Karfreitag mit blauer Schwertlilie (und mit Dora)

Ich schaue hinaus in den getrübten Himmel. Karfreitag, gut, da darf es trübe sein. Wo Dora wohl steckt? Seit sie weggesegelt ist, ist die Zeit zum Stillstand gekommen. Nichts rührt sich, alles ist trübe Erwartung, Nachher gehe ich, mir eine Lithurgie im kleinen Kloster anzuhören und mit den vier psalmodierenden Mönchen und den anderen Besuchern dem blumengeschmückten Katafalk zu folgen, eine gelbe Kerze in der Hand. In der Nacht drauf kommt es hoffentlich zur Auferstehung.

Gestern war Dora noch da. Ihre liebenswerte Neugier galt den blauen Schwertlilien, die höher und majestätischer sind als die weißen …

und etwas später mit dem Blühen beginnen. Wie ein Gemälde in rötlichem Blau mit weißlichen Lichtern – schäumend, lebendig öffnen sie sich. (Hallo Babsi! Manche deiner Landschaften sind so.)

Das wirklich Aufregende aber ist laut Dora die gefiederte getigerte Blütenzunge, die sich aus diesem schäumenden Blau herauswölbt  und eine perfekte Rutsche ergibt.

Hier posiert Dora neben der hoch aufgerichteten Zungenrutsche.

Eigentlich, liebe Dora, ist es hier genauso aufregend wie in der „Weite und Freiheit“ des Meeres. Was du dort findest, kannst du auch hier finden. Weite oder Nähe – auf den Blick kommt es an.

Ich hoffe wirklich, dass du bald zurück bist, denn ohne dich fehlen meinem Leben dein Witz und deine Leichtigkeit.

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Eine Kurzgeschichte (abc-etüde)

Eine zweite Etüde zu Christianes abc-etüden, diesmal mit Worten von etüden-Begründer Ludwig Zeidler.

Königskuchen
akribisch
träumen.

abc.etüden 2022 16+17 | 365tageasatzaday

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Die Verführung

Eine Kurzgeschichte

Früher, als sie hungrig war, träumte sie viel. Sie träumte von Regierenden, die sich an leckerem Königskuchen delektierten, während das Zwergenvolk mit trockenem Brot abgespeist wurde. Dann wachte sie auf und war wütend. Die Herrschenden da oben sollten ihre eigenen Einnahmen und Ausgaben gefälligst ebenso akribisch unter die Lupe nehmen wie die ihrer Untertanen!

Der verführerische Duft des Königskuchens kroch ihr in die Nase, und sie beschloss, Politikerin zu werden*.

Jetzt träumt sie nicht mehr. Aber sie isst gut und reichlich.

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* Der Satz Ich aber beschloss nun, Politiker zu werden. stammt von Hitler (Mein Kampf). Die Umstände: Hitler lag nach einem Senfgasangriff der Briten erblindet in einem Lazarett und erfuhr dort vom Ende des Kaiserreichs und Ausrufung der Republik. Er war entsetzt und wütend und „beschloss, Politiker zu werden“.  Die Folgen sind bekannt.  Bei Wiki hier.

So dramatisch sind die heutigen Beschlüsse, Politiker zu werden, natürlich nicht begründet. Heute sind es wohl eher die „Diäten“, ein Begriff, der in Politikerkreisen eine etwas andere Bedeutung hat als bei unsereinem.

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Dora zum ZweiundzwanzigstenVierten: der Segler

Kohle auf Zeichenpappe, DIN A 2

Dora schaut mir zu, wie ich mit schnellen Bewegungen einen Segler auf einen großen Bogen Papier zeichne. Wozu der gut sei? „Segler“, so erkläre ich ihr, „geben mir ein Gefühl von Weite und Freiheit. Und das brauche ich einfach. In den letzten zwei Jahren war es nicht weit her damit. Aber nun fühle ich einen neuen Wind, es riecht nach Aufbruch…“

„Kann ich mir den Segler mal ausleihen?“ fragt mich Dora, als ich mit meiner Erklärung zu Ende bin. „Ich möchte auch gern mal Weite und Freiheit erleben, anstatt immer nur hier herum zu leben.“

Ich verstehe Dora sehr gut, denn bisher hat sie nicht viel mehr als Haus und Garten und Felder, ein paar Dörfer, die Stadt Kalamata und, nun ja, auch ein bisschen von Attika gesehen. Dabei ist die Erde doch groß und rund und will erfahren sein!

Schiffchen ahoi! Und vergiss das Wiederkommen nicht, kleine Dora!

Kohlezeichnung und Legebild, mit Foto überblendet

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Family life

Hinter dem Fenster, links in der Ecke der Terrassen-Umrandung spielt sich Prinkipessas Familienleben ab. Du siehst nichts? Also ranzoomen:

Mama merkt immer sofort und fixiert mich, wenn ich hinter der Fensterscheibe erscheine. Bevor sie sich absentiert, schickt sie die Kleinen unter das Blätterdach. Und ich bete, dass sie da sicher sind und ich nicht ein weiteres Mal leblose Kleinkatzen einsammeln muss.

Erinnerst du dich? Diese beiden „Gelben“ waren ihre ersten Kinder. Was aus ihnen wurde, weiß ich nicht.

Als nächstes brachte sie sechs „Bunte“ im Abstellraum zur Welt.  Hier sind sie groß genug, um im Freien zu spielen.

Fünf der sechs fand ich eines Morgens tot, mit einem Biss im Hals. Als einzige überlebte Pauline dieses Massaker. Sie tauchte später auf, verschwand dann aber ebenfalls.

Nun also sind es fünf, die sie wieder hinter der hohen Eisentür im Abstellraum zur Welt brachte, mehrmals umzog und nun im Freien nährt und spielen lässt: vier Grauweiße wie Mama selbst und ein Goldgelbes. Wie verschwenderisch die Natur ist! Welche werden es schaffen? Wovon werden sie leben? Prinkipessa ist ja eine Wildkatze, und so wird sie wohl noch viele Male Junge bekommen, bevor es mir gelingt, sie sterilisieren zu lassen…. Wenn ich es überhaupt möchte.

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Dora zum EinundzwanzigstenVierten: Zitrone (kleine Beobachtungen)

Ich sehe Dora unter dem Zitronenbaum stehen. „Was schaust du da?“ frage ich neugierig. „Ich weiß nicht, was ich davon halten soll“, antwortet sie ungewöhnlich nachdenklich. „Wovon?“ frage ich und trete näher.

„Na, davon! Der Baum hat Knospen und Blüten, und also ist Frühling, oder?

„Ja, klar!“ antworte ich. „Jetzt ist Frühling, und da blühen die Bäume. Ich dachte, das wüsstest du.“

„Und was ist das daneben? Was ist da passiert?“ – „Nun“, sage ich, „das ist ein Fruchtansatz. Daraus entwickelt sich dann später die Frucht. Im gegebenen Fall eine Zitrone.“

„Hm“, macht Dora, „was meinst du mit später?  Diese Zitrone ist jedenfalls schon da.“

Dora hat recht. Zitrone, Fruchtansatz und Blüte befinden sich gleichzeitig am Baum. „Ja, stimmt“, sage ich dann auch. „Du hast Recht. Zitrone, Fruchtansatz und Blüte entwickeln sich gleichzeitig am Baum.“ – „Dann ist jetzt also nicht Frühling? Oder was?“ – „Doch, klar ist Frühling.“ –

In Doras Köpfchen arbeitet es. Schließlich stottert sie heraus: „Und ich, bin ich jung, oder bin ich schon später?“ – „Du?“

Verwirrt schaue ich auf Dora. „Was hast du mit dem Zitronenbaum zu tun? Du bist Dora und das hier ist ein Zitronenbaum. Ihr seid verschieden.“ Ich verbeiße mir den Zusatz, dass der Zitronenbaum viele Jahreszeiten kennt, die sich ineinander schieben, während Dora ja nur einen einzigen Jahresablauf hat. Ein Drittel ist schon rum. Nach Menschenmaß ist sie etwa 33 Jahre alt.

„Du bist keine Knospe mehr, kleine Dora, sondern eine offene Blüte,“ füge ich hinzu. „Mal sehen, welche Frucht aus dir noch wird.“

Lange noch sehe ich Dora über der offenen Blüte stehen, in der sich der Fruchtansatz bereits zeigt.

Ja, welche Frucht bildet dieses Jahr wohl aus? Eine saure wie die Zitrone oder eine süße leicht vergängliche wie die Aprikose, einen herzhaften Apfel oder eine Birne, deren Kerngehäuse schon angefault ist…  oder was?

Und ich denke: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“

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Von Nahem betrachtet

Ich bemerkte  sie am Wegesrand, sah nicht besonders bedeutsam aus. Aber als ich sie von Nahem betrachtete….

erschien sie mir doch als etwas ganz Besonderes. (So geht es ja oft: Du begegnest einem Menschen auf der Straße, wirfst einen kurzen Blick und wanderst weiter. Bleibst du aber stehen, bemerkst du das unvergleichliche Wunder gerade dieses Menschen.)

Nein? Wirklich nicht?

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Mittagsblumen

Oder doch lieber diese?

Sie bilden jetzt wieder blühende Teppiche..

 

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Dora zum ZwanzigstenVierten: Oster-Häsin (Glasscherben-Legebild)

Beuys versuchte, einem toten Hasen die Bilder zu erklären. Ich habe eine lebendige Häsin kreiert, die versucht, sich zu erklären, warum die Menschen ihre schöne Erde in Trümmer schlagen. Sie kniet vor den Scherben, sucht sie zusammen: Was lässt sich eventuell noch daraus machen? Ihr kommt eine Idee! Eine Schwalbe!

Die Häsin berührt die Scherben mit ihrem Zauberstab, und da fliegt die Schwalbe los und zeigt den Frühling an.

Ich weiß, ich weiß: eine Schwalbe macht noch keinen Sommer! Aber jedenfalls ist ein Frühlings-Anfang gemacht.

Dora betrachtet das Hasen-Werk mit schief gelegtem Kopf. „Ein paar Farben würden nicht schaden,“ befindet sie. Und gießt Himmelsblau und Lindgrün, Eierrot und Sonnengold über das Bild.

Beste Grüße an alle aus unserer Osterwoche!

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Die Mergelwand (kleine Beobachtungen)

Es zieht mich täglich zu der Mergelwand, in die die Mauerbienen ihre runden Höhlen gebohrt haben. Nicht nur wegen der Mauerbienen, die sich rar machen (ich sah nur eine einzige).

Erstaunlich sind diese Höhlen. Wie machen sie die bloß? Die meisten haben glatte Ränder und Wände, manche sind zugekleistert, aber eine hat einen Sandwulst, der aussieht, als hätte die Biene auf die Höhle noch einen Turm drauf bauen wollen. Zu gerne würde ich zusehen, wie sie das machen.

Nun wissen wir ja längst, dass Tiere über eine enorme Intelligenz und über Technologien verfügen, die zu entwickeln wir Menschen Jahrtausende brauchten. Denkt nur ans Papier! Die Wespen beherrschten die Papierherstellung längst, als die Chinesen es schließlich für den menschlichen Gebrauch erfanden. In Europa gibt es Papier gerade mal seit sechs Jahrhunderten.

Die Mergelwand fasziniert mich aber nicht nur wegen der Bienen-Baukünstler. Sehr liebe ich die reichhaltigen Strukturen, die im Zusammenwirken von mineralischen und pflanzlichen Prozessen und Witterungseinflüssen entstehen.

Hier sieht man den Efeu als plastischen Künstler am Werke.

Dagegen ein von einer Baumaschine abgeschliffenes Wandstück. Nun ja.

 

 

 

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Dora zum NeunzehntenVierten: Nach dem Regen

Fröhlich spazieren wir im hellen Vormittagslicht in die Frühlingsnatur hinaus. Der nächtliche Regen hat alles in Glanz getaucht. Welch eine Freude nach den trüben Tagen! Mein Blick geht in die Weite, zum tiefblauen Meer, zu den Bergen, deren klare Silhouetten von ziehendem weißem Gewölk in ständig wechselnde Licht- und Schattenfelder aufgeteilt werden.

Dora ist mehr für das Naheliegende zu haben: hier eine winzige rosa Blüte, dort eine im Wind flatternde Mohnblüte… „Hast du die hier gesehen? Guck mal hier! Schau mal dort!“ „Ja, ja, ja, Dora. Ich bin ja nicht blind!“ Wie ein kleines Kind ist sie. „Rupf ja keine ab, Dora! … Ja, der rosa Trichter ist eine Ackerwinde. Der gelb Lackierte ein Hahnenfuß. Wie die kleinen heißen, weiß ich nicht.“

Immer wieder vergesse ich, dass dies Doras erster und einziger Frühling ist. Dass sie noch nie eine Ackerwinde gesehen hat und auch keinen Hahnenfuß. Ich müsste all die kleinen Blüten mit ihr betrachten, mit ihr zusammen wieder lernen zu staunen, so als sähe ich all dies zum ersten Mal. Oder zum letzten Mal. Habe ich es überhaupt schon je gesehen – ich meine: wirklich gesehen -, was da nach dem nächtlichen Regen so wundersam aus der Erde sprießt?

Ganz außer sich vor Entzücken ist Dora, als sie eine Blatttränke entdeckt. Und ich gebe zu: Auch ich habe selten so etwas Feines gesehen. Die Tränke steht witzigerweise direkt vor dem Pumpenhäuschen der Wassergesellschaft. In jedem der wie Schöpfkellen geformten in vielen Etagen übereinander stehenden Blätterschalen liegt eine wohlgeformte glänzende spiegelnde Wasserperle! Dora versucht, mir eine zu bringen, ohne dass sie zerrinnt.

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