Eine Kurzgeschichte (abc-etüde)

Eine zweite Etüde zu Christianes abc-etüden, diesmal mit Worten von etüden-Begründer Ludwig Zeidler.

Königskuchen
akribisch
träumen.

abc.etüden 2022 16+17 | 365tageasatzaday

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Die Verführung

Eine Kurzgeschichte

Früher, als sie hungrig war, träumte sie viel. Sie träumte von Regierenden, die sich an leckerem Königskuchen delektierten, während das Zwergenvolk mit trockenem Brot abgespeist wurde. Dann wachte sie auf und war wütend. Die Herrschenden da oben sollten ihre eigenen Einnahmen und Ausgaben gefälligst ebenso akribisch unter die Lupe nehmen wie die ihrer Untertanen!

Der verführerische Duft des Königskuchens kroch ihr in die Nase, und sie beschloss, Politikerin zu werden*.

Jetzt träumt sie nicht mehr. Aber sie isst gut und reichlich.

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* Der Satz Ich aber beschloss nun, Politiker zu werden. stammt von Hitler (Mein Kampf). Die Umstände: Hitler lag nach einem Senfgasangriff der Briten erblindet in einem Lazarett und erfuhr dort vom Ende des Kaiserreichs und Ausrufung der Republik. Er war entsetzt und wütend und „beschloss, Politiker zu werden“.  Die Folgen sind bekannt.  Bei Wiki hier.

So dramatisch sind die heutigen Beschlüsse, Politiker zu werden, natürlich nicht begründet. Heute sind es wohl eher die „Diäten“, ein Begriff, der in Politikerkreisen eine etwas andere Bedeutung hat als bei unsereinem.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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10 Antworten zu Eine Kurzgeschichte (abc-etüde)

  1. Christiane schreibt:

    Prinzipiell ist der Wunsch, etwas verändern zu wollen, ein sehr guter Antrieb, sich zu engagieren.
    Leider empfinde ich „Politiker“ inzwischen fast als Schimpfwort, und ich weiß nicht, was ich jemandem raten würde, der etwas verändern möchte, höchstens wachsam zu sein und misstrauisch, egal, wem gegenüber.
    Sei in euren Karfreitag ganz herzlich gegrüßt ⛅🌼☕🍪🦋👍

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  2. Werner Kastens schreibt:

    Früher war der Adel und die Kirche Herren der Pfründe und wir haben ihnen Hochlieder gesungen. Heute werden die Pfründe weiterhin einigen Wenigen vorgehalten und sind noch nicht einmal vererbbar. Ist doch schon mal ein Fortschritt, finde ich.

    Gefällt 2 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Danke, Werner! Vererbbar sind nicht, da hast du recht – die politischen und kirchlichen Pfründe (na ja, Ausnahmen gibt es da auch, wir haben hier zB Politikerdynastien), aber vererbt wird das bewegliche und unbewegliche Vermögen: Ländereien, Schlösser, Hausbesitz, Fabriken, Aktienpakete, Schließfächerinhalte, Namen und Verbindungen…..

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  3. Nach dem Wohlgeschmack des Königskuchens auf den Geschmack zu kommen, Politiker zu werden zeugt von riesiger Kreativität, liebe Gerda 🙂 Mein Grinsen reichte bis zu den Ohren, bis ich von Hitler las… und mein Grinsen verging mir blitzschnell …
    Die Diäten fließen immer rnoch reichlich, so viel ich weiß, aber ich weiß auch nicht allzuviel 🙂

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  4. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 18.19.22 | Wortspende von Myriade | Irgendwas ist immer

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