gespannt, was ihr, meine lieben Leserinnen und Leser, dabei fühlt und denkt. (Wie immer, zum Vergrößern anklicken)

Ich habe dann noch eine Frage. In welche Richtung schaut die Person eigentlich?

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Eine helfende Hand reichen – ein Sozialexperiment mit Grundschülern.

Heute möchte ich an ein Thema anschließen, das Ulli vor ein paar Tagen angeschlagen hat: „Nicht so geboren“.

„Nicht so geboren“ sind die Menschen, die an der Haltestelle beim Weihnachtsmarkt herumlungern, sagt Ulli. „Nicht so geboren“ sind auch die Gleichgültigen und Bösartigen, die sich von ihnen belästigt fühlen. Das zeigt ein “sozialen Experiment“, das dieser Tage hier in Kalamata stattfand. Ich weiß davon nur aus der Zeitung, übernehme den Inhalt einem Artikels der MessiniaLife. Dort wurde auch das Foto veröffentlicht:

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Ein Lehrer setzt sich als Bettler verkleidet vor die Grundschule, an der er sonst unterrichtet. Er hält sich eine große Pappe vors Gesicht, auf der in unorthografischer Schreibweise und in Druckbuchstaben folgender Text steht:

„Ich will nicht euer Ohr und auch nicht euer Geld. Nur eure Liebe will ich, damit wir viele Säcke mit Nahrungsmitteln für die Kinder der Welt füllen. Ich bin auch morgen hier zur selben Stunde und ich erwarte euch alle.   Der Bettler“

Niemand erkennt den Lehrer, auch der Rektor der Schule nicht. Sein Ziel ist, wie er später erläutert, durch das Mittel der Dramatisierung die kindliche Vorstellungskraft in Bewegung zu setzen und herauszufinden, wie sie reagieren, wenn sie vor ihrer Tür mit sozialen Problemen konfrontiert werden. Er möchte, dass die Kinder lernen, eine helfende Hand dem zu reichen, der in Not ist, damit er die Schwierigkeiten des Lebens bewältigen kann.

„Ziel war, im Geist von Weihnachten und nicht nur im Glanz des Festes zu bleiben. Es gibt Menschen unter uns, die uns brauchen, und nicht nur zu Weihnachten“.

Die Kinder erkennen ihn nicht und sind erregt, weil da ein Bettler direkt vor ihrem Schultor sitzt. Nach der ersten Überraschung und den unterschiedlichsten Gefühlen, die sie dabei durchleben, gehen sie heim zu ihren Eltern und kommen am nächsten Tag mit Geschenken….

Unglaublich, so der Lehrer, sei auch sein eigenes Erleben von der Position des Bettlers aus gewesen. Und er fasst zusammen: In der Schule sollten außer „Denken und Schreiben“  auch „Fühlen und Handeln“ gelernt werden.

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Neue Legearbeiten: Märchenhaftes.

Nun also habe ich ein neues großes Stück und ein paar kleinere aus dem zerstörten Bild herausgeschnitten. Ich nehme sie zu den vorigen dazu und lege nacheinander zwei Szenen, die zu deuten ich euch gern überlasse. Die zweite habe ich dann auf Susanne Hauns Anregung hin mit echten Herbst-Blättern kombiniert. Ich zeige zuerst die Originale und dann  je eine elektronisch erzeugte Variante in Grau. Bitte zum Vergrößern anklicken.

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