
Dies Bild, liebe Myriade, so eindrucksvoll es ist, wollte sich mir lange nicht erschließen. Wo befindet sich die Frau mit dem Kind? Sie scheint sich, tiefgebeugt gegen einen unsichtbaren Wind, voranzukämpfen. Sie bewegt sich weit oben rechts in einem ungewissen Gelände, das von roten Markierungen und mageren Strickleitern als senkrecht abfallend charakterisiert ist. Fast keine räumliche Tiefe. Keine Wege oder Einbuchtungen, um dieses Gelände sicher zu durchwandern.
Doch jetzt, auf dem letzten Wegstück, hat sich eine rote Linie quergelegt, als sagte sie: Hier entlang! Nun könnt ihr sicheren Schrittes voranschreiten, das Ziel werdet ihr nicht mehr verfehlen.
Doch welches ist das Ziel?
Heute ist der Erste Oktober. Weit ist das Jahr aufgestiegen und vorangeschritten. Es kämpft sich auf dem letzten Drittel seiner Existenz tief gebeugt und sorgenvoll voran : Wir haben die Ziellinie schon betreten. Schritt vor Schritt, tief bebeugt gegen die Widrigkeiten der Zeit ankämpfend, gilt es, den vorgesehenen Weg bis zum Ende zu schreiten.
„Liebe Frau“, murmele ich, „du bist tapfer, weil du tapfer sein musst. Denn mit dir geht ein Kind. Das mag in den Abgrund schauen, das mag sich fürchten – du darfst es nicht. Du musst den Weg gehen, als wüsstest du, wo er hinführt.“
„Ach was!“ höre ich Dora krähen. „Hör nicht auf Gerda, gute Frau! Wer sich immer nur um die täglichen Sorgen kümmert, verkümmert! Richte dich auf, schau dich um! Waren es nicht wunderbare Tage und Nächte, die du durchwandert hast? Ich leuchte dir gern auf dem Rest des Weges, damit du die Blumen siehst und die lieben Tiere und deinem Kind alles schön erklärst, damit es nicht dumm bleibst!“





























