Impulswerkstatt Bild 2: Oktoberblues (mit Dora)

Einladung zur Impulswerkstatt September-Oktober 2022

Dies Bild, liebe Myriade, so eindrucksvoll es ist, wollte sich mir lange nicht erschließen. Wo befindet sich die Frau mit dem Kind? Sie scheint sich, tiefgebeugt gegen einen unsichtbaren Wind, voranzukämpfen.  Sie bewegt sich weit oben rechts in einem ungewissen Gelände, das von roten Markierungen und mageren Strickleitern als senkrecht abfallend charakterisiert ist. Fast keine räumliche Tiefe. Keine Wege oder Einbuchtungen, um dieses Gelände sicher zu durchwandern.

Doch jetzt, auf dem letzten Wegstück, hat sich eine rote Linie quergelegt, als sagte sie: Hier entlang! Nun könnt ihr sicheren Schrittes voranschreiten, das Ziel werdet ihr nicht mehr verfehlen.

Doch welches ist das Ziel?

Heute ist der Erste Oktober. Weit ist das Jahr aufgestiegen und vorangeschritten. Es kämpft sich auf dem letzten Drittel seiner Existenz tief gebeugt und sorgenvoll voran : Wir haben die Ziellinie schon betreten. Schritt vor Schritt, tief bebeugt gegen die Widrigkeiten der Zeit ankämpfend, gilt es, den vorgesehenen Weg bis zum Ende zu schreiten.

„Liebe Frau“,  murmele ich, „du bist tapfer, weil du tapfer sein musst. Denn mit dir geht ein Kind. Das mag in den Abgrund schauen, das mag sich fürchten – du darfst es nicht. Du musst den Weg gehen, als wüsstest du, wo er hinführt.“

„Ach was!“ höre ich Dora krähen. „Hör nicht auf Gerda, gute Frau! Wer sich immer nur um die täglichen Sorgen kümmert, verkümmert! Richte dich auf, schau dich um! Waren es nicht wunderbare Tage und Nächte, die du durchwandert hast?  Ich leuchte dir gern auf dem Rest des Weges, damit du die Blumen siehst und die lieben Tiere und deinem Kind alles schön erklärst, damit es nicht dumm bleibst!“

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Abendprogramm mit „Zündler“, täglichem Zeichnen und Sichelmond

Heute hörte ich die neuesten Nachrichten samt Kommentaren im Atelier. Nebenher griff ich in einen Kasten mit Schnipseln. Und so entstand ein neues Legebild. Der Titel „Zündler“ stellte sich von selbst ein.

Und da die Nachrichten samt Kommentaren immer weitergingen, zeichnete ich auch noch mit schwarzem Kugelschreiber eine fast schwarze leere Weinflasche auf dem schwarzen Eisentisch.

Laterne, ohne Blitzllicht

Danach machten wir zu zweit einen Spaziergang. Der Sichelmond stand tief über dem Meer.

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Dora zum DreißigstenNeunten: Bitte um neue Schnipsel

Heute vor zwei Jahren kamen Lyrifants Schnipsel aus diversen Papiersorten und mit Buchstaben bedruckt hier an und verhalfen mir zu einer spannenden Legebild-Erfahrung

Heute vor einem Jahr kamen Maries weiße Schnipsel hier an, die eine ganz andere Legebildreihe impulsierten und, nachdem ich sie auf einer Seite eingefärbt hatte, schöne Spiele mit Kindern ermöglichten.

Diese beiden Schnipselsets kamen jeweils Ende September/Anfang Oktober an.  Und so dachte ich mir heute, am letzten Tag des September: Frag doch mal rum!

Wie wäre es, wenn Du oder Du oder Du mir ein neues Set schicken würdest?

Natürlich kann ich eigene Bilder zerschnipseln, habe es ja lange auch getan. Doch wie viel spannender ist es, mit euren ganz und gar unterschiedlichen Schnipselspenden zu arbeiten! Wie viele Spenderinnen und Spender haben sich an diesem schönen Austausch inzwischen beteiligt!  Und alle, alle waren total verschieden!

Als erste spendete mir Susanne Haun eine Tüte mit Schnipseln in leuchtenden Orangetönen. Das war am 28. Dezember 2017. Daraus ist auch Dora, die Repräsentantin des Jahres 2022 hervorgegangen.

„Wie bitte?“ höre ich Doras Stimmchen. –  „Ach, das wusstest du nicht, liebe Dora? Ja, kurz vor dem Jahreswechsel 2017-18 habe ich dich empfangen. Du warst von Anfang an, als du dich aus der Spirale der Artistin entwickeltest, etwas Besonderes. Aber ich  ahnte damals nicht, welche große Rolle du einmal übernehmen würdest. Drei Viertel des Jahres beschenkst du mich schon mit deinen Geschenken! Mit Sorge blicke ich auf den Tag, an dem du dich zurückziehen wirst.“

Dora guckt ein wenig betreten. „Ich werde mich zurückziehen? Wohin denn? Und wer kommt nach mir?“ – Ich seufze. „Dass du dich zurückziehen wirst, das ist gewiss, kleine Dora. Schon jetzt machst du dich ja rarer. Drei Monate noch – und Schluss. Wohin? Ich weiß es nicht. Wer danach kommt? Auch das weiß ich nicht. Wir können ja mal gemeinsam darüber nachdenken.  Wenn uns jemand neue Schnipsel schenkt,  schaffen wir uns ein neues Wesen für 2023 als deinen Nachfolger.“ – „Und wenn niemand neue Schnipsel schickt?“ fragt Dora. „Kann ich dann weiter bleiben?“ – Ich schüttele stumm den Kopf. „Wenn niemand uns neue Schnipsel schenkt, werden wir mit dem alten Material eine neue Figur erschaffen müssen. Oder ich zerreiße ein Bild. Oder sonstwas.“

Schreib, liebe Leserin, lieber Leser, falls du uns eine Tüte mit Schnipseln zukommen lassen möchtest, bitte eine Mail an gkazakou@yahoo.de. Danke!

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Wenn die Vernunft schläft…

Der Schlaf (oder der Traum?) der Vernunft gebiert Ungeheuer, befand Goya (1746–1828) und schuf ein höchst eindrucksvolles Werk (1799), um diesen Gedanken zu illustrieren. Die Gravour zeigt Goya „schlafend an einer Art Tisch, umgeben von unheimlichen nächtlichen Wesen… Ein größeres der eulenähnlichen Wesen hat mit seinen Krallen eine der Schreibfedern ergriffen, scheint sie ihm reichen zu wollen und ihn anzusprechen“ (Wikipedia)

Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer – Wikipedia

Goya, Der Schlaf der Vernunft gebiert Monster. Quelle: Wikipedia

Schreib! krächzt das Eulenwesen. Schreib auf, was du siehst!

Ist es gefährlich, wenn die Vernunft schläft? Oder ist die Vernunft (raison, ratio) gefährlich, wenn sie sich selbst absolut setzt, und dann träumend Ungeheuerliches hervorbringt?

Ein Streit entbrannte unter den Interpreten, was mit dem Satz El sueño de la razón produce monstruos gemeint sei.

Im Zeitalter der Aufklärung, in dem das Werk entstand. wurde die erste Interpretation wie selbstverständlich akzeptiert, und sie ist bis heute die vorherrschende geblieben: Die Vernunft (raison) beschützt uns vor den fantastischen Ungeheuern.

Freilich: Die Zeit der Aufklärung endete im Terrorregime der französischen Revolution, in der Herrschaft der Guillotine, dieser rationalen Hinrichtungsmaschine, erfunden, um die Masse der zu Tötenden bewältigen zu können. Wir wissen inzwischen, dass der Erfindungsgeist in dieser Hinsicht noch einmal mit den Gaskammern übertroffen wurde. Adorno/Horkheimer beschrieben diese Doppelgesichtigkeit der Ratio als „Dialektik der Aufklärung“ (1944): „…so verstrickt Aufklärung mit jedem ihrer Schritte tiefer sich in Mythologie“,  in eine Mythologie, die im Positivismus des Faktischen kulminiert, welcher die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse als notwendige darstellt und „die den Einzelnen […] gegenüber den ökonomischen Mächten vollends annulliert“ (zitiert nach Wikipedia)

Zum Glück leben wir heute in einer aufgeklärten friedlichen Welt, in der die Ratio wacht und die Ungeheuer uns nichts anhaben können. Oder… vielleicht … könnte es sein, dass unsere so wunderbar aufgeklärte Menschheit gerade dabei ist, die ungeheuersten aller Verbrechen auszubrüten?

Ich sah auf meinem Regal die Eulen, die Goya noch plagten, lieb und schlafselig geborgen unter einem sanften Spinnennetz. Spinnen am Abend…. Die Eulenuhr tickt schon lange nicht mehr. Sie ist stehengeblieben.

 

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Blühende Yucca aka Palmlilie (Fotografie)

Seit ein paar Tagen blüht die große Yucca im Garten. Palmlilie wird sie genannt. Ich bin kein Fan dieser Pflanze, die so gar nicht in  unsere Olivenwelt passt. In ihrer mittelamerikanischen Heimat würde ich sie höher schätzen. Zu mir kamen zwei Ableger, als mein Garten noch ziemlich leer war. Eine Nachbarin schenkte sie mir, und ich pflanzte sie ein, nicht ahnend, dass ich sie nun nie mehr loswerden würde. Sie wachsen unbekümmert um rigoroses Zurückschneiden und sogar Abholzen. Beweis? Aus einem Stamm, der liegenblieb, hat sich ein Ableger  hervorgearbeitet, der wächst und wächst. Der Stamm dient ihr als Mutterboden und Wurzelersatz.

Egal: Wenn die Palmlilie blüht, mag ich sie doch. Sogar sehr. Dann macht sie auch ihrem Namen alle Ehre. Wie überdimensionierte Maiglöckchen sehen die Blüten aus, die sich erst bilden, wenn die Pflanze mehrere Jahre auf dem Buckel hat. Ich freue mich, dass meine nun schon zum wiederholten Mal ihren schönen rispenartigen Blütenstand hervortreibt. Der Stamm ist inzwischen sehr hoch, und ich müsste auf die Mauer steigen, um sie von Nahem zu betrachten und zu fotografieren. Das traute ich mir heute nicht zu. Vielleicht hole ich mir morgen eine Leiter. Für heute  bitte ich um Entschuldigung für die wenig attraktiven Fotos. Als Ersatz fürs Mauersteigen habe ich die Blüte herangezoomt – mit dem handy, was nicht viel bringt. Deine Fantasie ist daher gefragt, um dir die schönen Blüten vorzustellen.

 

 

 

ps. Eben sehe ich, dass ich vor zwei Jahren auf die Mauer gestiegen bin und weit bessere Fotos gemacht habe. Schau mal hier: https://gerdakazakou.com/2020/10/06/auch-das-bluht-im-garten/

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Echt Herbst jetzt (Ergänzung zu herbst-beschreiben-bei-royusch)

Nein, die Zyklamen sind nicht das einzige, was den griechischen Herbst ausmacht. Auch hier ist es den fürs Wetter zuständigen Geistern durchaus möglich, den norddeutschen ähnliche Atmosphären zusammenzubrauen. So heute, als wir, um unsere Wasserrechnung zu bezahlen, ins bäuerlich geprägte Zentraldorf Kampos fuhren. Das liegt etwa 350 m über dem Meeresspiegel und damit deutlich höher als unser Haus. Die Ausläufer des Taygetos-Gebirges, das sich immerhin zu zweieinhalbtausend Metern auftürmt,  sind von tiefhängenden Wolken verhüllt.

Im Foto sind auch andere mir aus meiner ersten Heimat (Holstein) vertraute Herbstmotive eingefangen: verblühende rote Rosen und goldene Sonnenblumen, von einer Teilnehmerin am Royusch-Projekt sehr hübsch als Herbstsonnen bezeichnet.

Und sonst? Was ist hier anders? Nun, vermutlich, dass wir auf dem Dorfplatz unter Sonnenschirmen, die uns vor plötzlichen Regengüssen schützen, zu Mittag speisen können, ohne zu frieren. Und dass sich daneben an einem Spieß ein ganzes Schwein dreht. Denn ja, der Herbst ist die Zeit des Schweinebratens. Vor Jahren versuchte die Regierung die Sitte, gebratene Schweine am Straßenrand zum Verkauf anzubieten, zu verbieten. Das sei eines zivilisierten Landes nicht würdig. Nun, das Verbot ließ sich nicht durchsetzen. Und ich bin mir durchaus nicht schlüssig, ob sich der zivilisierte Status eines Landes am Spießbraten entscheiden lässt. Wie auch immer: um meine sensiblen Leser und Leserinnen zu schonen, verzichte ich auf ein Nahfoto. Man kann den Bratspieß aber durch die mehrfach gefaltete, vom Regen eingetrübte spiegelnde Tür des Cafes, wo ich meinen Espresso trank, durchaus erkennen – wenn man es denn möchte.

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„Herbst beschreiben“ bei Royusch: Frühling im Herbst.

Mit einem einzigen Foto den Herbst zu beschreiben, das ist wirklich eine challange, lieber Roland!

Ich lebe im griechischen Süden inmitten immergrüner Olivenhaine; da ist der Herbst keine so ausgepägte Jahreszeit der Rückzugs und Verfalls.  Sicher, auch hier gibt es Bilder, die dem „Herbst“ meiner Kindheit an der Ostsee entspechen: tiefhängende Wolken, überreife am Boden vermodernde Früchte, Stoppelfelder, Sonnenschirm-Gerippe an leeren Stränden…, aber charakterisiert das den hiesigen Herbst wirklich? So frage ich mich.

Nein, für mich sind es hier die Blumenknollen und Zwiebeln, die, sobald der Regen den nach langen heißen Sommern ausgedörrten Boden berührt, sich zu regen beginnen. Und schon sprießen sie hervor und erblühen auf Neue wie diese zärtlichen wilden Zyklamen. Frühling im Herbst.

 

 

 

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Dora zum SechsundzwanzigstenNeunten: Kriegsschauplatz (Glasscherbenspiel)

„Was machst du da?“ höre ich ein bekanntes Stimmchen fragen. – „Dora!“ rufe ich erfreut. „Wo hast du denn all die Tage gesteckt?“ – „Ich bin gar nicht weggewesen“, gibt sie mir schnippisch zur Antwort. „Aber du hattest offenbar anderes im Sinn.“

Es stimmt, ich hatte anderes im Sinn. Finster blicke ich auf das Legebild vor mir. Dieser verdammte Krieg. Als ob es nicht genügte, dass die Welt in Scherben fällt, gehen selbst die Scherben noch kriegerisch aufeinander los – es ist ein Hauen und Stechen.

„Wenn dir der Krieg nicht gefällt und dir die Laune verdirbt, warum beschäftigtst du dich dann damit? Hast du nichts Besseres zu tun?“ fragt Dora.

O, dieses Kind! Ich überlege noch eine passende Antwort, da kräht sie mir schon wieder ins Ohr: „Denkst du etwa, wenn du wütend bist und wütende Bilder legst, wird die Welt besser?“ 

„Nein, natürlich nicht“, stottere ich, „aber…“ 

„Dein Aber kannst du dir gern sparen!“ unterbricht mich Dora. „Überleg dir lieber, wie du diese Scherben dazu bringen kannst, mit dem Hauen und Stechen aufzuhören. Das wäre ja schon mal ein Anfang.“

Dora hat recht. Eine friedliche Lösung finden – jedenfalls auf diesem Schlachtfeld – das wäre tatsächlich sinnvoller, als abzubilden was ist.  Ich überlege und beginne, die Scherben herumzuschieben. „Als erstes“, murmele ich, meine Gedanken begleitend, „muss die Konfrontation aufgelöst werden. Alle Beteiligten gehen an die Startlinie zurück. Die Mittelgroßen stellen sich selbstbewusst zwischen die Großen  und verhindern so, dass sich die Großen in die Haare geraten. Die Kleinscherben werden zum friedlichen Meer, das alle verbindet….“

„Na also!“, kräht Dora vergnügt. „Geht doch! Wenn sie möchten und friedlich sind, können sie meinetwegen auch gern zusammenrücken, um Platz für die Seefahrt zu schaffen. Die Passage zwischen ihnen bewache ich als Leuchtturm.

 

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Tägliches und gemeinsames Zeichnen am Sonntag

Zauberhafte Septembertage. Am Meer sitzen, schwimmen, noch mal eine Skizze vom alten Haus in der Bucht machen. In unserer Taverne zu Mittag essen und die Zeitungen studieren. Mittagsschlaf halten. Im Garten ein wenig herumfuhrwerken, Katzen füttern, ihnen wohlwollend zugucken. Die neu erstandenen kleinen goldgelben Astern im Topf auf den Eingangsstufen vor dem Gitter zeichnen.

Ich fotografiere die Zeichnung gleich vor Ort, so dass das immer noch dichte Laub des Aprikosenbaums als Schatten darüberfällt.

Das soll alles gewesen sein? Muss da nicht noch was kommen?

Ja, doch. Zu Besuch kommt Freundin Magda, und wir beschließen, uns mal wieder gegenseitig zu zeichnen. Sich gleichzeitig gegenzeitig zu zeichnen, ist eine ziemliche Herausforderung. Denn beim Zeichnen bewegt man sich, als Modell aber soll man still sitzen. Beides unter einen Hut zu bringen, ist nicht leicht.

Ich mache als erstes eine große „expressionistische“ Kohlezeichnung.

Beim zweiten Anlauf, nun wieder mit Kugelschreiber auf kleinerem Format, baue ich die Figur in die Linien des Hintergrunds ein. Mir gefällt der Rhythmus ganz gut, aber das Gesicht misslingt, also decke ich es mit einem Fetzen Papier ab.

Ich mache dann noch einen dritten Versuch und konzentriere mich diesmal auf das Gesicht.

Magda will ihre Zeichnungen nicht fotografieren, da sie sie für misslungen hält. Das muss ich respektieren, auch wenn ich nicht zustimme.

 

 

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Impulswerkstatt: Brücke

Einladung zur Impulswerkstatt September-Oktober 2022

Dieses Foto, liebe Myriade, hat mich ins Grübeln gebracht.  Offensichtlich ist es eine Brücke – du bestätigst es in deinem letzten Beitrag -, aber es fehlt alles, was eine Brücke ausmacht:  das darunter hinströmende Wasser, die stützenden Pfeiler und Streben, die Ufer, die sie verbindet. Sie hat wahrhaftig keine Ähnlichkeit mit den prächtigen Zeugen menschlicher Ingenieurkunst, die man an so vielen Orten der Welt bewundern kann.

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Nein, diese Brücke ist eine traurige Angelegenheit, ohne Bögen und Schwünge, stattdessen vergittert und verdrahtet. Der einzige Bogen gehört  – so vermute ich – zu einer Heiligenfigur, die die unter dem trüben Himmel Dahineilenden davor bewahren soll, sich  in den unsichtbaren Fluss hinabzustürzen. Das einzige, was hier fließt (hoffen wir es!) ist der Strom in den Leitungen.

Oder irre ich mich? Es fließt ja auch Blut in den Adern der jungen Frau, die grad vom Schwimmen kommt. Grün ist ihr Bikini, Farbe des Lebens. Ihre Schulter und ihr Schenkel leuchten lebendig auf. Ich möchte ihr zurufen: Halt! Bleib ein wenig stehen neben der dunkel gewandeten Heiligenfigur und lass deine Farben in den dunklen Tag verströmen, auf dass er leuchtet und grünt! Sie aber eilt unter ihren Rucksack gebeugt dahin, angstvoll womöglich, dass ihr outfit Anstoß erregen könnte.

 

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