Arbeit mit Susannes Schnipseln: „Sonntagsbummel“ und „Schöner Wohnen“

Draußen herrschen Regen und Düsternis. Da leuchten Susannes Schnipsel doppelt verführerisch. Afrikanisches gestaltet sich: eine Familie – die Mutter und die vier Töchter – haben sich Schleifen ins Haar gebunden für die sonntägliche Promenade. Die Sonne schickt ihre Strahlen heiß zur Erde. Da ist das Wasser mit der plätschernden Ente eine Wohltat. Aber rein dürfen die Mädchen nicht, leider. Solche Vergnügen sind nicht für die Kinder der neuen Mittelklasse. Wozu hat man sich so fein gemacht?

Wenig später – es ist Siesta-Zeit – werden die Schnipsel dann zu einem Wohn-Schlafzimmer, geschmückt wie in den alten Ausgaben von „Schöner Wohnen“. Das Paar ruht unter der doppelten Leuchte und dem Wandschmuck – einem Schifflein aus Holz.  Vor dem Bett ein exotischer Bettvorleger, und zwischen den symmetrisch angeordneten Vasen auf der Kommode das streng blickende Bildnis eines Vorfahrs in ovalem Rahmen.

Vielleicht fragst du dich, wie das Zimmer des Nachts aussieht? Nun, nicht viel anders, nur die Farben sind verschwunden.

 

 

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Arbeit mit Susannes Schnipseln – Vorüberlegungen und 2 Versuche

Susannes Schnipsel stammen aus einem Akryllgemälde auf Pappe. Warme lebhafte Farben dominieren. Meine erste Frage ist heute: welchen Untergrund werde ich benutzen? Ich schütte die Schnipsel auf einen dunkelgrauen, weißen und beigen Grund und entschließe mich, mit dem weißen zu beginnen, weil er am neutralsten wirkt. (Bitte immer zum Vergrößern anklicken!!)

Myriade fragte, ob es einen Unterschied macht, ob man mit eigenen oder fremden Schnipseln Bilder legt. Ei freilich! antwortete ich, denn jeder Mensch produziert nicht nur verschiedene Farbzusammenstellungen, sondern auch verschiedene Formen. In der Kunsttherapie gewinnt man ganz wichtige Hinweise auf die Persönlichkeit des Patienten, indem man zB fragt: Dominiert die Farbe über die Form oder die Form über die Farbe? Werden gerade, gebogene, unregelmäßige, glatte, gebrochene …Linien bevorzugt? usw usf.

Ich lege Susannes Teile in eine Ordnung, um zu sehen, was ich da habe. Aha: glatte gerade Schnitte, geometrische Formen: viele Dreiecke, stark gelängte Vierecke, leicht deformierte Kreise, nur wenige unregelmäßige Teile. Die Form dominiert die Farbe, durchschneidet sie, setzt sich durch. Meine Ordnung basiert daher auf den Formen: ich lege die Dreiecke, Vierecke, runden Teile, Kreisabschnitte, Spirale, unregelmäßige Formen zusammen. Außer einer großen Spirale und einem kleinen schwarzen Punkt gibt es keine extremen Größen.

Vergleicht mal Susannes Teile mit meinen (im letzten Bild verwendete und Reserve-Schnipsel).

Was meine Schnipsel hergeben, habe ich euch in den letzten Tagen immer wieder vorgeführt. Ihr findet die Bilder hier und hier und hier. Was aber geben die Farben und Formen von Susanne für mich her? Wie kann ich damit umgehen? Ich werde versuchen, die mir fremde Formensprache in meine eigene umzuformen, soweit es eben geht.

Zwei Bilder habe ich vorhin schon mal gelegt. Sie enthalten jeweils alle Teile (bis auf den kleinen schwarzen Punkt, der verschütt ging). Die Geschichten dazu? Nun, die erzähle ich jetzt nicht. Vielleicht fällt dir ja eine ein?

 

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Susannes Schnipsel sind da!

Vielleicht erinnert sich der eine oder die andere? Susanne Haun zerschnitt eines ihrer älteren Gemälde und schickte die Schnipsel Richtung Griechenland, auf dass auch ich mein Glück damit versuche. Das war am 8. Dezember. So oft ich auch in unserer Taverne, die uns als Briefkasten dient, nachfragte: nichts. Wir begannen schon wegen des wahrscheinlichen Verlustes der Sendung zu trauern. Heute aber landeten der Umschlag sowie eine kleine Originalzeichnung von Susanne wohlbehalten auf dem Tavernentisch. Große Freude!

Nun aber bitte ein wenig Geduld! Denn ich weiß überhaupt noch nicht, wie sich die Stücke in meiner Hand anfühlen und was ich daraus legen kann. Es ist ein bisschen wie Bleigießen. Ich bin gespannt.

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Neue Legearbeit: Stall mit angebauter Kirche, oder Wir sitzen in einem Boot

Stall mit angebauter Kirche“ oder: „Wir sitzen in einem Boot„. Neue Legearbeit aus denselben nun schon bekannten Schnipseln.

Eigentlich war es ja eine Höhle. Darin gab es Stroh und eine Futterkrippe für Schafe und Ziegen. Immer noch besser als die kalte Winternacht, sagte Joseph zur Maria. …

Inzwischen wurde tüchtig angebaut. Höhle – Stall – Palast – Dom. Die Gläubigen stehen Schlange, um dem Priester ehrerietig die Hand mit dem großen funkelnden Stein zu küssen. Irgendwo dahinten liegt vielleicht noch das Kind, von Flöhen zerbissen.

Manche behaupten ja: Wir sitzen alle im selben Boot. Wenn das so ist: Wohin nehmen wir Kurs?

 

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Ausflug nach Gialova (3) Im Naturschutzgebiet

Es ist ein riesiges Gebiet mit feinem Sand und Dünen, ein Damm und ein Kanal erschließen das Binnenmeer. Auf der höchsten Erhebung stehen die Ruinen der Befestigung von Navarino. Hier, in diesem engen Seegebiet, wurde die osmanische Flotte entscheidend geschlagen, Griechenland wurde frei. Das war 1827.
Es dunkelte schon, als wir ankamen, und so konnten wir nur ein wenig umhergehen, auf die abendlichen Geräusche lauschen und die fantastischen Spiegelungen des bunten Himmels im Kanal bewundern. Der halbe Mond stand am noch hellen Himmel, auch er spiegelte sich.

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Ausflug nach Gialova (2) Gialova und das Abendmeer

Hier gehts nun weiter mit dem gestrigen Ausflug. Im Ort Gialova begrüßte uns als erstes wieder ein Bild von Skitsofrenis. Ich fotografierte es an der Wand einer Bar, ein Gespräch wurde angeknüpft, und schon waren wir drei Frauen vom jungen Barkeeper Elias, Besitzer des Husky, zu einer heißen Schokolade eingeladen. Elias kam schon viel rum, er lebte auch 8 Monate in Hamburg, aber ach, so viel er sich auch bemühte, gewöhnen konnte er sich nicht an das lausige Hamburger Wetter.
Der Ort ist im Sommer überlaufen, jetzt aber wunderbar still. Wir wanderten am Strand umher, jede in ihrem Tempo, und entdeckten ein weiteres Bild von Skitsofrenis. Ich erfuhr, dass er ausschließlich sprayt, also keinen Pinsel verwendet, und für das Bild mit den drei Mädchen acht Stunden brauchte ….  (Bitte zum Vergrößern anklicken)

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Ausflug nach Gialova (1): Im Dorf Pyla über der Bucht

Schöneres lässt sich nicht denken als ein Ausflug nach Gialova, wo sich das Ionische Meer in eine Welt unbewohnter Inseln schmiegt und einem großen Binnenmeer die Hand reicht. Das Naturschutzgebiet liegt bei Pylos im SW der Peloponnes,  wo der alte Nestor zu Hause war. Du weißt schon, der, wenngleich schon alt, mit nach Troja fuhr. Er war einer der wenigen, die zurückkamen. So konnte er Odysseus Sohn, Telemachos, Auskunft über seinen Vater geben.

Gestern nun war ich mit zwei Freundinnen dort, als der Abendhimmel die Gewässer bunt färbte. Die Farben wirken in meinem Herzen nach und machen mich froh an diesem grauen Tag.

Natürlich habe ich wieder zu viele Fotos gemacht. Ich teile den Ausflug daher Abschnitte auf.

(1) Vom Bergdorf Pyla über dem Ionischen Meer sahen wir, ankommend, hinab auf die Bucht und Inselwelt von Pylos. Ein Friedhof, eine der Freundinnen, zwei Bilder von Skitsofrenis (auf dem größeren steht: bewahre dir ein wenig Liebe, immer kommt jemand vorbei), ein angeketteter Hund, ein Haus zu verkaufen, und später dann noch ein Gehege mit einer Wildsau und ihren Lieben Kleinen.

 

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Scherzo mit Hechten

Jetzt glaubt bitte nicht, dass ich nichts anderes tue als aus den immer gleichen Teilen Bilder zu legen. Tatsächlich war der heutige ein reicher Tag, sehr viel Schönes habe ich erlebt und sogar auch ein wenig gezeichnet. Aber am Morgen entstand eben zunächst folgende Szene, die mich einigermaßen ins Grübeln brachte.

Warum, so fragte ich mich – und fragst du dich vielleicht auch – regt sich der Dicke Stummelschwänzige so auf? Warum schaut die Blaue zu besorgt und tränenreich hinüber zum Braunen, der ihr etwas zuruft? So jedenfalls schien mir. Man weiß ja nie wirklich, wenn man einem Streit auf der Straße zuschaut, was Sache ist und wer unsere Sympathie verdient.

Ich befragte meine Teile, und da offenbarte sich dann folgende Vorgeschichte.

Es war ein herrlicher Tag, die blauen Blumen blühten, umflattert von blauen Schmetterlingen. Der alte Hecht schlief fest und schnarchte wie ein Rübenschwein. Da näherte sich ein smarter Hechtjüngling der holden Gemahlin des Alten, und sie erblaute vor schmachtender Liebe.

Es konnte nicht ausbleiben, dass der Alte irgendwann erwachte und kapierte, welches Scherzo da gespielt wurde. Und so setzte sich der smarte Jüngling elegant ab und ließ die erblaute Gattin schutzlos bei ihrem missgünstigen Alten zurück.

Hier seht ihr noch mal das 3-teilige Scherzo in der Reihenfolge des tatsächlichen Geschehens.

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Eine Bootsfahrt

Noch einmal habe ich die wenigen Papierschnipsel verwendet, aus denen bereits Fische, Vögel, Landschaften und etliche Menschenszenen entstanden sind.

Heute wurde es ein Bootsfahrt. Das Schiff sucht sich eine Durchfahrt durch dräuende oder hindernde Felsen, ein Vogel weist den Weg. Im Mythos ist es die Geschichte  von den Argonauten, vom goldenen Vlies und den Sympligaden (den zusammenstoßenden Felsen). Jason ließ eine Taube fliegen, die geschwind durch die sich schließenden Felsen flog – nur eine Feder blieb stecken -, und als sie sich wieder öffneten, fuhr die Argo des Jason sicher hindurch.
Das ist lange her. Die Argo verkümmerte zu einem Bötchen und das Goldene Vlies wurde zu ein paar goldenen Blättern des Granatapelbaums. Aber die Felsen sind immer noch gefährlich.

Argonauten, mit Zeichenprogramm überarbeitet

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Und sie bewegt sich doch …

… die Sonne. Als ich das erste Foto der unteren Reihe mache, ist sie eben versunken. Schon nimmt sie ihren Weg tiefer hinab, und nur eine Lichtaura, dann ein Lichtwölkchen schwebt noch Abschied winkend über dem Horizont.
Es muss die Sonne sein, die sich bewegt, denn ich selbst sitze regungslos, mein Hund auch, und die Erde atmet still und wie in sanften Traum versinkend. Es muss die Sonne sein.

 

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